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Full text of "Die Schulkomödien des Paters Franciszek Bohomolec, S.J.; ein literarhistorischer Beitrag zur Kenntnis der Anfänge der modernen polnischen Komödie"

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SLAVICA 


BEITRÄGE    ZUM    STUDIUM    DER    SPRACHE, 
LITERATUR,  KULTUR,  VOLKS-  UND  ALTERTUMS- 
KUNDE   DER   SLAVEN 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

M.  MURKO 

O    PROFESSOR  DER  SLAVISCHEN   PHILOLOGIE 
AN   DER  KARLS-UNIVERSITÄT  PRAG 


VIII.  DIE  SOHULKOMÖDIEN  DES  PATERS 
FRANOISZEK  BOHOMOLEC  S.  J. 


VON 

AD.  STENDER-PETERSEN 


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HEIDELBERG  1923 
CARL  WINTER'S  UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 


DIE  SCHULKOMÖDIEN 

DES  PATERS  FRANCISZEK 

BOHOMOLEC  S.  J. 


EIN   LITERARHISTORISCHER  BEITRAG 

ZUR  KENNTNIS  DER  ANFÄNGE  DER  MODERNEN 

POLNISCHEN   KOMÖDIE 


VON 


AD.  STENDER-PETERSEN 


HEIDELBERG  1923 
CARL  WINTER'S  UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 

Verlags- Nr.  1780. 


Alle  Rechte,  besonders  das  Übersetzungsrecht  in  fremde  Sprachen, 
sind  vorbehalten. 


2  9  1955 


^^o-:^034 


Vorwort. 

Vorliegende  Arbeit  ist  nur  eine  Teilfrucht  meiner 
Forschungen  auf  dem  noch  wenig  bearbeiteten  Gebiete 
der  polnischen  Komödie  im  18.  Jahrhundert  und  einer 
Frage  gewidmet,  die  ich  aus  der  Fülle  der  sich  darbieten- 
den Aufgaben  herausgegriffen  und  eingehender  behandelt 
habe.  Warum  ich  gerade  Bohomolec  und  seine  Schul- 
komödien zum  Gegenstande  dieser  Studie  gewählt  habe, 
davon  spreche  ich  in  meiner  Einleitung  und  kann  daher 
im  Vorworte  davon  schweigen.  Hier  möchte  ich  nur  be- 
tonen, daß  mancher  Mangel,  vielleicht  auch  mancher 
Fehler,  die  ich  mir  möglicherweise  habe  zuschulden  kom- 
men lassen,  ihre  Erklärung  oder  gar  Entschuldigung  in 
der  besonderen  Eutstehungsart  meiner  Studie  finden 
müssen. 

Hindernisse  materieller  Art  stellten  sich  der  Durch- 
führung meiner  Aufgabe  mehrfach  in  den  Weg.  Der 
nordische  Slavist,  der  seinen  Forschungen  eine  literar- 
historische Richtung  gibt,  ist  in  weit  höherem  Grade  als 
seine  Mitbrüder  auf  dem  Gebiete  der  germanischen  und 
romanischen  Philologie  durch  äußere  Umstände  dazu  ge- 
zwungen, sich  sein  wissenschaftliches  Material  auf  längeren 
oder  kürzeren  Reisen  zu  erwerben,  Reisen,  die  leider  dem 
tiefer  dringenden  Studium  die  nötige  Muße  und  Konzen- 
tration rauben.  Slavische  Texte  und  Werke  älteren  Datums, 
zuweilen  auch  die  Forschungsresultate  der  Kriegsperlode, 
sind  ihm  im  großen  und  ganzen  in  den  nordischen  Biblio- 
theken unzugänglich  oder  nur  schwer  zugänglich;  die  Ent- 


VI  Vorwort. 

fernung  von  den  slavischen  Bibliotheken  und  der  leider 
immer  noch  erschwerte  ßücheraustausch  zwischen  Polen 
und  Skandinavien  hindert  ihn  in  mehr  oder  weniger 
wichtigen  Fällen  an  der  exakten  Durchführung  seiner 
Pläne;  er  muß,  wenn  er  sein  Ziel  erreichen  will,  den 
Wanderstab  ergreifen  und  dankbar  sein,  wenn  ihm  die 
Kämpfe  und  Krämpfe  Europas,  vielleicht  auch  seine  eigenen 
Verhältnisse,  die  Wanderlust  nicht  benehmen  und  nicht 
dem  Forscherdrange  die  Flügel  binden. 

Auch  diese  Arbeit  wäre  wohl  kaum  entstanden,  w'enn 
nicht  äußere  Umstände  —  vor  allem  die  finanzielle  Unter- 
stützung der  Universität  Kopenhagen,  der  hiermit 
ein  aufrichtiger  Dank  dargebracht  sei,  —  es  dem  Verfasser 
möglich  gemacht  hätten,  zwei  Sommer  (1920  und  1921) 
in  Krakau  zwecks  Bibliotheksstudien  zuzubringen.  Mit 
besonderer  Freude  gedenke  ich  der  vielen  Stunden,  die 
ich  in  den  Räumen  der  altehrwürdigen  Biblioteka 
Jagielloiiska  zugebracht  habe,  und  deren  ergiebige  Aus- 
nutzung während  der  kurzen  Ferien  so  sehr  durch  das 
freundliche  Entgegenkommen  ihres  Direktors,  des  Herrn 
Professors  Dr.  Fryderyk  Papee,  und  der  übrigen  Leiter 
gefördert  wurde.  Mit  Freude  gedenke  ich  hier  auch  meiner 
stillen  Studien  in  den  Bibliotheksräumen  der  Polska 
Akademja  Umie  j  ^tn  osci,  zu  der  mir  der  Skandi- 
navenfreund  Herr  Professor  Dr.  Jan  Rozwadowski  mit  hilfs- 
bereiter Liebenswürdigkeit  den  Zutritt  vermittelte,  und 
meiner  Klosterstunden  in  dem  Lesesaale  des  Muzeum 
X.  X.  Czartoryskich,  dessen  Leiter  mir  freundlich 
halfen.  Mit  Dankbarkeit  erinnere  ich  mich  der  leider 
nur  wenigen  Stunden,  die  es  mir  vergönnt  war,  dem  Vor- 
trage des  Herrn  Professors  Dr.  Stanislaw  Windakiewdcz 
über  die  Geschichte  der  neuzeitlichen  polnischen  Dramatik 
lauschend,  imUniwersytetJagiellonski  zuzubringen. 
Ihnen  allen  sei  hier  ein  herzlicher  Dank  gesagt. 

Freilich  habe  ich  nicht  davon  träumen  können,  das 
auf  Reisen  gewonnene  Material  schon  an  Ort  und  Stelle 
zu  verarbeiten,  die  eigentliche  Arbeit  mußte  fern  von  den 


Vorwort.  VII 

Quellen  hier  am  Orte  meiner  Wirksamkeit  geleistet  wer- 
den, und  was  mir  in  dieser  Beziehung  gelungen  ist,  ver^ 
danke  ich  in  sehr  hohem  Grade  dem  glücklichen  Umstände, 
daß  mir  die  Schätze  der  schwedischen  Bibliotheken  und 
der  Großen  Königlichen  Bibliothek  zu  Kopen- 
hagen zur  Verfügung  standen  und  ein  umfassenderes 
Studium  der  mich  interessierenden  Fragen  ermöglichten; 
vor  allen  Dingen  aber  bin  ich  der  hiesigen  Stadt-  und 
Universitätsbibliothek  aufrichtigen  Dank  schuldig 
für  die  nie  erschlaffende  Hilfsbereitschaft  ihrer  Funktionäre, 
denen  ich  in  der  Person  ihres  Direktors,  des  Herrn  Doktors 
Lars  Wählin  und  des  Leiters  der  Ausleihestelle  und  der 
Bücherexpedition,  Herrn  Doktors  Sven  Gren  Broberg, 
meinen  herzlichen  Dank  darbringe.  Die  gleiche  Dankes- 
schuld statte  ich  auch  für  wertvolle  Hilfe  bei  der  be- 
schleunigten Korrekturlesung  meioem  Freunde,  dem  Herrn 
Kapellmeister  Fritz  Schaefer,  Berlin,  und  für  die  so  rühm- 
lich bekannte  deutsche  Präzision  des  Verlages  bei  der 
Drucklegung  meiner  Arbeit  seinem  Leiter,  Herrn  0.  Winter, 
an  dieser  Stelle  gern  und  freudig  ab. 


Goten  bürg,  im  Mai   1923. 


Der  Verfasser. 


Inhaltsverzeichnis. 


Seite 

Vorwort V 

Inhaltsverzeichnis VII 

Literaturverzeichnis XI 

Einleitung:    Kritische  Analyse  der  einschlägigen  wissenschaft- 
lichen Literatur 1 

Kapitel  I:      Bohomolec    in    seinem  Verhältnis    zur   Dramatik 

des  Jesuitenordens  in  Polen  und  Frankreich   .    .  19 
Kapitel  II:    Bohomolec'  Verhältnis  zur  lateinischen,  vorzüghch 

Plautinischen  Komödie      88 

Kapitel  III:  Bohomolec'  Verhältnis  zu  Meliere 131 

Kapitel  IV:  Sonstige  Quellenverhältnisse  bei  Bohomolec     .    .  192 

Kapitel  V:     Die  Tendenz  der  Schulkomödien 312 

Kapitel  VI:   Die     literarhistorische     Bedeutung     der     Schul- 
komödien       355 

Anhang:       Analyse  und  Bibliographie   der  «Schulkomödien»  382 


Literaturverzeichnis. 


A.  Werke  und  Quellen. 

1.  Komödien 

a)  polnischer  Dichter: 
Franciszek  Bohomolec:  über  die  Bil)liographie  der  Schulkomödien 
vgl.  Anhang;  über  die  Bibliographie  der  Theaterkomödien 
vgl.  die  Note  auf  S.  369. 
Codex  Collegii   Calissiensis    Societatis  Jesu,   saec.   XVIII  (Ms.    1S2 

Bibliotliecae  Jagellonicae  Gracoviensis). 
Codex   CoUegii  Posnaniensis  Societatis  Jesu,  saec.  XVII  (Ms.  R  380 

Bibliothecae  Upsaliensis). 
Aleksander  Fredro,  Dziela,  wvdal  H.  Biegeleisen,  t.  I — V.    Lwöw 

1897. 
Ignacy  Krasicki,  Dziela,  t.  VII.  Warszawa  1832. 

Lgarz.  komedya  w  3  aktach,  przez  M.  Möwiiiskiego.  Warszawa 

1780. 
Statysta,  komedya  w  3  aktach,  przez  M.  Möwiiiskiego.   War- 
szawa 1780. 
Solennizant,    komedya    w   3   aktach,   przez   M.  Mo\Niiiskiego. 
Warszawa  1780.' 
(Stanislaw^  Mycielski),  Junak,   komedya  we   3   aktach,  ed.   druga. 

Warszawa  1774. 
Juljan  Niemcew^icz,  Powröt  posla  .  .  .  Z  wst^pem  St.  Kota  (Biblio- 

teka  Narodowa,  serja  I,  Nr,  4).    Krakow  (s.  a.). 
Urszula  Radziwillowa,  Komedye  y  Tragedye.     Nieswiez  1754. 
(Waciaw  Rzewuski),  Natrqt,  komedia.    Poczajöw  1759. 

Dziwak,  komedya.     Lwöw  1760. 
Franciszek    Zabiocki,  Dzieia,  wyd.   przez    F.  S.  Dmochowskiego, 
t.  I— VI.   Warszawa  1830. 
Pisma,  wyd.  Boleslaw  Erzepki.  Poznaii  1903. 
Zbiör  Kommedyi  Granych  na  Theatrum  w  Dukli   (Ms.  250  Biblio- 
thecae Jagellonicae  Cracoviensis). 


XII  Literaturverzeichnis. 

1))  nichtpolnischer  Dichter: 

Dominique  liian  collelli,  Nouveau  Theatre  Italien.     Anvers  1713. 
Bruevs   et   Palaprat,    (Euvres   de  theätre  .  .  .  Nouv.   ed.,   Paris 

MÜCCLV-MDCCLVI. 
Campistron,  CEuvres  choisies.     Paris  MDCCCX. 
J.-A.   du    Cerceau,    Poesies    diverses,    nouv.    e'd.,    t.   I— II.    Paris 

MüCCLX. 
Chefs-d'u'uvre  comiques  des  successeurs  de  Moli^re:  t.  1:  Baron 

et  Dufresny;  t.  II:  Dancourt.  Notices  par  G.  Roth.  Paris  (s.  a.). 
Pierre  Corneille,  (Eavres.    Nouv.  ed par  Ch.  Marty-Laveaux 

Paris  1862. 
Dancourt,  Les  tpuvres  de  theätre.     4°  ed.    Paris  MDCGXLII. 
Destouches,    (Euvres.     Nouv.  6d.    Amslerdani-Leipzi^  MDCCLV. 
Dufresny,  (Euvres.     Nouv.  ed.    Paris  MDCGXLVIl. 
Gherardi,  Le  Theätre  Italien  .  .  .  Amsterdam    1701. 
Carlo  Goldoni,   Le  Commedie.     T.  I— XIII,   Bologna  MDCCLII— 

MDCCLVII. 
Gottsched,  Deutsche  Schaubühne.     Leipzig  1741. 
Gr esset,  (Euvres.     Nouv.  ed.    Paris  1794. 
Holberg,  Den  danske  Skueplads.    Kjobenhavn  1731. 

Samlede  Skrifter,  udg.  af  Carl  S.  Petersen.  Kcbenhavn  MCMXVII. 
Le  Sage,  (Euvres.     T.  XI— XII:  Theätre.    Paris  1828. 
Caroli  Malapertii  Sedecias,  tragoedia  aliaque  Poemata  .  .  .  Dvaci 

MDCXXIV. 
Variorum  poernatum  fasciculus.     Calisii  MÜCXV. 
Moliere,  (Euvres.    Nouv.  ed.  par  Despois  et  Mesnard.     T.  I — XIII. 

Paris  1875  &c. 
Theätre  complet.     T.  I— IV.     Paris  (s.  a.). 
T.  Macci  Plavti  Gomoediae.    Reo.  W.  M.  Lindsay.  Oxonii  (MCMIII). 
Charles  Poree,    Fabulae  Dramaticae,  ed.  .  .  .    Lutetiae  Parisiorum 

MDCCXLIX. 
Regnard,  (Euvres.     T.  I — V.     ^d.  stereotype.    Paris  an  X  (1801). 

Theätre  choisi.     Notice  par  G.  Roth,  t.  I — II.     Paris  (s.  a.) 
Romagnesi,  (Euvres.     Nouv.  ed.,  t.  I— II.     Paris  MDCCLXXII. 
P.  Terenti  Afri,  Gomoediae.    Rec.  R.  Yelverston  Tvrrell.  Oxonii 

(MCMII). 


2.  Andre  Quellen. 

a)  Allgemeines: 

Carlo  Goldoni,  Memoire«  .  .  .  par  Moreau.    Paris  1822. 
Lukasz  Görnicki,  Dworzanin  Polski.     Wyd.  K.  J.  Turowski.   Kra- 
kow  1858. 


Literaturverzeichnis.  XIII 

Lucian.  Ausgewählte  Schriften,  erklärt  von  Julius  Soinmerbrodt. 
Bd.  i.    Berlin  1S60. 

Ubaldo  M  i  ^'  n  o  n  i ,  Noctium  Sarmaticarum  Vigiliae.  Braunsbergiae 
MDCCLI. 

Poniatowski),  Die  Memoiren  des  letzten  Königs  von  Polen  Stani- 
slaw August  Poniatowski,  Bd.  I  (Polnische  Bibliothek,  hrsg. 
V.  Guttry,  v.  Koscielski,  i2.  Abt.,  Bd.  I).  übers,  v.  I.  v.  Powa, 
eingeleit,  v.  Guttry.    München  (s   a.). 

L.  Annaei  Senecae  De  ira  ad  Novatum  libri  III.  Rec.  A.  Bar- 
riera,  Aug.  Turinorura  &:c  (s.  a.). 

b)  Zeitschriften: 

Kurv  er  Polski,  Jahrgang  1752 — 1760. 
Mercure  de  France,  Jahrgang  1730  u.  1753. 
Mercure  Galant,  Jahrgang  16S4  und  170^4. 
Nouveau  Mercure,  Jahrgang  1720. 
Wiadomosci  Warszawskie,  Jahrgang  1766 — 1767. 


e)  Jesuitenschriften : 

•Jan  Bohomolec,  Dyabel   w   swoiey  postaci,   t.  I — II.    Warszawa 

1772—1777. 
Franciszek  Bohomolec,  De  lingua  Polonica  colloquium  ,  .  .  Varsa- 
viae  MDCCLII. 
Pro  ingeniis  Polonorum  oratio  .  .  .  Varsaviae  MDCCLII. 
Rozrywki  ucieszne  y  dowcipne.     Warszawa  1763. 
Supellex   Latinitatis   ex   Phraseologia  P,  F.  Wasrner  S.  J.  .  .  . 

Vünae  MDCCLI. 
Ubaldo   Migrionio    Schol.    Piar  ,  .  .   Varmius   Exetesticus  .  .  . 

Varsaviae  MDCCLII. 
Zabawki  Oratorskie  .  .  .  Warszawa  1755. 
Zal)awki  Poetyckie  .  .     Warszawa  MDCCLIV. 
Faustyn  Grodzicki,  Theatrum  eloquentiae  .  .  .  LeopoU  MDCCXLV. 
Joseph  Jouvancy,  Magistris  scholarum  inferiorum  S.  J.  de  rationa 

discendi  et  docendi  .  .  .  Florentiae  MDCCIII. 
Franciscus   Lang.   Dissertalio   de   actione  scenica  cum  .  .  .  obser- 
vationibus  quibusdam  de  arte  comica  .  .  .  Mouachii  1727. 
Adam  Malczewski,  Umbra  ligatae  praecursio  solutae  eloquentiae, 

Posnaniie  MDCCXLVII. 
Jacobus  Masenius,  Palaestra  eloquentiae  ligatae,  Coloniae  Agrip- 

piuae  16S2— 16S3. 
Ratio   Studiorum  et   lustitutioues  scholaslicae  S.  J..  coli,  a  G. 

M.  Pachtler.    Berhn  1SS7. 
Rudzki,  Philosopbia  orthcdoxa  .  .  .  Posnaniae  ^IDCGL. 


XIV  Literaturverzeichnis. 

B.  Handbücher. 
1.  Bibliographie  und  Biographie. 

Jüzef  Brown.  Biblioteka  pisarzuw  Ayystencyi  polskiej  Towarzystwa 
Jezusowego  (przeh  WL  Kiejnowski).     Poznan  1862. 

Dictionnaire  des  thöatres  de  Paris.     Paris  MDCGLVI. 

Karol  Estreicher,  BiWiografja  Polska,  t.  I.  u.  ff.  Krakow  187!2. 

Jauocki,  Lexikon  derer  ilztlebenden  Gelehrten  in  Polen.  Breslau  1755. 

Wladyslaw  N  e  h  r  i  n  g ,  Konarski  (Ersch  und  Grubers  Enzyklopädie). 

C.  Sommervogel,  Bibliotheque  de  la  Compaguie  de  Jesus.  P.  I: 
Bibliographie  par  Aug.  et  AI.  Backer.  Nouv.  ed.  T.  I — X. 
Paris  1890—1909. 

K.  Wl.  Wöycicki:  Zyciorysy  znakomitych  ludzi.     Warszawa  1850. 

2.  Geschichte. 

Szymon  Askenazy,  Nowe  wczasy.     Warszawa  1910. 

Anatol  Lewicki,  Zarys  historji  Polski,  oprac.  J.  Friedberg.    Wyd.  8. 

Warszawa  (1920). 
Wladyslaw   Smoleiiski,    Przewrot    umyslowy   w   Polsce   w   XVIII 

wieku.     Krakow  1891. 

Dzieje  narodu  polskiego.     Wyd.  5.     Warszawa  (1919). 
Stanislaw  Zai^ski,  Jezuici  w  Polsce.     Lwöw  1902. 

3.  Literaturgeschichte. 

a)  polnische: 
Adam  Belcikowski,  Ze  studyöw  nad  literatur^  polski^.     Warsza- 
wa 1886. 
Alexander  Brückner,  Geschichte  der  polnisch.  Literatur.  Leipzig  1901. 

Dzieje  literatury  polskiej  w  zarysie.     Warszawa  1905. 
Piotr  Chmielowski,    Dzieje  krytyki   literackiej   w   Polsce.     War 

szawa  1902. 
Historja   literatury    polskiej    od    czasöw   najdawniejszych   do 

korica   wieku   XIX.     Wyd.   St,  Kossowski.     T.  I.     Lwöw- 

Warszawa  (1914). 
Ignacy  Chrzanowski,  Historja  literatury  niepodleglej  Polski.   Wyd. 

IV.     Warszawa-Kraköw  1920. 
Tadeusz  Grabowski,  Krytyka  literacka  w  Polsce  w  epoce  pseudo- 

klasycyzmu.     Krakow  1918. 
Gabr>'el   Korbut,  Literatura    polska    od   pocz^tköw  do  powstania 

styczniowego,  t.  I.     Krakow  1917. 
Stanislaw  Tarnowski,  Historya  literatury  polskiej.    T.  III:  Wiek 

XVIII.     Wyd.  2.     Krakow  1904. 
Alexander  Tyszyriski,  Wizerunki  polskie.  Zbiör  szkicöw  literackich. 

Warszawa  1875. 


Literaturverzeichnis.  XV 

b)  nichtpolnische: 
Gustave  Lanson,    Histoire   de   la   litteralure   franqaise.     14"    tid. 

Paris  1920. 
Heinrich  Morf,  Geschichte  der  französischen  Literatur  im  Zeitalter 

der  Renaissance.     2.  Aufl.     Straßbur^   1914. 
Storia  letteraria  d'Itaha,  scritta  da  una  societä  di  professori.    T.  IX: 

A.  Belloni:   11  seicento.     T.  X:  T.  Concari:   II  settecento. 

Milano  (s.  a.)- 
Friedrich  Vogt  und  Max  Koch,  Geschichte  der  deutschen  Literatur. 

Bd.  I— II,     Leipzig-Wien   1913. 


C.  Monographien. 

1.  Zur  Geschichte  des  Dramas  im  allgemeinen. 

Robert  F.Arnold,  Das  moderne  Drama.     Straßburg  1908. 
Bruno  Busse,  Das  Drama.     2.  Aufl.    Leipzig — Berlin  1918 — 1919. 
Wilhelm  Creizenach,  Geschichte  des  neueren  Dramas.  Bd.I — V:  :2. 
Halle  1911-1916, 

2.  Zur  Geschichte  des  polnischen  Dramas 

a)  im  allgemeinen: 
Piotr    Chmielowski,    Nasza    literatura    dramatyczua.     T.  I — H. 

Petersburg  1898. 
Karol  Estreicher:  Rys  ogolny  pismiennictwa  dramatycznego  pols- 

kiego  (Dziennik  literacki,  nr.  41,  1853). 
Wiktor  Hahn,  Literatura  dramatyczna  w  Polsce  XVI  wieku.   Lw6\v 

1906. 
Marjan   Szyjkowski,    Dzieje  nowozytnej   tragedji    polskiej.     Typ 
pseudoklasyczny  1661  —  1831.     Krakow  1920. 
Dzieje  komedji  polskiej  w  zarysie.     Krakow  1921. 
Stanisiaw  Windakiewicz,   Teatr  polski  przed  powstaniem  sceny 
narodowej.     Krakow  1921. 
Teatr  ludo^vy  w  dawnej  Polsce.    Krakow  1904. 

b)  Bohomolec  betreffend: 
Ludwik  Bernacki,  «Klopoty  panöw»,  komedya  ks.  Fr.  Bohomolca 
(Pami^tnik  Literacki,  Bd.  V.    Lwöw  1906). 
enryk  Biegeleisen,  Zywot  ks.  Fr.  Bohomolca  (Album  ucz^cej  si^ 
miodziezy  polskiej,  poswi^cone  Jözefowi  Ignacemu   Kra- 
szewskiemu.     Lwöw  1879). 
Piotr  Chmielowski,  Bohomolec  (Wielka  Encyklopedja  Powszechna. 
Warszawa  1893,  Bd.  IX— X). 


XVI  Literaturverzeichnis. 

Lucjau  Malinowski,  0  j^zyku  komedyj  Franciszka  Bohomolca 
(Rozprawy  Akad.  Um.,  wydz.  filolo^'.,  t.  XXIV).  Krakow  1895. 

Nowakowski,  Bohomolec  (Encyklopedya  Orgelbranda,  Bd.  III). 

Wladyslaw  Strusinski,  Komedye  X.  Franciszka  Bohomolca  w 
stosunku  do  teatru  francuzkiego  (Pamif^tnik  Uteracki,  t.  IV). 
Lwöw  1S05. 

c)  Andere  Komödiendichter  betreffend: 
Ludwik  Bernacki,  J^rödla  niektörych  komedji  Fr.  Zablockiego  (Pa- 

mi^tnik  literacki,  t.  VI).    Lwöw  1907. 
Ignacy  Chrzanowski,   0  komedyach  Aleksandra  Fredry.     Krakow 

1917. 
M.  Gawalewicz,  Franciszek  Zablocki.     Krakow  1894. 
WJadyslaw  Günther,  seine  Studien  über  Fredro  im  Przegliid  polski, 

(rok  XLII,  t.  166,  nr.  496,  Krakow  1907;  —  rok  XLIV:  1, 

Krakow  1909);  —  in  der  Biblioteka  Warszav/ska  (rok  1913, 

t.  1,289,  Warszawa  1913;  —  rok  1914,  t  I— II  293-^294. 

"Warszawa  1914). 
Wiktor  Hahn,  W  sprawie  zrödel  komedyi  Fr.  Zabiockiego  (Pami^t- 

nik  literacki,  Bd.  X).    Lwöw  1911. 
Bronislaw  K^sinowski,  die  Einleitungen  zu  seinen  Ausgaben  von 

Zabtockis  «Zabobonnik»  (Arcydzieta  polskich  i  obcych  pi- 

sarzy,  t.  43— 44,  Brody,  s.  a.)  und  «Fircyk»  (ibidem:  t.  58, 

Brody,  s.  a.). 
Eugeniusz    Kucharski,    Fredro    a    komedja    obca.     Stosunek    do 

komedji  wloskiej.     Krakow  1921. 
Seine   Studien    über   Fredro   im  Pami^tnik  literacki   (rok  V, 

Lwöw  1906);  —  in  der  Biblioteka  Warszawska  t.  II,  274, 

rok  69,  Warszawa  1909). 
Stanistaw  Tarnowski,   Komedye  Aleksandra  hr.  Fredry   (wyd.  2). 

Krakow  1896. 


3.  Zur  Geschichte  des  französischen  Dramas, 
insbesondere  der  Komödie. 

a)  Allgemeines: 
Louis  Bourquin,  La  controverse  sur  la  comedie  au  XVIII»  siecle 

et  la  lettre  ä  d'Alembert  sur  les  spectacles  (Revue  d'his- 

toire   litteraire  de  la  France  .  .  .,   26 — 27«   annee).    Paris 

1919-1921. 
Ferdinand  Brunetiere,  Les  epoques  du  theätre  fran9ais(1636 — 1850), 

b^  ed.     Paris  1914. 
L.  Petit  de  Julleville,.Le  theätre  en  France.     5e  ed.     Paris  1901. 


Literaturverzeichnis.  XVH 

Eagene  Li  nt  ilhac,  Hisloire^'enerale  <lu  llieätreen  Fiance.I*;iris>(iy()r>). 
Henri  Lion,  Le  Ih^ätre  (Kapitel  XI  von  L.  Petit  <le  .lullevilles  Ilis- 

toire    de  la   langue  et   de  la  lilterature   fran<;aise,    l,  VI). 

Paris   1898. 
J.-J.  Olivier,  Les  coniediens  francais  dans  les  cours  d'Allemagne, 

t.  I-IV.    Paris  MCMI— MC.MV. 
II.  A.  Paludan,   Studier  over  Corneillcs   Forliold  til    det    spanske 

Drama  (Kdda.  Bd.  XVIII).  Kristiania  H)i>i>. 

b)  Möllere  betreffend: 
J.  Belhge,  Zur  Technik  iMolieres  (Zeitsclirift  für  französische  Sprache 
und  Literatur,  lirsg.  v.  D.  Behrens,  Bd.  XXI).  Berlin  ISWJ. 
G.  Michaut,  La  jeuncsse  de  Moliere.     Paris  1922. 
Louis  MoJand,  Mohäre  et  la  comedie  italienne.     Paris  1867. 
Eugene  Rigal,  Moliere.     T.  I— II.     Paris  1908. 
Max  J.  Wolff,  Moliere.    Der  Dichter  und  sein  Werk.    München  1910. 

c)  Betreffend  den  Einfluß  des  franz.  Dramas  (der  Komödie) 

auf  das  polnische: 

Wladyslaw  Folkierski,  Mohere  en  Pologne   (Revue  de  litterature 

comparee,   dir.  par  Badensperger  et   Hazard.     2-   annee, 

nr.  2).     Paris  1922. 

Zofia   Gasiorowska,    Wplyw    Moliera   na    komedye    Kiasickiego 

'  (Pami^tnik  literacki,  Bd.  XIII).    Lwöw  1914—1915. 
Wiktor  Hahn,  Tomasz  Corneille  i  Franciszek  Zablocki  (Pami^tnik 

literacki,  Bd.  X).     Lwöw  1911. 
Boleslaw  Kielski.  0  wplywie  Moliera  na  rozwöj  komedyi  polskiej 
(Rozprawy  Akad  .Um.,  wydz.    tilolog.,  serya  II,  t.  XXVII) 
Krakow  1907. 
M.  Smolarski,  Fredro  i  Wolter  (Biblioteka  Warszawska,  t.  II,  28ü, 
rok  1912).     Warszawa  1912. 
Studja  nad  Weiterem  w  Polsce.     Lwow  1918. 

4.  Zur  Geschichte  der  Jesuitenkoinödie. 

Paul    Bahlmann,   Das   Drama   der  Jesuiten   (Euphorion,   Bd.  II). 

Bamberg  1895. 
Ernest  Hoysse,  Le  thöätre  des  jesuites.     Paris  1880. 
Joseph  Ehret,  Das  Jesuitentbealer  zu  Freiburg.    Freiburg  i.  B.  1921. 
Carl    Kaulfuiä-Diesch,    Untersuchungen    über   das    Drama    der 

Jesuiten   im    17.  Jahrhundert    (Archiv    f.    d.  Studium    d. 

neueren  Sprachen  und  Literaturen,  Bd.  CXXXI  resp.  XXXI). 

Braunschweig-Berlin  1913. 
Karl  von  Reinhaidstoettner,  Zur  Geschichte  des  Jesuitendranias 

in  München  (Jahrbuch  f.  Münchener  Geschichte,  3.  Jahrg.). 

Bamberg  1889. 

n 


X  VI  1 1  Literalurverzcichnis. 

J.ikob  Zeidicr,  Sliulieri  und  Hoiti;ipe  zur  Ges<'hichle  «ler  -Tosuiteii- 
komodie  und  des  Klostordramas  (Thcatcrpescliichtliche 
Foiscliungen,  Bd.  IV). 

5.  Zur  Geschichte  der  itahenischen  Komödie. 

a)  Die  Commedia  deirarte: 
Adolfo  Barloli,  Scenari  inoditi  della  conunedia  deirarle.  Fiicnzc  1880. 
Arniniid   Haschet,    Lcs   comedies   Italiens   ä    la   cour  de   rrnnce. 

Paris  ISSO. 
E.  Bcvilacqua,  (fiaml)atlista  Andreini  e  la  coiupagnia  dei  cFideli» 

(Giornale   stoiico   della    letlcralura    Italiana,   vo).  XXIII  — 

XXIV).     Torino  189i. 
(J.-A.-J.  Desboul  m  i  ers) ,    Ilistoire    anecdotique    et    raisoniiee   du 

Theätie  Italien.     Paris  MDCCLXIX. 
Giuseppe  Guerzoiii,  II  teatro  Italinno  nel  secolo  XVllI.  Milano  1876. 
Oskar  Klingler,  Die  Com^die-Italiennc  in  Paris  nach   der  Samm- 
lung von  Gherardi.     Straßburg  1902. 
Corrado  Ricci,  1  teatri  di  Bologna  nei  sccoli  XVIJ  e  XVIII.    Sloria 

anecdotica.     Bologna  1888. 
Michele  Scherillo,  La  commedia  dell'arte  in  Italia.    Studi  e  pro- 

fih.     Torino  1884. 
Winifred  Smith,  The  commedia  dcllarle.    A  study  in  Italian  popu- 

lary  comcdy-   New  York  1912. 
Max  J.  Wol  ff,  Italienisdie  Komödiendichter  (Germanisch-Romanische 

Monatsschrift,     Bd.   IX,  Heft  5/6). 

b)  Goldoni: 
A.  Lüder,  Carlo   Goldoni   in    seinem  Verhältnis   zu   Moliere   (Zeil- 
schrift f.  franz.  .Sprache  und  Literatur,  Bd.  V).  Oppeln  1883. 
Ludwig  Mathar,   Carlo   Goldoni   auf   dem  deutschen  Theater  des 

XVIII.  Jahrhunderts.     Montjoic  MCMX. 
Johannes  Merz,  Carlo  Goldoni  in  seiner  Stellung  zum  französischen 

Lustspiel.     Leipzig  1903. 
Maria  Ortiz,  Goldoni  e  la  commedia  dell'arte  (La  Cultura.     Revi.sta 

critica,  anno  XXXI,  ur.  21),  Roma-Bari  1912. 
Rassegna    Goldoniana   (1707—1907),    (Gioruale  storico    della 

letteratura  Italiana,  vol.  LH),  Torino  1908. 
Charles  Rabany,  Carlo  Goldoni.    Le  theatre  et  la  vie  en  Italic  au 

XVIII*  .<iccle.     Paris-Nancy   1890. 
Emilio  Re,  La    .onimedia  Vencziana  e  il  GolJ'jiii  (Giornale  sL<.'rico 

della  letteratura  Italiana,  vol.  LVIlIj.    Torino  1911. 
Riebard  Scbmidbauer,  Das  Komische  bei  Goldoni.    München  1906. 
P.  Toldo,  Atlinonze   fra   il  t'-atro  coniico  di   \'(jUaire  e  quello  del 

Goldoni     (Giornale     storico      della     letteratura    Italiana, 

vol.  XXXI).     Torino  1898. 


liitornturverzeicbnis.  XIX 

6.  Zur  Geschichte  des  deutschen  und  dänischen 
Dramas  (resp.  der  Komödie). 

n.  Belouiii,  De  (ioltsched  ä  Lessin^'.     Ktu'le.     I'aris   I'.M)'.«. 

Ifaiis  lirix,  Hü'ltcrg  og  Th^iUre    Italien  (Dlda,  fiel.  XI).    Kristi.nii.i 

i9iy. 

C.  A.  H.  Burekhardt,  Das  Hepeiloire   des  Weiiiiarischen  Thcatt'r> 

unter  (foethes  Leitung  (Thealergeschiclitiic  he  Forschungen, 

Üd.  I).     Hamburg-Leipzig  1891. 
Au^'ustc  Ehrlich,  Les  ccmedies  de  Moliere  eii  AUemagne.  Paris  1888- 
Ih.lberg  Aa  r  bog,  Bd.  1— III.    Kobcnliavn-Kri.ctiania  lOi'O— 1022. 
A.   Legrclle,    Holberg    considere    comnie    imitateur    de    Moliere. 

•    ['aris  18G-1-. 
Carl  Roos,  Det  18.  Aarhundredes  tyske  Oversiettelser   af  llolbergs 

Komedier.     Kjobenhavn  19*22. 
Olaf  Ska  vlan.  Holberg  soni  Komedicforfalter.     Kristiania  1872. 
Paul  Stächet.  .Seneca  und  das  deutsche  Renaissancedrania  (Palaestra. 

Bd.  XLVl).     Berlin  1907. 
Ad.  Stender-Peler  sen ,  llolbejg  j  sydtyskc  ordensskoler  (Holberg 

Aarbog  1922).    Kobenhavn  1922. 

7.  Zur  Geschichte  des  russischen  Dramas. 

P.    Morozov,   OOerki    iz  islorii   ru.sskoj    dramy  (Zurnal    Min.   Xar. 

Prosv.,   t.  CCLIV— CCLVIH).    S.-Peterburg    1887  —  1888. 
Ad.Stciider-Petersen,  En  russisk  efterligning  av  «Jean  de  France> 

(Holberg  Aarbog  1920).    Kübenhavn  1920. 

8.  Zur  Geschichte  der  lateinischen  Komödie. 

(J.  Micliaut,  Histoire   de  la  comedie  Romaine.    Piaute.     T.  I — II. 

Paris  1920. 
Karl  V.  Reinhardstoettner,  Plautus.     Leipzig  1886. 

9.  Zur  Motiv-  und  Typengeschichte. 

0.  Fest,  Der  miles  gloriosus  in  der  französischen  Konu'idie.  Fr- 
langen-München  1897. 

Ilerman  Graf,  Der  miles  gloriosus  im  engli.schen  Drama  .  .  .  Ro- 
stock (s.  a.). 

Tadeusz  Sinko:  Genealogja  kilku  lypöw  i  Hgur  A.  Fredry  (Rozpra- 
wy  Akad.  Um.,  wydz.  filolog.,  t.  LVIII).     Krakow  1918. 

Ad.  Stcnder-Potersen ,  Ett  bidrag  tili  «Jeppes-motivets  historia 
(Edda,  Bd.  XVII).     Kristiania  1922. 

Alexander  von  Weilen:  Shakespeares  Vorspiel  zu  Der  Wider- 
spenstigen Zähmung.     Frankfurt  a.  M.  1884. 

n* 


1 


Einleitung. 

Kritische  Analyse  der  einschlägigen  wissen- 
schaftlichen Literatur. 

Pat€r  Franciszek  Bohomolec  S.  J.,  der  lichte 
Zeuge  jenes  geistigen  Aufschwunges,  den  Polen  —  freilich 
allzu  spät  —  in  der  zweiten  Hälfte  des  18.  Jahr- 
hunderts, kurz  vor  dem  Untergange  seiner  Selbständigkeit, 
noch  hat  erleben  dürfen,  ein  Kind  des  csächsischen» 
Verfalles,  der  trotz  mannigfaltiger  und  wertvoller  Kultur- 
bestrebungen^  doch  nur  Verfall  war,  und  ein  Mann  der 
cStanislaischen»  Ära,  die  trotz  aller  Symptome  des  poli- 
tischen Absterbens  doch  eine  geistige  Glanzzeit  war,  ein 
Jesuit,  den  der  Orden  band,  und  doch  ein  liberaler  und 
reformfreundlicher  Geist,  der  sich  als  solcher  zu  betätigen 
suchte.  Pater  Franciszek  Bohomolec  war  trotz  des 
bescheidenen  Platzes,  den  die  moderne  Literaturforschung 
ihm  mit  Unrecht  in  den  Annalen  der  polnischen  Kultur 
zuerkennt,  ein  würdiger  Zeitgenosse  größerer  Männer,  wie 
Stanislaw  Konarski,  der  große  Geistesreformator,  wie  Ignacy 
Krasicki,  der  Bischof  und  Dichter,  wie  Franciszek  Zablocki, 
der  feine  SprachkQnstler,  und  Adam  Czartoryski,  der  ge- 
schulte Richter  des  Geschmackes,  es  ohne  Zweifel  gewesen 
sind;  mit  ihnen  zusammen  hat  er  eine  bedeutsame  Ilolle 
im  polnischen  Geistesleben  jenes  Jahrhunderts  gespielt,  das 
für  die  politische  Freiheit  des  polnischen  Staates  so  ver- 
hängnisvoll geworden  ist. 

Ein  Mönch  und  Pädagog,  Professor  der  Rhetorik  und 
grammatischer  Verfasser,   Latinist  und  zugleich  Purist  in 


^  Vgl.    Szymon   Askenazy,    Nowe   wczaay    (Warszawa 
1910),  S.  Iff. 

Stender-Petersen.  Die  Schulkomödien.  1 


^  Einleitung. 

seiner  Stilauffas.siing,  ein  Journalist  und  Druckcreidircktor, 
Zcitsobriftcnredakteur  und  eyßtcmutischer  Herauijgeber  ge- 
!-cbichtliolicr  Quellenschriften,  Historiker,  Archiiolog,  Geo- 
grapli  und  Biograpli,  hat  Bohomolec  vielleicht  in  keiner 
von  den  hier  aufgezählten  Rollen  Hervorragendes  ge- 
leistet, wenn  auch  ohne  Zweifel  ihm  die  Palme  der  Ini- 
tiative in  mehreren  Fällen  zuerkannt  werden  muß.  Im 
allgemeinen  aber  ein  scriptor  minor,  der  sich  mit  gesun- 
dem, vorurteilslosem  Sinne  vom  Strome  der  Zeit  mit  fort- 
ziehen ließ,  wird  Bohomolec  mich  ebensowenig^  wie  jeden 
anderen  Literaturforscher  in  seinen  oben  aufgezählten 
Rollen  eingehender  beschäftigen  können. 

In  einer  anderen  Hinsicht  aber  ist  Bohomolec  den- 
noch ein  Bahnbrecher  gewesen,  und  wenn  er  auch  hier 
ästhetisch  nur  ein  poeta  ordinis  secundi  geblieben  ist, 
so  verdient  er  rein  geschichtlich  —  meiner  Meinung  nach  — 
bedeutend  größere  Beachtung  und  gerechtere  Wertschätzung 
als  die,  welche  ihm  in  der  polnischen  Literaturgeschichte 
sonst  allgemein  zuteil  zu  werden  pflegt.  Kein  anderer 
als  eben  Bohomolec  ist  der  «Vater»  oder  Ur- 
heber und  Pionier  der  polnischen  Komödie 
gewesen.  Weder  Zabiocki  noch  Krasicki,  weder  Niem- 
cewicz  noch  Czartoryski  haben  diesen  Ehrentitel  verdient, 
da  sie  doch  nur  den  Weg  weiter  verfolgten,  den  jener 
ihnen  gewiesen  hatte.  Chronologisch  könnten  nur  etwa 
die  Fürstin  Radziwill  und  Waclaw  Rzewuski  Bohomolec 
den  Titel  streitig  machen,  jene^  mit  ihren  Übersetzungen 
einiger  Molierischer  und  anderer  französischer  Komödien, 
die  sie  um  die  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  auf  ihrer 
Hofbühne  zu  Nieswiez  aufführen  ließ,  dieser  mit  zwei 
selbetändigen  Komödien,  die  1759  und  1760  erschienen. 
Aber    die    privaten    Bestrebungen    dieser   beiden    blieben 


*  Die  Komödien  (übrigens  auch  die  Tragödien)  der  Fürstin 
Urezula  RadziwiJt  sind  nur  sehr  wenig  untersucht.  Man  hat  einige 
der  Koincxlien  als  Übersetzungen  Molierischer  Originale  erkannt, 
einige  andere  sind  atxjr  quellenmäßig  unbestimmt  verblieben.  Ich 
hoffe,  an  anderem  Orte  auf  diese  Frage  zurückkommen  zu  können. 


EiiileitoDg.  3 

ganz  ohne  Nachklang  und  Einfluß,  während  die  Konco- 
dien  des  Paters  B<:>homolec  literaturgeschichllich  die  Be- 
deutung eines  Fundamentes  für  die  epätere  Entwickelung 
der  niodernen  Komödie  in  Polen  erringen  durften. 

Bohoroolec*  Wirksamkeit  als  Komödiendichter  zerfällt 
zeitlich  (in  gewissem  Grade  auch  tj^pologisch)  in  zwei 
deutUch  voneinander  geschiedene  Perioden,  die  Periode 
der  Schulkomödien  und  die  der  von  ihm  selber  soge- 
nannten «Theateikomödien»  («komedye  na  teatrum»). 
Die  €  Theaterkomödien  >,  die  durch  einen  Zeitraum  von 
t>  bis  15  Jahren  von  der  Periode  der  Schulkomödien  ge- 
schieden sind  (die  erste  <Theaterkomödie>  erschien  1766), 
entetanden  —  wie  schon  der  Name  besagt  —  anläßlich 
der  1765  erfolgten  Eröflhung  des  ersten  öffentlichen 
Theaters  in  Warschau.  Diese  Komödien  bilden  mit  Jözef 
Bielawskis,  Adam  Czartoryskis  und  Ignacy  Krasickis  Komö- 
dien eine  historische  Etappe  in  der  Entwickelung  der 
modernen  polnischen  Komödie,  wobei  die  letztgenannten 
drei  Komödiendichter  alle  irgendwie  unter  dem  Einfluß 
der  Bohomolecschen  Komödienart  stehen  und  deutlich  den 
Drang  zur  Sitten-  und  Gesellschaftskomödie  verraten. 
ZaWockis  lange  überschätzte  Komödiendichtung  stellte  sich 
eigentlich  jener  Tendenz  zur  Emanzipierung  der  pol- 
nischen Komödie  von  der  französischen  entgegen,  indtm 
sie  den  bequemeren  Weg  der  eleganten  Tracsponierung 
und  Polonisierung  französischer  und  dabei  nur  zweit- 
klassiger Muster  statt  selbständige  Bahnen  einschlug. 
DenncKjh  würde  man  noch  nach  ZaUocki,  nr>ch  bei  Niem- 
cewicz.  Wybicki  und  Kossakowski,  sogar  noch  bei  den 
unmittelbaren  Vorgängern  Fredros  um  die  Wende  des 
Jahrhundertf  deutlich  den  Einfluß  der  Bohomolecschen 
Komödie  nachweisen  können.  Wenn  aber  die  geschichtlichen 
Zusammenhänge  zwischen  den  drei  repräsentativen  Namen 
der  fK)lnischen  Komödie:  Bohomolec-Zablocki-Fredro  im 
großen  ganzen  leicht  erfaßbar  sind,  so  ist  das  bisher  nicht 
der  Fall  gewesen,  wenn  es  galt,  die  Ursprünge  der  Komödie 
ßohomolec'    genauer    zu    bestimmen,    d.  h.   die   Frage   zu 


4  Einleitung. 

be;un\vorten.  wie  eigentlicli  die  S chulkomödio  UQsereci 
PAterH  begritten   werden  soll. 

Die  Frage  nach  der  8c  hui  komö die  kann  zugleich 
als  eine  Frage  nach  den  typologiBchen,  etoff liehen  und  lite- 
raturgeschichtlichen Ursprüngen  der  «Theaterkomödie»  und 
damit  als  eine  Frage  überhaupt  nach  den  Quellen  der 
modornen  polnischen  Komödie  der  zweiten  Hälfte  des 
18.  Jahrhunderts  betrachtet  werden. 

Die.se  Frage,  die  also  nur  einem  Teile  der  dichte- 
rischen Wirksamkeit  des  Patern  Bohomolec  gilt,  und  der 
ich  ganz  bewußt  die  engen  Grenzen  einer  Einzelfrage 
ziehe,  scheint  mir  um  so  berechtigter  zu  sein,  als  Bohomolec' 
Porträt  sowohl  von  den  Veiiassern  größerer  synthetischer 
Darstellungen  der  polnischen  Literaturgeschichte  als  auch 
von  Einzel  forschem  fast  immer  verzeichnet  wird,  und  man 
bisher  noch  kein  abschließendes  und  in  allen  Hinsichten 
gerechtfertigtes  Urteil  über  die  Komödien  des  Jesuiten 
und  Dichters  gewonnen  hat.  Eine  kritische  Übersicht  der 
bisher  über  Bohomolec  Komödien  gefällten  Urteile  und 
der  über  ihn  ausgesprochenen  Anschauungen,  die  ich  hier 
folgen  lassen  möchte,  wird  die  Bere(;htigung  meines  Ver- 
suches, jene  obengestellte  Frage  zu  beantworten,  dartun. 
Ich  beginne  mit  den  großen  synthetischen  Literatur- 
geschichten, berücksichtige  aber  hierbei  nur  das  seit  ca. 
1900  Geleistete^,  würde  mich  doch  die  Analyse  der  älteren 
Darstellungen  zu  weit  führen. 

Piotr  Chmielowski,  der  Verfasser  der  bekannten 
«Historya  literatury    polskiej»    (1900)*,    drückt   sich   sehr 

3  lA-ider  ist  mir  cUis  in  die  <(EacykIopedja  Polska»  aufge- 
nommene Kolleklivwerk  über  die  Geschichte  der  polnischen  Lite- 
ratur: «Dzicje  literatury  pi^knej  w  Polsoe»,  Bd.  I — II  (Krakow  1918), 
tiesoTiders  Prof.  Hahns  Abhandlung  über  die  dramatische  Dich.- 
timg  vor  der  Teilung  Polens  (Bd.  II,  S.  1 — 16j,  unbekannt  ge- 
blieben. 

*  leh  kenne  nur  die  zweite,  von  Stanislaw  Kossowski 
besorgte  AiLSga}>e  des  ersten  Bandes:  «Ilistorya  literatury  polskiej 
od  czasow  najdawniejszych  do  koiica  wieku  XIX».   Tom  I  (Lw6w 
Warszawa   1914).    S.  444—445. 


Einleitung.  "> 

voMichtig  und   Rchwe))end  aus.     Er  räumt  zwar  «in,   <hS 
Boliomolec  «hin  und  wieder   vernucht    hat,  zu    polnischen 
VerhältniFsen  horabzustei<4rn,  Mängel  und   Fehler  unHcrer 
(der   polnischen)  (»eseilschal't    zu   streifen,  Tyjien    auH  der 
ihn  umgebenden  Welt  herauszugreif(?n  und  in  ^er  Kouiödie 
dae  an  den  Pranger   zu  stellen,  was   er  als  ßcliädlieh  an- 
sah».    Das   gilt   aber   nur   von    den    späteren    Komödien, 
während  von  den  «Schulkomüdien»  nur  soviel  gesagt  wird, 
daß  Bohomolec  seine  Motive  aas  den  Komödien  Moliere.s, 
französischer  Jesuiten  und  auch  der  Commedia  deU'arLe   in 
französischer  Vermittelung    geschöpft    habe,   Wahrheiten, 
die  nur  teilweise  richtig,  jedenfalls  nicht  erschöpfend  und 
vor    allen    Dingen    nicht    genügend    sind.     Chmielowskis 
Standpunkt  ist  durchaus  negativ.     «Bohomolec  hat  we<ler 
scharfen  Witz,  noch  plastische  Phantasie,  noch  die  Fähig- 
keit   besessen,    einen    lebhaften    Dialog    durchzuführen», 
meint  er,  und  zwar  nicht  etwa  von  den  «Sclmlkomcklien», 
sondern  gerade   von   den    späteren,    auf   dem  Warschauer 
Theater  aufgeführten  Komödien.     Die  Quelle  dieser  Komö- 
dien   scheint   ihm    vornehmlich  Moliere   zu    sein,   und  er 
geht    sogai-    so    weit  ^zu   behaupten,    «alle    Typen    seiner 
Komödien    hätten    bei    französischen    Komödien  Verfassern 
ihre  Vorbilder*,   ein  Fehler,   der  immer  wieder  von   den 
polnischen    Literaturforschern    wiederholt    wird.      Chmie- 
]owski     hat    augenscheinlich    die    Tatsache,     daß    einige 
von   Bohomolec'    «Schulkomödien»    nach    seiner    eigenen 
Angabe    Moliere    nachgebildet    sind,    allzu    leicht    vemll- 
geineinert. 

Noch  bezeichnender  aber  für  Chmielowskis  negativen 
Gesichtspunkt  in  der  Beurteilung  der  Verdienste  unseres 
Dichters  ist  der  Umstand,  daß  er  in  seiner  Skizzen- 
saramlung  (von  einer  wirklichen  Geschichte  kann  hier 
nicht  die  Rede  sein)  «Nasza  literatura  dramatyczna»,  deren 
VII.  Abschnitt  der  <<  Komödie  der  zweiten  Hälfte  de.s 
18.  Jahrhunderts»  gewidmet  ist,  nur  ganz  im  Vorbeigehen 
auch  von  Bohomolec  spricht,  während  Zablocki,  Bogu- 
siawski  und  Niemcewicz  je  ein  besonderes  Kapitel  zuteil 


6  Einleitung. 

wird.^  Wenn  irgendwo  so  hätte  man  eben  hier  eine  aus- 
fülirlicbere  Studie  über  den  Vater  der  polnischen  Komödie 
erwarten  dürfen. 

P^inp:ebender,  wenn  auch  nicht  gerechter  verfuhr 
St  anislaw  Tar  no  wski  in  seiner  polnischen  Literatur- 
geschichte^* mit  unserem  Komödiendichter,  dem  er  un- 
gefähr  10  Seiten  seines  Werkes  geopfert  hat.  Sein  Ge- 
sichtspunkt ist  ausschließlich  der  des  ästhetischen  Kritikers, 
nicht  der  eines  objektiven  Historikers,''  und  es  fiel  ihm 
leicht,  den  Komödien  Bohomolec'  jedweden  rein -jißthetischen 
Wert  abzusprechen.  Sonderbar  ist  es  aber,  daß  dabei 
kein  Unterschied  zwischen  den  «Schulkomödien»  und  den 
ästhetisch  bedeutend  wertvolleren  «Theaterkomödien»  ge- 
macht wird.  Im  Gegenteil,  es  heißt  von  den  letzteren, 
daß  sie  sich  von  jenen  nur  dadurch  unterscheiden,  daß 
sie  nicht  für  die  Jugend,  sondern  für  Erwachsene  ge- 
schrieben sind  (ohne  daß  aus  diesem  sehr  bedeutsamen 
Faktum  irgendwelche  Schlüsse  für  die  Charakteristik  und 
Erklärung  der  *  Schulkomödien»  gezogen  werden),  und  daß 
Lie})esmotive  den  Angelpunkt  der  Handlung  bilden.  Der 
eminente  kulturgeschichtliche  Wert  der  späteren  Komödien 
unseres  Dichters  wird  gar  nicht  berührt,  dagegen  der 
Mangel  an  Komik  ungebührlich  hervorgehoben,  während 
die  große  historische  Bedeutung  der  Komödien  ganz  mit 
Stillschweigen  übergangen  wird.  Wenn  so  das  allgemeine 
urteil  über  die  Komödien  des  Paters  Bohomolec  auf  Grund 
seiner  sogenannten  «Schulkomödien»  gewonnen  wird,  hat 
man  zum  mindesten  recht  zu  erwarten,  daß  diese  richtig 
dargestellt  und  gewertet  werden,  aber  auch  das  ist  nicht 


^  P  i  o  t  r  C  li  Dl  i  e  1  o  \v  s  k  i  .  Nas2ia  liieratuia  dramatycznii. 
Szkice  nakreslono  .  .  .    Tom'I  (Petersburg   1898),  S.  94  ff. 

^  S  t.  Tar  MO  wsk  i ,  Historya  literatuiy  polskiej.  WiekXVIIl 
(wyd.  2),  tom  III  (Krakow  1904),  S.  141  ff.  Die  erste  Ausgabe 
vorn  Jahre   1900  kenne  icli  nicht. 

"Vgl.  Wilhelm  Feldmanns  Charakteristik  von  Tar 
nowski  in  dessen  Werk:  Wspölczesna  literatura  pöl.ska  1864 — 1917, 
Bd.  I    (6.   Ausg.,    Warszawa  Krakow    1918),    S.  136  fi. 


Einleitung.  7 

der  FaJl.     Tarnowski    hat   sich   zwar   die  Mühe   gegeben, 
einige   von    ihnen  (7)  näher   zu   analysieren,  aber  erstens 
ist  die  Wahl  durchaus  nicht  glücklich  ausgefallen,  zweitens 
verrät    sie,    daL>  Tarnowski   nur  die  Komödien  der  ersten 
zwei  Bändo  gekannt  hat,  wodurch  es  uns  begreiflich  wird, 
wie  er  eine  der  besten  «Schulkomödien»,  den  «Paryzanin 
Polski»,  dem  sogar  Chmielowski  l)edingten  Wert  zuerkannte, 
hat    übersehen    können.     Aber  auch    die    Kenntnis  jener 
Komödien,  die  Tarnowski  selbst  au-drückUch   nennt    und 
analysiert,    ist  nicht  besonders  fmponierend,  passiert  ihm 
doch  der  Lapsus,    daß    er   den    Schluß    der    «N'atrt^tnicy» 
an  die  Komödie  «Dziedzic  chytry>»   (der  übrigens  «Chytry 
dziedzic»   genannt  wird)  anklebt  und  von  Figlackis  Philo- 
sophie  als   einer    *polityka    wieku    terazniejszego'    spricht, 
während    Figlacki    doch     immer     den    gedanklich    etwas 
anderes    bedeutenden    Ausdruck     'polityka    teraznieyszey 
mody     anwendet.      Die    wenigen    Sätze    schließlich,    die 
Tarnowski  an  verschiedenen  Stellen  der  Frage  über  Boho- 
molec'  Quellen  opfert,  wecken  den  Eindruck,  als  ob  dieser 
im  allgemeinen  recht  selbständig  verfahren  sei  und  nur  in 
einigen  wenigen  Fällen  Moliere  bearbeitet  habe,  und  Komö- 
dien, die  Bohomolec  selbst  ausdrücklich  als  fremdes  Gut 
bezeichnet  hat,  w^erden  unbekümmert  als  Originalkomödien 
behandelt.     Wenn  Tarnowski,  von  solchen  unsoliden  Daten 
ausgehend,  sein  ästhetisches  Urteil  über  die  ersten  Komödien 
unseres  Dichters  dahin  formuliert,  daß  sie  «kaum  den  aller- 
ersten Komödienkeim    bilden,    kaum    besser   sind  als   die 
alten  Dialoge»,  so  können  wir  von  vornherein  an  der  Berech- 
tigung dieses  ganz  unhistorischen  Urteils  mit  Recht  zweifeln. 
Dieser  Zweifel  wird  zur  Gewißheit,  wenn  wir  dem  eigent- 
lichen   und   eigentümlichen   Wesen   der  «Schulkomödien» 
nähertreten    und    sie    als  Teil  einer  besonderen,  literatur- 
historisch nicht  uninteressanten  Gattung  betrachten.    Und 
schließlich   ist   es   eine  Frage,    ob  wir  wirklich  das  Recht 
haben,  Bohomolec  so  ganz  tief  unter  Zablocki  zu  stellen, 
wie  Tarnowski  es  tut,  und  ihm  jeden  selbständigen  Wert 
abzusprechen,  um  Zablockis  Bedeutung  auf  seine  Kosten 


8  Einleitung. 

zu  untcrt?treichen;  denn  die  Forechungen  der  letzten  Jahre 
haben  dargetan,  daß  Zahlocki  in  nicht  geringem  Grade 
überschätzt  worden  ißt. 

Tarnowski  hat  es  wenigstens  der  Mühe  wert  gefunden, 
Bohomolec  näher  zu  besprechen.  Wenden  wir  uns  aber 
zu  Brückner,  so  überrascht  uns  erstens  die  Kürze,  mit 
der  dieser  ihn  abgefertigt,  zweitens  die  Fehlerhaftigkeit  der 
Daten,  auf  denen  Brückner  sein  Urteil  basiert.  Daß 
Bohomolec  in  seiner  deutschen  Literaturgeschichte®  nur 
eehr  kurz  behandelt  wird,  können  wir  mit  Gleichmut 
ertragen,  besonders,  da  Bohomolec'  Verdienst  positiv  hervor- 
gehoben wird;  Zablocki  wird  freilich  traditionell  auf  seine 
Kosten  als  sein  «Nachfolger,  der  ihn  weit  überflügeln 
sollte»,  herausgestrichen.  Dagegen  hätten  wir  in  seiner 
polnisch  verfaßten  Literaturgeschiche  eine  eingehendere 
Charakteristik  unseres  Komödiendichters  zu  finden  er- 
wartet.^ Aber  Brückner  hat  eich  damit  begnügt,  mit 
einigen  Worten  auf  die  lobenswerten  Intentionen  deß 
Dichters  hinzuweisen  und  seine  Komödien  als  ziemlich 
belanglos  hinzustellen.  Dabei  kennt  auch  er  nicht  alle 
Komödien  des  Paters,  sagt  er  doch,  daß  «eine  «Schul- 
komödien ^^  nur  vier  (nicht  fünf)  Bände  umfassen;  merk- 
würdigerweise werden  nur  die  schwächsten,  und  zwar 
ohne  Nennung  der  Titel,  analysiert;  von  den  späteren 
Komödien  nennt  Brückner  nur  zwei,  wobei  die  Besprechung 
der  ersten  nicht  den  eigentlichen  Schwerpunkt  derselben 
berührt,  und  auch  die  zweite  nicht  zu  ihrem  Recht«  kommt. 
Auffallend  und  sehr  wenig  den  Tatsachen  entsprechend 
ist  es  auch,  daß  Brückner  den  Typus  der  späteren 
Bohomolecschen  Komödie  mit  der  Richtung  eines  Diderot 
und  Mercier  zusammenbringen  zu  wollen  scheint. 

Sind  so  die  Urteile  der  synthetischen  Daretellungeni 
der    polnischen     Literaturgeschichte,    die    wir    Brückner, 

®  A.  Brückner,  Geschichte  der  polnischen  Literatur  (Die 
Literatliren  des  Ostens,  Bd.  I,  Leipzig  1901),  S.  241. 

3  Ders.,   Dziej€  literatury   polskiej   w   zarysie.    Tom  I  (Wax 
szawa  1903),  S.  4031,  442  ff. 


Einleilunir.  9 

Tarnowski  und  Chmielowski  verdanken,  keineswegH  gerecht 
oder    berechtigt,    so    kommt    Chrzanowski    in     seiner 
«Geschichte    der    Literatur    des    unahhänj^igen    Polens»  '* 
dem  wahren  Sachverhalte  schon  näher,  wenn  er,  die  Schul- 
komödieu  nur  wenig  berücksichtigend,   da.s  Hauptgewicht 
auf    die    späteren  Komödien    legt;    denn   wenn  wir  einen 
ästhetischen  Wertmesser   anlegen    wollen,    kann    nur   die 
spätere  Komödie  unseres  Dichters  als  Objekt  einer  solchen 
Wertmessung    betrachtet   werden.     Die   Besprechung,    der 
pr    in    dieser    Hinsicht     die      zwei      «Theaterkomödien» 
«Malzenstwo  z  kalendarza»    und   «Pan  dobry*    unterzieht, 
ist  im  allgemeinen  sympathisch  betont,  nur  hätte  natür- 
lich der  Kenner  der  Bohomolecschen  Komödien  gewünscht, 
daß  der  Forscher  nicht  nur  diese  zwei  Komödien  heraus- 
gegriffen   hätte,    sondern    daß    in  Kürze    die    ganze  Fülle 
der  Bohomolecschen  Themata,  die  Tendenz  und  der  Ideen- 
gehalt derselben  charakterisiert  worden  wären.    Die  «Schul- 
komödien» aber,  für  die  wir  uns  hier  besonders  interessieren, 
werden    nur  eben    gestreift    und  als  ihre  Quellen   «italie- 
nische und  französische»   Komödien  ohne  nähere  Angabe 
der  Titel  bezeichnet.     Auch  Chrzanowskis   Gesichtspunkt 
ist    ein    unbewußt    unhistorischer,    ein  von    Werturteilen 
beeinflußter;  auch  er  übersieht  die  Bedeutung  der  «Schul- 
komödien» für  die  Beurteilung  der  eigenartigen  Anfänge 
der  polnischen  Komödie   und  ihren  besonderen  literatur- 
historischen Charakter.     Wenn   er  aber  —  im  Gegensatz 
zu  Brückner,   Tarnowski  und  Chmielowski  —  schon  mit 
Achtung  und  Interesse  vom  Werke  unseres  Dichters  spricht, 
eo  erklärt  sich  das  dadurch,  daß  zwischen  den  Jahren  1903 
und  1908  Einzeluntersuchungen  über  Bohomolec*  Komö- 
dien   erschienen   waren,   die   trotz  zahlreicher  Fehler  und 
Mißgriffe  und  trotz  nicht  zufriedenstellender  Beleuchtung 
jener  Komödien  dennoch  die  Bedeutung  derselben  hervor- 
hoben und  zu  einer  ernsteren  Betrachtungsweise  zwangen. 

^^  I.  Chrzanowski,  Historja  literatury  niepodlegiej 
Polski  (wyd.  4,  Warszau-a  1920),  S.  409  f.  Die  erste  Alifla^R 
fl908)  ist  mir  nicht  bekannt.  •  ! 


10  Einleitung. 

Schon  um  die  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  haben 
einzelne  Forscher  sicli  für  die  Gestalt  unseres  Paters  und 
für  seine  Komödien  interessiert,  ohne  doch  wirklich 
Wi8sen>chaftliches  zu  leisten.  K.  WL  Wöycicki  war  der 
erste  Biograph  unseres  Paters*^  dem  Brown^*,  E.  Nowa- 
kowski^^  und  besonders  Estreicher ^*  mit  kurzen  bio- 
graphischen und  bibliogra])hischen  Skizzen  folgten.  Was 
sie  vorlirachten,  ist  aber  für  unsere  Zwecke  mehr  oder 
weniger  belanglos,  und  in  einer  kritischen  Revue  können 
sie  ohne  weiteres  übergangen  werden. 

Den  erstem  Versuch  einer  Darstellung  der  Geschichte 
der  polnischen  Komödie  hat  seinerzeit  Aleksander  Ty- 
szynski  gewaut.  In  seinen  1875  in  Warschau  erschie- 
nenen «Wizerunki  polskie »  («Polnische  Bilder»)^^  beginnt 
auf  S.  167  ein  Kapitel,  das  den  Titel  trägt:  «Die  pol- 
nische Komödie  im  18.  Jahrhundert».  Wenn  das  auch 
nur  wieder  eine  Skizze  ist,  und  wenn  auch  Bohomolec 
vor  einem  Czartoryski  und  Zablocki  ganz  in  den  Schatten 
tritt,  so  wirkt  doch  das  ruhige  und  objektive  Urteil  des 
Forschers  über  Bohomolec'  Bedeutung  für  die  Entwicklung 
der  polnischen  Komödie  einfach  wohltuend  im  Vergleich 
mit  den  verächtlichen  oder  ironischen  Urteilen  der  mo- 
dernen Forscher.  «Wenn  Bohomolec  auch  kein  Genie 
gewesen  ist»  —  meint  Tyszyriski  —  «so  war  er  immerhin 
ein  Mann  von  Verdienst  und  Talent»  (S.  171).  Dieses 
maßvolle  Urteil  ist  um  so  bemerkenswerter,   als  Tyszynski 


^^  K.  AV  1.  Wöycicki,  Zyciorysy  znakomitych  ludzi  Tom  I 
(Warszawa  1850),  S.  180. 

^2  Brown,  Biblio'eka  pisarzöw  As.  Pulsk.   Tow.  Jezusowego. 

^^  Nowakowskis  Artikel  in  Orgelbrands  Encyklopedya 
Fowszochna,    Bd.  III   (Warszawa   1860). 

**  Est  reicher,  Rys  ogölny  pismiennictwa  drarnatycznego 
(.Dzioiuiik  litoracki..  1853,  Nr.  41,  S.  38—47).  Vgl.  «Rozmaitosci 
lwovi.skieT   1858,  Nr.  6. 

*''  A.  Tyszynski,  Wizerunki  polskio.  Zbiör  szkic6w  lite- 
ratkich  (Bibliotftka  uajfx^lniejszych  utvvorow  literatury  europejskiej. 
Litejatiira  fKiiska).  TWarszawa  1875),  S.  167  ff. :  «Komedya  polska 
w  XVIII  wieku». 


Einleitung.  11 

MIT  die  «Schulkomöilicn»  zu  kennen  scheint,  c Diese 
Komödien»  —  setzt  er  fort  —  «waren  alle  nicht  lan^ 
und  nicht  in  Versen,  sondern  in  Prosa  verfaßt,  enthielten 
■-oniit  weniger  echte  Kunst  (?)  und  gaben  keine  voUstiin- 
digen  Schilderungen  des  gesellschaftlichen  Lebens.  Aber 
fast  jede  von  diesen  kleinen  Komödien  (<:sztuczki»)  hatte 
irgendein  moralisches  Ziel  und  war  reich  an  Lehren;  die 
Waffen  der  Satire  und  Ironie  waren  in  der  Hand  des 
[alters  Bohomolec  keineswegs  stumpf,  sein  Humor  war 
tchter  Humor,  der  komische  Dialog  war  wirklich  komisch, 
Handlung  und  Situationen,  wenn  auch  geringeren  Um- 
fanges,  gebührlich  entwickelt  und  die  Charaktere  nicht 
nur  den  veränderten  Namen  nach,  sondern  auch  kraft 
ihres  Wesens  oft  wirklich  national».  Leider  ist  aber  dieses 
günstige  Urteil  nicht  autoritativ  genug,  da  Tyszynski  über- 
haupt eine  ausgeprägte  Neigung  zum  Loben  hat,  findet  er 
doch  sogar  in  den  «Komödien»  der  Fürstin  Radziwilt  «ge- 
wisse Vorzüge»,   «reiche  Phaptasie»   und   «oft  Witz». 

Erst  im  Jahre  1879  ist  der  erste  Versuch  einer  wirk- 
lichen Biographie  des  Paters  Bohomolec  gemacht  worden, 
der  tiefergreitende  Studien  über  seine  Wirksamkeit  auf 
dem  Gebiete  der  Komödie  und  überhaupt  über  sein 
ganzes  Schaffen  ermöglicht  hat.  Der  Biograph  war  der 
damalige  Student  der  Universität  zu  Lwöw,  der  spätere 
verdienstvolle  Literaturforscher  Henryk  Biegeleisen. 
Auf  seiner  Biographie/^  die  jeder  kritischen  oder  lite- 
raturhistorischen Wertung  von  Bohomolec  Lebenswerk 
sorgfältig  aus  dem  Wege  ging,  zugleich  aber  eine  ge- 
naue ,  später  von  Estreicher  ergänzte  und  vervoll- 
ständigte Bibliographie  der  Werke  unseres  Dichters  bot, 
fußen  die  späteren  Biographen  Bohomolec',  ohne  irgendwie 
N^eues  hinzufügen  zu  können:  sow^ohl  P.  C h m (ielowski) 
in  seinem  Artikel  in   der  «Großen  Allgemeinen  Enzyklo- 


^*5  H.  Biegeleisen,  Zywot  ks.  jezuity  Fraaciszka  Boho« 
raolc«!  (Album  uczaoej  si^  mlodziezy  polskiej  poswi^cone  Jözefowi 
Ignacemu  Kraszewskiemu»,  Lwöw  1879),  S.  619  ft 


IJ  Einleitung:. 

pädi€>"  al^  auch  der  Jesuit  St.  Zal^ski  in  seinei» 
Werke  über  ^Die  Jesuiten  in  Polen»,  im  Kapitel  über 
Hohoniolec. "'  Auch  ich  verdanke  diesem  j^ed legen on  Werke 
vicV^. 

Ein  sympathi^sches  und  auf  eingehendem  Wissen  be- 
gründetes Urteil,  das  den  Verhältnifisen,  unter  denen  Bo- 
liomolec  gearbeitet  hat,  gerecht  zu  werden  sucht,  hat  der 
historische  Dramatiker  und  Literaturforscher  Adam  Beici- 
kowtski  in  seinen  « Studien ^^^  über  Bohomolec  gefällt, 
den  er  gleich  in  der  Überschrift  seiner  Studie  den  «ersten 
polnischen  Bühnendichter»  nennt.  Seine  größte  Bedeu- 
tung sieht  er  in  seiner  Rolle  eines  Pioniers,  der  das  junge 
polnische  Theater  vor  dem  geistigen  Tode  zu  bewahren 
gewußt  hat.  «In  der  für  das  nationale  Theater  kritisch- 
sten Zeit,  nämlich  in  seinen  allerersten  Anfängen»,  —  so 
drückt  er  sich  aus  —  «hat  er  es  vor  einem  vorzeitigen 
Tode  gerettet  und  hat  auch  durch  seine  eigenen  Werke 
bewirkt,  daß  sich  das  Publikum  von  ihnen  interessieren 
und  amüsieren  ließ  und  sich  nicht  etwa  mit  Widerwillen 
und  Gleichgültigkeit  von  der  polnischen  Bühne  abwandte». 

Damit  könnte  die  Übersicht  über  das,  was  die  Verfasser 
synthetischer  Darstellungen  der  polnischen  Literaturge- 
schichte und  die  älteren  Biographen  und  Monr^graphen 
über  Bohomolec  zu  sagen  gehabt  haben,  abgeschlossen  wer- 
den. Sehen  wir  von  den  allgemeinen  literaturgeschicht^ 
liehen  Darstellungen  ab,  von  denen  wir  doch  keine  detail- 
lierte Diskussion  über  die  Komödien  unseres  Autors  fordern 
können,  und  die  uns  nur  insofern  beschäftigen  können, 
als  wir  in  ihnen  einerseits  den  Widerklang  von  Einzel- 
forschungen über  unser  Thema,  andrerseits  eine  allgemein- 


1'  Wielka  Encyklopedja  Powszeclina  Iliustrowana  (VVarsrawa 
185%  Bd.  IX—X. 

^*  Ks.  Stanislaw  Zal^ski,  Jezuici  w  Poisce.  Tom  111,' 
cz^6<5  II  (Lwöw  1902),  S.  1167—1173  u.  passim. 

^9  A.  BelcikowEki,  Ze  studyöw  nad  Uteratur^  polricxi 
(Wajßzawa  1886).  S.  292—320  («Pi^rwszy  sceniczjiy  pisaX2 
polski»). 


EiDleitung.  t:( 

historif^che  Wertnng  desselben  zu  suchen  berechtigt  Bind, 
—  .so  müssen  wir  konstatieren,  daß  die  obengenannten, 
dem  vorigen  Jahrhundert  entstammenden  Einzelforschungen 
nicht  über  das  Sta<lium  der  Lebensbeschreibung  und  der 
^'agen  und  mehr  mler  weniger  subjektiven  Charakteristik 
hinaus  gelangt  sind. 

Es   ist   dem    laufenden  Jahrhundert   vorbehalten   ge- 
wesen,  wie   überhaupt  auf   dem    Gebiete    der    Geschichte 
der  dramatischen  Dichtung  in  Polen,  so  auch  speziell  auf 
dem  bescheideneren  Gebiete  der  Bohomolecforschung  —  sit 
venia  verbo  —  etwas  Positiveres   zu   schaffen.      Was  nun 
die  Geschichte  der  dramatischen  Dichtung  im  allgemeinen 
anbetrifft,   so  erscheint  es  a  priori  klar,    daß   eine  solche 
Geschichte    einer   Dichtungsart    nur   auf   Grund    vorher- 
gehender,   eingehender   Einzelstudien    der    einzelnen   Ele- 
mente derselben,   ich  meine:  einzelner  zeitlicher  Gru}>pen, 
einzelner    Repräsentanten,     sogar     einzelner    Werke,    ge 
schrieben   werden   kann   oder,    wenn   solche  Einzelstudien 
fehlen,   entweder   selbst   in  eine  Reihe  von  Einzelstudien 
der  oben  angedeuteten  Art  zerfallen   oder  zu  einer  rein- 
bibliographißchen    Kompilation    henibsinken    muß.     Eine 
synthetische    Geschichte    der    polnischen    Dramatik,    die 
weder   auf   erschöpfenden   Einzelstudien    noch    auf   bloß- 
bibliographischem  Material  beruht  und  auch  nicht  selbst 
jils    eine    Reihe    unabhängiger   Studien    von    Einzelfragen 
gelten  will,  ist  von  vornherein  zum  Mißlingen  verdammt. 
So  ist  auch  Chmielowskis  oben  zitierte,    verfrühte  Arbeit 
mißlungen,   einfach  weil  die   nötigen  Vorarbeiten  fehlten 
So  ist  auch  die  unlängst  erschienene,  von  dem  verdienst- 
vollen jungen  Forscher  Marjan  Szyjkowski  verfaßte 
kurze    Geschichte    der    polnischen    Komödie^*'    in    vielen 
Punkten  verfehlt  und  in  den  ßohomolec  gewidmeten  Ab- 
schnitten direkt  fehlerhaft.     Der  Mangel  einer  Monographie 
über  die  Komödien  des  Bohomolec  hat  sich  gerächt,  und 
nur   wenn   Szyjkowski   die   vornehmlich    bibliographische 

20  Marjan    Szyjkowski,    Dzieje    komedji   polskiej     vf 
'/ajysie  («Z   hisfcorji   i  litoratury»  4,  Krakow   1921). 


U  Einleitung. 

Methode  befolgt  hätte,  die  er  seiner  kurz  zuvor  erschienenen 
«Geschichte  der  modernen  polnischen  Tragödie »^^  zugrunde 
gelegt  hatte,  liiitte  er  ein  Werk  geschaften,  das  dem  Vor- 
wurfe des  verfrühten  Erscheinens  hätte  entgehen  können. 

Der  Zeitpunkt  für  eine  zusammenhängende,  histo- 
rische Darstellung  der  Entwickelung  der  polnischen  Ko- 
mödien der  neueren  Zeit  ist  somit  noch  nicht  gekommen, 
denn  noch  bieten  sich  zahlreiche  ungelöste  Fragen  über 
Rzewuski,  die  Fürstin  Radziwilt,  Bohomolec,  Krasicki,  Czar- 
toryski,  Zablocki  u.  a.  —  um  nur  die  Verfasser  von  Komö- 
dien aus  dem  18.  Jahrhundert  zu  nennen,  die  meinen 
Forschungen  am  nächsten  stehen,  —  der  Detailuntersuchung 
und  Einzelforschung  dar.  Die  Detailuntersuchung  und  Ein- 
zelforschung, die,  statt  mit  Bohomolec  zu  beginnen,  mit 
Fredro  und  Zablocki  begonnen  hat,  freilich  mehr  als  er- 
folgreich begonnen  hat,  hat  somit  in  einer  ganzen  Reihe 
von  Fragen  immer  noch  das  Wort. 

Diese  Detailforschung  hat  nun  aber  unglücklicher- 
weise an  einer  falschen  Stelle  den  Hebel  angesetzt.  Sie 
hat  ein  allgemeines  Problem  aus  der  Fülle  der  Fragen, 
die  der  Beantwortung  harren,  herausgegriffen,  ehe  noch 
die  wissenschaftliche  Basis  für  das  Studium  geschaffen 
war,  und  hat  demgemäß  nichts  w'eniger  als  eine  wirkliche 
Lxjsung  jenes  Problems  geben  können.  Ich  meine  die 
«umfangreiche,  aber  wenig  ergiebige  Abhandlung»,  wie 
F.  Krcek  sie  ganz  richtig  charakterisiert  hat^^,  die  Bo- 
lesiaw  Kielski  über  den  «Einfluß  Molieres  auf  die  Ent- 
wickelung der  polnischen  Komödie»  ^^  seit  Bohomolec  bis 
Fredro  geschiieben  und  1907  in  den  Abhandlungen  der 
Krakauer  Akademie  veröffentlicht  hat.  Ein  solches  Thema 
behandeln,  bevor  man  noch  richtig  weiß,  worin  eigentlich 


-^Marjan  Szyjkowski,  Dzieje  nowozytnej  tragedji 
polskiej.    Typ  pscudoklasyczny   1661—1831   (Krakow  1920). 

22  Vgl.  <'Arch.   f.   sl.   Ph.»,  Bd.  XXXII,   S.  537. 

23Boleslaw  Kielski,  0  wjjlywie  Moliera  na  rozwöj 
kom«Iyi  jK>lskiej  (Rozprawy  Akad,  Um.,  wydz.  filolog.,  serya  II, 
tom  XXVII,  Krak6w   1907,  S.  129). 


Einleitung.  15 

die  Entwickelung  der  polnischen  Komödie  bestanden  hat, 
bedeutet,  einen  (iuersschnitt  durch  einen  K(irper  machen, 
der  noch  nicht  existiert.  Bevor  noch  Einzeluntersuch- 
ungen über  die  Konuidien  eines  Fredro,  eines  Zablocki, 
eines  Krasicki,  eines  Bohoraolec  die  Werke  eines  jeden  von 
ihnen  als  ein  (lanzes  bestimmt  hatten,  griff  Kielski  die 
wichtig«^  Quellenfrage  heraus  und  beleuchtete  sie  einseitig 
und  ausschließlich  vom  Stand])unkte  eines  natürlich  im 
groGtn  und  ganzen  un  vernein  baren,  aber  höchst  unwissen- 
schaftlich a  priori  postulierten  Moliörischen  Einflusses.  So 
geschah  es  denn,  daß  fast  alles  sich  seiner  Meinung  nach 
auf  Müliere  zurückführen  ließ. 

Die  Berichtigungen,  mit  deren  VeröftVaitlichung  man  so- 
fort begann,  taten  die  ganze  Unhaltbarkeit  der  Kielskischen 
Behauptungen  dar.  Und  das  Hauptverdienst  seiner  Ab- 
handlung bestand  vielleicht  gerade  darin,  daß  er  neue 
Studien  anregte,  die  wichtige  und  voll  überzeugende 
Daten  au  den  Tag  förderten.  Was  Fredro  anging,  so 
haben  wertvolle  Studien  eines  W.  Günther^*,  eines 
M.  Smolarski^^  eines  Kucharski^^  die  Frage  über  die 
Quellen  den  Komödien  dieses  endlich  zu  seinem  Recht 
gekommenen  Dichters  sehr  gefördert  und  sind  in  den 
hervorragenden  Monographien  1.  Chrzanowskis^^  und 
Kucharskis^^  zu  einem  vorläufigen  Abschluß  gelangt, 
der  sehr  weit  von  den  Resultaten  Kielskis  abliegt.  Auch 
betrefls  Zablockis  ist  die  Forschung  sehr  bald  zu  ganz 
anderen  Resultaten  gelangt,  als  diejenigen  Kielskis  es  waren, 

2*  Vgl.  seine  Beiträge  iin  «Przeglcid  Polski»  (t.  166,  1907; 
't.  173,  1909;  t.  174,  1909)  und  in  der  «Biblioteka  Warszawska» 
(1913,   I;   1914,   I— II). 

25  Vgl.  seinen  Artikel  in  der  «Biblioteka  Warszawska»  (1912,  II). 

2«  Vgl.  seine  Artikel  im  «Painiglnik  Literacki»  (1906),  in  der 
«Biblioteka  Warszawska»  (1909,   II;    1911,  I)  u.   a. 

2^  Ign.  Chrzanowski,  0  komedyacli  Aieksandra  Fredry 
(Krakow  1917). 

28  Eugenjusz  Kucharski,  Fredro  a  komedja  obca. 
Stosunek  do  komodji  wloskiej.  («Z  historji  i  iiteratury»  5.  Kra- 
kow 1921). 


l(i  Einleitung,'. 

zu  Resultaten  sogar,  die  die  bis  dahin  herrschende  Meinung 
von  Zabtockis  eminenter  Bedeutung  und  Selbständigkeit 
ganz  empfindhch  reduzierten.  In  dieser  Beziehung  nniuß 
die  wichtige  Arbeit,  die  L.  Bcrnacki-^  schon  1&07  ge- 
leistet hat,  vor  allen  Dingen  hervorgehoben  werden.  Andre 
ergänzt<jn  seine  Ergebnisse,  und  die  früheren  Resultate  der 
Zabl4)cki-Foi-schung  büßten  allen  Wert  ein.  Bedeutend 
schlechter  ist  es  um  die  Literatur  über  die  anderen 
Komödiendichter  der  Stanislaißchen  Epoche  bestellt.  Ich 
will  nur  flüchtig  erwälinen,  daß  Zofia  Gasiorowska 
in  ihrem  Artikel  über  Krasickis  Verhältnis  zu  Moliere*** 
zwar  nicht  Unwesentliches  geleistet,  wohl  aber  den  Fohler 
l>egangen  hat,  in  Kielskis  Fußtapt'en  zu  treten,  d.  h. 
Molieres  Einfluß  auf  Krasicki  in  hohem  Grade  zu  über- 
treiben. Fast  ebenso  schlimm  steht  es  mit  Bohomolec. 
Zwar  hat  \V.  Strusinski^^  fast  gleichzeitig,  wenn  nicht 
schon  vor  Kielski,  der  in  den  P'ußnoten  zu  seiner  Abhand- 
lung auf  ihn  verweist,  einen  wertvollen  Artikel  über 
Bohomolec'  Quellen  geschrieben,  einen  Artikel,  in  dem 
ein  —  als  s<:)lcher  sehr  wohltuender  —  Versuch  gemacht 
wird,  dem  Vergleichsmateriale  weitere  Grenzen  zu  ziehen, 
als  das  der  Fall  war  bei  Kielski;  aber  auch  dieser  Aufsatz 
war  (iinerseits  nicht  ganz  frei  von  Mißgriffen,  andrerseits 
bei  weitem  nicht  erschöpfend.  Schließlich  hat  auch 
L.  Bernacki  mit  einer  kürzeren  Notiz  über  die  Quelle 
mner  der  Bohomolecschen  Komödien'^^  zur  Diskussion  der 
Quellenfrage  beigetragen.  ^^ 

-^  Lndwik  Rernacki,  ;?;r6dla  riiekt6iych  koraedji  Frau 
r:iszka  ZaWockiogo  (cPamietnik  Literackio,  VI,  1907.)  —  Vgl.  au'h 
Wiktor  Hahn,  Tomasz  Corneillo  i  Franciszek  Zablocki  (ibid., 
X,    1911)  tind  W  sprawie  Trödel  komedyi   Fr.   Zablockiego  (ibid.). 

^'^  Zofia  Gasiorowska,  Wply v,-  Moliera  na  komedye 
Kraaickiego  («ParrÜQtmk  Literacki;»,   XIII,   1914—1915). 

^^  W,  S  t  r  u  s  i  n  s  k  i  ,  Komedye  X.  Fr.  Bohomolca  w  sto 
^unku  <k>  teatru   francuzkiego  ("Pamifdriik  Literacki»,   IV,   1905). 

3-Ludwik  Bernacki,  Klopoty  Panöw,  komedya  ks. 
Fr.   Bohomolca  (<PamiQLnik   Literacki^»,   Bd.   V,  Lwow  1906,  S.  59j. 

23  Erst  nach  Abschluß  meines  Buche.s  ist  es  mir  gelungoü, 
Ton  der  neulich   in  den   Abhandlungen   der  polnischen   Akademie 


F.inleilunij.  17 

Einiges  ist  somit  schon  getan,  aber  dieses  t einiges» 
ist  herzlich  wenig,  unvollständig  und  durchaus  nicht  ab- 
ßchließend.  Wenn  wir  auch  dank  Bohuniolec'  eigenen 
Mitteilungen  einiges  über  die  Quellen  der  «Schulkomödien» 
wissen,  so  liarrt  du)  Quellenfrage  im  ganzen  doch  noch 
ihrer  vollstilndigen  Beantwortung.  Wir  wissen,  wie  sicli 
das  Leben  unseres  Paters  in  seinen  Hnuptzügen  gestaltet 
hat,  nicht  aber,  was  ihn  zur  Betätigung  als  Komödien- 
dichter  getrieben  hat.  Wir  wissen,  daß  er  Jesuit  und  Lehrer 
gewesen  ist,  nicht  aber,  wie  gerade  diese  Tatsachen  sich 
in  seinen  «Schulkomödien»  geäußert  haben,  wie  Bohomolec 
selbst  seine  Wirksamkeit  betrachtet  und  welche  Ziele  er 
verfolgt  hat,  und  inwiefern  er,  der  Komödien  schreibende 
Jesuit,  innerhalb  seines  Ordens  etwa  einen  Boden  gehabt 
haben  kann,  auf  dem  er  fest  und  sicher  hat  stehen  können. 
Wir  wissen,  daß  Moliere  viel  für  ihn  bedeutet  hat,  nicht 
aber,  bei  wem  er  sonst  gelernt,  wem  er  sonst  gefolgt  ist, 
von  welchen  Rücksichten  er  sich  bei  der  Wahl  seiner 
sonstigen  Vorbilder  hat  leiten    lassen,    d.   h.   wir   keimen 


der  Wissenschaften  zu  Krakau  (Rozprawy  Polskicj  Akademji 
Umioj^tnosci,  wydzial  filologiczny,  tom  LX,  Nr.  6)  erschienenen 
Arbcif.  von  Jözef  Golr^bek:  Komedjo  konwiklowo  ks.  Fran- 
ciszka  Bohomolca  w  zaleznosci  od  Moljera,  Krakow  1922,  Kennt- 
nis zu  nehmen,  ich  habe  daher  auch  nicht  in  diesem  Buclie  auf  sie 
Rücksicht  nehmen  kömien.  Gol^bek  bewegt  sich  im  großen  und 
ganzen  noch  vollständig  in  den  von  Kielski  gewiesenen  BalunMi 
eines  ausschließUcben  Vergleiches^  der  Schulkomödien  Bohomolec' 
mit  ^loliercs  Komödien.  Der  vollständige  Mangel  eines  wirklich 
neuen  Gesichtspunktes  und  die  konsequente  Einseitigkeit  der  von 
Kielski  eingeführten  Methode  verringern  außerordentlich  den  Wert 
\md  die  Frucht  des  Fleißes,  mit  dem  Goh\bek  Molierische  Motive 
bei  Bohomolec  sucht,  findet  und  zuweilen  fälschlich  annimmt. 
Gola.bck  berücksichtigt  ebensowenig  wie  Folkierski  in  seinem. 
Aufsatz:  Moliere  en  Pologne  in  der  Revue  de  Litt^rature  Compare«'! 
(II,  2,  Paris  1922,  S.  175  ff.),  verneint  sogar  im  Hinblick  auf  Gol- 
doni  andere  Einflüsse  als  die  Molieres  und  trägt  somit  wesentlich 
zu  dem  Irrtume  bei :  Bohomolec'  Komödien  seien  nichts  anderes 
als  lauter  Adaptationein  Molierischer  Vorbilder.  Vgl.  Revue  des 
Etudes   Slaves,    II,    3—4,  Paris    1922,    S.  317. 

Stenrler-Peterscn,  Die  Schulkomöv-lien.  2 


18  Einleitung. 

weder  iicn  ganzen  Umkreis  seiner  literarischen  Kenntnisse 
noch  sein  Verhältnis  zu  ihnen,  wir  haben  keine  er- 
schöpfende Definition  des  ganzen  literarhistorisch  bedeut- 
samen Typus  seiner  Schulkomödien  und  keine  genaue 
Darlegung  des  Verhältnisses  seiner  Schulkomödien  zu  den 
späteren  Theaterkomödien,  wir  wissen  vor  allen  Dingen 
nichts  über  die  literarhistorische  Stellung  und  Bedeutung 
seiner  Schulkomödien,  ihren  Platz  in  der  Geschichte  der 
polnischen  Komödie,  ihre  Bedeutung  für  die  Entwickelung 
dieser  Komödie  in  den  folgenden  Jahrzehnten,  den  ersten 
Jahrzehnten  des  polnischen  Theaters.  Der  Pater  Bohomolec, 
der  Vater  der  Komödie  in  Polen,  der  polnische  Moliere, 
wie  Fürst  A.Czartoryski'^'*  ihn  mit  einer  gewagten  Hyperbel 
genannt  hat,  ist  praktisch  genommen  immer  noch  eine  mehr 
oder  weniger  unbekannte  Größe  für  uns  und  seine  Schul- 
kom()die   immer  noch  nicht  endgültig  erforscht. 

So  glaube  ich  mit  vollem  Rechte  behaupten  zu  können, 
daß  die  Studie,  die  ich  hiermit  der  Kritik  vorlege,  ihre 
volle  wissenschaftliche  Berechtigung  im  Obengesagten 
findet. 


3*  A,  Czartoryski,  Historya  Nauk  Wyzwolonych  (1766) : 
«Temu  polskiemu  Molierowi  winn«  teatrum  polskie  po- 
prawQ  swoj?,  oii  allK)wiem  pierwszy  w  narodzie-  swym  pisal 
podlug  rcgul  komedye.»  —  Vgl.  A.  Brückner,  Dzieje  litera- 
turv  .  .  .,  tom  I,  S.  441. 


]» 


Kapitel  I. 

Bohoniolec  in  seinem  Verhältnis  zur 

Dramatik  des  Jesuitenordens  in 

Polen  und  Frankreich. 

Es  ist  meine  Aufgabe  nicht,  Pater  ßolioniolec'  Leben 
ausführlich  zu  schildern,  wenngleich  ich  auch  der  Meinung 
bin,  daß  die  von  Biegeleisen  vor  ungefähr  45  Jahren  ge- 
lieferte Biographie,  trotz  ihrer  großen  Verdienste,  als  in 
wesentlichen  Punkten  veraltet  betrachtet  werden  muß. 
Meine  Aufgabe  macht  es  mir  aber  zur  Pflicht,  die  Daten 
aus  Bohomolec'  Leben  hier  in  Kürze  anzuführen,  die  zu 
einer  richtigen  Beleuchtung  seiner  «Schulkomödien»  irgend- 
wie beitragen  könnten.  Denn  gerade  die  äußeren  Um- 
stände, unter  denen  Bohomolec  sich  entwickelt  und  als 
Komödiendichter  gewirkt  hat,  haben  auf  seine  Wirksam- 
keit verändernd  und  bestimmend  eingewirkt  und  ihr  den 
äußeren  und  inneren  Charakter  gegeben,  den  ich  in  meiner 
Studie  zu  bestimmen  versuchen  werde. 

Da  ich  nun  aber  meinen  Untersuchungen  eine  mög- 
lichst enge  Grenze  gezogen  habe  und  als  Gegenstand  der- 
selben nur  einen  Teil  seines  dichterischen  Schaffens,  nur 
die  von  den  sogenannten  «Schulkomödien»  repräsentierte 
erste  Periode  betrachtet  wissen  will,  so  ergibt  sich  daraus 
von  vornherein,  daß  eben  nur  diese  erste  Lebensperiode 
uns  hier  interessieren  kann.  Ich  werde  somit  nicht  auf 
jenen  Teil  seiner  Wirksamkeit  eingehen,  der  in  die  neue, 
durch  König  Poniatowskis  Regierungszeit  nach  außen  hin 
symbolisierte  Kulturära    fällt,    sondern    nur   die   Zeit   ins 


20  Kapitel  I. 

Aup:e  fiisscn,  die  uiit  den  letzten  Jahren  der  sogenannten 
«sächsischen»  Periode  zusanniienfällt.  Ich  werde  Bohomolec 
nicht  in  jene  Lebensperiode  nachgehen,  die  vor  allen 
Dingen  von  seiner  breiten  journalistischen  Arbeit  ihr  Ge- 
präge erliält,  sondern  nur  bei  seiner  pädagogischen  Arbeit 
an  der  modernen  Jesuitenschulö  zu  Warschau  verweilen, 
um  aus  ihr  den  äuß'^ren  Typus  seiner  «Schulkomödien» 
zu  erklären.  Wie  und  was  J^ohomolec  nach  seinem  Ab- 
Fohiede  von  der  Schule  gewirkt,  sei  den  Biographen 
überlassen. 


Der  junge,  erst  32  Jahre  zählende  Jesuit  mit  dem 
weißrussischen  Namen  Franciszek  Bohomolec,  der 
1752  als  Professor  der  Beredsamkeit  nach  Warschau  be- 
rufen wurde,  um  in  dieser  Eigenschaft  unter  anderem  die 
Theateraufführungen  seiner  Schüler  nach  althergebrachter 
Sitte  zu  leiten,  war  ein  Mann,  der  schon  reichhaltige  Ge- 
legenheit gehabt  hatte,  sich  in  der  Welt  umzusehen  und 
seine  wissenschaftlichen  und  pädagogischen  Fähigkeiten  an 
den  Tag  zu  legen. 

Wahrscheinlich  der  älteste  von  den  sieben  Söhnen 
des  Witebskischen  Kleinadelsmannes  (vom  Geschlechte  der 
Boliorya)  Pawel  Jozef  Bohomolec  und  seiner  Gattin  Fran- 
ciäzka  (Cedrowska),  ging  er  als  ITjähriger  Jüngling  seinem 
Vater  und  zweien  seiner  Brüder^  mit  dem  Beispiel  voran 
und  wurde  1737  Jesuit.  Als  solcher  absolvierte  er  vier 
Jahre  sjüiter  die  Jesuitenschule  zu  Wilna  und  wirkte  dann 
ah  Magister  der  Grammatik  an  den  Elementarschulen  da- 
selbst, bis  er  im  Jahre  1746  von  seinem  Ordenschef,  dem 
litauischen  Provinzial  Franciszek  Truchnowicz^  zusammen 
mit   seinem    Schulgenossen,    Ordensbruder    und    späteren 

1  Dor  eine  von  ihnen  war  der  bekannte  Bekämpf  er  des  Aber- 
glanljens  Jan  Cliryzostom  Bohomolec,  Verfasser  der  Schrift  «Dyabel 
w   svvoiey   postaci»,    1772. 

2  Vgl.  S  o  m  m  e  r  V  o  g  e  I ,  Bibliothöcjue  elc,  Bd.  VIII,  S.  257, 
wo  er  Truchonowicz  genannt  wird.  —  Zal(jski,  Jezuici  w 
Polsce,   Bd.    III,   2,  S.   1055. 


Bohomnlec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dran.atJk  d.  Jesuitenonlens.     21 

Warschauer    Kollegen   Miehal    Kie}[>s-z"'    ins    Ausland    zur 
Vervollkonininung    seiner    Bildung    gesandt    wurde.      Die 
beiden    weißrussischen   Jesuiten    waren    nicht   die    ernten, 
die    nach    dem    Westen    Euro]ias    gesandt    wurden,    denn 
sclion   iToü  hatte  der  Orch'n,  hi<*rin  dem  modern  gesinn- 
ten  -^ordo   scholarum    piarumt    folgend,    begonnen,    seine 
jungen  Kräfte   zur   weiteren  Ausl)ildung  nach    Rom  (vor- 
nelnnlich  zum  Studium  der  Theologie),  nach  Prag  (vornehm- 
lich zum  Studium  der  Mathematik)  und  nach  Paris  (vor- 
nehmlich  zum  Studium    der  Physik  und  Astronomie)   zu 
senden.    Bohomolec  und  Kielpsz  wurden,  soweit  bekannt, 
direkt   nach    Rom   gesandt,   wahrscheinlich   um  Theologie 
zu   studieren.     Wenn  aber  Janocki,  dem  wir  die  meisten 
Daten  aus  der  Jugend  des  Bohomolec  verdanken,    durch- 
scheinen läßt,  daß  sein  Lehrer  hierin  der  Pater  Contuccio 
Contucci    gewesen    sei,*    so    kann    das    nur    richtig    sein, 
wenn  wir  voraussetzen,  daß  Bohomolec  in  Rom  nicht  (oder 
nicht  ausschließlich)  Theologie,  sondern  vornehmlich  Rhe- 
torik studierte.     Contucci  (1688 — 17G8)  war  nämlich  be- 
rühmt als  Professor  der  Rhetorik  am  CoUegium  Romanum 
S.  J.,  an  dem  er  30  Jahre  seines  Lebens  wirkte,  um  später 
zum    Konservator  am    bekannten    Museum    Kircherianum 
ernannt  zu  werden.    Ein  hervorragender  Archäolog,  stand 
er  in  steter  Verbindung  mit  den  größten  Gelehrten  seiner 
Zeit,  wie  Winckelmann,  Muratori,  Abbe  Barthelemy  u.  a. 
In  seiner  Eigenschaft  als  Professor  der  Rhetorik  hatte  er 
1730    eine    lateinische    Tragödie    «Jaddeus»    (mit    einem 
Prologe  und    «intermezzi   da    cantarsi   nella   tragedia»    in 
italienischer  Sprache)  für  die  Konviktoren  des  Seminarium 
Romanum  verfaßt,  die  im  folgenden  Jahre  schon  in  voll- 
ständiger italienischer  Übersetzung  erschien.     Zu  der  Zeit 
aber,  als  Bohomolec  nach  Rom  kam,  beschäftigte  er  sich 


3  So  nennen  ihn  Szyjkowski,  Dziejc  tragedji  etc.,  und 
So  m  mer  voge  1,  a.  a.  0.,  Bd.  IV,  S.  1034;  —  Zal^ski  da- 
gegen  bald   (S.  1165)   Kielpsz,  bald   (S.    1211)   Kielpsza. 

*  Janocki,  Lexicon  derer  itztlebenden  Gelehrten  in  Polen. 
Breslau   1755.  —  Vgl.   B  i  e  g  e  1  e  i  s  e  n  ,   a.  a.  0.,  S.  629. 


32  Kapitel  1. 

gorftde  mit  einer  lateinischen  Umarbeitung  des  1730  zu 
Rom  erschienenen  theaterhistorischen  Werkes  «Le  maschere 
sceniche  et  le  ligure  comiche  (ranticlü  Komani»,  das  einen 
gewissen  P>ancesco  de'  Ficoroni  zum  Verfasser  hatte ;  der 
gelehrte  Akademiker^  gab  es  im  Jahre  1750  in  völlig 
veränderter  Gestalt  mit  dem  bescheidenen  Titel  «Fr.  Fi- 
coronii  Dissertatio  de  larvis  scenicis  et  figuris  comicis 
jintiquorum  Rumanorum.  .  .  Romae  MDCCL»  heraus.  Bo- 
homolec  wird  in  ihm  einen  Kenner  des  Theaterwesens 
und  der  Geschichte  des  Dramas,  speziell  der  Komödie 
gefunden  haben,  und  es  liegt  nahe  zu  vermuten,  daß  er  es 
war,  der  seinen  polnischen  Schüler  mit  der  Komödie  seiner 
Zeit  bekannt  gemacht,  ihn  vielleicht  sogar  auf  das  von 
(Joldoni  gerade  begonnene  Reformwerk  auf  dem  .  Gebiete 
der  Commedia  dell'arte  aufmerksam  gemacht  hat.^ 

Aus  den  Nachrichten,  die  wir  besitzen,  müssen  wir 
schließen,  daß  Bohomolec  ganze  vier  Jahre  in  Rom  zu- 
gebracht hat.  Ob  er  auf  seiner  Auslandsreise  auch  andere 
Städte  besucht  hat,  bleibt  uns  leider  unbekannt.  Sicher 
hat  er  auf  seiner  Hinreise  wie  auch  Heimreise  Wien  und 
Venedig  besucht,  vielleicht  ist  er  auch  in  Neapel  gewesen, 
wohin  er  die  Handlung  seines  «Pan  do  czasu»  verlegt  hat, 
möglicherweise  auch  in  anderen  Städten  Italiens,  aber  das 
ßind  nur  Vermutungen,  auf  denen  sich  nicht  bauen  läßt. 
In  Paris  scheint  er  nicht  gewesen  zu  sein,  wie  gern  wir 
auch  einen  solchen  Pariser  Aufenthalt  dem  werdenden 
Schöpfer  der  modernen  polnischen  Komödie  gewünscht 
hätten  und  wie  gern  wir  auch  aus  einem  solchen  Auf- 
enthalt   seine   gute    Kenntnis    der   Pariser   Jesuitenbühne 

s  Er  war  Mitglied  der  Accademia  degli  Arcadi,  zu  d^r  auc'i 
Goldoni    gehörte. 

«  Vgl.  Sommervogel,  M.  II,  S.  1396.  —  La  grande 
I.nc yclop«'*die,  tome  XII,  S.  843.  —  Bohomolec  hat  später  vielleicht 
sein  lx.'scheidenes  Vorwort  in.  der  «Dissertatio»  kopiert.  ConLucci 
sagt  nämlich:  «.  .  .  Quae  si  lecbor  eruditus  hunc  meum  qualern- 
cumqQf  laljorem  aeque  bonirfue  faceat,  alia  etiam  ejusdem  auctoris 
opcra  Latine  verUm../  Vgl.  Bohomolec'  Worte  auf  S.  3G1  meiner 
Abhandlung. 


Hohomolec  in  seinem  Verliältiu-s  z.  Dramatik  <i.  JesuitenorJeiis,     '_M 

und  der  gleichzeitigen  französischen  Koniüdie  orkliircn 
niöcliten. 

Im  Jahre  1750  kehrte  liohomolec  nach  Wihia  zurück 
und  wurde  als  Lehrer  der  Rhetorik  an  d(Mi  .lesuitenschulen 
angestellt.  In  dieser  Eigenschaft  gah  er  1751  eine 
«Supellex  Latinitatis,  ex  Phraseologia  P.  Francisci  Wagner 
S.  J.  ad  usuni  e^cholarum  ejusdem  Societatis  coUecta» 
heraus,  ein  Werk,  das  nach  Estreichers  Mitteilung  inso- 
fern selbständig  war,  als  er  es  mit  einer  ])olnischen  I'hrase- 
ologie  und  einem  cindex  vocum  patriarum»  erweitert  hatte, 
und  das  sieben  Auflagen  (die  letzte  in  Polock  1795)  er- 
lebte. Auf  diese  Weise  lenkte  er  die  Aufmerksamkeit 
seiner  Vorgesetzten  auf  sich  und  wurde  schon  1752  vom 
polnischen  Ordenspro vinzial  Porzecki  als  Lehrer  nach 
Warschau  ans  dortige,  zu  Ehren  des  Gründers  so  genannte 
«Gymnasium  Zaluscianum»  berufen,  um  schon  im  folgen- 
den Jahre  (1753),  nachdem  er  sich  durch  seine  Arbeit 
cDe  lingua  Polonica  Colloquium»  (1758  von  seinem  Schüler 
Ksawery  Leski  ins  Polnische  übersetzt)  und  durch  seine 
Polemik  mit  dem  höchst  modern  denkenden  und  ratio- 
nalistisch gesinnten,  aus  Italien  stammenden  Piaristen 
Ubaldo  Mignoni'  ausgezeichnet  hatte ^,  als  Professor  der 
Iihetorik  ans  unlängst  gegründete  Collegium  Nobilium  (auch 
Akademia  Szlachecka  genannt)  versetzt  zu  werden.  In  dieser 
Eigenschaft,  die  er  bis  zum  Jahre  1760  bekleidete,  hatte  er 
nach  alter  Sitte  die  Pflicht,  jährlich  ein  paar  dramatische 
Vorstellungen  zu  leiten  und  für  das  Repertoire  zu  sorgen. 

Seine  dramatische  Wirksamkeit  begann  Bohomolec 
schon  1752,  also  noch  in  seiner  Eigenschaft  als  Lehrer 
am  Zaluskischen   Gymnasium,    nach    der    bisher   an    den 

^  Ubaldo  Mignoni,  Noctimn  Sarnia  icaruni  Vigiliae. 
Braunsbergae  ^IDCCLI.  —  Vgl.  T.  Grabowski,  Kiytyku  lite- 
racka   w   Polsce   (Krakow    1918),    S.  162  ff. 

^  Fr.  Bohomolec,  Pro  ingeniis  Polonorum  ora'i>  habi  a 
Varsaviae  in  Gynmasio  Soc.  Jesu  Calendis  Septembris  anno  .  .  . 
MDCCLII.  —  id.:  Ubaldo  Mignonio  Schol.  Piar.  Noctium  Sarma- 
ticarum  auctori,  praeceptori  suo  suavissirao  Varraius  Exetesticus. 
Kalendis   Decembris   Anno   MDCCLII. 


i4  Kapitel  I. 

.fesuitenscluilen  befolgten  Tradition,  mit  Tragödien.  Man 
{»liegte,  wie  ül)erall  an  den  Scluilcn  des  Jesuitenordens^ 
mindestens  dreimal  jährlieh  lateinische,  seltener  polnische 
Tragödien  von  den  Schülern  der  Kollegien  aufführen  zu 
lassen,  wobei  früher  der  Professor  der  Rhetorik  es  den 
Schülern  überließ,  den  Dialog  nach  seinen  Anweisungen 
auszuarbeiten,  während  man  zu  Bohomolec'  Zeit  schon 
im  großen  und  ganzen  davon  abgekommen  war:  der  Lehrer 
pflegte  selbst  das  Drama  zu  schreiben,  und  die  Schüler 
hatten  es  nur  aufzuführen,  wobei  der  Lehrer  wiederum 
die  Rolle  des  Regisseurs  übernahm. 

Wir  Icennen  die  genaue  Anzahl  aller  von  Bohomolec 
aufgeführten  Tragödien  nicht.  Nur  drei  von  ihnen  sind 
ims  überliefert.  Die  chronologisch  erste  gehört  mit 
Bestimmtheit  weder  seiner  Feder,  noch  ist  sie  eine  Arbeit 
seiner  Schüler.  Man  grub  aus  der  Vergessenheit  eine 
Imndert  Jahre  alte  Tragödie  aus,  deren  Thema  von  den 
Jesuiten  aller  Länder  seitdem  immer  wieder  und  wieder 
von  neuem  behandelt  worden  war,  somit  eine  bewährte, 
typische  Jesuitentragödie.  Der  Verfasser,  der  bekannte 
Jesuit  und  Mathematiker  Carolus  Malapertius  (Char- 
les Malapert),  hatte  sogar  in  enger  Beziehung  zu  Polen 
gestanden,  schrieb  er  doch  seinen  «Sedecias»  während 
seines  Aufenthaltes  in  Polen  und  dedizierte  er  ihn  doch, 
als  er  ilm  1624  herausgab,  seinem  Gönner,  dem  Prinzen 
und  zukünftigen  König  Wladyslaw,  wie  er  schon  früher 
mit  seinen  zu  Kaiisch  gedruckten  poetischen  ^Erzeugnissen 
getan  hatte ^.  Michal  Kielpsz,  Bohomolec' Kollege,  war 
der  eigentliche  Übersetzer  oder  Bearbeiter  jener  Tragödie,  die 
sowohl  polnisch  wie  lateinisch  von  den  Warschauer  Konvik- 
toren aufgeführt  wurde  und  später  mit  dem  Titel 
«Sedecyasz.    Tragedya  od   szlachetney  mlodzi  konwiktu 


^Caroli  Malapcrtii  ...  Variorum  poemalum  fasci- 
cuius.  Calisii  armo  MDCXV  (und  mehrmals  später).  —  id.:  Se- 
decias. Tragoodia  aliaque  Pocmata  ...  ad  Serenissimum  Vladislaiim 
Poloniafj  Priiicipem,  Dvaci  MDCXXIV.  —  Vgl.  Soramervogel, 
Bd.  V,   S.  395  f. 


Eoiioir.olec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Jcsuitnionlcns.     l2r> 

\Vart»zaugkic'go    S.  J.    i)rzedslawiona    w   WarFzawie    1752> 
erschien.  ^'^ 

Eine  andre  Tragödie  wurde  im  Sommer  des  folgenden 
Jahres    (nach   dem    tKiiryer  Polski»   Nr.  S7()    vom    «elben 
Jahre  am  19.,  20.  und  25.  Juni  1753)  anläülich  der  Iloch- 
j'citsfeier  des  «straznik  wielki  koronny»,    Fürst  Stanishaw 
Lubomirski  mit  Izabella  (Elzbieta),  der  Tochter  des  Fürsten 
August  Czartoryeki  und  Schwester  des  später  al-;  Theater- 
kenner bekannten  Adam  Czartoryski,  von  den  «Kavalieren» 
(i)llegii  Nobilium   Varsavi'Mi.^is  Soc.  Jesu  aufL'eführt.     Bo- 
homolec    hat   sie   später  (1754)  in    seinen   «Z-ibawki  Poe- 
tyckie  niektorych  kawaleröw  Akademii  Szlaeheckiey  War- 
szawskiey    Soc.  Jesu    w    Krasomoskie\'    sztuce   c\vic'ZJ|cych 
FJ^»   veröffentlicht,  und  zwar  unter  folgendem  Titel: 
C  e  z  a  r  w  E  g  y  p  c  i  e 
TPvACElilA 
Pod  zaszczytem  wielkich  Jmion 
J.  0.  Xiaz^cia  Jego  MCi 
Stanislawa 
L  u  b  o  m  i  r  s  k  i  e  g  o 
3'  J.  O.  Xiozniczki 

Jzabelli 

C  z  a  r  t  o  r  y  s  k  i  e  y 

Straznikow 

Wielkicli  Koronnych 

Äfalzonkow 

we  dni  ich   wesehie 

Roku   1753 

Od  Jch  MCiow 

Ka.valeroH' 

Collegii  Nobilium 

Varsnviensis 

Soc:  JESU 

WYPPvAWIONA. 

io  Vg].  Szyjkowski,  Dzieje  .  .  .  tra^edji  polskiej.  S.  75. 
—  Z  a  1  ?  s  k  i ,  Jezuici  w  Polsce,  S.  1165.  —  S  o  m  m  e  r  v  o  j;  e  1 , 
Bd.  V,   S.  395  f. 


26  Kapitel  I. 

Daß  diese  Komödie  in  die  «Z:\bawki»  aufgenommen 
worden  ist,  könnte  Beweis  genug  dafür  sein,  daß  wir  es 
hier  mit  einer  nach  den  Anweisungen  des  Lehrers  aus- 
geführten Schülerarbeit  zu  tun  haben,  denn  Bohomolec 
hat  nachweislich  nur  (natürlich  von  ihm  mehr  oder 
weniger  stark  retuschierte)  wirkliche  Schülorarbeiten  in 
jene  Sammlung  aufgenommen  und  selbst  die  Reihe  der 
jungen  Verfassernamen  aufgezählt.  Wenn  zu  jener  Tragö- 
die kein  Autor  genannt  ist,  so  beruht  das  einfach  darauf, 
daß  die  Tragödie  sicher  die  Frucht  kollektiver  Arbeit 
mehrerer  Schüler  gewesen  ist.  Man  könnte  sich  vielleicht 
fragen,  inwieweit  diese  Tragödie  literarhistorisch  mit 
jenem  «Cesar  in  Egitto»  verwandt  ist,  der  Ü  745,  d.  h.  ein 
Jahr  vor  Bohomolec'  Ankunft  in  Rom,  und  vielleicht  auch 
später  im  Seminarium  Romanum  der  Jesuiten  gespielt 
worden  ist.^^  Jedenfalls  sehen  wir,  daß  auch  das  Thema 
dieser  Tragödie  wie  die  meisten  jesuitischen  Tragödien- 
stoffe ein  traditionelles  war,  gerade  dieses  ein  hervor- 
stechendes Charakteristikum  der  Jesuitendramatik. 

Schließlich  kennen  wir  noch  eine  dritte  Tragödie, 
die  unter  den  Auspizien  unsers  Paters  über  die  Bretter 
der  Warschauer  Jesuitenbühne  ging.  In  den  nämlichen 
«Zabawki»,  in  denen  wir  den  «Cezar  w^  Egypcie»  fanden, 
folgt  gleich  auf  jene  Tragödie  eine  andere  mit  dem  Titel 
«Lizymach,  Tragedia»,  die  im  Gegensatz  zu  jener  mit 
einem  «Argument»  versehen  ist.  Dasselbe  lautet  folgender- 
maßen^^: «Lizymach,  kröl  Tracyi,  gdy  z  Pyrrhusem  o 
tron  Macedonski  woiowal,  Agathokiesa,  syna  z  pierwszey 
zony,  przez  ktörego  y  Getöw  naröd  dziki  usmierzyl  y  sam 


11  Vgl.   Sommervogel,   Bd.   VII,   S.  80. 

12  Bei  Justinus  lautet  die  Stelle  folgendermaßen:  «Neo  ostentis 
fid*js  defuit,  nam  brevi  post  tempore  Agathoclem,  filium  sutim, 
quem  in  suc-cessionem  regni  ordinaverat,  per  quem  multa  bella 
prc-spere  gesserat,  non  solum  ultra  patrium,  verum  etiam  uHra 
liumamim  morem  perosus  ministra  Arsinoe  noverca  veneno  inier- 
fec'it.»  M.  Juniani  Justini  Epitoma  historiarum  Philippicarum  Pomjjei 
Trogi  ex  rec.  Fr.  Ruehl.    Lipsiae  MDCCCLXXXVI,  liber  XVII. 


Bohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.     27 

z  ich  TQku  byl  uwolniony,  z  przyczyiiy  Arsiny,  cörki 
Ptolomeusza  a  swoiey  drugiey  malzonki,  przez  tiucizn(j 
utraciL  Justin.,  lib.  XVII.»  Wir  haben  es  hier  wieder 
mit  einem  typisch-jesuitisclien  Stofle  zu  tun,  der  schon 
vor  Bohomolec  in  Westeuropa  vom  Orden  mehrfach 
dramatisiert  worden  war.  Die  berühmteste  unter  diesen 
Bearbeitungen  stammt  von  dem  als  Dramatiker  unter  den 
Jesuiten  sehr  bekannten  Pater  Charles  de  la  Rue  (1643 
bis  1725),  der  am  8.  Februar  1668  im  Pariser  College 
de  Louis  le  Grand  seine  Tragödie,  die  ursprünglich  den 
Titel  «Agtithocles»,  erst  später  den  Titel  «Lysimachus» 
trug,  von  seinen  Schülern  aufführen  ließ.^^  Mit  dieser 
Aufführung  begann  die  «große»  Periode  in  der  Geschichte 
des  Pariser  Jesuitentheaters. ^■^  Inwieweit  die  von  Bohomolec 
aufgeführte  Tragödie  eine  Übersetzung  einer  von  den 
vielen  Dramatisierungen  des  Stoffes  ist  oder  eine  selb- 
ständige Bearbeitung  desselben,  entzieht  sich  meiner 
Kenntnis. 

Wann  der  «Lizymach»  in  Warschau  aufgeführt  worden 
ist,  wissen  wir  zwar  nicht,  können  aber  daraus,  daß  er 
im  Jahre  1754  gedruckt  worden  ist,  mit  einiger  Wahr- 
scheinlichkeit schließen,  daß  das  in  den  Jahren  1753 
bis  1754  geschehen  sein  muß.  Welche  anderen  Tragödien 
außerdem  noch  unter  Bohomolec'  Leitung  im  adligen  Kon- 
vikt  aufgeführt  worden  sind,  wird  mis  nicht  berichtet; 
nur  soviel  ist  uns  aus  dem  «Kuryer  Polski»  (Nr.  158  aus 
dem  Jahre  1756  und  Nr.  8  und  31  aus  dem  Jahre  1757) 
bekannt,  daß  auch  später  noch,  als  Bohomolec  sich  schon 
ganz  der  Komödie  gewidmet  hatte,  Tragödien  in  seinem 
Collegium  NobiUum  aufgeführt  wurden,  wahrscheinlich  — 
ßo  vermutet  schon  Biegeleisen  ^^  —  unter  der  Leitung 
unseres  Paters. 


13  Sonimervogel,    Bd.    VII,    S.  290  ff. 

1*  Ernest  Boysse,  Le  theätre  des  jesuites  (Paris  1880), 
S.  153. 

1^  B  i  e  2;  e  1  e  i  s  e  n  ,   Zvwot   ks.    Fr.  Bohomolca,   S.  632. 


i}s  Knpitel  I. 

Wir  sehen  somit,  daß  Bohomolec  seine  dramatisch- 
pädagogische Tätigkeit  cf^nau  so  begann,  wie  jeder  andere 
jesuitische  Professor  der  Rhetorik  es  getan  hätte:  mit  der 
Besorgung  und  Aufführung  typisch-jesuitischer  Tragödien. 
Er  wandelte  somit  ganz  in  den  Spuren  seiner  Kollegen 
an  den  verschiedenen  Jesuiten kollegien  und  half  mit  eine 
Tragödiengattung  kultivieren,  die  in  Polen  gerade  zu  dieser 
Zeit,  d.  h.  um  die  Mitte  des  18.  Jahrhunderts,  eine 
wirkliche  Blütezeit  erlebte.  Noch  etwa  zehn  Jahre  vorher 
war  sie  für  polnische  Schulen  etwas  Neues,  war  sich  doch 
Stanislaw  Jaworski,  als  er  1746  in  Kaiisch  eine  polnische 
Tragödie  mit  dem  Titel  «Jonatas»  aufführte,  voll  bewußt 
etwas  im  Vergleich  mit  den  früheren  dramatischen  Übungen 
der  Jesuiten  Neues  eingeführt  zu  haben:  er  sagte  in  seinem 
Vorworte  an  den  Leser  ausdrücklich,  daß  er  «das  erste 
Eis  habe  brechen  müssen ».^^  Später  floß  der  Strom  der 
reformierten  Jesuitendramatik  in  reichem  Überfluß,  und 
ich  brauche  bloß  an  die  tragischen  Erzeugnisse  eines 
Bielski^^,  eines  Meciiiski^^,  eines  Sadowski^^  oder  eines 
Soltyk^^  zu  erinnern,  um  von  der  Produktivität  des 
Ordens  auf  dem  tragischen  Felde  eine  Vorstellung  zu  geben. 
Es  war  das  eine  rechte  Akme,  auf  die  der  Orden  stolz  sein 
zu  können  glaubte.  Es  war  das  aber  vor  allen  Dingen 
kein  national-polnisches  Phänomen.  Denn  wie  der  Orden 
der  Jesuiten  überhaupt  der  internationalste  unter  allen 
katholischen  Orden  war,  so  war  auch  seine  allgemein- 
literarische  und  speziell- dramatische  Wirksamkeit  eine 
Erscheinung  von  ganz  internationaler  Art.     Fast  für  jede 

16  S  z  y  j  k  o  w  s  k  i ,  a.  a.  0.,  S.  70.  —  Vgl.  Sommer- 
vogel,   Bd.  IV,   S.  764. 

1 '  S  z  y  j  k  o  w  s  k  i ,  a.  a.  0.,  S.  72.  —  Vgl.  Sommer- 
vogel,  Bd.   I,   S.   1461  ff. 

1^  Sommer vogel,  Bd.  V,  S.  855.  —  Szyjkowski, 
a.  a.  0.,  S.  80. 

1^  Szy  jko  wsk  i ,  a.  a.  0.,  S.  75.  —  Vgl.  Sommer- 
vogol,  Bd.  YII,  S.  371. 

2*^  S  z  y  j  k  o  w  s  k  i ,  a.  a.  0.,  S.  75.  —  Vgl.  Sommer- 
vogel,   Bd.    VII,    S.   1374. 


Boljoniolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Drama' ik  d.  Jeauitenordens.     -M) 

polnische    Tragödie    können    wir    —    wenn    nicht    gerade 
Quellen,  so  doch  —  xVnalogien  in  der  Dichtung  der  west- 
europäischen Jesuiten  finden,  fast  jede  polnische  Jesuiten- 
tragödie ist  durch  eine  zuweilen  recht  alte  Tradition   ge- 
heiligt,   fast    alle    behandeln    Stoffe,    die    außerhalb    des 
nationalen  Lebens  liegen  und  keineswegs  auf  eigener  Er- 
findung beruhen,  sondern  durch  immer  und  immer  wieder- 
holte Dramatisierungen  als  für  den  Schulgebrauch  passend 
sich    erwiesen    hatten    und    von    zahlreichen  Vorgängern 
mundgerecht  gemacht  worden  waren.    Das  Alte  und  Neue 
Tesiament,    der  Martyrolog   der   katholischen  Kirche,    die 
Geschichte  des  Jesuitenordens,    die  Annalen  der  Heiden- 
missionen,    immer   häufiger    aber   die  profane  (vorzüglich 
antike)  Geschichte  boten  Stoff  genug  dar   zu    einer   nach 
bestimmten,  von  Zeit  zu  Zeit  modifizierten  Regeln  vorzu- 
nehmenden Dramatisierung,  einer  Dramatisierung,  die  nach 
keiner  künstlerischen  Persönlichkeit  verlangte,  sondern  sicli 
den  Forderungen  der  Tradition  fügte.      Dennoch   mußten 
aber    die    Tendenzen    der    von  Corneille    und    Racine    ge- 
ßchaflfenen  klassizistischen  Tragödie  mit  der  Zeit  verändernd 
auf  die  äußere  Form   der  Jesuitentragödie  einwirken,  und 
daraus,   daß    die   Ordensdraraatik   immer    rechtzeitig   sich 
den  neuen  Formen  anzupassen  suchte,    ohne   doch    ihren 
eigentlichen    Charakter    je    ganz    aufzugeben,     läßt     sich 
die     zähe    Lebenskraft     derselben    erklären.       Auch    die 
um    die    Mitte    des    18.  Jahrhunderts    aufblühende    pol- 
nische Jesuitentragödie   ist    ein  Gebilde  kpmpromißhafter 
Natur.21 

Ob  nun  diese  polnische  Jesuitentragödie,  der  auch 
Bohomolec,  wie  wir  gesehen,  gleich  von  Anfang  an  huldigte, 
und  die  sich  durch  ihre  äußere,  streng  geregelte  Form 
scharf  von  der  früheren,  altertümlichen  Ordensdramatik 
unterschied,  als  ein  direktes  Resultat  jenes  Einflusses  zu 
erklären  ist,  den  die  dramatische  Tätigkeit  des  Piaristen- 
ordens  auf    die    der    Jesuiten    ausgeübt    haben    soll,    das 


21  Szyjkowski,  a.  a.  0.,  S.  70. 


r.O  Kapitel  1. 

ist  eine  Fni^o,  die  meines  Ernchtcns  nicht  so  ohne 
weiteres  bejahend  beantwortet  werden  darf,  wie  Szyjkowski 
es  tut.^*  Denn  der  Typus  der  polnischen  Jesiiitentragödie 
ist  keineswegs  als  ein  spezifisch  polnischer  zu  betrachten, 
sondern  ist,  wie  das  auch  eigentlich  von  vornherein  zu 
erwarten  ist,  mit  dem  der  westeuropäischen  Jesuitentragödie 
identisch.  Auch  im  katholischen  Westeuropa  setzt 
gleichzeitig  eine  sehr  fleißige  jesuitische  Tragödien- 
produktion ein,  die  von  der  modernen  weltlichen  Tragödie 
der  Franzosen  stark  beeinflußt  ist.  Was  die  süddeutschen 
Ordensprovinzen  angeht,  so  brauche  ich  bloß  an  die 
«Tragoediae»  des  Augsburger  Jesuiten  Anton  Claus 
(1601  — 1754)  zu  erinnern,  die  schon  1741  erschienen^^ 
und  10  Jahre  spcäter  ins  Polnische  übertragen  wurden^**, 
weiter  an  die  1757  und  1764  erschienenen  «Tragoediae» 
des  Andreas  Friz^^  (1711  — 1790),  an  die  «Tragoediae 
Autumnaless,  die  der  Innsbrucker  Rhetoriker  und 
Orientalist  I.  Weitenauer  (1709—1783)  im  Jahre  1758 
erscheinen  ließ^^,  schließlich  an  das  «Thcatrum  Politicum» 
(1760)  des  Augsburger  Dompredigers  Franz  Neuraayr 
(1697— 1765).^^ 

Die  ursprüngliche  Quelle  dieser  jesuitisch -klassi- 
zistischen Art  müssen  wir  aber  natürlich  beim  französischen 
Orden  suchen,  der  seine  dramatische  Blütezeit  Ende  des 
17.  und  Anfang  des  18.  Jahrhunderts  hatte.  Charles  de 
la  Rues  (1643 — 1725)  Namen  sind  wir  schon  begegnet: 
er  war  als  Verfasser  zweier  Tragödien  weit  über  Frank- 
reich hinaus  bekannt  ^^;  als  Verfasser  zahlreicher  Tragödien 
wird   auch  Joseph  de  Jouvancy   (1643  — 1719)  genannt.^^ 


22  Szyjkowski,  a.  a.  0.,  S.  70. 

23  So  mm  er  vo  gel,    Bd.    II,    S.   1204. 
2*  Von  einem  gewissen   Ign.  Lopacinski. 

^^  Sommervogel,   Bd.    III,   S.   1004  ff. 

26  Ders.,   Bd.   VIII,   S.   1051  ff. 

27  Ders.,    Bd.    V,    S.   1654  ff. 

28  Ders.,   Bd.    VII,   S.  290. 
2»  Ders.,    Bd.    IV,   S.  830  ff . 


Rühomolei-  in  seinem  Verhältnis  z   f^rninatik  iK  Je«^uIl»»nonIer.'<.     '.A 

Von  allen  die  Lervorra^eiul^^ttn  Dramaturgen  t?iiul  al>er 
Gabriel  le  Jay  (16ö7-  1734)  und  Charles  Poree  (1075 
bis  1741),  Professoren  der  Rhetorik  am  Pariser  College 
de  I^ouis  le  Grand,  Vertreter  der  (ilanzzeit  ihres  Ordens. 
Von  le  Jay  besitzen  wir  sieben  Tragödien  und  vier  Dramen 
(darunter  eine  Josephs-Trilogie),  die  1725  in  seiner  «Biblio- 
theea  Rhetorum,  exempla  complectens»  erschienen;  Porec 
hat  in  den  Jahren  1708 — 1728  sieben  Tragödien  verfaßt 
und  aufführen  lassen  (darunter  einen  «Sefevi  Myrza> 
1712,  einen  «Hermenegildus>  1718,  einen  «Sennacherib», 
1728  usw.),  die  zum  größten  Teile  in  den  «Tragoediae^ 
editae  opera  P.  Cl.  Griffet  S.J. »  1745  zu  Paris  gesammelt 
erschienen. 

So  meine  ich  denn,  daß  der  Typus  der  Jesuiten- 
tragödien, die  wir  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  in  Polen 
antreffen^*',  aus  Westeuropa  von  den  Jesuiten  selbst  ein- 
geführt worden  ist,  und  wenn  wir  die  polnischen  Jesuiten 
die  alte  Regel,  daß  nur  Latein  die  Sprache  der  Tragödie 
sein  darf,  verlassen  sehen,  so  tragen  sie  auch  dafür  nicht 
die  Verantwortung,  denn  zur  selben  Zeit  hatten  sowohl 
das  College  de  Louis  le  Grand  wie  auch  andere  Jesuiten - 
schulen  die  lateinische  Sprache  in  weitem  Umfange  auf- 
gegeben und  waren  zur  Landessprache  übergegangen. 

Wenn  ich  somit  die  polnische  Jesuitentragödie  mit 
Szyjkowski  ein  Kind  des  Kompromisses  nenne,  so  tue  ich 
es  dennoch  nicht  in  dem  Sinne,  in  dem  Szyjkowski  den 
Ausdruck    anwendet.      Szyjkowski    hat    meiner    Meinung 


""^  Eine  allseitige  Beurteilung  der  p-Dlnischen  Jesuitentragödie 
liegt  mir  hier  fem,  um  so  mehr,  als  eiae  wirklich  wissenschaft- 
liche Durchforschimg  des  existierenden  Materials  in  Polen  noch 
ganz  fehlt.  Prof.  Windakiewicz  hat,  wie  ich  nach  Abschluß 
meiner  Arbeit  erfahre,  eine  solche  Untersuchung  mit  dem  Titel: 
«Teatr  kolegjöw  jezuickich  w  dawnej  Polsce>  in  Vorbereitung:. 
Wir  dürfen  dieser  Arbeit  sicher  mit  allergrößtem  Interesse  ent- 
gegensehen. Vgl.  Sprawozdania  z  czynnosci  i  posiedzeh  Polskicj 
Akademji  Umiej^tnosci,  tom  XXVII,  marzec  1922,  Nr.  3,  S.  2—3. 
—  W.  Hahns  Literatura  dramatyczna  (Lwöw  1906;  umfaßt  be- 
kanntlich nur  das  16.  Jalirhundert. 


3-J  Kiipitel  I. 

nach  den  Fehler  begangen,  die  polnische  Jesuitentragödie 
des  18.  Jahrhunderts  als  rein-polnische  Erscheinung  zu 
betrachten,  was  ihn  dazu  verleitete,  den  Zusammenhang 
der.selbeu  mit  den  analogen  Bestrebungen  der  fremd- 
ländischen, vorzugsweise  französischen  Jesuiten  zu  über- 
sahen. Um  den  neuartigen  Charakter,  die  klassizistische 
Form  dieser  Tragödie  zu  erklären,  nahm  er  an,  daß 
Konarskis  Schul-  und  Schultheaterreform  die  Jesuiten 
zu  der  Neuerung  veranlaßt  habe.  Wenn  wir  aber  näher 
zuschauen,  stammt  diese  Neueinführung  direkt  aus  der 
reformierten  Jesuitentragödie  der  französischen  Schulen. 
Faktisch  aber  hat  die  Konar.-^kische  Tragödie  kaum 
einen  unmittelbaren  Einfluß  auf  die  der  Jesuiten  ausgeübt. 
Die  sogenannte  Konarskische  Schulreform  bestand,  was 
speziell  die  dramatischen  Schüh»raufführungen  betrifft, 
dnrin,  daß  man  resolut  die  Meisterwerke  der  franzö.-ischen 
Verfasser  übersetzte  und  auf  die  Bühne  brachte,  ohne  sie 
durch  Eliminierung  der  bisher  verpönten  Frauenrollen  zu 
kastrieren  und  ohne  ihnen  eng-pädagogische  Tendenzen 
unterzuschieben.  Man  begann  mit  Corneilles  «Othon» 
(1744),  setzte  mit  Voltaires  «Zaire»  (1747)  foit  und  hatte 
bald  Racines  «Athalie»,  Corneilles  «Polyeucte»  und  «Hera- 
clius»,  Racines  «Esther»,  Voltaires  «Alzire»,  cMerope», 
«Brutus»  usw.  übersetzt.  Schließlich  schrieb  der  Reformator 
der  «scholae  piae»  eine  moderne  Tragödie  mit  dem  Titel 
«Epaminondas»,  die  1755  oder  1756  aufgeführt  wurde. 
Konarski  hatte  vollständig  mit  der  schulmäßigen  iVIoral 
gebrochen  und  eine  andere  Tendenz  gewählt,  die  Tendenz 
der  indirekten  Beeinflussung  der  Gesellschaft  durch  Exem- 
plifizierung bürgerlicher  Tugend  und  sozial  -  politischer 
Ideale,  wobei  er  hohe  ästhetische  Ansprüche  stellte.  Seine 
Vorbilder  waren  die  großen  Meister  der  französischen 
Tragödie,  denen  er  mit  Begeisterung  folgte,  in  der  Er- 
kenntnis, daß  die  Lehrhaftigkeit  der  Jesuitenszene  eng- 
herzig, unkünstleiisch,  unzweckmäßig  war,  und  daß  das 
traditionelle  Prinzip  der  Fraueneliminierung  sich  selbst 
überlebt   hatte.      Indem   er   so   zum    Schrecken   der   kon- 


Bohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens,     ^r; 

kurrierenden  Jo^uiten  radikal  mit  den  formellen  Vor- 
urteilen d«^r  letzteren  brach,  führte  er  den  großstiligon 
Geist  sozialer  und  politischer  Tendenz  in  seine  Tragödie 
und  in  da.=?  Sclmldrnma  ein,  das  nicht  mehr  der  Erziehung 
der  Jugend,  sondern  der  Erziehung  der  (xesellschaft  im 
moderneren  Geiste  gewidmet  war.  Auf  diesem  Wege 
folgten  ihm  aher  die  Jesuiten  mit  zäher  Festhaltung  ihrer 
pädagogischen  Prinzipien  grundsätzlich  nicht.  In  dieser 
Beziehung  war  für  sie  ein  Kompromiß  grundsätzlich  aus- 
geschlossen. Sie  konnten  in  der  Form  nachgeben,  ßie 
konnten  sogar,  wenn  auch  nicht  ohne  harten  Kampf  in 
der  Frage  der  Frauenrollen  nachgeben.  Von  ihrem  Geiste 
aber,  von  ihrer  Tendenz  und  von  ihrer  Auffassung  der 
Aufgabe  un  1  der  Bestimmung  der  Schulkomödie  wichen 
sie  keinen  Fußbreit   ab. 

An  diesem  Satze  von  dem  Konservatismus  der  jesui- 
tischen Schuldramatik  müssen  wir  stets  festhalten,  wenn 
wir  den  Charakter  der  Bohoraolecschen  «Schulkomödie» 
recht  verstehen  wollen.  Denn  Bohomolec,  der  mit  der 
Aufführung  typischer  Jesuitentragödien  begann,  stak  auch 
als  Verfasser  der  «Schulkomödien»  tief  in  den  Anschau- 
ungen seines  Ordens,  so  tief,  daß  sein  Charakter  als  jesui- 
tischer Schulmann  in  scharfem  Gegensatz  zu  seinem 
(s})äteren)  Charakter  als  Journalist  und  Kultureiferer  zu 
stehen  scheint.  Vielleicht  beziehen  sich  gerade  hierauf 
die  für  Biegeleisen  ^^  so  rätselhaften  Worte,  mit  denen 
Jariocki  1755  den  jungen  Professor  der  Rhetorik  dem 
europäischen  Forum  präsentierte: 

«Der  Pater  Bohomolec  besitzet  wirklich  viel  natür- 
liche Fähigkeit  und  Neigung  zur  Läuterung  des  Ge- 
schmackes unserer  Nation  in  den  freyen  Künsten, 
heget  aber  noch  vielerlei  Vorurteile,  die  ihn  in 
der  Erkenntniß  derer  heylsamsten  Wahrheiten  und  nütz- 
lichsten Wissenschaften  augenscheinlich  hindern.» 


31  Biegeleisen,   a.   a.    0.,  S.  613. 


Stender-Petcrsc-n,  Die  Schulkomödien. 


:U  Kapitel  I. 

Schon  bald,  nachdem  Bohomolec  sein  Lehramt  an 
(loni  jesuitischen  Collegium  Nobilium  übernommen  hatte, 
verließ  er  das  Gebiet  der  Tragödie  und  widmete  sich  der 
Komödie.  Spätestens  im  Jahre  1755,  wahrscheinlich  aber 
hchon  früher,  begann  er  auf  der  Bühne  seines  Schul- 
theaters jene  Lustspiele  aufzuführen,  die  der  Nachwelt  in 
fünf  kleinen  Oktavbänden  überliefert  sind  und  mindestens 
oinc  Arbeit  von  fünf  Jahren  repräsentieren  (1755  — 1760).^^ 
Sie  waren  für  polnische  Verhältnisse  unbedingt  eine 
Neuerung,  und  wenn  auch  Bohomolec  innerhalb  seines 
Ordens,  vom  Standpunkte  der  dramatischen  Wirksamkeit 
fies  ganzen  Ordens  gesehen,  kein  absoluter  Bahnbrecher 
für  eine  vom  Oiden  noch  nicht  praktisierte  dramatische 
Art  gewesen  ist,  so  war  dennoch  der  Schritt,  den  er  tat, 
lür  seine  Ordensnation  ein  reformatorischer  Schritt. 

Die  Reform  war  zunächst  negativer  Art  und  bestand 
gerade  darin,  daß  er  die  Jesuitentragödie  aufgab.  Er 
hatte  wohl  eingesehen,  daß  diese  Treibhauspflanze,  erwachsen 
aus  dem  mageren  Boden  eines  miechten  Kompromisses, 
keine  Zukunft  hatte,  und  zu  dieser  Einsicht  mußte  ihn 
zuallererst  die  einfache  Tatsache  führen,  daß  die  eng- 
pädagogische, von  keiner  wahren  Kunst  durchglühte  Tra- 
gödie seiner  Ordensschule  ganz  von  der  bei  den  Piaristen 
vorbehaltlos  gepflegten  und  von  hohen  allgemeinen  Ideen 
getragenen  Tragödie  der  großen  französischen  Meister  in 
d<in  Schatten  gestellt  worden  war.  Wie  dem  von  den 
Vätern  der  heiligen  Schulen  verfochtenen  Prinzipe  der 
Verweltlichung  der  Unterrichtsmethode  ein  wirksamer 
Widerstand  nicht  entgegengestellt  werden  konnte,  so  er- 
schien es  aussichtslos,  für  die  eng-moralische  Tragödie  der 
meistens  unpoetischen  Jesuitendichter  gegen  die  Macht 
der  von  den  Piaristen  zugleich  eingeführten  weltlichen 
Tragödie  der  Franzosen  anzukämpfen.  Konnte  man  aber 
nicht  mit  dem  wachsenden  Einfluß  und  der  erstarkenden 


32  Vgl.    die    im    Anhang   gegebene    Analyse    aller    «Scliul- 
komödien». 


Bohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d,  Jesuilcnoidens.     35 

Bedeutung  der  Piaristen  auf  diesem  Gebiete  wetteifern,  so 
galt  es  ein  neues  Gebiet  zu  finden,  auf  dem  man,  obne  seine 
Grundsätze  aufzugeben,  dennoch  den  Konkurrenten  mit 
Erfolg  entgegentreten  konnte.  Da  kam  Bohomolec  gerade 
im  rechten  Augenblicke  mit  seiner  Idee,  die  Komödie  der 
Sache  des  Ordens  dienstbar  zu  machen.  War  Konarski, 
der  Piarist,  Vertreter  der  französischen  Tragödie,  so  sollte 
nun  Bohomolec,  der  Jesuit,  die  Komödie  zu  einem  Ele- 
mente der  Schulpraxis  machen.  In  dieser  Beziehung  darf 
die  von  Bohomolec  geschaffene  «Schulkomödie»,  meiner 
Meinung  nach,  ohne  Zweifel  als  ein  neues  Konkurrenz- 
mittel im  Kampfe  um  die  bedrohte  Oberherrschaft  auf 
dem  Gebiete  der  Schule  betrachtet  werden. 

Eine  solche  «Neuerung»  konnte  nun  aber  um  so  leichter 
an  jener  Schule,  in  der  Bohomolec  wirkte,  gewagt  werden, 
als  gerade  sie  bestimmt  war,  soweit  mit  dem  Geiste  der 
Tradition  vereinbar,  die  Schulmethoden  der  Piaristen  an- 
zuwenden. Worin  diese  bestanden  und  worin  Konarski 
überhaupt  das  Ziel  seiner  Reformbestrebungen  sah,  brauche 
ich  nicht  an  dieser  Stelle  im  einzelnen  darzulegen.  Es 
darf  wohl  als  bekannt  vorausgesetzt  werden'^,  daß  die 
bahnbrechende  pädagogische  Wirksamkeit  jenes  Schülers 
des  römisch-piaristischen  Collegium  Nazarenum^  nach  den 
ersten  vergeblichen  Versuchen,  nach  vielfachen  Reisen  in 
ganz  Westeuropa,  endlich  im  Jahre  1740  mit  der  Grund- 
legung des  modern  organisierten  Collegiuins  zu  Warschau 
erfolgreich  eingesetzt  hatte.  Konarski  konnte  nun  un- 
gestört die  alte,  auf  Alvarez'  lateinischer  Schulgrammatik 
basierte  Schulmethode  bekämpfen  und  seine  Grundsätze  in 
den  «Ordinationes  visitationis  apostolicae»  paragraphieren. 
Er  war  einer  der  ersten,  die  für  einen  natürlichen  Sprach- 
stil statt  des  «Macaronismus»  eintraten  und  Cicero  als  Muster 
aufstellten^*,  er  führte  Wolfifs  philosophisches  System   in 

33  Vgl.  W  1.  Nehrings  sehr  lesenswerten  Artikel  in  Ersch 
■und  Orubers  Allgemeiner  Enzyklopädie  (sub  «Konarski»),  2,  Sektion, 
Bd.   XXXVIII,   S.  177  ff. 

^  Vgl.  Nehrings  angeführten  Artikel. 

3* 


3ft  Kapitel  I. 

Polen  ein  und  setzte  Geschichte,  Geographie,  Mathematik 
und  Naturwissenschaft  aufs  Schulschema;  in  seiner  Schule 
lösten  juridische  Untersuchungen  \Mid  polnische  (meisten- 
teils aup  dem  Französischen  übersetzte)  Tragödien  die 
althergebracliten  Schuldialoge  ab,  welche  zu  allegorischen, 
panegyrischen  oder  religiösen  Deklamationen  ausgeartet 
waren ^^  und  dem  Studium  der  modernen  Sprachen  wurde 
ein  bedeutender  Platz  eingeräumt.  Bekannthch  mußten 
die  Jesuiten  nach  heftigem  Widerstände  dem  Beispiel 
ihrer  Konkurrenten  folgen,  und  vorbehaltlos  äußerte  sich 
dieser  Rückzugsprozeß  endlich  in  der  Gründung  der  War- 
rjchauer  «Akademia  Krölewsku»  (auch  «Szlachecka»),  deren 
Statuten  die  Aufgabe  derselben  dahin  definieren,  daß  sie 
«na  publicznti  Rzeczypospolitey  uslug^  do  poboznosci,  do 
nauk  wyzwolonych  y  do  zycia  obyczaiowego  JMC 
Panöw  Konwiktoröw  prowadzi».  Bohomolec  konnte  sich 
somit  getrost  das  Experiment  mit  den  Komödien  erlauben: 
man  wai*  nun  einmal  auf  den  Weg  der  Neuerungen  ge- 
kommen. 

Dennoch  war  Bohomolec  innerhalb  des  Ordens  kein 
radikaler  Bahnbrecher.  Denn  auch  die  Art  der  modernen 
Komödie  war  schon  durch  das  Beispiel  und  die  Praxis 
andrer  Ordensnationen,  vornehmlich  durch  die  der  franzö- 
eißchen  Jesuiten,  sanktioniert.  Bohomolec  folgte  nur  diesem 
Beispiele,  und  zwar  in  bedeutend  größerem  Umfange,  als 
allgemein  angenommen  wird. 

Freilich  bestimmte  die  alte  «Ratio  studiorum»  der 
Jesuiten  vorn  Jahre  1559^^,  daß  «tragoediarum  et  comoe- 
diarum,  quas  nonnisi  latinas  ac  rarissimas  esse  oportet, 
argumentum  sacrum  sit  ac  pium,  neque  quicquam  actibus 

•*-^  Vgl.  Piolr  C  h  rn  i  o  1  o  w  s  ki ,  Dzieje  krytyki  literackiej 
\y  Pols%  ( Warszawa  1902),  S.  71  ff.  —  Tadcusz  Grabowski, 
Krytyka  litcracka  w  Folscc  w  epocc  pseudoklasycvzrau  (Krakow 
J918),  S.  134  ff. 

2ß  «Ratio  studiarum  et  institutiones  scholasticae  Societatw 
f— '      ^r»ll.  a.  G.  M.  Pachtlcr  (narlin  18S7),  Bd.  II,  S.  272. 


Bohomolec  in  seinem  Verhall nis  z.  Dramatik  ti.  JeMiilenoiilen-.     M 

interponatur,  <iUüci  n<>ii  latiimm  ßit  ftc  decorum»,  d.  h.  sie 
verbot  die  niclitlateiuischen  Profankomödien  mit  auHdrück- 
lichen  Worten.  Aber  das  Gesetz  war  im  18.  Jahrhundert 
durchaus  veraltet  und  liatte  ganz  seine  Autorität  verloren. 
Neben  den  Ilehlon  und  Miirtyrorn  der  alten  Schuldramcii 
erschienen  schon  l'rühzeiti'j;  und  gar  nicht  selten  kumische 
Gestalten ^^,  die  sich  unschwer  auf  Plautus  und  Terenz 
zurückführen  lassen. ^^  Im  18.  Jahrhundert,  dem  Zeitalter 
der  Komödie,  ließen  sich  Aufführungen  von  Komödien 
nicht  mehr  unterdrücken,  und  wenn  das  Latein  noch  in 
großer  Ausdehnung  als  Sprache  der  Tragödie  galt,  die 
Sprache  der  aktuellen  Profankomödie  wurde  mehr  und 
mehr  die  Landessprache. 

I>er  Orden  der  Jesuifon  hatte  sich  auch  theoretisch  schon 
früh  für  die  Ästhetik  dos  Dramas  und  damit  auch,  und  zwar  be- 
sonders, für  die  der  Komödie  zu  interessieren  Ijegounen,  Einer 
der  ersten  Jesuiten,  die  sich  eingehend  mit  der  Tlieorie  der  dra 
malischen  Poesie  beschüfttgteii,  war  der  Professor  der  Rlietorik  zu 
Köln,  der  spätere  Historiograph  des  Erzbischofs  von  Paderborn, 
Jacobus  Masenius  (Jakob  Masen,  1G06 — 1681),  der  im 
dritten  (1657  erschienenen)  Teile  seiner  <'Palaestra  Eloqucntiae 
ligatae»  alle  Arten  der  dramatischen  Dichtung  ausführlich  or- 
Crterte^a  \md  durch  eigene  dramatische  Exempel  (z.  B.  den  von 
A.  V.  Weilen  seinerzeit  ^'^  übersehenen  <'Rusticns  iraperans;>)  illu- 
strierte. Masen  verhielt  sich  aber  zur  Dramatik  rein-logisch  und 
behandelte  sie  dementsprechend  nicht  vom  Standpunkte  der  Schule 
aus,  sondern  ganz  abstrakt.  Wie  der  Jesuitenorden  das'Drama,  speziell 
die  Komödie,  seinen  pädagogischen  Zielen  dienstbar  machte,  können 


3^  P.  Bahlmann,  Das  Drama  der  Jesuiten  (<' Euphorien», 
Bd.   II,  Bamberg  1895),  S.  271  ff. 

3*^  J.  Z  e  i  d  1  e  r ,  Studien  und  Beiträge  zur  Geschichte  der 
Jesuitenkomödie  und  des  Klosterdramas  ('Theatergeschicbtliche  For- 
schungen»,  hrsg.    von   B.  Litzmann,   Bd.    IV),    S.  14. 

^^  Vgl.  C.  Kaulfuß-Diesch,  Untersuchungen  über  das 
Di-ama  der  Jesuiten  im  17.  Jahrhundert  (Archiv  f.  d.  Studium  der 
neueren  Sprachen  und  Literaturen,  Bd.  CXXXI  (1913),  S.  5  ff . 

*'^  A.  V.  Weilen,  Shakespeares  Vorspiel  zu  «Der  Wider- 
spenstigen Zähmung)  (Fnuikfurt  1882).  —  Vgl.  meine  Abhand- 
lung «Ett  bidrag  tili  ,Jepi>e'-motivets  historia»  («Edda»,  Kristiania 
1922),  wo  ich  eingehend  ül)er  das  «rustJcus-rex>.-MoLiv  bei  den  Je- 
suiten,   speziell   den   polnischen,    handle. 


38  Kapitel  I. 

wir  somit  nicht  bei  ihm  erfalircn.  Die  Komödie  (er  nemit  auch  die 
Art  der  cttragicoconioodia»  \md  der  «comi cot ragocdia»)  wird  im  Gegen- 
satz ziir  Tragödie,  die  nach  Aristoteles  als  «imitatio  actianis  illa- 
stris  .  .  .  per  misencordiara  &  melum  inducens  similium  pertar- 
bationiim  purgationem»  bezeichnet  wird,  so  definiert:  «Est  imi-" 
tatio  actionis  ridiculae  .  .  .  per  speni  ac  gaudium  inducens  simi- 
limii  aifectionum  purgaHonem»  (S.  10,  §  III).  Der  Jesuitenpater 
Ren  6  Rapin,  der  zu  Tours  wirkte  (1621 — 1687),  un'.er  dessen 
Einfluß  Goldoni  später  gestanden  zu  liaben  scheint  ^\  und  der 
einige  Jahrzehnte  nach  Mascn  (1681)  zu  Amsterdam  seine  «Re- 
flexions sur  l'Eloquence,  la  Poeticpie,  l'Histoire  et  la  Philosophie» 
herausgegeben  hat  *-,  betonte  einerseits  das  Lächerliche  als  wesent- 
liches Element  der  Komödie  {"Le  ridicule  est  ce  qpi'il  y  a  de  plus 
essentiel  a  la  comedie»,  S.  195),  andererseits  aber  auch  das  mora- 
lische Ziel  dersell>en  (c(La  comedie,  qui  est  une  Image  de  la  vie 
commune,  coiTige  les  deiaats  publics  eii  faisant  voir  le  ridicule 
des  defauts  pariiculiers;>,  S.  125).  Aber  auch  er  scheint  noch 
keinen  prinzipiellen  Unterschied  zwischen  der  Komödie  üherliaupt 
und  der  Komödie  der  Jesuitenschule  im  speziellen  zu  machen,  und 
die  sehr  richtigen  Bemerkungen,  die  er  über  die  Naturtreuo  als  not- 
wendiges Charakleristikon  der  Komödie  und  über  die  rein-tech- 
nische Notwendigkeit  der  Hyperbolisierung  d^^r  komischen  Züge 
macht,  gelten  der  Komödie  als  solcher,  nicht  der  Schulkomödie. 
Anders  verhält  es  sich  sclion  mit  den  Erörterungon  über 
Tragödie  und  Komödie,  die  der  bereits  genannte  Pater  Joseph 
Jouvancy  in  seine  <;Ratio  discendi  et  docendi»*^  (1703)  hat 
einfließen  lassen,  um  sie  später  ausführlicher  in  seinen,  mir 
leider  unbekannten  cinstitutiones  poeticae  ad  usum  Collegiomm 
Societatis  Jesu»  zu  verwerten.  Hier  ist  der  y>ädagogische  Grund- 
satz konsequent  durchgeführt,  und  von  der  Tragödie  wird  bei- 
spielsweise ausdrücklich  gesagt,  daß  sie  der  sittlichen  Erziehung 
zu  dienen  habe.  Der  Komödie  aber  war  dieser 
autoritative  Meister  grundsätzlich  abhold.  Zwar 
lir-ß  sie  sich  nicht  mehr  aus  der  Schule  vertreil>en,  und  Jou- 
vancy hat  das  Ijekanntlich  selbst  durch  seine  «expurgierte», 
150  Jahre  hindurch  immer  wieder  neuedierte  Terenz-Ausgabe  dar- 


*^  J  o  h  a  n  n  e  s  M  e  r  z  ,  Carlo  Goldoni  in  seiner  Stellung  zum 
französischen  Lustspiel   (Leipzig   1903),  S.  13  ff . 

*-  S  o  m  m  e  r  V  o  g  e  1 ,   Bd.   VI,    S.  1443. 

*3  Magistris  scholarum  inferiorum  Societatis  Jesu  de  ratione 
discendi  et  docendi  ex  decreto  Congregat.  Generalis  XIV  auctore 
lOSEPHO  IVVENTIO  Soc.  Jesu.  Florentiae  MDCCIII.  —  Vgl. 
Sommcrvogel,   Bd.   IV,   S.  830.   —  B ah  1  mann,  a.  a.  0., 

V      O.QO 


Hohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Je-uilcnordens.     30 

getan.     Nichlsdesboweiiiger  riet   er   alKT,  so   selten   wie  nur   möy 
lieh  Komödien  aufzuführen.     «Ejusdem  (comoediae)  in  Christianis 
&   religiosis    scholis   usus    parcus   &  prudens   esse   debet,   proptor 
scurrilitatem   liuic   gciieri   carminis    insitajn,  quue  sumnwpere   cunn 
institutione  pia  &  lilerali  puerorum  pugnat,  &  coruiu  indoli  depra- 
vandao   pcrqiuun  opix>rUuia  est.»    Aus  diesem   Grunde   sprach  er 
sich   scharf  dagegen  aus,   da,Q  man  die   Schüler  Dienerrollen  ans 
führen   ließ:  <Quis  autem   ferat  ingenuos  adulescentes  vernularum 
&  lixamm  gestus,   mores,   ineptias  doceri?  quam  merito  parentes 
intordum  conquerunlur,  filios  suos  non  ut  artes  istas  condiscerent, 
in    nostram    traditos    disciplinam    esse.»  **     Mit    demselben    Eifer 
sprach  er  sich  auch  gegen  das  Vorkommen  weiblicher  Rollen  in 
der    Schulkomödie    aus.     Pater    Jous'ancys    Anscliauungen    waren 
seinen  polnischen   Ordensbrüdern  wohl  b?kannt,  wurden  doch  ge. 
rade  seine  oben  zitierten  Schriften  mehrfach  von  den  polnischen 
Jesuiten  um  die  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  wieder  abgedruckt.^^ 

Interessant,  aber  in  diesem  Zusammenhange  von  geringerer 
Bedeutung  ist  unter  den  deutsch-jesuitischen  Theoretikern  Pater 
Franz  Längs  im  Jahre  1727  zu  München  erschienene  «Disser 
talio  de  actione  scenica.  .  .  .  cum  observationibus  quibusdam  d(^ 
arte  comica^  *^,  in  der  der  freimütige  Verfasser  einen  Versucli 
macht,  die  verschiedenen  Regeln,  die  das  dramatische  Schaffen  ein 
engten,  umzustürzen,  vor  allen  Dingen  die  «unitas  temporis  a*- 
loci»,  imd  eine  Theorie  der  Schauspielkunst  zu  schreiben,  die  au' 
eigener,  langjähriger  Erfahrung  basiert  ist.  Von  einer  prinzipiellen. 
Abneigung  gegen  die  Komödie,  so  wie  wir  sie  bei  Jouvancy  sehen, 
ist  bei  I-ÄUg  nicht  mehr  die  Rede :  Komödie  und  Tragödie  haben 
für  ihn,  vom  Standpunkte  der  Schule,  augenscheinlich  genau  den- 
selben Wert,  und  beider  Ziel  und  Aufgabe  ist  es,  «pios  &  utiles  in 
spectatoribus  affectus»  auszulösen,  weil  es  die  Pflicht  eines  jedeji 
<rpoeta  religiosus»  sei,  «eo  Studium  omne  convertere,  non  t  a  m  u  t 
delectet  quam  ut  prosit».*^ 

Von  größerer  Bedeutung  für  die  Entvvickelung  der 
polnisch- jesuitischen  Anschauungen  über  Wert  und  Nutzeii 
des  Dramas  überhaupt,  des  Schuldraraas  im  besonderen 
waren  natürlich  die  Gesichtspunkte  der  französischen  Zeit- 

**  Zitiert  nach  P«.einhardstoettner,  Zur  Geschicht^i 
des  Jesuitendramas  iii  München  (Jahrbuch  für  Münchener  Ge- 
schichte,  3.  Jahrgang,    Bamberg    1889),    S.  147. 

^^  «De  ratione»  zu  Lublin  (1746),  zu  Warschau  (s.  a.),  die 
«Institutiones»  mehrfach  zu  Lwöw,  Braunsl)erg,  Kalisz  und  Poznaii. 

*«  Vgl.    Sommer vogel,    Bd.    IV,   S.  1479. 

4-  Fr.  Lang,   Dissertalio  etc.,   S.  10,  83. 


40  Kapitel  I. 

genossen  unter  den  Jesuiten.  Man  war  besonders  stark  für 
dio  Frage  über  das  Verhältnis  zwischen  Bühne  und  Schule  in 
Frankreich  interessiert,  wo  bekanntlich  gerade  die  Jesuiten 
seit  Ende  des  17.  Jahrhunderts  als  eifrige  Verteidiger  der 
Schuldramen  und  des  Theaters  gegen  Angriffe  frömmelnder 
Gegner  auftraten*^,  wobei  doch  der  Unterschied  zwischen 
weltlichem  und  geistlichem  (schulmäßigem)  Drama  scharf 
betont  wurde.*^  Der  hervorragende  Dramatiker  Gabriel 
le  Jay  äußerte  sich  darüber  in  seiner  «Bibliotheca 
Rhetorum»  (1725),  wo  er  die  Notwendigkeit  einer  schul- 
mäßigen Betrachtung  der  dramatischen  Theorie  mit  einem 
Hinweise  auf  die  Schulaufführungen  als  feste  coutume 
begründete:  «L'obligation,  oü  nous  sorames  de  donner 
souvent  de  ces  sortes  de  spectacles  au  public  nous  a  fait 
etudier  avec  plus  de  soin  cette  partie  de  la  poesie>.  Von 
Aristoteles'  Regeln  ausgehend,  stellte  er  als  Aufgabe  des 
Schuldramas  die  Erziehung  der  jungen  Generation  zum 
Heroismus  und  zur  Tugend  hin.^^  Charles  Poree  schrieb 
sogar  eine  spezielle  Abhandlung  über  die  Frage:  «Theatrum 
sitne  vel  esse  possit  schola  informandis  moribus 
idonea?»  (1733)^\  eine  Frage,  die  er  dahin  beantwortete, 
daß  zwar  nicht  das  Theater  im  allgemeinen,  wohl  aber 
das  der  Schule  dazu  geeignet  sei;  denn  das  Theater  der 
Schule  sähe  sein  Ziel  besonders  in  der  Erziehung  der 
Jugend  zu  edlen  Gefühlen  und  vornehmer  Weltanschauung: 

«Quorsura  —  amabo  vos  —  in  Gallia,  in  Italia,  in  Hispania, 
in  Germania,  &  alibi  gentium,  tot  viri  Acadomiis  litterariis  prae- 
positi  Thealra  in  Gymnasiis  cri^unt,  ubi  Javontiitem  Academicam 
recilandis  Tragoediis  vel  Comoediis  exerceant?  Qua  pertinet 
operosonim  hominum,  &  in  umbra.  desudantjum  labor  &  in- 
dußtria?    An  id  studont  unum,  ut  pucroram  fingant  vocem  ad 


**  Vgl.  Louis  Bourquin,  La  controverse  sur  la  ccHm6die 
au  XVIir'  siöclc  fRovue  d'histrjire  litteraire  de  la  France  .  .  ., 
Paris    1019—1921),    S.  52,    58   (Bd.  26). 

*»  Bourquin,  a.   a.    0.,   S.  60—61  (Bd.  26). 

^'^  Bourquin,  a.  a.  0.,  S.  352  (Bd.  27).  Das  Zitat  ist  aua 
dem  Lateinischen  überselzL 

"  Sommervogel,  Bd.  VJ,  S.  1027. 


BuhomolcL-  in  seinem  Verbaltni!^  z.  ürait:atik  d.  Jcsuitenonlcns,     41 

suavitatcm,  gestum  ad  elegaiUiam,  inccssuiu  aA  digaitatom, 
totnm  corporis  habitum  ad  concinnitatein  &  decentiam?  Noa 
aspemantiir  qiiidem  istuni  exercitationis  rnolestao  fructum,  crajtis 
patet  usus  in  toUim  vitani  frecpienlissimus.  Se<i  aliud  spcc- 
tant  operae  suae  prelium  pluris  aestimabilo,  Trajiciimt  diaci- 
pulos  ex  humili  &  obscura  littoranim  schola  in  scbolani 
Thoatri  sublimem  &  splendidam,  ut  juvcncs  magnas  olim  ia 
Repub.  porsonas  acluri  discant  mature  ea  spemere  vel  amare, 
(piae  in  scena  domestica  risu  vel   plausu  excipi  vidoriul.»^' 

Wir  stehen  nunmehr  vor  der  Frage,  die  wir  zuvörderet 
beantworten  müssen:  In  welchem  Verhältnis  zu  diesen 
theoretischen  Anschauungen  des  Jesuitenordens  steht 
Bohomolec,  der  Propagator  der  ersten  modernen  polnißchen 
«Schulkomödie»?  Ein  näheres  Studium  der  Anschauungen 
Bohomolec'  über  die  Komödie,  ihren  Charrkter  und  ihre 
Ziele,  wie  wir  sie  entweder  direkt  aus  der  Analyse  seines 
eigenen  Vorwortes  zur  ersten  Auf^gabe  seiner  Komödien 
oder  indirekt  aus  diesen  Komödien  selbst  erschließen 
können,  erlaubt  uns,  die  Frage  dahin  zu  beantworten,  daß 
Bohomolec'  Ausgangspunkt  typisch  jesuitisch  war, 
d.  h.  daü  seine  theoretischen  Anschauungen,  jedenfalls 
zu  Beginn  seiner  Wirksamkeit,  in  völliger  Übereinstimmung 
mit  den  Anschauungen  seines  Ordens  standen.  Bohomolec 
könnt«  ohne  Risiko  die  relativ  neue  Art  der  modernen 
« Schul komödie»  in  seiner  Schule  einführen,  wußte  er  doch, 
daß  dasselbe  schon  seit  Jahrzehnten  in  den  französischen 
Schulen  seines  Ordens  geschah,  und  daß  er  selbst  in  nichts 
von  den  dramatischen  Prinzipien,  die  dort  zur  Anwendung 
kamen,  abwich. 

Die  Form  der  jesuitischen  Dramatik  ist  nie  konstant 
gewesen;  im  Gegenteil,  sie  hat  immer  nach  Zeit  und  Land 
gewechselt.     Sie    ist    eine    andere    gewesen  im  Laufe  des 

17.  Jahrhunderts,    sie   hat    eine  wieder   andere  Form  im 

18.  Jahrhimdert  gehabt.     Ihr  Geist  blieb   aber   derselbe, 
am   Geiste    der    jesuitischen    Dramatik    ist    nie    gerüttelt 


52  Ich  zitiere  nach  dem  VorÄ'orte  des  ajionymen  Herausgebers 
der  Komödien  Porees:  Caroli  Poree  e  Societate  Jesu,  SÄcer- 
'k)tis  Fabulae  Dramaticae  .  .  .  Lut.  Paris.   1749. 


45  Kapitel  I. 

worden,  solange  der  Orden  existierte.  «Denn»  —  sagt 
Zeidler  in  seinem  vorlrefiflichen  Aufsatz  über  das  Jesuiten- 
drama'"^^  —  «dadurch  wußte  der  Orden  in  Kunst  und 
Leben  seinen  Einfluß  zu  bewahren,  daß  er  den  Forderungen 
der  Zeit  entgegenkam,  ohne  an  seinem  Grundtypu« 
etwas  zu  verändern.» 

Worin  bestand  nun  aber  der  Grundcharakter  des 
jesuitischen  Dramas,  und  was  machte  seinen  Grundtjpus 
aus?  Wir  haben  gesehen,  wie  Juventius  forderte,  daß 
di"^  Komödie  mit  den  moralischen  Prinzipien  der  Unter- 
richtsmethode übereinstimmen  sollte.  Wir  haben  gesehen, 
wie  Poree  die  Meinung  verfocht,  daß  die  Aufiührung  von 
Schauspielen  ein  erzieherisches  Mittel  sein  konnte  und 
auch  ein  solches  innerh:\lb  der  von  der  Schule  gezogenen 
Grenzen  war.  Tatsächlich  war  die  Tendenz,  das  «fabula 
docet»,  immer  Hauptsache  für  den  jesuitischen  Dramen- 
verfasser, und  dieser  Zug  war  immer  konstant.^*  Nicht 
die  Zeichnung  eines  Charakters,  wie  bei  Moliere,  nicht  die 
Schilderung  bestimmter,  negativer  Sitten,  die  Anlaß  gaben 
zu  mehr  oder  weniger  abstrakten,  generellen  Schluß- 
folgerungen ethischer  oder  moralisierender  Ait,  die  immer 
nur  ein  Sekundäres  waren  sowohl  für  Moliöre  wie  für  seine 
Nachfolger,  sondern  der  a  priori  gegebene  moralische  Satz, 
ein  von  vornherein  feststehendes  ethisches  Gebot,  waren 
für  den  jesuitischen  Verfasser  von  Komödien  (wie  Tragödien) 
das  Primäre,  das  zu  Beweisende;  die  Handlung  dagegen, 
der  Charakter,  die  Sittenschilderung,  der  Beweis  eelbst 
also  ein  Variables  und  Sekundäres.  «Wie  der  'Vorspruch' 
der  Predigt  oder  die  'Thesis'  der  Disputation  steht  der 
Satz  des  Dramas  da,  welcher  anschauend  bewiesen  werden 
soll.»^*  Die  pädagogische  Rücksicht  auf  Grundsätze 
ethischer,  religiöser  und  kirchlicher  Art  war  das  leitende 
Inzitaraent  des  jesuitisclien  Dramatikers,  der  seine  Wirk- 
earakeit  als  eine  rein-pädagogische,  ad  majorem  Dei  gloriam 

"  L.  Zeidler,  a.  a.  0.,  S.  27 
^^  Eh^enda,    S.  25. 
•"  Ebenda.  S.  24. 


Bohoinoiec  in  scinera  Verliälluis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.     4-3 

bestimmte  ansah  und  auf  künstlerischen,  rein-literarischcii 
und  rein-ästhetischen  Wert  keine  Ansprüche  erhob.  Er  war 
«sacerdos»,  er  war  PädHgog,  und  seine  dramatischen  Ar- 
beiten nur  ein  integrierender  Bestandteil  des  ganzen  Unter- 
richtswesens. «Wir  haben  die  Produktionen  des  Ordens 
als  Theaterstücke  zu  betrachten,  bestimmt,  mit  allen  Mitteln 
der  Bühnenkunst  auf  das  Gemüt  der  Zuschauer  zu  wirken 
und  so  die  übrigen  Institute  *de  Propaganda  fide',  Schule 
und  Kanzel,  zu  unterstützen.»^^  Wenn  nun  Bobomolec 
in  seiner  Vorrede  an  den  Leser  unterstreicht,  daß  er  seine 
Komödien  «dia  zwyczajnoy  szköl  naszych  rozrywki»  ge- 
schrieben habe,  um  dadurch  ihre  ästhetischen  Mängel 
(«Sam  ted)'-  znam  to  dobrze,  ze  w  tych  komedyach  tyie 
upodobania  czytelnik  nie  znaydzie,  ile  z  czytania  Francuz- 
kich  lub  Vvloskich  drudzy  odnosic  zwykli»)  zu  ent- 
schuldigen, so  tritt  uns  aus  dieser  Motivierung  sofort  der 
Standpunkt  des  jesuitischen  Pädagogen  entgegen,  der  sicli 
voll  bewui3t  ist,  daß  seine  Komödien  nicht  als  literarische 
Erzeugnisse  betrachtet  werden  dürfen,  sondern  der  Schule 
dienen  sollen,  ßohomolec  formuliert  die  Aufgabe  der 
Komödie  folgendermaßen:  «Koniec  albowiem  komedyi  y 
cel  wla^ciwy  lest:  na  smiech  podai^c  poprawiaö  zl^e 
obyczaie».  Das  ist  natürlich  nichts  anderes  als  eine 
Umschreibung  des  bekannten  Satzes  «ridendo  castigare 
mores».  Aber  dennoch  erhält  er  im  Munde  eines  komödieii- 
schreibenden  Jesuiten  eine  veränderte  Bedeutungsnuance. 
Denn  ist  für  Moli^re  und  Jeden  bedeutenden  Komödien- 
dichter das  «ridendo»  gerade  die  Hauptsache,  während 
das  «castigare  mores»  als  die  praktische  raison  d'etre  der 
Komödie,  als  das  nicht  beabsichtigte,  doch  um  so  wirkungs- 
vollere Resultat  erscheint,  so  ist  die  typische  Auffassung 
eines  Jesuiten  die,  daß  das  bewußte  und  gewollte  «castigare 
mores ^  das  wesentliche  Ziel  der  Komödie  ist,  das  Lachen 
aber    bloß   ein    Mittel,    die  Aufmerksamkeit    zu   fangen.*^ 

^«  Ebenda,  S.  16. 

^'  Vgl.  den  auf  S.  39  zitierten  Giimdsatz,  der  rom  Heraus- 
geber von  Bidemianns  «Ludi  Theatrales»  stammt:  «eo  Studium  omne 
convertero,  non  tim  ut   ^^'-^^fpf   quar-;   ut  r^'>^'*  • 


44  Kapitel  1. 

So  sagt  der  Jesuit  (Bohomolec)  nicht  wie  die  berühmte 
Foriuel  Holbergp  lautete:  «Nicht  bloß  zur  Lust»,  sondern: 
-Nicht  zur  Lust».  Daß  dann  das  lustige  Element,  die 
Komik,  als  Beweismittel  angewandt  wurde,  verändert« 
nichts  an  der  pädagogischen  Grundtendenz,  konnte  nicht 
das  Ziel,  das  der  Dichter  sich  geeetzt,  weniger  heilsam 
erscheinen  lassen,  sagt  doch  Bohomolec  mit  ausdrücklichen 
Worten:  «Der  Zweck  heiligt  das  Mittel»  («CzQstokroö  koniec 
fhwalebny  rzecz,  na  pozör  mniey  chwalebn^,  zdobi  y 
okrasza»).  Der  Zweck  aber  war,  wie  w^ir  es  so  oft  an 
-Bohomolec'  eigenen  Komödien  studieren  können,  nicht  nur 
der,  einen  Charakter  oder  eine  Unsitte  lächerlich  zu  machen, 
womit  sich  die  weltlichen  Komödiendichter  zu  begnügen 
pflegen,  sondern  auch  und  vornehmlich  der,  auf  offener 
Szene  den  verlachten  Charakter  zur  Erkenntnis  seiner 
Fehler  zu  bekehren  oder  die  Überwindung  einer  Unsitte 
ad  oculos  zu  demonstrieren:  d.  h.  die  Handlung  sollte 
mit  einem   «pater  peccavi»  abgeschlossen  werden. 

War  aber  jede  dramatische  Aufführung  zugleich  eine 
Lehre  und  ein  moralischer  Unterricht,  so  vergaß  der  Ver- 
fasser und  Jesuit  auch  nie,  daß  sie  die  praktische  Aufgabe 
hatte,  die  jungen  Schauspieler  im  zweckmäßigen  Benehmen 
und  gewandten  Reden  zu  üben.     Por6e  sprach  davon   als 
einer  Aufgabe,  die  dem  Grade  ihrer  Bedeutung  nach  gleich 
auf  die  moralische  Erbauung  folge.  Auch  Bohomolec  unter- 
streicht dieses  Ziel  mit  nicht  mißzuverstehenden  Worten, 
und  zwar  gleich  am  Anfang  seiner  Vorrede,  indem  er  auch 
darin  einen  Entschuldigungsgrund  dafür  sucht,  daß  seine 
Komödien  nicht   als    Komödien  beurteilt  werden  können, 
nicht  als  ästhetisch  vollkommen  angesehen  werden  dürfen. 
«Ktörzy   teatralne    swoie   zabawki    na  widok   swiata  przez 
druk  wysadzai^,  swe  niedostatki  zasianiaö  zwykli,  mieni^c, 
iz  takowe  rzeczy  lepiey  siQ  na  teatrze  niz  papierze  wydai^. 
Ja  tey  wymöwki  pospolitey  na  pokrycie  wielu  niedoskona- 
loeci,  znayduiiicych  sie  w  mych  komedyach,   zazywac  nie 
inysle,  gdyz  Jiie  tylko  komedye  lyb  traiedye  (sie),  ale  iei 
kaaania,    mowy  y  inne  tak  krasomowskie,    iako   y    rymo- 


HohoDiolec  in  seinein  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens,     io 

tworskie  prace  wiele  ozdüb  z  lauwij^cego  udatnoHci 
przywKaszczaiq.  Przetoz  zaden  z  roztropnych  ludzi, 
czytai^cych  rzecz  takow^,  nie  domaga  hit,-  od  niey  tych 
7:ewnctrznych  powaböw,  ktüremi  osoba  raowif^caHkichai^cych 
iimysiy  do  siebie  pociaga.  Zatym  y  te  komedye  zo  sIq 
wielu,  przy  ich  wyjn-awowaniu  znayduiiicym  sio,  podobaty, 

pocliodzik)    to,    iako   iiii    nitj   zda,    bardzioy    z 

udaiqcyoh  zalety   niz  z   wtasney   ich  doskonaloHci 

Przetoz  o  to  si(j  usilniey  staralem,  coby  bardziey  w 
udaiq,cych  niz  w  nich  chwalono.»  So  unterstreicht 
BohoDiolec  nachdrückUch,  daß  er  bei  der  Abfassung  seimi- 
iComödien  sich  nicht  von  ästhetischen  Rücksichten  halx^ 
leiten  lassen,  sondern  imraer  seine  jungen  Schauspieh'r 
vor  Augen  gehabt  und  seine  Aufmerksamkeit  darauf  ge- 
richtet habe,  daß  die  einzehien  RoJlen  und  die  ein- 
zelnen Teile  der  Rollen  zu  ihrem  Alter,  ihren  Fähig- 
keiten, zu  ihrem  Auffassungsvermögen  paßten  und  ihnen 
Gelegenheit  geboten  wurde,  ihre  Talente  und  ihr  Benehmen 
von  den  dankbaren  Zuschauern  bewundern  zu  lassen. 
Bohomolec  obige  Worte  waren  sicher  keine  Bescheiden- 
lieitsphrase  bloß.  Aus  diesen  Worten  spricht  zu  uns  seine 
Zufriedenheit  darüber,  daß  er  der  Versuchung  entgangen 
war,  die  dramatische  Kunst  sich  zum  Selbstzweck  zu 
machen. 

Eine  andere  Äußerung  des  jesuitischen  (mönchischen) 
Geistes,  die  zugleich  den  ganzen  äußeren  Habitus  des 
jesuitischen  Dramas  im  allgemeinen  und  der  Komödie  im 
besonderen  stark  beeinflußte,  war  die  ziemlich  konsequent 
durchgeführte  Eliminierung  weiblicher  Rollen.  Ihren  Ur- 
sprung hatte  sie  in  der  alten  «Ratio  studiorum»,  wo  kurz 
und  deutlich  das  Verbot  zu  lesen  war:  «nee  persona  uUa 
rauliebris  vel  habitus  introducatur>.^^  Besonders  beredt 
hatte  Pater  Jouvancy  seinerzeit  in  seiner  obengenannten 
«Ratio  discendi  et  docendi»  die  Gefahren  geschildert,  die 
von  einer  Einführung    des    weiblichen  Elementes   in  das 


^s  ;<Raiio  studiorum  ,  a.  a.   0.,  S.  272. 


46  Kapitel  I. 

Siihuldrama  drohten.  «Nullus  itaque>,  so  riet  er  den 
8chulmagiBtern,  «sit  aniori  profano,  quamlibet  casto,  locus; 
nullus  personis  foeniinarum,  quolil)et  induantur  cultu! 
Ignis  licet  cineri  FuppositUf^,  tractari  sine  detrimento  nequit: 
;ic  prunae,  qunmvis  extinctae,  ei  non  urunt,  saltem  in- 
quinant.  Hoc  etiam  ex  ista  cautione  capiet  utilitatis 
religiosuB  magister,  ut  non  habeat  neceese  lectitare  verna- 
(mlos  quosdam  poetas,  quorum  in  fabulis  amor  tener,  ac 
dedita  opera  quaesitus  primas  fere  eemper  obtinet,  qua 
lectione  nihil  est  exitialius.»^^  Das  war  für  die  Jesuiten 
ein  Kardinalpunkt,  der  bis  zum  äußersten  verteidigt  wurde, 
und  in  der  Abwesenheit  weiblicher  Rollen  und  einer  Liebes- 
intrige eah  man  vor  allen  Dingen  den  Unterschied 
zwischen  dem  weltlichen  und  dem  schulmäßigen  Drama. 
I^ater  le  Jay  suchte  sogar  in  seiner  zitierten  «ßibliotheca 
Rhetorum»  und  vornehmlich  in  der  Vorrede  zu  seiner 
Tragödie  «Josephus  fratres  agnoscens»  (1695)  den  Satz  zu 
beweisen,  daß  auch  die  Tragödie  der  profanen  Dichter, 
jedenfalls  in  ihrer  besten  und  höchsten  Form,  jeder 
Liebesintrige  (freilich  nicht  jeder  Frauenrolle)  sorgfältig 
auszuweichen  pflege,  und  er  führte  die  Tragödien  der 
Griechen  und  Corneilles  Werke  als  Beweismittel  für  seine 
These  an.*^  Und  noch  in  einem  1734  gedruckten  latei- 
nischen Poem  sprach  sich  der  französische  Jesuit  Marsy 
gegen  die  korrumpierende  Einwirkung  erotischer  Elemente 
auf  da^  Drama  der  Schule  aus.^^ 

Wie   stellte   sich    nun    Bohomolec   zu   dieser  Frage"? 
Als  er  seine  Komödien  schrieb,  war  der  Kampf  für  und  1 
^egen  Frauenrollen  erst  kürzlich  entbrannt  und  setzte  die 
Gemüter  der  Jesuiten  in  heftige  Bewegung.    Die  Piaristen 


*9  Zitiert  nach  Reinhard stoettners  Abhandlung, 
a.  a.  0.,  S.   166. 

«0  B  o  y  s  8  e ,  a.  a.   0.,   S.  94  ff. 

^1  Ebenda,  S.  97.  —  Auch  Pater  Pierre  de  Villiers  S.  J.  sprach 
sich  1711  in  einem  Briefe  über  Opern  und  andere  Schauspiele 
gegen  die  Liebesintrige  aus.  Vgl.  Bourquin,  a.  a.  0.,  S.  84 
bis  85  (Bd.  26). 


Bohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.     47 

hatten  nämlicli  begonnen,  in  ihren  aus  dem  Französischen 
übersetzten  Tragödien  die  weiblichen  Rollen  beizubehalten 
und  einzelne  Schüler  in  Fraucnkleidern  auftreten  zu  lassen. 
Konarski  hatte  sogar  in  seiner  Vorrede  zur  Übersetzung 
von  Corneilles  tOthon»  (1744)  behauptet,  daß  weder 
Tragödien  noch  Komödien  ohne  weibliche  Rollen  bestehen 
könnten.  Sofort  meldete  sich  in  der  Gestalt  des  bekannten 
Tragödienverfassers  Jan  ßielski  (1714 — 1768),  eines  der 
konservativsten  Jesuiten,  die  sich  nicht  mit  der  piaristischen 
.Schulreform  versöhnen  konnten,  ein  Verteidiger  der  jesui- 
tischen Auffassung  von  der  Verwerflichkeit  und  Schädlich- 
keit von  Frauenrollen  im  «Schuldrama».  Er  entwickelt« 
sie,  und  zwar  teilweise  nach  dem  Beispiel  le  Jays,  teil- 
weise mit  neuen  Argumenten,  in  seiner  «Przedmowa  do 
ozytelnika»,  mit  der  er  1748  seine  Tragödie  «Zeyfadyn, 
Uröl  Ormuzu>  einleitete:  «Tragedya,  'Otto'  nazwana,  z 
Piotra  Kornelego,  wielkiego  francuzkiego  poety,  wierszera 
polskim  tlömaczono  po  czQSci,  po  cz^^ci  odmieniona,  w 
r^ce  mi  trefunkiem  wpadla.  Czytalem  i^.  z  ciekawoöcif^  y 
now^  tarn,  cale  dawnym  wiekom  nieznaiom^,  przed 
wszystkich  prawie  rymotworstwa  —  a  tragedyi  osobliwie  — 
nauczycielöw  wiadomoscij^  zakryta,  w  argumencie  wypisan^ 
tragedyi  regul^  upatrywaiem:  iakoby  mi^dzy  osobami, 
akcye  tragedyi  wydai^cemi,  swoie  biaiogiowy  koniecznie 
mieö  powinny  mieysce,  ze  komedye,  tragedye  (slowa  s^ 
pomienionego  —  rzek^  tymczasem,  gdyz  mi  modestya 
juoia  zakonna  zaostrzad  nie  pozwala  piöra,  —  trageda) 
nigdy  ieszcze  bez  interweniencyi  osöb  bialoglowskich  od 
rozumnych  y  na  swym  si^  znai^cych  rzemiesle  pisane  nie 
byly.  Ktöre  zdanie  gdyby  ile  nieostrozno^ci  —  ze 
*zuchwaiosci'  nie  powiem  —  w  authora  piörze,  tyle  do 
uwierzenia  latwosci  w  czytelniku  znalazlo,  czystsze 
zakonne  y  od  niewiescich  mniey  czQsto  foremnych 
adresöw  upiz^tnione  alboby  zamilknr^d  musialy  theatra 
y  tey  moiey  tragedyi  gdzie  w  ciemuosciach  pogrzebaney 
butwieöby  podobno  przyszlo. »  Statt  —  wie  wir  erwarten 
würden  —  darzutun,  daß  es  von  einem  rein-pädagogischen 


48  Kapitel  I. 

Gesichtspunkte  schädlich  sei,  Knaben  Frauenrollen  spielen 
lu  laßsen  und  sie  mit  dem  Begriffe  der  'Liebe'  bekannt 
lu  machen,  verneint  Bielski  kategorisch,  daß  Liebesmotire 
ein  integrierender  Bestandteil  der  Tragödie,  sei  es  der 
antiken,  sei  es  der  modernen,  wären,  und  folgt  so  dem 
oben  zitierten  Gedankengange  des  Paters  le  Jay,  indem 
er,  wie  dieser,  der  besonders  Corneilles  «Pompee»,  «Rodo- 
gune>  und  «Hcraclius»  anführt,  einzelne  Werke  der  antiken 
und  modernen  Dichter  als  Beweis  dafür  zitiert,  daß, 
wenn  freilich  Frauen  auf  der  Bühne  erscheinen,  doch  nicht 
weibliche  Affekte  und  erotische  Motive  den  Kern  der  Hand- 
lung bilden.  Jedenfalls  müs:?en  «niewiasty  w  scenie  y 
niewiescie  mi^kkie  milosci»  aus  der  « Schul  tragödie» 
strengstens  verbaunt  sein,  denn  «nienaruszony,  w  niozym 
nie  poszlakowany  kandor  y  od  miekkich,  niewie^cich 
affektöw  daleki  umysi»  sei  das  Ideal  des  Geistlichen,  der 
twieczn^'swiatu  nieprzyiazn  wypowiedziab.  Bobomolec  war 
durch  diese  jesuitische  Anschauung  gebunden,  und  nichts 
konnte  ihm  ferner  liegen  als  der  Gedanke,  diese  Grund- 
regel seiner  Ordensschule  zu  übertreten,  obgleich  er  sehr 
wohl  einsah,  daß  eine  Eliminierung  der  Frauenrollen  seine 
Komödien  eines  Bestandteiles  beraubte,  der  für  jede  Ko- 
mödie wesentlich  war.  Die  Entschuldigung  (kaum  Ver- 
teidigung) dieses  Mangels  nimmt  eine  ganz  bedeutende 
Stelle  in  seinem  Vorworte  ein: 

.  .  .  Saxa  tedy  znam  to  dobrzo,  ze  w  tych  komedyach  tyle 

upodobania   czytelnik  nie   znaydzie,   ile   z  czytania  Francuzkich 

hib  Wloskich  drudzy  odnosic  zwykli.    Przyczyna  tego  y  ta 

icst  n  i  e  m  a  ^  a  ,   ze  nieprzyzwyczaieni   do  ös6b  biiloglowskich 

(kU^rych    zazywanie    wiele   la'wosci    w  robieniu    komedyi    przy- 

Rosi)  mieysca  nie  daiemy   y  wolemy   ustapi'':    wszystkich   tych 

powalx'jw  y  ozrlob,  ktörych  iani  od  slabszoy  ptci  pozyczaia,  ni/ 

mlodz   polsk^,   do   m^skich   yrycerskich    dziel 

tirodzonq,  w  niewieäcie  zmlodn  wprawiac  oby 

czaie  y  do   tego  przyuczaö,   od    czego   ich   wiek 

ieszcze   daleki    byc   powinien. 

Ohne  Zweifel  bezeugen  die  hier  von  mir  gesperrten  Worte, 

daß  Bohomolec   an    Bielskis  Argumentation    gedacht   hat, 

ohne   doch    literarhistorische  Beweise  für   seine  Anschau- 


Hohomolec  in  seinenn  Verhällnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.     49 

ung  anzuführen.  Das  wäre  ihm  auch  schwerlich  so  leiclit 
gehingen,  wie  Bielski  mit  der  Tragödie,  hatte  doch  dieser 
selbst  eingeräumt,  daß  «Plaut  y  Terencyusz  komiki»  gegen 
seine  Thcori«*  vom  frauenloson  Drama  sprechen.  Für 
Bohomolec  war  augenscheinlich  die  rJepfl()g»'nheit  des 
Ordens  einerseits,  die  pädagogische  Rücksicht  auf  die 
polniecho  Jugend,  die  «ritterlich»  erzogen  werden  sollte, 
andrerseits  entscheidend.  Doch  führte  er  auch  eine  n*»ue 
Autorität  zur  Unterstützung  seiner  Überzeugung  an,  näm- 
lich Charles  Rollin  (1661  —  1741): 

Z  tey  przyczyny  y  Akademia  Paryska  za  swiadcctwcru 
Rollina  przcz  wiele  ksi^g  bardzo  m.'idrych  calemu  znaio- 
my(?)  6wiatu,  surowe  (?suro\V4?)  ustaw;\  zakazala  wszyst 
kiem  kollojriom,  do  swey  wladzy  nalez^cym,  aby  sip  nie  wa- 
zyly  niJodzi,  naukami  bawi^cey  si^,  w  iiiewiescicli  szatach  y 
postaci  na  teatra  wprowadzac. 

Es  ist  nicht  gleich  klar,  was  Bohomolec  eigentlich  mit 
dieser  Berufung  auf  die  Pariser  Universität  und  Roll  in 
gemeint  hat.  Denn  freilich  gab  die  Universität  im  Jahre 
1695,  als  Rollin  Rektor  war,  «un  mandement  tres  severe* 
hf^raus,  das  von  den  Schüleraufführungen  handelte.  Aber 
das  Edikt  war  vornehmlich  gegen  die  Aufführungen  der 
Jesuiten  selbst  gerichtet  und  verbot  ausdrücklich  jede 
Aufführung  von  profanen  Tragödien.  Und  was  die  vielen 
hervorragenden  Bücher  (^Traite  des  etudes»,  «Histoire 
anciennc»,  < Histoire  romaine»),  die  Rollin,  ein  Jansenist, 
also  Ketzer,  geschrieben  hat,  anb^'triff^,  so  erschienen  sie 
bekanntlich  erst  lange  nach  seiner  1702  wegen  Häresie  er- 
folgten Absetzung.  Bohomolec'  Berufung  auf  diese  Autori- 
tät ist  somit  vom  jesuitischen  Standpunkt  aus  kaum 
glücklich,  wenngleich  er  natürlich  recht  hat,  daß  Rollin 
seiner  Werke  wegen  in  der  ganz-r'U  Welt  bekannt  ist. 
Nun  hat  sich  aber  Rollin  wirklich  in  seinem  1726  er- 
schienenen «Traite  des  etudes»  über  das  Theaterwesen  an 
den  geistlichen  Schulen  ausgesprochen,  wobei  er  nach- 
drücklich die  Berechtigung,  die  Notwendigkeit  und  den 
pädagogischen  Wert  der  szenischen  Aufführungen  bezwei- 

Stender- Petersen,  Die  Schul komödien.  4 


r)0  Kapitel  I. 

feite,  was  Bohomolec  klugerweise  verschweigt.  Für  ihn 
l)irgt  sich  sogar  eine  große  Gefahr  für  die  Moral  der 
Schüler  in  jenem  Agieren:  «C'est  le  danger  qu'il  a  que 
cette  Sorte  d'exercice  ne  fasse  naitre  dans  l'esprit  du  maitre 
et  des  ecoliers,  comme  cela  est  assez  naturel,  le  desir  de 
s'instruire  par  leurs  yeux  de  la  nianiere  dont  on  doit 
declamer  la  tragedie;  de  frequenter  pour  cela  le  theatre, 
et  de  prendrc  pour  la  comedie  un  goüt  qui  peut  avoir 
des  suites  bien  facheuses,  surtout  ä  cot  äge.»***  Daher 
müsse  man  besonders  vorsichtig  mit  den  dramatischen 
Aufführungen  sein,  wenn  dem  Übel  wirklich  kein  radi- 
kales Ende  gesetzt  werden  kann,  vor  allen  Dingen  aber 
konsequent  Liebesmotiven  aus  dem  Wege  gehen. 

Wenn  Bohomolec  solcherart  das  jesuitische  Prinzip 
von  der  Notwendigkeit  der  Eliminierung  aller  Frauen- 
rollen und  aller  Liebesmotive,  jedenfalls  im  Anfang  seiner 
Wirksamkeit  als  Verfasser  von  Schulkomödien,  streng 
beobachtete,  so  scheint  er  es  nicht  aus  innerer  Überzeu- 
gung getan  zu  haben,  sondern  nur  dem  Zwange  der  jesu- 
itischen Tradition  folgend.  Davon  überzeugt  uns  einer- 
seits der  Umstand,  daß  er  praktisch  e-ehr  bald  sich  mit 
der  Weglassung  von  Frauenrollen  begnügte,  dagegen  ruhig 
Liebesmotive  und  überhaupt  erotische  Motive  als  Trieb- 
federn der  Handlung  beibehielt,  andrerseits  die  sehr  tole- 
rant lautenden  Worte  der  Einleitung,  mit  denen  er  den 
Passus  über  die  Frauenfrage  abschließt: 

Nie  przyganiam  iednak  przez  to  bynaymniey  przeciwnemu 
zwyczaiowi,  gdy  tiasz  utrzymui^.  Wolno  kazdemu  bronic  swoie 
zdanie  —  bez  uszczerbku  inaczey  trzymai^cych   .  .  . 

So  hätte  der  fanatische  Pater  Bielski  nicht  gesprochen, 
und  diese  friedvollen  Worte  bilden  einen  wirklich  wertvollen 
Zug  in  dem  geistigen  Antlitz  unseres  über  den  Parteien 
Htehenden  Komödiendichters.  Auch  hat  Bohomolec  sicher 
selbst   deutlich  gefühlt,  daß  er  durch  die  Eliminierung  der 

«2  Zitiert  nach  Boysse,  a.  a.  0.,  S.  108.  —  Vgl.  Lan- 
s  o  n ,  Histoire  de  la  litt^rature  fran^aise,  14.  &i.  (Paris  1920)^ 
S.  728. 


Bohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Josuitenonlens.     .">! 

weiblichen  Rollen    aus   der  Komcidio   eine  ästhetische  In- 

kommensiirabilität  beging,  die  .seinen  Produkten  nur  schaden 

konnte,  sagt  er  doch  selbst  verlegen    und  entschuldigend: 

Ja  wyznaJQ,  iz  trzymai.ic  siQ  mego  zwyczaiu,  wiele  trud 

noäci    zazylcm   \v  przerabumiii   dwöch    moich    kome<lyi,    to   ifst 

drugiey  y  trzccicy,  kton'ch  tresc  poniowaz  call  prawie  na  bia- 

toglowach     Jegomos<5    Pan    Moliero    zasadzil,     przetoz    tak    ie 

musiak'm   latac   y  kleic,   zebym   y  komedyi   szlukq    zachowal   y 

pici  niowiesciey  do   nicli  nie  przj'piiscil   .  .  . 

Wenn  aber  Bohomolec,  den  jesuitischen,  d.  h.  schul- 
mäßigen Charakter  seiner  Komödien  unterstreichend,  ohne 
weiteres  einräumt,  daß  sie  nicht  mit  einem  ästhetischen 
Wertmesser  gemessen  werden  können,  nicht  wie  Bielski 
beliauptet,  daß  dieser  «kastrierte»  Typus  der  Ordens- 
dramatik der  literarhistorisch  einzig  berecbtigt(3  Typus 
sei,  so  ist  sich  Bohomolec  zugltich  voll  bewußt,  daß  seine 
Komödien  nicht  bloß  einen  eng-pädagogischen  Wert  haben, 
sondern  auch  eine  nationale  und  gesellschaftliche  Tat 
bedeuten.  Er  fühlt  sich  nicht  nur  als  der  erste  jesuitische 
Pädagog,  der  die  im  Ausland  schon  lange  gepflegte  Art 
der  €  Schulkomödie»  modernen  Schnittes  in  die  polnische 
Schule  einführt,  sondern  zugleich  auch  als  der  erste  Pole, 
der  eigene  Komödien  in  der  polnischen  Sprache  heraus- 
gibt und  auf  diese  Weise  die  Literatur  seines  Landes  uro 
eine  neue  Gattung  bereichert. 

Wiem,  ze  moie  komedye  nie  z  iednakim  od  wszyslkich 
b^dq,  smakiem  czytane,  poniewaz  (eraz  —  iako  dawny  Polak 
powiedzial  —  «iest  wiele  przyganiaczöw,  a  malo  dzialaczow». 
Ale  imikaij\c  obmowy  dnigich  nie  nie  poczynac  —  iest  zna- 
kiem  malego  serca.  Wiem,  ze  ledwie  kilka  komedyi 
polskich  yto  z  cudzego  i^zyka  calkiem  tlumaczonych  na 
swiat  wyszlo.  Robionych  zas  albo  przerabianych  zaden  ieszcze 
podobno  Polak  oyczystym  i^zykiem  nie  wydal.  A  przeciez  to 
zabawka  iako  iest  y  uczciwa  y  pozyteczna,  tak 
godna  tego,  azeby  si^  Polacy  w  niey  röwnie 
iako  y  inne  narody  kochali.  Doäö  dla  mnie  b^dzie, 
ieöli  mym  przykiadem  inni  Polacy  zach^ceni,  lepsze  robi^, 
zechc^  Iq  sztukQ  wydoskonalid  y  h  o  n  o  r  P  o  1  s  k  i  i  n  n  y  m 
narodom  zaleci(5.  Tym  zas,  ktörzy  mi  przygania6  zech^:^» 
b^§  si^  t^  pospolit^  poetöw  obroii^  zaslaniac : 

4* 


f>2  Kapitel  1. 

Gaiiisz  mo  koraedye  y  szarpiesz,  nieboze? 
Nie  dbam  o  to,  gdyz   ganid  kazdy   co  chce  moze. 
Ale  icili   chcesz,  abym  dbal  o  twoie  zdanie, 
Zr6b    lepszc.   nie  jx)dlegte   zadnego   naganie. 

I)ohomolec  hatte  den   Stcjlz   des  Pioniers,    der   eine  neue 
liahn  ira  kulturollen  Leben  seines  Volkes  bricht,  und  wußte 
wohl,   daß    sein  Beispiel   nicht  ohne   alle    Folgen   bleiben 
konnte.    Wir  können  sogar  behaupten,  daß  er  den  bewuß- 
ten Gedanken  gehabt  hat,    der  Vater  der  polnischen  Ko- 
mödie zu  sein.    Dieser  Gedanke  ermutigte  ihn  sicher  zur 
VeröffentUchung  seiner  Komödien,  wie  auch  der  günstige 
Empfang,    der    ihnen    l)ei    ihrer    Aufführung    zuteil    ge- 
worden zu   sein   scheint.     Mit  der  Erklärung,    daß   seine 
Komödien    gar    nicht    mit    dem    vorgefaßten    Plane    ge- 
schrieben   worden    seien,    sie    drucken    zu    lassen,    ent- 
ischuldigt   Bohomolec   die    ästhetischen    Mängel  derselben 
nochmals;  sie  seien  nur  gedruckt  w-orden,  weil  sie  «wielu 
przy     ich     wyprawowaniu      znaydui^icym     si^     podobaly 
y  do  nalegania   o  ich   drukowanie   zach^cily».      «Ja  si^  z 
tym  oswiadczam»   —  beteuerte   Bohomolec  —  «ze   gdym 
ie  dla  zwyczayney  szköl  naszych  rozryvvki  pisal,  nigdym 
o  tym  nie  myslil,  aby  kiedy   pod   drukarsk^  pra- 
s^  podpasc   mialy».     Wir   brauchen    darin    keine    vor- 
sichtige  captatio    benevolentiae   zu    sehen,    denn   aus   der 
Geschichte  der  französischen^^  und  auch  der  polnischen^* 
Jesuiten komödie  ist  es  zur  Genüge  bekannt,  daß  die  Dra- 
matiker  des    Je.suitenor>lens   meistens   ihre    Produkte   im 
Manuskript  liegen  ließen.    Nur  nach  Einholung  einer  spe- 
ziellen Erlaubnis  der  Ordensvorsteher,  die  die  literarische 
Reputation    ihrer  Kongregation   eifersüchtig    überwachten, 
durften  die  einzelnen  Mitglieder   des  Ordens  ihre  Werke, 
die  der  Drucklegung  und  Veröffentlichung  wert  befunden 
worden  waren,  herausgeben.     Das  bedeutet  auch  die  ste- 
reotype   Notiz    auf   dem    Titelblatte    der   Bohomolecschen 
Komödien:   «Za  pozwoleniem  starszych»  oder  «Za  pozwole- 

•3  Boysse,   a.  a.  0.,   S.  24. 

6*  S  z  y  j  k  o  w  3  k  i ,  a.  a.  0.,  S.  7.3. 


Bohomolec  in  seinem  Verhüll nis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.     53 

uieni  zwierzchnosci».  Auch  der  Hinweis  darauf,  daß 
Freunde  des  Verfassers  ihn  besonders  eindringlich  um 
Veröffentlichung  d(U-  Komödien  gebeten  hätten,  hat  seine 
Parallelen,  speziell  bei  den  franzcinißchen  Jesuiten,  die  fast 
immer  unterf-treichen,  daß  nur  die  Aufforderungen  der 
Schüler  und  Freunde  sie  dazu  vermocht  hätten,  der  Ge- 
fahr einer  öffentlichen  Kritik  zu  trotzen/* 

Kurz:  der  pädagogische  Gesichtspunkt,  die  Eliminie- 
rung der  weiblichen  Rollen,  die  Versicherung,  daß  die 
Komödien  eigentlich  gar  nicht  für  das  breite  Publikum 
bestimmt  seien,  schließlich  auch  das  regelmäßig  wieder- 
kehrende «Argument»,  womit  Bohomolec  seine  Komödien 
einleitet,  nach  dem  Muster  der  lateinisch  schreibenden 
Jesuitendramatiker,  die  dadurch  das  Verständnis  erleich- 
tern wollten,  bezeugen,  daß  Bohomolec  in  erster  Linie  als 
jesuitischer  Dramatiker  angesehen  werden  muß.  Daß 
er  sich  der  allgemein-gesellschaftlichen  Bedeutung  seiner 
ersten  Komödien  bewußt  ist,  ändert  nichts  an  der  Tat- 
sache, daß  seine  Komödien  als  «pädagogische  Schulkomö- 
dien» zu  betrachten  sind,  als  die  letzte  Etappe  in  der 
Entwicklung  der  Jesuiten dramatik. 

Fragen  wir  uns,  ob  wir  bei  Bohomolec  neben  den 
oben  besprochenen  inneren  Übereinstimmungen  auch  fak- 
tische Berührungspunkte  mit  der  Schuldramatik  der  west- 
europäischen Jesuiten  feststellen  können,  so  führen  uns 
unsere  Untersuchungen,  zum  Teil  von  Bohomolec'  eigenen 
Hinweisen  unterstützt,  wieder  zum  berühmten  College  do 
Louis  le  Grand  in  Paris.  Hier  war  die  modernisierte 
jesuitische  Schulkomödie,  ziemlich  gleichzeitig  mit  der 
Schultragödie,  Anfang  des  18.  Jahrhunderts  zu  wirk- 
licher Blüte  gelangt,  und  als  Vertreter  der  Gattung  ist 
das  Dreigestirn  Gabriel  le  Jay,  Jean-Antoine  du  Cerceau 
\ind  Charles  Poree  vor  allen  anderen  zu  nennen.  Alle 
drei    hat  Bohomolec   gekannt,    alle   drei   bearbeitet   bezw. 

«ö  Boysse,  a,  a.  0.,   S.  74. 


5i  Kapitel  I. 

übersetzt,  bei  allen  dreien  hat  er  gelernt.  Diese  Tatsache 
scheint  mir  mit  besonderem  Nachdruck  betont  werden  zu 
müssen. 

Le  Jay  war  schon  vor  Bohomolec  gut  in  Polen  be- 
kannt, und  zwar  in  erster  Linie  als  Tragödien  dichter. 
Mehrere  seiner  Dramen  und  Tragödien  waren  schon  ül)er- 
setzt.  So  war  schon  1754  sein  «Abdolonimus»  («drama 
actum  bis  ludis  prioribus  anni  MDCXCVI  etMDCC»)  in 
einer  von  einem  gewi^^sen  Jan  Puttkamer  verfertigten 
polnischen  Übersetzung  zu  Sandomierz  erschienen  ^^,  und 
im  selben  Jahre  ^^  hatte  der  bekannte  Bischof  Jözef  J^drzej 
Zaluski  den  ersten  Teil  seiner  «Josephus»-Trilogie,  den 
«Josephus  venditus»^^,  übersetzt,  an  den  sich  eine  andere 
«Josephus» -Tragödie,  der  «Jözef  uznany»,  schloß,  dessen 
Original  Charles-Claude  Genest  St.  Vilmers  zum  Verfasser 
hatte.  Auch  später  intf-ressierte  man  sich  in  Polen  für 
le  Jay:  so  übersetzte  Mina^owicz  1773  die  von  Juvenals 
zehnter  Satire  inspirierte  «piece  ä  tiroirs»  «Vota»  («Z^dze 
ludzkie»)  und  1774  seine  dramatische  Dissertation 
«Revocata  Virtutem  inter  et  Fortunam  Concordia»  («Zgoda 
mi^dzy  Fortunq,  y  Cnot^  przywröcona»). 

Als  Tragödien  Verfasser  und  Erfinder  von  allegorischen 
Balletts  bekannt,  hat  le  Jay  nur  zwei  eigentliche  Komödien 
geschriel)en;  die  eine  trug  den  Titel  «Philochrysus  seu 
Avarus»,  ist  den  15.  Dezember  1697  zum  erstenmal  im 
College  zu  Paris  aufgeführt  worden  und  findet  sich  in 
der  «Bibliotheca  Rhetorum»  (1725)  abgedruckt.  Wie 
pchon  der  Titel  vermuten  läßt,  und  wie  le  Jay  selbst  im 
Vorwort  bekennt,  ist  diese  Komödie  nicht  ohne  Anlehnung 
an  Plautus*  « Aulularia»  und  Molieres  cL'Avare»  entstanden. 
Die    andere    Komödie  —  und    diese    hat   für   Bohomolec 


^6  Noch  1799  erschien  eine  zweite  Ül>ersetzung  derselhen 
Tragödie  zu  Kielce  mit  dem   Titel:   «Abdalonim  Wieäniak». 

^'  In  «Zebranie  rytmöw»  (1754). 

68  «JöZfC'f  zaprzedany.  Tragedya  bez  osoby  niewieskiey  z 
laciAskiego  wierszem  przelozona.» 


BohomoleiJ  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik   d.  Jesuitenordens.     ')5 

große  Bedeutung  gehabt  —  trägt  den  Titel  «Damocles 
sive  Philosophus  Regnans».  Sie  ist  —  w'w.  der  Titel  der 
1703  erschienenen  Ausgabe  beweist  —  in  den  Jahren 
1695  und  1702  zuerst  im  Pariser  College  gespielt  worden 
(«drama  actum  bis  ludis  ])ri(tribus  anni  MDCXCV  et 
MDCCII»)  und  ist  gh  ichfalls  in  die  «Hibliotlieca  auf- 
genommen.^^ 

Die  letztgenannte  Komödie  kann  als  eine  typische 
Jesuitenkomödie  bezeichnet  werden.  Ihre  Tendenz  ist 
sozialer  Natur,  indem  sie  darauf  ausgeht  zu  zeigen,  daß 
Macht  kein  unbedingtes  Gut  sei,  daß  ein  jeder  den  Platz 
auszufüllen  habe,  an  den  er  vom  Geschick  uJer  —  besser 
von  Gott  —  gestellt  worden  ist.  und  daß  ein  jeder  Stand 
seine  Sorgm  und  seine  Mühen  habe.  Der  pädagogische 
Satz,  der  somit  dem  «Philosophus  Regnans»  zugrunde 
liegt,  könnte  so  umschrieben  werden:  «Du  sollst  nicht 
mehr  sein  wollen  als  du  bist».  Als  beste  Illustration 
dieses  Satzes  sah  er  die  bekannte  Geschichte  vom  Schwerte 
des  Damokles  an,  die  er  aber  wesentlich  abänderte.  Er 
sagt  darüber  selbst  in  seiner  Vorrede,  die  ich  bei  Boysse "^'^ 
französisch  zitiert  finde:  «II  paraitra  peut-etre  etonnant, 
que  du  courtisan  depeint  par  Thistoire,  le  poete  ait  fait 
un  philosophe,  et  qu'il  ait  neglige  dans  Damocles  l'episode 
que  tout  le  monde  connait.  Qui  ne  sait,  en  effet,  que 
ce  Damocles  fut  un  des  courtisans  de  Denis  de  Sicile, 
qui,  epris  des  charmes  de  ia  toute-puissance,  voulut  ex- 
perimeuter  la  fortune  des  rois?  On  sait  aussi  qu'effraye 
par  une  epee  nue  que  l'on  suspendit  par  un  til  au-dessus 
de  sa  tete,  il  reconnut  que  la  condition  royale  n'etait  pas 
aussi  heureuse  qu'il  l'avait  pense.»  Statt  dessen  hat 
le  Jay  Damokles  zu  einem  Philosophen  und  Weltver- 
besserer  gemacht,    der   die    bestehenden   Dinge   kritisiert. 


69  Loider  ist  mir  die  Komödie  unzugänglich  gewesen  und 
ich  bin  gezwungen,  meine  Schlußfolgerungen  und  Urteile  auf  der 
von  B  o  y  s  s  e ,  a.  a.  0.,  S.  198  ff.,  gegebenen  Analyse  zu  ba- 
sieren. 

'0  Bovsse,  a.  a.  0.,  S.  198  ff . 


50  Kapitel  I. 

und  in  einem  dem  Tyrannen  Dionysius  dedizierten  Buche 
seine  revolutionären  und  utopischen  Anschauungen  zusam- 
menfaßt. Er  will  die  Finanzwirtschaft  durch  Abschaffung  der 
Steuern,  die  Administration  durch  Aufhebung  des  Minister- 
instituts und  Einführung  der  absoluten  und  persönlichen 
Alleinherrschaft,  die  auswärtigen  politischen  Verhältnisse 
durch  Einführung  des  ewigen  Friedens  von  Grund  aus  ver- 
ändern und  statt  der  Gewalt  und  des  eisernen  Gesetzes 
Liebe  und  Vertrauen  als  Grundlage  des  Staates  betrachten. 
Als  ihm  dann  die  Möglichkeit  gegeben  wird,  seine  Ideen 
jjiaktisch  zu  betätigen  und  zu  verwirklichen,  kann  er 
natürlich  weder  ohne  Steuern  noch  ohne  Minister,  weder 
ohne  Krieg  noch  ohne  die  übrigen  kritisierten  Einrichtungen 
des  alten  Staates  auskommen  und  will  abdizieren,  was 
ihm  aber  erst  gelingt,  nachdem  er  seines  Philosophen- 
bartes verlustig  gegangen  ist. 

Bohomolec  hat  selbst  in  seinem  Argument  gesagt, 
daß  seine  Komödie  «Filozof  Panui^cy»  nichts  anderes 
als  eine  leichte  Umarbeitung  der  le  Jayschen  Komödie 
ist:  «Ta  koraedya,  od  X.  Gabr.  Franciszka  Lejay  Soc:  Jesu 
J'rancuza,  slawnego  krasomowcy,  napisana  y  od  röinych 
röznemi  iqzykami  tlumaczona,  teraz  na  polski  z  nieiak^ 
odmian^  przelozona»  ....  Worin  die  Veränderungen, 
von  denen  B(jhomolec  somit  ausdrücklich  erzählt,  be- 
standen haben  können,  ist  mir  leider  unmöglich  festzu- 
stellen, da  ich  die  Originalkomödie,  wie  gesagt,  nicht 
kenne.  Ein  Vergleich  zwischen  den  von  Boysse  zitierten 
Stellen  und  den  entsprechenden  vStellen  in  der  polnischen 
Bearbeitung  oder  Übersetzung  läßt  mich  vermuten,  daß 
die  Veränderungen  sicher  nur  von  untergeordneter  Be- 
deutung gewesen  sein  können;  als  Beispiel  führe  ich  hier 
eine  Stelle  aus  Damokles'  Monolog  im  Anfang  des  zweiten 
Aktes  an,  wo  er  glücklich  die  Zinnen  der  Macht  erstiegen 
hat: 

Le  Jav  II    1: 


DAM:  L'ägfe   d'or  est   enfin   re- 
venu;  les  philosopLes  re- 


Bohomolec    II,    1: 

DAM;  Juz    zlote    wieki    powra- 
cai^I       Filozof     kröluiel 


Hohoirolec  in  seinem  Verhiilliiis  z.  Dramatik  d,  Jesuitenordens.     .'>7 


gnent.  Ijoin  d'ici  le  tu- 
muilo  de  la  gueire.  Je 
veux  qwti  qu'il  arrive, 
uno  paix  6lernelle  au  de- 
dans  et  au  dehors,  Qu'un 
amour  mutiiel  unisse  le 
penple  et  Ic  roi.  II  me 
piait  de  supprimer  & 
d'abroger  tous  Ics  impöts. 
Auciin  tribut  sous  mon 
T^gne  ne  p^sera  sur  la 
Siciie.  Un  prince  est  as- 
sez  riebe  quand  11  pos- 
s^de  Tamour  de  ses 
peuples. 


Procz  zii\d  woyna!  Po- 
koy  nic'ustanny  nioth  w 
mym  kwjlnie  krölestwic. 
y  m\isi  kwitJK\(';.  Ja  w 
tym.  Milo.sr  wzaiomna 
niech  poddanych  z  swym 
krölera  zicdnuczy.  Milos- 
ciii,  nie  zaä  (rwog;^  chc<^ 
mväe  panstwo  kierowa/,. 
Wszystkie  cla,  podalki  j 
daniny  znoszQ,  gluzui<j, 
kassut«];  zadna  dart,  p6ki 
Damokles  zy6  b^dzie,  nie 
nprzykrzy  si?  memu  lu- 
dowi.  D066  bogaty  lest 
kröl,  kföry  w  miloäö 
Bwych  poddanych  obfi- 
tuie. 


Wenn  le  Jays  Illustration  zum  Satze  von  der  Schwere 
der  Macht  und  von  der  Notwendigkeit,  sich  immer  ohne 
Murren  in  das  von  oben  verhängte  Schicksal  zu  finden, 
als  dramatisches  Werk  recht  vereinzelt  dasteht,  so  fand  schon 
früh,  schon  lange  vor  le  Jay,  derselbe  vSatz  eine  andere 
und  dramatisch  sehr  fruchtbare  Behandlung.  Das  didak- 
tische Motiv  von  dem  betrunkenen  Bauern,  der  für  einen 
Tag  zum  König  gemacht  wurde,  hat  literaturgeschichtlich 
eine  sehr  interessante  Entwickelung  gehabt,  deren  Anfänge 
in  der  alten  chinesischen'^  und  orientalischen'^  Literatur 
wurzeln,  und  die  mit  den  modernen  Behandlungen  noch 
nicht  ihre  letzte  Grenze  erreicht  hat.  Diese  Geschichte 
ist  in  Spezialabhandlungen  so  allseitig  untersucht  worden, 
daß  ich  nicht  auf  dieselbe  hier  einzugehen  brauche,  son- 
dern mich  mit  einem  Hinweis'^  auf  dieselben  begnügen 


'1  Vgl.  die  Notiz  in  der  «Edda»,  Bd.  XVI  (1921),  S.  319. 

'2  A.  V.  Weilen,  Shakespeares  Vorspiel  zu  «Der  Wider- 
spenstigen Zähmung»  (Frankfurt  a.  M.   1884). 

'3  Ad.  StendoT-Petersen:  Ett  bidiag  tili  «Jeppe»- 
motivets  historia  («Edda»,  Bd.  XVII,  1922).  Vgl.  die  hier  zitierte 
Literatur. 


5S  Kapitel  1. 

kann.  Das  Motiv,  das  aus  Shakespeares  «The  taming 
of  the  shrew»  und  aus  Holbergs  klassischer  Komödie 
«Jeppo  paa  Bjerget»  allgemein  l)okannt  ist,  wurde  nach 
d»T  Prosaboarbeitung,  die  der  deutsche  Jesuit  Bidermann 
U>40  in  seiner  «Utopia»  gegeben  hat,  jesuitischer  Schul- 
behandlung imd  Dramatisierung  in  breiter  Ausdehnung 
zugänglich,  wenn  auch  früher  schon,  und  wie  ich  ver- 
mute, nicht  ohne  Einfluß  der  wandernden  englischen 
Komödianten,  mehrfach  seitens  der  Jesuiten,  vornehmlich 
d^r  deutschen,  der  Versuch  gemacht  worden  ist,  das 
lehrreiche  Motiv  dramatisch  auszubeuten.  Schon  vor 
Bohomolec'  Komödie  «Ktopoty  Panöw»,  nämlich  im  Jahre 
1724  hatte  der  Kalischcr  Jesuitenpater  und  Professor  Pru- 
szecki  eine  wesentlich,  wenn  auch  nicht  ausschließlich, 
auf  Bidermanns  Prosa erzühlung  basierte  Dramatisierung 
des  Motivs  vorgenommen:  er  nannte  sein  lateinisches  und 
versifiziertes  Stück  «Rustici  ebrii  in  regem  mutatio».  Zu- 
gleich und  auch  früher  ist  dasselbe  Motiv  zum  Gegen- 
stand komischer  Dramatisierung  gemacht  worden.  Be- 
sonders bekannt  ist  die  erste  polnische  und  eine  der 
ältesten  Dramatisierungen  überhaupt,  Barykas  Komödie 
«Z  chlopa  krol»,  die  schon   1633  entstanden  ist. 

Es  kann  Bohomolec  nicht  unbekannt  gewesen  sein, 
daß  das  Motiv  vom  betrunkenen  Bauern,  der  König  wurde, 
schon  so  oft  behandelt  worden  war.  Dennoch  versuchte 
er  es  nicht,  sich  auf  diese  vielfachen  und  zum  Teil  wohl- 
grglüokt^n  Dramatisierungen  zu  stützen,  sondern  wandte 
sich  wiederum  an  das  College  de  Louis  le  Grand.  Die 
französischen  Jesuiten  hatten  sich  nämlich  auch  sehr 
fleißig  mit  dem  für  ihre  pädagogischen  Ziele  so  passenden 
Motive  boschäftigt.  Eine  der  ersten  französischen  Be- 
arbeitungen, von  der  wir  Nachriciiten'^*  haben,  ist  1701 
zu  Amiens  aufgeführt  worden;  d«'r  Verfasser  des  «drama 
ludicrurn»  «Rex  unius  diei»  war  der  dortige  Professor 
der    Rhetorik    am    Jesuitenkollegium   Joseph    de  Tlsle  de 


'*  Vgl.  Sominorvogel,  Bd.  I,  S.  285,  u.  Bd.  IV,  S.  1866. 


Bohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  «1.  Jesuitenordens,     "»ü 

Gast  (1675—1708).  Eini;];e  Jahre  Bpiltor,  nämlich  1704, 
ließ  der  Pariser  Professor  Paul  le  CMerc  (1057  — 1740) 
seine  Schüler  ara  Collej^o  seine  Komödie  «Philij)pe  le  lion, 
duc  de  Bourgogne»  aufführen,  eine  Komödie,  die  Hogar 
auf  allerhöchsten  Wunscli  vor  dem  König  von  Enf^dand 
wiederholt  wurde. '^  Keine  von  heiden  scheint  gedrufkt 
worden  zu  sein,  keine  von  heiden  kann  somit  Bohomolec 
bekannt  gewesen  sein.  Er  wählte  eine  dritte  Dramati- 
sierung, die  bekannteste  von  alhai  dreien,  du  Cerceaus 
«cora^die  h4roique>,  die  bald  als  «Les  Incommoditez  de 
la  grandeur»,  bald  als  «Gregoire  ou  le  Faux  duc  de 
Bourgogiie>  zitiert  wird.  Die  Komödie  muß  schon  vor 
1701  entstanden  sein,  da  wir  wissen,  daß  sie  in  diesem 
Jahre  im  Jesuitenkolleg  zu  Ronen  gespielt  worden  ist. 
Im  College  de  Ix)ui3  le  Grand  ging  sie  aber  erst  1717 
über  die  Bretter.  Sie  erschien  1749  im  «Recueil  de 
poesies  diverses».^^ 

Du  Cerceau  hat  nur  französische  Komödien  ge- 
schrieben, die  einzige,  die  er  lateinisch  verfaßte,  über- 
setzte er  selbst  ins  Französische.  Von  öeinen  Komödien 
sind  nur  folgende  gedruckt:  1.  «Les  Incommoditez  de  la 
Grandeur»;  2.  «L'Ecole  des  Peres»,  die  1739  im  College 
aufgeführt  worden  ist;  3.  «Esope  au  College»;  4.  «Les 
Cousins»,  die  1725  aufgeführt  worden  sind.  Außerdem 
schreibt  man*^^  du  Cerceau  noch  fünf  andere  Komödien 
zu,  die  aber  alle  leider  ungedruckt  geblieben  sind,  näm- 
lich: 1.  den  1725  aufgeführten  «Euloge  ou  le  Danger  des 
richesses»,  2.  den  1718  und  1728  aufgeführten  «Point 
d'honneur»,  3.  eine  Komödie  mit  dem  Titel  «Le  Riebe 
imaginaire»,  4.  eine  schon  1699  im  College  gespielte 
Komödie  «La  Defaite  du  solecisme»  und  5.  den  1720 
aufgeführten    «Philosophe  li  la  mode». 


75  Vgl.  «M  er  eure  Galant»  (S.  273—277)  vom  Juni  1704. 

"ß  Ich  kenne  die  Komödie  nach  der  Ausgabe:  «Poesies  di- 
wrses^  du  R.  P6re  du  Cerceau.    Nouv.  6d.,  T.  I~II  (Paris  MDCCLX). 

'■^  Boysse,  a.  a.  0.,  S.  352.  —  Vgl.  Sommervogel, 
Bd.  11,  S.  969  ff. 


00  Kapilol  1. 

Bohomolec  hat  nicht  das  Original  zu  seinen  «Kio|>oty 
Pan(!)w»  angegeben,  und  wenn  man  sein  Argument  zu 
dieser  Komödie  liest,  in  dem  er  nur  kurz  mitteilt,  daß 
«ta  komedya  iest  na  fundamencie  owey  historyi,  ktör^i. 
()  iednyni  z  xiqzf^t  Burgunskich  czytamy»,  hat  man  den 
Eindruck,  daß  er  eben  jene  prosaische  «historya»  als 
seine  eigentliche  Quelle  hat  bezeichnen  wollen.  Aus- 
geschlossen ist  es  natürlich  nicht,  daß  er  irgendeine  Prosa- 
rodaktion seines  Stoffes  gekannt  hat.  Es  steht  aber  den- 
noch fest,  wie  schon  L.  Bernacki'^  nachgewiesen  hat,  daß 
Bohomolec'  Komödie  nichts  anderes  ist  als  eine  leicht 
abgeänderte  Übersetzung   der  du   Cerceauschen  Komödie. 

Du  Cerceau  soll  das  Motiv  zu  seiner  Komödie  bei 
seinem  Ordensbruder  Angelin  Gnzet  (1568 — 1653)  in 
dessen  «Pia  Hilaria»  vom  Jahre  1618  gefunden  haben. ^'-^ 
Inwieweit  das  richtig  ist,  entzieht  sich  meiner  Beurteilung, 
da  ich  Gazets  Werke  nicht  kenne.  Nur  will  ich  die 
Vermutung  aussprechen,  daß  kaum  Gazets  Jamben-Er- 
zählung die  einzige  Quelle  du  Cerceaus  gewesen  ist,  daß 
sicher  irgendeine  Verbindung  der  einen  oder  anderen  Art 
zwischen  seiner  Dramatisierung  und  den  gleichzeitigen 
Dramatisierungen  anderer  französischer  Jesuiten  einerseits 
und  den  deutsch-jesuitischen  Dramatisierungen  des  17.  Jahr- 
hunderts andererseits  bestanden  hat,  eine  Vermutung,  die 
ich  hier  nicht  zu  verteidigen  brauche,  da  ich  es  schon 
andernorts  getan  habe.  Treffend  ist  dagegen  v.  Weilens 
Bemerkung,  daß  du  Cerceaus  Komödie  in  wesentlichen 
Teilen  einen  starken  Einfluß  seitens  der  obenbehandelten 
le  Jayschen  Komödie  erfahren  hat,  ein  Einfluß,  der  eich 
besonders  in  dem  Audienzmotiv  äußert. 

Bohomolec,  der  le  Jays  Komödie  übersetzt  oder  — 
wenn  man  will  —  bearbeitet  hatte,  fand  bei  du  Cerceau 
dieselVje  Idee  von  der  weisen  sozialen  Einrichtung  der  Welt 

'^Ludwik  Bernacki,  «Klopoty  panöw»,  komedya  ks. 
Fr.  Bohomolca  («Parai^tnik  Literacki»,  rocznik  V,  Lwöw  1906, 
S.  69  ff.) 

"  ibid.,  S.  60.  —  Vgl.  Sommervogel,  Bd.  III,  S.  1298. 
Die  Erzähliing  trug  den  Titel  «Philippus  Bonus». 


}k)honioIec  in  seinem  Verh.lltnis  z.  Dramaliit  d.  Jesuitenordens.    f»l 


und  von  der  Sündhaftigkoit  de.s  Noid^^.s  den  Großen  und 
Mächtigen  gefrvnüber,  dio  auch  ihre  Sorgen  haben,  die 
spezifitJchen  < Sorgen  der  Macht»,  «incoinrno(Jitez  de  la 
grandeur»  oder  —  polnisch  —  €klo|)oty  pan(')w»,  dieselbe 
rdee,  die  ihm  im  «Damocles»  augenscheinlich  gefallen  hatte 
und  sehr  lehrreich  erschienen  war.  Zudem  war  du  Cer- 
ceaus  Komödie  noch  aupg»  prägter  in  ihrer  pädagogischen 
Tendenz,  indem  der  b»trunkene  Bauer  vom  Für-ten  gerade 
zu  dem  Zsvecke  für  einen  Tag  zum  Fürsten  gemacht  wird, 
damit  der  junge  Sohn  des  Fürsten  einsehen  lerne,  daß 
Herrechen  eine  Kunst  sei  und  große  Erfahrung  fordere, 
und  daß  ein  Hauer  zuweilen  im  Gegensatz  zum  Fürsten 
und  Mächtigen  seines  verliältnismäßig  imhekümmerten 
Daseins  wegen  beneidet  werden  könne.  Die  letztere  Idee 
wird  ausdrücklich  ausgesprochen: 
Du  Cerceau  I,  4 
LE  DUC: 

Je  veux  bien  te  le  dire  ici  confidement 
Voyant  ce    malheureux    dorniir  paisible- 

ment, 
D.ins   la  place  expose  sans  risque   pour 

sa  vie, 
Je  n'ai  pü  m'empecher  de  lui  porLer  envie. 
«Cet  yvrogne>  —  ai-je  dit  —  ccou-  be  sur  le 

pave, 
Attcnd    Iranquillement   que  son   vin  soil 

cuve ; 
Et  d'un  profoijd    sommeil   sans   trouble, 

Sans  .'llarnies« 
Quand  il  veut,  comine  il  veut,  il  peut  ^'oüter 

les  charnies. 
Et  moi  qui  regne  iei,  loin  d'un  bonheur 

pareil, 
11  faut  qu'au  poids   de    Tor  j'achette   le 

snnimed; 
Et  si  la   nuit  raa   garde   autour  de  moi 

rangee 
En  armes  pour  moi  seul  ä  veiller  obligee 
Ne  m'assure  un  repos  qu'il  tr<»uve  ä  peu 

de  fiais, 
Je  n'ose  fermer  I'roil  au    fond  de   mon 

Palais.  > 


Bobomolec  I,  4 

KILIPP: 

Ten  widok  —  przyznam 

cisJQ  —  zazdruöc  w  mym 

sercu  wzbudzib 


Myslilem  sam  w  sobie : 
tMily  Büze,  len  czlek  nu 
bruku  lezj^  y  smarznego 
sobie  siia  z.izvwa. 


A  ia  musze  u  mych  leka- 
rz6w  snu  sobie  potrosze 
kuj)owac. 

Ten  czlek,  na  ulicy,  nie 

siQ  nie  l^ka ; 

a    ia    \v    mym     patacu 

muszQ  slraz  trzyma(^,  ze- 

bym     sobie    sen    ubez- 

pieczyl. 


i\i  Kapitel  I. 

Lange  Auseinandersetzungen,  besonders  im  ersten  Akte, 
dienen  nun  dazu,  um  die  Idee  des  Stückes  von  allen 
möglichen  Gesichtspunkten  zu  beleuchten.  Bohomolec, 
dem  es  auch  darauf  ankam  zu  belehren,  hat  sie  keines- 
wegs unterdrückt.  Dir  junge  Prinz  erkennt  aus  dem 
drastischen  Beispiele,  das  sein  Vater  ihm  gibt,  wieviel 
Erfahrung,  Mäßigung  und  Überlegung  dazu  gehört,  um 
•  in  Reich  zu  regieren,  und  daß  es  leichter  ist,  Kritik  zu 
üben,  als  selbst  zu  regieren.  Der  Zuschauer  aber,  sowohl 
«1er  erwachsene  >vie  der  jugendliche,  wird  darüber  belehrt, 
daß  es  höchst  unvernünftig  ist,  die  Großen  dieser  Welt 
ihrer  Macht  wegen  zu  beneiden,  daß  man,  im  Gegenteil, 
mit  dem  Los  zufrieden  sein  soll,  das  einem  jeden  von 
der  weisen  Vorsehung  beschieden  w-orden  ist. 

Wirklich  bedeutsame  Veränderungen  hat  Bohomolec 
nicht  in  seiner  Übersetzung  vorgenommen.  Die  handeln- 
den Personen  haben  meistenteils  ihre  Namen  beibehalten, 
nur  der  «officier»  Valere  und  sein  Diener  Carmagnole 
haben  bei  Bohomolec  aus  unerklärlichen  Gründen  die 
neuen  Namen  Robert  resp.  Marcin  annehmen  müssen, 
und  der  Nachbar  des  Titelhelden  Gregoire-Grzegorz  heißt 
nicht  mehr  Lubin,  sondern  hat  den  polnischen  Namen 
Tomasz.  Wichtiger  ist  es,  daß  Bohomolec  die  siebente 
Szene  des  dritten  Aktes,  wo  der  <39avant  ridicule»  mit 
dem  Namen  Fadius  auftritt,  ganz  ausläßt;  es  ist  möglich, 
daß  Bohomolec  die  vollständige  Überflüssigkeit  dieser 
Szene  im  dramatischen  Sinne  erkannt  hat  und  daher 
beschloß,  den  Fadius  aus  dem  Personenverzeichnis  aus- 
zuschließen. Abgesehen  von  diesen  Veränderungen  folgte 
Bohomolec  Szene  für  Szene  seiner  Vorlage,  indem  er  die 
<lu  Cerceauschen  Verse  in  stark  verkürzender  Prosa  wieder- 
^'ab;  das  obenangeführte  Zitat  und  der  hier  folgende 
Monolog  des  erwachenden  Bauern  illustrieren  zur  Genüge 
'lie  Methode  unseres  Pateri?: 

Du  Cerccau  11,  3  Bohomolec  II.  3 

<;R EGOIRE  (eil  se  froltant  les  yeux):         |  GRZEGORZ  (na  krze^le 

bogato  ubrany): 


Hohomolec  in  seinem  Verhiillnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.     ti3 


,  Taiii     ilo     Lata  !     dlugo 
^  spalem.     Czas  pöysö  do 

domu A  lo  ro? 

Nie    znani    sani    siebie. 
Cöz   to   iost?     Gdzic  ia 
iestem  ?  Grzei^orzu,  ( zy<^ 
lo  tyV    (l'rzeüieni  sohle 
oczy).     Ale    i)odol)iio  ia 
ieslem.     Tak  icsl  —  ia. 
Oto  .«-a  inoie  r(;cc-,  moic 
nogi  y  glowa  inoia.  Ale 
te  suiiijie  —  iak  u  kaia 
tu  wlazly?    Nie  im.    Nie 
.szpelne.     Mil«zmy!    Ale 
iak     to     kanalslwo     mi 
przyszlol    Cbyba  röwuie 
......  Cyt!     Kl)^  do 

mnie  idzie!  .... 


(^,  (ja,  r^voillons-nou«:  ....     Que  veut 

ilire  ceciV 
Je  ne  me  connohs  plus,  n'est  ce  pas  toi, 

Gr^Koire  V 
Plus  j'y  pense  pourtant,  plus  j'ai  peino  ä 

le  cioire. 
Apr^stoutjesuis  nioi,  jenemelrompe  pas: 
Voilä  mes  pied<.    mon  corps,  ma  td'te  & 

mos  doux  bras. 
de?  habit«:  —   il  est  vrai  —  nie  donnent 

quiilque  peine, 
Oette  uiuiriiilicence  est  un  peu  bien  .sou- 

daine: 
Ecoutez!  Taisons-nous  &  ne  jurons  de  rieii, 
r«la  me  plalt  pourtant  &  me  sied  a.ssez 

bicn 
Oni  da,  je  connois  tel  qui  se  mire  &  se 

cane, 
A  qui  Sans  vanite  lorb(jue  je  nie  coniparo, 
ile  pompeux  attirail,  ces  habits  sur  ma  foi 
Ne   viendroient    pas  si   hien  a  beaucoup 

prös  qu'a  moi. 
Mais  j'apper^ois  quelqu'un  qui  me  veut 

quelque  chose  . . . 

Die  le  Jaysclie  und  die  du  Cerceaue-che  Komödie 
nehmen  im  Repertx)ire  der  Bohomolecschen  Komödien 
in  gewissem  Sinne  eine  besondere  Stellung  ein.  Sie  ge- 
hören beide  zu  einem  Typus,  der  nach  den  pseudo- 
klassischen Vorstellungen  weder  rein-tragisch,  noch  rein- 
komisch war;  tragisch  nicht,  weil  die  Handlung  komisch 
>chloß,  auch  komisch  nicht,  weil  das  Milieu  der  Handlung 
fürstlich  war  und  Könige  und  Herzöge  auf  der  Bühne 
erschienen.  Es  war  ein  gemischter  Typus,  was  le  Jay 
mit  dem  Ausdruck  -Drama»,  du  Cerceau  mit  dem  Aus- 
druck «comedie  heroique»  hatte  l)ezeic}inen  wollen. 
Ältere  Ästhetiker,  wie  Masen,  der  im  «Rusticus  Imperans» 
dasselbe  Motiv  behandelt  hatte,  das  der  du  Cerceauschen 
Komödie  zugrunde  liegt,  hätten  den  Typus  mit  dem  Aus- 
druck «comoedia  historica»  definiert.  Dieser  Typus  fehlt 
sonst  ganz  bei  Bohomolec,  bei  dem  das  Milieu  durch- 
gehends  bürgerlich  und  nichthistorisch  ist. 


r>4  Kapitel  I. 

Wenn  aber  der  Typus  bei  Bohomolec  sonst  fehlt,  so 
hat  die  Idee  bei  ihm  fortgewirkt.  Auch  die  Idee  jener 
beiden  Komödien,  die  freilicli  tyjjisch-jesuitiech  ist,  ist 
<l(^ch  andererseits  recht  exklusiv,  indem  sie  nicht  direkt 
]>rakti8ch-])ädagogir'ch,  sondern  gewissermaßen  philo- 
eophii^ch-didaktisch  genannt  werden  muß,  steht  sie  doch 
in  nahem  Zusammenhang  mit  der  metaphysischen  Idee: 
«vita  somnium  est».  Die  Eitelkeit  der  Macht,  die  Ver- 
gänglichkeit inii:?cher  Herrlichkeit,  die  Wertlosigkeit  aller 
nienschliclien  Bestrebungen  überhaupt  —  das  ist  der  ge- 
dankliche Urgrund,  aus  dem  die  Komödie  vom  trunkenen 
Bauern,  der  König  zu  sein  glaubte  und  wieder  als  Bauer 
erwachte,  und  die  Komödie  von  Damokles,  der  da  glaubte, 
ein  König  könne  das  Leben  umgestalten,  erwachsen  sein 
müssen  und  auch  erwachsen  sind.  Erst  sekundär  gesellte 
sich  zu  dieser  abstrakten  Idee  die  eng-pädagogische  Tendenz 
von  der  Notwendigkeit,  sich  mit  seinem  kleinen  Schick- 
salslos zufrieden  zu  geben,  und  von  der  Verwerflichkeit  de» 
Strebens  nach  einer  glänzenden  gesellschaftlichen  Stellung 
und  nach  größerer  Macht. 

Diese  Id(?e  treffen  wir  bei  Bohomolec  wieder  in  einer 
Komödie,  deren  eigentlicher  literarischer  Ursprung  von 
grmz  anderer  Art  ist  und  uns  an  einer  anderen  Stelle 
näher  beschäftigen  soll.  Ich  meine  den  «Arlekin  na  äwiat 
urazony».  Der  misantbropisch  gestimmte  Harlekin  erklärt 
sich  hier  näirdich  bereit,  nach  Warschau  zurückzukehren, 
al>er  nicht  in  .-meiner  Eigenschaft  als  Harlekin,  sondern  in 
der  neuen  (;ines  Grafen,  eines  Graf  de  Barba.  Der  dritte, 
vierte  und  teilwei.^e  fünfte  Akt  dieser  Komödie  stechen 
ihrem  Tone  nach  auffallend  von  dem  Tone  der  ersten 
zwei  Akte  ab,  wovon  später  des  näheren  die  Rede  sein 
wird.  Uns  interessiert  es  hier,  daß  die  oben  aufgezählten 
Akte  der  Idee  dienen,  daß  Macht  eitel  Schaum  sei,  daß 
man  mit  dem  gegebenen  Lose  zufrieden  sein  müsse,  — 
einer  Idee,  die  eben  für  jene  beiden  Jesuitenkomödien  so 
charakteristisch  ist.  Und  nicht  nur  die  allgemeine  Idee 
dieses  Teiles  der  genannten  Komödie,    sondern    auch  die 


Bohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.     6ö 

Eh3mente  ihrer  Handlunf:^  erinnern  uns  an  le  Jays  und 
du  Cerceaus  Komödien.  Wie  (Jregoire  bei  dem  letzteren 
mehrere  Akte  hindurch  zu  essen  verlangt,  ohne  überhaupt 
dazu  zu  gelangen,  ho  daß  er  zuletzt  verzweifelt  ausruft: 

Ä   meneT  co  bcaii  Lrain  oii  deviciidroil  6tique: 

Si  c'cst  etre  la  I>uc,   pargoi,  poiiit  do  qaartier, 

Je  m'en  dC.-.Iaro  net,  je  renonce  au  inetier. 

Comment?  j'airaerois  mieux  cent  fois  etro  ä.  la  clialno  .  .  , 

(IV,  1) 

Hl»  wird  auch  Arlekin  mehrere  Akte  hingehalten,  ohne 
etwas  zum  Essen  zu  bekommen,  ho  daß  auch  er  schließ- 
lich erbost  ausruft: 

Sluchaycie!  Jesli  im  zaraz  ie§c  nie  dacie,  nie  chcQ  byc 
y  pancm.  Bierzcio  sjbie  y  suknie  y  panslwo.  WoIq  byc  Arle- 
kincm    v  niio<'-   kawat  rlileba   w  r^iku  niz   paneru   glodnvm   ,  ,  . 

(III,'  5) 

Wie  Dauiokles  bei  le  Jay,  und  Gregoire  bei  du  Cerceau 
muß  auch  Arlekin  Gesandte  empfangen,  erstens  den  ver- 
m»  intlichcn  Fechtmeister  Jodelet,  der  wie  der  Gesandte 
von  China  hei  du  Cerceau  Arlekin  fordert,  dann  den  Gc- 
sajidten  des  Grafen  de  Socha,  der  ihn  zu  seinem  Schwieger- 
sohn erwählt  hat.  Arlekin  behandelt  ihn  genau  so  grob, 
wie  Gregoire  den  chinesischen  Gesandten: 

GRfi:  ,  .  .    AUons,    boutez  dessus,   point  de   cer^monie. 

Et  hous  ditcs  la  fin.  de  votre  lilanie  .  .  . 

Pargoi,   je  cixiis   qu'il   reve.    Est-ce  lä  tout  compere? 

(II,  6) 
ARL:  Sit^dzze,    möy    kumie. 
POL:  Niechze  pienvey  .  .  . 
ARL:  Ale  si^dz  konieczniel 
POL:  Mnie  nayprzöd  nalezy  .  .  . 

ARL :  Ach,  «nalezy»,   <(nalezy» !  I    Siaday,  möwiQ,   bo  ciQ  piQ§ci:i 
w  kark  posadz^  ...    (IV,  3) 

Als  Gr<^goire  bei  du  Cerceau  später  gehängt  werden  soll, 
bittet  er  seinen  Nachbar  Lubin,  ihn  mit  seiner  Gegenwart 
zu  trösten: 

GRE:  Ah,   Lubin,   (jui  l'eüt  cru? 

LUD:  Gregoire,   qui  l'eüt  dit? 

GR£:  Qu'ä  ce  terme  fatal  ma  grandeur  aJD>outit? 

Stendcr-Petersen,  Die  Schulkomödien.  5 


66  Kapitel  I. 

LUB:  J'oji  ai   la  lärme  k  l'oeil. 

GRfi:  J'en  d^pite  ma  vie. 

LUB:  miasl 

GR£:  Si   tu  voulois  mo  tenir  compagnie? 

LUB:  Va,    j'y    sorai    present. 

GR£:  '  Jusbe  Ciel ! 

LUB:  0  (ioulciirl 

GR£:  Tu  mo  (fuittes. 

LUB:  Adieu,  tu  me  perce  le  coeur.    (V,  4) 

Auf  eine  ähnliche  Weise  nimmt  Arlekin"  Abschied  von 
Heinem  Freunde  Pantalon: 

ARL:  .  .  .    Poshichay,    Pantalonie.    Ty   moim    iesteä   wiemym 

przyiaciclem  ? 
PAN:  Prawda   .  .  . 
ARL:  Uczyiize   ty    mi    teraz    w  potrzebie   iednQ    laskQ,   o  ktörj^ 

b^dQ  prosiJ, 
PAN:   Z   wielk^   ochot^I 

ARL:  0  marn^  ciQ  rzecz  proszQ:  day  mi  r^kQ,  ze  uczynisz. 
PAN:  Alo  z  "wielkq  ochot^I    Möwze,  co  takicgo? 
ARL:  Idz   ty   za  mjiie  na   szubenicQ. 
PAN :   Nie,  bracie.    Tego  niemozna  uczyniö.    Ale  to  dla  twoiey 

przyiazni  üczyniQ,  ze,  kiedy  ciQ  b^Ji  wieszali,  b^dQ  przy 

lym  pöty,  az  ci^  obiesz^.    (V,  3) 

Es  unterliegt  somit  kaum  einem  Zweifel,  daß  der  «Arlekia 
na  ^wiat  urazony:>  in  gewissen  Partien  eine  starke  Beein- 
tlussung  seitens  der  oben  besprochen  «heroischen»  Komö- 
dien der  beiden  Jesuitenpatres  le  Jay  und  du  Cerceau, 
besonders  aber  des  letzteren,   erfahren  hat. 

Dennoch  gehört  der  ganze,  eigenartige  Typus  der 
Harlekinkomödie  nicht  in  die  Klasse  jener  beiden  Komö- 
dien, einer  durch  ihr  Äußeres  und  Inneres  einsam  da- 
stehenden Komödiengruppe.  Die  Art  der  historischen 
Komödie,  die  früher  viel  gepflegt  worden  war,  wurde  in 
der  neuzeitlichen  Epoche  der  Jesuitenkomödie  von  der' 
bürgerlich- tendenziösen,  unmittelbar  pädagogischen  Art  in 
den  Hintergrund  gedrängt,  natürlich  unter  dem  Einfluß 
der  bürgerlichen  Komödie  Moliercs  und  seiner  geistigen 
Nachkommen.  Bohomolec  hatte  sich  damit  begnügt,  die 
heroischen  Komödien  der  Patres  le  Jay  und  du  Cerceau 
ins  Polnische  zu  übersetzen,  ohne  sonst  die  Art  zu  pflegen 


Bohomolec  in  «einem  Verhältnis  z.  Dramatik  J.  Jesuitenorden«.     67 

oder  sich  von  ihr,  was  die  äußere  Fornn  seiner  Komödien 
anbetrifft,  beeinfliis.sen  zu  lassen.  Das  Milieu  seiner 
komischen  Handlungen  ist  sonst  niemals  fürstlich  oder 
höfisch,  sondern  grundsätzlich  bürgerlieh. 

In  dieser  Beziehung  steht  er  dem  dritten  von  den 
oben  genannten  Komödienverfassern  des  College  de  Louia 
le  Grand  am  nächsten,  ihm  verdankt  er  wohl  auch  am 
meisten:  ich  meine  Pater  Por«^e. 

Poree,  dieser  —  wie  Bohomolec  sich  im  «argument» 
zum  <Oyciec  nieroztropny»  ausdrückt  —  «slawny  w 
Paryzu  krasomowca»,  war  seinerzeit  in  Frankreich  sowohl 
als  Tragödiendichter  wie  auch  als  Verfasser  zahlreicher 
Komödien  bekannt;  sowohl  diese  wie  jene  schrieb  er 
konsequent  nur  lateinisch.  Die  wichtigsten  Tragödien 
habe  ich  schon  an  anderer  Stelle  genannt,  hier  inter- 
essieren uns  seine  Komödien. 

Die  älteste  unter  ihn'en  ist  der  1712  aufgeführte 
«Paezophilus  sive  Aleator»,  eine  Komödie,  die,  wie  schon 
der  Titel  andeutet,  das  aus  Regnards  und  Dufresnys 
Komödien  bekannte  «Joueur» -Motiv  schulmäßig  behandelt. 
Im  Jahre  1715  folgte  der  nicht  gedruckte  und  augenschein- 
lich nicht  erhaltene  «Plutophagus  sive  Decoctor»^^,  in  dem 
wahrscheinlich  ein  Verschwendertypus  im  Zentrum  der 
Plandlung  stand.  Im  Jahre  darauf  folgte  der  «Misoponus 
sive  Otiosus»,  eine  Komödie  vom  jungen  Müßiggänger, 
und  1717  der  «Pater  araore  vel  odio  erga  liberos  excae- 
catus».  Nach  einem  längeren  Zwischenraum  wurden  1727 
der  «Philedonus  sive  Juvenis  voluptarius»  und  1730  die 
«Liberi  in  deligendo  vitae  instituto  coacti»  aufgeführt. ^^ 
Es  fragt  sich  nun,  ob  eine  Abhängigkeit  von  Poree  bei 
Bohomolec  konstatiert  werden  kann,  ob  direkte  Ent- 
lehnungen aus  Porte  Komödien  eine  wirkliche  Abhängig- 


^^Sommervogel,   Bd.  VI,   S.  1024. 
^1  Ich    zitiere    im    folgenden    nach    der    Ausgalje:    Caroli 
Poree,  Fabulae  Dramaticae  .  .  .  Lutetiae  Paiisiorurn  MDCCXLIX. 


6^ 


Kapitel  I. 


kcit   beweisen.     Diese   Frage   ist   unbedingt   bejahend    zu 
beantworten. 

Aus   dem    «Paezophilus    sive    Aleator»    stammt    der 
Ingress  des   «Ubogi  pokorny».     Dort  wird   der  Onkel  des 
Titelhelden  Chrysorius  vom  Diener  Parmeno  daran  verhin- 
dert, ins  «conclave»,  wo  Paezophilus  sich  vor  ihm  versteckt 
hat,    einzudringen    (I,  3).     Im    «Ubogi   pokorny»    hindert 
Kleanders  Diener  Sbrigani  Johan,    den    Diener   des   alten 
Anzelm,  des  zukünftigen  Schwiegervaters,  daran,  ins  Schlaf- 
gemach seines  Herrn  einzudringen  (1,3).  Natürlich  braucht 
Bohomolec  theoretisch  dieses  Motiv  nicht  gerade  bei  Por6e 
entlehnt  zu  haben,  sondern  konnte  es  direkt  aus  der  Quelle 
des  letzteren,  Regnards  «Joueur»,  genommen  haben.    Doch 
spricht  die  größere  Wahrscheinlichkeit   dafür,    daß  Poree 
dio    eigentliche  Quelle    gewesen   ist   und    nicht   Regnard, 
denn  in  derselben  Komödie  finden  wir  ein  anderes  Motiv, 
da^^  sicher  auch  aus  dem  «Paezophilus»  stammt,  wie  der 
ganze    Dialog   dartut.      Chrysorius    hat   dem    Paezophilus 
Geld    gegeben,    damit   er   «turmam    emere»    könne;    nun 
hat  aber  Paezophilus  das  Geld  verspielt,  und  der  Diener 
Parmeno  muß  eine  Räubergeschichte  erfinden  zur  Erklärung 
dafür,  daß  keine   «turma»  gekauft  worden  ist  (1,3).    Un- 
gefähr ebenso  liegt  die  Situation  bei  Bohomolec.     Sbrigani 
n)uß  Anzelm  erklären,  warum  er,  der  Diener  eines  angeb- 
lich reichen  Herrn,  in  Lumpen    gekleidet   gehe,    und   er- 
findet eine  Räubergeschichte  (11,  2). 


Force  I,  3: 

(HR:  ...  Et  illam  emit? 

l'AR    (vnltu  inquieio  &  anxio) : 

He,    nondum    plane    rem 

fransegif. 
(HR:  Q^ianrlonam   igitur? 
PAR:   Non  salis   liquet. 
CUR:  Quid  ita? 
PAR    (dolorem   simulans):  Quia 

ma^inum  invenimus  infor- 

tunium.  ! 

CHR :  Jamne     pecuniam     aleae   f 


Bohomolec   II,  2: 

ANZ:  Ale  powiedz  mi,  Sbrigari, 

za  oos  tak  lekko  ubrany? 

Wszakci    dzis   zimno  ? 
SBR:  Nie  wiem,  iak  komu,  a!e 

mnio   az   nadto    dzi§    go- 

Ti\.c<y    (vvzdycha). 

ANZ :  Cöz  to  iest  ?  Czego  wzdy- 
chasz  ? 

SBR:  Fraszka,  mospanie.  Pro- 
szQ  iruQ  nie  pyta6  o  to. 
Zaczniymy  inn^  mowc. 


Bohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.    6tt 


oommisit?  Die,  age,  dicJ 
loquere ! 

PAR :  At  noli  vociferari  .  .  . 
Ludum  loquoris  ?  Atquo 
minimo  ludus  fuit,  sed 
conccrtaüo   gravis. 

CHR :  Quin  igitur  ilarrare  per- 
gis. 


ANZ:  Ale  cöz  przecie?  ChciaJ- 
bym  wiodzic(^.  Mow  ini 
zarazl 

SBR:  Brori  Puniol  Jak  sir;  möy 
pan  dowic  o  fym.  ... 
Ach,  Icpieyze  zamilcz^. 

ANZ:  DaiQ  parol,  zc  panu  tw<» 
iemu  tego  nie  powiem. 

SBR:  A  teil  pan  kawalermrv 
dlugi  i(^zyczek. 

JOH:  Kto?  ia?  Frzepraszani, 
nie  mierzyles  go  lokciem. 

ANZ:  Ja  siQ  tqczq  za  Johana, 
ze  on  nie  nie  powie. 

SBR:  Ale  na  co  mam  möwic? 
Dos6  mi  w  tym  oslrzodz 
WM.  Pana,  ze  gdy  dziA 
pöydzksz  do  nas  z  kern- 
panijv,  trzjoba  siq  dobrzo 
Tizbroic    .  .  . 

Nachdem  sowohl  Parmeno  wie  Sbrigani  die  Neugier  des 
Alten  durch  solches  Hinhalten  aufs  äußerste  gespannt 
haben,  geben  sie  beide  eine  erfundene  Geschichte  von 
einem  Überfall*^  zum  besten,  wobei  Sbrigani  den  Umstand 
benutzt,  daß  Anzelm  einen  früheren  Freier  namens  Kleon 
abgewiesen  hatte. 


PAR :  Dum  ad  praefectum  eque- 
stris  turmae  sedulo  pergi- 
mus,  cnm  praesente  po- 
cunia,  in  praedones  in- 
cidimus. 

CHR:  In  aleatores  videlicet. 

PAR:  In  praedones  praedatores. 
Uli  herum  comiter  ado- 
riuntur  primum,  mox  ar- 
mis  infestis  pelunt.  Ille, 
quoad  licet,  resistit.  Manu 
movit  arma,  oculis  ful- 
gurat,  voce  intonat,  coe- 
lum  ipse  territat,   ut   fa- 


SBR:  Dowiedzial  sIq  on  od  ko- 
gos,  ze  WM.  Pan  sw.-^ 
cörk^  masz  wydac  za  pa- 
na moiego,  y  za  to  sig 
rozgniewawszy,  zebral 
hultaiöw  kupQ,  z  ktöremi 
czatuie  na  zycie  WM.  Pa- 
na. 

ANZ:  Kto?    Kleon? 

SBR:  Ten  sam.  Ja  bgd^c  vr 
tym  od  Sc^siada  ostrze- 
zony,  postrzeglem  nie- 
ktörych,  zasadzki  czy- 
ni^cych,    y  poczalem   im 


82  Dieselbe  Räubergeschichte  wird  im  «Chetpliwiec-^  wieder- 
holt.   V2I.  unten  S.  220. 


70  Kapitel  I. 

eile  intelligas  qui  vir  sit.   I  möwic:    «Czy    macie    wy 

q\ialis  l)eliator  fulurus  . .  .   |  suiimienie  na  zycie  pana 


Quid  mulla?  miinero  vic- 
lU3  esi.  Omni  pecuiiia 
spoliatus.  Mea  tarnen 
opera  oduclus  c  proclio, 
domum  integris  veslibus 
&   incolumis  rediit. 


tak  zacnogo  czalowaö? 
Czy  rozumiccie,  ze  tö 
warn  uydzie  bez  kary?» 
Ja  ledvvom  to  wyrzekl, 
iak  sIq  wysypiit  na  mniel 
iak  zaczn^  mi^  szarpa«!^, 
bi(^,  targac!  Tak  ze  ze 
wszystkim  na  mnie  suk- 
nie  poszarpano. 

Aus  demselben  «Paezopbüus»  stammt  ein  Motiv,  das 
j^uhomolec  episodisch  in  seine  «Przyiaciele  stoiowi»  ein- 
geschoben hat.  Der  z'.veite  Akt  des  Poreeschen  Stückes 
beginnt  damit,  daß  Parmeno  von  seinem  Herrn  den  Auf- 
li'.'ig  erhält,  irgendwie  zu  veranlassen,  daß  die  drei  Gläu- 
biger Acestes  («sarcinator»),  Gryt-ariopola  («gemmarum  &c 
niercator»)  und  Aeschrokerdes  («foenerator,  idemque  credi- 
tor>)  sich  gedulden.  Genau  dasselbe  soll  Frontin,  der  Diener 
dt  s  verschwenderischen  Robert,  tun,  als  die  beiden  Gläubiger 
des  letzteren,  Erast  und  Dorant,  erscheinen  (I,  4).  Beide 
Diener  sind  ho  klug,  die  Kreditoren  einzeln  vorzunehmen. 
Parmeno  spricht  zuerst  mit  Aceste>,  dann  mit  Grytariopola 
und  scldießlich  mit  Aeschrokerdes  (II,  4 — 6);  einem  jeden 
von  ihnen  erzählt  er,  daß  sein  Herr  ins  Feld  zu  ziehen 
gedenke  und  ihnen  später  seine  Schuld  mit  der  eventuellen 
Beute  bezahlen  wolle.  Frontin  aber,  der  zuerst  mit  Erast 
redet,  bindet  ihm  auf,  daß  sein  Herr  in  Kürze  heiraten 
wolle  und  die  Mitgift  der  Braut  zur  Begleichung  der  Schuld 
l.'enutzen  werde;  dem  anderen  dagegen,  dem  Dorant,  er- 
zählt er  genau  dasselbe,  was  Parmeno  bei  Poree  erzählt, 
iiämlich,  d:iß  Robert  Soldat  zu  werden  beschlossen  habe; 
sein  Argument  ist  dabei  fast  wörtlich  dasselbe,  das  Par- 
meno Grytariopola  gegenüber  anwendet: 

Poree    II,   .5:  i    Bo  ho  rn  o  lec   I,  6: 

PAR:  Mililiam  cogilamus.    Mili-   !    FRO:  Sluchay,    powiem   ci   pod 
tiae   iure  ulimur.     Libel-  sekrelem.    Pan  möy  teraz 

liim   recipe,  i  przyiril  shizb^  zolniersk^ 


Bühomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.     71 

CRY:  QvLod    rnilii    niiiitiao    iua  j  a     zolnierz     ma     prawx» 

praedicas?  j  zwleka«'"     dlu^öw     wypla- 

TAH :  Acs   alienuni  soru   disBol-  |  cenio. 

vimus.     Hoc   niililiae   ius 

est.  I 

Wenn  das  auch  nur  Einzelheiten  sind,  öo  sind  es  jeden 
falls  doch  tatöiichliclie  Beweise  dariir,  daß  Bohomolec  dii^ 
Komödien  des  Paters  Porec  fleißig  und  eingehend  studiert 
hat.**^*  Der  überzeugendste  Beweis  ist  aber  der,  daß  eine 
von  den  Bohomolecsrhen  Komödien  eine  leichte  Um- 
arbeitung einer  Poreeschen  ist:  ich  meine  den  cOyciec 
nieroztrojmy».  Das  Original  dieser  Komödie  ist  Pordes 
«Pater  amore  vel  odio  erga  liberoa  excaecatus»,  und 
Bohomolec  verheimlicht  keineswegs,  daß  die  Komödie  nicht 
ihm  gehört.  Im  Argument  derselben  teilt  er  folgendes 
darüber  mit:  «Ta  komedya,  napisana  po  lacinie  od  xiedza 
Karola  Poree  Soc.  Jesu,  siawnego  w  Paryzu  krasomowcy, 
a  po  polsku  z  nieiak^  odmianq,  przetlumaczona,  wyraza 
'Oyca  nieroztropnego'.»  Die  lateinische  Komödie  des  fran- 
zösischen Jesuiten  hatte  eine  für  einen  Polen  nicht  un- 
interessante Vorgeschichte,  und  es  ist  nicht  ausgeschlossen, 
daß  Bohomolec  diese  Vorgeschichte  gekannt  und  ge- 
rade deswegen  auch  die  Komödie  aus  der  Reihe  der  übrigen 
desselben  Verfassers  erwählt  hat.  Am  9.  Februar  1734, 
d.  h.  einen  Monat,  nachdem  der  Kurfürst  von  Sachsen, 
August  III.,  unter  russischem  Drucke  zum  König  erwählt 
worden  war,  während  der  landflüchtige  König  Stanislaw 
Leszczynski  in  Danzig  und  Königsberg  auf  die  weiten* 
Entwicklung  der  Dinge  wartete,  wurde  im  Pariser  Jesuiten - 
kolleg  ihm  zu  Ehren  ein  Fest  veranstaltet,  wobei  eine 
lateinische  Ode  deklamiert  und  ein  «drama  comicum», 
eben  die  Komödie  des  Paters  Por^e,  aufgeführt  wurde. 
Boysse  hat  den  erhalten  gebliebenen  Theaterzettel  in  seinem 
Werke ^^  abgedruckt: 


82a  Weiter  imten  (S.  96)  kommt  eine  andere  Entlehnung  aua 
dem  -<Philodonus  sive  Juvenis  voluptarius»  zur  Sprache. 
83  Boysse.  a.   a.   0.,   S.  294  f. 


78  Kapitel  I. 

D.   O.   M. 

IN   STANISLAUM 

REGEM 

A  POI.ONIS  ELECTUiM 

CARMEN  HEROICUM 

In  Scbolä  Rhrtorices  compositum 

recitabunt, 

IN  REGIO 

LUDOVICI  MAGNI  COLLEGIO 

Die  Martis  nonä  mensis  Februarii, 

anno   1734, 

horä  post  meridiem  pesqui-secunda 

SELECTI  RHETORES. 

CARMINI  HEROICO 

SUBJICIETUR  DRAMA  COMICUM 

CUJUS  ARGUMENTUM 

Pater     Nimio     Erga     Filium     Araore     Excaecatus. 

Die  Komödie  begann  bei  Poree  mit  einem  «Argu- 
mentum >,    das  die  Handlung  folgendermaßen    wiedergab: 

«Patricius,  pater  male  cordatus,  Philotam  filium  natu  ma- 
jorem iniquo  amore,  Eugenium  natu  minorem  odio  pariter 
iniquo  prosequebatur.  Eugenius  ingenio  eleganti,  animo  do- 
cili  &  morigero,  indole  suavissima  ac  inprimis  singulari  in  pa- 
trem  picfate  odium  injustum  tentat  avertere,  &  geniloris,  quem 
unioo  diligit,  benevolentiam  sibi  conciliare.  Sed  frustra.  Filium 
Optimum  &  patema  charitate  dignissimimi  procul  ablegare  Pa- 
tricius cogiLat.  Philotas  contra  durus,  inflocilis,  ferreus,  Patri 
infensus,  quo  plura  experitur  patemi  amoris  testiraonia,  eo 
jjfuribüs  prodit  argumeriüs  ingratum  animum,  pravamque  voluu- 
Latem  a/1  omne  vitiorum  genus  propensam,  jamque  flagitiis 
exercitatam.  Patricius  Irenaei  viri  optimi  consiliis,  &  Dolophili 
Kervi  callidi  artibus  adjutus  errorem  agnoscit  suum;  quo  de- 
posito,  resipiscit.» 

Die  Tendenz  dieser  Koujödie  war  gegen  die  moderne 
und  falsche  Erziehung  der  Jugend  überhaupt  gerichtet, 
w»iim  die  moralische  Lehre  auch  zunächst  die  sein  sollte, 
die  Eltern  von  einer  ungerechten  und  ungleichartigen  Be- 
handlung  der  Kinder   abzuschrecken.     Poree    benutzt  die 


Bohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  il.  Jesuilenoidens.     73 

Gelegenheit,  hier  und  dort  Feine  Grundsätze  ülx-r  Erziehung 
einzustreuen,  die  dem  craisonneur»  dfs  Stück-'s  Innaeua 
in  den  Mund  gelegt  werden,  wie  dieser  auch  die  Kiitik 
7A1  besorgen  hat.  Sonst  geht  die  Handlung  .sbcr  darauf 
aus,  zu  zeigen,  wie  Eltern  in  der  Beurteilung  ihrer  Kinder 
irren  können,  und  wie  schädlich  es  ist,  die  einen  den  an- 
dern vorzuziehen  und  jene  auf  Kosten  die^^cT  zu  verw()hnen. 
Auf  jesuitische  Weise  wird  der  ungerechte  Vater  schließlich 
zur  Einsicht  gebracht,  daß  er  falsch  gehandelt  hat,  wobei 
Por^e,  der  auch  sonst  gern  bei  anerkannten  weltlichen  Komö- 
diendichter (Moliere,  Regnard)  Ideen  und  Situationen  leiht, 
die  Intrige  auf  derjenigen  des  «Malade  imaginaire>  basiert. 
Bohomolec  hat  nun  keineswegs  seine  Vorlage  sklavisch 
übersetzt,  sondern  hat  sich  einige,  nicht  unwesentliche 
Änderungen  und  Abweichungen  erlaubt,  die  dazu  dienen 
sollten,  die  Komödie  komischer  zu  machen,  als  sie 
ursprünglich  in  Forces  Fassung  war.  Zunächst  hat  er 
versucht,  dieselbe  wenigstens  äußerlich  zu  polonisieren, 
indem  er  den  haudelnden  Personen  neue  Namen  gab. 
Nur  der  ungerechte  Vater  hat  seinen  lateinischen  Namen 
in  polonisierter  Gestalt,  nämlich  als  «Patrycy»  beibehalten. 
Seine  Söhne  dagegen,  die  bei  Poree  Philotas  und  Eugenius 
heißen,  sind  in  Benedys  und  Woytek  umgetauft  worden. 
Irenaeus,  der  bei  Poree  als  «Patricii  amicus*  auftritt,  ist 
bei  Bohomolec  Patrycys  Bruder  geworden  und  hat  im 
Gegensatz  zu  jenem,  der  natürlich  der  «oyciec  nieroztropny» 
des  Titels  ist,  den  Namen  Roztropski  erhalten,  der  ihn 
zugleich  als  den  polaren  Gegensatz  des  ungerechten  Vaters, 
als  gerechten  Onkel  charakterisieren  soll.  Der  «moderator» 
Neophylax,  der  Lehrer  der  beiden  Jünglinge,  heißt  bei 
Bohomolec  Medrski,  ein  Name,  der  die  Weisheit  des 
Lehrers  charakterisieren  soll,  und  dem  bei  Poree  episodisch 
auftretenden  «pater  filii  male  admodum  morati»,  namens 
Philostorgus,  ist  der  neue^Name  Synocki  gegeben  worden. 
Dem  treuen  Diener  Dolophilus,  der  als  «Spiritus  raotor» 
der  ganzen  Intrige  erscheint,  trotzdem  Poree  ihn  in  seinem 
Personenverzeichnis   eu   nennen  vergessen  hat,  gab  Boho- 


74  Kapitel  1. 

molccdenS3'mpatbie  erweckenden  NaraenWicrnicki,  wodurch 
zugleich  der  Charakter  des  ergebenen  und  treuen  Dieners 
an'^edeutet  wurde.  Schließlich  treten  bei  Poree  noch  zwei 
ganz  episodische  Personen  auf  (Sz.  3  resp.  25),  der  Castoropola, 
als  cpetasorum  opifex»  näher  bezeichnet,  und  der  Pyracnaon, 
der  den  Titel  «faber  ferrarius»  trägt;  beide  hat  Bohomolec 
gestrichen,  weil  sie  auf  keine  Weise  zur  Handlung  beitragen. 

Den  allgemeinen  Gang  der  Handlung  hat  Bohomolec 
nicht  verändert,  wohl  aber  etwas  gekürzt,  denn  statt  der 
etwa  dreißig  Szenen,  aus  denen  die  Komödie  Portes  be- 
steht, hat  er  durch  Streichung  einiger  überflüssigen  Szenen 
(Sz.  5 — 0,  9  u.  a.)  und  Zusammenziehung  anderer  eine  Reihe 
von  nur  etwa  21  Szenen  erhalten,  zu  denen  er  noch  drei 
Szenen,  nämlich  die  Szenen  2,  3  und  18,  die  seiner  eigenen  In- 
vontion  gehören,  hinzugefügt  hat.  Diese  Szenen  sind  einer  aus- 
führlicheren Charakteristik  des  Lehrers  Medrski  vorbehalten. 

Zum  Vergleiche  zwischen  der  Poreeschen  Original- 
komödie und  der  Bohomolecschen  Bearbeitung  diene  hier 
zunächst  ein  Parallelzitat  aus  jener  und  dieser.  Die  Stelle, 
die  ich  anführe,  ist  jener  Brief,  den  bei  Poree  Philostorgue, 
bei  Bohomolec  Synocki  bei  ibren  respektiven  Söhnen  ge- 
funden zu  haben  behaupten: 
P  o  r  e  e  Sz.   15 :  j    B  o  h  o  m  o  1  e  c   Sz.  12 : 

«Te    amo    übique     gratulor,  «WinsziiiQ  tobie,  Pafaucyuszn, 

Pamphile,  qiiod  paternae  auc-  !  zeS  oycowsldey  wladzy  iarzmo 
toritatis  jugxim  excusseris;  pa-  z  slebie  rzucil.  DziwTiiQ  siQ 
trem  tuum  admiror,  &  rideo,  }  twemu  oycu,  ze  sIq  toH  iuz  w 
qui  tibi  moderari  velit  id  aeta-  \  tym  wieku  b^d^cym  chce  rz^- 
tis,  quo  tui  juris  esse  debeas.  I  dzi6,  kiedy  iuz  mozesz  sam  so- 
l'.quidem  si  vigesimurn  attigis-  bio  dobrze  poradziö.  Ja  za- 
sem  annum,  meus  sciret  patcr,  '  pewiie,  gdybym  mial  lat  dwa- 
qnibus  terminis  paferna  defi-  ;  dzieScia,  nauczylbyra  oyca,  iakie 
riiatur  auctoritas.  Gratia  su-  ;  iogo  wladza  ma  granice.  Ale 
peris,  est  ille  bonus  vir  .  .  .,  &  j  dzi^ki  Bogu,  on  iest  czlek  do- 
hoc  uno  molestu.s,  quod  me  !  bry  .  .  .  w^tym  tylko  naprzy- 
blanditiis  oneret  ac  prope  ene-  '  krzony,  zo  rni?  swoiemi  piesz- 
cel  suis.  Ferendus  tarnen  est,  i  czotami  malo  nie  zamorduio, 
dnin  vel  me  illi  fortuna  vel  illurn  Trzeba  iednak  go  cierpieö,  pöki 
);j;hi  mors  auferat.  ProfecJurus.  j  albo  mnie  Fortuna  od  niego 
est  hodie  nescio  quo  .  .  .  Ejus  j  albo  iego  ode  mnie  ämierc  od- 
profectio  ronsiliis  favet  mei3.  Si   I   dali.    Ma  dziä  nie  wiem  dckj^d 


Bohomülec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.     7ö 

res  bene  processeiit,  scies.  Tu  wyiQtdzut  .  .  .  Odiaz/i  iego  lest 
cape  exemplum  de  me,  si  sapis,  '  mym  zamyslom  pozyletzny. 
et   vale.»  Je^li    si»;    uda,    dowicsz    si^    y 

nauczysz    od»;   nuiie,    iak    masz 
siQ  po3t«,'powa(i.» 

Auf  diese  Weise  übersetzt  Bohomolec  getreu  Wort  für 
Wort  der  lateinischen  Vorlage,  mit  Ausnahme  jener  Szenen, 
die  er  ganz  ausläßt. 

Wenn  der  «Pater  ....  excaecatus»  seinerzeit  bei 
seiner  Erstaufführung  als  «drama  comicum»  bezeichnet 
wurde,  war  die  Ursache  zu  dieser  wenig  adäquaten  Be- 
zeichnung ohne  Zweifel  die,  daß  die  handelnden  Personen 
nicht  Fürsten  und  Halbgötter  waren,  sondern  einfache 
Bürgersleute.  Denn  ein  wirklich  komisches  Elenoent  ver- 
missen wir  in  der  lateinischen  Komödie  des  Paters  Poree. 
Auch  Bohomolec  hat  augenscheinlich  das  komische  Ele- 
ment vermißt  und  darin  einen  Mangel  erkannt.  Die 
«nieiaka  odrniana»,  die  er  sich  erlaubt,  und  auf  die  er 
im  Argument  ausdrücklich  aufmerksam  macht,  besteht 
nun,  wie  gesagt^  wesentlich  darin,  daß  er  die  Komödie 
komischer  zu  machen  gesucht  hat.  Freilich  hat  er  kaum 
den  rechten  Weg  zur  Erzielung  einer  komischeren  Wirkung 
eingeschlagen.  P2r  machte  den  ehrlichen  und  rechtschaffenen 
Lehrer  der  Poreeschen  Komödie  zu  einem  Pedanten,  ohne 
zugleich  seinen  sympathischen  Charakter  irgendwie  zu 
verneinen.  Auf  diese  Weise  hinterläßt  sein  Lehrer  Mf^drski 
in  unserem  Bewußtsein  einen  zwitterhaften  Eindruck, 
indem  wir  zwischen  Spott  und  Anerkennung  schwanken. 
Als  Beispiel  sei  hier  Porees  und  Bohomolec'  Fassung  der- 
selben Szene  nebeneinander  gestellt. 
Poree  Sz.  7:  Bohomolec  Sz.  6: 

PATRICIUS,  NEOPHYLAX.  PATRYCY,  MEDRSKI. 

PAT:   Accede,  Neophylax,  accede      PAT:  Panie  M^drski. 

proprius  &  ausculta. 
NEO:  Ad  omiüa  nie  promptum       M^D:  Tak  iest.  Y  oyciec  möy  tak 
vides.  sIq   nazywal      A  z    boku 

kto  napisal:  cGonveniunt 
rebus  nomina  saepe 
suis». 


76 


Kapitel  1. 


FAT:  Liberos  a  quindecim  die- 
bus  tibi  nioderandos  tra- 
didi. 

NEO:  Non  est,  opinor,  quod  te 
fiicti  poeniteaty 

FAT:  He!  noiulum  quidem.  Ego 
te  uiiuni  elegi  e  multis. 
Hoc  non  ignoras. 

NEO:  Neque  ignoro,  neijue  sum 
immenior. 


FAT:  Causa  deligendi  fuit  quod 
te  prae  ceteris  candidum 
&  apertum  in  diclis  cre- 
didi. 

NEO:  Honorifice  de 
&  vere. 


FAT:  Neque      vero     adulatores 

fero. 
NEO:   Neque  vero  sunt  ferendi. 

FAT:  Neque  illos  parentes  inep- 
tos  <fc  stolidos  probo,  qui 
mira  de  liheris  audire 
amant,  quia  ipsi  mira 
pracdicant. 

NEO:  Neque  vero  sunt  probandi. 


FAT:  Loquere  igitur  aperte  & 
candide:  an  satisfaciunt 
liberi? 


NEO 
FAT: 


NEO; 


He,  he 

Age  die!  Ne  dubita!  Fhi- 
lotas  nonne  sedulus  in 
officiis  «fc  diligens? 
Imo  nulli  magistro  satis- 
facit.  Nihil  audit,  nihil 
attendit.  nihil  capit. 


FAT; 

MED 
FAT: 
M^D; 

FAT: 


me    sentis      M^D; 


FAT: 
M^D; 
FAT: 


M^D: 


FAT: 


M^D; 
FAT: 


Dobrze.  Wiesz,  ie  iuz  kilk? 

niedziei,  iakem  ci^  wziql  de 

mych   synöw   za   nauczy- 

cicla. 

Pj  awda.   Tak  y  Filip,  krö) 

Macedonski,  przyi^l  Arys 

tolelesa. 

Tak  iest.    Fami^tam,  Äem 

ciebie  miedzy  wielu  na  teu 

urzjjd  wybrah 
:  Nie   inaczey.     Fer  synec- 
dochen :  unum  ex  multis. 
Ta  figura  byla   in  deliciis 
Ciceronowi. 

Fosluchayze !  Dia  tegom 
ci(j  obrat,  bo  wiedziaJem. 
ze  iestes  czlek  szczery  y 
prawdQ  lubisz  möwiö. 
:  W  tym  ia  nasladui^  Epa- 
minond^,  ktöry  nigdy  na- 
wet  zartem  nie  klamah 
Wiesz,  ze  ia  y  podchlebst- 
wa  nie  lubi^. 

Y  ia  toz  samo.  Wtaönie 
iak  övv  waleczny  .  .  . 
Foczekay!  Nie  chwal^  ia 
y  tych  rodzicöw,  ktörzy 
tylko  pochwaly  sJuchaö 
swoich  dzieci  lubi^. 

Y  Demostenes  tego  nie 
lubiJ,  choc  byt  —  za  poz- 
woleniem  WM.  Pana  — 
rodem  z  Grecyi. 

Möwze  mi  teraz  —  iakef^ 

poczcivvy  y  m^dry  —  praw- 

d^:    iak  si^   moi  synowie 

sprawui^? 

Quorsum  haec? 

Möw  mi  szezerze:    wszak 

Benedys  pilny?  posluszny? 


M]5D:  Avertant  superi!  Ani  pil- 
ny ani  postuszny  ani  s\q 
chce  u('zy(5. 


Rohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.     77 


PAT:  Tanto  melius,  tanto  me- 
lius! Isla  levitas  signum 
habet  vividi  &  acris  in- 
genii.  Efe'o  sie  eiam,  cum 
id  essem  aetatis.  Eu^jeni- 
us  autem  ({uiJy 

NKO:  Eugenius  totum  se  tradit 
magistris  Sc  artibus.  Ille 
scribcndo  manuni  exercet, 
legendu  nienlem  excolit, 
/  historiaedat  operam,  geo- 
graphiao,  philosophiae, 
mathematicis  .  .  . 

i^AT:  Satis  esf,  satis  est!  Phi- 
lolas  noniie  vita  <fc  moribus 
suavis,  honestus,  integer? 

.VEO:  Imo  procax,  petulans,  frae- 
ni  impalicns,  anians  sui 
plus  aequo  &  male  me- 
luo  .  .  . 

HAT:  Ne  metue !  Delervescent 
paulatim  adolescentiae  cu- 
pidilates  &  velut  generosa 
vina,  cum  defervuerint, 
nütescent.  Eugenius  veroV 

NEO:  Eugenio  nihil  suavius  est 
in  agendo.  In  loquendo 
prudens,  urbanus,  vere- 
cundus  .  .  . 

PAT:  Hon  .  .  .  das  mihi  verba, 
Neophylax  ;  neque  de  Phi- 
lota,  neque  de  Eugenio 
Vera  loqueris. 

NEU:  De  utroque  vera  loquor. 
lllud  addam  de  Philota, 
ipsum  absenti  tibi  male 
aliquando  dicere,  &  reve- 
rentiam  patri  debilam  vio- 
lare  dictis  S:  jocis.  Frus- 
tra  moneo.  arguo  .  .  .  ridet 
me  .  .  . 

PAT  (risum  Neophilaclis  imitatur 
ridicule):  He  he  he.  Ri- 
det te. 


PAT  Tym  Icpiey,  lym  lepiey ! 
To  wszystko  lest  znakieui 
zywego  y  byslrego  dowri- 
pu.  Ja  tez,  kiedym  byl 
mlodszy,  loz  sanio  czyni- 
lein.     A  Woytek  coV 

MI^D:  Woytek  —  Iru-stra  dicere, 
darmo  möwid— ustawirznie 
si(j  uczy,  pisze,  czyta,  poy 
muie  .  .  . 


PAT:  Dosö  tego,  do^ö  tego !  A 
Benedys  wszak  pi^knyoh 
obyczaiöw,  grzeczny,  mily, 
ludzki? 

MEd:  Jako  zywo  —  przeciwnie 
wszystko !  Har.ly,  nieiudz- 
ki,  leniwy  iak  Sardanapal, 
uparty  iak  Nero,  Itjkani 
SJQ  .  .  . 

PAT:  Nie  l^kay  siq!  Ustann 
powoli  te  mlodosci  zap^dy. 
Wszak  y  piwo,  iak  si^ 
ustoi,  to  bywa  czystsze. 
W^oytek  zas  co? 

M^D:  Jak  piwo  \v7state  mily, 
roztropny,  nie  mai^cy  ani 
kwasu  uporu  ani  drozdzy 
wyst^pköw,  ani  .  .  . 

PAT:  Jako  zywo,  iako  zywo!  ani 
o  lym,  ani  o  tym  prawdy 
mi  nie  möwisz! 

MI^D:  Mentrri  non  est  meum. 
Jak  o  tym  tak  o  tym 
prawdy  möwi^.  To  tylko 
ieszcze  przydum  o  Bene- 
dysiu,  ze  on  w  oczy  iaie, 
kinie,  szydzi,  a  gdy  go 
*  upominani,  to  si^  ze  mnie 
smieie  ... 

PAT:  Cha  cha  cha.  Smieie  si^ 
z  ciebie! 


Kapitel  I. 


NEO:   Minatur  eliam,  &  rae  one- 

rat  conviciis. 
TAT:   Vellem    te    quoque   plagis 

onerasset,  »S:  parum  abest. 

NKO:    Heu!  quid  ilaV 

FAT:   Quia  maledictus  es,  calu- 

mniator,  sycophanta ! 

Isla   non   merui    nomina, 

neque  is  e?o  sum  qui  .  .  . 

Tu  scilicct  coram  me  filio 

maledicas  meo. 
NEO:   Vera  audire  voluisti,  vera 

audivisti. 


MED:  Y  owszem  mi  grozi:  mi- 
natur. 

FAT:  Cha  cha.  Grozi:  minatur. 
Bylbym  rad,  gdyby  ci^ 
ieszcze  obit. 

MED:  A  to  za  co?  pro  quo? 

FAT:  Ze^  plotka,  oszczerca! 


NEO: 


FAT: 


M^D; 


FAT:  Abi,  &  liberos  ad  me  mitte.      FAT; 


MIJD:  Na  M^drskiego    to  Wasz- 

mosc  Fan  möwisz? 
FAT:  Takie  rzeczy  przede  mn^ 
na  Benedysia  m6wi6?! 
Chciat  Waszmoöö  Fan 
prawdy  —  otöz  i^  powie- 
dzialern.  Quae  dixi,  dixi. 
IqM  sobie.  Niech  BenedyÄ 
do  mnie  przyidzie. 
Der  Typuf'  der  Por6eschen  Schulkomödien  ist  zugleich 
der  Typus  der  jesuitischen  Komödie  des  18.  Jahrhunderts 
überhaupt.  Ich  glaube,  daß  diese  Identifikation  durch  ein 
näheres  Studium  der  französischen  Jesuitenkoraödien,  soweit 
diese  noch  erhalten  sind,  würde  bestätigt  werden  können. 
Die  charakteristische  Eigenschaft  der  Poreeschen 
Komödien  bestand  nicht  so  sehr  in  den  äußeren  Mitteln 
der  Komik,  die  von  Poree  sehr  vernachlässigt  worden 
Find.  Sie  bestand  auch  nicht  im  Streben  nach  einer  wirklich 
künstlerischen  Charakteristik,  obschon  darauf  von  Poree 
zweifellos  einige  Sorgfalt  verwendet  worden  ist,  sondern 
der  Hauptzug,  der  seiner  Komödie  ihren  eigentlichsten 
Charakter  gab,  war  seine  moralisierende  Tendenz,  der  die 
Charakteristik  nur  als  Ancilla  untergeordnet  war.  Diese  Ten- 
denzgeht dahin,  die  zwei  Generationen,  an  die  sich  die  Komö- 
die der  Schule  wendet,  die  der  jungen  Menschen  und  die  ihrer 
Eltern,  unmittelbar  zu  belehren,  und  gerade  nach  diesen  ver- 
schiedenen Objekten  der  Belehrung  müssen  meiner  Meinung 
nach  Porees  Komödien  vor  allen  Dingen  gruppiert  werden. 
Die  eine  Klasse  der  Komödien  hat  somit  die  Aufgabe, 
sich  mit  den  typischen  Fehlern  und  Lastern  junger 
Leute  zu  befassen:  der  Held  dieser  Komödien  ist  immer 
ein  <juvenis>  oder  ein   «adulescens»,  sie  sind  immer  «per 


Bohomolcc  in  seinem  Veihältuis  z.  DrAinalik  «1.  .Icsuilenordi-ns.     1\) 

aetatem  juris  sui  facti»  oder  jccJcnfaÜH  «noiulum  e  tutoriH 
potc8tate  egrcKsi>  und,  statt  sicli  mit  Fleiß  dem  Studium 
hinzugeben  («honis  nrtibuK  operam  dare>),  verfallen  sie 
entweder  dem  Spiele  (*aleae»)  oder  dem  Müßiggange 
(«otium»)oder  schließlich  einem  unsittlichen  Lebenswandel 
(«vita  liberior»,  «voluptas»).  Gewöhnlich  sind  oh  Bchlechto 
Freunde,  von  denen  sie  dazu  verführt  wcrd(Mi,  mnnehnial 
verführen  sie  selbst  ihre  1^'reunde  zum  schlechten  Leben, 
kommen  aber  scliließlicli  zur  Einsicht  und  werden  ent- 
weder von  ihren  Sünden  freigesprochen  oder  ai)er  streng 
bestraft,  wobei  dadurch  —  wie  eines  von  den  Poreeschen 
(obligatorischen)  «Argumenten»  ausdrücklicli  l)emerkt  — 
*adolescentibus  statuitur  exemplum:.  bezeichnend  für 
Poree  ist  der  Umstand,  daß  der  mißratene  Jüngling  regel- 
mäßig als  ursprünglich  gut  und  gesittet  betrachtet  wird : 
der  Spieler  Paezophilus  war  früher  «amarl  dignus,  ingenio, 
natura,  indole,  pudore,  comitate,  suavitate»  (I,  3),  der 
liederliche  Knabe  Philedonus  ist  «olim  pius,  temperans, 
castus  1?  (Sz.  2)  gewesen,  und  dasselbe  wird  vom  Müßig- 
gänger Mieoponus  gesagt.  In  allen  diesen  Punkten  ähnelt 
Bohomolec  ihm  ungemein. 

Die  andere  Kategorie,  in  der  wir  die  zwei  Komödien 
«Pater  ....  excaecatus»  und  «Liberi  ....  coacti» 
zusammenfassen  können,  ist  dadurch  charakterisiert,  daß 
die  hierher  gehörigen  Komödien  gegen  Fehler  und  Sünden 
der  Eltern  ihren  Kindern  gegenüber  gerichtet  sind.  Das 
war  eine  gewagtere  Aufgabe,  denn  man  konnte  der  Schule 
den  Vorwurf  machen,  daß  sie  die  Söhne  dadurch  zur 
Kritik  der  väterlichen  Autorität  erziehe,  die  Kinder  zu  Rich- 
tern ihrer  Eltern  mache.  Natürlich  war  das  Ziel  dieser 
Komödien  gerade  umgekehrt  das,  die  wahre  Autorität 
gegen  allen  Mißbrauch  zu  schützen  und  auf  diese  Weise 
zu  stärken.*^'*  Dennoch  lag  es  nahe,  von  Seiten  der  Väter 
eine  Opposition  zu  befürchten,  und  Poree  kam  ihr  kluger- 

83a  Vgl.  die  Schlußreplik  des  Patr^xy  im  xOyciec  nie- 
roztropny;; :  ^Cczcie  siQ  Rodzice  z  mcgo  nioszcz^äcia,  iak  raacie 
dzieci  waszych  ani  zbytecznie  kocha<^,   ani  zbytecznic  strofowa<5 !» 


80  Ka,  itcl  I. 

weise  zuvor:  er  fragt  sich  in  einem  Prologe,  der,  wie  alle 
seine  Prologe,  französisch  verfaßt  ist,  folgendermaßen : 

Mai    quoi?    Nous  siod-t-il   bien  de  peindre 

oeux  qui  doivent  regier  nos  moeurs? 

Aber  er  läßt  seinen  Prologdeklamator  sich  sofort  selbst 
antworten : 

Ils   n'auront  pas  liou   de  s©  plaindre, 

nous  serons   nos  propres  oenseursl 

Da?  geschieht  nun  im  «Pater  excaecatus»,  zu  dem  jener 
Prolog  gehört,  auf  die  Weise,  daß  ein  ungeratener  Sohn 
neben  dem  ungc^rechten  Vater  auftritt,  wodurch  sich  die 
moralische  Indignation  vornehmlich  gegen  den  ersteren 
wendet,  wä])rend  der  kritisierte  Vater  zum  Schluß  rehabi- 
litiert wird.  In  der  anderen  Komödie  wird  dem  un- 
gerechten Vater  eine  Tartuff egestalt  an  die  Seite  gestellt, 
die  jenen  natürlich  ganz  entlastet. 

Genau  dieselbe  Klassifikation  läßt  sich  auch  bei 
Bohomolec  durchführen,  genau  dieselbe  Einteilung  glaube 
ich  aucli  bei  den  jesuitischen  Koraödiendichtern  Frank- 
reichn  im   18.  Jahrhundert  konstatieren  zu  dürfen. 

Die  Komödien,  die  bei  Bohomolec  gegen  die  «patrea», 
d.  b.  eher  Onkel  als  Väter,  gerichtet  sind,  pflegen  gleich 
im  «Argument»  die  Notiz  zu  enthalten,  daß  der  Held 
ein  «starzec  bogaty>  oder  ein  «pan  bogaty»  sei,  der  dann 
im  weiteren  Verlaufe  gewöhnlich  als  «stryi»  näher  be- 
zeichnet erncheint.  Es  läßt  sich  nicht  bezweifeln,  daß 
Bohomolec  oft  Vorlagen,  in  denen  der  Alte  eben  als  Alter 
verhöhnt  und  vorspottet  wird,  bewußt  so  umarbeitet,  daß 
der  komische  Held  nicht  wegen  seines  Alters  genasführt 
wir<l,  sondern  weil  er  sich  einer  Ungerechtigkeit  schuldig 
macht,  und  weil  eben  die  Ungert  chtigkeit  älterer  Leute 
den  jungen  gegenüber  bestraft  werden  muß.  Eine  typische 
«Pater  »Komödie  (richtiger  eine  «OiikeU-Komödie)  ist  bei 
Bohomolec  der  «Dziwak»,  dessen  Held,  ein  «starzec»,  statt 
seines  Neffen,  der  sich  keineswegs  irgendwie  versündigt 
hat,  einen  \\ildfrenjden  Menschen  zu  seinem  Erben  machen 
möchte,    bis    ihm    gewisse    (konstruierte)    Umstände    den 


Bohoiuolec  iii  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens.     81 

wahren  Wert  des  verkannten  Neffen  offenbaren.  Dieselbe 
Irlee  liegt  dem  «Dziedzic  chytry»  zugrunde,  sowie  zum 
Teil  auch  den  «XatrQtnicy»,  denn  auch  liier  werden  Onkel 
darüber  belehrt,  daß  nie  ihre  hoffnungsvollen  Neffen  nicht 
grundlo.M  ungerecht  behandeln,  ihnen  nicht  grundlo.s  miß- 
trauen dürfen:  denn  Hartnäckigkeit  und  Unbeug.samkeil, 
vor  allen  Dingen  Eigensinn  den  WünRchen  der  Jugend 
gegenüber  führen  nie  zu  einem  guten  Ziele.  Man  könnte 
diese  Komödien  als  «Ecoles  des  oncles>  bezeichnen,  wie 
der  Titel  einer  der  Komödien  lautet,  die  Pater  Fran9oi-:- 
Joseph-Terrasse  Desbillons  (1711  — 1789)  zum  Verfasser 
habfn,  einen  der  letzten  Komödiendichter  des  College 
de  Louis  le  Grand. '^*  Außerdem  schrieb  er  eine  lateinische 
Prosakomödie  cSchola  8enum>,  die  er  selbst  ins  Fran- 
zösische übersetzte  unter  dem  Titel  >L*Ecole  des  peres» 
und  wahrscheinlich  wie  auch  den  «Homme  du  temps 
passe»  im  Pariser  College  aufführte. ^^  Auch  du  Cerceau 
hat  eine  «Iilcole  des  peres»  verfaßt,  wie  wir  oben  sahen,  und 
die  Frage,  ob  nicht  der  «Paryza;nin  polski»  teilweise  dieser 
Koraiklie  einige  Motive  verdankt  (ohne  deswegen  eine 
«Pater  »-Komödie  zu  sein),  wird  uns  noch  später  beschäftigen 
dürfen.®*^  Eine  Väterschule  kann  auch  der  «Figlacki  ka waler 
z  ksiezyca»  genannt  werden,  wo  der  Vater  zur  Einsicht  ge- 
langt, daß  ein  volles  gegenseitiges  Vertrauen  zwischen  P]ltern 
und  Kindern  die  beste  Garantie  gegen  die  Intrigen  von  schur- 
kischen Tartuffenaturen  ist ;  übrigens  eine  Komödie,  die 
wahrscheinlich  nicht  ohne  wirksamen  Einfluß  seitens  der 
Poreeschen  «Liberi  coacti>  entstanden  ist.^^  Schließlich 
kann  zu  den  «Väter»-Komödien  auch  noch  die  «Radn 
skut^'czna>  gerechnet  werden,  ol)gleich  der  Held  hier 
weder  Vater  noch  Onkel  ist:  denn  der  Hauptheld  ist 
immerhin    ein    «starzec    bogaty»,    und    die   Komödie    ist 

s*  Vgl.  Sommervogel,  Bd.   11,  S.  1952  ff.  —  La  grande 
Encyclopedie.    T.  XIV  (Paris,   s.  a.),   S.  211. 
^^  S  o  m  m  e  r  V  o  g  e  1 ,  a.  a.  0. 
^6  Vgl.  S.  276  dieser  Abhandlung. 
s^  Vgl.  S.  250  dieser  Abhandlung. 
Stonder-Fetersen,  Die  Schnlkon'.ödien.  6 


88  Kapitel  I. 

Homit  jedenfalls  für  die  ältere  Generation  bestimmt,  der 
darin  vorgelialten  wird,  wie  unvernünftig  es  ist,  nicht 
auf  den  Rat  besonnener  Menschen,  sondern  auf  den  Rat 
von  Scliarlatanen  zu  hören  und  unbedingt  den  eigenen 
Willen  durchsetzen  zu  wollen. 

Bedeutend  zahlreicher  sind  sowohl  in  Bohomolec^ 
Repertoire  als  auch  in  dem  der  französischen  Jesuiten  die 
«Juvenis» -Komödien.  Mit  Bezug  auf  Bohomolec  können 
wir  auch  von  «mlodzian»-Komödien  sprechen,  wird 
doch  immer  schon  im  «Argument»  ein  <mlodzian»  dieser 
oder  jener  Art  als  der  Held  bezeichnet.  Jeder  Bohomo- 
lecsche  «mlodzian»  besitzt  nun,  genau  wde  die  Poreeschen 
«juvenes»,  einen  Charakterfehler  oder  eine  sonstige  Schwäche, 
von  der  er  (und  mittelbar  der  jugendliche  Zuschauer  und 
Schauspieler)  durch  die  Komödie  befreit  werden  soll.  Ge- 
wöhnlich wird  dieser  Fehler  oder  diese  Schwäche  schon  im 
Titel  der  Komödie  angedeutet.  Die  «Nieroztropnosc  swym 
zamyslom  szkodzj^ca»  hat  den  «unbesonnenen»  «mlodzian» 
L«^liusz  zum  Helden,  wie  auch  Desbillons  seine  Komödie 
<L'Emporte»  gegen  eine  ähnliche,  für  die  Jugend  charak- 
teristische Schwäche  geschrieben  zu  haben  scheint,^^  wie 
vielleicht  auch  noch  die  1762  zu  Arras  aufgeführte  Ko- 
mödie «L'Impatient»  einen  solchen  Charakter  behandelt. ^^ 
Im  cürazai^cy  siQ  nieslusznie  o  przymöwki»  ist  der  Held 
wiederum  ein  «mlodzian»,  der  den  Fehler  hat,  überall 
Kränkungen  seiner  Würde  zu  wuttern,  einen  Fehler,  der 
vielleicht  dem  «Suspiciosus»,  der  1705  zu  Nancy  gespielt 
wurde,^^  dem  «Hypoptophilus  sive  Suspicax»  (1716)  des 
Paters  Nicolas  -  Louis  Ingoult  (1689— 1753),^^  dem 
1757  im  Jesuitenkolleg  zu  Avignon  aufgeführten  «Soup- 
ronneux»^^  zugrunde  lag.  Auch  im  <Pan  do  czasu»  ist 
der  Held  ein  junger  Mensch:  ihm  hat  das  große  Los  den 


88  Sommervogel,    Bd.    II,   S.  1952. 

89  Dcrs.,   Bd.  I,  S.  57.5. 

90  Ders.,   Bd.  V,    S.   1563. 
9i  Ders.,    Bd.  IV,    S.  614  f. 
92  Ders.,   Bd.  I,   S.  697. 


Hohomolec  in  seinem  Verhältnis  z.  Dramatik  il.  Jesuitenonlcns.     ^3 

Kopf  verwirrt,  wie  es  wohl  auf  gleiche  Weise  jenem  H<1- 
(Jeii  einer  im  Kolleg  zu  Bourges  l7o3  go.-piolten  Komutlie 
mit  dem  Titel  >L'Honime  yvre  de  .sa  fortune»  ergangen 
sein  mag^^  oder  dem  Helden  der  1748  im  Pariser  Collego 
aufgeführten  Komödie  tHomo  repentinus  fortunae  filius», 
die  Pater  Marchand  7Aim  Verfasser  hat.^*  Der  Pralil- 
hans  au;-;  dem  «Chrlpliwiec,  der  sich  einen  hochadligen 
Namen  gibt,  ohgleich  er  nur  ein  einfacher  Kaufmanns- 
sohn ist,  hat  wahrscheinlich  geistige  Ahnen  im  «Nohilitatis 
aemulator»,  der  1732  zu  Dijon  über  die  Bretter  der 
Jesuitenbühnc  ging,^^  oder  im  «Glorieux»,  den  Pater 
(Jervairi  Genin  1751  verfaßt  hat.^^  Ebenso  darf  der  «Pary- 
zanin  polski»  gedankUch  trotz  anderen  Ursprungs  und 
spezifisch  polnischen  Charakters  mit  jenem  «Marquis  Clin- 
cantin  ou  le  Partisan  des  modes>,  von  dem  uns  ein  Schul- 
programm vom  Jahre  1754  aus  Avignon  berichtet,^^  zu- 
sammengestellt werden,  und  der  «Statysta  mniemanyi, 
der,  wie  ich  noch  zeigen  werde,  eine  Umarbeitung  einer 
französischen  Komödie  ist,  ist  sicher  eine  Komödie  der- 
selben Gattung  -vN-ie  der  1745  im  College  de  Louis  le  Grand 
gespielte  «Juvenis  süperbe  fastidiosus»,^^  den  man  Pater 
Geoffroy  oder  Pater  du  Baudory  zuschreiben  muß, 
oder  wie  der  1755  im  Kolleg  zu  Aix  gespielte  «Baron 
de  Forfantiere  ou  l'Art  de  se  faire  valoir»  des  Paters 
Dusserre.'-^^  Der  «Duelliste»,  der  1733  mit  dem  latei- 
nischen Titel  «Machaerophilus  sive  Juvenis  pugnax»  im 
Pariser  Kolleg  gespielt  wurde  und  den  Pater  de  la  Sante 
zum  Verfasser  hat,^^°  ist  der  Idee  nach,  soweit  uns  der 
Titel    zu    schließen    erlaubt,    mit    dem    Bohomolecschen 


"  Sommervogel,  Bd.  VIII,  S.  1893. 

9*  Ders.,  Bd.  V,  S.  522. 

95  Ders.,   Bd.   IX,  S.  218. 

96  Ders.,  Bd.   III,  S.  1315. 

97  Ders.,  Bd.   I,  S.  696. 

98  Ders.,   Bd.  VI,   S.  267. 

99  Ders.,  Bd.  YIII,  S.  1584  u.  IX,  S.  270. 
100  Ders.,  Bd.  VI,  S.  259. 

6* 


8-i  Kapitel  I. 

«Junak»  nicht  unverwandt,  und  was  die  beiden  «Ver- 
schwender »-Komödien  unseres  pohlischen  Schulkomödien- 
dichtera,  nämhch  den  «Ubogi  pokorny»  und  den  «Ubogi 
hardy»,  anbetrifft,  so  entsprechen  ihnen  bei  den  franzö- 
sischen Jesuiten  zahb'eiche  Komödien  ähnlichen  Inhalts 
oder  ähnlicher  Tendenz:  so  der  1729  in  Fleche  ge- 
spielte «Dissipateur»^^^,  so  die  gleichnamige  Komödie 
des  Paters  Rivet,  die  1746  im  Pariser  Kolleg  aufgeführt 
wurde, ^^^  so  der  cDecoctor»  und  der  «Paezophilus»  Porees, 
so  endlich  der  1755  zu  Dijon  aufgeführte  «Joueur».^^^ 
Bohomolec  befand  sich  auch  in  Übereinstimmung  mit 
seinen  westlichen  Kollegen,  als  er  mit  seinen  «Przyiaciele 
stoiowi»  die  jungen  Scholaren  vor  falscher  und  vor  über- 
triebener Freundschaft  warnte,  denn  auch  dieses  Thema 
sehen  wir  oft  von  den  französischen  Jesuiten  dramatisch 
behandelt:  ich  nenne  bloß  jene  «Amicorum  schola»,  von 
deren  Aufführung  uns  ein  Schulprogramm  aus  Amiens 
vom  Jahre  1728  berichtet, ^^*  und  die  Komödie  «Omnibus 
amicus  nulli  amicus»,  die  1732  zu  Bourges  gespielt 
wurde. ^^^  Schließlich  ist  auch  der  «Mysliwy»  eine  aus- 
geprägte «juvenis  »-Komödie,  zu  der  ich  bei  den  franzö- 
sischen Zeitgenossen  freilich  kein  eigentliches  Analogon 
gefunden  habe:  zur  Not  kann  man  aber  an  jenen  «Chas- 
seur  guerrier»  erinnern,  der  schon  1689  zu  Amiens  auf- 
geführt wurde. ^*^^  Die  Bekämpfung  der  Misanthropie  aber, 
d.  h.  eines  sündigen  Menschenhasses,  der  nicht  von  heiligen 
Motiven,  sondern  von  Selbstsucht  diktiert  wird,  ist  eine 
«-minent  jesuitische  Bestrebung:  ich  erinnere  bloß  an 
Desbillons  «Misantrope»^®^  und  an  Geoffroys  gleich- 
namige Komödie;^^^    von    der  letzteren  erfahren  wir,   daß 

101  Sommervogel,  Bd.   III,   S.  779. 

102  Ders.,  Bd.  VI,  S.  267  und   1881. 

103  Dcrs.,  Bd.   III,  S.  63. 

104  Ders.,    Bd.    VIII,   S.   1627. 
10-^  TJers.,  Bd.  VIII,  S.   1893. 

106  T)ers.,    Bd.    I,   S.  284. 

107  Ders.,  Bd.   II,  S.   1952. 
^08  rx-rs.,    Bd.    III,    S.  1334. 


Bohomolec  Jii  seinem  Verhällniö  z.  Diamalik  d.  JcsuilcnDiilcn:-.     S5 

(las   Thema   ganz    anders    aufj^ofaßt    ist,   als    bei  MoliOre, 
denn  der  MenschenhasFer    der  Jcj-uiten    ist   «un  e.-<prit  de 
travers  qui  juge    de  tont  ä  Tavanlure,    qni  ne  connoit  ni 
defaiit  dans  hii,  ni  m^rite  dans  les  autres,  poiir  (jui  tous 
les    hommes    sont  ridicules   et   qui  Test   encore   i)lus>.*^* 
Kein  Wunder,  daß  der  Misanthrop  bei  Bohomolec  Harle- 
kint>kleider    hat    anlegen    müssen    und    in    der    Komödie 
«Arlekin    na   f^wiat    urazony»    verspottet    wird!     Und    if-t 
nicht   auch    die   eigenste  Gestalt   unsres  Paters,    der    Fig- 
lacki,  dieser  «Politikus  von  der  neuesten  Mode»,  aus  der- 
selben,   gegen  die  Auswüchse  des   modernen  Geistes   ein- 
genommenen jesuitisclien  Anschauungsform  erwachsen  wie 
z.  B.  du  CerceauR  schon  genannter  «Philosojjhe  j'i  la  mcde»? 
Wie  dem  auch  sei  —  und  ich   behaupte  keineswegs, 
daß    die   von    mir    mehr   oder  weniger  zufällig   gewählten 
Parallelen  immer  treffend  sind  —  wir  sehen  jedenfalls  zur 
Genüge,  daß  der  Typus  der  Bohomolecschen  Schulkomö- 
die —  sei  es,  daß  sie  zur  Belehrung  der  älteren  (Jeneralion, 
die  über  die  Jugend  zu  gebieten  hat,  dienen  soll,  sei  es, 
daß  sie  gegen  die  Schwächen  und  typischen  Sünden  der 
jüngeren  Generation,  die  der  Obhut  der  Schule  anvertraut 
ist,  gerichtet  wird   — ,  duß    dieser  Typus   seiner  Tendenz 
nach,  mit  dem  der  französisch-jesuitischen  modernisierten 
Schulkomödie   wesentlich    identisch  ist.     Hin  und  wieder 
erweitert  sich  zwar  Pater  Bohomolec'  Horizont,  und  statt 
engherzig  moralisierender  Komödien,    die  sich  speziell  an 
die  Väter  und  Kinder  wenden,  entstehen  dann  unter  s(  iner 
Feder  Komödien  mit  bedeutsamem  Fernblick,  Komödien, 
die  sich  an  die  breiten  Schichten  der  (lesellschaft  wenden 
und  Probleme  von  wenig  schulpädagogischer  Art  berühren; 
dann  kann  Bohomolec  gewisse  soziale  und  kulturelle  Miß- 
stände zum  Gegenstand  seines  Sp(jttes  machen,  z.  B.  falsche 
Auffassung    des    Begriffes   «Bildung»    bei   jungen    Leuten 


1^9  Lettre  ä  1  auteur  du  Mercure.  sur  im  spec'acie,  donn^'  au 
College  de  Louis  le  Graiid>,  ^Mercare  de  France/),  ilai  1753  (Paris 
MÜCCLIII),  S.  170. 


8«  Kapitel  I. 

(vi^'l.  die  «Medrkowie»  und  « Kawalerowie  modni»).  Zu- 
weilen ist  dieser  Zug  auch  in  Komödien  sehr  ausgeprägt, 
die  wir  oben  als  «Pater»-  oder  «Juvenis» -Komödien  bezeich- 
net haben,  die  also  sonst  zu  den  eng-pädagogischen  Schul- 
komödien gerechnet  werden  müssen,  und  dieser  Zug  kann 
in  solchen  Fällen  die  primäre  Absicht,  als  moralische 
Lehre  zu  dienen,  stark  verdunkeln:  diesen  sozial-kulturel- 
len Zug  finden  wir  z.  B.  in  Komödien  wie  der  «Paryzanin 
polski»,  dessen  Tendenz  stark  kultursatirisch  ist,  in  den 
«Natretnicy»,  wo  uns  die  verschiedensten  Gesellschafts- 
typen vorgeführt  werden,  z.  T.  Typen  von  rein  polniscliem 
Charakter,  in  den  beiden  Komödien  mit  dem  gemein- 
samen Titel  «Figlacki  polityk  teraznieyszey  mody»,  deren 
Titelheld  eine  von  Bohomolec  unzweifelhaft  a,uf  pol- 
nischer Grundlage,  wenn  auch  nicht  ohne  unpolnische 
Nebeneinflüsse  gebildete  Gestalt  ist  u.  s.  w\  Schließlich 
kann  Bohomolec  auch  Komödien  in  sein  Repertorium 
aufnehmen,  die  ganz  tendenzlos  sind:  eine  solche  tendenz- 
lose Komödie  ist  vor  allen  Dingen  jene  unjesuitische, 
die  den  Titel  hat  «Bhzni^ta».  Aber  diese  Ausnahmen 
oder  Abweichungen  können  nicht  den  Eindruck  ändern, 
den  das  Studium  der  «Schulkomödien»  hinterläßt,  näm- 
lich, daß  der  ganze  Geist  der  von  Bohomolec  verfaßten 
Schulkomödien  in  nichts  vom  Geiste  der  gleichzeitigen 
Jesuitenkomödie  in  Frankreich  absticht. 

Meine  weiteren  Untersuchungen  über  das  Verhältnis 
Bohomolec'  zu  seinen  Quellen,  über  seine  Charakterisie- 
rungsmethode, über  die  Art  seiner  Tendenz  und  über  die 
Grundsätze,  von  denen  seine  Kritik  ausging,  werden  im 
Einzelnen  das  Resultat  dartun,  zu  dem  mich  der  flüchtige 
Vergleich  seiner  Themenwahl  mit  derjenigen  der  französi- 
schen Jesuiten  geführt  hat:  daß  nämlich  Bohomolec  mit 
seinen  Schulkomödien  dem  Beispiel  seines  eigenen  Ordens 
gefolgt  ist,  daß  seine  Schulkomödien  nach  dem  Rezepte 
der  modernisierten  französisch- jesuitischen  Dramatik  ver- 
fertigt sind,  daß  seine  Schulkomödien  par  excellence 
Jsouitenkomödien  gewesen  sind.     Bohomolec'   Schulkomö- 


Hohomoloc  in  seinem  Yerhillliiis  z.  Dramatik  d.  Jesuitenordens,     bl 

dien  sind  ein  Irtzter  frischer  Sj)rüßHng  dt^r  internationalon 
Jesuitondramatii^,  die  in  Deutschland  eines  hmi^.samf  n 
Todes  geBtorben  war,  die  in  Frankreich  ihre  Blütezeit 
hinter  sich  hatte,  die  nun  in  Polen  kurz  vor  der  Auf- 
hebung des  Ordens  noch  aufblühte  und  gerade  dadurch 
einer  wirklich  nationalen  Dramatik,  einer  wirklich  natio- 
nalen Komödie  den  Boden  bereitete.  Darin  liegt  auch 
zunächst  Bohomolec'  größtes  Verdienst. 


Kapitel  II. 

Bohomolec'  Verhältnis  zur  lateinischen, 
vorzüglich  Plautinischen  Komödie. 

In  höherem  Grade,  als  es  sonst  mit  den  Komödien 
anderer  Dichter  zu  sein  pflegt,  ist  das  Problem  der 
Bohomolecschen  Komödien  ein  Quellenproblem.  Zeichnen 
sich  Quellenuntersuchungen  im  allgemeinen  durch  einen 
negativen  Charakter  aus,  indem  sie  uns  die  Grenzen 
dichterischer  Invention  aufdecken,  uns  die  Abhängigkeit 
der  Meister  von  iiiren  Vorgängern  und  Vorbildern  dartun, 
nur  weniges  über  über  den  Prozeß  ihres  Schaffens  er- 
zählen, so  offenbart  sich  dennoch  bei  Bohomolec,  bei  der 
Untersuchung  der  Quellen  seiner  «Schulkomödien»,  die 
Tatsache,  daß  sein  dichterisches  Schaffen  wesentlich  aus 
seinem  Verhältnis  zu  diesen  Quellen  erkannt  werden  muß. 
Denn  sein  Verhältnis  zu  ihnen  ist  ein  anderes  als  das 
Verhältnis  eines  Plautus  oder  Moliere  zu  den  ihrigen, 
es  ist  nicht  das  Verhältnis  eines  Meisters  zu  seinem  Stoffe, 
den  er  zur  Vollkommenheit  erhebt,  sondern  das  Verhalten 
eines  Handwerkers,  der  den  vollkommenen  Stoff  umformt, 
entformt,  um  ihn  den  Zielen  und  Zwecken  eben  seines 
Handwerkes  anzupassen.  Ihm  gilt  der  Stoff"  nicht  als 
eine  Summe  künstlerischer  Möglichkeiten,  die  er  zu  Er- 
zeugnissen höchster  Kunst  erheben  will,  sondern  als  etwas 
zufällig  Gegebenes,  das  benutzt  werden  kann,  um  Sätze  zu 
beweisen,  die  dem  Stoffe  nicht  eigen  sind,  die  vom  Stoffe 
unabhängig  sind.  Als  echter  Jesuitenprofessor  sah  er  im 
komischen  Stoffe,  den  er  bei  seinen  Vorbildern  fand,  ein 
Mittel  zur  Veranschaulichung  seiner  unkünstlerischen  Ten- 


Bolioraolec'  Verhriltni.s  z.  lat.,  vorzügl.  Piaulinischen  KomöJie,      89 

il'.nzen.  Aus  dem  Studium  s^cines  Verhältnisses  7A\  seinem 
Stoffe  wird  sich  uns  sein  Charakter  als  jesuitiFcher  Dra- 
matiker mit  einer  Evidenz  ergeben,  die  d:LS  Ilesidtat 
unserer  [Jntersu(;hungen  über  sein  direktes  Verhältnis  zur 
"ranzösi-chen  Jesuitendramatik  nur  befestigen  imd  er- 
_änzen  wird. 

ßohomulec  hat  sehr  wohl  gewußt,  daß  seine  Abhängig- 
keit von  fremden  Meistern  nicht  unentdeckt  bleiben 
konnte,  daß  speziell  seine  Art  der  Verarbeitung  fremder 
^^tofTe  Kritik  begegnen  mußte.  Er  sucht  sich  in  seinem 
N'orworte  gegen  alle  \'orwürfe  zu  wahren,  aber  seine  Ver- 
teidigung läßt  vieles  zu  wünschen  übrig,  glaubt  er  doch, 
-ich  hinter  der  Autorität  Terenz'  und  Mol ieres,  verstecken 
zu  können: 

Takowy  sposöb  przcrabiania  cudzych  komodyi,  ie^li  si(* 
komu  iiio  jKxloba,  teil  musi  pierwey  wielu  innycli  z{;an.ic 
poetöw,  teyze  wolnosci  co  y  ia  zazyv\'ai.'\cych.  Ktorycli  zo  iest 
wielka  liczba,  dwoch  tylko  nayprze<liiieyszych  wspomnQ,  toiest: 
Tercchcyusza  (sie !)  y  M  ii  1  i  e  r  a  (sie !).  Pierw.szy  z  M  e  - 
riandra,  greckiego  poety,  drugi  z  hiszpaiiskich,  wloskieh  y 
angiciskieh  komedyi   swoie  ulozyl   .  .  . 

Abgesehen  von  den  faktischen  Fehlern,  die  dieser  Passus 
enthält,  ist  das  Verhältnis,  in  dem  Bohomolec  zu  seinen 
Mustern  steht,  wie  schon  oben  bemerkt,  ein  ganz  anderes 
als  jenes,  in  dem  Terenz  oder  Plautus  oder  Moliere  zu 
den  ihrigen  stehen.  Aber  das  hat  Bohomolec  selbst 
mit  geheuchelter  oder  wirklicher  Naivität  nicht  ein- 
irestehen  wollen. 

AVas  nun  Terenz  angeht,  so  scheint  er  trotz  jener 
Zitierung  seines  Namens  fast  gar  nichts  für  Bohomolec 
bedeutet  zu  haben.  Das  ist  um  so  überraschender,  al& 
bekanntlich  gerade  Terenz  von  der  katholischen  Schule,, 
später  von  der  der  Jesuiten,  wegen  seiner  «castitas»  ge- 
rühmt und  dem  Plautus  anscheinend  bei  weitem  vor- 
gezogen   worden    ist.^       Davon    zeugen    die     «christiani- 


^Karl   von   Reinliardstoettner,   Plautus.     Spätere 
Eaarbeitungen   .  .  .    (Leipzig   1886),   S.  23,   26  u.  f. 


1>0 


Kapitel  II. 


vierten»  Ausgaben  des  Terenz,  davon  zeugt  die  unzählige- 
mal  aufs  neue  herausgegebene,  vom  Jesuiten  Juventius 
b-^sorgte  Ausgabe  des  « ex  purgierten  >  Terenz  (Rothomagi 
1686).  Bohoniolec  verdankt  trotzdem  keine  seiner  Komö- 
dien einem  terenzischen  Motiv,  bat  keine  Szene  bei  Terenz 
geliehen,  und  wenn  wir  von  dem  in  der  «Nieroztropnosc 
pwym  zamyslom  szkodzqca»  unerwartet  mit  dem  Namen 
Chremes  auftretenden  Boten  (oder  «przyiaciel»)  absehen, 
welcher  Name  bekanntlich  oft  bei  Terenz  vorkommt  (in 
der  «Andria».  im  «Eunuchus»,  im  «Phormio»,  im  «Heau- 
lontimorumenus»),  so  gibt  es  bei  Bohomolec  auch  keine 
Terenz  direkt  entlehnten  Personen.  Es  ist  aber  nicht 
unmöglich,  daß  die  Gestalt  des  <Figlacki»  gedanklich  von 
Terenz'  «Euimchus» -Figur,  dem  Parasiten  Gnatho  beein- 
flußt ist.  Da  wir  es  aber  hier  nicht  mit  indirekten  Ein- 
flüssen, sondern  mit  wirklichen  Entlehnungen  zu  tun 
liaben  wollen,  und  die  Gestalt  des  Figlacki  eine  eingehende 
Untersuchung  fordert  (vgl.  S.  330),  können  wir  die  eben 
berührte  Frage  vorläufig  unentschieden  lassen. 

Plautus  aber,  den  Bohomolec  in  seinem  Vorworte 
mit  Stillschweigen  übergeht,  liat  große  und  direkte  Be- 
deutung für  die  Entstehung  der  Bohomolecschen  Komödien 
gehabt,  und  gerade  diese  Verschiedenheit  in  der  Be- 
handlung des  «eleganten»  Terenz,  den  Bohomolec  trotz 
der  Empfehlungen  aller  Autoritäten  beiseite  läßt,  und  des 
grol)körnigen  Plautus,  den  er  nichtsdestoweniger  zu  seinem 
Vorbilde  wählt,  könnte  für  den  guten,  unbeirrbaren^  Ge- 
schmack unseres  Paters  sprechen  —  wenn  hier  wirklich 
bewußte  Wahl  vorläge. 

2  Plautus  "erfreute  sich  besonders  in  Polen  großer  Beliebtheit. 
Darauf  deuten  unter  anderem  die  Plautus-Ausgaben  des  verdienst- 
vollen Krakauer  Buchdruckers  Matthias  Scharfonl^ergk,  der  in  den 
Jahren  1.5.30 — 1543  den  <'Amphitruo>;',  den  «Mercator»,  die  «Cassena» 
lateinisch  und  emendiert  herausgab;  darauf  deutet  auch  Piotr  Cie- 
klinskis  1-597  'erschienene,  ]K>loni.sierl.e  Übersetzung  des  «Trinum- 
niu-s»  ("PotroynyÄ),  in  der  die  Helden  niil  polnischen  Namen  wie 
Dobrochowski,  Zlotogrodzki,  Woytowicz  usw.  auftraten.  —  Vgl. 
P.  C  h  m  i  e  1  o  w  s  k  i ,  Nasza  litera'ura  dramatyczna,  Bd.   I,  S.  92. 


Bohoniolec'  Verhäl'nis  z.  hü.,  vorziic''-  riautiiii.*(lj':'n  Koiiiöili.'.      1»! 

Bohomok'c;  Verhältnis  zu  Plautus  iai  nur  unvoll- 
kommen untertaucht  worden:'*  wir  h:ihen  ])isher  nur  gewußt, 
daß  die  «Menaechmi^  und  die  tMcjhtellariiv»  ihm  als  Vor- 
bilder gedient  hahcn.  Es  erweist  sich  nun,  daß  jene 
Komödien  mehr  als  Vorbilder  gewesen  sind,  dnß  auch 
der  «Trinummus»  für  ihn  von  Bedeutung  gewesen  ist, 
daß  eine  von  seinen  Komödien  in  der  Ilauptsaehe  auf 
den  «Pseudolus»  zurückgeht,  und  schließlich,  daß  Bohomo- 
lec  nicht  zwei  Phiutinische  Komödien,  sondern  mindestens 
vier  gekannt  und  benutzt  hat. 

Aus  einem  Vergleiche  der  Plautin ischen  «Menaech- 
mi»  und  der  Bohomolecschen  «Blizniota»,  die  auf  jene 
Komödie  zurückgeführt  werden  müssen,  lernen  wir  die  Art 
und  \Veii?e  kennen,  wie  Bohomolec  seine  Vorlagen  zu  ver- 
ändern und  umzuarbeiten  versteht.  Schon  das  Argument 
zu  dieser  Komödie,  das  ich  im  Anhang  abgedruckt  habe, 
ist  in  allem  wesentlichen  eine  Wiederholung  des  Plau- 
tinischen  Argumentes  oder  Prologes,  bloß  mit  dem  Unter- 
schiede, daß  der  Vater  nicht  ein  Syrakusaner,  sondern 
ein  «Anglik»  ist,  daß  sein  Reiseziel  nicht  Tarent,  sondern 
Konstantinopel  ist,  daß  die  Zwilh'nge  bei  seiner  Abreise 
nicht  «septuennes»,  sondern  zwölfjährig  sind,  daß  der 
eine  Zwilling  nicht  von  einem  «Epidamniensis»,  sondern 
von  einem  Türken  geraubt  wird,  der  ihn  an  einen  Bürger 
in  Neapel  verkauft,  so  daß  nicht  Epidamnus  («haec  nrbs 
Epidamnus  est,  dum  haec  agitur  fabula»,  V.  72),*  sondern 
Neapel  der  Ort  der  Handlung  ist.  Das  sind  Abweichungen, 
die  zwar  etwas  überraschend,  aber  dennoch  nicht  so  groß 
.sind,  daß  wir  behaupten  könnten,  15ohomolec  habe  sein 
Argument  unabhängig  von  Plautus'  Prolog  zusammen- 
gestellt, oder  Bohomolec  habe  eine  Bearbeitung  des  Plau- 
tin ischen  Stückes,  nicht  das  Original  selbst  bearbeitet.  Auf- 
fallend ist  es  zwar,  daß  Menaechmusl  und  MenaechmuslI 


3  Und  zwar  nur  von  S  t  r  u  s  i  n  s  k  i ,  a.  a.  0. 

*  Ich  zitiere  liier  imd  im  folgenden  nach  der  von  \V.  M.  Lind- 
say  besorgten  'Oxford-Ausgabe :  T.  :M  a  c  c  i  P  1  a  v  t  i ,  Comoediae. 
Oxonii  (MCMIII). 


Kapitel  II. 

(Sosicles)  bei  Bohomolec  Piotr  Leliusz  und  Jan  Leliusz 
heißen,  und  wir  denken  unwillkürlich  an  G.  B.  Andreinis 
<I  due  Lelii  simili»,  die  1613  vor  französischem  Publi- 
kum aufgeführt  wurden,  und  sicher  eine  italienische  Be- 
arbeitung des  lateinischen  Stückes  sind.^  Aber  wir  werden 
kaum  irgendeine  Verbindung  zwischen  dieser  oder  einer 
anderen  Bearbeitung  der  Komödie  des  Plautus  und  der 
Bohomolecschen  Bearbeitung  herstellen  können,  und  müssen 
uns  damit  l^ognügen  zu  konstatieren,  daß  Bohomolec' 
«Bliz'niQta»  wahrscheinlich  direkt  auf  Plautus  zurück- 
gehen. Au8  Gründen,  die  wir  außerstande  sind  festzu- 
stellen, hat  Bohomolec  die  verschiedenen  Lokalangabon 
seines  Vorbildes  verändert  und  seinen  Plelden  neue  Namen 
gegeben,  vielleicht  um  die  eigentliche  Herkunft  seines 
Stückes  zu  maskieren. 

Frauen  spielen  bekanntlich  nur  eine  ganz  neben- 
sächliche Rolle  in  Plautus'  Komödie,  und  es  fiel  Bohomolec 
verhältnismäßig  leicht,  das  weibliche  Element  zu  elimi- 
nieren. Die  «meretrix»  PZrotium,  die  Geliebte  des  Me- 
naechmus  1,  konnte  ohne  Schv*'ierigkeit  durch  einen  männ- 
lichen Freund  ersetzt  werden,  der  den  Namen  Dorant 
erhielt;  die  ancilla  der  Erotium  und  die  <;matrona»,  d.  h. 
die  Frau  des  Menaechmus  I,  spielten  eine  so  episodische 
Rolle,  daß  sie  ganz  wegfallen  konnten.  Der  Parasit  Pe- 
liiculus  wurde  bei  Bohomolec  zum  «podchlel)ca»  Robert, 
der  «senex»,  der  Adoptivvater  und  Schwiegervater  des 
Menaechmus  I,  nannte  sich  bei  Bohomolec  Adrast  und 
erscheint  im  Personen  Verzeichnis  als  «starzec  bogaty»,  der 
«medicus»  ist  als  «cyrulik»  beibehalten.  ^lessenio,  der 
<servus»  des  Menaechmus  U,  wird  von  BohonuAec  Sbri- 
gani   gf-nannt,    und    Frontin,    wie    der    Diener    des   Piotr 


•^  K.  V.  Rci  nhard  s  toc  t  tn  er,  a.  a.  0.,  S.  544.  —  Ar- 
mand Baschef,  Les  comediens  üaliens  ä  Ja  cour  de  France  . . . 
(Paris  1882),  S.  319.  —  Johannes  Merz,  Carlo  Goldoni  ... 
(Leipzig  1003),  S.  27.  —  E.  Bcvilacqiia,  Giambattista  An- 
dreini (Giornale  storieo  del'.a  letteratura  ibliana,  vo'.  XX I\',  1894), 
S.   115. 


Bohomolec'  Verhältnis  z.  lal  ,  vorzir.'l.  I'hiuiinisclicii  K'>üii.di('.       \Ki 

Leliu-sz  licißt,  ents])richt  in  einigen  Züpen  seiner  Rolle 
dem  «cocus»  Cylindrus  bei  Plautup.  Auüerdoiu  liat  JJo- 
homolec  noch  eine  Figur  eingeführt,  den  Galeerensträfling 
(«niaytek  na  galery  skazany»)  namens  Furl)(^ni,  einen 
früheren  Freund  Sbriganis.  Die  ganze  raison  d'etre  die.ser 
Figur  ist  wohl  bloß  die,  daß  sie  Bohomolec  die  Gelegen- 
heit gab,  die  Komödie  mit  einem  effektvollen  Auftakte 
zu  beginnen,  der  nichts  anderes  als  ein  Gemeinplatz  der 
französischen  Komödie  und  am  nächsten  mit  der  Szene  1,  2 
von  Regnards  cLe  Divorce»   vergleichbar  ist/' 

Die  eigentliche  Nachahmung  der  Plautinischen  Ko- 
mödie beginnt  erst  nach  diesem  Auftakte:  von  einer 
wirklic-hen  Übersetzung  der  Vorlage  können  wir  in  diesem 
Falle  nicht  sprechen;  es  handelt  sich  um  selbständig 
dun.'hgeführte  Analogien  zu  den  einzelnen  Szenen  der 
Plautinischen  Komödie  unter  Zuhilfenahme  mehrerer 
Motive,  die  aus  anderen  (Quellen  stammen. 

Charakteristisch  ist  in  dieser  Beziehung  gleich  der 
Monolog   d<'s  Parasiten  Robert  (1,  2),    der   sonst   im   Ver- 


6  Ich  führe  den  Dialog  zum-Vergleiche  aii: 

FIRB:  Wiesz,  zem  si^  puhlilcq  zawszc  ratl  bawil.  /iiuydowac 
sio  iia  halach,  <^)|)oracli,  komcdyach,  laiii  chc.'ic  zahiedz 
iwicdynkom,  iednym  szpady  wyci^galem,  drugim,  zeby 
siQ  kichani^m  bliznicnui  nie  przykrzyli,  labakierQ  wyimo- 
N\a!oni,  innyni,  zeby  na  zlc  pieni<jdzy  nie  zazywali, 
kieszy   z  kieszcni   wymykalcm,  y  tarn  daley   ,  .  . 

SBRI:    \Vi?lk;i  dol)ni  jniblirznemii  przyslufio  czyniles! 

FL'RB:  Czynilbyin  ia  y  dota.d,  gdyl)y  nii  zazdrosc  ludzka  nie 
])rzeszkodzila. 

SRRI:    Ta  kanalia  wszQdzie  siq  wmiesza!    Ale  cuz  to  bylo? 

ITRB:  Bagatcla!  Ale  z  iiiey  rzecz  wielka  urosla.  Razii  pew- 
ncgo,  gdyni  byl  na  komedyi,  pewny  kawaler  znalazl  mji 
r^k^  w  swoiey  kicszeni  y  za  t^  bagalelfj  urazony  oddal 
Uli?  do  sjirlu.  S^d,  t^  moi(;  poufalosc  zlc  so!)ie  tluma 
czc'ic,  rekomendowal  mie  na  galerg.  Tarn  skorom  si^; 
przyuital  z  kolegami,  wnet  mi  na  szyie  kolniorzyk  ze- 
lazny  wlozono  y  kazano  mi  cudze  kraie  nawiodzac.  Ja- 
koz  na  tey  samey  galcrze,  do  ktörey  mialem  przywia.- 
zanie,  v/oiazui^c  przybylem  tu  szcz«jsli\vie  iuz  dwi  temu 
tygodnie  .  .  , 


•J4  Kapitel  IL 

laufe  der  Haiullung  dem  Parasiten  Peniculus  der  «Me- 
naeclinii>  zu  entsprechen  hat;  der  Monolog  aber  ist  statt 
des  «Menaechmi»  -  Monologes  (I,  1)  eingeschoben,  mit 
dessen  Ausführungen  über  die  Allmacht  des  Essens  er 
nichts  gemein  hat;  im  Gegenteil,  Robert  klagt,  daß  er 
heute  ohne  Mahlzeit  geblieben  sei: 

ROH :  Nieszcz^sliwy  to  dzieii  iakis !  Nie  mogQ  dzis  cale  zna- 
losc  tobiadu  «dla  siebie  .  .  .  Juz  mie  w  tym  miescie 
dobrz;o  znaiji;  iiiz  moie  podchlebstwa  raalo  co  wazq,;  iuz 
howinkom  moim  iiiic-  wierza..  Tem  dotychczas  zylem, 
przez  to  Tvstep  miewalem  do  godnych  kompanii.  Ale  z 
czass:^m  wszystko  sIq  odmienia.  Niema  wi^kszey 
biedy  na  czleka  iako  miec  zotc^dek 
strawny    anie    miec    swoiey    kuchni    ... 

Bohomolec  scheint  hier  einfach  den  Gedankengang  aus  dem 

Monologe  eines   anderen  Piautinischen  Parasiten,   des  Er- 

gasilaus  aus  den  «Captivi»  (III,  1)  wiedergegeben  zu  haben: 

ERG :  Miser  homo  est  qui  ipse  sibi  quod  edit  quaerit  et  id  aegre 

invenit, 
sed  ille  est  miserior  qui  et  aegre  quaerit  et  nihil  invenit; 
ille   miserrumust,   qiii   quom   esse   cupit,  /  tum  /  quod   edil 

non  habet. 
nam  hercle  ego  hiiic  die,  si  liceat,  oculos  ecfodiam  lubens, 
ita  malignitate  oneravit  omnis  mortalis  mihi; 
neque  ieiuniosiorcm  neque  magis  ecfertum  fame 
vidi   nee   quoi   minu'   procedat   quidquid   facere  occeperit^ 
ita(que)  venter  gutturque  resident  essurialis  ferias. 
ilicet  parasiticae  arti  maxumam  malam  crucem, 
ita  iuventus  iam  ridiculos  inopesque  ab   se  segregat  . .  , 

Hier  wie  dort  dieselbe  Klage  über  die  veränderten  Zeiten, 
liier  wie  dort  die  gleiche  Behauptung,  daß  es  nichts 
Schlimmeres  gäbe,  als  einen  guten  Magen  und  nichts  zu 
essen.  Peniculus  schließt  seinen  Monolog  mit  den  Worten  ab : 

nam  ego  ad  Menaechmum  Imnc  /  nunc  /  eo,  quo  iam  diu 

sum  iudicatus 

nunc  ad  eum  inviso.    sed  aperitur  ostium. 

Menaechmum  eccum  ipsum  video,  progreditur  foras. 

So  schließt  auch  Robert  bei  Bohomolec  seine  Betrach- 
tungen, indem  er  außerdem  noch  hinzufügt,  daß  der  alte 
Adrast   die    Freundschaft   seines  Adoptivsohnes   mit  dem 


Bohomolcc*  Verhältnis  z.  lat.,  vorzugl.  Plautin ischen  Komödie.     Wo 

Schmarotzer  nicht  gern  sähe,  ein  Zug,  der  sich  nicht  bei 
Phiutus  findet,  und  der  uns  erklären  soll,  wnrum  Piotr 
Leliusz  den  Robert  nicht  zu  sich  iius  Haus  lädt,  sondern 
mit  zum  Freunde  Dorant  führt: 

ROB:  .  .  .  SprobuiQ  szczQscia:  pöydQ  do  Lcliiisza  .  .  .  Tt'n 
niiQ  zavvszo  dobrze  przyimuio  ,  .  .  Tylko  len  starzec 
Adrast,  ktory  go  do  siebic  za  syna  przywlaszczyt,  krzywo 
na  nxnio  pogl.'\da.  Ale  niech  sobie  pogl^da,  bal  —  y 
bardzol  Byleby  nii  pozvvolil  w  swoie  pölmiski  zaglji- 
dac  .  .  .  Lecz  oto  sam  Leliusz  z  swego  domu  \vycho- 
dzil    .  .  . 

Die  Art  und  Weise,  wie  der  Parasit  sich  darauf  an 
Piotr  Leliusz  heranpirscht  (I,  3),  in  einer  Szene,  die  der 
bei  Plautus  auf  Peniculus'  Monolog  folgenden  entspricht, 
ist  bei  Pldutus  auch  eine  andere,  denn  Robert  geht  bei 
Bohomolec  Umwege,  um  sein  Ziel  —  eine  Mahlzeit  — 
zu  erreichen,  indem  er  alle  Neuigkeiten  auskramt,  die 
er  von  seinen  Korrespondenten  erhalten  zu  haben  vor- 
gibt, u.  a.  die  Neuigkeit,  daß  der  türkische  Kaufmann 
Hali,  bei  dem  Adrast  den  Piotr  freigekauft  haben  soll, 
die  Schatzkammer  des  Sultans  zu  Konstantinopel  ange- 
zündet haben  und  dafür  im  Gefängnis  erwürgt  worden 
sein  solle.  Darauf  schmeichelt  er  Leliusz  und  führt  das 
Gespräch  geschickt  aufs  Mittagessen: 

ROB:  .  .  .     Teraz    przeruiymy     iq     mow^     .  .  .      Dok^dze    to 

idziesz  ? 
LEL:    Do  pewnego  przyiaciela. 
ROB :  FewTiie  na  obiad  ? 
LEL :    Bynaymniey !    ]Mani  inszy   interes. 
ROB:  A  na  obiad  do  siebie  powröcisz? 
LEL:    Tak  iest. 
ROB:  Zebym  pokazal,  z  iakim  iestem  do  ciebie  serca  przywici- 

zaniem,    b^üQ    iadl    dzisiay   u  ciebie    .  .  . 
LEL:    Calym  sercem  zyczylbym  .  .  . 

ROB:  Ja  strasznie  lubie  z  toba.  siQ  bamc.  Y  lubo  dzis  kilku 
panöw  przysylalo  do  mnie,  zapraszaiq^c  mi^  na  obiad,  ia 
iediiak  woIq  ziesc  z  tob^.  U  nich  ^vieIe  ceremonii,  a 
ia  .  .  . 
LEL:  Ja  siQ  obaudam,  zebym  sie  przez  to  nie  naprzykrzyt 
memu  Adrastowi.    On  iako  czlek  stary  nie  zawsze  rad  .  .  . 


^6  Kapitel  II. 

ROB:  Rozumicm!    Ja  go  znam  dawno.    Oa  cho6  sio  zmarszczy, 

alc   ... 
LEL:    Oto  tak  uczynmy!    Idzie  hi  do  nas  Doran»,  przyiaciel  müy 

poufaly.    Do  niego  si^  na  obiad  zaprosiemy. 
ROß:  Dia  miiie  to  iedno  ...     (I,  3) 

Robert  lügt  hier  seinem  jungen  Freunde  vor,  daß  er  von 
vielen  anderen  schon  eingeladen  worden  sei,  um  dadurcli 
eeine  Bettelei  zu  verdecken,  ein  Motiv,  daß  Bohomolec 
nicht  selbst  erfunden  zu  haben  brauclit,  konnte  er  es  doch 
schon  bei  Poree  in  dessen  «Philedonus  sive  Juvenis 
voluptarius  a  liberiore  vita  revocatus»  angewandt  finden: 
hier  motiviert  der  nach  lateinischem  Beispiele  gebildete 
Parasit  Trechedipnus  im  Gespräch  mit  dem  Diener  seines 
jungen  Gönners,  dem  Polydromus,  folgendermaßen  sein 
Erscheinen : 

TRE:  Me  tibi,  Polydrome,  et  hero  tuo  excusatum  venio,  qiiod  a 

meiisa  vestra  totos  abfuerini  quatuor  dies. 
POL:  Jain  te  excusatum  habemus,  Trechedipne,  alibi  nempe  iibi 

parata  fuit  coena. 
TRE:  Ita  nie  nuilti  sibi  convivani  cxpctiint,  ut  nequeam  omnibus 
satisfacere.    Sed  me  vobis  restituo;  vobis  hodie  ad  coe- 
uam  adcro.    Hoc  Philedono,  si  modo  est  intus,  denuncio. 

(1,8) 
Der  erste  Akt  schließt  damit,  daß  Piotr  Leliusz  sich 
und    den    Parasiten    bei    Dorant   zu   Tische    einlädt,    wie 
Menaechmus  I,  der  Erotium  seinen  Besuch  und   den  des 
Peniculus  anmeldet. 

Mit  dem  zweiten  Akte  beginnen  bei  Plautus  und 
Bohomolec  die  Verwechslungen  und  Mißverständnisse,  die 
jedoch  infolge  gewisser  neuer  Momente  nicht  immer 
übereinstimmen.  Und  zwar  können  wir  konstatieren,  daß 
feie  im  zweiten  Akte  recht  parallel  verlaufen,  im  dritten 
und  vierten  Akte  stark  abweichen,  während  sie  im 
letzten,   fünften,  einander  wieder  näherkommen. 

Bei  Plautus  haben  wr  folgende  sieben  Verwechs- 
lungen: 

1.  Menaechmus  II,  der  Fremdling  in  Epidamnus,  geht  zufälliger- 
weise an  Erotiums  Haus  vorbei  und  wird  von  ihrem  Koche 


Bohomolec'  Yerh;iltnis  z.  lat.,  vorrQgl.  Pliulinischen  KomöJie.       07 

Cylindrus    für   Monaochmus    I,    der    zum    Gastmalil  erwartet 
wird,  gehalten  (II,  2). 

2.  Eroüum,  dio  gerade  aus  dem  Hause  tritt,  sieht  in  Menaech* 
mus  II  ihren  Liebhaher  Menaechmus  I  und  lockt  ihn  trot« 
seines    erstaunton   Widorstrcbens    mit    sich    ins    Haus  (II,    3), 

3.  Der  Parasit  Pcniculus,  der  seinen  Gönner  Menaechmus  I  in. 
der  Stadt  aus  den  Augen  verloren  hat,  erwartet  ihn  vor 
Erotiums  Haustür  (III,  1)  und  glaubt,  der  aus  dem  Hause 
tretende  Menaechmus  II  sei  der  Erwartete  (III,  2);  w^s 
dieser  natürlich  ungeduldig  verneint.  Peniculus  \*ill  sich 
rächen. 

4.  Die  ancilla  der  Erotium  hält  Menaechmus  II  auch  für 
Menaechmus  I  und  gibt  ihm  außer  dem  Mantel,  den  Me- 
nacx:}unus  I  seiner  Frau  geraubt  und  der  Erotium  (im  ersten 
Akte)  geschenkt  hatte,  eine  goldene  Spange  ihrer  Herrin 
(III,  3). 

5.  Dio  Frau  dc3  Menaechmus  I,  die  den  Raub  des  Mantels  enl- 
dovkt  hat,  glaubt  Mcnacch.aius  II  soi  ilir  ujigeireucir  Gatte, 
und    überhäuft  ihn   mit   Vorwürfen   (V,  1), 

6.  Der  herbeigerufene  Vater  der  matrona  glaubt  auch  sofort, 
Menaechmus  II  sei  sein  Schwiegersolm  Menaechmus  I,  und 
ist  über  den  wilden  Seelenzustand  des  letzteren  sehr  er- 
staunt   und    l)ekümmert    (V,  2). 

7.  Als  dann  der  nichts  Böses  ahnende  rechte  Menaechmus  I 
mit  Gewalt  von  seinem  vermeintlichen  Walmsinno  geheilt 
werden  soll,  glaubt  der  herbeieilende  ser\nis  Messenio, 
Menaechmus  I  sei  sein  Herr  Menaechmus  II,  und  befreit 
ihn   (V,  7). 

Aui  diese  Weise  wird  Menaechmus  II  sechsmal  für  Me- 
nat^ohmus  I  gehalten,  dieser  nur  einmal  für  jenen.  Außer  diesen 
sit^lrcn  eigentlichen  Verwechslungen  liegen  bei  Plaulus  noch  vier 
Situationen  ähnlicher  Art  vor,  die  als  Konsequenzen  jener  Ver- 
wechslungen erscheinen .  und  zu  Mißverständnissen  An- 
laß  Ueten : 

1.  Die  vom  rachsüchtigen  Peniculus  unterrichtete  matrona  über- 
fällt ihrc^n  ahnungslos  aus  der  Stadt  heimkehrenden  Mann 
Menaechmus  I  mit  Vorwürfen  wegen  seines  Besuches  bei  der 
Hetäre  —  während  faktisch  Menaechmus  II  derjenige  war, 
der   bei  der  Hetäre  das  Gsistmahl   genossen  hat  (IV,  2). 

2.  Von  seiner  Frau  dazu  gezwungen,  den  ihr  gehörigen  Mantel 
sofort  von  der  Hetäre  ziirückzufordem,  klopft  Menaeclimus 
bei  der  Erotium  an,  ist  aber  sehr  erstaunt,  als  diese  be- 
hauptet, ihm  denselben  nach  dem  Mahle  zwecks  einiger 
Umänderungen  gegeben  zu  haben  —  während  es  tatsächlich 
Menaechmus   II  war,   dem   sie   den  Mantel  gab  (IV,  3). 

.« i e n d c  r -  P e  t  e r  <=  c  n  ,  Die  Schui komödieu.  7 


98  Kapitel  II. 

3.  Mcnaechnius  I  soll  mit  Gewalt  von  seinem  vermeintlichen 
Walmsinn  iK^freit  werden  —  während  es  in  Wirklichkeit 
Menaeehmns  II  war,  der  Anlaß  zu  solrlicn  Maßregeln  gab 
(V,  5). 

4.  Messejiio  äußert  gegen  seinen  Herrn  Menaochmus  II  seine 
l'Yeudc  darüber,  daß  er  ihn  für  seine  Befreiung  aus  den 
Händen  des  Arztes  mit  Freilassung;  belohnt  habe  —  während 
es  tatsächlich  Menaechnius  I  gewesen  ist.  den  er  befreit 
und  um  Freilassung  gebeten  hat  (V^  8). 

Diese  Mißverständnisse  sind  mm  solchermaßen  Folgen  der 
obenangeführten  Verwechslungen,  daß  das  orsle  Mißverständnis 
aus  der  dritten  Verwechslung,  das  zweite  aus  der  zweiten,  das 
dritte  aus  der  sechsten  und  das  vierte  aus  der  siebenten  Ver- 
we<hslung  floß,  wobei  die  Verwechslungen  1,  4  und  5  ohne  im- 
raittelbare  Folgen  geblieben.  Da  nun  gerade  diese  einerseits  den 
Frauonrollen  gehören,  andererseits  für  den  Gang  der  Handlung 
ohne  wesentliche  Bedeutung  waren,  Itonnte  Bohomolec  sie  zum 
Teil  ohne  weiteres  weglassen  oder  mit  Leichtigkeit  umformen: 
er  nahm  auch  nur  die  erste  mit  herüber  und  ersetzte  Cylindrus 
durch   den   Diener  des   Piotr   Leliusz   I,  dem   Fr^>ntin. 

Bohomolec'  Szenar  entspricht  nun  in  folgender  Weise 
dem  Plautinischen, 

Die  erste  Verwechslung  entspricht  der  ersten  bei  Plautus: 
Frontin  hält  den  zufällig  vorl>eigehenden  Jan  Leliusz  II  für  seinen 
Herrn   (Verwechslung  a  =  Verwechslung   1). 

Dorant,  der  an  die  S.'clie  der  Plaulinjschen  Krotium  getreten 
ist,  hält  ihn  gleichfalls  für  Piotr  Leliusz  I  (Verwechslung  b 
=  Verwechslung  2): 

DOR  (rozumiei^c  z  podobienstwa,  ze  to  Piotr  Leliusz,  mowi  do 
Jana   Leliusza):   Przyiacielu,   iuze6   skohczyl   interes? 

LEL:    Do  kogo  on  möwi? 

DOR  (co§  pomieszany):  Obiad  iuz  gotowy.  Jeili  chcesz.  wnet 
kaz^  wydawad. 

LEL:    Do    mnie   to   möwisz? 

DOR:  Tak  iest. 

LEL:   Owoi   drugi! 

DOR:  ProszQ  do  mego  domu. 

LEL:    Nie   mam   tey   i^mialoSci    b<id£ic   ci   nieznaiomy. 

DOR:  Nieznaiomy   za§?    Co  to  za  taicmnica? 

LEL:    Mnie   sio   z/ia,    zem  nie   mial   honora  nigdy   ciQ  Widzie6. 

TX)f{:  Ale  iarty  na  slron^l    Obiad,  iakeä  kazal,  iuz  gotowy. 

LEL:   Jam  kazal?!  —  Co  tu  za  lud  w  lym  miefeciel? 


Bohomolec'  Verhältnis  z.  lat,,  voriü^rl.  I'laulinischen  Komödie.      99 

DOR :  A    wszakeÄ    rni    m6wi],    ie    masz    dzis    u  mni«    by<^    na. 

obi«<lzie    7.  Ilobertom. 
LEL:   Z  Uoljerleia  zas?    Co  to  za  ie<lon? 
DOR:  Nie  znasz  RoU'rta?    A   wszakci   to  tw<iy  przyiaciel. 
LEL:   Möv    przviaciel?     Nio    wiem,    czego    chcecie    o<lo    mnie. 

(II,  3) 
Wir  vergleichen   damit  die   ent'^prcchende  Stelle  hei 
PI  au tu 8 : 

ERO:  earaus   intro,   ut   praiideamus. 

MEN :  bene   vocas  :    tam  {^ratiast. 

ERO:  qur  igitur  mo  tibi   iussisti   coquere   dudiun  praridiuin? 

MEN:  egon  le  iussi  coquere? 

ERO :  certo,   tibi  ot   parasito  tuo. 

MEN:  quoi,    maliuii.    {xarasito?    certo    haer    nmljer   non   sanast 

ERO:  Pöiiiculo.  [satis. 

MEN:  cfuis  isio  est  Peniculus?  ((iii  extergentur  baxeaeV 

MEN:  qiiis   isto  est   Peniculus?  qui   extcrgeiitur   baxeae? 

ERO:   scilicet  qui  dnduni  tecum  venit  .  .  .    (II,  3) 

Bohomolec  fügt  liier  (in  der  vierten  und  letzten  Szene  des 
zweiten  Aktes)  ein  erstes,  bei  Plautus  nicht  vorgesehenes  Miß- 
NTersländnis  ein  (Mißverständnis  a),  das  aus  der  erstxjn 
Szene  des  ersten  Aktes  fließt :  der  Galeerensträfling  Furboni  fragt 
Fnmtin  nach  seinem  Freunde  Sbrigani,  dem  Diener  des  Leliusz, 
XHid  Fronlin  behauptet,  e  r  sei  selbst  der  Diener  des  Loliusz. 
Leliusz. 

Rol>ert  glaubt,  Jan  Leliusz,  der  aus  dem  Hause  des  Dorant 
tritt,  sei  Piotr,  und  ärgert  sich  darüber,  daß  er  ohne  ihn  ge- 
gessen "hat  (Verwechslung  c  =  Verwechslung  3);  aber 
nicht  er,  sondern  Frontin,  der  mit  dabei  ist,  ül>ernimmt  die  Auf- 
gabe, Adrast  (nicht  wie  bei  Plautus,  der  malrona)  miLzuLeilon, 
daß    sein   Adoptivsohn   den   Verstand   verloren   habe. 

Weinn  nun  Bohomolec  dem  Sclienm  des  Plautus  genau  ge- 
folgt wäre,  müßlen  jetzt  die  Verwechslung  4  und  die  Mißverständ- 
nisse 1  und  2  folgen.  Die  Verwechslung  kannte  ohne  Schwierig- 
keit mit  der  Eliminierung  der  ancilla  wegfallen.  Schwieriger  war 
das  mit  den  beiden  Mißverstäjidnissen,  die  aui>  der  drittem  und 
zweiten  Verwechslung  folgten,  denn  sie  bildeten  einen  integrie- 
renden Bestandteil  der  Plautinischen  Handlung;  andererseits  konnte 
Bohomolec  sie  nicht  ohne  Veränderung  beibehalten,  weil  die  bei 
ihm  eliminierte  matrona  die  Hauptrolle  dabei  spielte.  Er  half  sich 
so,  daß  er  den  heimkehrenden  IHoLr  Leliusz  von  dem  Parasiten 
mit  Vorwürfen  üb<irhäufen  ließ,  weil  er  ohne  ihn  bei  Dorant 
gegossen   habe,   was  Piotr  natürlich  erstaunt  verneint  (M  i  ß  v  o  r  - 


100  Kapitel  II. 

ständnis  b  =  Mißverständnis  1).  Aber  Dorant  bestätigt 
wie  Erotium  die  Behauptung  des  Parasiten  (Mißverständ- 
nis c  =  Mißverständnis  2). 

In  der  Komödie  des  Plautus  spielt  bekanntlich  der 
der  matrona  geraubte  Mantel,  den  Menaechmus  I  seiner 
Geliebten  schenkt,  den  diese  dann  Menaechmus  II  gibt, 
und  an  dem  schließlich  die  matrona  in  Menaechmus  II 
ihren  ungetreuen  Gatten  zu  erkennen  glaubt,  eine  gewisse 
Rolle,  indem  er  den  allgemeinen  Wirrwarr  vergrößert  und 
unterstützt.  Nun  konnte  Ijohomolec  natürlich  dieses 
Motiv  nicht  in  seiner  ursprünglichen  Form  in  seiner 
Komödie  anbringen,  sondern  mußte  das  Motiv  vom  ge- 
stohlenen Frauenmantel  durch  ein  anderes  ersetzen,  um 
dadurch  die  Intrige  im  gewünschten  Sinne  zu  verändern. 
Die  Art  und  Weise,  wie  diese  Substitution  des  Mantels 
durch  einen  Geldbeutel  («worek»)  geschieht,  ist  be- 
zeichnend für  Bohomolec'  Methode.  Zunächst  sei 
an  die  näheren  Umstände  erinnert. 

Sbrigani,  den  sein  Herr  Leliusz  II  schon  in  der  Szene  II,  1 
zum  Hafen  geschickt  hat,  um  seinen  Geldsack  zu  holen,  tritt  ge- 
rade wieder  auf,  als  der  Parasit  uad  Dorant  sowie  Frontin  darüber 
mit  Piotr  Leliusz  I  herum  streiten,  ob  er  bei  dem  Dorant  gewesen 
sei  oder  nicht;  Sbrigani  glaubt  natürlich,  Leliusz  I  sei  Leliusz  II, 
und  liändigt  ihm  den  Geldbeutel  ein.  Wir  haben  hier  somit  ein© 
neue  Verwechslung  (Verwechslung  d).  Piotr  Leliusz  I  gibt 
ihn  'dem  Robert  mit  dem  Auftrage,  den  rechten  Besitzer  ausfindig 
zu  machen.  Ehe  Bohomolec  weitergeht,  fügt  er  hier  noch  eine 
nfnie  Dienerszene  ein,  die  auf  einem  neuen  Mißverständnis  beruht 
und  mit  dem  unter  a  genannten  im  Zusammenhang  sieht:  Sbri- 
^ni  und  Frontin  geraten  nämlich  in  Streit  über  die  Frage,  wer 
von  ihnen  beiden  eigentlich  der  Diener  des  Leliusz  sei,  eine  Szene, 
^ie  damit  schließt,  daß  Sbrigani  von  dem  anderen  eine  schallende 
J'Iaulßchelle  erhält  (Mißverständnis  d).  Man  wird  beim 
I-Xisen  dieser  Szenen  an  den  Dialog  zwischenMercurius 
und  Sosia  in  der  ersten  Szene  des  ersten  Aktes 
des  Plautinischen  (resp.  Molierischen)  «A  m  p  h  i  t  r  u  o»  er- 
innert, wo  der  Streit  auch  mit  Maulschellen  gewürzt  wird  und 
Sosia  sich  als  arger  Feigling  entpuppt,  der  ebensowenig  wie  Sbri- 
gani zurückzuschlagen  vcrsteJit.  Dieser  kommt  nun  aber  bei  Boho- 
molec gleich  darauf  aus  dem  Regen  in  die  Traufe,  denn  sein  wirk- 
licher  Herr  erscheint   imd   fragt   ihn  nach  dem   Beutel.     Sbrigani; 


Bohomolec'  Verhältnis  z.  lut.,  vorzügl.  Plautiiiischen  Komödie.     101 

behauptet  natürlich,  ihn  schon  an  Leliusz  abgegeben  zu  haLcn, 
womit  Jan  sich  nicht  zufrieden  geben  kann :  er  fordert,  Sbrigani 
solle  ihm  den  verlorenen  Beutel  sofort,  koste  es,  was  es  wolle, 
zurückschaffen  (Mißverständnis  e).  Als  dann  Furboni  und 
Sbrigani  mit  vereinten  Kräften  dem  armen  Robert  den  Beutel  ge- 
waltsam abgenommen  haben  und  ihn  Jan  zurückorsLatten,  ist  zwar 
dieser  hefriedigt,  aber  sehr  erstaunt,  daß  auch  Robert  behauptet, 
er  selber,  Leliusz,  habe  Rol)Odrt  den  Beutel  eingehändigt  (Miß- 
verständnis  f). 

Wolier  hat  nun  Bohomolec  dieses  Motiv  vom  herum- 
waudernden  Geldbeutel"?  Ich  glaube,  wir  haben  allen 
Anlaß  anzunehmen,  daß  auch  dieses  Motiv  nicht  eine 
freie  Erfindung  unseres  Jesuiten  ist,  sondern  aus  einer 
bestimmten  Quelle  stammt.  Es  ist  bekannt,  daß  auch 
Regnard  in  seinen  «Menechmes»  auf  Plautus'  Komödie 
fußt:  die  Zwillingsbrüder  erhielten  bei  ihm  reclit  ver- 
schiedene Charaktere;  zugleich  war  das  Motiv  von  der 
Plautinischen  «palla»  durch  das  Motiv  von  der  «valise» 
fjrstattet  worden,  die  in  die  Hände  des  unrechten  Bruders 
gelangt.  Walirscheinlich  auf  Regnards  Bearbeitung  fußte 
teilweise  auch  Goldoni^  als  er  seine  Komödie  «I  due 
gemelli  Veneziani»  verfaßte,  die  vielleicht  sogar  ohne 
eigentliche  Kenntnis  der  Plautinischen  Komödie  entstanden 
ist.  Auch  Goldoni  ersetzte  jenes  Motiv  auf  seine  Weise: 
bei  ihm  hat  genau  wie  bei  Bohomolec  «un  bauletto  con 
delle  gioje»  eine  Rolle  zu  spielen,  der  uns  die  Gewißheit 
gibt,  daß  Bohomolec  gerade  aus  dieser  Komödie  jenen 
neuen  Zug  entlehnt  hat.  Die  Sachlage  ist  bei  Goldoni 
nämlich  folgende:  Arlecchino,  der  Diener  des  einen  Zwil- 
lingsbruders namens  Zanetto,  will  seinem  Herrn  dessen 
Koffer  mit  den  Kostbarkeiten  abliefern,  händigt  denselben 
aber  dem  Tonino  ein,  den  er  für  seinen  Herrn  hält  (II,  '2, 
vgl.  die  Verwechslung  d  bei  Bohomolec).  Nachher  ist 
er  sehr  erstaunt,  als  sein  wirklicher  Herr  nach  den  «bezzi» 
und  den  «zogie»  fragt,  die  er  durchaus  nicht  erhalten 
«u  haben  behauptet,   und  die  Arlecchino   ihm  unbedingt 


'  Vgl.   K.  v.   Reinhardstoettner:    Plautus,   S.  547, 


lOi  Kapitel  II. 

wiederschaffen  soll  (IT,  7,  vgl.  das  Mißverständnis  c). 
Inzwischen  hat  aber  Tonino  die  «zogie»  dem  Pancrazio, 
deni  Nachkommen  des  Plautinischen  Parasiten  und  des 
Schurken  der  Goldonischen  Komödie,  gegeben,  damit 
er  sie  dem  eigentlichen  Besitzer  zurückerstatten  solle 
(«penso  de  cosegnarle  a  vü,  acciö  vegnindo  fora  el  patron, 
ghe  le  podife  restituir»,  11:12).  Als  aber  Pancrazio  die 
Kostbarkeiten  beim  Tiburzio  orefice  verkaufen  will,  wird 
er  vom  Bargelio  und  dessen  Birri  augehalten  (III,  1 — 3). 
Zanetto  ist  zwar  sehr  damit  zufrieden,  daß  sein  Eigentum 
wiedergeschaflfl  ist,  aber  auch  nicht  wenig  erstaunt  darüber, 
daß  Pancrazio  —  wie  vorher  Arlecchino  —  behauptet, 
die  Sachen  von  ihm  selbst  erhalten  zu  haben  (II[,  4 ; 
vgl.  das  Mißverständnis  f).  Somit  können  die  eine  Ver- 
wechslung und  die  zwei  Mißverständnisse,  die  sich  bei 
Bohomolec  an  das  Motiv  vom  herumirrenden  «worek» 
knüpfen,  sehr  wohl  aus  der  Goldonischen  Komödie  er- 
klärt werden.^ 

Im  weiteren  kehrt  Bohomolec  zu  seiner  primären  Vorlage, 
der  Komödie  des  Plautus,  zurück.  Und  zwar  entsprechen  die 
letzten  Szenen  (6 — 7)  der  Szene  2  des  fünften  Aktes  bei  Plautus; 
der  Parasit,  der  statt  der  matrona  auftritt,  klagt  dem  Adrast  in 
Jan  Leliusz'  Gegenwart,  daß  dieser,  den  er  für  Piotr  hält,  ihn  des 
Diebstahls  beschuldigt  habe;  Adrast  glaubt  gleichfalls,  Jan  sei  Piotr 
(Verwechslung   e  =  Verwechslung  6): 

ROB :  Moäcipanie  Adrascie,  gdybym  nie  mial  wzgl^du  na  god- 
nosc  Waszmosci  Pana,  tobym  wiedz'isil,  iak  nad^odzic  tQ 
zniewag^  ktör^  Leliusz   memu  honorowi   czyni. 

ADR:  0  cöz  tu  chodzi? 

ROB:  Leliusz  sam  dawszy  mi  pieni^dze,  teraz  siQ  tego  za- 
piera  y  mnie  zlodzieystwo  zadaie.  Mnie  .  .  .  mnie  •  .  . 
zlodzieystwo !    WoIq  nie  zyc  niz   .  .  . 

ADR:  Jakiez  to  pienir^dze?  (rozumieia.c,  ze  to  Piotr  Leliusz, 
möwi  do  niego):  Leliuszu,  co  to  masz  za  pieni^dae? 
zk^d  ie  wzi^les? 

LEL:   Ja  z  moich  pieni^dzy  nikomu  rachunku  nie  daigl 

ADR:  Oj  to  za  odpowiedz? 


8  Ich    zitiere   nach    der   Ausgabe   «Le    Commedie  del    signor 
awocato  Carlo  Goldoni  .  .  .»,  tom,  I,  ed.  2,  Bologna  MDCCLIIL 


Bohomolec'  Verhältnis  z.  lat.,  vorzü|<l.  Plautinischen  Komödie.     103 

ROB:  Widzisz   Waszmo^c    Paii,    iak   odpowiadu.      Ja   ]X)i2ic   nio 

mogQ,    zo  dzis    Leliusza   w   Leliuszu   zjialosc   nie   mogQ. 

Jakby  nio  ton  byl  cztowiek  ro  (Jaunicyszy. 
ADR:  Müwzo  nü  zaraz,  I^iliuszu,  zk:\d  masz  pienindze?  Pewiiie 

poczynasz  iaz  dlugi  pociqgat   \v  nadzieiQ  moiey  fortuny? 
LEL:    Ja     \v    nadzieiQ     twoiey     fortuny     niani    diugi    zaci^gaö? 

Wiesz  o  tym,  ze  si^  ol>eydQ  y  t>ez  diugow  y  bez  twDiey 

fortuny. 
ADR:  Ale  zkiidze  ie  masz  przecie? 
LEL:   Zka.d  mam,  to  mam.    Tobie  nie  z  tego! 
ADR:  Niebo!    co   sie    z  niin  dzieie?!    —    Ale  powiedz    mi    Ro- 

bercie,  zk^d  on  ma  te  picni^dze? 
ROB:  Wieleby  o  tym  möwic  —  ale  to  nie  iego  sa  pieniz^dze  .  .  . 
LtU^:   Jak   ty   smiesz  möwiö,   ze   nie   moie?    NauczQ   cio    ... 
ADR:  Leliuszu,    powoli,   powoli !     Wszystko    b^dzie    dobrze    ... 

Day   mi  te   pieniadze   .  .  . 
LEL:   Przepraszam  —  nie  tak  latwo  mi   ie  odebraö  iak  .  .  . 
ADR:  C6z?  takio  to  poshiszonstwo ? 

LEL:   Jakim   prawem  ode   nmie  wyciagasz   posluszenstwa? 
ADR:  Njebal    czyz   takiey   spodziewalem   sIq   po   tobie  wdzi^cz- 

nosci  ?   .  .  .   otöz   nadgroda   za  ma  dobroc  I 
ROB:  Pamietasz,    zem   ci   dawno    po    nim   obiecywal?    Widzia- 

iem,   iakiego   ten   mlodzian   charakteru. 
UEL:   Co?    chcesz    wiedziec,    iakiego    iestem    charakteru?      Do- 

byway   szpady!    Wnet   cIq   nauczQl 
ADR:  Jeszcze  co? 

LEL :   Doby way,   möwie,   bo   cig   na   wylot   .  .  . 
ROB    (za  Adrasta  sie   chowa,    möwi^c):   Ratuy   miQ  Waszmosö 

Pan !     Zmiluy    sie ! 
LEL;   Nio   skryiesz   siQ,   hultaiu! 
ADR:  Leliuszu,   co  si§   stalo?    Stöyl     Ty   masz  rozum  pomie- 

szany ! 
LEL:  Gdybym  na  twa  starosc  nie  uwazal,  nauczylbym  ciQ  sa- 
mego    rozumu!     Ty    zas,    panie    czerkesie,    nie   uydziesz 
gniewu   moiegol  s  (Odchodzi.) 

Adrast  glaubt  natürlich,  daß  Leliusz  verrückt  sein  müsse 
und  beschließt,  einen  Bader  zur  Hilfe  zu  rufen.  Daraus  ent- 
springt dann  bei  Bohomolec  —  wie  bei  Plautus  —  ein  Mißver- 
ständnis, indem  der  von  Rol>erL  und  dem  alten  Adrast  zitierte 
Bader  den  nichts  ahnenden  P  i  o  t  r  Leliusz  von  dem  Wahnsinne, 
den  man  an  Jan  konstatiert  zu  haben  glaubte,  heilen  soll  (M  i  ß  - 
8  t  ä  n  d  n  i  s  g  =  M  i  ß  v  e  r  s  t  ä  n  d  n  i  s  3).  Bohomolec  erlaubt 
sich  dabei  eine  Szene  zwischen  dem  gesunden  Patienten  und  dem 
ausfragenden  Arzte  (besser  Bader)  einzuschalten,  die  nicht  direkt 


lOi  Kapitel  II. 

auf  dem  Plautinischen  Texlc  beruht,  sondern  aus  M  o  l  i  6  r  e  8 
<'M  o  n  s  i  e  u  r  de  P  o  u  r  c  e  a  u  g  n  a  c»  enllelint  ist :  bekanntlich 
hat  Molierc  selbst  die  berühmte  Szene  (I,  8)  nach  der  Szene  dee 
Plautus  gebildet,  jene  Szene,  wo  der  Arzt  doii  Pourceaugaac  ein- 
gehend ühev  seinen  Gesundheitszusland  ausfragt  und  in  seinen 
Antworten  lauter  Krankheitssymptome  entdeckt.  "Wir  können 
hier  wahrscheinlich  von  einer  bewußten  Wahl 
zwischen  den  verwandten  Versionen,  von  denen 
die  Molierische  eine  künstlerisch  abgeschliffene  Variation  der  Plau- 
tinischen darstellt,  reden. 

Auch  im  folgenden  stimmt  der  Gang  der  Handlung  bei  Bo- 
homolec  mit  der  Plautinischen  gut  überein.  Der  Bader  und  Fron- 
tin, PioLrs  Diener,  wollen  diesen,  der  vermeintlich  krank  ist,  binden, 
als  Sbrigani  und  Furboni  erscheinen  und  im  Glauben,  Jan  werde 
Gewalt  angetan,  Piotr  zu  dessen  größter  und  angenehmster  Über- 
raschimg befreien  (Verwechslung  f  =  Verwechslung  7). 
Statt  des  letzten  Mißverständnisses,  das  wir  noch  bei  Plautnis 
finden,  und  das  auf  dem  Motive  von  der  angeblichen  Freilassung 
^lessenios  beruht  —  Bohomoloc  hat  es  auslassen  müssen,  weil  er 
nicht  die  altrömischen  Sklavenverhältnisse  zwischen  Diener  und 
Herr  in  seine  Komödie  herübemehmen  konnte  — ,  tritt  bei  unserem 
Dichter-Bearbeiter  unmittelbar  die  Auflösung  des  Konfliktes  ein, 
indem  er  alle  handelnden  Personen  zum  ersten  Male  auf  der  Bühne 
versammelt  und  sie  zur  Einsicht  kommen  läßt,  daß  man  zwei 
Leliusze  vor  sich  hat. 

Wenn  wir  nun  das  arithmetische  Fazit  der  obig<m 
Untersuchungen  ziehen  wollen,  konstatieren  wir,  daß  den 
sieben  Verwech.'r^lungen  des  Plautinirchen  Stückes  bei 
Bohomolec  zwar  nur  eechs  gegenüberstehen,  daß  aber  die 
Zahl  der  Mißverständnisse  bedeutend  vero[rößert  ist:  denn 
statt  der  vier  Mißverf-tändni^se,  die  wir  bei  Plautuß  fest- 
stellen konnten,  gibt  Bohomolec  sieben,  und  zwar  sind 
vier  davon  bei  Plautus  niclit  vorgesehen.  Von  den 
Verwechslungen,  djy  wir  bei  ihm  finden,  ist  eine  im 
Vergleich  mit  der  Plautinischen  Komödie  neu.  Von  den 
fünf  Neuerungen,  die  wir  somit  bei  Bohomolec  vorfinden, 
verdankt  er  aber  drei  (nämlicli  eine  Verweclislung 
und  zwei  Mißverständnisse)  Goldoni.  Nur  zwei  Miß- 
verständnisse gehören  eigentlich  ganz  Bohomolec  an,  sind 
aber  auch  wiederum  unter  dem  Einflüsse  von  Reminiszenzen 
aus   fremden  Komödien   entstantlen.     Unser   Resultat 


Bohomolec'  Verhültni-s  z.  lat.,  vorzüj:!    I'l.iutinisclien  Konifldie.     105 

muß  also  dieses  werden:  lU)  b  oin  ol  cc'  M<*thode 
—  jedenfalls  bei  der  Bearbeitung  «liesf^r  Plaiitinipchcn 
Vorlage  —  ist  nicht  die  Methode  der  freien  In- 
V  e  ntion  ,  sondern  die  Methode  d  er  Kon  ta  lu  i  n  n- 
tiongegebener  Motive. 

Die  tPrzyiaciele  stolowi»  bieU;n  in  ihrer  Han  1- 
lung,  im  besten  Einklänge  mit  dem  hier  gewonnenen 
Resultate,  wesentlich  eine  mehr  odt-r  weniger  geschickte 
Kontamination  von  zwei  Plautinischen  Komödien,  d«  r 
«MoBtellaria»  und  de«  «Trinummus»,  eine  Konta- 
mination, die  nicht  unberechtigt®  unrl  nicht  ungeschickt 
durchgeführt  ist.  Von  einer  einfachen  Nachahmung, 
Bearbeitung  kann  hier  somit  nicht  gut  die  Rede  eein, 
im  Gegenteil,  man  könnte  die  «Prz3'iaciele  stoi<jwi»  mit 
einigem  Rechte  als  eine  mehr  oder  weniger  selbständige 
Komödie  betrachten,  deren  Handlung  Bohomolec  —  sit 
venia  verbo  —  als  komischer  Eklektiker  auf  gewissen 
Plautinischen  Motiven  basiert  hat.  Welche  von  jenen 
beiden  Komödien  dabei  der  Ausgangspunkt  für  ihn  ge- 
wesen ist,  können  wir  nicht  ohne  weiteres  ausmachen: 
obgleich  die  Exposition  der  Komödie  an  den  Anfang  des 
«Trinummua»  erinnert,  scheint  dennoch  die  «Mostellaria» 
die  primäre  Quelle  für  Bohomolec  gewesen  zu  sein. 

Was  für  Holberg,  der  bekanntlich  seine  Komödie 
« Abracadabra>  auch  auf  der  «Mostellaria»  basiert  hat, 
nur  ein  Experiment  war,  nämlich  die  Elinnnierung  aller 
Frauenrollen,  das  mußte  für  Bohomolec  natürlich  ein 
Prinzip  sein.  So  kommt  es,  daß  die  übrigens  auch  bei 
Plautus  nur  episodischen  Frauen,  die  beiden  Freundinnen 
Philomatium   und  Delphium   sowie   die  Dienerin   Scapha, 

ö  Eino  solche  Verflechtung  der  «Mostellaxiai»  und  des  «Tri- 
riummus»  ist  keineswegs  vereinzelt  in  der  Geschichte  der  Komödie. 
Schon  Giovanmaria  Cecchi  hat  in  seiner  1550  erschienenen  «La 
Dotei»  dieselbe  Kontamination  angewandt,  freilich  «ohne  rechten 
Zweck  und  unvermittelt».  Vgl.  K.  v.  Reinhardstoettner, 
a.  a.  0.,  S.  753  ff.  —  Max  J.  W  o  1  f  f ,  Italienische  Komödien- 
dichter in  der  *  Germanisch-Romanischen  Monatsschrift*,  Bd.  IX, 
Heft  5/6,  S.  167). 


ICH)  Kapitel  II. 

auegeschieden  sind.  Die  Plauptpersonen  der  lateinischen 
Komödie  (den  Philolaches  adulescens,  seinen  Vater  Theo- 
propides, den  witzigen  Intriganten  und  Diener  Tranio,  1 
außerdem  den  Danista  Misargyrides  und  den  Nachbarn 
Simo)  finden  wir  auch  bei  Bohomolec  wieder,  freilich  mit 
veränderten  Namen:  hier  haben  wir  den  «mlodzian 
rozrzutny>^  Robert,  seinen  Vater  Anzelm ,  den  Diener 
Frontin,  weiter  den  *kupiec>  Rudolf  und  den  Nachbarn 
Leopold.  Der  liebenswürdige  Schwelger  Callidamates  hat 
bei  Bohomolec  zwei  Freunden  Roberts  weichen  müssen, 
dem  Alkander  und  dem  Klearch,  die  mit  den  neuen 
Namen  auch  einen  neuen  Charakter  angenommen  und 
eine  nicht  unbedeutende  Rolle  bei  Bohomolec  zu  spielen 
haben.  Zuletzt  sei  nur  noch  bemerkt,  daß  der  «servus» 
Phaniscas  unter  dem  neuen  Namen  Jan  auftritt.  Der  Ort 
der  Handlung  —  bei  Plautus  heißt  es  «scena  Athenis» 
—  ist  bei  Bohomolec  nicht  ausdrücklich  genannt;  nichts 
deutet  darauf,  daß  die  Handlung  als  in  polnischem  Miheu 
sich  abspielend  gedacht  werden  muß. 

Wir  können  vorläufig  den  ganzen  ersten  Akt  weg- 
lassen, da  die  wirkliche  Anlehnung  an  die  «Mostellaria» 
erst  mit  dem  zweiten  Akte  beginnt.  Die  beiden  Szenen, 
aus  denen  der  zweite  Akt  der  Plautinischen  Komödie  be- 
steht, haben  bei  Bohomolec  ihre  Parallelen  in  der  ersten 
und  in  der  fünften  Szene;  die  beiden  folgenden  Szenen 
bei  Bohomolec  sind  auf  Grund  der  beiden  Szenen  des 
dritten  Plautinischen  Aktes  entstanden.  Wenn  somit  der 
Diener  Frontin  der  zechenden  (Jesellschaft  die  Nachricht 
bringt,  der  alte  Anzelm  sei  plötzlich  heimgekehrt,  wenn 
er  diesen  davon  abzuhalten  sucht,  in  sein  Haus  zu  treten 
(wobei  er  freilich  nicht  wie  bei  Plautus  und  den  meisten 
seiner  Nachahmer  das  Ammenmärchen  vom  Hausgeepenste 
zum  besten  gibt,  sondern  die  neue  Ausflucht  erfindet, 
daß  das  Haus  urplötzlich  von  einer  Seuche  verpestf»t 
worden  sei),  wenn  er  weiter  die  Geschichte  vom  Haus- 
kaufe erfindet  und  vom  Nachbarn  die  Erlaubnis  zur  Be-  J 
eichtigung  seines  Hauses  erhält,  so  sind  das  alles  Szenep, 


Fiohomolec'  Verhriltnis  z.  lat.,  vorzQgl.  Plautinisdicn  Komt'iclie.     107 


die  bei  Plautus  vorgezeiolinot  sind  (Rohoiii.  If.  1,  5,  6,  7 
=  Plautufl   IF.  1,  2,   III,  1.  2). 

Zum  Ver<^loiche  seien  hi«r  die  erste  Szene  des  dritten 
Aktes  bei  Plautus  und  die  sechste  Szene  des  zweiten  Aktes 
bei  Bohomoleo  angeführt: 
IMaulus  lil.  1,  V.  31  IT.: 
TRA:  .  .  .  no  e^ro  iiiiser. 

scelestus.  iiatus  tlis  ininii- 

cis  Omnibus, 
iani  illo    pracsonte  adibit. 
ne  ego  bonio  suin  iniser, 
ita  et  hinc  et  illinc  me  ei- 

hibent  nep'otium. 
sed  occupal)o  adire  .... 


al>i  (juaeso  hinc 

domum. 
DAN:  abeam? 

TRA:  redito  huc  circiter 

meritlie. 
DAN;  reddelurne  i^itur  faenus? 
TRA:  reddet:  nunc  abi. 

DAN:  iam  hercle  ego  illunc  no- 

minabo. 

TRA:  eugae  slrenue! 

beatus  vero  es  nunc  quom 

clamas. 

DAN:  meum  peto. 

multos  me  boc  pacto  iam 
dies  frustramini. 

molestus  si  sum  reddite 
argentum:  abiero. 

THE:   ....  quis  illic  est?  quid 

illic  pelil? 
quid  Philolachetem  gnatum 

compellat  /meum/ 
sie  et  praesenti   tibi   facit 

convicium  V 

quid  illi  debeturV 


Bohomolec    II,   6: 

FRO:  .  .  .  Czy  kaci  tego  kredy- 
tora  tera/.  iiadalil  Zjjubi 
miQ,  ieäli  przed  oycem 
o  swym  dhio^  co  na- 
mieni. 


(Idzie  do  Rudolfa  y  möwi  mu) : 
Hudolfio,  picni.'\dzc  albo 
kamionicQ  iulro  micc  b<;- 
dzicsz.  Dziä  miey  cicr- 
pliwosc,  bo  pan  m6y 
bardzo  zabaN\Tiy. 


RUD:  Juz  to  kilka  dni  Robert 
miQ  tak  hidzi. 

FRO:  Cicho,  cicbo,  nie  m6w 
tak    glosno. 

RUD:  Czcmu  nie  mam  o  swoie 
möwic  ? 

FRO:  Ale  nie  wrzeszcz!  Wiem, 
ze  masz  gtos  dobry ! 

RUD:  Oddaycie  mi,  com  dal 
Rolicrtowi  —  to  b^d^  mil- 
czal. 

ANZ:  Frontynie,  czogo  ehre  ten 
czlowiok  ?  CO  to  on  mö- 
wi o  moim  Robercie? 

RUD  (zbliza  sIq  do  Anzebna 
möwiaf ) :  Pewnie  Robert 
syn  WM.  Pana? 

ANZ:  Tak  lest.  Czegoz  chcö- 
cie  od  niego? 


108 


Kapitel  IL 


TRA:  quatluoi    (luadraginta    illi 
debentur  minae; 
die  te  daturunj,  ut  abeat. 


THE: 
TRA: 

egon  dicam  dare? 
dice. 

THE: 
TRA: 

egoneV 

tu  ipsus.  die  modo, 
ausculta  mihi. 

promitte,  age  inquam:  ego 
iubeo. 

THE: 

responde  mihi: 
quid  eo  est  argentum  fac- 
tum? 

TRA: 

aedis  filius 

tuos  emit. 

THE: 

aedis? 

TRA: 

aedis. 

IHE: 

eugae!  Philolaches 
patrissat:    iam    homo     in 
mercatura  vortilur. 

(V.  114). 
TRA:   nam  postquam  haec  aedes 

ita  erant,  ut  dixi  tibi, 

conlinuo    est    aUas    aedis 

mercatus  sibi. 

(V.  HI)  talenlis  magnis  to- 

tidem  quot  ego   et  tu 

sumus. 
sed     anaboni    has     dedit 

quadraginta  minas. 
hinc  sump.sit  quas  ei  dedi- 

mus.     salin  intelligis? 


RUD:  Chc^  pi^tnasln  tysi^cy, 
kt^rych  pozyczylem  . .  . 

ANZ:  Roberlowi? 

RUD:  Tak  icst. 

ANZ:  Jak  to  Rol)ert  mögl  po- 
zyczac  ? 

FRO  (bierze  na  slxonQ  Anzelma 
y  möwi):  Pozyczyt.  Ale 
—  te  pieni^dze  wielki 
zysk  przyniosiy  . .  .  Obie- 
cuy  rau,  WM.  Pan,  ze 
iutro  mu  oddasz. 

ANZ:  Ja  mam  oddawa;6? 


FRO:  Nie    b<;dziesz    WM.    Fan 
zalowal. 


ANZ:  Ale  na  c6z   te  pieni^dze 

pozyczone  ? 
FRO:  Kupuiemy   kamienic$,   bo 

w    tamtey,     wiesz    WM. 

Pan,  nieraoina  mioszka6. 


ANZ :  Czy  nie  droga  ? 

FRO:  Za  l)ezc€nek  l^ kupuiemy. 
Kamienica  barzo  pi^kna^ 
warta  60000  zlotych,  a 
myämy  sIq  zgodzili  na 
30000.  PiQtnaäcie  iuz  da- 
lismy  tysiQcy,  a  drugie 
pi^tnaäcie  przy  obi^ciu 
mamy  wyplaciö.  Ten,  co 
i^  przedaie,  barzo  zahiie. 


Bohoraolec'  Vertuiltnls  z.  lat.,  vorzüj?!.  Plautini^;^^l♦nl  Komödio.      1()'.> 


THE:   bene  hercle  factum. 


DAN:  heus,   iani  adpetit 

meridie. 

THE:  adoiescens,     niecum    rem 

habe. 
DAN:  nenipe  aps  te  petam? 


THE:   petito  cras. 

DAN :  abeo :  sat  habeo  si  cras  fero. 


THE:   qna  in  repione  islas  aedis 
emit  filius? 

TRA:    ,  .  de  vicino  hoc  proxuino 
tuos  emit  aedis  tilius. 

THE:   non  in  loco  emit  perbono. 

TRA:  immo  in  optumo. 

THE:   cupio  hercle  inspicere  has- 

ce  aedis.  pultadum  fores 

atque  evoca  aliquem  intus 

ad  te,  Tranio. 


zo  sifj  tak   tanio  zgodzih 

chciatby    odst^pid    targu, 

alft  po  czasio  —  iui  wzi^t 

polowQ    sumrny. 
ANZ:  Jesu     tak     lest,     to     warn 

po<l7Jokui<>. 
FRO :  Y    iabym    mial    zawodzic 

WM.    Pana? 
RUD:  Cüz,     mam    sIq     spodzit 

\va(':  pieni<jdzy? 
ANZ:  Przyiacielu,  ia  dziä  z  dro 

gl    tu    przybytem;    mioy 

cierpliwosc;   iutro  ci   wy 

piacQ  do  szebiga. 
RUD:  Ale    iuz    m'ni    tak    ludzo 

no    ... 
ANZ:  B£\dz  pewicn,  zc  iutro  oJ 

bicrzesz  twe  pieni.'\dze. 
RUD:  Miiieyaza    o  toi      Zacz«; 

kam    do    iulra.     (Odcho 

dzi.) 
ANZ:  Ktör^z    lo    kiipuiecie    ka 

mienicQ  ? 

FRO:  Oto  tamtci  mi  rogu.  Patrz 
WM.   Pan. 

ANZ:  PiQkjia    kamienica! 

A    czy    mozna    i^    wew 

n^trz    obaczyc  ? 
FRO:  Musz(j  rozmuwiö  siq  z  sa 

mym  icy  panem,  ieäli  tc 

raz  — 

al©  y  on  sam  idziel 


TRA:   eugae!  optume  eccum  ae- 
dium  dominus  foras 
Simo  progreditur  ipsus  .  . . 

Wenn  wir  diese  beiden  Texte  vergleichen,  finden  wir,  daß 
Bohomolec  eine  wirkliche  Neubearbeitung  derPlautinischen 
Vorlage  geliefert  hat.  Die  Repliken  seiner  Personen  er 
innern  zwar  an  die  Fragen  und  Antworten  der  Plautini- 
•schen  Figuren,  der  Gang  des  Gespräches  ist  in  seinen 
.Hauptzügen    derselbe    wie    bei    Plautus,     das    Ziel    des 


110  Kapitel  II. 

Dialogas    iPt    bei    beiden    Dichtern    identisch.      Dennoch 
erreicht    aber    Bohomolcc   durch    Wegstreichung    größerer 
Partien,    durch    Zusammenziehung    des    (Tcspräches    eine 
gewisse   Charakterverschiebung,    die    für   die    ganze   Auf- 
fassung der  Komödie  seitens  Bohomolec'  von  sehr  großer 
Bedeutung   ist   und    in   direktem    Gegensatze   zu    Plautus' 
Intentionen  .«teht.    Für  Plautus  ist  die  Gestalt  des  Tranio 
die    Hauptgestalt   des   Stückes:    mit    besonderer    Vorliebe 
gibt  er  dem   «servus»   jede  Gelegenheit  zur  Entwicklung 
seiner  hervorstechenden  Charaktereigenschaften ;  wir  haben 
die  Gestalt  eines  blitzschnell  überlegenden,  sich  in  häufigen 
Selbstgesprächen     ergehenden,    die    allgemeine    Situation 
ganz    beherrschenden   spiritus   rector   der   ganzen   Intrige; 
mit  großem  Reichtum   an  Details,  mit  zahlreichen  komi- 
schen Wortplänkeleien,  mit  witzigen  Repliken  schmückte 
Plautus    den    Dialog    zwischen    dem    danista   und    servus 
einerseits  und    dem    senex    und    servus   andererseits    aus. 
Ganz    anders    ist    Bohomolec'  Verhalten    der   Gestalt   des 
Dieners  gegenüber:  er  beraubte  ihn  der  Möglichkeit,  seinen 
Witz  so  ungezügelt  spielen  zu  lassen,  wie  das  bei  Plautus 
möglich  war;   er   behielt   nur  den   allgemeinen  Gang    des 
(Sespräches  zwischen  den  Auftretenden  und  schränkte  die 
Rolle    des    Dieners    möglichst   ein.     Denn    für  Bohomolec 
war  die  Gestalt  des  Dieners  nur  eine  nebensächliche  Figur, 
deren    einzige    Aufgabe    die    war,    die    Handlung    durch- 
zuführen, und  das  komische  Element  zu  repräsentieren  in 
dieser   Komödie,    die   ernst   gemeint    war    und    über   eine 
Frage  belehren  sollte.    Doch  von  der  Tendenz  der  Komö- 
die werde   ich   in   einem   anderen  Zusammenhange   reden 
können.      Als    weiterer    Beweis   dieser    Behauptung   kann 
die   Szene   dienen,    die   auf   die    obenzitierte   folgt.      Alle 
die  Ix)beserhebungen,  mit  denen  Tranio  den  Nachbarn  ßimo 
überhäuft,  seine  eindringlichen  Bitten,  dem  Theopropidee 
ja  nichts  von  dem  verschwenderischen  Leben  seines  Sohnes 
zu   erzählen,   sind   bei  Bohomolec   resolut  weggeschnitten. 
Zugleich    ließ    er    aber   das    Motiv   des  Zusammentreffen» 
zwischen  dem  vermeintlichen  Käufer  des  Hauses  und  dem 


fruKiiilHrhcp  Ve:  ^  x.  B.  Hc^b^re  die 

Idee  m  emifeo  ee  -eben  I  in 

gegeben   batte.   f& 
Gang  der  Har '' 
Diener  nkfat  ir 

menle  dagegen,  anf  denen  die  Saene  bei  Bobomolec 
bembt  nnd  kuwqps  oeo,  ae  finden  neb  alle  bei 
PUotoe  wieder. 

Und  80  rerfibit  BobonM^ec  aucb  im  «reitercn  Ver- 
laufe jener  Teile  der  KomSdie,  die  FlmtiiB  entiebnl 
sind.  Hit  Weg^bssinig  der  in  der  OrSatdaMugßhe  ak 
in,  3,  lY.  1  und  IV.  2  (V.  l>-20)  benicbnetcn,  for  den 
Gang  der  flandhmg  reUtiT  weniger  wicbt^en  Steoea 
(wobei  die  Hanptinge  ans  HI,  3  in  der  secbslen  nnd 
-'Lbiaiten  8aene  des  nreiten  Aktea  bei  Bohomolee  mr  Ver- 
'  endnng  kamen)  m  weilet  der  polniidie  Beaitiefter  auch 
die  PlantinKdien  Stenen  IV,«2  (V.  SlfL)  und  IV.  3  for 
eeine  Komödie,  nnd  zwar  in  der  drillen  nnd  Tieften  Saene 
aeines  dritten  Aktes:  der  Vater  slfiBt  mit  dem  Diener  Jan, 
der  seinen  Herrn  Kleardi  nadi  Hanee  abholen  wüL,  an- 
«ammcn  nnd  erfilut  Ton  djeiaein  zum  euleu  Male  den 
wahren  ^acfareriialt  (ilL,  3X  der  in  einem  Ge^HScb  mit 
dem  beimkebrenden  Leopold  eeine  Bestätigung  findet  (m,  4  ). 
Wie  oben  bddlt  Bohomolee  aneb  hier  nnr  die  banptrildi- 
liebsten  Tateaeben  bei,  ohne  eidi  nm  das  dialekliadie 
Dttnn  nnd  Dian  des  Flantns  zn  knmmem.  Und  indem 
er  dabei  anf  einige,  im  eiaten  Akte  exposüiuusweiae  an- 
gedentete  Motive  znrödigieifl,  gdingt  es  ihm,  am  dem 
^ren%  gdnngenen  Abachlnne,  den  wir  bei  Flantns  vor- 
finden, eine  nene,  dramatiadi  liemlicb  gut  dnrdigelobfte 
I^JBUi^  des  JConfläts  zo  gi'FtilJgn 

IKese   lC»|Mmiiini   stanuDt   nnn   ans   einer   anderen 
Komödie  des  FlantnB,  dem  «Trinmcmns*. 

Bekanntücfa  beginnt  Flantos    ii^    T-. 
«Mosleilaria^  damit^  dafi  einer  der    : 
^^^-z  :er  Tlieotiiopidea,  namens  Gz 


11 '2  Kapitel  II. 

schwenderischen  Theben  verleite,  Vorwürfe,  die  Tranio  mit 
Hohn  und  Spott  beantwortet.    Bei  Bobomolec  beginnt  die 
Komödie  ganz  anders.     Der  alte  Freund  des  verschollenen 
Anzelm,    namens  Wilhelm,    berät    sich    mit    dem   Diener 
Frontin    über   das    verschwenderische   Leben    des   jungen 
lioberts,    seines    Mündels,    wobei    die    Frage    einer    Mit- 
schuld d-'s  Dieners  an  dieser  Lebensweise  ganz  ausgeschaltet 
ist.     Im  Gegenteil,  er  ist  ganz  der  Ansicht  Wilhelms,  daß 
Roberts  Leben    sehr   tadelnswert   sei;    die    Schuld    daran 
—  und  das  ist  ein  bemerkenswerter  Zug,  den  wir  später 
zu    besprechen    haben    werden    —    fällt    auf    Roberts 
Freunde.     Aus   dem  Gespräch    der    beiden    werden   wir 
über  die  ökonomische  Misere  des  jungen  Herrn  unterrichtet, 
und  um    dem    drohenden   Haus  verkaufe    zuvorzukommen, 
den     Robert    beabsichtigt,     um     mit     dem     Erlöse    seine 
Gläubiger,    vor    allen  Dingen  einen   gewissen  Rudolf,    zu- 
friedenzustellen,  kommt  nuji  Frontin  auf  den  Gedanken, 
einen  Gauner  («filut»)  zu  mieten,  der  dem  Robert  einen 
falschen   Brief  von  Anzelm,  den  jener  tot  glaubt,   über- 
bringen solle    mit   der  erfundenen  Mitteilung  von  dessen 
bevorstehender  Heimkehr;  der  Überbringer  des  Briefe^  solle 
Fich  für  einen  guten  Freund  des  abwesenden  Anzelm  aus- 
gaben.   Wilhelm    billigt    diesen    Plan    und   geht  ab,    um 
ihn    sofort    auszuführen.     Das    ist   zweifelsohne   aus   dem 
«Trinummus»     entlehnt,    denn     auch    hier    rät    der    alte 
Megaronides     dem     Vormunde      des     verschwenderischen 
Jünglings  Lysiteles,  dem  edlen  Callides,  er  solle  dem  Plane 
Peines    mißratenen    Mündels,    den    letzten    Acker    zwecks 
Beschaffung     einer     standesgemäßen     Aussteuer    für     die 
Schwester,  die  sich  verheiraten  möchte,  zu  verkaufen,  auf 
die  Weise  zuvorkommen,  daß  er  einen  «sycophanta»  miete, 
der  sich   für  einen  R<'isegenossen  des  verschollenen  Vaters 
Charmides    ausgeben   und   Lysiteles   einen   gefälschten 
Brief   und  Geld    im  Namen    des  Vaters    übergeben  solle 
(III,  3). 

Diese  Annahme  einer  Motiventlehnung  wird  nun  da- 
durch   zur    Gewißheit   erhoben,    daß    die    ganze    Szene 


Bohomolec'  Verhältnis  z.  lat..  vorzügl.  Plautinischen  Komödie.     IH 


(IV,  1)  aus  dem  <TrinummU8>,  wo  der  heimkehrende 
Charmidps  mit  dem  J^ykophanten  Pax  vor  seinem  eigenen 
Hause  zusammentrifft  und,  olme  ihm  zu  sagen,  wer  er  iFt, 
von  ihm  die  erfundene  Geschichte  von  der  Hrief-^endunj^ 
erfährt,  von  IJohomoIec  recht  geschickt  in  den  zweiten 
Akt  (Szene  zwei)  eingeschoben  ist,  wo  der  heimkehrende 
Anzelm  (alias  Charmides  alias  Theopropides)  zuallererst 
auf  den   «filut»   Marcin  stößt: 

2: 


Plautus  1V,2: 

SVC.    huic  e;;o   die   noinen  Tri- 

numino  facio;  nam  ego 

operam  meam 
tribu'  numinis  hodie  loca- 

vi  ad  artes  nu^alorias. 
advenio  ex  Seleucia,  Mace- 

donia,  Asiu  atque  Ara- 

bia^ 
quas  eij'o  neque  orulis  nee 

pedibus  uniquain  usur- 

pavi  nieis. 
viden  egeslas  quid  negoli 

dat  homini  misero  mali, 
quin  ego  nunc  subigor  tri- 

um    nunimum    caussa 

ut  hasce  epislulas 
'dicam  ab  eo  homine  me 

accepisse  quem  rgo  qui 

sit  homo  iiescio 
neque   novi   neque   nalus 

necne  is  fuerit  id  solide 

scio. 

(v.  24):  has  regiones  de- 
monstravit  mihi  ille 
conductor  meus; 

apud  illas  aedis  sistendae 
mihi  sunt  sycophanliae. 


/  Diese  Stelle  bei  Bohomolec' 
dürfte  mit  Charmides'  Mono- 


Bohomolec    11, 

MAR :  Y  ia  te<ly  mam  ud»v 
przed  RolKjrtem,  ze  teraz 
iadQ  z  Konstant ynopola, 
gdzio  moia  noga  nigdy 
nie   posLala. 


Mam  uczynic  sig  przyia- 
cielem  Anzelma,  ktörc 
gern  nigdy  nio  v.'idziaJ,  y 
oddac  od  niego  Hst  sy- 
nowi. 


Wiem,  ze  w  tym  domu 
mieszka  syn,  aie  iak- 
bym  tego  nie  wiedzial, 
spytam  sIq  kogo,  zeby 
mnieniano,  zem  nio  iest 
z  tego  mieysca.  Oto  ia- 
ki§  staruszek  tu  idzie. 
Jego  sig  spytara. 

Bohomolec    II,  3  : 

ANZ  (sam  do  siebie  möwi) :  Jak 
mi  sIq  serce  cieszy,  przy- 


Steoder-Petersen ,  Die  Schulkomödien. 


114 


Kapitel  II. 


log  (IV,  1)  in  Verbindung  ge- 
bracht werden;  hier  wie  dort 
Dankgefühle  des  glucklich 
Heimkehrenden  /. 

(v.  29)    CHA:    quid,    adulescens, 

quaerisV  quid  vis?  quid  islas 

pultasV 

SYC:  heus  senex, 

census  quom  /sum/,  iura- 

lori  recterationemdedi. 

Lesbonicum  hie  adulescen- 

tem   quacro  in  bis  ru- 

gionibus. 

|v,  51)  CHA:    eloquere,    isli   tibi 
quid  homines  debent  quos  tu 
quaeritas  V 
SYC:    pater    istius    adulescenlis 
dedit  has  duas  ml  epi- 
stulas, 
Lesbonici.  is  mihi  est  ami- 
cus. 

CHA:  teneo   hunc   manufes- 

tarium. 
me  sibi  epistulas   dedisse 
dicit.  ludara  liominem 
probe. 


(V.  60)  CHA:  ab  ipson  istas   ac- 
cepisti  V 

SYC:    e  manibus  dedit  mi   ipse 
in  manus. 


(V.  59)  CHA:  ubi  ipse  erat? 
SYC:  bene  rem  gerebat. 

CHA:  erga  ubi? 

SY'C:  in  Seleucia. 


MAR 
ANZ: 


blizai;\c  siQ  de  mego  do- 
mu    . . .     Dobrzo   to   mö- 
wiiv:  «Wsz^dzie  dobrze,  a 
naylopiey   w  domu». 
Hey,   staniszku  I 
Czeizo  chcecie? 


MAll :  Czy  to  iest  dom  Roberta  ? 


ANZ:  A  CO  tarn  za  sprawQ  ma 
cie? 

MAR :  Mam  mu  oddac  list  od 
iego  oyca. 

ANZ :  Od    kogo  ?   od   oyca   Ro-  J 
berLa?  " 

MAR:  Tak  iest. 

ANZ    (sam    do     siobi©     möwi): 

2adnych    temu    czlekowi  _, 
niedawalem  listöw.  B^dQ 
dissymulowat,   zebym  siQ 
lepiey  mögl  wypyta6. 

MAR:  Cöz?  czy  tu  mieszka  Ro- 
bert? 

ANZ:  Czy  sam  oyciec  ten  list 
dal  tobie  do  Roberia? 
czy  kto  inny? 

MAR:  Sam  oyciec,  sw^  wlasa^ 

TQk^. 

ANZ:  Nio  wiesz,  co  on  pisze? 
MAR :  To  pisze,  z©  wkrötce  ma 

tu  przybyd.  Juz  wyiachal 

2  Konstantynopola. 
ANZ :  A  gdzie  siQ  z  nim  widzia- 

lۤ? 

MAR:  W  Konstantynopt>lu. 


Bühoinolec'  Verhältnis  z.  lal.,  vorzüirl.  Mautinistlien  Komödie.     115 


(V.  63)     CHA:     novistin     honii-    |    ANZ 

nem?  ' 

SYC:  ridicule    rogilas,    quo-       MAU 

cum  un.i  cibum 
capere  soleo, 
(V.    61)     CHA:     qua     lacie     est   ,   AiNZ: 
homo?  MAU 

ANZ: 


SYC:  ses'iuijtedc  quiddamst 

quam  tu  longior. 


CHA: 
SYC: 
CHA: 
SYC: 


CHA: 


Callinicus? 
non  est. 

Callimarchns? 
nihil  agis. 
neque   adeo   edepol  flocci 

facio,   quando   egomet 

memini  mihi, 
at   enim   multi   Lesbonici 

sunt  hie:  nisi   nomen 

patris 
dices,  non  mostrare  istos 

possum  homines  quos 

tu  quaeritas. 
quod   ad   exemplum   est? 

coniectura  si    reperire 

possumus. 


MAU 


\\ .  w*!  ViXin.        «|ui\.i  C3L  iji  iiuiiicii  I 

<Vxl£.< 

(V.  65)  SYC:        illi  edepol  —Uli 

MAU 

—    illi    —    vae    mihi 

misero  I 

.  .  .  devoravi  nomen  im- 

pudens  modo. 

(?.  74):  CHA:  Callias? 

ANZ 

SYC:            non  est. 

MAR 

CHA:              Callipus? 

ANZ 

SYC:                  non  est. 

MAR 

CHA:                   Callidemides? 

ANZ 

SYC:    non  est 

MAR 

ANZ 


^fAR 


ANZ 


W'iqc   musisz  go  znaud? 

JaJizo  nie?  to  möy  wielki 
przyiaciel. 

JaJ{i/.  on  iost? 
Sk;\py   okruLnie. 
Alo   nie   to !     Ja   siQ    py- 
lam,  iakiego  on  wzroslu? 
Jost    prawie   na   pi^ö   ca- 
löw   wyzszy  od   ciobie. 
Test    to    iakiä    filut,    alo 
dissymuluymy  I    —   Jakzo 
mu  iniii;? 

Imie  ?  Zaraz  I  . . .  An  . . . 
An  . . .  Wypadto  mi  toraa 
z  glowy  I 


Czy  nie  Andrzey  ? 

Nie   ...   An   ...   An   ... 

KrQci  mi  siQ  na  if^zykn. 

Czy  nie  Anloni? 

Nicl     Bodayby    gol     Nie 

mogQ   przypomnieö. 

Czy  nie  Anna? 

Podobnieyszy     do     Anny 

niz  do  Antoniego,  ale  nie 

Anna. 

Czy  nie  Anastazy? 


Nie,  nie !  . .  .  Ale  mniey- 
sza  o  imiQ  I  Ja  domu  Ro- 
berta  szukam. 

Rol>ertöw  iest  tu  wielie. 
Je.4ii  mi  imienia  oycow- 
skiego  nie  powiesz,  ia  nie 
zgadne,  ktörego  ci  trzeba 
Rüberta. 


b» 


llfi 


Kapitel  II. 


SYC: 


CHA 
SYC: 


ad  hoc  exemplum  est:  an 
Chaies?  aiiChaimidesV 

num  Charmides? 
em  islic  eiit.  qui  istum  di 
peidant ! 


CHA:    dixi     ego      iain     dudum 
tibi: 
te  potius  bene  dicere  ae- 
quom'st  homini  amico 
quam  male. 

SYC:  satin  inter  labra  atque  den- 
ies latuit  vir  minimi 
preli  ? 

(v.  110):  CHA:  noverisne  bomi- 
nem? 

SYC:         ne  tu  me  edepol  arbi- 
träre beluam, 
qui    quidem   non   novisse 
possim  quicum  aetatem 
exegerim. 


/SYC:  quis  tu  homo  es?/ 

(V.  128;:  CHA:  qui  mille  num- 
mum  tibi  dedi  ego  sura 
Charmides. 

SYC:    neque  edepol  tu  is  es  ne- 

que  hodie  is  unquara 

eris,  auro  huic  quidem. 

abi   sis,    nugator:    nugari 

nugatori  postulas. 

(v.  136):  CHA:  quis  ego  sum  igi- 
tur,  si  quidem  is  non 
sum  qui  sumV 

SYC:  quid  id  ad  me  attinet? 

dum  ille  ne  sis  quem  ego 
esse  nolo,  sis  mea  caus- 
sa  qui  iubet. 


MAR :  Imienia  z;iponmialem,  ale 

wiem,   iz  si^  na  «an»  za- 

czyna. 
ANZ:  Czy  nioAnzelm  rnuimig? 
MAR:  To  to  to;  ten  sam  to  lest! 

Boday     go    kaci     wziQli, 

niepoczciwy  I 
ANZ:  Za  coz   go   klniesz? 


MAR:  A  czemu  mi  on  dawTiiey 
na  pamiQC  nie  przyszedl? 

ANZ :  WiQC    znasz    dobrre   tego 

Anzelma? 
MAR:  Jabym  go  nie  znal,  z  ktJ6- 

rym  przez  6wier6  roku  w 

iednym     domu     mieszka 

fem? 
ANZ:  Czy   nie  podobny  on  do 

miiie  ? 
MAR:  Co  za  podobienstwo ? 
ANZ:  A    cobys    rzckl,    gdybym 

ia    sam   byJ    tyra    Anzel 

mem? 
MAR:  Nie  ieste.4  do  tego  podob- 
ny. 
ANZ:  Wiedzze    o    tym,    ze    ia 

sam   iestem  öw   Anzelm, 

oyciec   Roberta. 
MAR :  Prozno  chcesz  to  we  mnio 

wmöwi6.    Y  nie  bylcä  y 

nie    bgdziesz   t]^^   Anzel- 

mem! 


ANZ:  A  ktöz  ia  ieslem? 


MAR:  B^dz  sobie  czym  chcesz, 
byles  nie  byl  Anzelmem. 


Bohomolec'  Verhältnis  z.  lal.,  vorzQgl.  Plautinischen  Komödie.     117 

Aus  den  hier  geßenübergestellten  szenischen  Replik«'n 
erhellt  zur  Genüge,  daß  eine  direkte  Entlehnung  der  von 
Bohomolec  eingeschobenen  Szene  aus  dem  «Trinuinnnu.s» 
vorliegt.  Eine  solche  Verflechtung  der  aus  der  «Moslellaria» 
entnommenen  Hiindlung  mit  einem  Motive  aus  dem  «Tri- 
nummus»  war  psychologisch  sehr  erklärlich,  da  die  Heim- 
kehr des  verreist  gewesenen  V^aters  und  das  verschwendc- 
rit^che  Leben  seines  Sohnes  Motive  waren,  die  die  Hand- 
lung jener  Komödie  mit  der  der  letztgenannten  leicht  in 
gedankliche  Assoziation  brachten.  Zudem  war  die  Szene 
komisch,  entlastete  auch  stark  den  bei  Plautus  immer  an- 
wesenden Tranio,  diente  somit  indirekt  der  Absicht 
Ilohomolec',  Tranio  so  viel  als  möglich  in  den  Hintergrund 
zu  schieben,  und  paßte  so  leicht  in  den  ganzen  Gang  der 
Handlung  hinein. 

Auch  in  diesem  Falle  liegt  keine  sklavische  Abhcängig- 
keit  vor,  und  wenn  Bohomolec  seiner  Vorlage  auch  in  der 
Hauptsache  folgt,  so  übernimmt  er  doch  aus  ihr  nur  die 
wesentlichsten  Motive,  und  auch  diese  stellenweise  in  ver- 
änderter Reihenfolge.  Weniger  wichtige  Einzelheiten,  wie 
z.  B.  die  Reisebeschreibungen  des  Sykophanten,  läßt  er 
aus  und  konzentriert  den  bei  Plautus  weitausgesponnenen 
JMalog  stark. 

Aber  die  Einführung  dieser  Personen,  die  in  der 
«Mostellaria»  nicht  vorkamen,  des  Sykophanten  Marcin, 
des  Vormundes  und  Nachbarn  Wilhelm,  mußte  natürlich 
auch  auf  den  übrigen  Gang  der  Handlung  verändernd  ein- 
wirken. Marcin  konnte  ebenso  spurlos  von  der  Szene  ver- 
schwinden, wie  er  es  auch  bei  Plautus  in  dem  cTrinumraus» 
tat;  Wilhelm  war  durch  seine  Rolle  und  sein  Verhältnis 
zu  Robert  und  Anzelm  zu  stark  gebunden,  als  daß  Boho- 
molec ihn  einfach  in  der  weiteren  Entwicklung  der  Hand- 
lung hätte  ignorieren  können.  Aber  erscheint  Marcin  im 
Gegensatz  zu  Wilhelm  nicht  mehr  auf  der  Bühne,  nach- 
dem er  sie  einmal  erst  verlassen  hat,  so  mußte  doch  dus 
Zusammen treflfen  zwischen  Anzelm  und  ihm  natürlich  stark 
auf   das   folgende  Gespräch    zwischen    dem    ersteren  und 


118  Kapitel  II. 

Frontin  ein\>'irken:   er  hatte  nicht  nur  wie  in  der  «Mos- 
t^Uaria»    die  Aufgabe,    den    alten    Anzelm    vom    Betreten 
seines  Hauses  zurückzuhalten,  sondern  auch  die,  ihm  die 
Geschichte  des  gefälschten  Briefes  zu  erklären,  d.  h.  zwei 
Lügen  statt  der  einen  aufzutischen.    Er  findet  sich  rasch 
in  die  Situation  und  erfindet  schnell  einen  Vorwand: 
FRO :  Ach,  w  iakim  smutku  tu  bylismy  do  tych  czas  I 
ANZ:  Czemuz  to? 
FRO:  Rozglosit  tu  ktös  nie  po  chrzeäciansku,  ze  WM.  Pan  — 

uczciwszy  uszy   —   iimarles. 
ANZ:  2yiQ  ieszcze  —  y  zdröw  iestem.    Ale  powiedz  mi,  co  ten. 

list  znaczy? 
FRO:  Do  tegoz  y  ten  list  zmierza.  Syn  WM.  Pana  a  pan  moy 
zacny,  odebrawszy  tQ  smutn^  o  Smierci  WM.  Pana  no- 
winQ,  w  taki  wpadl  zal,  ze  ani  iesc  ani  pie6  nie  chcial. 
Ja  tedy,  chc^c  go  pocieszyc  y  zabiedz  zlemu,  namöwiwszy 
siQ  z  panem  Wilhelmem,  zmyslilem  ten  list  do  iego,  w 
•  ktörym  niby  to  WM.  Pan  piszesz,  zes  zdröw  y  ze  szcz^§- 

liwie  tu  powracasz.    Oto  ten  list. 
ANZ :  M^drzeäcie  uczynili.   Ale  nie  spodziewalem  siQ,  zeby  möy 

Robert  mial  mi§  tak  mocno  zalowac. 
FRO:  Ach,  mospanie,  nie  vviem,  zk^d  mu  lez  tyle  staie.    Usta- 

wicznie  .  ,  . 
ANZ:  Idzmyz   do  niegol    Pocieszmy   go   czympr^dzey  1     (II,  5) 

Erst  jetzt  sieht  sich  Frontin  gezwungen,  den  alten  Anzelm 
auf  irgendeine  Weise  davon  abzuhalten,  das  Haus  zu  be- 
treten; dabei  hatte  Bohomolec  ihn  nicht  das  Plautinische 
Motiv  von  den  «mostella»  auftischen  lassen  —  die  Ur- 
eache  ist  nicht  ganz  einleuchtend,  vielleicht  wollte  er  seine 
Schüler    nicht    mit    Gespenstergeschichten    füllen  ^^    — , 

10  Es  ist  wohl  nicht  mehr  als  ein  allerdings  bemerkens- 
werter Zufall,  wenn  ein  anderer  Jesuit,  der  berühmte  Bidermann, 
in  einem  seiner  Stücke  genau  dasselbe  Motiv  von  der  angeblichen 
Hausseuche  anwendet.  In  seinem  «Cenodoxus»,  der  mehrfache 
Reminiszenzen  an  Plautinische  Komödien  (die  «Menaechmi*,  die 
«Aulularia;^)  aufweist,  verhindert  der  Sklave  Dama  den  Parasiten 
Mariscus  daran,  das  Haus  des  Doktor  Cenodoxus  zu  betreten, 
indem  er  ihm  vorschwindelt,  daß  es  von  der  Pest  verseucht  sei, 
augenscheinlich,  wie  bei  Bohomolec,  eine  Umformung  des  «Mo- 
st<*llaria»-Motiv3.  —  Vgl.  Reinhardstoettner,  Zur  Ge- 
schichte des  Jesuitondramas  in  München  (Jahrbuch  f.  Münchener 
Crescliichte,   3.  Jahrg.,   Baniberg   1889),   S.  93,   97. 


Mohomolec'  Verhältnig  z.  Kit.,  vorzügrl.  Plautinischen  Komödie.      119 

Hondern   erfaiul   für  ihn    eine    andere,    der  Wirkung  naoh 

analoge  Lüge.     Er  erzählt  folgendes: 

FRO:  .  .  .  Tmx  dorn  lest  zapowietrzony !  Juz  kilka  iest  nie- 
dziol,  iak  po  zanikiii^to  ,  .  .  Pan  möy,  rhc^c  z  piwnic 
wodo  sprowadzic,  kazal  w  niey  kopac.  Gdy  nieco  wy 
kopano,  alic  posLrzegit  k»ch  glglx)ki,  |)elen  wQiow,  amo- 
k6w.  iaszczurek,  z  ktörego  zaraza  wycliodzj\ca  ztiraz 
ludzi  zabiiac  poczQla  .  .  .  Ktokolwiek  wszedl  do  tego 
domu,    zaraz   z  lyin   sig   smatem    pozegnal   .  .  , 

Was  die  Gestalt  des  Wilhelm  angeht,  so  mußte 
Bohomolec  ihn  noch  einmal  auf  die  Bühne  hringen, 
wenn  seine  episodische  Rolle  nicht  allzu  bleich  erscheinen 
sollte.  Er  erhält  eine  Szene,  um  die  von  Jans  und  I.eo: 
polds  Behauptungen  geweckten  schlimmen  Ahnungen  zu 
bekräftigen.  Übrigens  beginnt  schon  der  dritte  Akt  bei 
Bohomolec  mit  düsteren  Ahnungen,  da  Anzelm  in  der 
Siadt  Gelegenheit  gehabt  hat,  schlimme  Gerüchte  über 
seinen  Sohn  zu  hören. 

Die  Lösung  des  Konfliktes  ist  bei  Bohomolec  eine 
andere  als  bei  Plautus,  und  schon  in  der  Exposition,  dem 
ersten  Akte,  hatte  er  dieser  Konfliktlösung  vorgearbeitet. 
Aug.  O.  Friedrich  Lorenz,  der  in  seiner  Ausgabe  von  Plautus' 
Komödien  Holbergs  «Abracadabra»  mit  der  Plautinischen 
«Mostellaria»  verglich,  wies  mit  Recht  darauf  hin,  wie 
vorteilhaft  der  dänische  Dichter  den  plautinischen  Szenen - 
gang  durch  die  Einführung  des  €danista>  (des  Juden 
Ephraim)  noch  vor  der  Ankunft  des  Vaters  verändert 
hatte. ^^  Eine  ähnliche  Veränderung  finden  wir  bei  Boho- 
molec. Schon  im  ersten  Akte  (I,  4  —  6)  läßt  er,  zwar 
nicht  den  Rudolf,  aber  zwei  andere  Gläubiger,  den  Erast 
und  den  Dorant,  auftreten,  die  Frontin  auf  jene  oben 
beschriebene,  Poree  entlehnte  Weise  zur  Tür  hinaus- 
komplimentiert werden.  Diese  beiden  Kreditoren  läßt  Boho- 
molec, der  nicht  den  sclmn  zufriedengestellten  Rudolf 
wieder  auf  die  Bühne   bringen    konnte,    im  letzten  Akte, 


11  Ausgewählte   Komödien  des   T.    M.    Plautus.     Erklärt  voa 
Aug.   0.  Friedrich  Lorenz.    Bd.  II  (Berlin  1866),  S.  56. 


120  Kapitel  II. 

jils  sie  von  der  Rückkehr  des  Vaters  gehört  haben,  wieder 
auf  der  Bildfläche  erscheinen,  und  ihr  Guthaben  nochmals 
zurückfordern.  Das  gibt  dann  die  von  Bohomolec  von 
Anfang  an  bewußt  augestrebte  Gelegenheit,  die  moralische 
Minderwertigkeit  der  Freunde  zu  zeigen,  die  Robert  sich 
angeschaffl  hat,  die  ihn  ins  verschwenderische  Leben 
gelockt  haben,  und  auf  deren  freundschaftliche  Hilfe  er 
nun,  da  er  mittellos  dasteht,  fest,  aber  vergebens  baut: 
sie  ziehen  sich  zurück,  und  Robert  erkennt,  daß  er  falsch 
gehandelt  hat. 

Trotz  dieser  Veränderungen  und  Abweichungen,  die 
Bohomolec  sich  hier  in  größerem  Umfange  erlaubt  hat 
als  bei  der  Bearbeitung  der  «Menaechmi»,  können  wir  mit 
Jveichtigkeit  die  absichtlich  verwirrten  Fäden  der  zwei 
Plautinischen  Motive  trennen  und  erkennen,  wie  frei  Boho- 
molec die  in  der  «Mostellaria»  gefundene  Intrige  verändert, 
umformt,  verkürzt,  verdichtet,  mit  dem  «Trinummus»- 
Motiv  verflicht,  und  so  eine  Intrige  aufbaut,  die  seinen 
später  näher  zu  behandelnden  Zielen  voll  entspricht. 

Kielski  hat  geglaubt,  daß  die  Intrige  des  «Mysliwy» 
eine  «nowa  odmiana  'Les  Fourberies  de  Scapin'»  sei,  denn 
die  Rolle  des  witzigen  Dieners  sei  nichts  anderes  als  eine 
Variation  des  Moliereschen  Scapin  («rola  bowiera  sprytnego 
sluz^cego  dochodzi  tu  do  bardzo  szerokiego  zastosowania, 
zupelnie  w  duchu  wspomnianej  farsy  Moliera»).^^  Ganz 
abgesehen  von  der  wenig  beweisenden,  sich  nur  auf  sub- 
jektive Eindrücke  .stützenden  Form  seiner  Argumentation, 
ist  der  faktische  Gehalt  seiner  Behauptung  nachweisbar 
falsch.  Die  Quelle  der  Intrige,  bisher  übersehen, 
ist  wiederum  eine  Komödie  des  Plautus,  nämlich 
der  «Pseudolus».  Der  Titel  läßt  zwar  einen  direkten 
Zusammenhang  zwischen  diesen  beiden  Komödien  nicht 
gleich  vermuten,  dennoch  lehrt  uns  aber  ein  Vergleich, 
daß  dem  wirklich  so  ist. 


12  Kiel  Ski,   a.   a.    O.,    S.  142.    —   Strusihski  weiß   nichts 
über  die   Quelle  des   'xMyäliwp   zu   sagen. 


Bohomolec'  Verhältnis  z.  lat.,  voizügl.  Plautinisehen  Komödie.      liJl 

Der  Inhalt  der  Plautinischen  Intrig»*nk(iniödie,  in  der 
der  Diener  Pseudolus  die  Rolle  des  TiUlhelden  i?pielt,  ist 
bekanntlich  in  kurzen  Worten  der,  daß  Pscudoluö,  trotz 
der  Vorsichtigkeit  des  Kupplers  Ballio  und  des  alten  Vater.s 
SIdqo,  seinem  jungen  Herrn  namens  Calidoru.«',  <lom  Sohne 
des  letztgenannten,  hilft,  die  geliebte  PhcKinicium,  die  der 
Kuppler  einem  nicht  auf  der  Bühne  auftretenden  Offiziere 
(Polymachaeroplagides)  zu  verkaufen  beabsichtigt,  durch 
einen  glücklich  durchgeführten  Betrug  dennoch  für  sich 
zu  erwerben.  Er  erreicht  das,  indem  er  einen  Helfers- 
helfer Simia,  den  Diener  des  Charinus,  der  ein  guter  Freund 
des  jungen  Calidorus  ist,  dazu  veranlaßt,  sich  für  den 
Burschen  des  Offiziers  auszugeben,  der  gekommen  sei,  um 
das  Mädchen  laut  Abmachung  abzuholen. 

Bohomolec    konnte    das    Motiv    der    Liebe    zwischen 
Calidorus    und   der  Phoenicium    nicht   beibehalten.     Ihre 
Rolle  mit  der  eines  Freundes  zu  vertauschen,   wie  Boho- 
molec  es    bei    der  Umgestaltung  der  «Menaechmi»  hatte 
tun  können,    ging  in    diesem  Falle^  nicht   gut  an.     Statt 
dessen  wandte  er  eine  Methode  an,  die  wir  öfters 
bei  ihm  werden  beobachten  können:  er  veränderte 
den  Gegenstand  der  Leidenschaft  des  jungen  Helden,  in- 
dem er  aus  dem  geliebten  Mädchen,  das  von  einem  Kupp- 
ler gefangen  gehalten  wird,  einen  heißbegehrten  —  Hur^d 
machte,  den  der  Kaufmann,  ein  «starzec  lakomy»  namens 
Leopold,    zu  verkaufen   hat.     Der  Held    mußte    sich    aus 
einem  verliebten    Jüngling  demgemäß    natürlich  in  einen 
passionierten  Jäger  verwandeln  lassen.    Er  nennt  sich  bei 
Bohomolec  Robert.     Alle  «lorarii»  und  «meretrices»,   die 
bei  Plautus  vorkommen,  mußten  und  konnten  ausgemerzt 
werden,  aber  der  allgemeine  Gang  der  Handlung  und  die 
wichtigsten  Rollen  waren  auf  diese  Weise  gerettet.     Pseu- 
dolus  hat   nur   den    Namen    Tomasz    angenommen,    seine 
Rolle   des    «spiritus   rector»    jedoch    behalten;    der  Vater 
Simo    heißt    Kleon,    sein    Freund    Callipho    nennt    sich 
Alkander;     Charinus    wird     in    Dorant    umgetauft,    der 
Diener  Simia  in  Marcin,    der  Offiziersbursche  Harpax  in 


1-iü 


Kapitel  II. 


Grzegorz  Der  Ort  der  Handlung,  als  welcher  bei  Plautu« 
Athen  genannt  wird,  wird  bei  Bohomolec  an  einen  un- 
bestimmten < Platz  zwischen  Kleons  und  Leopolds  Haus» 
(cplac  miedzy  domem  Kleona  y  Leopolda»)  verlegt. 

Auch  der  «Mysliwy»  ist  nicht  eine  Übersetzung  oder 
leichte  Umarbeitung  der  Plautinischen  Komödie,  sondern 
eher  eine  Komödie,  deren  Handlung  aus  dem  «Pseudo- 
lus>  entlehnt  ist,  während  der  Hauptcharakter  und  die 
Tendenz  selbständig  sind.  Eine  ganze  Reihe  von  Szenen 
und  Motiven  ist  von  Bohomolec  hinzugefügt,  dennoch  aber 
ist  die  Entlehnung  vollkommen  evident. 

Die  Anlehnung  an  den  «Pseudolus»  beginnt  nicht 
sofort  —  und  das  if^t  wahrscheinlich  die  Ursache,  daß 
man  bisher  seine  Abhängigkeit  von  Plautus  übersehen  hat  — , 
sondern  erst  mit  der  vierten  Szene;  diese,  die  fünfte  und 
die  sechste  Szene  des  ersten  Aktes  entsprechen  genau 
dem  ersten  Akte  des  Plautus,  unter  Auslassung  der 
zweiten  Szene  bei  dem  letzteren,  die  der  Charakteristik 
des  häuslichen  Lebens  des  «Heutgeborenen»  gewidmet 
ist.  Als  Beispiel  sei  hier  eine  Stelle  aus  der  dritten 
Szene  des  Plautinischen  Stückes  mit  der  entsprechen- 
den Stelle  aus  der  fünften  Szene  bei  Bohomolec  zusammen- 
gestellt. 
Plautu.«  1,3  (v.  116fr.): 


BAL:  non  edepol  habeo  profecto 
(seil:  Phoenicium  ve- 
nalem),  nam  iam  pri- 
(lem  vendidi. 

CAL:    quo  raodoV 

BAL: viginti  minis. 

CAL:    viginli  ralnis? 
BAL:  ulrum  vis,  vel  quater 

quinis  minis. 
milili  Maccdonio,   et  iam 
quindeciia  habeo  minas. 
/  V.  147  / .  .  .  mihi  hodie  at- 
lulerit  mües  quinque 
quas  dsbtt  rninriS, 


Bohomolec  I,  5: 
LEO:    .  .  .  A  do   tego   iuz    nie 
mam  psa  tego  do  nabycia. 


ROB:  Jak  to? 

LEO :  Juz  ten  pies  po  cz^öci  lest 
mi  zaplacony. 

ROB:  Od  kogo? 

LEO:  Pewny  officer  go  kupil  y 
iuz  mi  dal  8  czerwonych 
zlotych.  A  lesztQ,  to  iest: 
4  czerwonych  ziotych  ma 
mi  odeslaö  przez  swego 
czlcka,  kL6remu  za  poka- 
zaniem  znaku,  miedzy  nami 


Bohomolec'  VerlK'\ltnis  z.  lat.,  vorzQgl.  FMautiiiischen  Komödie.      1Ü3 


sicut  haec  est  praestitula 
summa  ei  Ärgento  dies . . . 

(v.  126)  CAL:  iuravistin  te  illam 
nuUi  vcnditurum 
nisi  mihiy 

BAL:    fateor 

,  .  .  .   at   arjjentum  intro 

condidi 
ego  scelestus  nunc  argen- 
tum   promere   possum 
domo: 
tu  qui  pius,  isloc  es  ge- 
nere  y,natus,  nummum 
non  habes. 
CAL :    Pseudole,  adsiste  altrira  ss- 
cus  atque  onera  huDc 
malediclis. 
PSE:  licet. 


CAL: 

sceleste. 

HOB: 

Ah,  hultaiu! 

BAL: 

dicis  Vera. 

LEO: 

Zgadtes. 

PSE: 

verbero ! 

TOM: 

Krzywoprzysi^zca! 

BAL: 

quippini? 

LEO: 

Prawda. 

CAL: 

bustirape! 

ROB: 

Ijakomcze  1 

BAL: 

certo. 

LEO: 

Tak  lest. 

PSE: 

f  urcifer ! 

TOM: 

SkQpco ! 

BAL: 

factum  optume. 

LEO: 

Pozwalani. 

CAL: 

sociofraude ! 

ROB: 

Niecnotü! 

BAL: 

sunt  mea  istaec. 

LEO: 

Stusznie. 

PSE: 

parricida! 

TOM: 

Lichwiarzu  l 

BAL: 

perge  tu! 

LEO: 

Sprawiedliwie. 

CAL: 

sacrilege! 

ROB: 

Zdrayco! 

BAL: 

fateor. 

LEO: 

Nie  inaezey. 

PSE: 

peiiure! 

TOM: 

Szatbierzu ! 

BAL: 

vetera  vaticinamini. 

LEO: 

Wszystko  to  prawda 

CAL: 

legerupa! 

ROB: 

Sknero! 

BAL: 


caütores  probos. 


PSE:  in  pertussum  ingerimus 
dicta  dolium,  opeiam 
ludimus. 

BAL:  numquid  aliud  etiam  voltis 
dicere? 


umöwionego,    rnani     le^o 
psa  wydaö. 

ROB:  A    wszakoH   obiocal   mnie 
te^ro  ps:i  przedaö? 


LEO:  Y  WM.  Pan  obiecalej^  mi 
dawno  zai>laciö  za  niei-'o, 
a  przecie  nie  dolrzymaleA 


ROB :  Tomaszku ,    co    b^dziemy 

czynili? 
TOM:  Laymy  mu  za  tu  niospanie. 


LEO:  Pi^knie  spiewaitj. 

TOM:  Y  nie  wstydzisz  siQ  tego? 

LEO:  Nie. 

ROB:  Nie  b^dziesz  tego  zalowal? 

LEO:  Nie.  [ruszy. 

ROB :  Torro    r'>.M'a    nie    nie   po- 


124  Kapitel  II. 

CiAL:  ecquid  te  pudet? 


BAL:  ten  amatorem  esse  inven- 
tum  inanem  quasi  cas- 
sam  nucem? 


LEO:   Czy6cie  iuz  skoüczyli  sw^ 

piosnk^? 
TOM:  Szkoda    naszey    g^by    na 

niego. 


Im  folgenden  überspringt  Bohomolec  vollständig  den 
dritten  Akt  bei  Plautus.  Sein  zweiter  Akt  entspricht  mit 
seinen  ersten  vier  Szenen  dem  aus  vier  Szenen  bestehen- 
den zweiten  Akte  bei  Plautus;  die  zwei  letzten  Szenen, 
d.  h.  die  siebente  und  achte,  sind  mit  den  zwei  ersten 
Szenen  identisch,  mit  denen  bei  Plautus  der  vierte  Akt 
beginnt.  Die  zwischenliegenden  zwei  Szenen,  nämlich  die 
fünfte  und  sechste,  sind  von  Bohomolec  aus  eigener  Ini- 
tiative und  mit  bestimmter  Absicht  eingeschoben  und  haben 
mit  der  Intrige  und  dem  Gang  der  Handlung  eigentlich 
nichts  zu  tun.  In  anderer  Hinsicht  sind  sie  aber  sehr 
interessant  und  werden  daher  an  einer  späteren  Stelle 
dieser  Untersuchung  Gegenstand  unserer  speziellen  Be- 
trachtung werden;  hier  können  wir  uns  damit  begnügen, 
die  Tatsache  festzustellen.  Wichtig  ist  hier  aber  der 
Umstand,  daß  der  ganze  dritte  Akt  des  Plautus  resolut 
unterdrückt  ist.  Das  hängt  natürlich  damit  zusammen, 
daß  dieser  Akt  in  der  lateinischen  Vorlage  ausschließlich 
der  Charakteristik  des  leno  Ballio  und  der  Beleuchtung 
seines  Verhältnisses  zu  seinen  Dienern  und  Sklavinnen 
gewidmet  ist.  Für  Bohomolec  war  das  eine  nicht  nur 
überflüssige,  sondern  von  vornherein  unbrauchbare  Ver- 
zögerung: er  ließ  den  Akt  einfach  aus  und  folgte  damit 
demselben  Grundsatze,  dem  wir  ihn  bisher  in  seinem 
Verhältnisse  zur  (Plautinischen)  Vorlage  haben  folgen  sehen, 
d.  h.  er  strich  ohne  Schwanken  aus,  was  in  seinen  Ge- 
dankenkreis nicht  hineinpassen  wollte  oder  konnte. 

Dagegen  benutzte  er  die  Gelegenheit,  ein  Motiv,  das 
bei  Plautus  nur  angedeutet  ist,  breiter  auszuspinnen,  näm- 
lich die  Gegenüberstellung  der  beiden  Spitzbuben  Pseu- 
dolus  und  Simia  (IV,  1).  Freilich  stimmen  die  Repliken, 
die  Tomasz  und  Marcin  bei  Bohomolec  miteinander  (11,7) 


Bohomolec'  Verhältnis  z.  lat.,  vorzü;^!.  Plautinischen  Komödie.      ltÄ5 

wechseln,  im  allgemeinen  mit  denen  der  Vorlage  über- 
ein, und  auch  Marcin   behauptet  prahlerisch    wie    Simia: 

( habe  aniiniini  bonuni : 

pulchro  ego   hanc   explit-atain   tibi   ivm  dalx). 
sie  ego  illum  dolis  atque  mendaciis 
in  timorcm  dabo  mililarem  advcnam, 
ipsus   sese  ut  lieget  eum  esse  qui  siel 
meque  ut  esse  autumet  qui  ipsus  est  .  .  .) 

MAR:  Ja  pozwalain,  nicch  sobie  Grzegorz  przycliodzil  Upew- 
iiiam,  iz  t-ak  zakrQCQ,  taJc  zawiklam  ten  intcres,  ze  nie 
tylko  Leopold  mnic  uzna  za  prawdziwego  Grzegorza,  ale 
y  sam  Grzcgorz  b^dzio  Wc-^tpif,  kto  z  nas  dw6ch  iest 
prawdziwszym  Grzegorzem. 

Aber  im  einzelnen  unterscheiden  sie  sich  bei  Bohomolec 
stark  von  ihren  Vorbildern,  denn  dieser  wollte  die  bei 
Plautus  nur  angedeutete  Idee,  daß  die  beiden  Spitzbuben 
einander  zu  übertrumpfen  suchen,  wobei  Toraasz  nicht 
ohne  weiteres  auf  Marcins  Treue  rechnen  kann,  weiter 
ausführen.  Das  tat  er  recht  geschickt  am  Anfang  des 
dritten  Aktes. 

Der  dritte  Akt  setzt  nämlich  mit  der  zweiten  Szene 
die  Handlung  an  der  Stelle  fort,  wo  sie  durch  den  Schluß 
des  zweiten  Aktes  abgebrochen  worden  war:  mit  der  Szene 
IV,  3  bei  Plautus.  Dabei  flicht  Bohomolec,  wie  oben  be- 
merkt, ein  unerwartetes  Motiv  ein,  das  die  bei  Plautus  un- 
bezweifelbare  Pfiffigkeit  und  Geistesgegenwart  des  Dieners 
beträchtlich  verringert;  Marcin  jagt  Tomasz  ins  Bockshorn : 

TOM:  Marcinie!    hey!   Marciniel    A  spiesz   si^l     Czego  si^   za 
trzymuiesz  ? 

MAR:  Jakie§   szkniputy  poczynai^  mi  lese   do  glowy. 

TOM:  Co  ty  z  szkrupulami ?  Ale  czemuz  si?  tak  dlugo  bawil  u 
Leopolda  ? 

MAR:  Ja  nie  wiem,  za  co  wy  Leopolda  skner^  nazywacie? 

TOM:  Albo  co? 

MAR:  Suto   miQ   y  nakarmil   y  napoil. 

TOM:  Cöz  mu  sIq  to  sLalo? 

MAR :  Y  kazal  mi  przed  wszystkiemi  möwic,  ze  on  nie  iest  ani 
sknera  ani  lakomy. 

TOM:  Y  on  ma  swoy  punkt  honoru.  Y  dla  tego  tedy  tak  dlugo 
tarn   si^    bavril  ? 


126 


Kapitel  II. 


MAR:  Y  dla  tego  mam  szkrupul  oszukiwad  tego  czlowieka,  klö- 

ry  miQ  tak  dobrze  przyic^l. 
TOM:   Cöz  tedy  my^lisz,  u  kata? 
MAR:  MyälQ   mu  psa   tego  odprowadzic   y  wyznaö   näsze  szal- 

bierstwo. 
TOM:   Czy  masz  ty  rozum? 

MAR:  Mam.     Co   wi^ksza,   mam   ieszcze   y  sumnienia  kawalek. 
TOM:  Pi^knieby^  zrobil. 
MAR:  Nie    wytrzymam.     Szkrupul    miQ    raocno    gryzie.     Id^   y 

oddam  mu  psa  tego. 
TOM:  Ale   uwazay   .  .  .     (Zatrzymuie   Marcina.) 
MAR:  Sluchay,   icäli  miQ   b^dziesz  zatrzymywaJ,   upewniam,   ze 

gwaltu  zawolam.    Wiesz,  ze  tu  sprawa  pod  domem  Leo- 

polda.    Wnet  on  tu  wyleci. 
TOM:  Ale    poczekay    .  .  .     ParQ    sl6w    przynaymniey    ci    po- 

wiem   .  .  . 
MAR:  Dayze   mi  poköy!    Puszczay! 
TOM:  Ale    parQ    slow    .  .  .     (Zatrzymuie    Marcina.) 
MAR:  Gwaitu!   gwaltl 

TOM:  Milczl  milcz  bodayby  ...  (Zatyka  mü  r^k^  g^bQ.) 
MAR:  Gwalt!  gwaltl 
TOM:   Zmituy   si?!    (Pada  do  nög  Marcina.)    Zgubisz  mnie  na 

zdrowdu  y  honorze.   Cuchtau?  b^dzie  nad  grzbietem  moim 

tryumfowal,  ie^li  .  .  . 
MAR :  Wstari,    czlecze   mizemy  I     Widzisz,    ze   u  nög  mwch  le- 

zysz.    Nie  böy  si?;  ale  iak  zbladleä  przede  rnnji!    Znayze 

Marcina  I     Do^c  mi   tego,   zem  y  ciebie  y  Leopolda  dzi§ 

pokonal.  Nie   iest  tedy   —   iakes   raöwil   —  <cwiele  ztego 

dwöch  na  gracza  iednego». 
TOM:  Matoä  mi?  nie  zgubil. 
MAR :  Nie  böy  sIq,   synu !    DaruiQ  ci  cuchtauz.    Jam  to  iarto- 

wal,  zeby.4  znal,  ze  twöy  honor  y  zdrowie  bylo  w  moich 

r^ku. 

Den  Rest  des  vierten  Aktes  der  Plautinischen  Komödie 
hat  Bohomolec  mit  Ausnahme  des  kurzen  Monologes  dea 
Simon  in  der  achten  Szene  genau  in  den  Auftritten  4 — 6 
seines  dritten  Aktes  nachgebildet.  Statt  der  achten  Szene 
des  Plautus,  in  der  Simo  in  einem  Selbstgespräche  ein- 
gesteht, daß  Peeudolus  die  Wette  gewonnen  hat,  führt 
Bohomolec  ein  Gesf^räch  zwischen  Kleon  und  dessen 
Freunde  Alkander  ein,  ein  Gespräch,  das  seinem  Inhalte 
nach  jenem  Monologe  entspricht  und  die  siebente  Szene 


Bohomolec'  Verhältnis  z.  Int..  vorzügl.  i'liiulinisrheii  Koniödie.     Ml 

der  Bohomolecschen  Komödie  hiklet.  Die  folgende  achte 
(und  vorletzte)  Szene  der  Komödie  ist  mit  der  zweiten  Szene 
des  fünften  Aktes  der  Plautinischen  Komödie  identisch. 
Jener  Monolog  des  hetrunkenen  Pseudolus,  aus  dem  die 
erste  Szene  des  fünften  Aktes  bei  Phxutus  besteht,  konnte 
natürlich  unberücksichtigt  bleiben.  Die  letzte  Szene  der 
Bohomolecschen  Komödie  hat  mit  der  Plautinischen  In- 
trige nichts  gemein. 

Wir  kommen  somit  zum  Resultate,  daß  von  den 
23  Szenen,  aus  denen  die  Komödie  Bohomolec'  besteht, 
16,  d.  h.  ungefähr  zwei  Drittel,  mit  genau  entsprechen- 
den Szenen  aus  Plautus'  Komödie  zusammengestellt  wer- 
den können.  Diese  besteht  bekanntlich  nach  der  Zählung 
der  Oxfordatisgabe  aus  21  Szenen,  die  über  fünf  Akte 
verteilt  sind.  Wie  wir  gesehen  haben,  ist  die  Akteiutei- 
lung  bei  Bohomolec  eine  ganz  andere,  und  die  fünf  Akte 
des  lateinischen  Dichters  schmelzen  bei  ihm  leicht  zu 
dreien  zusammen.  Das  geschieht  zunächst  auf  die  Weise, 
daß  Szenen,  die  Bohomolec  unnötig  erscheinen,  weg- 
gelassen werden:  so  haben  die  zweite  Szene  des  ersten 
Aktes  (in  der  Ballio  mit  den  «lorarii»  und  «mere- 
trices»  auftritt),  die  vierte  desselben  Aktes  (wo  Pseudolus 
einen  gleichgültigen  Monolog  hersagt),  weiter  der  ganze  aus 
zwei  Szenen  bestehende  dritte  Akt  (der  ausschließlich  zur 
Charakteristik  des  <hodie  natus»  dient)  und  schließlich 
die  erste  Szene  des  fünften  Aktes  (wo  Pseudolus  betrunken 
über  seine  List  frohlockt)  keine  Seitenstücke  bei  Bo- 
homolec. Der  erste  Akt  wie  auch  der  zweite  gehen  im 
allgemeinen  mit  den  zwei  ersten  Akten  der  Plautinischen 
Komödie  parallel,  Bohomolec  schließt  aber  nicht  wie 
Plautus,  sondern  zieht  (mit  Auslassung  des  dritten  Plau- 
tinischen Aktes)  die  Aktgrenze  nach  der  zweiten  Szene 
des  vierten  Plautinischen  Aktes.  Sein  dritter  Akt  gibt 
den  Rest  der  Handlung  des  vierten  Aktes  wieder  und 
nimmt  als  vorletzte  Szene  die  letzte,  d.  h.  zweite  Szene 
des  fünften  Plautinischen  Aktes  auf. 

Die  sieben  Szenen  endlich,  die  Bohomolec  aus  eigener 


US  Kapitel  II. 

Erfindung  hinzugefügt  hat,  verteilen  sich  folgendermaßen 
über  die  drei  Akte  der  Komödie.  Die  ersten  drei  Szenen 
des  ersten  Aktes  sind  frei  erfunden;  der  zweite  Akt  ent- 
hält zwei  Szenen,  nämlich  die  fünfte  und  sechste,  die 
keine  Analogien  in  der  Plautinischen  Komödie  haben, 
der  dritte  Akt  beginnt  und  schließt  mit  selbständig  er- 
fundenen Szenen. 

Der  Zusammenhang  zwischen  jenen  16  Szenen,  die  der 
Handlung   der   Piaulinischen   Komödie   entsprechen,    und 
jenen  7  Szenen,  die  hinzugefügt  worden  sind,  ist  nur  sehr 
lose  geknüpft.    Dienen  jene  als  dramatischer  Stoff,  so  hat 
Bohomolec  gerade  in  den  letzteren  versucht,  einen  Charak- 
ter zu  zeichnen,  der  nicht  von  Plautus  stammt,   nämlich 
don  Charakter  des  «mysliwy»,  d.  h.  des  leidenschaftlichen 
Jägers.    Inwieweit  ihm  das  gelungen  ist,  wird  an  anderem 
Orte  besprochen  werden;    hier  kann   ich   mich  damit  be- 
gnügen festzustellen,  daß  die  aus  Plautus  entlehnte  Intrige 
für  Bohomolec   ebensowenig   die  Hauptsache  gewesen  ist, 
wie  in  den   «Przyiaciele  stolowi».     Diese  Feststellung,  die 
edch  hier  nur  auf  zwei  Beispiele  (das  der  «Przyiaciele  sto- 
lowie»   und   das   des   «Mysliwy»)    stützen    kann,    wird  im 
weiteren  Verlaufe  meiner  Quellenuntersuchungen  den  Wert 
einer    bedeutsamen,    allgemeingültigen    Tatsache    er- 
werben, die  ein  besonderes  Licht  auf  den  ganzen  Prozeß  der 
Genesis  der  Bohomolecschen  Komödie  wird  werfen  können. 
Was  hat  somit  Bohomolec  seinem  lateinischen  Meister 
zu  verdanken?    Das  ist  die  Frage,  die  sich  uns  nach  der 
Festlegung    seiner    Abhängigkeit    von    Plautus    vor   allen 
Dingen  als  Schlußfrage    aufdrängen  muß.    Ich  habe  kon- 
statiert,   daß    Bohomolec   die    «Menaechnii»    nach    seinen 
schulraäßigen  Prinzipien  umgearbeitet  hat,  daß  die  Intrigen 
der    «Mostellaria»    und    des    «Trinummus»     durch     eine 
mehr  oder   weniger    geschickte  Kontamination  die  Hand- 
lung einer  Bohomolecschen  Komödie  ergeben  können,  daß 
die  Intrige  des  «Pseudolus»   dem  «Mysliwy»  zugrunde  ge- 
lebt worden  ist,   daß  schließlich  auch  ein  Detail  aus  den 
«Captivi»    gelegentlich    benutzt    worden    zu    sein    acheint. 


Bohomolec'  Verhältnis  z.  lat.,  vorzflpl.  IMnulinischen  Komödie.     121> 

Was  hat  nun  Bohomolec  eigentlich  hei  PlautUH 
L'osucht?  Sicher  nur  die  Intriije.  Es  ist  nämUch  kaunn 
üizunehinon.  daß  Hohoinoiec  Plaulus  iriren<Iwie  ästhetiscli 
hcurteilt  hat,  wie  z.  li.  IfoUu'rp  fs  ir<'U\n  hat.  Ks  ist  kaum 
aiizunehnitMi.  (hiß  es  mehr  als  Zufall  sein  kr>nnte,  daß  die 
von  ihm  henutzt»'n  «Metiaechnii»  von  llolberj^  für  Keinc.'^ 
der  ersten  Schauspiele,  die  wir  überhaupt  haben»,  erklärt 
worden  sind.  d;jß  der  von  ihm  verwertete  «Pseudolus» 
auch  Holherpj  als  Vorbild  für  s»Mnen  «Diderieh  Menschen- 
skrffik»  gedient  hat,  daß  Holberg  endlich  auf  der  «Mos- 
tellaria», die  Bohomolec  den  Stoff  zu  seinen  «Przyiacielo 
stotowi»  gegeben  hat,  seine  «Ahracadabra»  aufgebaut  hat. 
Dan  ist  sicher  nur  An  zufälliges  Zusammentrr^ffen,  das 
nicht  als  Beweis  dafür  dienen  kann,  diiß  Bohomolec  irgend- 
wie bewußte  Auswahl  zwischen  <len  vielen  Komr)dien  des 
Plautus  zu  treiTt-n  gesucht  hat.  Bohomolec  hatte  eigentlich 
in  Plautus  eine  unver.-«iegbare  Quelle  gefunden,  die  er  in 
weit  höherem  Grade  hätte  ausnutzen  können.  Denn 
Plautus'  Komöilien  sind  fast  ausschließlich  Komödien  der 
Intrige.  Wir  können  sie  mit  Michaud  ^^  «comedies  de 
moear.-»,  «comedies  romanesques,  melodramatiques»  und 
Komödien  der  Liebesintrige  nennen;  finden  wir  aber  neben 
diesen  Definitionen  schließlich  eine  spezielle  «com6die 
de  l'intrig*'  pure»,  so  ist  damit  gesagt,  daß  die  Intrige 
ein  ganz  liervorstechendes  Charakteristikon  seiner  Komö- 
dien überhaupt  ist.  Andererseits  entbehrt  die  Plauti- 
nische  Komöiiie  fast  gänzlich  jeder  wirklichen  Charakter- 
zeichnung. Nicht  den  Charakter,  eigentlich  auch  nicht 
Stoffe  für  seine  Komödien,  sondern  eben  die  Intrige 
suchte  Bohomolec  bei  Plautus. 

Er  kümmerte  sich  so  wenig  um  alles,  was  nicht 
rein  intrigenhafter  Art  war,  daß  er  es  resolut  aus  seiner 
Bearbeitung  ausschloß.  Hatte  er  aber  dann  eine  passende 
Komödie  bei  Plautus  gefmiden,  deren  Handlung  ohne  be- 


*3  G.  Ali  c  h  a  u  d ,  Histoire  de  la  Comedie  Romaine.    Flaute 
(Paris    1920),   Bd.    I,   S.   146  ff.,    170  ff. 

Stender-Petersen,  Die  Schulkomödien.  H 


130  Kapitel  11. 

sondere  Schwierigkeit  verpflanzt  werden  konnte,  so 
kümmerte  er  sich  keineswegs  hauptsächlich  um  die  ent- 
lehnte Handhing,  sondern  benutzte  sie  mit  Ausnahme 
der  «Blizni^ta»  -  «Menaechmi»,  die  eine  seiner  wenigen 
tendenzlosen  Komödien  ist,  nur  dazu,  um  auf  ihr  als 
dramatischer  Grundlage  eine  bestimmte  Tendenz,  die 
nichts  mit  Plautus  oder  Plautinischeni  Geiste  zu  tun 
hatte,  und  eine  schulmäßige  Moral  zu  basieren.  Diese 
♦Seite  seiner  Arbeit  wird  andernorts  näher  zur  Sprache 
kommen.  Hier  können  wir  jedenfalls  sicher  feststellen, 
daß  Bohomolec'  Verhältnis  zu  Plautus  ein  rein  mecha- 
nisches war. 


\:n 


Kapitel  III. 

Bohomolec'  Verhältnis  zu  Moliere. 

Ich  stehe  nun  vor  der  wichtigen  P'^rago,  welchen  Ein- 
fluß Moliere  auf  Bohomolec  ausgeübt  hat.  Ob  Bohomolec 
wirklich  in  dem  Grade  von  Molicres  Komödie  abhängig 
ist,  ob  wir  wirklich  hier  von  einem  so  bewußten  «Molieris- 
mus»  unseres  jesuitischen  Schulkomödiendichters  reden 
dürfen,  wie  man  uns  immer  noch  mit  Berufung  auf 
Kielskis  Autorität  glauben  machen  wilP,  das  möchte  ich 
an  einer  anderen,  späteren  Stelle  meiner  ArV)eit  zu  be- 
leuchten suchen.  In  diesem  Kapitel  will  ich  das  äußere 
Verhältnis,  in  dem  Bohomolec  zu  Moliere  steht,  unter- 
suchen, das  heißt  zunächst,  die  nackten  Tatsachen  fef-t- 
stellen,  aus  denen  sich  später  Schlüsse  werden  ziehen 
lassen,  und  gerade  die  herrschende  (falsche)  Meinung, 
daß  mit  der  Behauptung,  Bohomolec  sei  ein  Schüler 
Molicres  gewesen,  das  Phänomen  Bohomolec  erschöpfend 
erklärt  sei,  berechtigt  mich,  wie  ich  meine,  zu  einer 
neuen  Untersuchung  der  Frage,  was  Bohomolec  Moliere 
rein  quellenmäßig  verdankt.* 

^  Vgl.  W.  F  o  1  k  i  e  r  s  k  i  s  iVrtikel :  Moliere  en  Pologne,  in  <ier 
Rövuo  de  litt^rature  compaj6e,  dirigöc  par  F.  Baldensperger  et 
P.  Hazard.  2«  ann6e  (Paris  1922),  N».  2.  —  Vgl.  die  Fußnote 
auf   S.  17. 

*  Kielski  stellt  (a.  a.  0.,  S.  142)  folgende  Gleichungen  auf: 

1.  «MQdrkowie»  =  «Les  Femmes  savantes». 

2.  «Dziedzic  chytry»  =  '(Monsieur  de  Pourc€augnac». 

3.  «Kawalerowie  modni»  =   «Les   Precieuses  ridicules». 

4.  «NatrQty»  (soll  heißen  «NatrQtnicy»)  =  «Les  Fächeux». 

5.  «Nieroztropny»     (soll     heißen     <<Nieroztropno4c»)    = 

«L'Etourdi», 

9« 


131  Kapitel  III. 

BohomoU^c  selbst  hat  nur  in  einigen  wenigen  Fällen 

seine  Mulierisehen  Quellen  verraten.     In  seinem  Vorworte 

zum  ersten  Bande  bekennt  er  oflen,  wie  schwer  ihm  die 

notgezwungene    Umgestaltung  zweier    von   den  in  diesem 

Bande  abgedruckten  Komödien  gefallen  sei: 

Ja  wyznai^,  iz  trzymai^c  si§  mego  zw^czaiu  (seil,  der 
Kliminicrun«;  der  Frauenrollen),  wiele  trudnoSci  zazylera  w 
przorabianiu  dwöch  moich  komedyi,  to  lest  d  r  u  g  i  e  y 
y  trzeciey,  ktörych  tresc  poniewaz  calsi  prawie  na  bia- 
logtowach  Jegomo§6  Pan  Moliöre  zasadzit,  przetoz  tak  ie  mu- 
sialem  latac  y  kleiö,  zebym  y  komedyi  sztiik^  zachowal  y 
pici  niewie^ciey  do   nich  nie   przypuäcil   .  .  . 

Die  Komödien,  die  Bohomolec  hier  gemeint  hat,  und  die 
somit  Umarbeitungen  Molierischer  Komödien  sein  müssen, 
sind  der  «Figlacki  polityk  teraznieyszey  mody»  II  und 
die  «Nieroztropnc'SC  swym  zamy^lom  gzkodz^ca».  Außer 
diesen  "beiden  Komödien  bezeichnet  Bohomolec  nur  noch 
eine  ausdrücklich  als  Umarbeitung  einer  Molierischen 
Komödie,  nämlich  die  «Rada  skuteczna»,  in  deren  «Ar- 
gument»  wir  folgende  Worte  lesen: 

.  .  .  Ta  komedya  lest  z  Moliöra  «L  e  m  a  r  i  a  g  e  f  o  r  c  6», 

ale   ze  do   niey   wchodz^  osoby   bialoglowskie,  dla  tego   wiele 

scen  w  przckladaniu  iey  odmienilo  si^. 

Sonst  schweigt  Bohomolec  über  das  Verhältnis  seiner 
Komödien  zu  denen  Molieres. 

Wir  wissen  somit  von  Bohomolec  selbst,  daß  der 
«Figlacki  polityk  teraznieyszey  mody»  aus  den 
«Fourberies    de    Scapin»     entstanden     ist,    obgleich    das 

6.  «Pan  do  czasu>/  =  «Lo  Bourgeois  gentilhomrae». 

7.  «Rada  skuleczna»  =  «Le  Mariage  forc&h 

Das  sind  <'niewolnicze  przeröbki».  Außerdem  ist  der  «Figlacki  po- 
lityk» II  (S.  144;  eine  «dose  niewolnicza  ]>rzer'öbka»  der  eFour- 
beries  'de  Scapin»,  die  auch  die  Entstehung  des  «Figlacki  polityk»  I 
veranlaßt  haben  sollen.  Eine  «o<Imiana^>  der  «Fourberies»  soll  auch, 
wie  wir  sahen,  der  «My.41iwy»  (Kielski  .sagt  «My61iwiec»,  S.  166) 
sein.  Als  «tianspozycya»  des  «Bourgeois  gentilhomme»  wird  der 
•rrazai^cy  sifj.)  erklärt  (S.  149)  und  der  «Paryzanin  i>olski»  als 
*transpozycya>  der  <Precieuses  ridicules»  und  der-  «Comtesse 
d'Escarbagnas»  (S.  152  und    1,53). 


Bohomolec*  Verhältnis  zu  Molinie.  1^3 

«Argument^  jener  Komödie  dieBO  Abhängigkeit  nicht 
gleich  vermuten  läßt.  In  der  Tat  ist  die  Handlung  be- 
deutend verändert,  denn  einerseits  ist  sie  über  limt  Akto 
verteilt,  während  sie  bei  Bohomoler;  nur  drei  Akt<.'  un:- 
fnßt,  andererseits  ist  die  große  Anzahl  der  auftretenden 
Personen,  die  wir  bei  Moliere  finden,  bei  Boh(jmolec  stark 
zusammengeschmolzen.  Bekanntlich  besteht  die  Intrige 
der  einer  terenzischen  Komödie^  nachgearbeiteten  und 
zugleich  an  den  «commedia  de]rarte»-Ty])us  erinnernden 
Molierischen  Komödie  darin,  dnß  zwei  junge  Herren  öi(;li 
während  der  Abwesenheit  ihrer  Väter  verliebt,  bezw.  ver- 
heiratet haben,  daß  der  Diener  Scapin  die  heimkehrenden 
Alten  um  das  Geld  prellt,  das  die  Söhne  benötigen,  und 
(laß  dann  die  Wahrheit  dennoch  an  den  Tag  kommt, 
ohne  einen  für  alle  Teile  angenehmen  Schluß  zu  ver- 
hindern. Aus  den  zwei  Vätern  Argante  und  Geronte 
machte  Bohomolec  einen  Vater  mit  dem  bezeichnenden 
Namen  Lakomski,  aus  den  beiden  Söhnen  Octave  und 
L^andre  einen  Sohn  namens  Jan ;  Scapin  gab  er  den 
Namen  Figlacki  und  dem  Diener  Sylvestre  den  Namen 
Pomocki.  So  wurden  die  neun  Personen,  die  bei  Molifero 
die  Hauptrollen  bekleiden  (ich  reebne  den  «fourbe» 
Carle  nicht  mit),  durch  Reduzierung  und  Eliminierung 
durch  nur  vier  ersetzt. 

Diese  Veränderung  war  natürlich  so  tiefgreifend,  daß 
sie  nicht  ohne  innere  UnWahrscheinlichkeiten  durchgeführt 
werden  konnte.  Wenn  es  schon  wenig  wahrscheinlich  ist, 
daß  es  Scapin  bei  Moliere  gelingt,  die  beiden  Alten  nach- 
einander zu  düpieren,  so  ist  es  noch  unwahrscheinlicher, 
wenn  Figlacki  das  Kun.'^tstück  fertig  bringt,  denselben 
Alten  zweimal,  ja  sogar  dreimal  liintereinander  zu  betrügen, 
ohne  daß  der  Betrug  entdeckt  wird.  Weiter  hat  Boho- 
molec sich  eine  psychologische  Ungereimtheit  zuschulden 
kommen  lassen  :  bei  le  Väter  sind  bei  Moliere  geizig  — 
das   hat  auch   Bohomolec  durch  den  Namen  seines  Alten 


3  Eugene  Rigal,  Moliere  (Paris  1908),  Bd.  II,  S.  232,  23ü. 


134  Kapitel  III. 

andeuten  wollen;  aber  nun  ist  Argante  ungleich  weich- 
herziger als  Geronte  (vgl.  I,  4),  und  dieser  Zug  hat 
Bohomolec  als  Grundlage  für  eine  ganze  Szene  gedient; 
dennoch  wird  dieser  weichherzige  Vater,  der  seinen  Sohn 
so  sehr  liebt,  mit  jenem  identifiziert,  der  sich  später 
lange  bedenkt,  ehe  er  das  Geld  zur  Freikaufung  des  Sohnes 
hergibt.  Um  dergleichen  Inkommensurabilitäten  hat  sich 
der  Dichter  unserer  Schulkomödien  nicht  viel  bekümmert. 
Er  wollte  die  Verwerflichkeit  der  neumoclischeu  Anschau- 
ungen exemplifizieren,  er  fand  bei  Moliere  eine  Intrige, 
deren  Held  ein  spitzbübischer  Diener  war,  er  beschloß, 
diese  Intrige  dem  Träger  der  modernen  Anschauungen 
aufs  Konto  zu  schreiben,  und  daraus  ergab  sich  für  ihn 
die  Notwendigkeit,  die  Handlung  der  Molierischen  Komödie 
umzuarbeiten.  Handelte  Scapin  bei  Moliere  aus  uneigen- 
nützigen Motiven,  indem  er  als  traditioneller  Diener  die 
beiden  jungen  Herren  aus  der  unangenehmen  Klemme, 
in  die  sie  geraten  waren,  zu  ziehen  hatte,  so  mußte 
Bohomolec  dieses  Veihältnis  so  umwandeln,  daß  die  ganze 
Intrige  ah  Ausfluß  der  spitzbübischen  Weltanschauung 
des  Helden,  der  nicht  mehr  Diener  sein  sollte,  dastehen 
konnte.  Der  Gedanke,  die  beiden  jungen  Herren,  die 
verliebt  sind,  in  einen  zu  verwandeln,  mochte  um  so 
näher  liegen,  als  es  schwer  fallen  mußte,  das  Motiv  der 
Liebe  zweimal  durch  ein  adäquates  Motiv  zu  ersetzen. 
Wurden  die  beiden  Liebhaber  in  einen  verwandelt,  brauchte 
3>ohomolec  nur  einmal  eine  solche  Substitution  vorzu- 
nehmen. Um  Scapin -Figlacki  in  ein  bestimmtes  Verhält 
nis  zu  dem  jungen  Herrn  und  seinem  Vater  zu  bringen, 
kam  Bohomolec  auf  den  relativ  glücklichen  Gedanken, 
aus  dem  Diener  einen  Privatlehrer,  einen  cguwerner»  zu 
machen;  dieser  Gedanke  hat  seinen  faktischen  Ursprung 
vielleicht  in  der  Tatsache,  daß  Argante  selbst  bei  Moliöre 
den  Diener  «sage  gouvorneur  de  famille,  beau  directeur 
de  jeunes  gens»   nennt. 

Die  wirklichen  Übereinstimmungen  zwischen  Moliöres 
und   Bohomolec'   Komödien    beginnen    eigentlich    erst    im 


Bohomolec*  Verhältnis  zu  Moliere.  135 

dritten  Akte  des  letzleren.  Die  ersten  zwei  Akte  haben 
natürlich  auch  iJire  notwendigen  Analogien  in  Molieres 
Komödie,  ohne  daß  hier  faktische  Kongruenz  vorläge. 
Sie  entsprechen,  dem  allgemeinen  Gange  der  Handlung 
nach,  dem  ersten  Akte  Molieres.  Wenn  Jan,  der  Sohn 
des  heimkehrenden  Lakoraski,  Figlacki  mit  Entsetzen  von 
der  Rückkehr  seines  Vaters  erzählt  (I.  2),  wenn  Figlacki 
in  der  folgenden  Szene  dem  letzteren  entgegentritt  und 
an  sein  Vaterherz  appelliert  (I,  3),  wenn  er  in  der  dritten 
Szene  des  folgenden  Aktes  (II,  3)  Pomocki  um  Beistand 
bittet,  so  sind  das  Szenen,  die  bei  Moliere  (I,  3  bis 
5)  ihre  Analogien  haben.  Dennoch  .^^ind  sie  dem  In- 
halte nach  selbständig,  denn  Jan  i.^^t  von  Furcht  erfüllt, 
weil  er  in  der  Abwesenheit  .«eines  Vaters  Karten  ge- 
spielt und  verloren  hat,  Figlacki  mildert  den  Zorn  de.s 
Vaters  durch  eine  Schilderung  der  Fortschritte  seines 
Sohnes  in  den  WL^-senschaften,  und  schließlich  w*ill  er 
Pomocki  benutzen,  um  dem  Alten  zu  eigenem  Vorteil 
Geld  abzupressen.  —  Abgesehen  von  der  ersten  Szene 
des  ersten  Aktes,  die  zur  Charakteristik  Figlackis  dient 
und  von  der  noch  später  die  Rede  sein  wird,  fügt  Boho- 
molec im  zweiten  Akte  (Szene  2)  einen  Auftritt  ein,  der 
bei  Moliere  nur  angedeutet  ist.  Bekanntlich  instruiert 
Scapin  Octave,  wie  er  seinem  Vater  entsregentreten  solle, 
es  kommt  aber  nicht  dazu.  Bei  Bohomolec  dagegen  be- 
ginnt der  zweite  Akt  mit  einer  Begegnung  zwi- 
schen Jan  und  seinem  Vater,  den  jener  nach 
Figlackis  Anweisung  durch  seine  scheinbaren  Kenntnisse 
ins  größte  Erstaunen  setzt: 

JAN    (klania  sie  y  zaczyna  möwic  oracyQ,  nie  uwazai^c  na  to, 

ze    mu    oyciec    przory wa    y  przeszkadza) :      Wybiegiszy 

spiesznym    galopem    na    olirnpiczne    dziardyny,    trabeata 

sidera   .  .  . 
LAK:  Nie  chc^,  nie  sluchaml 
JAN:   .  .  .     sliczno,    choc    nieliczne    wydawaiy    rezony:    Phos- 

phore,  redde  diem!  .  .  . 
LAK:  W  karty  grac,  kostero?! 
JAN :   .  .  .   Alic   stan^wszy  in  horoscopo  pulvinarium,   caper  in. 


]:;G  Kapitel  III. 

axnphora  iiio  kapryzui<\cym  odezwal  si^  tonem:  «Sic  vos 
non   vobis  fertis   aratra  bovcsl» 
l.AK    (miSwi   (lo  ludzi):   A  oii,   widzc,',   coä  niezic  möwi.    Poslu- 
cham. 

.fAN:  .  .  .  Y  rozwin^wszy  niebotyczuc,  bo  zodialyczne  swoie 
vxllus,  ztotrt  influency^  öwial  awantazowal.  Et  ratio  oet, 
bo  lak  napisal  non  longus  Longinus:  «Parcc  ncc  invidia 
sine   ine  jiber  ii)is   in  urbom»   .  .  . 

LAK    (do   ludzi  möwi):    Co   to   za  milc  dzieci^l 

JAN :  .  .  .  «ibis  in  url^em»  ...  Do  wozowTii  serca  mego,  mi- 
loäciwy  oyczi',  skie^o^vawszy  kordyalne  kotka  karocy  re- 
spoktu  twego,  ty,  po  oÜmpicznych  woiazowawszy  graiide- 
cach,  zasic^dziesz  krzeslem  propcnsyi  moiey  regalizo- 
wany.  A  bagazc  oyczystycb  kleynolöw  ztozywszy  pod 
daszkicm  synowskiego  affektu,  arma  virumq;ue  canes, 
c-aiies  nunquam  canescens  przez  saturnowe  wieki  in  arce 
meritonim.  Czego  synowskq  zyczc\c  addykcyj^,  impet 
mcgo  przywitania  t^  kotwic^  utrzymuiQ:  «Rumpitur  in- 
vidia,  nimpantur  Ilia  Codro». 

LAK:  Ach,  podporo  starosci  moiey I  Serce  mi  si?  od  radosci 
z  tych  piersi  wyrywa,  kiedy  widzQ  w  tak  krötkim  czasie 
taki  twoy  postQpek  w  naukach.  Juz  sig  nie  gniewam. 
Darui?.  Zdarzyto  ci  si^  pobi^dzic  —  lufizka  to  rzccz  iest, 
a  naybardziey  mtodym  przyzwoita.  A  po  francuzku, 
stysz?,  dobrze  iuz  umiesz? 

JAN :  Oui,  aprez  diner,  Monsieur.  Je  vous  souhaite  la  bonne 
nuit. 

LAK:  Ach,  Bog  ci  zaplac,  Mo6ci  Panie  guwerner,  za  tak  pifjknj^ 
edukacy^.  Ja  nie  mialem  tego  szczQäcia  y  tyle  iak  syn 
moy  nie  umiem. 

FIG:  Albo  to  tak  wielu  umie?  Ja  to  opowiadam,  Mosci  Dobro- 
dzieiu,  ze  r6wnego  dowcipu  Europa  nie  ma  iako  u  syna 
WM.  Pana.  Pod  poczciwosci^  möwiQ,  zo  zi  kvvarlal  ieden 
y  drugi  bf^dzie  Jegomo66  pan  Jan  umial  dziewi^ödziesisit 
dziewioc    i<jzyk6w. 

LAK    (caluif^c   syna  m6wi):   Ach,   pociecho  moia  iedyna! 

JAN:  Voulez-vous  dormir?  Oui,  Monsieur.  Sans  doute.  Bon 
jour.     Voudrois   manger.     Vous   menez.     Monsieur. 

LAK:  Chodzze  ze  nm^,  Jasiul  Niech  si^  z  tobr^  po  dlugim 
niew'idaniu  si(j  naciesz^. 

JAN:  Notre  Pore  qni  eles  aux  cienx,  Votre  nom  seit  sacrifie. 
Votre  regne  nous  a/lvionne  .  .  . 

LAK:  0,  iakze  gladko  möwi  po  francuzku I  Cale  dobry  ma 
akcent.     Jak  si^  zda  WM.  Panu,  Moäci  Panie  guwemer? 


üohoiiiükc'  VerhHilnis  zu  Moliere.  137 

Flu:    Akccnt?    rodowity    frantuz    lepiey    m6wi<'    iii<-   jxtr.ifi   lak 

Jegomoäc, 
LAK:  Y   innie  si^   tak   zda.    B^q  obligowany   Wasznio^r.   Panu 

za   Jego   fatyg«.\     Idzmy,   Jasiu!    (Odchodzi.) 

Die  Szene  ist  Bohomoltc  nicht  übel  geglückt.  Dennoch 
hat  er  sich  bei  der  Au-arbeitung  eines  bei  MoHere  nur 
flüchtig  angedeuteten  Motivs  niciit  von  rein  artiftlHchen 
Rückeichten  leiten  lassen.  Ihn  lockte  nicht  die  sich  ihm 
darbietende  Gelegenheit,  eine  komisclie  Möglichkeit  künst- 
lerisch auszubeuten.  Er  benutzte  die  Gelegenheit,  einer 
gewissen  Er  ziehungsmethode  einen  wohlberechneten 
Hieb  zu  versetzen.  Die  Szene  ist  nichts  anderes  als  eine 
willkommene  Waffe  pädagogischer  Polemik,  eine  Waffe, 
die  Bohomolec  gern  und  oft  in  seinen  Schulkomödien 
anwendet.  Das  ist  ein  Zug  im  allgemeinen  Stile  seiner 
Komödien,  der  uns  noch  eingehender  wiril  beschäftigen 
können. 

Wie  schon  bemerkt,  finden  wir  er.st  im  dritten  Akte 
bei  Bohomolec"  nähere  Übereinstimmungen  mit  Molieres 
Handlung.  Und  zwar  entsprechen  die  ersten  drei  Szenen 
desselben  (er  besteht  aus  vier  Szenen)  den  Szenen  H,  5 
und  H,  6  bei  Moliere.  Die  vier  Szenen,  mit  denen  der 
zweite  Akt  bei  Moliere  beginnt,  hat  Bohomolec  somit 
ganz  beiseite  gelassen.  Das  erklärt  sich  daraus,  daß 
Bohomolec  mit  anderen  Voraussetzungen  operiert  als 
Moliere.  Streiten  bei  Moliere  zu  Beginn  des  zweiten  Aktes 
die  Väter  über  den  Wert  ihrer  Sohne,  hegt  Geronte  Ver- 
dacht gegen  seinen  Sohn  Leandre,  beschuldigt  Leandre 
daher  Scapin  des  Verrates  und  bitten  schließlich  sowohl 
Leandre  wie  Octave  Scapin  um  Hilfe  (H,  1 — 4),  so  waren 
das  Szenen,  die  Bohomolec  natürlich  ohne  weiteres  weg- 
lassen mußte  und  konnte;  bei  Moliere  dienten  diese  Szenen 
zur  Motivierung  der  beiden  Bravur.'^zenen  il,  5—6  und 
11,  7,  in  denen  Scapin  mit  und  ohne  Sylvestres  Hilfe 
die  beiden  Väter  zugunsten  ihrer  Söhne  prellt.  Bohomolec, 
für  den  Scapin -Figlacki  ein  ausgesprochener  Spitzbube 
war,   der   nur   an  seinen  eigenen  Vorteil  denkt,  brauchte 


138 


Kapitel  III. 


diese  Motivierung  nicht.  Er  sprang  direkt  in  raedias  res 
und  benutzte  die  Szene  II.  5  —  6  als  Zentralszene  des 
dritten  und  die  Szene  II,  7  als  Zentralszene  des  vierten 
Aktes,  wobei  beidemal  derselbe  Alte  geprellt  wird. 

So  entnlehen  bei  ihm  zunächst  die  drei  Szenen  111, 
1 — 8.  Er  folgt  hier  recht  genau  dem  Wortlaute  der  Vor- 
lage, wobei  natürlich  Pomocki-Sylvestre  nicht  der  Bruder 
der  Geliebten  des  Sohnes  ist,  sondern  vorgibt,  der  Soldat 
zu  sein,  an  den  Jan  im  Kartenspiele  das  Geld  verloren 
habe,  das  nun  J'jakomski  Figlacki  hergeben  soll.  Schließ- 
lich gibt  Lakomski  genau  wie  Argante  das  geforderte  Geld: 


Moli^re  II,  6: 

ARG :  Je  me  resous  ä  donner  les 

deux  Cents  pistoles   .... 
SCA:    Vous  n'avez   qu'ä   me  les 

donner  

ARG:  Oui;  mais  j'aurois  6te  bien 

aise    de    voir    comme    je 

donne  raon  argent. 
SCA:    Est-ce  que  vous  vous  de- 

fiez  de  moi? 
ABG:  Non  pas,  mais  .  .  . 

SCA:  Parl)leu,  Monsieur,  je  suis 
un  iouil)e,  ou  je  suis  hon- 
nfite  homme;  c'est  Tun 
des  deux  .  .  .  Si  je  vous 
suis  suspect,  je  ne  me 
m6le  plus  de  rien,  et  vous 
n'avez  qu'ü  chercher  des 
cetle  heure,  qui  accomo- 
dera  vos  affaires! 

ARG:   Tiens  donc! 


SCA:  Non,  Monsieur,  ne  me  con- 
fiez  point  votre  argent.  Je 
serai  hi«  n  aise  que  vous 
vous  serviez  de  qnelque 
autre. 


Bohoraolec  III,  3: 

LAK:  Co  za  bieda  z  tym  niez- 
boznym!  Oddayze  iuz 
Waszmoöö  Pan  iemu  pie- 
ni^dze.  A  ia  choö  zdaleka 
b^^  na  to  patrzaL 


FIG :  Cöz  to  Waszmoöö  Pan  mi 
nie  dowierzaszV 

LAK:  Uchoway  Boze!  Jednak- 
ze  .  .  .  . 

FIG:  Mo8ci  Dobrodzieiu,  albo 
miQ  Waszmo>4c  Pan  musz 
za  uczciwego  czlowicka 
albo  za  oszusta  .  .  .  Jeze- 
lim  podeyrzany,  nie  myöle 
w  tQ  spraw^  wdawac  si^. 
Szukay  Waszmoöö  Pan  so- 
bie  wiernieyszegol 

LAK:  Ale  —  uchoway  Boze!  Ja 
wierz^,  Waszmoäd  Pan. 
We;^ze  Waszmoöö  Pan 
pieni^dze  y  odday  temu 
zolnicTZOVvi. 

FIG:  Nie,  Mo.sci  Dobrodzieiu, 
ani  s!Q|mysl^  .w  to  wdawac J 


Bohomolec'  Verliältnis  zu  Mollere. 


n9 


ARG:  Mon  Dieu,  tiens! 

SCA:  Non,  vous  dis-je,  ne  vous 
tiez  point  ä  moi.  Que 
sail-oii  si  je  ne  veiix  point 
vousaltr:i[)er  votre  arj^'entV 

ARG:  Tieos,  le  dis-je,  ne  nie 
fais  point  contt^st^^r  davan- 
tage.  Mais  son},'e  ä  bien 
prendre  tes  süretes  avec 
lui! 

SCA:    Lais<?ez-moi  faire  .  .  .* 


LAK:  Ale  si?  nie  trnieway  Wasz- 
nioKe  l'an  !  (ilitiey  przyif^c! 

FIG :  Nie  zycz^  nu  wierzyd.  Mo«^ 
oszka<^  WiisznioH('"  Pana. 
Jesteni  oszust.  1 'rzeatr /.(.•- 
Kam ! 

LAK:  Ale  przepra-szini!  Dayniy 
in/,  ttnui  pok6y!  Wez 
VVasziiioHÖ  Pan  y  chciey 
uppokoir  te^o  tyrana.  A 
oblivr  proszQ  nii  odebrar! 
(Odchodzi). 

FIG:  Dia  Wasztno^c  Pana  to 
I  tylko  czynicj. 

Ebenso  genau  kopiert  Bohomolec  die  Szene  mit  der  Er- 
pressung, die  Scapin  an  Geronte  verübt.  Bei  Bohomolec, 
der  diese  Szene  erst  im  folgenden,  vierten  Akte  anbringt, 
ipt  das  Objekt  der  Erpres.'^sung  natürlich  wieder  derselbe 
Lakomski.  Er  wiederholt  auch  be.-tiin'lig  die  berühmte 
Exklamation:  «Czy  go  choroba  wniosia  na-t^  galerQl» 
(«Que  diable  allait-il  faire  dans  cette  galere!>).  Schließlich 
gibt  aber  auch  er  genau  wie  Geronte  die  200  Dukaten, 
die  der  vermeintliche  Seeräuber  fordert,  her  und  entläßt 
Figlacki  mit  einer  ganzen  Flut  von  Flüchen  und  Schimpf- 
wörtern gegen  den  imaginären  Türken: 


Meliere  II,  7 

GER:   Mais   dis   ä   ce   Türe   que 

c'est  un  sc^lerat. 
SCA:    Oui. 
GfiR:  Un  infame. 
SCA:    Oui. 
GER:  Un  hemme   sans  foi,   un 

voleur. 
SCA:    Laissez-moi  faire. 


GER:    Qu'il    me    tire    500    ecus 
contre  toute  sorte  de  droit. 
SCA:    Oui. 


Bohomolec  IV,  2 

LAK:  Powiedz   mu,    ze  on    nie- 

crota. 
FIG:     Powiem. 
hAK:  Ze  on  oszust,  zdrayca. 
FIG:     Dobrze. 
LAK:  Ze  on  hultay,  iolr,  rozboy- 

nik, 
FIG:     Tak  lest. 

LBK:  Ze  on  nie  roa  sumnienia. 
FIG:     Tak  iest. 
LAK:  Ze  on   mi    niesiusznie   te 

pieniadze  wydziera. 
FIG:    Tak  i'tst. 


*  Ich    zitiere    hier    und    im    folgenden    nach    D  e  s  p  o  i  s 
Mesnards  Ausgabe. 


140  Kapitel  III. 


(iER:  Que  je  ne  les  lui  donne 
ni  ä  la  mort  ni  ä  la  vie. 

SCA:    Fort  bien. 

GER:  Et  que,  si  janiais  je  l'at- 
trappc,  je  saurai  me  ven- 
ger  de  lui. 

SCA:    Oui. 


LAK:  Ze  mu  tego  nie  darui^  ani 

w  zyciu  ani  przy  ^mierci. 
FUi:    Tak  iest. 
IjAK:  Ze  on  obligowany  iest  do 

restitucyi. 
FfG:     Tak  iest. 
ZiAK:  Ze  ieHÜ  mi  nie  vvröci  lych 

pieni<jdzy,   nie    b^dzie    w 

niebie. 


Schließlich  sei  hier  noch  notiert,  daß  wir  in  der  ab- 
Hchließenden  Szene  der  ganzen  Komödie  bei  Bohomolec 
einen  Molierischen  Auftritt  wiedererkennen,  freilich  aber 
in  ganz  anderer  Deutung:  ich  meine  Molieres  Szene 
111,  2,  wo  Scapin  den  alten  Geronte  in  den  Sack  kriechen 
läßt,  um  ihn  vor  angeblichen  Feinden  zu  beschützen,  und 
ihn  dann  selber  durchprügelt.  Bei  Bohomolec,  der  dieses 
Motiv  als  effektvollen  Abschluß  in  der  dritten  Szene  des 
fünften  Aktes  anwendet,  ist  es  nun  nicht  der  alte  Lakomski, 
der  in  den  Sack  kriechen  muß,  sondern  —  Figlackis 
Helfershelfer  Pomocki.  Dieser  fordert  nämlich  seinen 
Anteil  an  der  Beute,  Figlacki  möchte  aber  natürlich  alles 
für  sich  behalten,  und  um  ihn  loszuwerden,  bildet  er 
ihm  ein,  daß  er  von  Lakomski  verfolgt  werde,  und  daß 
die  Verfolger  ihm  schon  hart  auf  den  Fersen  seien. 
Pomocki  kriecht  auf  Figlackis  Bat  in  den  Sack  und  wird 
von  diesem,  der  Lakomskis  Stimme  nachahmt,  weidlich 
durchgeprügelt,  worauf  Figlacki  sich  aus  dem  Staube 
macht. 

Von  den  17  Szenen,  aus  denen  die  Komödie  bei 
Bohomolec  besteht,  sind  somit  nur  acht  bei  Moliere 
vorgesehen.  Die  übrigen  neun  haben  eine  verschiedene 
Rolle  im  Bohomolecschen  Stücke:  einige  dienen  dazu,  um 
den  Helden,  also  Figlacki,  näher  zu  charakterisieren  oder 
die  Tendenz  des  Stückes  geltend  zu  machen  (I,  1,  teil- 
weise II,  3),  —  von  ihnen  wird  noch  an  anderer  Stelle 
die  Rede  sein.  Die  übrigen  sind  dazu  bestimmt,  den 
Faden  zwischen  den  aus  Moliere  entlehnten  Szenen  zu 
knüpfen.     Wir  haben  da  die  besprochene  Szenen  11,  1,  2, 


Bohomolec'  Verhilltnis  zu  Moli6re.  141 

wo  Jan  seinen  Vater  nach  Figlackis  Anweiaung  begrüßt, 
wir  haben  die  Szene  HI,  4,  wo  Jan  von  Fi^hicki  sf-inen 
Anteil  an  der  Beute  foniert,  aber  auf  8j>äter  vertröntel 
wird,  und  die  Szene  IV.  1,  wo  Poinooki  cbenfallH  zun» 
Warten  veranlaßt  wirJ.^  Wir  haben  sijblirßljcli  die  Szene 
IV,  3,  wo  Jan  neinem  Vater  Fiiilackis  Lü^'en^e.schicljt'i 
aufdeckt,  um  zusammen  mit  ihm  auf  die  Suche  nach 
dem  doppelten  Betrüger  zu  gehen,  und  die  Szene  IV,  4, 
wo  Figlacki  Sfinem  Freunde,  der  Jan  vom  Vator  fern- 
halten sollte,  ihn  aber  nicht  fand,  vorspricht,  ihn  aus  der 
<^efahr  einer  Gefangennahme  zu  erretten.  Die  Entwick- 
lung de3  fünften  Aktes  ist  abweichend  von  Moliere,  aber 
nicht  ohne  Molieres  Hilfe  durcligeführt:  freilich  eine  Kon- 
Hiktlösung  ist  das  nicht,  liegt  doch  keine  eigentliche 
Intrige  vor.  Es  besteht  «larin,  daß  Figlacki  und  Pomocki 
sich  als  Soldaten  verkleid-n  und  der  erttere  den  Blinden 
und  Halbtauben  spielt,  Lakomski  geht  zwar  vorbei,  er- 
kennt ihn  aber  nicht.  Darauf  folgt  dann  die  oben  be- 
sprochene Szene,  die  der  Idee  nach  molierisch  ist,  in  der 
Durchführung  aber  Bohomolec  gehört.  So  ersetzt  der 
polnische  Verfasser  auf  eine  höchst  einfache  Weise  die 
recht  verwickelte  Konfliktlösung  Molieres  durch  einen 
effektvollen  Abschluß,  der  gut  mit  dem  allgemeinen,  un- 
komplizierten Handlungsgange  harmoniert.  Und  über- 
blicken wir  sie  nochmals,  so  sehen  wir,  wie  sich  bei 
Bohomolec  eine  neue  Aktion  ergibt,  die  nur  weniges  mit 
der  Molierischen  Intrige  gemein  hat.  War  sie  bei  Moliere 
absolut  die  Hauptsache,  so  ist  sie  im  Gegenteil  bei  Bo- 
homolec etwas  ganz  Untergeordnetes  geworden,  bestimmt, 
die  «polityka  teraznieyszey  mody»  zu  charakterisieren  und 
zu  illustrieren.  Davon  sei  aber  in  einem  besonderen 
Kapitel  die  Rede. 


^  Vielleicht    eine    Reminiszenz    aus    Regnard.     Vgl.    «Le    Di 
voroe^,    II,  2,    wo   Arlequm   von   Mezzetin^   dem  er   bei   einer   Be- 
trügerei geholfen  hat,   fordert,   daß   er  ihm  seinen  Anteil  an   der 
Boube  geben  solle,   von  diesem  aber  auf  später  vertröstet  wird. 


142  Kapitel  III. 

Besonders  illustrativ  für  die  Art  und  Weise,  wie 
Bohomolec  die  Molieriscbe  Intrige  umgestaltet,  ist  der 
«Figlacki  polityk teraznieyszey  mody»  vielleicht  nicht,  kann 
man  doch  im  Grunde  genommen  nur  davon  sprechen,  daß 
Bohomolec  einige  einzelne  Motive  aus  der  Molierischen 
Komödie  in  einem  wesentlich  veränderten  Zusammenhange 
benutzt  hat.  Nur  sehr  beschränkt  liegt  hier  eine  Be- 
arbeitung einer  Molierischen  Komödie  vor,  weit  eher 
eine  Einarbeitung  Molierischer  Situationen  in  eine 
Komödie,  die  zudem  —  wie  die  Folge  zeigen  wird  — 
psychologisch  originellen  Ursprungs  ist.  Eine  wirkliche 
Bearbeitung  einer  Molierischen  Komödie  dagegen 
haben  wir  in  der  tNieroztropnosc  swym  zamys- 
lom  szkodz^ca»,  die  nichts  anderes  ist  als  eine  Szpne 
für  Szene  durchgeführte  Wiedergabe  des  Molierischen 
«Etourdi»,  in  dem  die  Sklavin  Hippolyte  einfach  durch 
einen  Sklaven  Hippolitek  ersetzt  ist,  der  ein  gottbegnadeter 
Sänger  ist,  und  den  ein  (nicht  verliebter,  sondern)  musik- 
begeisterter Jüngling  ebenso  brennend  zu  besitzen  wünsclit, 
wie  bei  Moliere  der  verliebte  Lelie  die  schöne  Sklavin, 
Das  Prinzip  der  Transplantation  ist  somit  hier  dasselbe 
wie  in  der  vorhergehenden  Komödie.  Bohomolec  hat  sich 
die  Arbeit  auch  bedeutend  erleichtert  dadurch,  daß  er  die 
beiden  alten  Pandolfe  (Pandolf)  und  Anselme  (Anzelm) 
und  ihre  beiden  Söhne  Lelie  (Leliusz)  und  Leandre  (Le- 
ander) beibehielt,  nicht  in  je  eine  Figur  zusammen- 
schmelzen ließ.  Trufaldin  hat  auch  seinen  Namen  und 
seine  Rolle  beibehalten,  während  Mascarille  bei  Bohomolec 
Figlacki  heißt;  der  bei  Moliere  namenlos  auftretende 
«courrier»  hat  aber  den  aus  Terenz  stammenden  Namen 
Chremes  erhalten.  Ganz  gestrichen  sind  Celie,  Andres, 
«cru  Egyptiens,  und  der  «valet»  Ergaste.  Die  Handlung 
geht  <na  rynku»  vor  sich,  und  das  Milieu  wird  durch 
nichts  lokalisiert  oder  gar  polonisiert. 

Setzen  wir  immer  voraus,  daß,  wo  bei  Moliere  von 
der  Sklavin  Hippolyte  die  Rede  ist,  bei  Bohomolec  dem- 
enteprechend     immer    vom    Sklaven     und     «spiewaczek» 


Bohomolcc'  Veihälliiis  zu  Moliere.  143 

Hippolitek  <resproclien  wird,  sn  haben  wir  Iblpende  Kon- 
gruenz: 

Jni  ersten  Akt  entsj»reclien  die  Szenen  1  —  '>  den 
Molierisclien  1,  2,  4 — 7,  die  Szene  7  der  Molierisclien 
Szene  9.  Wir  konstatieren,  daÜ  die  .sechnte  kein  Seiten- 
etück  bei  Moliere  hat.  Das  heriilit  darauf,  (iaü  Bo- 
homolec  ein  ^lotiv  in  der  dritten  (fünften  Molierischen) 
Szene  a  n  d  e  r k  gedeutet  hat ;  bekanntlich  preist  Mas- 
carille  bei  Moliere  im  Gesprach  mit  Ansei me  diesem  gegen- 
über seine  N^rine;  dies  konnte  nicht  in  derselben  Form 
in  einer  Schulkomödie  wiedergegeben  werden,  und  ßohomo- 
lec  ließ  einfach  seinen  Figlacki  den  Sohn  des  alten  Anzelm 
loben.     Ich  führe  die  typische  Stelle  hier  an: 

FIG :    Jediii   go  nazywaU   dr^giem   .  .  . 

ANZ:  Drj^gicm?    Pi«jkna  pochwalal 

FIG:    .  .  .  drqgiem  na  podporQ  oyczyzny  nicprzelamanym. 

ANZ:  Rozuniiem.    Co  tak  to  dobrze. 

FIG:    Drudzy   go  mianowali  oslem   ... 

ANZ:  Jakto?    Syna  mcgo  —  oslem? 

FIG:    .  .  .    osJem  do   dzwigania  urz^döw  nayci<jz8zych  niospra- 

cowanym. 
ANZ:  Co  to  to  nie  od  rzeczy  rnöwiH. 
FIG:    Inni   powiadali,   ze  on   b^zie   katem   .  .  . 
ANZ:  Kto?    Sjn  möy   ma  byc   katem? 
FIG:    .  .  .    katem    nieprzyiaciöl    oyczyzny. 
ANZ:  Rozumiem.    Dobrze  tak  na  nich. 

FIG:    Inni  nakoniec  rokowali,   ze  on  b^dzie  chodzil  z  torb^   ... 
ANZ:  Ma   cliodzic   syn   möy   z  torb^? 
FIG:    .  .  .    z  torb^    skaxbu    oyczyzny    naszey,    to    lest:    ze    w 

iego  r^ku  heßs^  pieni^dze. 

In  der  eingeschobenen  sechsten  Szene  dankt  nun  Leander 
Figlacki  dafür,  daß  er  so  schön  von  ihm  gesprochen  habe. 
Dieselbe  Szene  hat  dann  später  noch  im  vierten  Akte 
ein  Nachspiel,  indem  der  andere  CJreis  Pandoll'  bestreitet, 
daß  Leander  ein  solcher  Musterknabe  sei,  wie  der  stolze 
Vater  glaube,  im  Gegenteil,  er  sei  ein  Dieb: 

PAN:  Waszmosf-  Pana  syn  zlodziey.  Fuxfur  cum  NiilfTire  sur- 
tnr.» 

ANZ:  Jakto    —    Zlodziey? 

PAN:  Zlodziov. 


144  Kapitel  III. 

ANZ:  Albo   on  okradt   Wa.szmos6   Pana? 

PAN:  Chciai    ukr.i.sc    ii  lYufaldyna    spiewaczka.     «Cantabit    va- 

cuus  corain  latrone  viator.» 
ANZ:  Dowiedzicsz    mu  Waszmosc    Pan   tego? 
PAN:  Dowiod^   faciliimc. 

ANZ:  Dobrze.     Obaczymy.    (Odchodzi   z  spiiewem.) 
PAN:  Wicm   ia  o  wszystkich  iego  szlukach   .  .  .    Niemasz  An- 

zelma,    Schowat  sIq.     «Servata  valebunt.» 
ANZ    (pownica):    Y   Waszmosc   Pan   möwisz,    ze   syn.  möy   zlo- 

dziey  ? 
PAN :  Y   möwilem   y  möwi^.     «Quod   dixi,    dixi.» 
ANZ:  Dobrze.     Kiedy   tak    .  .  .     (Odchodzi    z  gniewem.) 
PAN :  Poszedh     Wiem  ia,   iak   sIq   on   \v  maszki  ubierat,   chc^o 
ukrasc     Hippolitka.     «Qui    menliri    seiet,     pejerare    con- 
saievit.» 
ANZ    (powraca) :    Y   Waszmosc    Pan    siq    tego    wstydzi6  nie   b^- 

dziosz  ? 
PAN:  Nie  b^d^,  upewniam.    Y  na  to  stipulatam  manum  daJQ. 
ANZ:  A  kiedy  Waszmosc  Pan  tego  nie  dowiedziesz,  co  b^dzie? 
PAN :  Deducam.    DowiodQ. 
ANZ :  jObacz?.     (Odchodzi.) 
PAN:  Main  na  to  cziorech  §wiadköw,  ktörzy  gotowi  na  to  przy- 

siadz.    Dabit  se  videre. 
ANZ    (powraca):   Y  Waszmosc   Pan   siQ   tego  nie  zaprzesz? 
PAN:  Nie.    Non. 

ANZ:  Y   nie  odsl^pisz   Waszmosc   Pan   tego   slowa? 
PAN:  Nie   odst^piQ.    «Non   est   sapientis   mutare  consilium.» 
ANZ:  Jakze?    To  moy  syn  zlodziey? 
PAN:  Ztodziey. 
ANZ:  Dobrze,    kiedy   tak.     B^zie   o  tym    y  syn   möy   wiedzial. 

(Odchodzi.) 
PAN:  Bardzo   si?  ia  iego  l^kam!    «Det  illum  carnifici!»    Ja  go 
towem  y  w  oczy   mu  to  powiedziec.    «Epistola  non  eni- 
bescit.>^     (Odchodzi.) 
ANZ    (powraca):    Jakze?    Sym  m6y   .  .  .     Niemasz   go.    Uciekl. 
Juz    siQ   mi^    boi  I     Ale   poydQ   za  nim.     (Odchodzi.) 

Die.^^er  Auftritt  ist  oigeutlich  durch  nichts  motiviert  und 
schwebt  sozusagen  in  der  Luft.  Er  steht  nur  in  sehr 
]o.-;em  •  Zusammenhange  mit  dem  vorhergehenden  und 
bleibt  insofern  olnie  Konsequenz,  aU  Bohomolec  erst  ganz 
am  Schlüsse  der  Komödie  den  Zwist  der  beiden  Alten 
zu  einem  plötzlichen  Abschluß  bringt,  indem  Pandolf 
seine   Beschuldigung,    Leander   sei    ein    Dieb,    kurzerhand 


Bohomolec'  Veiliältnis  zu  Moliere.  145 

zurücknimmt.  Wio  kommt  Bohomolec  also  darauf,  dicfe 
Szene  in  seine  Bearbeitung  einzuschi«:;ben?  Das  hier  ver- 
wertete Bülinenspiel:  Jemand  will  tich  entfernen,  kehrt 
aber  immer  wieder  zurück,  ist  anscheinend  nicht  vi  r 
Moliere  beJegt,  bei  dienern  iihor  mehrfach  nachzuweisen :® 
FO  entfernt  sich  der  Diener  Lamontapne  in  den  «Facheux» 
([,  2)  mehrmals,  kehrt  aber  immer  wieder  mit  irgendeiner 
Frage  zurück;  so  fragt  Sganarelle  im  «Mariage  forc^> 
(Szene  4)  den  Pedanten  Pancrace  um  Hat,  dieser  wendet 
sich  mehrmals  zum  Gehen,  kehrt  aber  jedesmal  wieder; 
so  geht  Ilorace  in  der  «licole  des  femmes>  (I,  4)  mehr 
mals  weg,  kommt  aber  jedesmal  zurück.  Inwieweit  nun 
jene  freistehende  Szene  unseres  Paters  eine  selbständig 
durchgeführte  Anwendung  des  Molierischen  Mittels  ist 
oder  aus  einer  anderen  Komödie  stammt,  in  der  dieses 
Mittel  gleichfalls  angewandt  war,  ist  natürlich  schwer  zu 
ergründen.  Wenn  wir  aber  unsere  Aufmerksamkeit  auf 
die  Tatsache  richten,  daß  der  Dialog  zwischen  den  beiden 
Alten  einerseits  ausgezeichnet  durchgeführt  ist  und  die 
beiden  Gestalten  in  hohem  Grade  charakterisiert,  daß  sich 
bei  Moliere  auch  nicht  der  geringste  Ansatz  zu  diesem 
Auftritte  findet,  und  daß  er  andererseits  auch  bei  Bohomolec 
sehr  wenig  motiviert  ist,  können  wir  wohl  mit  Recht 
vermuten,  daß  Bohomolec  die  Szene  nicht  selbst  er- 
funden hat,  sondern  sie  bei  irgendeinem  anderen  Komödien- 
dichter gefunden  und  wegen  ihrer  komischen  Wirkung 
willkürlich  in  seine  Bearbeitung  aufgenommen  hat.  Die 
Vorlage  muß  einen  pedantischen  Alten  enthalten  haben, 
eine  Gestalt,  die  in  der  Molierischen  Komödie  nicht  vor- 
kommt, und  diese  Gestalt  hat  dann  dem  ^rolierischen  Pan- 
dolfe  bei  Bohomolec  jenen  unerwartet  pedantischen  Charak- 
ter gegeben.  Welche  fremde  Komödie  hier  die  Quelle  ge- 
wesen sein  kann,  weiß  ich  freilich  nicht  anzugeben.  Die 
Einschiebung   ist   aber   sehr   bezeichnend   für  Bohomolec' 


6  Vgl.    J.    B  e  t  h  g  e  ,    Zur   Tcclinik   Molieres    (Zeitschrift  für 
französische  Sprache  und  Literatur,  Bd.  XXI,  Berlin  1899),  S.  258. 

Stender-Petersen,  Die  Schulkomödien.  10 


14Ü 


Kapitel  III. 


ganze  Methode  und  wird  uns  noch  oft  begegnen :  e  r 
nahm  Szenen,  die  ihm  wegen  ihrer  Komik 
besonders  gefielen,  aus  anderen  Komödien 
und  schob  sie  einfach  an  einem  mehr  oder 
weniger  passenden  Platze  in  seine  Bearbei- 
tung ein.  Etwas  Ähnliches  konnte  ich  schon  bei  der 
Untersuchung  des  Verhältnisses  zwischen  Bohomolec  und 
Plautus  feststellen,  Ähnliches  werde  ich  noch  später  an- 
führen können. 

Abgesehen  von  diesen  Veränderungen  folgt  nun  Bo- 
homolcc  recht  genau  seiner  Vorlage.  Mit  Auslassung 
der  Molierischen  Szene  II,  8  und  der  Szene  III,  6  sind 
der  zweite  und  dritte  Akt  vollständige  Kopien  der  ent- 
sprechenden Molierischen ;  natürlich  kann  Figlacki-Scapin 
nicht  die  Schönheit  der  Sklavin  Hippolyte  bezweifeln, 
sondern  nur  den  vermeintlich  schönen  Gesang  des  Sklaven 
Hippolitek,  und  so  sagt  er  denn  zu  Leander  (III,  2): 
«Ktokolwiek  glos  iego  slyszal,  kazdy  wyznaie,  ze  y  glos 
ma  koziowaty  y  muzyki  cale  nie  umie».  Molieres  Szene 
III,  9  am  , Schlüsse  des  dritten  Aktes  fällt  bei  Bohomolec 
natürlich  auch  weg.  Im  vierten  Akte  ersetzte  Bohomolec 
die  dritte  Szene  Molieres  durch  die  oben  zitierte  neue 
und  ließ  die  letzte  Szene  (IV,  7)  weg,  folgte  aber  sonst 
genau  dem  Texte  Molieres,  hin  und  wieder  Verkürzungen 
zulassend.  Diese  Genauigkeit  ist  aber  so  sklavisch,  daß 
sich  bei  ihm  direkt  Ungereimtheiten  ergeben,  so  in  der 
Szene  IV,  4 ;  bekanntlich  wirft  Mascarille  bei  Moliere  seinem 
Herrn  dessen  unvorsichtiges  Liebäugeln  mit  der  schönen 
Skla\4n  an  Trufaldins  Tisch  vor;  obgleich  nun  ein  Sklave 
bei  Bohomolec  jene  Sklavin  vertritt,  ist  das  Motiv  den- 
noch voll  und  ganz  beibehalten  : 
Moliere  IV,  4:  1   Bohomolec  IV,  4: 

MAS:  Bientöt   de    notre    fourbc   ,   FIG:     Wyda  si§  zape^vne  nasza 
on  vorra  le  debris,         j  pnlityka,  kiedy  Waszmosc 


si  vous  continuez  des  sot- 
tises  si  grandes. 
LEL:   Dois  je  eternellement  oulr 
tes  reprimandes? 


Pan   tak   nieostroznie  b^- 
dziesz  post^powal. 
LEL:    Dia    Boga!    p6ki    mi    b^- 
dziesz  napomiiial?  0  co  si§ 


Bobomolec'  Verhältnis  zu  Moliere. 


117 


masz    teraz    uskarzac?    w 
czyin  pobJt^dzilem? 


FIG:  W  niczym!  —  Y  to  nie, 
CO  Waszmoi^ö  Fan  przed 
Trufaliiynem  po\vicdzi;i}, 
ze  Turcy  s^  heretycy  y 
maif^  zi  Boga  xi^zyc? 


Y  to  nie,  ze  Waszmoj5c 
Pan,  zaponriniaw^zy  na 
swöy  interes,  uslawieznie 
z  Hippolitkieni  rozmawia- 
les,  przez  co  mo^'leö  si^ 
poda(5  w  podeyrzeniey 


de  quoi  le  peux  tu  plain- 

dre?  ai-je  pas  reussi 
en  tout  ec  que  j'ai  dit  de- 

puis  .  .  . 
MAS:  Couci,  couci: 

temoin  les  Turcs,  par  vous 

appelcs  li6reliques, 
et  que   vous  assurez,   par 

sermcnts  aullienti(}ues 
adorer    pour   leurs    dieux 

la  lune  et  le  soleil. 
Passe:    ce  qui   me   donne 

un  depit  non  pareil, 
c'est    qu'ici    votie    amour 

^trangement  s'oublie; 
pres  de  Celie  il  est  ainsi 

que  la  bouillie, 
qui  par  un  trop  grand  feu 

s'enfle,  croit  jusqu'aux 

bords, 
et  de  tous  les  rotes  se  r6- 

pand  au  dehors. 
LEL:    Pourrait-on    se    forcer    ä 

plus  de  retenue? 
Je  ne   Tai    presque  point 

encore  entretenue. 

MAS:   k  table,  oü  Trufaldin  l'ob- 
lige  de  se  seoir, 
vous  n'avez   toujours   fail 
qu'avoir  les  yeux  sur 
eile. 

Puls,  outre  tout  cela,  vous 

faisiez  sous  la  table 
un  bruit,  un  triquetrac  de 

pieds  insupportable, 
dont  Trufaldin,  heurte  de 

deux  coups  trop  pres- 

sants, 
a  puni  par  deux  fois  deux 

chiens  tres  innocents . . . 

Im  fünften  Akte  ist  der  Anfang   und   der  Schluß   etwas 
umgearbeitet  und  eine  bei  Moliere  nicht  vorkommende  Szene 

10« 


LEL:    Cöz  kiedy  nie  moglem  Avv 
trzymaö? 


FIG:  Ja  si^  dziwui^,  ze  Trufal- 
dyn  nie  poznal  naszey 
sztuki.  Mo^'ly  nas  dobrze 
wydaö  owe  mrugania  ocza- 
mi  na  Hippolilka,  owe 
<^mieszki,  owe  szastania 
nogami  siedzr^c  u  slolu 
tak  znaczne,  ze  Trufaldyn, 
rozumieiac,  ze  ten  szelest 
od  psöw  pochodzi,  tak 
niewinnego  psa  uderzyl, 
az  si^  wywröcit  .  .  . 


148  Kapitel  III. 

( V,  5)  eingefügt.  Sonst  ist  die  Übereinstimmung  ziemlich 
genau.  Bekanntlich  setzt  Moliere  voraus,  daß  Andres  die 
Celle  losgekauft  hat,  und  daß  Mascarille  die  beiden  unter 
der  Maske  eines  Gastwirtes  in  das  Haus  seines  Herrn 
lockt,  um  Celle  für  Lelie  zu  entführen  (V,  1 — 8).  Statt 
dessen  muß  bei  Bohomolec  Figlacki  (Andres  kommt  bei 
ihm  gar  nicht  vor)  Trufaldyn  davon  überzeugen,  daß  er 
am  besten  daran  täte,  wenn  er  den  Sklaven  in  seinem 
(Figlackis)  Hause  unterbrächte,  weil  man  erwarten  dürfte, 
daß  Trufaldyns  Haus  in  der  Nacht  von  Räubern  über- 
fallen werden  würde.  Figlacki  hat  nämlich  bei  Bohomolec 
das  ganze  Vertrauen  des  alten  Sklavenverkäufers,  dem 
er  vorseufzt: 

Ach,  wiele  winieneni  swi^tey  pami^ci  matce  y  dobro- 
dzieyce  moiey,  ktöra  mi,  gdym  byl  ieszcze  smarkaczem,  zawsze 
to  w  glowQ  wbiiala:  «Jasiu,  strzez  sIq  obludyl  zyi  z  kazdym 
szczyrze!  cudzego  nie  pragni!»     (\'',  1) 

Die  Szenen  2—4  entsprechen  mit  einigen  unwesentlichen 
Änderungen  den  Molierischen  Szenen  V,  4 — 5:  natürlich 
tritt  bei  Bohomolec  statt  Andres  Trufaldyn  auf.  Die 
Szene  V,  5  ist,  wie  gesagt,  eingeschoben,  und  zwar  ist  sie 
eine  Folge  jener  zitierten  Szene,  wo  Pandolf  den  Vater- 
stolz  des  Anzelm  so  empfindlich  kränkt;  Anzelm  stellt 
nämlich  seinen  Sohn  Leander  zur  Rede,  läßt  sich  aber 
leicht  davon  überzeugen,- daß  Pandolf  gelogen  habe.  Wieder 
wendet  Bohomolec  Motive  an,  die  durch  die  Handlung 
keineswegs  gefordert  sind  und  zusammenhangslos  in  der 
Luft  schweben  bleiben ;  können  wir  annehmen,  daß  der 
erste  Teil  der  Szene  in  psychologischem  Zusammenhange 
mit  der  Szene  H,  2  in  den  «Fourberies  de  Scapin>  steht, 
wo  gleichfalls  ein  Vater  seinen  Sohn  zur  Rede  stellt^  so 
i.^t  der  weitere  Verlauf  des  Gespräches  ohne  Analogon  bei 
Moliere;  Anzelm  will  nämlich  Pandolf  fordern,  da  aber 
der  Ausgang  eines  Duells  ebensogut  unerwünscht  sein 
kann,  zieht  er  es  vor,  Hippolit  zu  kaufen  und  —  um 
Pandolf  zu  ärgern  —  ihn  dessen  Sohne  Leliusz  zu  schenken; 
das  ist  aber  sehr  gegen  Jjeanders  Wunsch,  und  er  schlägt 


Bohomolcc'  Verhältnis  zu  Moliere.  149 

daher  seinem  Vater  vor,  doch  lieber  Ilippolit  ihm,  seinem 
Sohne,  zu  schenken  und  so  Pandolf  klar  vor  Augen  zu 
führen,  wie  wenig  er  sich  um  seine  Beschuldigungen 
kümmere.  Eine  Quelle  dieses  Motivs,  das  etwa  so  um- 
schrieben werden  könnte:  «Jemand  schlägt  dem  Vater 
vor,  einen  Sklaven  (eine  Sklavin)  selbst  zu  kaufen,  um 
die  Pläne  eines  anderen  zu  hintergehen,  während  das 
eigentliche  Motiv  das  ist,  eben  diese  Pläne  zu  fördern», 
—  eine  Quelle  des  so  umschriebenen  Motivs  kann  even- 
tuell bei  anderen  Dichtern  gefunden  werden,  z.  B.  bei 
Plautus  im  «Epidicus»,  wo  der  Sklave  Epidicus  dem 
alten  Periphanes  rät,  die  Geliebte  des  Sohnes  diesem  vor 
der  Nase  wegzukaufen:  er  w^erde  sie  vorteilhaft  einem 
dritten  weiterverkaufen;  wobei  sein  Hintergedanke  der  ist, 
die  Sklavin  oder  Flötenspielerin  dem  Sohne  in  die  Hände 
zu  spielen.  Die  Übereinstimmung  ist  freilich  nur  ganz 
allgemein.  Wichtiger  aber  ist  es,  daß  bei  Bohomolec  das 
Motiv,  der  Rat,  ganz  unbenutzt  bleibt.  Schon  die 
folgenden  Szenen,  die  ziemlich  selbständig  durchgeführt 
sind,  führen  eine  ganz  andere  Lösung  herbei,  die  nichts 
anderes  als  eine  Verkürzung  der  Molierischen  ist.  Leliusz, 
der  schon  ganz  unglücklich  ist  über  Anzelms  Beschluß, 
den  Sklaven  für  seinen  Sohn  zu  erwerben  (V,  6),  erweist 
sich  plötzlich  als  Bruder  des  Sklaven  (V,  7),  und  Leander 
muß  enttäuscht  davonziehen  (V,  8). 

Diese  Analyse  zeigt  somit,  daß  die  Molierische  Pland- 
lung  auffallend  treu  wiedergegeben  ist.  Aber  war  es 
Bohomolec  um  diese  Handlung  zu  tun?  oder  hatte  er 
andere  Motive,  diese  Komödie  zu  bearbeiten?  Ich  ver- 
mute, die  letztere  Annahme  entspricht  besser  den  Inten- 
tionen unseres  Paters.  Moliere  hatte  in  seiner  Komö- 
die, die  natürlich  vor  allen  Dingen  eine  «comedie  d'in- 
trigue»  war,  den  Charakter  eines  jugendlichen  Hitzkopfes 
skizziert,  der  unbewußt  sich  selber  entgegenarbeitet.  Ein 
solcher  verliebter  Hitzkopf  konnte  bequem  in  einen  über- 
trieben musikbegeisterten  Hitzkopf  verwandelt  werden, 
und  die  ganze  Komödie  mit  einigen  korrigierenden  Strichen 


150  Kapitel  III. 

zu  einem  Beweise  des  Satzes  gemacht  werden,  daß  Hitzig- 
keit und  Übertreibung  immer  nur  schaden  können.  Wie 
dieser  Satz  durchgeführt  wird,  sei  später  noch  näher  be- 
trachtet^, hier  begnügen  wir  uns  damit  zu  konstatieren,  daß 
Bohomolec  die  Intrige  von  MoUere  genommen  hat,  daß  er 
den  Affekt  der  Liebe  durch  den  Affekt  der  Musikbegeisterung 
ersetzt  hat,  daß  er  bei  der  Wiedergabe  der  Handlung 
recht  nonchalant  vorgegangen  ist,  und  daß  er  die  Molierische 
Komödie  durch  Einschiebung  neuer  Szenen  zu  «verbessern» 
gesucht  hat.  Als  Illustration  seiner  Bearbeitungsweise 
gibt  uns  somit  die  «Nieroztropnosc»  reiches  Material. 
Wieder  stellen  wir  ein  ausgeprägt  m  ech  anisches  Ver- 
fahren fest. 

Zwischen  diesen  beiden  Typen  einer  Einarbeitung 
Molierischer  Szenen  in  einen  wesentlich  aaders  aufgefaßten 
Zusammenhang  und  einerBearbeitung  ganzer  Molierischer 
Komödien  bewegt  sich  Bohomolec  in  seinem  Verhältnis 
zu  Moliere.  Immer  aber  wird  der  Molierische  Text  um- 
gedeutet. 

Zum  zweiten  Typus  gehört  auch  der  «Dziedzic 
chytry»,  der  eine  Umbildung  des  «Monsieur  de 
Pourceaugnac»  ist.  Hier  haben  wir  es  auch  mit  einem 
interessanten  Versuch  einer  Polonisierung  der  Handlung 
zu  tun,  nicht  etwa  derart,  daß  der  Ort  der  Handlung  aus- 
drücklich nach  Polen  verlegt  wird,  sondern  derart,  daß  ge- 
wisse polnische  Verhältnisse  statt  entsprechender  fran- 
zösischer eingeführt  werden.  Sogar  die  Namen  sind  in 
ihrer  französischen  Form  meistenteils  beibehalten.  Oronte 
heißt  Oront,  Sbrigani  Sbrigani,  Eraste  —  leicht  modifiziert 
—  Ernest;  Nerine  wird  zu  einem  guten  Freunde  Ernests 
und  erhält  den  Namen  Anzelm,  der  Arzt  und  der  Apo- 
theker erscheinen  als  «felczer^  und  «towarzysz  felczera» 
und  erhalten  die  Namen  Godfrid  und  Leopold.  Der 
limousinische  Titelheld  der  französischen  Komödie  ist  aber 
Schlesier  geworden,  spricht  ein   gebrochenes  Polnisch, 


Vgl.  das  Kap.  V  dieser  Abhandlung  (S.  323). 


ßohoraolec'  Verhältnis  zu  Moliere.  151 

■vvie  etwa  ein  Deutscher  eprechen  würde,  und  heißt  Drey- 
nar,  ein  Name,  der  wahrscheinlich  mit  den  Worten  «drei» 
und  «Narr»  in  Verbindung  gesetzt  werden  muß  und  dem- 
entsprechend etwa  «dreifältiger  Narr»  zu  bedeuten  hat.^ 
Julie  ist  natürlich  eliminiert.  Bemerkenswert  ist  es,  daß 
Sbrigani  trotz  der  polnischen  Umgebung  derselbe  «subtil 
Napolitain»  («subtelny  Neapolitanczyk»)  geblieben  ist, 
der  er  bei  Moliere  war. 

\^ergleichen  wir  die  polnische  Bearbeitung  Szene 
für  Szene  mit  der  französischen  Vorlage,  so  ergibt  sich 
folgendes  Resultat. 

Der  erste  Akt  ist  mit  seinen  acht  Szenen  eine  ge- 
naue Nachbildung  der  acht  Szenen  des  ersten  Molierischen 
Aktes  (mit  Weglassung  der  abschließenden  Ballettszenen): 
die  Ärzteszenen  sind  bedeutend  verkürzt,  die  Bauernszene 
(I,  5)  ausgelassen.  Im  zweiten  Akte,  dessen  sieben  Szenen 
den  Molierischen  Szenen  II,  1  —  5  und  11,  8 — 10  entsprechen 
(wobei  die  beiden  Szenen  II,  6 — 7  ausgelassen  werden 
und  die  .Szene  II,  8  nur  insofern  der  Bohomolecschen 
Szene  11,6  parallel  ist,  als  der  «w  sukniach  podröznych» 
auftretende  Anzelm  eigentlich  die  Nerine  vertritt),  und 
im  dritten  Akte,  dessen  sechs  Szenen  (mit  Zusammen- 
ziehung der  vierten  und  fünften  Molierischen  zu  einer 
und  mit  wesentlicher  Veränderung  des  Schlusses)  den 
sieben  Szenen  Molieres  entsprechen,  hat  Bohomolec  infolge 
der  Eliminierung  Julies  eine  Veränderung  einführen 
müssen,  um  das  komische  Motiv  von  Pourceaugnacs  fin- 
gierter Bigamie,  die  ihn  zur  Flucht  zwingt,  und  von 
Julies  fingierter  Flucht  mit  ihm,  die  Eraste  im  kritischen 
Augenblicke  zum  «Ketter  in  der  Not»  macht,  ausschließen 
zu  können.  Statt  dessen  werden  zwei  andere  Motive 
eingeschoben,  die  dasselbe  erwünschte  Resultat  zeitigen: 
um  erstens  dem  armen  Schlesier  den  Boden  unter  den  Füßen 
heiß  zu  machen,  erscheinen  nicht  Lucette  und  Nerine  als 


ö  Vgl.   den  Namen  Trissotin  («Femmes  savantes»),  der  auch 
«trois  (fois)  sol»  bedeuten  soll. 


153  Kapitel  III. 

vermeintliche  Frauen  Pourceaugnacs,  sondern  Anselra  mit 
der  Anklage,  Dreynar  habe  ihn  auf  der  Reise  räuberisch 
überfallen  und  seinen  Diener  erstochen;  zweitens:  um 
Oront  dazu  zu  bewegen,  mit  einem  Gefühl  der  Er- 
leichterung Ernest  statt  des  Fremden  zu  Gnaden  auf- 
zunehmen®, braucht  sich  jener  nicht  durch  die  Wieder- 
bringung der  quasi  geflüchteten  Tochter  verdient  zu 
machen,  sondern  tut  es  auf  eine  neue,  aber  auch  nur 
lose  mit  der  Handlung  verbundene  Weise  (III,  5):  Oront 
erzählt  uns  selbst,  wie  Ernest  ihn  eben  gegen  gedungene 
Räuber  verteidigt  habe. 

Diese  Bearbeitung  zeichnet  sich  durch  melirere  interes- 
sante Eigentümlichkeiten  aus.  Zunächst  ist  hier  nämlich 
das  Motiv  der  Liebe  zwischen  Eraste  und  Julie  durch 
das  Motiv  eines  Erbschaftsverhältnisses  ersetzt, 
d.  h.  Ernest  kämpft  nicht  um  die  Hand  der  Tochter 
Oronts,  sondern  um  dessen  Geld.  Oront  hat  sich  nämlich 
in  den  Kopf  gesetzt,  daß  er  nicht  seinen  «synowiec'> 
(Bruderssohn),  sondern  seinen,  ihm  bisher  ganz  unbekannten 
«siestrzeniec»  (Scbwestersohn)  zu  seinem  Universalerben 
machen  müsse,  und  nun  gilt  es,  die  Ausführung  dieses 
Gedankens  mit  allen  Mitteln  zu  verhindern.  Wir  haben 
somit  nichts  anderes  als  das  Motiv  der  Erbschleicherei 
vor  uns.  Das  hat  Bohomolec  natürlich  im  Eifer  nicht 
bemerkt.  Solange  Liebe  das  treibende  Motiv  jener  mora- 
lisch sehr  anfechtbaren  Intrige  ist,  die  Graste  mit  Sbriganis 
Hilfe  inszeniert,  können  wir  uns  einer  Wertung  der  In- 
trige enthalten.  Sobald  aber  Liebe  durch  Erbschafts- 
angelegenheiten ersetzt  wird,  erscheinen  dieselben  Mittel  als 
nicht  mehr  einwandfrei  ethisch.  Das  hat  Bohomolec  un- 
bewußt dadurch  verschleiern  wollen,  daß  er  das  Zentrum 
unserer  Aufmerksamkeit  von  Pourceaugnac  -  Dreynar  auf 
das  Verhältnis  zwischen  Oront  und  Ernest  hinzulenken 
suchte,    —   was   sich   rein   äußerlich    in  der  Veränderung 


3  Diese  beiden  Motive  sind  das  Fundament  der  Handlung  boi 
Moliero.    Vgl.   Rigal,   a.   a.    0.,   Bd.  II,  S.  178. 


Bohomolec'  Verhältnis  zu  Moli^re.  153 

des  Titeln'  kundgibt:  wir  sollen  weniger  über  den  töl- 
pischen  Erbscliaftsrivalen  lacben  als  in  Ernest  den 
klugen  Erben  bewundern,  der  den  starren  und  ungerechten 
Eigensinn  seines  Onkels  überlistet  und  dem  vermeintlichen 
Rechte  zum  Siege  verhilft.  Als  €Pater»-Komödie  soll 
—  wie  schon  bemerkt  —  diese  Komödie  wohl  auch  zu- 
nächst betrachtet  werden. 

Interessant  ist  weiterhin  die  Tatsache,  daß  Dreynar 
ein  gebroclienes  Polnisch  spricht.  Pourceaugnac 
spricht  bei  Moliere  dasselbe  Pariser  Französisch  wie  die 
übrigen  Personen,  somit  ist  Bohomolec  in  diesem  Punkte 
ganz  originell.  Er  läßt  seinen  Helden  aus  Breslau  stam- 
men, und  einige  Einzelheiten  zeugen  dafür,  daß  die  Wahl 
dieser  Stadt  nicht  zufällig  ist,  sondern  daß  Bohomolec 
sie  selbst  gekannt  hat,  somit  also  wahrscheinlich  die  Art, 
wie  Schlesier  Polnisch  radebrechen,  an  Ort  und  Stelle 
studiert  hat.  Ich  zitiere  als  Beispiel  die  Szene,  wo  Ernest 
Dreynar  als  alten  Bekannten  begrüßt. 

ERN:  A  to  co?  Co  ia  widz^?  0,  iakic  to  dia  nmie  szczQscie, 
ze  niam  honor  widziec  Jegomosci  Pana  Dreynaral  Ktoby 
si^  spodziewal,  zebym  mial  na  tym  mieyscu  oglq,dac  tak 
mil;^  osobQ?  C6z,  pewnie  mnie  Waszmosc  Paii  nie  \y.:z- 
nat?  Y  nie  przypominasz  mi^  ieszcze  Waszmosc  Pan 
sobie  ? 

DRE :  Mosel    Dobrodzieiu,   ia   sluga  Waspana. 

ERN :  Czyz  to  podobna,  zebyni  przez  te  pi^c  czyli  szesc  lat  mial 
Avypasc  z  pami^ci  Waszmosc  Pana?  Y  coz?  Y  ieszcze 
Waszmosc  Pan  nie  poznaiesz  naywiemieyszego  caley  fa- 
milii  Dreynaröw  przyiaciela? 

DRE:  Poznala,  poznala,  Moszi  Dobrozioiu!  (do  Sbriganiego 
mowi):   Waraftich,   ia  nie  wie,   kto  on  icst  byl. 

ERN:  Niema  zadnego  Dreynara  na  Szlaskii,  zacz^wszy  od  tyl- 
kiego  az  do  tylego,  z  ktörynibym  nie  mial  znaiomosci. 
Kiedym  byl  w  Wroctawiu,  zawsze  bywatem  w  kompanii 
z  Ichmosc  Panami  Dreynarami,  gdzie  prawie  codzien 
mialem    honor  widzenia   si^   z  Waszmosc   Panem. 

DRE:  Owszem   to  dia  mego  pcrson   byl  honor. 

ERN:  Jakze,  y  ieszcze  Waszmosc  Pan  nie  przypominasz  sobie 
mey  twarzy? 

DRE :  Ja,  ja !  przypominal !  (do  Sbriganicgo  mowi) ;  Dal  Pan,  ia 
go  nie  zna! 


J54  Kapitel  II l. 

ERN:  Przypomniy  Waszmosc  Pan  sol'ie,  vvieleämy  razy  z  sob^ 

piiali. 
DRE :  Ja,   ja  I  praf Ja !   (do  Sbriganiego  möwi) :  Ja  go  nigdy  nie 

wizial ! 
ERN:  PamiQtasz    Waszmosc    Pan,     kiedysmy    z    sobq,    w    karly 

grywali  ? 
DRE:  Ja,  Moszi  Dobrodzieiu,  nigdy  nie  umie  grac  na  karta. 
ERN:  Ale  ia  wiem,   ze  Waszmosc  Pan  nie  umiesz.    Ja  to  mö- 

wiQ,  ze,  kicdy  ia  v/  karty  z  drugiemi  grywalem,  to  Wasz- 
mosc Pan  w  ten  czas   bywale^   vv  naszey  kompanii. 
DRE:  To  iest  prafda!   (do  Sbriganiego  möwi):  Dal  Pan,  ia  nie 

pami^ta! 
ERN:  Pami^lasz   Waszmosc   Pan   tego   traktiera   .  .  .   tego  .  .  . 

Co    to   cz^sto   Waszmos6   Pan   u  iego   bywat   .  .  .     Och, 

bodayby  go  .  .  .  iak  sIq  on  zowie? 
DRE:  Traktier?    Aha,  to  iest  byl  pan  Wolfbeder. 
ERN:  Tak   iest,  tak  iest!    Pan  Wolfbeder!    Ten  to   sam!    Czy 

raz    my    u  iego    z  Waszmosc    Panem    cieszyliämy    si^? 

A    to    mieysce,    na   ktöre    Waszmosc    Pan  zwykles    cho- 

dzic    .  .  .   zaraz   przyponmQ    .  .  . 
DRE:  Gdzie  ia  byl  chodzil  na  szpacier? 
ERN:  Tak  iest. 

DRE:  To   si^  zofie  «na  Piaski». 
ERN:  Tak   iest,   «na   Piaski»!     0,   iak  tarn  wesole   mialem   go- 

dziny,    ciesz^c    si^    milc|.    z  Waszmosc    Panem   rozmowc^l 

Czy  nie  zapomnial  Waszmosc  Pan? 
DRE:  Ni,  uchofay  Boze!  ni  sapomnial.    (Do  Sbriganiego  möwi) : 

Bodayby   ia  zdechla,   kiedy  to   pami^tac! 
SBR :  Y  nie  dziw  —  iuzci  to  lat  pi^c  czy  szesc  temu. 
ERN:  Niechze  ci^  uscisnQ,  mily  przyiacielu!    Odnowmy  dawne 

mile  przyiazni  naszey   zwi^zki! 
SBR:  Jakie    to   szcz^scie    Waszmosc   Pana,    zes    tu  znalazl   ta- 

kiego  przyiaciela. 
DRE:  Ja,   ja!   zapefna  tak! 
ERN :  Möy    Dobrodzieiu    dayze    mi    iakf^    wiadomosc    o  swoiey 

fainilii. 
DRE:  .  .  .   Musial  Waszmosc   Pan   dlugo   byc   na  mego  kraia? 
ERN:  Calo  lat  d\vie. 
DRE:  To  Waszmosc  Pan  musial   byc  tedy,  kiedy  ia  na  wesele 

pan    burmeystra   zrobil    wielka   akcyon? 
ERN:  Jakze  nie!    Ja  naypierwszy   bytem  tarn  zaproszony. 
DRE:  0,   tarn  bul   pi^kna  bankio'.a! 
ERN:  Cale  pi^kna,  darmo  to  mövvic. 
DRE:  Ja   lepsza  bankieta  nie   wiziec! 
ERN:  Pra^^'da,   ze  cale  po  pai'isku. 


Bohomolec'  Veihällnis  zu  Molid*re.  155 

DRC:  Jaka  tani  byla  szynkal   iaka  kiolbas!   iak  tliLsLa   baraua! 

ERN:  Co  to  to  prawda. 

DHE:  To   Waszinosc   P;ui   iimsial   l>yc   na  nioia  tamta  akcyon  z 

paiiein   Butclschwatrz? 
ERN:  Jakzo  nie! 
DHE :  Ün   poczela   zwada,   ale   natrafil   na  mnie,  na  dobry   ka- 

falcr.    On  rozumial,  ze  ia  icgo  l^kad,  a  ia  —  fi !    üv'dzic 

on  nü  pamiQtal ! 
ERN:  Oy,  co  b^dzie  to  b^dzie! 
DRE:  On   mi  dal   kiilaka  na   pyska,   a  ia  go  dobrzc  za  to   iak 

psa   zlaiac. 
ERN:  Co  dobrze  to  dobrze! 
DRE:  On  raz  na  moy   gQba   swego  r«jka  polozyc,   a  ia  —  slo 

raz  iemu  powieziec,  ze  on  —  glupa,  glupa!      (I,  4-.) 

Die  Szene  ist  natürlich  nach  der  entsprechenden  Molieri- 
schen  gebildet,  aber  dennoch  selbständig  durchgeführt. 
Die  Breslauer  Namen,  die  Ernest  und  Dreynar  nennen, 
sind  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  nicht  erfunden,  jeden- 
falls was  die  Promenade  «na  Piaski»  anbetrifft,  heißt  docli 
die  Oderiusel  immer  noch  die  «Sandinsel»,  und  spricht 
doch  der  Breslauer  immer  noch  vom  «Spazieren  auf  dem 
Sande».  Die  beiden  anderen  Namen,  die  Bohomolec 
nennt,  nämlich  der  Gastwirt  Wolfbeder  und  der  Raufer 
Butclschwatrz  (wahrscheinlich:  Beutelschwarz  oder  Beutel- 
schwanz) sowie  die  Erzählung  von  der  Hochzeitsfeier  im 
Hause  des  Herrn  Bürgermeisters  lauten  durchaus  nicht 
unwahrscheinlich,  wenn  sie  jetzt  auch  nicht  mehr  kontrol- 
lierbar sind.  —  Amüsant  ist  auch  die  Art,  wie  Bohomolec 
das  Polnisch  des  radebrechenden  Breslauers  wiedergibt: 
er  hat  sehr  richtig  bemerkt,  wie  ein  jeder  aus  Deutsch- 
land kommende  Ausländer  die  slavischen  stimmlosen 
(p,  t,  k,  f,  s)  mit  den  stimmhaften  Konsonanten  (b,  d,  g, 
w,  z)  verwechselt,  jene  statt  dieser  ausspricht,  wie  er  seh 
statt  sc  oder  szcz  setzt  und  dz  zu  z  vereinfacht,  wie  er 
schließlich  weder  Kasus  noch  Genus  noch  Numerus  noch 
auch  den  Aspektunterschied  oder  gar  die  Flexion  des 
Verbums  beherrscht.  Übrigens  hat  man  schon  lange  vor 
Bohomolec  in  dieser  falschen  Aussprache  eine  Quelle 
wirkungsvoller    Komik   gesehen,   spielt   doch    faktisch  die 


156  Kapitel  III. 

Gestalt  des  radebrechenden  Ausländers  («postac  sq;Siada- 
cudzoziemca,  w  niekorzystnem  swietle  dzieki  antagonizmowi 
narodnemu  przedstawiona»)  eine  gewisse  Rolle  in  der  alt- 
polnischen Intermedienliteratnr,  wo  auch  das  Prinzip  für 
die  Wiedergabe  des  falsch  ausgesprochenen  Polnisch  das- 
selbe ist  wie  bei  Bohomolec.^^ 

Schließlich  sei  noch  bemerkt,  daß  Bohomolec  sehr 
geschickt  einen  Ausweg  bei  der  Wiedergabe  jener  Szene 
fand,  Avo  Moliere  seinen  Pourceaugnac  als  Frau  verkleidet 
fliehen  läßt:  Bohomolec  verkleidete  ihn  als  Juden  und 
gab  ihm  einen  falschen  Judenbart,  —  somit  ein  sehr 
«nationaler»  Ersatz.  Komisch  mußte  natürlich  diese  so 
umgearbeitete  Szene  wirken,  wo  Dre3mar  versichert,  er 
sei  <zydka-wolynka>,  reise  nach  Wolyh,  d.  h.  «za  Szl^ska 
na  sama  Czecha»,  und  schließlich,  des  angebundenen 
Judenbartes  beraubt,  eingestehen  muß,  daß  er  der  ge- 
suchte Dreynar  sei  (III,  3 — 4). 

Molieres  Komödie  «Les  Fächeux»  ist  die  Vorlage  der 
<Natretnicy>,  bei  deren  Umarbeitung  Bohomolec  dasselbe 
Prinzip  befolgt  hat  wie  in  der  eben  besprochenen  Komödie: 
auch  hier  ist  eine  Erb  Schafts  frage  das  treibende  Motiv 
der  Handlung,  nicht  die  Verliebtheit  des  jungen  Mannes, 
und  dieser  wird  dementsprechend  von  den  « lästigen > 
Freunden  und  Besuchern  nicht  an  seinem  Rendezvous  mit 
der  Geliebten  gehindert,  sondern  daran,  sich  mit  dem 
Onkel,  der  ihn  enterben  will,  zu  verständigen.  Bohomolec 
hat  nun  das  Schema  der  Moliereschen  Komödie  recht  ge- 
nau eingehalten,  zugleich  aber  Zusätze  gemacht,  die  sicher 
als  polnisch-aktuell  aufgefaßt  werden  sollen,  und  der 
Komödie  einen  geschickt  erdachten  Abschluß  gegeben. 
Eraste,  der  Held  der  Vorlage,  heißt  bei  BohomolecAlkander, 
der  Molieresche  Alcandre  dagegen,  der  Eraste  bittet,  ihm 
als  Sekundant  beizustehen,  fehlt  vollständig  und  damit 
auch  die  Schlußszene  des  ersten  Aktes  bei  Moliere  (I,  6). 
Ebenso    fehlt    natürlich    auch  die  Orphise  und  ihr  steter 


'«  St.  Windakiev.-icz,  Tcatr  ludowy  .  .  .,  S.  181—182. 


Bohomolec'  Verhältnis  zu  Moli6re.  157 

Begleiter  (und  Alkander -l'^rastes  Rival)  Alcidor.  Der 
Molieresche  Lysandre  (1,3)  nennt  sich  bei  Bohomolec  (1,5) 
Dorante,  während  Molieres  Dorante  (II,  6)  Geront  heißt 
(11,6).  xVlcippe  wiederum  (11,2)  nennt  sich  bei  Bohomolec 
(11,3)  Ormin,  der  Träger  dieses  Namens  bei  Moliere  (111,3) 
dagegen  erscheint  bei  Bohomolec  (III,  3)  als  Ernest.  Orante 
und  Climene  mit  ihrem  Streite  über  den  Wert  der  Eifer- 
sucht in  der  Liebe  (II,  4)  fehlen  selbstverständlich  bei 
Bohomolec.  Filinte,  der  bei  Bohomolec  (III,  4)  Maron 
heißt,  hat  seinen  Namen  einem  neu  erfundenen  oder  neu 
eingeführten  Typus  leihen  müssen,  den  Moliere  nicht  kennt. 
Schließlich  hat  der  alte  Damis  bei  Bohomolec  den  Namen 
Pandolf  und  der  Diener  Lamontagne  den  Namen  Kliton 
annehmen  müssen.  Der  einzige,  der  keiner  Namensver- 
änderung unterworfen  worden  ist,  ist  Caritides  (III,  2). 

Bohomolec  hat  verschiedene  neue  Typen  in  die 
Galerie  der  «Lästigen»  aufgenommen.  Wir  treffen  zuerst 
den  Dichterling  Filinte,  zu  dem  Bohomolec  die  Idee  aus 
dem  «Misantrope»  erhalten  haben  kann.  Er  deklamiert 
eine  Ode   «Do  pewney  osoby>: 

«Wleycie    wen?   w    mji    glow^,    o  Kastalskie    Cory, 

byni  serca  skoncentrowac  mögt  mego  blessury! 

Ta,   ktöra.   bardziey    waz^   nad    Chinskie   bagaze, 

chce   serca  demoliowac   mego   awantaze. 

Ach,    mdleiQ !     Wybuchaia    z  mych   piersi    suspiry ! 

Ochlodzcie  me  ardory,  Tokayskie  zefiryl 

Ogloscie  awantury  me   swiatu  calemu! 

Ach,   iuz   serce   omdlewa!    Egdziez,    b^dzie   zlemu!» 

Alkander  gibt  ihm  statt  jeder  Beurteilung  eine  schallende 
Ohrfeige  (1,7). 

Die    Charakteristik    des    passionierten    Kartenspielers 

Ormin   (II,  3)    ist   im    Vergleich    mit    dem    Moliereschen 

Alcippe  (II,  2)   um    einen    bezeichnenden  Zug  bereichert, 

den    Bohomolec    sicher    aus    eigener    Erfahrung    kannte, 

nämlich  den  Aberglauben  des  Spielers: 

Nauczono  mie  pewiiego  do  kart  sekretu,  ze  iiietrzeba 
zagl^dac  w  swoie  pien.ia.dze  ani  ich  liczyc  pöty  az  si^  gra 
skohczy. 


158  Kapitel  111. 

Als  er  dann  schließlich  sein  Geld  zählen  wollte,  hatte  er 
alles  verspielt.  —  Lamon,  der  immer  lachende,  Anekdoten 
erzählende  Kavalier  (II,  4),  ist  eine  freie  Erfindung  Boho- 
molec.     Er  erzählt  seinem  Freunde,    wie   ein  Herr    eben 
auf  der  Straße   so   tief   eine  aus  dem  Fenster  schauende 
Dame  grüßte,    daß    er   dabei  in  den  Straßenschmutz  fiel, 
eine  Geschichte,    die   uns   unwillkürlich  an  die  bekannte 
Geschichte  von  Thaies  von  Milet  erinnert,    der   so    eifrig 
die  Sterne  ausforschte,  daß  er  schließlich  in  einen  Brunnen 
fiel.   —  Eine   neue    Figur   ist    auch  Anzelm    (11,  7),    der 
Typus  eines  ahnensfolzen  Prozeß fanatikers,  somit  ein  echt 
polnischer  Tj^pus.    Er  hat  in  alten  Dokumenten  entdeckt, 
daß  er   <linea  directissima»   vom  mj^thischen  Könige  Lech 
abstamme,    der  seinerzeit   «jure  belli»   alle  Weichsellande 
«in  possessionem>  genommen  habe,  und  daß  daher  ihm, 
seinem  Erben,  juridisch   halb  Polen  gehöre.  —  Der  Pro- 
jektenmacher Ernest  (III,  3)  schlägt  einen  noch  grandioseren 
Plan  vor  als   sein  Prototyp  (Ormin)  bei  Moliere  (111,3)^^^ 
einen  Plan,  der  sich  im  Zeitalter  der  Technik  bei  weitem 
nicht  so  phantastisch  ausnimmt  wie  zu  Bohomolec'  Zeit: 
«.  ,  .   zeby  Polacy  od  morza  Baltyckiego  z  pod  Gdanska 
az    do   morza    Czamego   abo    przynaymniey    do   Dniepni   kanal 
wielki   kazali  przekopac.     Jaka  to   bylaby  wygoda!  iaki  profit! 
iaka    handlöw   kommunikacya  I     Mogliby    daleko    blizsz^    drog^; 
Anglicy,    Hollenderowie,    Szwedzi,    Dunczycy    przez    ten    kanal 
swoie  towary  az  do  Turek  sprowadzac  y  ztamtad  tureckie  to- 
wary  do  swych  kraiöw  przewozic.» 

Die  Einführung  dieser  mehr  oder  weniger  als  national- 
polnisch aufzufassenden  Typen  hat  den  Wert  der  im  Sinne 
einer  Intrige  sehr  mageren  Komödie  bedeutend  vergrößert. 
Glücklich  ist  auch  die  veränderte  Lösung  des  Kon- 
fliktes, die  Bohomolec  durchführt,  eine  Veränderung,  die 
durch  die  Eliminierung  des  Liebesmotivs  von  vornherein 
geboten  war.  Um  den  Nachstellungen  seines  «lästigen» 
Xeffen  für  immer  zu  entgehen,    hat  der  alte  Pandolf  be- 

11  Ormins  Projekt  oder  ein  ähnliches  hat  dagegen  Samochwal 
im  'Chelpliwiec»  —  freilich  in  Frankreich  —  verwirklicht.  Vgl. 
S.  318   dieser   Abhandlung. 


Bohomolec'  Verhältnis  zu  Moli^re.  151> 

schlössen  (und  diesen  Bescliluß  mit  einem  Eide  bekräftigt), 
daß  er  niemals  den  Wunsch  erfüllen  werde,  den  sein  Neffe 
bei  ihrem  ersten  Zusammentreffen  an  ilin  richten  werde. 
Da  bittet  Alkander,  ihn  aller  Rechte  auf  seine  Güter 
verlustig  zu  erklären: 

PAN:  Wiesz  to  Waszmosc  Pan.  ze  ia  tegoz  podchlebstwa  boif\c 

si^    iako   niaiacy    sercc    bardzo    miQkkic,    uczynitem   s  o  - 

1  e  n  n  ci   przysi^gc    podiug   prawa,    ze    tego    zadn;^  miartV 

nie   uczyniQ,   o  co   mi^   raöy   Pan   synowiec  teraz   b^dzie 

prosih 
ALK:  Ach,    Mosci   Dobrodzieiu    .  .  . 
PAN:  Prosz^,  milcz  .  .  .    Tqz  saiuQ  przysi^g^,  ktör^m  pierwiey 

uczynil,  y  ktöra  iuz  iest  zapisana  w  ksi^gach,  w  oczacli 

twoich,    Paiiie    synowcze,    powtarzam    y    przysiQgam    na 

niebo  y  na  ziemi^,  ze  tego  nie  uczyni^,  o  co  mi?  teraz 

b^dziesz  prosil. 
ALK:  Zginalem!    (Do  ludzi):  Wiem,  co  uczyni^I 
PAN:  Älöwze  teraz,  möy  kochany  syiiowcze,  czego  tarn  chcecic 

ode  nmie  ?    A  Waszmosc  Pan,   Mosci  Panie  pisarzu,  slu- 

chay  pilnio,  o  co  miQ  Ixjdzie  prosiL 
ALK:  Lubo  nü  to  zaiem  przychodzi,   ze  moim  prozbom  skutek 
^  iest   zagrodzony,   iednakze   y  z  tego   si^   cieszQ,  ze  mogQ 

me  chQci  przed  mym  stryiem  y  dobrodzieieni  przelozyc. 

Upadai^c   tedy   do   nög   stryiowskich,    upraszam    .  ,  . 
PAN:  Sluchay   Waszmosc   Pan,    Mosci   Panie   pisarzu I    Möv/ze, 

o   CO  mi^  prosisz,   mego   serca  pociecho? 
ALK:  Prosz^    y  zaklinam   mego    stryia   y  dobrodzieia,    abys    te 

dobra,  ktöre  roku  przeszlego  z  Jego  iaski  obiqlem,  kazal 

mi  teraz  odebrac. 
PAN    (zmieszany):   0  co  mi?  prosisz?' 
ALK :  0    to,  abys   mi   Waszmosc   Pan   Dobrodziey,  kazal   swoie 

dobra  odebrac. 
PAN    (zmieszany) :  Prosisz  mi?,  zebym  ci  dobra  odebral  ? 
ALK:  Tak  a  nie  inaczey. 
PAN :  Ale  ia  poprzysi^glem  nie  czynic  tego,  o  co  mi^  b^dziesz 

prosil. 
ALK :  To    Waszmosc    Pan,    trzymaia.c    sIq    swey    przysi^gi,   nie 

odbieray  mi  tych  döbr,  o  ktörych  odebranie  y  powtörnie 

upraszam  .  .  . 

So  geht  der  Alte  selbst  in  die  Falle  und  muß  Alkander 
die  Erbschaftsrechte  und  damit  auch  das  Eigentumsrecht 
auf  gewisse  Güter  zuerkennen. 


160  Kapitel  III. 

Durcli  diesen  Schluß  wird  auch  diese  Komödie  wie 
der  «Dziedzic  chytry»  zu  einer  «Pater »-Komödie  in  weitem 
Sinne:  ein  Onkel  wird  für  seine  Ungerechtigkeit  gegen 
den  Neffen  bestraft,  —  eine  Umformung  der  Moliereschen 
Komödie,  die  mit  der  ausschließlich  satirischen  Ten- 
denz derselben  wenig  gemein  hat.  Der  satirische  Zug 
ist  natürlich  nicht  zu  unterschätzen.  Bohomolec  hat  ihn 
im  Gegenteil  ausgenutzt_  und  das  von  Moliere  gelieferte 
Material  vergrößert.  Das  ändert  aber  nichts  an  der  Be- 
rechtigung meiner  Behauptung,  daß  Bohomolec'  Verhalten 
zu  Moliere  nicht  künstlerisch,  sondern  mechanisch  ist:  er 
hatte  ein  Schema  vor  sich,  das  mit  einiger  Veränderung 
der  Intrige  eine  «Pater» -Komödie  abgeben  konnte,  das  die 
Durchführung  einer  Lehre  erlaubte,  das  keine  allgemein- 
menschlichen Charaktere  zum  Zentralobjekt  unserer  Auf- 
merksamkeit machte,  sondern  nur  gewissen  Zeittypen  und 
Gesellschaftstypen  Raum  gab^  und  das  war  ganz  ent- 
scheidend für  die  Wahl  der  Vorlage. 

Im  «Bourgeois-gentilhomme»,  der  dem  «Pan  do 
czasu»  als  Vorlage  zugrunde  liegt,  fand  Bohomolec  einen 
bestimmten  Charakter  als  Zentralobjekt  der  komischen 
Intrige,  den  ewigen  Typus  des  Parvenüs.  Als  Verfasser 
von  « Schulkomödien  >  konnte  Bohomolec  sich  nicht  für 
eine  solche  Gestalt  interessieren:  Jourdain  war  als  sozial 
bestimmter  allgemein-menschlicher  Charakter  aufgefaßt; 
er  war  keineswegs  ein  von  Moliere  aus  dem  Leben  ge- 
nommener gesellschaftlicher  Typus,  sondern  war  ein  zeit- 
loser Charakter,  der  Charakter  eines  geistigen  Parvenüs; 
wie  RigaP^  sehr  treffend  bemerkt,  ist  das  Objekt  der 
Sehnsucht  Jourdains  zufällig  der  adlige  Schein,  — 
es  hätte  ebensogut  der  Schein  eines  Kunstkenners,  eines 
Musikverständigen  usw.  sein  können.  Das  tiefere  Motiv, 
das  Jourdain  als  Komödiendichter  beherrscht,  ist  der 
Nachahmungstrieb.      Bohomolec    konnte    den    allgemein- 


12  Riga  1,   a.   a.    0.,    Bd.  II,    S.  206.    —  Vgl.   auch   Max 
I.    Wolff,    Moliere   (München    1910),    S.  521. 


üohomolec'  Verhültuis  zu  Moliere.  101 

mensclilichen  Charakter  nicht  gebrauchen,  er  suchte  einen 
für  die  Jugend  bezeichnenden  Fehler,  eine  sittliclie 
Scliwiiche,  ihm  mußte  Jourdain  zu  einem  moralisch  be- 
urteilten Jüngling  werden,  dessen  Eitelkeit  nicht  darauf 
ausging,  nicht  darin  ihre  Befriedigung  suchte,  einer  höheren 
Menschenart  zu  gleichen,  sondern  von  der  Umgebung 
als  Vertreter  dieser  höheren  Menschenart  selbst  betrachlei 
zu  werden:  sein  Motiv  war  der  Betrug.  Dadurch  unter- 
scheidet er  sich  ganz  wesentlich  von  Jourdain,  der  nicht 
betrügen,  sondern  in  naiver  Kindlichkeit  den  *gentil- 
homme»  spielen  will;  der  Familienvater  Jourdain  wollle 
nur  den  großen  Herren  ähneln,  Bohomolec' junger  Aben- 
teurer wollte  als  großer  Herr  gelten. 

Diese  abweichende  Auffassung  mußte  sich  bei  Boho- 
molec    in     bedeutenden     Veränderungen     äußern.       Die 
Molierischen  Personen  finden  wir  freilich   mit  Ausnahme 
der  Lucile  und  Dorimene  fast  vollzählig  bei  ihm  wieder: 
Nicole  ist  durch  einen  männlichen  Diener  Serwoni  ersetzt 
imd    Madame  Jourdain    durch    einen    Onkel   des    Helden 
Leopold.    Der  Held  selbst  nennt  sich  Hernar  (wahrschein- 
lich   «Herr    Narr»).     Die    Lehrer:    ein    «tancmistrz»,    ein 
«muzyk»,    ein    «filozof»,    ein    «fechmistrz»    sind  alle  bei- 
behalten.   Molieres  Cleonte  und  Dorante  haben  nicht  nur 
neue  Namen,    sondern   eine  ganz  neue  Physiognomie  an- 
nehmen   müssen:    beide    sind    professionelle    Spitzbuben 
(«filutowie»)  geworden   und    heißen  Furboni  und  Doreni. 
Getreu  dem  Prinzipe,  das  wir  Bohomolec  besonders  deut- 
lich   bei    der  Umarbeitung   der    «Fourberies   de    Scapin» 
haben  anwenden  sehen,  nimmt  er  die  Höhepimktsszenen 
der  Moliereschen  Komödie  heraus  und  stellt  sie  in  einen 
ganz  anderen  Zusammenhang.    So  geschieht  es  denn,  daß 
die  Übereinstimmungen  zwischen  der  Vorlage  und  der  Be- 
arbeitung, mit  der  letzten  Szene  des  ersten  Aktes  beginnend 
(I,  4),    eigentlich   nur   im  zweiten  und  dritten  Akte  voll- 
ständig sind;   sie  berühren  somit  folgende  Szenen:    Mol. 
H,  1  =  Boh.  I,  4,  Mol.  H,  2-5  =  Bob.  H,  1—4,  Mol. 
HI,  1—6  =  Bob.  HI,  1—7.     Der  vierte  und  fünfte  sowie 

Stender-Petersen,  Die  Scbulkomödieu.  11 


162  Kapitel  III. 

der  Anfang  des  ersten  Aktes  sind  neu.  Sie  repräsentieren 
zugleich  die  eigentliche,  von  der  Moliereschen  stark  ab- 
weichende Intrige.  Worin  sie  bestellt,  erfahren  wir  gleich 
aus  der  ersten  Szene. 

Doreni  erzälilt  nämlich  Feinem  Freunde,  mit  dem  er 
das  Abkommen  getroffen  hat,  abwechselnd  Herr  und  Diener 
zu  spielen  ^^  folgendes  von  dem  bevorstehenden  Opfer  ihrer 
Betrügereien : 

<Pewny  woznica  mlody  wygral  w  loteriQ  15000  szkudöw. 
Podzi^kowal  za  sluzbQ  y  tu  przybywszy  szumi  pieni^zkami, 
udaie  sIq  za  godnego  kawalera  y  zcby  sIq  mögt 
niiescic  mi^dzy  ludzmi  zacnemi,  naymuie  röznych  dla  siebie 
mctröw.  Ja  przed  nim  udalem,  zem  iest  ze  Dworu  krolewskiego, 
przetoz  bardzo  iniQ  szanuie  y  przeze  miiie  spodziewa  sie  tarn 
wsrubowac  .  .  .  Strasznie  iest  ucieszny  ycheipliwy,  a 
kto  go  chwali,  teil  naywi^kszy  iega  przyiaciel  .  .  .» 

Statt  nun,  wie  Dorante  es  Jourdain  gegenüber  tut,  Hernar 
aufzubinden,  daß  der  türkische  Sultan  ihn  durch  seinen 
Gesandten  zu  seinem  «mamamouchi»  ernennen  würde, 
wenn  er  diesem  seine  Tochter  geben  wollte,  erzählt  Doreni 
ihm  eine  lange  Geschichte  von  seiner  hochadligen  Ab- 
stammung von  einem  «naypierwszy  graff  hollenderski», 
zugleich  «na3^wyzszy  wödz  w  woysku  hollenderskim»,  so- 
gar «krewny  samego  krola  hollenderskiego»,  von  einem 
Streite  zwischen  jenem  Grafen  Johan  Hernar  und  dem 
Könige  von  Holland,  seiner  Verbannung,  dem  Kriege 
zwischen  Holland  und  Persien  und  der  drohenden  Er- 
oberung Amsterdams  durch  das  persische  Heer,  schließlich 
davon,  daß  der  König  Graf  Hernar  oder  jedenfalls  seinen 
Sohn  suchen  lasse,  um  ihm  das  Oberkommando  über  seine 
Kriegsheere  zu  übergeben.  Hernar  glaubt  es  natürlich, 
und  Doreni  benutzt  die  Gelegenheit,  um  bei  ihm  eine 
Summe  nach  der  anderen  zu   «leihen». 

Im  vierten  und  fünften  Akt  wird   nun  diese  Intrige 
so  weitergeführt,    daß  Hernar   wirklich    vom    holländisch 


13  Vgl.  unten  S.  234. 


Bohomolec'  Verhältnis  zu  Moliörc.  163 

(d.  h.  ein  litauisch^*  sein  sollendes  Kauderwelsch) 
sprechenden  Gesandten  ein  Patent,  das  seine  Ernennung 
zum  «Hetman»  des  holländischen  Heeres  enthalten  soll, 
empfängt,  und  nach  dem  Verschwinden  der  Spitzbuben 
zu  seinem  Schrecken  entdeckt,  daß  das  «Patent»  nichts 
anderes  ist  als  ein  Brief,  worin  Doreni  und  Furboni  ihm 
die  ungeschminkte  Wahrheit  sagen: 
Herniirze    stangrccie ! 

Za  pienii\dze.   za   podarunki,   za  koiiie   y  za  kaiitQ   dzi^kuierny. 
AYiecoy  iuz  ani   ich  aiii  nas  nie  obaczysz.    Pami^tay  na  tw6y 
stan,    a  wyzey   niz    ci   przystoi    nosa   nie   zadzie- 
ray.    Korimi  tobie,   nie   woyskiem  rzadzic.    To  ci  radzi 
Doreni    y 
Poset  Kröla  Hollenderskiego.» 

Hernar  muß  nach  jesuitischem  Rezepte  mit  einem  «pater 
peccavi>  die  Komödie  schließen. 

Auch  in  den  «Medrkowie>,  die  eine  Bearbeitung 
der  Moliereschen  «Femmes  savantes»  sind,  bedient  sich 
Bohomolec  des  Moliereschen  Schemas,  um  gewisse  An- 
schauungen zu  illustrieren.  Mit  einer  leicht  durch- 
führbaren Umgruppierung  der  handelnden  Personen  konnte 
er  dabei  ziemlich  genau  der  Vorlage  folgen.  Obgleich^ 
Avie  schon  der  männliche  Titel  zeigt,  das  Geschlecht  der 
Heldinnen  der  französischen  Komödie  durch  das  männliche 
ersetzt  ist,  bewahrt  Bohomolec  doch  so  viel  von  dem 
erotischen  Motiv  der  Vorlage,  daß  Klitander  auch  bei  ihm 


1^  Bohomolec  hat  in  seiner  Jugend  wahrscheinlich  Litauisch 
gekonnt,  wie  die  vielen  echt-litauischen  "Wörter  beweisen,  die  er 
Furboni  anwenden  läßt.  L  u  c  j  a  n  Ma  1  i  n  o  w  s  k  i ,  0  j^zyku  ko- 
medyj  Franciszka  Bohomolca  (Rozprawy  -v^-^-dz.  filolog.  Akad.  Um., 
tom.  XXIV,  Krakow  1895),  S.  5  f.,  hat  nachgewiesen,  daß  Boho- 
molec zunächst  an  den  zemaitischen  Dialekt  gedacht  hat,  da  er 
nicht  die  hochlitauischen  Wortfonnen  anwendet:  z.  B.  duntis  statt 
dantis,  donas  statt  dünos,  gen,  von  düna,  szunis  statt  szü  tisw. 
Andererseits  sind  diese  «holländisch»-litauischen  Sätze  so  voll- 
ständig sinnlos,  daß  die  Annahme  naheliegt,  Bohomolec  habe  ent- 
weder sein  Litauisch  nie  richtig  beherrscht  oder  gründlich  ver- 
gessen. 

11* 


164  Kapitel  III. 

verliebt  ist  und  im  Pedanten  und  «Schöngeist»  Sawant, 
wie  der  «savant»  Trissotin  bei  ilmi  der  Kürze  halber  heißt, 
einen  unliebsamen  Rivalen  hat.  Armande,  die  ältere 
Tocliter  Chrysales,  der  übrigens  Chrvzant  heißt,  ist  sein 
älterer  Sohn  geworden  und  hat  dementsprechend  den 
Namen  Ferdynand  erhalten,  zugleich  vertritt  er  Philaminte, 
die  Mutter  Armande?.  Die  zweite  Tochter  Henriette,  die 
Geliebte  Clitandre?,  figuriert  bei  Boliomolec  nur  hinter  der 
Szene,  und  zwar  ohne  Namen;  ihre  Rolle  wird  zum  Teil 
Arist  (Ariste)  übergeben,  während  ihr  Name  in  maskuliner 
l'^orm  dem  zweiten,  auch  «preziösen»  Sohne  Chryzants, 
Henryk,  gegeben  wird,  der  sonst  die  Molierische  Belise 
vertritt.  Vadius  (resp.  Wadius)  behält  seinen  Namen,  und 
Marcin  ist  niemand  anders  als  die  «servante  de  cuisine» 
Martine.  Außerdem  nennt  Bohomolec  im  Personen- 
verzeichnis den   «chiopiec»  Jacek. 

Vergleichen  wir  die  Bearbeitung  mit  der  Vorlage,  so 
ergibt  sich  als  Resultat,  daß  die  zwei  ersten  Szenen 
des  er.-ten  Aktes  im  wesentlichen  mit  den  Szenen  drei 
und  vier  übereinstimmen  (Bob.  I,  1 — 2  =  Mol.  I,  8 — 4), 
daß  der  zweite  Akt  mit  seinen  sechs  Szenen  genau  den 
neun  Szenen  des  Molierischen  zweiten  entspricht  (Boh. 
K,  1  -=  Mol.  II,  1—2,  Boh.  II,  2—:')  =  Mol.  II,  8—4, 
Boh.  11,  4  =  Mol.  II,  5—6,  Boh.  II,  5  =  Mol.  II,  7—8, 
Boh.  11,6  =  Mol.  11,9),  daß  der  dritte  Akt  die  vier  ersten 
Szenen  des  Molierischen  dritten  wiedergibt  (Boh.  111,1  — 3 
=  Mol.  III,  1 — 4),  der  vierte  die  fünf  des  Molierischen 
vierten  (Boh.  IV,  1—5  ==  Mol.  IV,  1—5)  und  schließlich 
der  fünfte  alle  Szenen  des  Molierischen  fünften  (Boh.  V, 
1— -4  =  Mol.  V,  1  — 4).  Das  bedeutet  also,  daß  mit  Aus- 
nahme der  Szenen  I,  1  —  2  und  III,  5 — 6,  in  denen 
gerade  Henriette  auftritt,  alle  Szenen,  d.  h.  die  ganze 
Handlung  der  Moliereschen  Komödie,  in  der  Bearbeitung 
Bohomolec'  wiedergegeben  sind.  Nur  einmal  erlaubt  sich 
Bohomolec  eine  Einschicbung,  das  ist  die  Szene  1,3.  Nur 
einiral  erlaubt  er  sich  eine  inhaltliche  Substitution,  und 
zwar  in  der  Szene  II,  4. 


Bohomolec    Verhältnis  zu  Moliere.  105 

Gerade  liier  finden  wir  auch  den  Angelpunkt  des 
Interesses,  die  Idee  od^r  Tendenz  des  Bolioniolecschen 
Stückes.  Bohomolec  hat  nämlich  Klitander  und  Feniynand 
als  Repräsentanten  zweier  feindlicher  Weltanschauungen 
gegenüberstellen  wollen.  Bekanntlich  verlangt  Philaminte 
bei  Moliere,  daß  Martine  hinausgeworfen  werde,  weil  sie 
gegen  die  stilistischen  Gesetze  Vaugelas'  gesündigt  hat  (IT,  6). 
Bei  Bohoinolec  ist  das  Verbrechen  ganz  anderer  Art,  Ker- 
dynand  rekapituliert  es: 

«Möwi  on  do  kucharza :  ,Patrz,  iak  slonce  biezy !'  Ja  mii 
jjowiadam,  ze  slonce  stoi,  a  ziemia  siq  obraca,  y  pokazuit»  niu 
röznemi  argnmenlami  iak  na  dloni,  ze  tak  iest  a  nie  inaczey. 
On  na  to  wszystko  nie  uwaiai^c,  utrzyinuie,  ze  ziemia  stoi  a 
sloric«  biezy.  Ja,  chc^c  mu  lepiey  wbic  t^  prawd*^,  zaiywam 
argumentu  .in  ferio'  y  kiiem  go  iiderzyvvszy,  powiadani,  zo  tak 
Kopemik  pisze.  A  on  co  na  to?  Jak  krzyknie :  ,liodayby  kaci 
wzi^li  tego  Kopemika!'» 

Wir  haben  hier  denselben  Streit  wie  in  Holbergs  bekannter 
Komödie  «Enismus  Montanus».^^  Auch  dort  versteift  sich 
der  «gelehrte»  Rasmus  Berg  darauf,  Jesper  zu  beweisen, 
daß  die  Erde  sich  bewegt,  die  Sonne  aber  still  steht  («at 
Jorden  löber  og  Solen  staar  stille»,  III,  2),  ohne  jenen 
überzeugen  zu  können.  Wie  Rasmus  so  ist  auch  Ferdynand 
in  jener  eingeschobenen  Szene  stolz  über  sein  Winsen, 
sagt  er  doch: 

«U  mnie  iako  uczleka  \v  naukach  zanurzo- 
n  e  g  o  czas  iest  baxdzo  drogi.  Kazdy  iego  uioment  iest  dla  nmie 
kleynot  nieoszacowajiy,  z  ktörego  wyrabiam  sobie  kron^  slawy 
iiiesmiertelnev.;> 


1''  Es  ist  hier  recht  interessant,  daß  die  Lehre  von  der  Be- 
wegung der  Erde  um  die  Soime  von  den  Piaristen  in  Polen  ver- 
teidigt wurde,  während  die  Jesuiten  an  dem  Grundsatze  festhielten, 
daß  die  Erde  als  Welt^entrum  fix  sei.  Noch  1764  schrieb  der 
Ordensgeneral  den  Ordensprovinzen  vor,  die  neue  Lehre  mit  der 
Tradition  in  Übereinstinunimg  zu  bringen,  so  nämlich,  «ut  cum 
motu  respectivo  globi  terraquei  quies  ipsius  absoluta  concilietur>. 
Ferdyimnd,  der  gelehrte  Narr,  ist  somit  Vertreter  der  neumodischen 
Pianstenlehre,  Marcin  dagegen,  der  den  gesunden  Verstand  hat, 
steht  auf  dem  jesuitischen  Standpmikte.  —  Vgl.  Zaleski, 
Jezuici  w  Polsce,   Bd.   III,   2,   S.  1041  f. 


U;6  Kapitel  III. 

Er  ist  der  Repräsentant  der  unpraktischen  Schulweisheit 
und  ist  sehr  erstaunt,  als  es  sich  herausstellt,  daß  Kli- 
tander  durchaus  nicht  Literat  sein  will  und  nie  die  Romane 
der  Mlle  de  Scudery,  den  «Grand  Cyrus»,  die  «Clelie», 
la  Calprenedes  «Avantures  de  Cleopatre»  gelesen  hat.  Kli- 
tander  dagegen  ist  ihm  ahsichtlich  als  Vertreter  der  prak- 
tischen Bildung  gegenühergestellt,  wie  etwa  der  bei  Holberg 
nur  schwach  skizzierte  Oflizier.  Wie  dieser  nichts  von 
«philos<>phia  instrumentalis»  wissen  will,  dagegen  die 
meisten  lateinischen  Verfasser  gelesen  und  Naturrecht  und 
Moral  studiert  hat  («Jeg  la?ste  mest  gamle  latinske  autores 
og  studerede  paa  Naturens  Ret  og  moralske  Sager»  V,2),  eo 
hebt  auch  Klitander  mit  Nachdruck  hervor,  daß  er  statt 
der  neumodischen  Romane  «xiegi  historyczne,  polityczne, 
moralne  y  inne  memu  stanowi  przyzwoite»  zu  lesen  pflege; 
für  Philosophie  aber,  in  der  Ferdynand  ihn  gern  unter- 
richten will,  habe  er  einfach  liicht  Muße  genug  gefunden. 
Inwieweit  nun  die  Idee,  die  Bohomolec  in  das  Molierische 
Schema  hineingeschoben  hat,  und  die  in  der  Gegenüber- 
stellung der  Bücherweisheit  eines  «medrek»  mit  der  ])rak- 
tischen  Weisheit  eines  vernünftigen  Kavaliers  besteht, 
wirklich  von  Holberg  stammt,  ist  natürlich  eine  andere 
Frage,  die  vielleicht  nicht  sicher  beantwortet  werden 
kann.  Unmöglich  ist  es  freilich  nicht,  daß  Bohomolec 
auch  Holbergs  Komödien  (in  deutscher  Übersetzung)  ge- 
kannt hat.^^ 

Eine  Bildungskomödie  wie  die  vorige  ist  auch  die 
Komödie  «Kawalerowie  modni»,  deren  Schema  auf 
die  Molierische  Komödie  «Les  precieuses  ridicules»  zurück- 
geht. Es  ist  eben  nur  das  Schema  der  Molierischen  Ko- 
mödie, das  wir  bei  Bohomolec  wiederfinden;  der  gedank- 
liche Zusammenhang  ist  ein  ganz  neuartiger.  Und  ist 
sonst  die  Verarbeitung  des  Schemas  mit  der  eigenen  Idee 
oder  Tendenz  eine  Aufgabe,  der  Bohomolec  nur  selten 
gewachsen  ist,    so  muß   und  kann    man    einräumen,    daß 


1^  Vgl.    S,  277    meiner  Abhandlung. 


Bohoinolec'  Verhältnis  zu  Moliere.  107 

Fio  in  diesem  Falle  über  Erwarten  glücklieli  ^'t-löst  er.-cheint. 
\\'ir  können  sogar  von  wirklicher  Originalität  reilen.  Denn 
« Kawalerowie  niodi»  ist  eine  polnische  Komödie. 

Die  handelnden  Personen  der  Molierischen  Komölie 
sind  alle  beibehalten,  abgesehen  natürlich  von  dem  selbst- 
verständlichen Faktum,  daß  die  weiblichen  «precieuses»  /.ii 
männlichen  Modenarren  geworden  sind  und  daher  ihr«' 
weiblichen  Namen  Madeion  und  Cathos  in  die  männlichen 
Tomasz  und  Jan  verwandelt  haben.  Ihr  Vater  resp. 
Onkel  Gorgibus  nennt  sich  bei  Boliomolec  Anzelm,  die 
«amants  rebutes»  la  Orange  und  du  Croisy  nennen  sich 
Kleon  und  Dorant,  ihre  beiden  Diener  Mascarille  und 
Jodelet  heißen  Woyciech  und  Robert,  der  Diener  Alman- 
Ror  und  die  Magd  Marotte  —  weniger  romantisch  — 
Filip,  der  sie  beide  in  einer  Person  repräsentiert.  Schließ- 
lich reiht  Buhomolec  noch  eine  Figur  an  die  übernom- 
menen, den  «guwerner»  der  beiden  jungen  Herren,  Mon- 
sieur de  Martiniere,  eine  Gestalt,  die,  wie  wir  gleich  sehen 
werden,  nicht  zufällig  in  die  Komödie  hineingekommen 
ist,  sondern  nach  Bohomolec'  Intention  eine  sehr  zentrale 
Rolle  zu  S2)ielen  hat,  zentral  mit  Hinblick  auf  die  eigent- 
liche Tendenz  der  polnischen  Komödie. 

Die  bei  Molierc  einaktige  Komödie  hat  bei  Bohomo- 
lec  drei  Akte  erhalten,  und  ein  Vergleich  zwischen  der 
Vorlage  und  der  Bearbeitung  zeigt  uns,  daß  Boliomolec 
fast  jede  Szene  der  ersteren  in  der  letzteren  zu  benutzen 
gewußt  hat.  Die  fünf  Szenen  des  ersten  Aktes  geben  die 
ersten  fünf  Molierischen  Avieder  (Bob.  I,  1 — 5  =  Mol. 
1 — 5),  die  Molierischen  Szenen  6,  9  und  der  erste  Teil 
der  Szene  11  bilden  bei  Boliomolec  die  Zentralhandlung 
des  zweiten  Aktes  (Bob.  11,2—4  =  Mol.  (>,  9,  11),  und 
die  vier  letzten  Szenen  der  Molierischen  Komödie  sind 
mit  der  Handlung  des  dritten  Bohomolecschen  in  der 
Hauptsache  identisch  (Bob.  HI,  2  — 6  =  Mol.  13  — 16). 
Ausgelassen  sind  demnach  unbedeutende  Szenen  wie  die 
siebente  und  achte,  Mascarilles  Ankunft,  und  die  zehnte, 
in   der   Marotte    Jodelet   anmeldet,    sowie    die    Szene    des 


IGS  Kapitel  III. 

improvisierten  Balles  (10).  Wichtiger  aber  sind  die  Zu- 
siitze  11,1,  11,5  und  111,1  sowie  der  Schluß  ven  111,5. 
In  allen  diesen  Szenen  erscheint  die  neue  Gestalt  des 
Monsieur  Martin iere,  diese  Szenen  repräsentieren  auch  das 
Element  der  Tendenz. 

Worin  die  Tendenz  besteht,  wie  Bohomolec  die  Ge- 
stalt des  Martiniere  charakterisiert  hat,  diese  Frage  sei 
einer  späteren  Klarlegung  vorbehalten.  Augenblicklich 
können  wir  uns  mit  der  Feststellung  begnügen,  daß  Bo- 
homolec den  Molierischen  Text  wiederum  nicht  als  drama- 
tischen Stoff  betrachtet  hat,  der  neugeformt  und  aufs  neue 
durchdacht  werden  kann,  sondern  als  ein  fertiges 
Schema,  in  das  eine  gewisse  Tendenz  hineingelegt  werden 
konnte,  als  Illustrierungsm  aterial  für  gewisse  Sätze, 
die  mit  jenem  Texte  inhaltlich,  gedanklich  nichts  zu  tun 
haben.  Wiederum  kam  es  ihm  nicht  auf  eine  Vertiefung 
eines  künstlerischen  Steifes,  eine  Neubearbeitung  desselben 
an,  sondern  auf  eine  mechanische  Ausnutzung  und  Zurecht- 
legung des  fertigen  Materials.  Wenn  ihm  diese  Methode 
in  diesem  Falle  besonders  gut  gelungen  ist,  so  ist  das 
kaum  das  Resultat  verdienstvoller,  bewußter  Arbeit,  son- 
dern weit  eher  ein  glücklicher  Zufall. 

Schließlich  m.üssen  wir  noch  einen  Blick  auf  die  Art 
und  Weise  werfen,  wie  Bohomolec  Molieres  «Le  mariage 
force»  zu  seiner  «Rada  skuteczna»  umgeformt  hat. 
Für  seine  au.sgesprochen  schulmäßige  Moraltendenz  eignete 
sich  jene  Komödie  natürlich  kaum.  Dennoch  hat  Boho- 
molec auch  hier  gewisse  spezielle  Tendenzen  im  Auge 
gehabt,  und  es  läßt  sich  kaum  verneinen,  daß  er  vor 
allen  Dingen  eine  «Pater »-Komödie  zu  schreiben  beab- 
sichtigt hat.  Die  Idee  darf  etwa  so  umschrieben  werden, 
daß  «Alter  nicht  vor  Torheit  schützt»,  besonders  wenn 
alte  eigensinnige  Leute  nicht  auf  den  Rat  vernünftiger 
Menschen  hören,  sondern  sich  bei  Scharlatanen  und  Quasi- 
Gelehrten  Rat  holen. 

Sganarelle  ist  von  Bohomolec  zu  Anzelm  umgetauft 
worden,  Alcantor   hat   seinen  Namen  (Alkantor)  behalten, 


Bohomolec'  Verhältnis  zu  Moliere.  1G9 

sein  Sohn  Alcidas  nennt  sich  Dorant,  während  Dorimene 
und  mit  ihr  Lycidas  <i:j\uz  ver-^chwunden  yind.  Ttiilweit-e 
wird  Dorimene  durch  Anzelms  Diener,  den  «sluga  Avierin  » 
Williehn  ersetzt.  Die  beiden  Philo.soplien  Miirphurius  (Mar- 
furyusz)  und  Pancrace  (Pankracyusz)  haben  ihre  Namen 
behalten.  Außerdem  treten  noch  der  Cliiromantikcr 
(«chiromancista>)  Pandolf  und  der  Astrolof;  Lunacki  nur', 
dagegen  sind  die  «deux  Egyptiennes>,  die  MoHere  vor- 
führt, ausgemerzt. 

Die  Kongruenz  der  Molicrischen  Komödie  niit 
den  Szenen  der  Bohomolecschen,  die  aus  ihr  stammen, 
ist  fast  wortgetreu.  Mit  Ausnahme  der  sechsten 
Szene  der  Molierischen  Komödie,  wo  die  beiden  Zigeu- 
nerinnen auftret-n,  sind  alle  übrigen,  zuweilen  wörtlich^ 
von  Bohomolec  wiedergegeben,  und  zwar  in  derselben 
Reihenfolge  wie  bei  Moliere  (Boh.  Sz.  1 — 5  und  8 — 11  = 
Mol.  Sz.  1 — 5  und  7  — 10).  Statt  der  Dorimene  tritt 
natürlich  in  den  Szenen  2  und  8  Wilhelm  auf,  der  in 
beiden  Fällen  Dorimeoes  Worte  in  dritter  Person  rekapi- 
tuliert; so  sagt  er  in  der  zweiten  Szene  mit  einiger  Ab- 
weichung vom   Originale: 

^<Winszuie  sobie,  ze  takiego  miec  b^dzie  meza,  ktöreniu 
stanie  na  to,  zeby  dla  niey  chowat  karet^  y  dwöch  lokaiöw 
osobnycb,  ktöry  iey  b^dzie  pieni^dzy  na  iey  pDtrzeby  dodawaf, 
ile  ona  zechce,  ktöiy  nie  b^dzie  dla  niey  zalowal  kosztii  na 
opery,  na  komedye,  na  przecliadzki,  na  kolacye,  na  podwie- 
czorki  dla  iey  przyiaciöL» 

«.  .  .  ze  miedzy  nic^  y  Waszmosc  Panem  zadney  nie 
b^dzie  klötni,  dla  czego  chce,  zebys  "Waszmosc  Pan  iey  p.^- 
przysia,gi,  ze  sIq  nie  wdawac  nie  b^dziesz  w  iey  sprawy,  a  ona 
obiecuie,  ze  wzaieinnie  nie  b^dzie  si?  w  to  wdawala,  ca  na- 
lezy  do  Waszmosc  Pana.  Przetoz  o  gospodarstwie  nie  nie  na 
mysiec,  "Waszmos-J  Fan  zas  myslec  powiniencs,  zkrvdbys  mögl 
iey  pieniedzy  na  iey  zabawki  y*rozry\vki  dodawac,  iakoz  y 
tcraz  ma  posylac  do  kupcöw  po  materye  bogate  na  suknie, 
ktöro  wraz  chee,  zeby  iey  zix)biono,  po  galpny,  kompanki  y 
do  stroiu  naleza.ce  rzeczy,  a  samych  kupcöw  ma  odeslac  d> 
Waszmosc   Pana,   zebys  im  to  wszystko  poplacil.» 

Bemerkenswert  ist  es,    daß    Bohomolec  den  Aristote- 
liker  Pancrace   ohne    irgendwie   tiefer    greifende  Verände- 


170  Ka])ilel  III. 

riingen  in  seine  Komödie  lierübergenommen  hat.  Die  ganze 
Weltanschauung  des  Jesuitenordens  beruhte  ja  bis  in  die 
Mitte  des  18.  Jahrhunderts  auf  der  Aristotelischen  Lehr- 
ri^htung.  Wie  überall,  so  kämpften  auch  die  polnischen 
Jesuiten  Warschaus  gegen  die  Einführung  der  von  den 
l'i.iristeu  propagierten  Descartesschen  Lehren,  und  zwar  am 
h-ftigsten  gerade  zu  Bohomolec'  Zeit.  Trotzdem  sie  am 
5.  August  1752  auf  einer  öifentlichen,  in  der  Dominikaner- 
Kirche  zu  Warschau  veranstalteten  Disputation  über  den 
Wert  ihrer  «philosophia  orthodoxa»  im  Kampfe  gegen 
den  italienischen  Pater  Giuseppe  Tori  eine  eklatante  Nie- 
derlage erlitten  hatten,  gaben  sie  dennoch  eigentlich  nie 
den  Widerstand  gegen  die  neuen  < atheistischen»  und 
« sektiererischen  >  Lehren  auf.^^  Auch  für  Bohomolec 
mußte  daher  der  Name  Aristoteles  heilig  sein.  Er  sucht- 
daher  alles,  was  gegen  Aristoteles  gerichtet  ist, 
aus  seiner  Bearbeitung  auszumerzen.  Pancrace 
darf  daher  nicht  die  Hinweise  seines  Prototyps  auf  Ari- 
stoteles (<ce  sont  les  termes  expies  d'Aristote  dans  le  cha- 
pitre  de  la  Qualite>,  «une  proposition  condamnee  par 
Aristote>)  wiederholen,  weil  er  eine  lächerliche  Figur  ist. 
Er  wird  daher  auch  nicht  von  Bohomolec  im  Personen- 
verzeichnis mit  dem  Molierischen  Epitheton  «docteur  ari- 
stotelicien>  bezeichnet,  sondern  ausweichend  (wenn  auch 
faktisch  dasselbe  besagend)  als  «filozof  perypatetyk>  ge- 
kennzeichnet. Die  scholastischen  Fragen,  die  der  Molieri- 
eche  Philosoph  Sganarelle  vorlegt,  behält  Bohomolec  in- 
dessen bei,  und  zwar  in  lateinischer  Übersetzung.  So 
spricht  Pankracyusz  von  der  «forma»  als  «dispositio  ex- 
terna corporum  animatorum»  und  der  <i:figura>  als  «dis- 
positio exterior  corporum  inanimatorum»,  fragt  Anzelm, 
oh  er  wissen  wollte,  inwieweit  die  Begriffe  «substantia:» 
und  «accidens»  <respectu  entis»   <termini  synonymi»  oder 

1'  Vgl.  die  Geschichte  des  Streites  bei  St.  Zal^ski:  Je- 
zuici  w  Polsce,  tom.  III,  cz.  II  (Lwöw  1902j,  S.  1038  ff.,  tind 
Smoleriski:  Przewrot  lumyslowy  w  Polsce  w  XVIII.  wieku 
(Krakow  189 Ij,  S.  4. 


Hohomolec'  Verhältnis  zu  Moli^re.  171 

«termini  aequivoci»  seien,  u.  s.  w.  Bolioniolec,  der  niitür- 
lich  ein  Kenner  des  scholastischen  KiiclienlateinH  war, 
fügte  sogar  melirere  Fragen  hinzu  («icsli  uiiivt-rHale  nianet 
in  actuali  praedioationeV»  —  «iesli  negationes  identifican- 
tur  rebus  positivis?»  —  «iesU  niaLeria  appetit  fornias 
nobihores  magis  quam  ignobiles?»  u.  s.  w.)  So  scheint 
Bolioniolec  formell  jede  Möglichkeit  eines  Verdachtes, 
er  mache  die  Aristotelische  Lehrweise  lächerlich,  sorgfilltig 
umgangen  zu  haben,  dabei  aber  doch  die  in  seinem  Orden 
herrschende  Methode  ebenso  verurteilt  zu  haben,  wie  die 
Widersacher  desselben. ^^ 

\\'as  die  hinzugefügten  Szenen  angeht,  so  ist  die 
Szene  mit  Pandolf  eine  typische  Wahrsagerszene.  Die 
Idee,  sie  liier  einzuschieben,  hat  Bohomolec  von  Moliere 
selbst  erhalten,  beschließt  doch  Sganarelle  bei  diesem, 
«aller  trouver  ce  grand  magicien  dont  tout  le  monde 
parle  tant»,  ohne  daß  er  diesen  Beschluß  wirklich  aus- 
führt. Bohomolec  aber  fülirt  seinen  Anzelm  wirklich  mit 
einem   «Chiromantiker»   zusammen. 

ANZ :  Ach,  Mosci  Dobrodzieiu,  powiedzzc  mi  Waszmosc  Pan  co 
przeszlego,  a  iesli  mi  to  zgadniesz,  Ix^^  Waszmosc 
Pana  prosit,  zobys  mi  skutok  przyszly  mych  zamyslöw 
przypowiedziah 
PAX :  Bardzo  dobrzc !  ProszQ  o  r§kQ.  (Ogh^da  mu  r^ktj,  polym 
möwi):  Prosz^  mi  i^zyk  pokazac.  (Przypatruie  siQ.) 
Proszp,   iiiech   z^by    widzQ.     (Przypatruie   si^.j 

Pandolf  konstatiert,  daß  Anzelm  Geschenke  zu  nehmen, 
aber  nicht  zu  geben  liebe,  guten  Appetit  habe,  ein  paar- 
mal krank  gewesen  sei  und  43  Jahre  und  5  Monate  zu 
leben  habe. 

1**  Es  gab  unzweifelhaft  Anhänger  <jcr  sogenamiten  <camoenior 
eruditio  >  unter  den  Jesuiten.  Zu  Bohomolec'  Zeit  war  aber  der 
Streit  ganz  l>esonders  heiß  pntbrannt:  Pater  Rudzki  gab  noch  1750 
ein  großes  Werk  heraus  piit  dem  Titel:  (Philosophia  orthodoxa 
omjiium  fere  saeculorum  consensu,  doctissimorum  virorum  exi- 
stimatione,  Ecclesiae  auctoritate  cum  suo  principe  Aristo- 
t  e  1  e  celebratissima,  qaaestionibus  eruditis  ac  notis  sentenliarum 
celebrata.  Posnaniae  MDCCL».  Der  Orden  verteidigte  bis  zum 
Schluß  seine  zwei  Autoritäten  Aristoteles  und  Thomas  von  Aquino. 


112  Kapitel  111. 

ANZ:  Dzi^kiiiQ,  möy  Dobrodzieiu !    Powiedz  mi  leraz  Waszinosc 

Fan,    coby   to   byto,    gdybyni   sie   ozeiiii? 
PAN:  Bylbys   Paii   zonaty. 

AXZ:  Prawda.    Ale  —   czy  radzisz   mi  "Waszmosc  Fan,   zebym 
,  si?    ia    ozenil?     Jest    tu    pewna    paiiienka   niloda,    ktör^, 

chcialbym    wzia.c    za    zon^.     Y  ona    y  oyciec    iey  na    to 

zezwala. 
1^\N:  Wiele  lat  iey  byc  moze? 
A^N'Z:  B^dzie  kolo  lat  siedmnasta. 
FAN:  Mosppuiie,  ia  prawde  musz^  möwic. 
AXZ :  Y    owszeni   tego    ia   szukarn.     Przeciez    dopadieni   czleka 

do   porady! 
PAN:  Foslucliay   mi^  Waszmo^c   Fan.    Ta  panieaka   ^Vaszn:osc 

Pana  nie  koclia. 
ANZ:  Jak  to  «nie  kocha»?    Kocha!    Y  bardzo  kocha!    Y  zyczy 

isc  za  nmie ! 
FAN:  Z    tych   z^böw   Waszmosc   Pana,    z  tey    twarzy  y  z   t;y'ch 

rak   poznaiQ,   ze   ona   Waszmosc   Pana   nie  kocha   zadniq, 

niiarji  y  kochac  nie  moze. 
AXZ:  Czcmu  nie  moze?    Oto  möwi^,  ze  y  moze  y  kocha  rcnie, 

bo  chce  isc  za  mnie,  a  to  dzis  koniecznie. 
PAN:  UpewTiiam,    ze    nie    kocha.     A    iesli    pokazuie  ochote,    to 

czyni  dla  pieni^dzy,  nie  dla  Waszmosc  Pana. 
ANZ:  Jak   to?   albo    ty  pienicidzo    lepszo   za  mnie?     Idz    sobie 

precz,  kiamco!    Obiecales  mi  prawd^  mowic,  a  klamiesz? 

Widzisz   go ! 
FAN:  Tak   to  prawda  pospolici'^?  uraza.    Jani  go'öw  ,  .  . 
ANZ:  Idz,   mowi';',  nie  gaday! 

Die  Szene  mit  dem  Astrologen  ist  im  allgemeinen  nach 
dem  Muster  der  eben  besprochenen  gebildet.  Lunacki, 
der  mit  einem  himmelwärts  gerichteten  Fernrohr  auf  der 
Bühne  erscheint,  ist  zunächst  sehr  ungehalten  über  die 
Störung,  die  ihm  Anzelra  mit  seinem  Dazwischenkommen 
verursacht. 

<'Juzem  byl  nakierov/al  tubum  na  sam  ogon  Ursae  Ma- 
joris.    Toraz  go  nie  tak  pr^dko  znayduifj.» 

Lunacki  weiß  ebensoviel,  wie  die  damaligen  Almanache, 
nämlich : 

<^.  .  .  kiody  krew  puszczac,  kiedy  brac  lekarstwo,  kied\' 
w  pole  z  chartami  wyiezdzac   .  .  .», 

;',  .  .  kiedy  rady  zaci^gac  sQdziwycb,  kiedy  budowar, 
kiedy  kupowac,  kie^ly  przedawac,  kiedy  dzieci  do  szköl  odda- 
wac,    kiedy   sie   do    Dworu    y   clior^gwi  zaci.igac    ...» 


Bolioniolec'  Verlinllnis  zu  Molicre.  IT)'. 

Um  Anzelm  sein  Schicksal  als  Ehemann  voraussagen  zu 

können,  mußLlmacki^vissen,  unter  welcliem  Himmelszeiclien 

(«znnk  niebieski»,  was  Anzelm  als  «hinimerolauos  Zeichen »> 

versteht)  er  geboren  sei;    Anzelm  teilt  mit,    diiü  er  unter 

einem  himmelblauen  Zeichen  der  Schere  («pod  nozycami») 

als  Schneiderssohn  am  8.  Januar   zur  Welt  gekommen  sei 

Daraus  deutet  ihm   Lunacki  ein    unglückliches  Eheleben: 

«Satunius,    poni?\vaz    zebrawszy    essencyonalne    gxlnosci 

\vszystkich    siedmiu   planet,    tak    cum    hyeme    praecedenti   iako 

cum  hycme  subsequenti  uczynil  velocem  anni  cnrsum,  przeloz 

oniinenter  calego  roku  pancm  utrzymai   si^.    Zka.d  to  idzie,   ze 

A\  aszmosc   Pan  iako  w   tarnten   dzieii   feralny  urodzony  musi.sz 

byc  klötnik,  zwadliwy,  lakomy  y  co  za  tym  idzie  zlodziey.  roz- 

boynik/'^ 

Augenscheinlich  hat  Bohomolec,  ah  er  Molieres  «Mariage 
force»  "wählte,  sich  gerade  von  dem  Gesichtspunkt  leiten 
lassen,  daß  das  Schema  eine  günstige  Gelegenheit  bot, 
der  älteren  Generation,  die  durch  die  iOltern  seiner  jungen 
Schauspieler  unter  den  Zuschauern  vertreten  war,  zu 
zeigen,  wie  unrecht  die  tun,  die  sich  bei  ihren  Be- 
schlüssen von  der  Autorität  verstockter  Gelehrter,  Astro- 
logen und  Wahrsager  leiten  lassen,  statt  auf  die  Stimme 
der  gesunden  Vernunft  zu  hören.  Zur  Strafe  für  seinen 
Aberglauben,  seinen  Eigensinn,  seine  Dummheit  wird  der 
alte  Anzelm  durch  den  «erfolgreichen  Rat»  (eben  die 
«rada  skuteczna»)  des  jungen  Dorant  gezwungen,  die  un- 
angenehmen Konsequenzen  seines  Verhaltens  zu  ziehen. 
Wir  haben  in  der  «Rada  skuteczna^  sicher  einen 
nur  erst  angedeuteten  Versuch,  das  geistige 
Bild  der  alten  szlachta-Generation  zu  zeichnen. 
In  seinen  «Theaterkomödien»  wird  Bohomolec  das  Bikl 
der  provinziellen  szlachta,  die  ihr  Leben  nach  Almanachen 
und  Kalendern,  nach  abergläubischen  Grundsätzen  und 
veralteten  Lebensregeln  ordnet,  mit  breitem  Pinsel  und 
festen  Konturen  zu  zeichnen  versuchen. 

Sprechen   wir   von    Molieres   Einfluß,    so    dürfen  -^-ir 
nicht  bei  den  direkten  Nachbildungen  oder  Umformungen 


1  74  Kapitel  III. 

r^anzer  Molierischer  Komödien  stehen  bleiben.  Ihre  Unter- 
suchung hat  uns  gezeigt,  daß  Bohomolec  sich  im  großen 
und  ganzen  ausgeprägt  mechanisch  zu  seinen  Moiie- 
rischen  Vorlagen  verhielt,  d.  h.  daß  ihn  nicht  der  gedank- 
liche Gehalt  oder  die  komische  Handlung  der  gegebenen 
Komödien  interessierte,  sondern  nur  das  Schema  derselben. 
Bot  es  ihm  Gelegenheit,  irgendeinen  Satz  praktisch - 
pädagogischer  Art  oder  eine  gewisse  Tendenz  allgemein- 
moralischen Charakters  durch  Anwendung  und  entspre- 
chende Umformung  des  gegebenen  Komödienschemas  zu 
illustrieren,  so  war  diese  Gelegenheit  ganz  entscheidend 
für  seine  jeweilige  Wahl.  Er  suchte  die  fertige  Hand- 
lung bei  Moliere.  War  das  aber  der  Fall,  so  können  wir 
von  vornherein  überzeugt  sein^  daß  er  auch  außer  jenen 
komischen  Stoffen  zugleich  komische  Motive,  komi- 
sche Einzelzüge  bei  Moliere  muß  geliehen  haben.  Diese 
Einzelmotive  werden  wir  mit  Erfolg  in  solchen  Komödien 
zu  suchen  haben  und  finden,  die  entweder  ganz  sell:- 
ständig  sind  oder  auf  nicht-Molierischen  Quellen  beruhen. 
Sie  sind  sehr  zahlreich. 

Aus  Molieres  «Don  Juan»  (IV, 3)  stammt  jene 
Szene  (n,2)  im  «Figlacki  kawaler  z  ksi^zyca»,  wo  Figlacki 
seinen  Gläubiger,  den  pan  Towarski,  genau  ebenso  zur 
Türe  hinauskomphmentiert  wie  Don  Juan  den  Monsieur 
Dimanche. 

In  den  «  Blizni(^ta>>  fanden  wir  schon  eine  aus  cMou- 
sicur  de  Pourceaugnac»  (1,8)  entlehnte  Stelle  (V, 3). 
Eine  andere  Stelle  finden  wir  in  dem  «Figlacki  polityk 
teraznieyszey  raody  I>  (I,  4),  wo  Figlacki  den  stadtfrem- 
den pan  Towarski  ungefähr  ebenso  empfängt  wie  Sbrignni 
Pourceaugnac  (I,  3): 

FIG:     Podobno  mam  honor  witac  Jegomosc  Pana  Towarskiego, 

mego   Dobrodzieia  ? 
TOW:  Jam  lest  do   uslug  Waszmosc   Pana. 
FIG:     Da\vno   szukalem   tego   szczQscia  dia   siebie,   abym  mögt 

zabrac  znaiomosc  z  osob^  Waszmosc  Pana  Dobrodzieia, 

ktorego  doskonale  przymioty  publiczna  estymacya  dobrzo 

mi  opisala. 


I 


Bohomolec'  Verhältnis  zu  Moliere.  175 

TOW :  Mosel   Dobrodziciu,  nie   zasluzyleni   .  .  . 

FIG :  A  luboin  ieszcze  nie  miai  hononi  poznania  Waszmoäc 
Pana  Dobrodzieia,  iednakze  dnia  wczorayszego  dalein 
wiclkie  moy  przychylnosci  dowody  .  .  .  (Worauf  er  von 
Zarobskis  vermeintlichen  Cberfallsplänen  erzählt)  .  .  . 
Ale  upewTiiam.  Waszmosc  Pana  Dobrodzieia,  ze  gotöw 
iestem  y  zdroMiem  y  zyciem  bronic  honoru  Waszmosc 
Pana  Dobrodzieia.  On  (Zarobski)  mniem.a,  ze  traiil  na 
takiego  czlowieka,  ktöry  tu  w  tym  miescie  nie  ma 
przyiaciü},  iako  y  serca  do  usmierzenia  niepoczciwey 
iego    g?by. 

TOW:  Co   za  niezbozny!    To   on   y  mnie  moze  szkodzic? 

FIG:  Z  tym  siQ  odkrywa.  Ale  upewniam,  ze  gdyby  mi  zginj\c 
przyszto,    to  nie   odst^pi^   Waszmosc   Pana   Dobrodzieia. 

TOW :  SzczQscie  to  dla  nmie,  ze  w  tym  miescie,  gdzie  nie  mani 
zadnego  znaiomego,  Waszmosc  Pana  mi  nieba  nadarzyli. 
Chcieyze,  ■\Iosci  Dobrodzieiu,  iakos  zacza.J,  miec  mi^  w 
TwoiGy  protekcyi. 

FIG:  Upewniam  Waszmosc  Pana,  ze  ia  tego  Jegomosci  poskro- 
mi^.  •• 

TOW :  Bede  sie  znat  do  wdziQCznosci  w  odsluzeniu  tey  laski. 

Dieser    Dialog   wird  dann    fast  wörtlich  in    der  folgenden 

Szene  zwischen  Figlacki  und  Zarobski  wiederholt.  —  Aus 

demselben  «Monsieur  de  Pourceaugnac»  stammt  auch  der 

Zug,  mit    dem  Bohomolec   recht   wirkungsvoll   die    «Bliz'- 

nieta»  abschließt:  der  Arzt  kann  sich  nicht  vorstellen,  daß 

er  gehen  solle,  ohne  jemand  zur  Ader  gelassen  zu  haben. 

CYR :  ]\Iospanie,  a  ktöremu  z  tych  Ichmosciöw  mam  krevv  pu?z- 

czac  ? 
ADR:  Juz  nie  trzeba  zadnemu. 

CYR:  Jak  to?    Y  ia  nie  pusciwszy  kiew,  mam  ztq,d  odchodzic  ? 
ADR:  Juz,  möwie,  nie  trzeba. 
CYR:  Ja  muszQ   choc  W^aszmosc   Panu   ia  puscic. 
ADR:  Ja  nie  potrzebuie. 
CYR :  Obaczysz   Waszmosc   Pan,    iak   ia   doskonaJe   iq.  puszcz?. 

Man  vergleiche  damit  die  Szene  II,  3  bei  Moliere. 

Aus  dem  «Avare»  hat  Bohomolec  die  bekannte  Szene 
(II,  1),  wo  der  Diener  La  Fleche  seinem  Herrn  die  Be- 
dingungen für  eine  geplante  Anleihe  einzeln  vorliest  und 
Cleante  die  einzelnen  Paragraphen  mit  seinem  Kommen- 
tar  versieht,    in   den   <Cheipliewiec>    übernommen.     Hier 


176  Kapitel  III. 

(ill,  1)  liest   der  junge  Held  selbst  die  einzelnen  Punkte 
vor  und  knüpft  daran  gleich  seine  Anmerkungen: 

SAM:  (Ol)iocui^  j)Ozyczyc  pioni^dzy  15  czersvonych  zlotycli  na 
miosijiC  pod  tenii  kondycyanii :  Picrwsza:  Kwoty  od 
tych  15  czcrwonych  zlotycli  ma  byc  mi  na  miesific  za- 
])lacono  a  11 1  i  c  i  p  a  1  i  V  e  —  3  czorwone  zlote.»  —  Ilola, 
hola!  Tak  wiele?  Ale  —  cöz  robic?  Potrzeba  tego  wy 
ci.iga.  Musz«;:  na  to  zezwolic.  —  «D  r  u  g  a  kondycya :  Ma 
byc  dana  mi  zasLawa  warta  —  50  czerwonycb  zlolych  .  .  .> 

—  Szalony!  Gdzie  ia  takiey  zastawy  dostaii^?  Ale  c6z 
on  daley  piszc?  —  «...  Ale  ze  teraz  pieni^dzy  gotowycb 
nie  mam,  przetoz  dam  w  rzeczach  tyle,  co  przedawszy 
mozo  uczynic  —  15  czerwonycb  zlolych.  A  nayprzöd: 
2  sloly  dQbo\\x>  duze  z  nogami  to^zonemi  fundamenlal 
nomi,  ktore  ss^  wariC  —  3  czerwone  zlote.»  —  Cöz  to  ma 
znaczyc  ? 

LEO:   Nie  wiem.    Ale  czytay  pan  daley.    Obaczymy. 

SAM:  «Powtöre:  Lözko  takze  dQboAve  warte  —  1  czerwony 
zloty.  Potrzecie:  2  zamki  francuzkie  do  drzwi  pod- 
v.'öynych,   bardzo  pi^kne,   z  blacharai   mosi^znemi,   warLe 

—  3  czerwone  zlote.  P  o  c  z  w  a  r  t  e :  Kon  kary,  dobry, 
za  ktörego  przed  osmia  lat  dawano  mi  —  5  czerwonycb 
zlotycb.  Popiq,tc:  Wyzel  pi^kny,  za  krörego  wzi^c 
mozna  —  3  czerwone  zlote.  To  wszystko  wolno  prze- 
dac  y  wzi;\c  sobie  te  15  czerwonycb  zlotycli,  ktörych  te 
rzeczy  s^  warte.  Mnie  zas  anticipative  zaplacic 
prowizyi   od  tych   pieni^dzy  na  miesiq-c   —  3  czerwone.» 

—  Niech  zginje  z  takim  pozyczaniem  I 

Aus  derFelben  französischen  Quelle  stammt  ein  Dialog 
in  der  Komödie  «Dziwak».  Die  Stelle,  die  hier  gemeint 
ist,  ist  jene,  wo  Harpagon  La  Fleche  scharf  ins  Ver- 
hör nimmt,  was  er  wohl  mit  dem  Ausdrucke  «la  peste 
soit  de  Tavarice  et  les  avaricieux»  gemeint  habe  (1,3). 
Als  Anzelm  Leopold  nach  dem  Sagenbuch  schickt  und 
dieser  etwas  Ähnliches  über  die  «dziwacy»  murmelt,  will 
aucli   Anzelm  wis.-^en,   was  er  damit  gemeint  habe  (11,3). 

LEO:  Möwilem    y  möwi^:    Bodayby    choroba    wz!(jla    tych    dzi- 

waköw ! 
ANZ :  0  kimze  ty  möwisz  ? 
LEO:  0  dziwakacb. 
AN^:  Cüz  to  s^  —  dziwacy? 
LKO:  Sa  bultaie,  nie  dobrego. 


üohoniolec'  Vcrliüllni>  zu  Moliere.  177 

ANZ:  Kogoz   lo  hiiltaiami   nazywasz? 

LKO:  Dziwaköw. 

ANZ:  Ale  kogoz  ty  przez  dziwakow  rozurniesz? 

LEO:  Dziwakow. 

ANZ:  Ale  niel    Powiedz  nii  prawd»;:  o  kiin  to  inowisz? 

LEO:  Cöz  to  do  Waszmosc:-  Pana?  albo  to  VVaszmoä<^  Pan  rozu- 
rniesz,   ze    ia    o  Waszniosc    Paim    mowi^? 

ANZ:  Ale  co  ia  rozuinieni,  to  rozuinieiu.  Ty  powiwlz  koniecz- 
nie,  do  kogo  to  möwisz? 

LEO :  ^lowio  uo  dziwakow*. 

ANZ:  Ale  ktöz  to  sa  ci  dziwacy? 

LEO:  Moie  böty. 

In  derselben  Konoödie  wendet  Bohomolec  eine  andere 
Szene  aus  dem  «Avare»  an,  richtiger  einen  Kinzelzug. 
Wie  hier  Valere  Harpagon  immer  recht  gibt,  was  dieser 
auch  sagen  mag  (1,5,  111,1),  so  pflichtet  auch  Figlacki 
dem  «dziwak»  Anzelm  in  allem  bei,  wenn  er  auch  noch 
so  ungerecht  gegen  seinen  Neffen  Robert  ist  (I,  2). 

ANZ:  Co?     Jeszcze    b^dziesz    mi    gadal?     Twoia   rzecz  milczoc 

przed  stTviem!    Patrz,   panie  Figlacki,   co  za  bied.^  main 

z  tym  synowcem.   Ustawicznie  chcialby  gadac  a  to  przcde 

mna ! 

FIG:    Y  ia  si^  z  tego  g>rsz^.    Powinnosc  synowca   iesf   milczec 

przed  stryiem. 
ANZ:  Madrze  y  roztropnie  möwi.  —  Cöz  ty  nato?    Odpowiedz! 

Älilczysz?    Czy  nie   iestze  to   znak  kmabrnosci  iego? 
FIG :    Naypiewnieyszy  znak  kmqbmosci  milczenie  przed  stryiem 
.  .  .    Przynaymniey   Waszmosc   Pan   pokloi'i    si?   stryiowi. 
(Robert   klania    si^.) 
ANZ:  Patrz,   iaki   to   uklon!     Otoz    —   byl   w  Paryzu   a  klaniaö 

sie  nie  umie. 
FIG:    Fe!    To  nie   iest  uklon  paryski.    Tarn  dla  kazdey  osoby 
iest    inny  uklon.     Inaczey   przyiacielowi,    inaczcy   matce, 
inaczey  oycu  y  stryiowi  inaczey  klaniaiq  si^. 
ANZ :  Oycu   y  stryiowi  ^öw^lo  p owinienos  klaniac   si?. 
FIG :    Nie  inaczey  I    To   w  Paryzu  scisle  zachowui^. 
ANZ:  Slyszysz?    A  on  milczy  iak  ciel^.    Poklonze  mi  si^  tak, 
iak  siQ  oycu  w  Paryzu  klaniai^i. 

(Robert  mu  si^  klania  y  chce  go  w  r^k^  pocalowac.) 
ANZ    (z  gniewem  möwi):   A   to   co?    Cbcial  mi?  pocalowac?  y 

ieszcze  za  r?k?  chwyta? 
PIG:    Ach,   uchoway  Boze,   zeby  w  Paryzu  mial  s\Tiowiec  dot- 
kn^c  sie  r^ki  stryiowskiey !  .  .  . 

Stender- Petersen,  Die  Schulkomödien.  12 


178  Kapitel  111. 

Sprechen    wir    von   Molierischen    Motiven    im    «Dziwak», 
so  können  wir  freilich  nie  sicher  sein,  daß  die  betreffenden 
Motive  wirklich  aus  Möllere  stammen  oder  —  vorsichtiger 
auj^gedrückt  —  direkt  aus  Möllere  stammen.     Wir  kennen 
nämlich  leider  nicht  die  eigentliche  Quelle  des  «Dziwak»/* 
und  es   könnte  somit  gut  möglich   sein,   daß    die  Motive, 
die  ich  hier   als  Molieiisch  bezeichne,    schon   in   der  un- 
mittelbaren Quelle  vorlagen,  in  die  sie  freilich  auch  aller 
Wahrscheinlichkeit  nach  aus  Molieres  Komödien  gekommen 
sind.    Unter  diesem  Vorbehalt  darf  ich  wohl  auch  andere 
Molierische  ^lotive   im   «Dziwak»    feststellen.     So   scheint 
das    Gespräch    zwischen    Anzelm    und    Figlacki,    der    das 
Vertrauen  des  ersteren  gewinnen  möchte  (I,  2),  aus  lauter 
Molierischen    Motiven    zusammengestellt    zu   sein.     Wenn 
Anzelm  zum  Beispiel,  als  Figlacki  behauptet,  sein  voriger 
Herr  sei  135  Jahre  alt  geworden,  ganz  erfreut  nachrechnet, 
■wieviel  Jahre  er  demnach  selbst  noch  zu  leben  habe: 
A^'Z:  Day    go    Bogu!     Pi^kny    wiek!     To    mnie    ieszcze    .  .  . 
zaraz    .  .  .     Trzydziesci    a  dwadziescia,    to    pi^cdziesiqt, 
a    potym    pi^tnascie,    to    uczyni    wszystko    szescdziesi^t 
pi?c;     od    Stil     trzydziestu     y  pi^ciu     szescdziesi^t    pi^c 
odiawszy   ucz^mi  siedmdziesiq,t.    To  mnie  do  tego  wieku 
zyc  mozna  ieszcze  lat  siwlmdziesi^t  1 
so  wissen  wir,  daß  dieses  komische  Motiv  der  mühsamen 
Nachzählung    des    Alters    aus    dem    «Mariage    force» 
stammt,  w^o  freilich  nicht  der  lebenslustige  Sganarelle,  son- 
dern sein  Nachbar  Geronimo  das  Alter  desselben  berechnet. 
Auch  das  andere  Motiv,  durch  das  Figlacki  sich  bei 
Anzelm  einzuschmeicheln  weiß,  stammt  aus  Möllere.    Er 
behauptet,    daß    er   nicht    bei   jungen   Herren    zu   dienen 
liebe,  sondern  alte  vorziehe: 

ANZ:  A  chcialbys  u  mnie  sluzyc? 

FIG:  Z  ochot^!  Jac  mialem  iuz  kilka  sluzb,  tylko  ze  u  mlo- 
dych  panöw  sluzyc  nie  lubi?.  Pospolicie  s%  plosi,  po- 
p^dliwi,  dziwacy.  iVicmozna  .im  dogodzic.  Zwlaszcza, 
zem  ia  przywykl  do  pana  starego. 

A?fZ:  Wi^c  u  mnie  masz  shizb^. 


19  Vgl.  S.  301  dieser  Abhandlung. 


Bohoniolec'  Verhältnis  zu  Moli6re.  179 

Dieselbe  Taktik  schlügt,  wie  bekannt,  die  Frosine  im 
«Avare»  Harpagon  gegenüber  ein.  indem  sie  behauptet 
(II,  5),  daß  Mariane  «a  une  aversion  epouvantable  pour 
tous  les  jeunes  gens,  et  n'a  de  raniour  que  pour  les 
vieillards». 

Am  nächsten  steht  aber  der  Taktik  unseres  Figlackis 
sonst  jene  Taktik,  die  Mascaiille  im  «Etourdi»  (IV,  1) 
Trut'aldin  gegenüber  anwendet.  Er  erzählt  seinem  Herrn 
L(''lie,  wie  er  dabei  vorging: 

j'ai  fait  do  grands  discours 

sur  les  fourbcs  qu'oii  voit  ici-bas  tous  les  joiii-s; 

que,  ix)ur  moi,  las  du  monde  et  de  sa  vie  infame, 

je  voulois  travailler  au  salut  de  mon.  äme, 

ä  m'eloigiier  du  trouble  et  p  o  u  v  o  i  r  1  o  n  g  u  c  m  e  n  t 

pres    de    quelque    honnete    homme    etre    pai- 

s  i  b  lement; 
quo,  s'il  le  Irouvoit  bon,  je  n'aurois  d'autre  envie 
que  de  passer  chez  lui  le  reste  de  nia  vie; 
et  que  memo  ä  tel  poitit  il  m'avoit  su  ravir 
que,   sans  lui  dcmaader  gages  pour  le  servir, 
je  mettrois  en  ses  mains,  que  je  tenois  certaines, 
quelque    b  i  e n    de    mon    p  e  r  e    et    le    fruit    de    mes 

peines  .  .  . 

Die  Elemente  dieses  Monologes  kommen  nun  bei  Bo- 
homoloc  in  dialogischer  Form  vor: 

ANZ :  .  .  ,  Ale  ze  mna.  musisz  si^  zmowic  na  lat  dwadziescia. 

FIG:    Tyni  lepiey! 

AXZ :  A  iakiey  chcesz  zaplaty  ? 

FIG :  ZaplatQ  zas  ?  Frzepraszam  Waszmosc  Pana :  i  a  z  a  za- 
platy nigdy  nie  sluzylem.  Dose  mi  za- 
platy,   kiedy   mie  pan   kocha   y   ia   pana. 

ANZ:  To   wiemy  sluga!    A  zka.dze  b^dziesz  mial  odzienie? 

FIG :  Mam  kawalek  wioski  oycowskiey,  ktöra.  w 
arende  pusciiem.  y  mam  z  niey  tyle,  ile  mi  trzeba.  A 
nad  to  nie  pragUQ, 

In  derselben  Komödie  möchte  Anzelm  sich  bei  Bo- 
homolec  einen  solchen  Erben  wählen,  der  ihm  in  seinem 
Alter  nützlich  sein  könnte  (III,  5): 

ANZ :  Trzebaby  takiego,  ktöryby  przy  mnie  siedziai,  mnie  kochal 
y  mnie  od  zlych  ludzi  w  potrzebie  ratowat. 

12* 


180  Kapitel  III. 

Vom  selben  Gesichtspunkt  läßt  sich  auch  Argan  im 
«Malade  imaginaire»  (1,5)  bei  der  Wahl  seines 
Schwiegersohnes  leiten: 

ARG:  Ma  raison  est,  que  nie  voyant  infirme  et  malade  comme 
je  suis,  je  veux  mc  faire  m\  gendre  et  des  allies  medecins, 
afin  de  m'appuyer  de  bons  secours  contre  ma  maladie, 
d'avoir  dans  ma  famille  Ics  sources  des  remedes  q[ui  me 
sont  neeessaires  .  .  . 

Weiter    treffen    wir   im   «übogi   pokorny»    ein  Detail 

au?  Molieres   «Avare»   (II,  5,  SchlußrepUken).     Vergebens 

versucht   nämlich  Sbrigani   bei  Anzelm   Geld   zu   leihen : 

SBR:  .  .  .  Gdyby«  mi  Waszmosc  Fan  mögt  pozyczyc  przynay- 

mniey  pi^tnascie  czerwonycli  zlotych? 
ANZ:  Ktos  do  drzwi  kolace. 
SBR:  Ja   Waszmosc   Panu  dam  oblig. 
ANZ:  Ale  ktos  do  drzwi  kolace ! 
SBR:  Choc   dziesi^t  czerwonych   zlotych! 
ANZ:  Trzeba  obaezyc,  kto  lest  tarn  u  drzwi! 
SBR :  To  przynaymniey  pi^c  czerwonycli  zlotych  I ! 
ANZ:  Nie  dam  nie! 

SBR :  Bylo  dawniey  tak  mowic  I  Przymaymniey  czasu  nie  ßtra- 
witbym  darmo. 

Im  «Figlacki  polityk  teraznieyszey  raody»  I  gibt  es  einen 
Diener,  der  sehr  unmotiviert  den  Namen  M^drski  («m^dry» 
=  «weise»,  «gelehrt»)  trägt  und  ohne  Unterlaß  lateinische 
Zitate  in  seine  polnische  Rede  streut.  Man  hat  sofort 
den  Verdacht,  daß  dieser  Diener  ursprünglich  ein  Pedant 
gewesen  sein  muß,  und  dieser  Verdacht  bewahrheitet  sich, 
indem  wir  entdecken,  daß  er  ein  Doppelgänger  des  Pe- 
danten Metaphraste  aus  dem  «Depit  amoreux»  ist. 
Metaphraste  tritt  bei  Moliere  mit  den  Worten  auf:  «Man- 
datum  tuum  curo  diligenter»  (II,  6)  und  zitiert  einen 
Ausspruch  aus  Jean  Despauteres  «Rudimentum» :  «Tu 
vivendo  bonos,  scribendo  sequere  peritos».  Genau  so 
präsentiert  sich  M^drski  bei  Bohomolec  (I,  3): 

M^D:  Mandatom  panskim  parierui^. 

FIG:     Sluchay  .... 

MJ^D:  Aures  in  pedibus  pana  moiego  skladam. 

FIG:     Trzeba  mi  .  .  .  . 

M^D:  Prawda.     «Necessitas  frangit  legem.» 


Bohomolec'  Verhältnis  zu  Moliere.  181 

FIG:     Shszysz  Waszmosc  Paii,  Mosci  l'niiic  Pomocki? 

iMJ^t^*  Po    Incinie    möwi    sitj    «obscurus»,    y   Horacyusz   napisal: 

«Dum  brevis  esse  volo,  obscurus  fio.» 
FIG:     Co  siQ  w  frlowie  roi ! 
MED:  Y  teri  niezle   zycia   liidzkiego   awantuiy  penetrowa},  ktöry 

napisal  : 

«Qui  sedet  in  terra  non  ha})et  unde  cadal». 
FIG:     Ale  day  poköy  teraz  tey  taciniel    Mamy  .... 
MKD:  Jednakze  trzeba  uwazac  iak  lepsi  autorovvie  pisz^: 

«Tu  vivendo  bonos,  scribendo  iniitare  peritos». 

Aus  derselben  Molieriscben  Komödie  (I,  4)   stammt  auch 
jene  Stelle    bei   Bohomolec  (III,  4),    wo   der    Diener    bald 
sagt,  daß  die  bestochenen  Soldaten  kommen  werden,  bald, 
daß    sie   nicht    kommen    werden,    und    schließlich,    daß 
alles    ganz,  wie    es  Figlacki  beliebe,  geschehen   werde;    er 
bekennt,  daß  er  sich  fürchte,  etwas  zu  sagen,   was  Figlacki 
möglicherweise  nicht  gefallen  möchte,  und  wird  fortgejagt. 
Schließlich  sei  noch  festgestellt,  daß  einige  Züge  im 
«Urazaij^cy    si^    nieshisznie    o    przymöwki»    aus    Molieres 
«Bourgeois-gentilhomme»  stammen.       Der  Tanzszene 
(II,  1)  der  letztgenannten  Komödie  ist  deutlich  eine  ähn- 
liche Szene  in  der  polnischen  Komödie  (II,  1)  nachgebildet, 
w"o    Glupski  von  Byvvalski   im  Tanzen    unterrichtet  wird. 
BYAV :  .  .  .  Jakze  si§  tedy  Waszmosc  Paii  masz  klaniac  po  fran- 
cuzku,    ä  la   Parisiemie?    Juzem    tego    uczyt   Waszmosc 
Pana.    Nie   tak!    Tak   .  .  .    Idzze   teraz   AVaszmosc    Pan 
ztamta.d.  <lo   mnie   y  poklon   si?.     Pr^dzcyl    Teraz  moda 
pr^dko    chodzic    y  zywo,    zeby    möwiono    o    Waszmosc 
Panu  —  iak  Wlosi  powiadai^  —  «spiritoso>.    Idzzo  Wasz- 
mosc pr^dko.    Poklon  si?!    Xi.?  tak  nogi !    Twarz  wesola 
y  mila !  Ma  foi  il  est  fol  [ 
GLU:    Cöz  to  znaczy  —    ma  foi  il  osL  fol>? 
BYW:  To,  ZG  Waszmosc  iuz  si^  dobrze  klaniasz. 
GLU:    Y  mnie  siQ  zda,  ze  niezle.     Ale  si?  ieszcze  raz  pokloniQ. 

Patrz    W^aszmosc    Pan,   czy    dobrze? 
BYW :  Wysmienicie ! 
GLU:    Xo  to  iuz  dobrze!    A  naprzyktad  przypomn?  sobie  taniec 

francuzki. 
BY\\  :  Y  w  tym  Waszmosc  Panu  uczyniQ  plezir.    .Xaypizöd  tedy 
pami^tay   Waszmosc   Pan,   ze   trzeba  nakrzyz   taiicowac : 
zta/I  tarn  a  ztamtad  tu  isc  potrzeba.    Tancuyze  Waszmosc 
Pan!    .  .  .   Tak  .  .  ,   Xogi!   pliez !  pliez!    Bardzo   dobrze 


182  Kapitel  III. 

A\aszinosc  Pan  tancuieszl  Jakem  hyl  \v  cuJzycli  kraiach, 
iakom  honete  homme,  tak  upewniam  Waszmoic  Pana, 
ze  u  nas  w  Paryzu  inusialbys  Waszmosc  Pan  za  nau- 
czeiiie  tego  taiica  dac  50  luidorow. 

Gleichfalls  aus  dem  «Bourgeois- gentilhomm e »  (II,  4) 
stammt  jene  Stelle  in  derselben  polnischen  Komödie,  wo 
Bywalski,  um  die  verschiedenen  Stilarten,  die  es  gi))t,  zu 
exemplifizieren,  den  lateinischen  Satz:  «Si  fractus  illabatur 
orbis,  impavidum  ferient  ruinae»  auf  drei  verschiedene 
Arten  übersetzt.  Ihm  schwebten,  als  er  .  jene  Stelle 
schrieb,  sicher  die  fünf  verschiedenen  Formen  vor,  die 
der  Philosoph  bei  Moliere  Jourdain  für  den  Satz:  «Belle 
Marquise,  vos  beaux  yeux  me  fönt  mourir  d'amour»  vor- 
schlägt.    Bywalski  übersetzt  zuerst: 

«Chocby  ta  sublunarna   Olimpii  fabryka,   aliqao  fato  bles- 

serowana,    upadala,    iednak    iey    ruiny    ankiirazonego    animiiszu 

non  commovcbunt.» 

Dann   «sublimiore  stylo»: 

<:Cbocby  upadaiace  Oiimpiczrie  skiepienie  rozzarzonemi 
w  Tyiana  hucic  ruinarai  na  pawiment  ziemi  strzelaio,  iednakze 
non    commovebit    z  fundamentöw    gabinetu    serca    odsvaznego.» 

Oder  schließlich   ^allegorice» : 

<Niech  uarmowawszy  si§  Olimp  zlotoJity  ruinami  iak  clice 
attakiiie  citadellQ  serca  smialego,  fortecy  iGdiiak  dystyngwowa- 
nego  kiirazu  non  expugnaWt.»  -*^ 


20  Doch  dürfen  wir  in  diesen  stilistischen  Variationen  mehr 
als  eine  bloße  Nachahmung  Molieres  sehen.  Es  ist  bekannt,  daß 
das  stilistische  «eher^)  oder  «wenn  auch»  oder  «solange»,  das  wolil 
eben  aus  dem  horazischen  Zitat  erwachsen  ist,  im  lateinischen, 
senecaisierenden  Schuldrama,  nicht  zum  mindesten  bei  den  Je- 
suiten, ein  sehr  beliebtes  Mittel  zur  Gewinnung  eines  «Stylus  subli- 
mior»  war  (vgl,  darüber  Paul  Stachel,  Seneca  und  das 
deutsche  Renaissancedrama,  Berlin  1907  [Palaestra  XLVI],  S.  47, 
77,  93  usw.  passim).  Ich  meine  nun,  daß  Bohomolec  hier 
diesen  «sublimen  Stil»  der  alten  Schultragödie,  der  von  Bohomolec 
bekämpft  wurde,  hat  ironisieren  wollen.  Als  Beispiel  eines  pol- 
nisch-jesuitischen «prius  —  quam»  führe  ich  hier  eine  Stelle  aus 
dem  Eutropius  des  P.  Gregorius  Cnapius  an,  dessen  Komödien 
(entstanden  um  die  Wende  des  16.  .Jahrhunderts)  im  Codex  R  380 
der  Universitätsbibliothek  zu  Upsala  gesammelt  vorliegen: 


Büliomolec'  Verijiiltnis  zu  Moliere.  \^'A 

Eine  Stelle  hus  den  «Femmes  savantes»  (V,  2\ 
wo  Clirysale  seiner  Tochter  Henriette  zeigen  will,  daß  er 
der  Plerr  im  Hause  sei,  und  daß  also  er  über  die  Wahl 
eines  eventuellen  Schwiegersohnes  zu  entscheiden  habe, 
hat  Bohoniolec  deutlich  als  Muster  für  den  Accessus  zum 
«Ubogi  hardy»  gedient.  Hier  räsoniert  Anzelni  ungefähr 
ebenso  im  Gespräch  mit  seinem  Sohne  Leopold  über  die 
Wahl  eines  Mannes  für  seine  Tochter  (I,  1): 

ANZ:  Albo  ia  powiiiicn  sluchac  iey  serca  ? 

LEO:  Prawda. 

ANZ:  Albo  ia  nie  oyciecV 

LEO:  Prawda. 

ANZ:  Albo   to  do  niey  nalezy  obierac  dla  innie  ziQcia? 

LEO:  Prawda. 

AXZ:  Nioma  tcraz  tey  mody  pytac  sIq  cörek,  czy  mala,  seice 
czy  nie. 

LEO:  Prawda. 

ANZ:  Oyciec  Rudolfa  byl  nioy  wieiki  przyiaciel. 

LEO:  Prawda. 

ANZ:  Y  sam  Rudolf  na  woynio  terazuieyszey  wiele  dokazy- 
wal   y  "wiele  profitowal. 

LEO:  Prawda. 

ANZ:  Wszak  musi  o  tym   wicdziec   twoia   si-ostra? 

LEO:  Wie. 

ANZ :  Kiedy    tak,    to    powinna    go    kochac  ? 

LEO:  Prawda. 

Freilich  ist  der  Beschluß  des  Vaters  hier,  nicht  so  wie 
in  den  «Femmes  savantes»,  den  Wünschen  des  verliebten 
Paares  ganz  entgegen.  Es  ist  zugleich  ein  Zeichen  für 
Bohomolec'  unkünstlerisches  Verfahren,  daß  diese  Szene, 
mit  der  die  Komödie  bei  ihm  beginnt,  und  die  uns  den 
alten  Anzelm  als  einen  eigensinnigen  und  rücksichtslosen 
Vater  präsentiert,  mit  dem  weiteren  Verlaufe  der  Hand- 
lung  sehr   wenig   h.'irmoniert,    erweist    sich    doch    Anzelm 


«Sol  ante  tollet  littore  Hesperid  caput 
Et  condet  ultra  Caspia  recedens  iuga, 
Yomere   Propontis  fluida  scindetur  p  r  i  u  s  , 
Taurus   caiinas  atqiie  velivolas   gerat, 
Quam  nostra  pateant   coelibus   templa   inipiis 


184  Kapitel  III. 

zum  Schluß  als  ein  sehr  kluger  und  vernünftiger  alter 
Herr,  der  sogar  einer  recht  feinen  Ironie  fähig  ist. 

Mit  den  hier  oben  angeführten,  vielleicht  nicht  ganz 
erschöpfenden  Zusammenstellungen  glaube  ich  alles  wesent- 
liche Material  über  Molicre  als  Bohomolec'  Quelle  zu- 
sammengetragen zu  haben. 

Fassen  wir  nun  die  konkreten  Resultate  unserer 
Untersuchungen  zusammen,  so  können  wir  zu  einem  ab- 
schließenden Urteile  über  Bohomolec'  Verhältnis  zu  Moliere 
gelangen,  das  uns  zugleich  das  Mittel  zu  einer  richtigeren 
Beurteilung  des  Charakters  der  Bohomolecschen  Schul- 
komödien überhaupt  geben  wird.  Wir  haben  nun  vor 
allen  Dingen  zwei  Tatsachen  gewonnen,  die  für  uns  Be- 
deutung haben. 

Wir  fragen  uns  zunächst:  wie  verhielt  sich  Bohomolec 
zu  ganzen  Komödien  des  französischen  Meisters?  Wie 
bearbeitete  er  ihn? 

Die  konkreten  Daten,  die  wir  oben  haben  sammeln 
können,  berechtigen  uns  zuallererst  zu  dem  Schlüsse,  daß 
der  Charakter  der  Bearbeitung  vor  allen  Dingen  durch 
jene  Tatsache  bedingt  war,  daß  die  weiblichen  Rollen 
eliminiert  w'erden  mußten.  Das  war  ein  Grundsatz,  zu 
dem  Bohomolec  sich  bekannt  hatte,  dem  er  auch  konse- 
quent treu  blieb.  In  der  Tat  aber  ist  Bohomolec'  Ver- 
halten den  weiblichen  Rollen  gegenüber  kein  einheitliches: 
denn  die  bei  Moliere  vorkommenden  weiblichen  Gestalten 
werden  entweder  ganz  eliminiert  oder  aber  durch  ent- 
sprechende männliche  ersetzt,  wobei  Bohomolec  auch  die 
Möglichkeit  benutzte,  die  weiblichen  Rollen  innerhalb 
derselben  Komödie  teils  zu  entfernen,  teils  durch 
männliche  zu  ersetzen.  Wurde  nun  die  bei  Moliere  ge- 
gebene weibliche  Rolle  ganz  entfernt,  so  verschwand  damit 
zugleich  auch  jede  Spur  eines  erotischen  Elementes;  das- 
selbe war  der  Fall,  wenn  die  weibliche  Rolle  vollständig 
von  einer  männlichen  ersetzt  wurde.  Zuweilen  aber  — 
und  zwar  nur  selten,  denn  das  war  ein  gewagtes  Unter- 
nehmen —  behielt  Bohomolec  das  Motiv  der  Liebe:  dann 


Hohomolec'  Verhfiilnis  zu  Moliere  J85 

Avurde  zwar  die  weibliche  Gestalt,  die  CJeliebtc  aii.s  der 
Handlung  au?;^'enierzt,  aber  doch  hinter  der  Hzone  voraus- 
gesetzt und  in  gewisFcn  Szenen  indirekt  durch  eine  andere 
Person  ersetzt,  die  statt  ihrer  auftrat  und  sj)rach,  sonst 
al)er  ihre  eigene  Rolle  im  Stücko  hatte,  also  keineswegs 
eine  reine  Ersatzfigur  war.  War  aber  das  Motiv  der  Liebe 
eliminiert,  so  ergab  sich  für  Bohomolec  die  Frage,  welched 
andere  Motiv  an  ihrer  Statt  angewandt  werden  sollte, 
denn  Bohomolec  sah  sich  genötigt,  Motive  einzuführen, 
die  die  Molierische  Handlung  nicht  ganz  illusorisch  mach- 
ten, ohne  sie  doch  auch  immer  zur  Genüge  motivieren 
zu  können.  Er  wählte  statt  des  Affektes  der  Liebe  an- 
dere Affekte  und  Leidenschaften  oder  andere  Interessen,  wie 
verbotene  Spielleidenschaft,  übertriebene  Musik- 
leiden  Schaft,  Erbschaftsfragen.  Auf  eine  ähn- 
liche Weise  sahen  wir  ihn  schon  in  seinem  «Mysliwy» 
die  Jagdleidenschaft  anwenden.  Vielleicht  werden 
wir  hieraus  ganz  allgemein  die  Folgerung  ziehen  dürfen, 
daß  Komödien  mit  Ersatzaffekten  oder  Ersatzinteressen 
älter  sind  als  Komödien,  in  denen  das  Motiv  der  Liebe 
zwar  beibehalten,  aber  gewissermaßen  hinter  die  Bühne 
verlegt  wird;  fiel  doch  diebe  ^Methode  sicher  bedeutend 
leichter,  während  die  möglichen  Ersatzaffekte  allmählich 
erschöpft  w^erden  mußten.  Komödien  ohne  Liebesmotiv 
und  ohne  Ersatzmotiv,  wo  die  weiblichen  Personen  ent- 
weder ganz  eliminiert  oder  in  männliche  verwandelt 
werden  konnten,  entstanden  jedesmal,  wenn  das  Original 
selbst  die  Liebe  nicht  ins  Zentrum  unserer  Aufmerk- 
samkeit stellte. 

Ersatzmotive  haben  w^ir  im  «Figlacki  polityk  teraz- 
nieyszey  mody»,  in  der  «Nieroztropnosc»,  in  den  «Natr^t- 
nicy»,  im  «Dziedzic  chytry».  Von  diesen  gehören  die  zwei 
letztgenannten  enger  zusammen,  indem  hier  Erbschafts- 
interessen an  die  Stelle  der  ursprünglichen  Liebe  treten. 
Im  «Figlacki»  finden  wir  statt  dessen  die  Spielleidensciiaft 
als  Vertreterin  des  erotischen  Konfliktes.  Dassell>e  tech- 
nische Mittel  wandte  Bohomolec   in  der  «Nieroztropnrsc» 


186  Kapitel  111. 

an,  wo  der  Held  nicht  verliebt,  sondern  übertrieben  muf^ik- 
begeistert  ist;  eine  stumme  männliche  Person  trat  hier 
an  die  Stelle  des  ursprünglichen  Gegenstands  der  Liebe, 
ein  Mangel,  dem  Bohomolec  bei  größerer  Sorgfalt  wohl 
hätte  entgehen  können. 

Als  Ersatzfiguren  dagegen  traten  leicht  und  unge- 
zwungen für  die  Molierische  Madame  Jourdain  im  «Fan 
do  czasu»  ein  männlicher  Verwandter  und  an  Stelle  der 
weiblichen  Hauptfiguren  des  Meliere  in  den  «Kawalerowie 
modni»  entsprechende  männliche  «ridicules»  ein.  Nur  in 
zwei  Komödien  liat  Bohomolec  das  ursprüngliche  Motiv 
einer  Liebe  oder  einer  Heirat  beibehalten,  nämhch  in  der 
«Rada  skuteczna»  und  in  den  «M^^drkowie»  :  hier  sind  die 
weibüchen  Rollen  zwar  auch  von  der  Bühne  verbannt, 
aber  gewisse  männliche  Personen  treten  an  ihre  Stelle 
und  übernehmen  bis  zu  einem  gewissen  Grade  ihre  Rollen. 

Bohomolec'  Verhalten  dem  Molierischen  Texte  gegen- 
über ist  nicht  in  allen  Fällen  gleichartig.  Bald  hält  er 
eich  treu  an  seine  Vorlage,  bald  erlaubt  er  sich  wichtige 
Disgressionen,  Einfügungen,  Veränderungen,  Umgestal- 
tungen. In  der  «Nieroztropnosc»  folgt  er  z.  B.  recht  genau 
seiner  Vorlage,  dem  «fitourdi»,  ebenso  in  den  «Medrkowie» 
den  «Femmes  savantes».  Zuweilen  nimmt  er  sehr  be- 
deutende Veränderungen  vor,  folgt  aber  in  den  Teilen, 
die  von  Moliere  stammen,  fast  wörtlich  seiner  Vorlage  ; 
das  ist  z.  B.  der  Fall  mit  der  «Rada  skuteczna»  und  den 
«Kawalerowie  modni».  Zugleicli  haben  wir  aber  auch 
Komödien,  die  sehr  stark  von  ihren  Vorlagen  ab- 
weichen, und  wo  wir  nur  mit  xMühe  die  Molierische 
Handlung  wiederzufinden  vermögen.  Ein  bestimmtes 
Prinzip  für  die  Umgestaltung  der  Molierischen 
Komödien  hat  Bohomolec  sicher  nicht  gehabt. 
Er  folgte  einfach  jedesmal  den  Rücksichten,  die  ihm  wichtig 
schienen,  oder  der  Notwendigkeit,  die  ihn  zwang,  die 
Handlung  umzubrechen,  um  sie  beim  Fehlen  aller  weib- 
lichen Rollen  plausibel  zu  machen,  was  ihm  bei  weitem 
nicht  immer  gelang.     Im  Gegenteil,  von  der  Flüchtigkeit 


Kohomolec'  Verhällnis  zu  Moliero.  187 

und  Oberllächliehkeit,  mit  der  er  arbeitete,  aber  auch 
von  der  Schwierigkeit  der  Aufgabe,  zeugen  oft  ganz  un- 
zweideutige Sinnlo.^igk-iten  in  seinen   Komödien. 

Daß  die  Rücksichten,  von  denen  sich  Boliomolec 
jedesmal  l)ei  der  Bearbeitung  gegebener  Moherischer  Ko- 
mödien leiten  Heß,  mehr  oder  weniger  schulpädagogischer, 
moralisieren'ler  Art  gewesen  sind,  werden  ^vir,  da  wir 
die  Cfrund.^ätze  der  jesuitischen  SchuMramatik  kennen, 
leicht  a  priori  erraten  können;  wie  eie  sich  jede:?mal  im 
einzelnen  gestalteten,  wird  im  weiteren  Verlaufe  meiner 
Untersuchungen  näher  erörtert  -werden  müssen,  ist  doch 
das  meiner  Meinung  nach  der  Schlüssel  zum  richtigen 
Verständnis  der  Bohomolecschen  Komödien.  Hier  interes- 
siert uns  ii\dessen  tine  andere  Frage,  nämlich,  welche 
Prinzipien  eigentlich  die  Wahl  der  zu  bearbeitenden 
^lolierischen  Komödien  bestimmten. 

Wir  können  uns  der  Beantwortung  der  Frage  auf 
negativem  Wege  nähern.  Bohomolec  hat  nicht  den 
«cAvare»,  nicht  den  «Tartuffe»,  nicht  den  *:Misantrope» 
übersetzt,  diese  Komödien  nicht  bearbeitet.  Freilich:  wir 
treöen  einige  Szenen  oder  Motive  aus  dem  «Avare»  in 
einem  anderen  Zusammenhange,  ferner  wird  —  wenn 
auch  ohne  Grund  —  behauptet,  daß  die  Gestalt  des 
«Tarluffe»  bei  Bohonoolec  in  nicht  von  Moliere  entlehnten 
Komödien  auftritt,  endlich  stanjmt  aus  dem  «Misan- 
trope»  einer  jener  neuen  Typen,  die  Bohomolec  in  die 
Galerie  seiner  «Natr^jtnicy»  aufgenommen  hat.  Aber 
das  sind  entweder  nur  vage  und  unbewiesene  Behaup- 
tungen oder  aber  unbedeutende  Einzelanleihen.  Als 
Ganzes  betrachtet  haben  jene  Werke  Bohomolec  nicht 
zur  Bearbeitung  gereizt.  Und  wenn  wir  auch  leicht  ein- 
sehen, daß  Komödien  wie  der  «Amphitryon»  oder  «Don 
Juan»  wegen  ihres  «heiklen»  Themas  aus  reinen  Schul- 
rücksichten für  eine  Umarbeitung  ungeeignet  waren,  so 
fragt  es  sich  doch,  welche  Schulrucksichten  gegen  eine 
passende  Umarbeitung  jener  drei  obengenannten  Komödien 
sprechen   konnten.      Im    Gegenteil,     man   sollte   glauben» 


188  Kapitel  111. 

daß  Geiz,  Heuchelei,  Misantbropie  moralische  Sünden  sind, 
oegcn  die  eine  Schul komödie  mit  Recht  hätte  auftreiten 
können,  und  Geiz,  Heuchelei,  Misanlhropie  sind  ja  gerade 
die  Sünden,  die  in  jenen  Komödien  ihren  ewig  gültigen 
Ausdruck  durch  des  Meisters  Kunst  gefunden  hatten.  Es 
waren  das  die  tiefsten  und  künstlerisch  gediegensten 
Komödien,  die  Moliere  geschrieben  hat,  Komödien,  die  fast 
ganz  von  jedem  farcenartigen  Element  frei  waren.  Hat 
Bohomolec  vielleicht  den  Wert  dieser  grandiosen  Charakter- 
studien nicht  einzusehen  vermocht?  Ich  konstatiere  vor- 
läufig bloß,  daß  Bohomolec  Molieres  «chefs-d'oeuvres» 
nicbt  berücksichtigt  hat. 

Was  hat  er  denn  dann  eigentlich  aus  dem  reichen 
Repertoire  des  großen  Meisters  herangezogen?  Die  Ant- 
wort ist  überraschend  genug  die,  daß  er  konsequent  Ko- 
mödien ausgewählt  hat,  in  denen  die  Intrige  auf  Kosten 
der  Charakterzeichnung  betont  war,  oder  Komödien,  deren 
Intrige  aus  dem  allgemeinen  Zusammenhang  ohne  be- 
sondere Schwierigkeit  herausgelöst  w^erden  konnte.  Wir 
sahen,  wie  er  aus  den  «Fourberies  de  Scapin»  die  Haupt- 
punkte der  Handlung  herausgriff  und  umgruppierte,  wie 
er  die  Handlung  des  «Monsieur  de  Pourceaugnac»,  des 
«Bourgeois-gentilhorame>,  des  «Etourdi»  benutzte,  wie  er 
das  Schema  der  «Fächeux»,  der  «Precieuses  ridicules», 
diM-  «Femmes  savantes»  für  seine  speziellen  Zwecke  nnzu- 
wenden  wußte,  wie  ihm  sogar  das  Schema  des  «Mariage 
force»  in  dieser  Beziehung  dienen  konnte.  Wir  sahen, 
wie  nur  solche  Handlungen  in  voller  Ausdehnung  polnisch 
wiedergegeben  wurden,  die  unmittelbar  in  der  Gestalt, 
wie  sie  bei  Moliere  vorlagen,  zur  Erreichung  jener  Ziele 
dienstbar  gemacht  werden  konnten,  und  wie  andere 
Handlungen  schonungslos  umgemodelt  und  umgebrochen 
wurden,  wenn  sie  sich  nicht  ohne  weiteres  den  besonderen 
Wünschen  des  Bearbeiters  fügten.  Wir  haben  sympto- 
matische Einschiebungen  festgestellt  —  die  eben  als  Fun- 
dament für  die  eigenen  Ideen  und  Tendenzen  des  Bearbei- 
ters zu  gelten  haben  — ,  ohne  vorläufig  diese  Ideen  und 


Bohoino'ec'  Veiliällnis  zu  Moli^re  189 

Tendenzen  näher  in  Augenschein  zu  nelimen.  Wir  haben 
weiter  den  Verdacht  aue^gesprochen,  daß  Jiohoniolcc  kein 
ästhetisches  Verständnis  für  Moliere  gehabt  haben  kann, 
und  sahen  ein  Zeugnis  dafür  in  der  Pietätlosigkeit,  mit 
der  Bohomolec  jedesmal  seine  utilitaristischen  Grundsätze 
und  Gesichtß])unkte  durchführte.  Keine  der  hier  behan- 
delten acht  Komödien  ist  eine  reine  Übersetzung  der 
Molierischen  Originale,  und  wenn  eine  solche  wegen  der 
Notwendigkeit,  die  Frauenrollen  zu  eliminieren,  von  vorn- 
herein unmöglich  war,  so  ist  doch  die  Art  und  Weise 
der  Umarbeitung  nicht  immer  durch  diese  Regel  bedingt, 
sondern  oft  willkürlich  und  gewaltsam.  Offenbare  Sinn- 
losigkeiten, sittlich  anfechtbare  Motivierungen  der  Hand- 
lung, psychologische  Inkonsequenzen,  nicht  selten  über- 
flüssige Einschiebungen  zeugen  davon,  Avie  ungeniert 
Bohomolec  an  Molieres  Werken  zerrte  und  riß,  sie  flickte 
und  ummodelte  und  in  bestimmte  Bahnen  zwang.  Ließ 
er  einen  Einakter  Molieres  («Le  mariage  force»)  einmal 
Einakter  bleiben,  so  wandelte  er  ein  andermal  einen 
solchen  («Les  precieuses  ridicules»)  kurz  und  gut  zu  einem 
Dreiakterum;  blieben  der  «Pourceaugnac»,  die  «Fächeux> 
dreiaktig  bei  ihm,  so  fand  er  es  wiederum  für  gut,  die 
«l'ourberies  de  Scapin»,  die  bei  Moliere  drei  Akte  haben, 
in  ein  fünfaktiges  Lustspiel  aufgehen  zu  lassen.  So 
haben  wir  bei  Bohomolec  statt  dreier  Fünfakter,  dreier 
Dreiakter  und  zweier  Einakter  --  vier  fünfaktige,  drei 
dreiaktige  und  nur  eine  einaktige  Komödie. 

Interessiert  sich  somit  Bohomolec  ausschließlich  für 
die  Molieriscbe  Intrige,  so  war  ihm  diese  doch  bei  weitem 
nicht  die  Hauptsache.  Sie  hatte  bei  ihm  nur  anderen 
Zwecken  zu  dienen.  Hauptsache  war  für  ihn  der  Satz  oder 
die  Tendenz,  die  durch  die  entlehnten  Intrigen  veran- 
schaulicht werden  sollten.  Ohne  der  folgenden  Unter- 
suchung vorgreifen  zu  wollen,  kann  ich  schon  hier  die 
Tatsache  berühren,  daß  er  aus  dem  «Eiourdi»,  dem 
«Bourgeois-gentilhomme»  Komödien  gemacht  hat,  die 
gegen    individuelle    Jugendsünden    ankämpfen,    dnß 


120  Kapitel  11 1. 

die  ÜDiformung   der    «Fourbories   de  Scapin»    teils  gegen 
eine  ähnliche  Jugendsünde  gerichtet  ist,  teils  aber  —  und 
zwar  zusammen   mit  den  umgearbeiteten  «Precieuses  ridi- 
cules»    und    «Femmes   savantes»    —  zu  jenen  Komödien 
gehört,    deren  Aufgabe   es    ist,   soziale  Jugendsünden 
zu  verspotten.    Dem  Inhalt  nach  gehört  zu  diesen  beiden 
Typen  die  Komödie   «NatrQtnicy>^    die  uns  sowohl  junge 
Menschen  mit  individuellen  Fehlern,  wie  auch  solche  mit 
allgemeingesellschaftlichen  Fehlern  vorführt;  der  äußeren 
Form    nach    ist   diese  Komödie    eher  eine  gegen  typische 
Alters  Sünden  gerichtete  Komödie    und    als    solche  mit 
dem    umgearbeiteten    «Monsieur    de    Pourceaugnac»    und 
dem   «Mariage  force»   zusammenzustellen.     Moliere  fiel  es 
natürlich  niemals  ein,  seine  Komödien  auf  eine  derartige 
Weise   zu    klassifizieren,    für  Bohomolec,    den  jesuitischen     l 
Komödiendichter,    war   das   aber   eine    Selbstverständlich- 
keit,   und    so     suchte    er     bei    jenem    fertige    Intrigen, 
die    unter    einen    der    obenangedeuteten    Gesichtspunkte 
gebracht    werden    konnten,    nicht    aber  Charaktere,    nicht 
jene    allgemein  menschlichen,    von   Altersrücksichten    na- 
türlich    ganz     freien,     abstrakten     Charaktertypen,     deren 
erster  Schöpfer  eben  Moliere  für  uns  geworden   ist.     Das 
Verhältnis     zwischen     Charakter     und     moralischer    Be- 
deutung der  jeweiligen  Komödie  ist  bei  dem  französischen 
Meister  und  seinem  polnischen  Bearbeiter  ein  diametral 
entgegengesetztes:    floß    für   jenen   aus    dem   komisch 
gezeichneten  Charakter    eine    abstrakte  Lehre,   so  war  die 
praktische  Moral  für  diesen  die  psychologische  Entstehungs- 
quelle eines  Charakters,  und  die  Art  der  Lehre  war  ihm 
bestimmend    für    die    Zeichnung    der   eventuellen   Typen. 
Die    Intrige    aber,    die    bei    wem    auch    immer    geliehen 
werden  konnte,  sollte  ein  Beweis,  eine   demonstratio  sein. 
Und   so    gewinnen  wir    auch   das   rechte  Verständnis 
für    die    zweite    Tatsache,    die    die    Untersuchung    von 
Bohomolec'   Verhältnis   zu    Moliere    ergibt.     Suchte  Boho- 
molec bei  Moliere  vornehmlich  die  komische  Intrige,   die 
ihm    den    Darstellungsprozeß    erleichtern    sollte,    so    war 


Bohnmolec'  Verhailnis  zu  Moliere.  191 

es  klar,  daß  er  bei  ihm  auch  koujisohe  Eiiizclzüge, 
komische  Einzehnotive  Huchon  mußte,  dnß  er  sie  nelimen 
raußt*^,  wo  er  sie  fand.  Und  er  fand  sie  überall.  Er 
fand  ßie  auch  in  Charakterkomödien,  die  er  der  Um- 
arbeitung nicht  wert  gefunden  hatte,  im  «Avare»,  im 
«Tartuffe»,  im  «Mi.santrope»,  sogar  im  «Don  Junn^.  Er 
exzerpierte  diese  Komödien,  er  kannte  sie  ausgezeichnet, 
er  wußte  immer,  wo  eine  komische  Stelle,  die  in  seinen 
Zusammenhang  passen  konnte,  zu  finden  war,  er  raubte 
bei  Moliere  alles,  was  komisch  war,  um  es  bald  hier,  bald 
da  anzuwenden;  in  dieser  Hinsicht  war  ihm  Moliere  eine 
schi'-r  uner.-chöpfliche  Quelle.  Bolionjolec  verstand  die 
Komik  Molieres  zu  werten,  wenn  er  auch  nicht  seine 
große  psychologische  und  ästhetische  Bedeutung  zu  er- 
fassen vermochte.  Er  lernte  bei  ihm  nicht,  wie  man 
Handlungen  erfindet,  wie  man  Charaktere  schafft,  wie  man 
Charaktere  in  ein  Milieu  hineinstellt.  Er  lernte  bei  ihm 
die  Kunst  der  Detailkomik,  die  Komik  der  Intrige,  den  ko- 
mischen Dialog,  und  so  erklärt  es  sich  denn  schließlich 
auch,  wie  es  kommt,  daß  Bohomolec'  Komödien,  als  Ganzes 
betrachtet,  unendlich  langweilig  sind,  während  einzelne 
Züge,  einzelne  Situationen,  einzelne  Repliken  und  Gespräche 
wirklich  komisch  sind,  wirklich  interessieren. 


192 


Kapitel  IV. 

Sonstige  Quellenverhältnisse  bei 
Bohomolec. 

Wie  ich  schon  in  den  Kapiteln  über  die  Plautinischen 
und  Moherischen  Quellen  der  Komödien  des  Paters  Boho- 
molec gehend  gemacht  habe,  hissen  sich  Bohomolec' 
Quellen  nur  mit  Schwierigkeit  im  Einzelfalle  nachweisen. 
Verhältnismäßig  leicht  gestaltete  sich  die  Untersuchung, 
solange  die  Rede  von  Plautus  und  Moliere  war,  denn 
einerseits  wird  der  Forscher  ganz  automatisch  durch  den 
Titel  der  «Bliznieta»  zur  Vermutung  geführt,  daß  dieser 
und  damit  vielleicht  auch  anderen  Komödien  eine  Plautus- 
komödie  zugrunde  liegt,  andererseits  sind  die  Komödien 
eines  Moliere  so  sehr  Allgemeingut  des  Gebildeten,  daß 
die  Abhängigkeit  gewisser  Bohomolecscher  Komödien  von 
Moherischen  Vorlagen  schon  bei  der  Lektüre  als  wahr- 
scheinlich erscheint.  Anders  liegt  die  Sache,  wenn  es  gilt, 
Quellen  zu  finden,  zu  denen  keine  sichtbare  Spur  zu  leiten 
scheint,  wenn  vom  Forscher  das  Unmögliche  gefordert 
wird :  die  ganze  Komödienliteratur  seit  Moliere  bis  zur 
Mitte  des  18.  Jahrhunderts  vor  Augen  zu  haben.  Es  ist 
das  zudem  eine  Aufgabe,  die  durch  die  schon  charakte- 
risierte Weise  der  Entformung  der  Vorlagen,  die  Bohomolec 
auszeichnet,  erheblich  erschwert  wird.  Wie  soll  man  in 
der  Tat  die  einzelnen  Quellen  ausfindig  machen,  wenn 
man  gewärtig  sein  muß,  daß  hinter  jeder  männlichen 
Person,  die  beim  Verfasser  auftritt,  sich  ursprünglich 
eine   weibliche   versteckt,   wenn   Freundschaftsverhältnisse 


Sonstige  Quellcnverhältnisse  bei  Bohomolec.  193 

Liebesverhältnisse  gewesen  sein  können,  wenn  Neben- 
persoaen  einer  eventuellen  Vorlage  in  der  Bearbeitung 
zu  Hauptpersonen  erhoben  sein  können,  wenn  handelnde 
Pertonen  der  Vorlage  ganz  in  der  Bearbeitung  ausge8chalt*;t 
.sein  können,  wenn  endlich  von  der  Vorlage  nur  das 
Schema,  vielleicht  sogar  nur  die  Exposition  erhalten 
und  eine  Schulkomödie  eine  Kontamination  mehrerer 
anderer  sein  kann?  Auch  den  gründlich.sten  Kenner  der 
Komödienliteratur  Europas  im  18.  Jahrhundert  kann  zu- 
weilen nur  ein  glücklicher  Zufall  zum  Ziele  seiner  For- 
schungen leiten. 

Wenn  ich  in  diesem  Kapitel  die  «sonstigen», 
d.  h.  nicht  klassischen  und  nicht- Molierischen  Quellenver- 
hältnisse bei  Bohomolec  zu  ergründen  suche,  weise  ich 
von  vornherein  die  Forderung  nach  Vollständigkeit  ab. 
Ich  werde  zwar  Namen  und  Tatsachen  anführen,  die 
bisher  sehr  wenig  berücksichtigt  worden  sind,  Tatsachen 
wie  die  italienische  Commedia  dell'arte  in  ihrer  heimischen 
und  französischen  Form,  Namen  wie  Goldoni,  Corneille, 
Destouches,  de  Brueys,  Regnard,  Lesage,  de  Barante,  do 
Fatouville,  Holberg  usw.,  Namen  und  Tatsachen,  die  einen 
guten  Teil  der  französischen,  italienischen,  sogar  dänischen 
Komödienliteratur  des  18.  Jahrhunderts  umspannen.  Ich 
bin  aber  nicht  imstande,  für  jede  Komödie  Bohomolec' 
die  Quelle  mit  Sicherheit  anzugeben.  Vermutungen  und 
Hypothesen  sind  hier  unumgänglich. 

Was  verdankt  Bohomolec  Goldoni^  in  dessen  Vater 
land  er  ja  mehrere  Jahre  zugebracht  hatte,  dessen  Komö- 
dien   er   somit   zum    Teil    kennen    mußte?     Wie   Moliere 


1  Ich  benutze  die  Gelegenheit,  um  auf  folgende,  mir  bekannten 
polnischen  Versionen  einiger  Goldonischen  Stücke  zu  verweisen: 
aus  den  siebziger  Jahren  des  18.  Jahrhunderts  stanunen  drei 
Übersetzungen,  die  ich  in  einer  Handschrift  der  Jagellonischen 
Bibliothek  zu  Krakau  (Ms.  250)  gefunden  habe;  es  sind  das  eine 
anonyme  Übersetzung  der  «Vedova  scaJtra»  («Panna  rozumna^»), 
etwas  polonisiert,  und  eine  stark  polonisierte  Übersetzung 
<ler  vvMoglie  saggia»  (;<Zona  poczciwa^>),  die  von  einem,  gewissen 
Stender-Petersen  ,  Die  Schulkomödien.  13 


ly4  Kapitel  IV. 

und  Plautu3,  so  verdankt  er  auch  ihm  gewisse  Handlungen, 
Persouenkonstellationen,  Intrigen  und  Situationen^,  die 
er  als  Material  für  seine  Komödien  benutzen  konnte. 

Wenn  wir  die  (im  Anhange  gegebene)  Analyse  der 
Komödie  «Ubogi  hardy»  näher  untersuchen,  um  der 
eventuellen  Quelle  auf  die  Spur  zu  kommen,  fallen  uns 
sofort  gewisse  Einzelheiten  in  die  Augen,  die  deutlich 
darauf  hinweisen,  daß  die  Komödie  keine  einheitliche 
Schöpfung  unseres  Verfassers  sein  kann,  sondern  freniden 
(oder  doch  zum  Teil  fremden)  Ursprunges  sein  muß.  Die 
einzelnen  Figuren  wecken  a  priori  den  Verdacht,  daß 
sie  aus  mehreren  anderen  zusammengeschmolzen  sind. 
Vor  allen  Dingen  ist  die  Gestalt  oder  —  richtiger  —  die 
Rolle  Leopolds  eine  zwitterhafte:  er  nimmt  sich  so 
sehr  des  Glückes  oder  Unglückes  seiner  (natürlich 
nicht  auf  der  Bühne  erscheinenden)  Schwester  und  ihres 
Geliebten,  der  als  sein  intimer  Freund  präsentiert  wird, 
an,  daß  man  den  bestimmten  Eindruck  erhält,  er  müsse 
ursprünglich  diese  Schwester  selbst  gewesen  sein.  Dem 
hochmütigen  Rudolf,  gleichfalls  einem  Anwärter  auf  die 
Hand  seiner  Schwester,  und  dessen  Prahlereien  gegenüber 
verhält  er  sich  aber  zugleich  so  demütig  und  ehrerbietig, 
daß  man  wiederum  zweifelt,  ob  ein  sozial  gleichgestellter 
Mann  sich  eine  derartige  Behandlung,  wie  die,  die  Robert 
ihm  zukommen  läßt,  wirklich  so  still  hinnehmen  würde, 
d.  h.  man  fragt  sich,  ob  sich  nicht  hinter  der  Maske  des 


Tadeusz  Lipski,  bekanntlich  Kastellan  in  LQCzyca  und  mehr- 
maligem Deputierten,  herstammt.  Von  demselben  stammt  eine 
andere  in  jenes  Manuskript  aufgenommene  Überse  zimg  einer  un- 
bekannten, aber  sicher  auch  italienischen  Komödie  («Maz  pocz- 
ciwy»).  Aiißerdem  erschien  1779  eine  von  F.  Dsnochowski  be- 
sorgte Übersetzung  des  «L'a\^ocato  veneziano»  («Mecenas  pocz- 
ciwy;)),  1781  eine  vcn  einem  Fräulein  Maliszewska  verfertigte 
übe'rsetzung  des  «L'amante  militare»  («Milosc  zolnierska»)  und 
1785  eine  anonyme  Übe'rsetzung  dos  «Burbero  benefico»  («Dziwak 
dob'roczynny»). 

2  f;iji  aus  den  '<Due  gemelli  veneziani  >  entlehntes  Mo:iv  habe 
ich  schon  oben  S.   101  ff.  nachgewiesen. 


II 


Sonslige  Quellen  Verhältnisse  bei  Bobomolec.  r.»5 

Sohnos  irgendeine  zweite,    Fozial  irgendwie  untergeordnete 
Person  verberge.     Einen   ähnlichen  Kindruck   erlmlt  man 
von    der  Rc»lle  Wilhelm.«,    des    alten  Hausdieners;    ist   er 
der  Vater  eines  Mädchens,  das  —  wie  Boljomolec  will  — 
mit  der  Tochter  Anzelms  verwechselt  wird,  oder  ist  er  gar 
ursprünglicli    dieses    Mädchen    selbst?     Und    wie   kommt 
es,  daß  Anzelm  anfänglich  als  bornierter  Greis  ersclieint, 
mit   dem    man    (der   eigene  Sohn)    kaum    menschlich    zu 
verhandeln    wagt,     später    aber    als    ein    kluger,    ehrlich 
denkender  Herr,    der    sich    eine   geistreiche    Mystifikation 
mit  Rudolf,   dem    dritten  Freier,    erlaubt?     Ist  an  dieser 
Inkonsequenz  vielleicht  jener  Umstand  schuld,  daß  Boho- 
molec   das  Gespräch   des  Vaters  mit  dem  Sohne  willkür- 
lich aus  einem   anderen  Zusammenhange  herauslöste  (wie 
wir  sahen   —   :ius    einer    ^lolierischen    Komödie)   und    an 
eine  Handlung   anklebte,   deren  Quelle  nichts  von  einem 
solchen    rechthaberischen    Alten    Avußte?      Warum    heißt 
weiter  die  Bohomolecsche  Komödie  «Ubogi  hardy^,  wenn 
neben    dem  Titelhelden   ein  anderer,   ebenso  scharf  (oder 
ebensowenig  scharf)  gezeichneter  komischer  Typus  auftritt  ? 

Mit  solchen  Fragen  muß  man  in  der  Tat  jedesmal 
an  Bohomolec'  Komödien  herantreten,  wenn  man  bisher 
unbekannte  und  sich  nicht  von  selbst  ergebende  Quellen 
ausfindig  machen  will:  man  muß  mit  anderen  Worten 
immer  damit  rechnen,  daß  man  es  bei  Bohomolec  mit 
bis  7Air  Unkenntlichkeit  umgestalteten  Stoffen,  mit  höchst 
merkwürdigen  Umgruppierungen  der  handelnden  Personen 
zu  tun  hat. 

In  diesem  Falle  erweisen  sich  alle  Fragen  leicht  ge- 
löst,   sobald   wir    annehmen,   daß   die   eigentliche    Quelle 
der  Bohomolecschen  Komödie  Goldonis  1751  erschienene 
dreiaktige  Komödie  «La  Castalda»  (resp.  «LaGastalda^)  ist. 
n  kurzen  Worten  ist  der  In  halt  dieser  Komödie  folgender.^ 

3  Ich  zitiere  hier  und  im  folgenden  nach  der  Ausgabe  «Le 
commedie  del  Signof  Ax-vocato  Carlo  Goldoni  Veneziauo  fra 
gli  Arcadi  Polisseno  Fegejo»,  seconda  edizione,  Bologna  MDCCLIII 
(und  folg.),  Bd.  I  ff . 

13* 


196  Kapitel  IV. 

(Akt  I)  Corallina,  dio  castalda  (Haushälterin)  des  vene- 
zianischen Kaufmannes  Pantalone  de'  Bisognosi,  bewirtet  Ar- 
lecchino, den  hmigingen  Diener  des  stolzen,  aber  -armen  («povero 
e  superbo»)  conte  Ottavio  (Sz.  1).  —  Da  erscheint  dieser  und 
jagt  den  Diener  nach  Hausf^  (Sz.  2).  —  Der  Corallina  klagt 
Ottavio,  daß  er  nun  lange  auf  seine  «cioccolata»  werde  warten 
müssen,  und  Co"rallina  bietet  ihm  an,  ihre  Schokolade  zu  ver- 
suchen (Sz.  3).  —  Wählend  sie  das  Nötige  anordnet,  klagt  der 
A'rme  in  einem  kurzen  Monologe  seinen  Hunger  (Sz.  4).  — 
Co"rallina  serviert  ihm  die  Schokolade,  die  er  zwar  kritisiert, 
aber  trinkt.  Mit  der  Zusicherung  seiner  «Protektion»  verläßt 
el"  sie  (Sz.  5).  —  Corallina  aber  macht  ihre  Reflexionen  über 
den  armen  Kauz  (Sz.  6).  —  Sie  spricht  mit  dem  in  sie  ver- 
liebten Diener  Frangiotto  über  Zukunftspläne  betreffs  des  alten 
Pnintalono  (Sz,  7).  —  Dem  Pantalone  sucht  sie  die  Hei'rats- 
giillen  aais  dem  Kopfe  zu  schlagen  und  offenbart  dabei  ihre 
Macht  über  den  Alten  (Sz.  8).  —  Pantalone  hat  aber  sein  Auge 
aiuf  die  Haushälterin  geworfen  (Sz.  9).  —  Mit  der  Nichte  Ro- 
saura spricht  er  über  ihre  eventuelle  Verheiratung,  wobei  der 
von  ihr  genannte  Signor  Florindo  wegen  seiner  «poche  intrae» 
nicht  ganz  nach  seinem  Geschmacke  ist  (Sz.  10).  —  Brighella 
meldet  die  Ankunft  seiner  Herrin  Beatrice  «in  compagnia 
deirillustrissimo  Sior  Lelio»  a»  (Sz.  11).  —  Pantalone  findet, 
daß  Lelio  ein  passender  Bräutigam  für  Rosaura  ist  (Sz,  12).  — 
Corallina  meldet  zu  Pantalones  großer  Unzufriedenheit  einen 
neuen  Besucher,  Signor  Florindo  an  (Sz.  13).  —  Zugleich 
meldet  Frangiotto  einen  dritten  Besuch  an :  Ottavio  (Sz,  14).  — 

(Akt  II)  Rosaura  sagt  der  Freundin  Beatrice,  daß  sie  sich 
nicht  um  Lelios  Verliebtheit  kümmere,  da  sie  Florindo  liebe 
(Sz.  1).  —  Als  Lelio  auftritt,  bezeichnet  Rosaura  sich  als  «uiia 
vostra  umilissima  serva»,  Lelio  glaubt,  sie  sei  die  Dienerin  des 
Hauses,  in  welchem  Glauben  er  von  beiden  belassen  wird 
(Sz.  2).  —  Corallina  wird  von  Beatrice  unterrichtet,  daß  sie 
sich  für  Rosaura  ausgeben  solle  (Sz,  3 — 4).  —  Lelio  macht 
gleich  der  eintretenden  Corallina  ein  verblümtes  Liebesbekennt- 
nis und  entweicht  vor  ihren  «dolce  spine»  (Sz.  5).  —  Corallina 
fürchtet  in  Beatrice  eine  Rivalin  um  die  Liebe  des  alten  Pan- 
talone, da  Beatrice  auch  eine  «vedova^  ist,  und  es  kommt  zu 
(ünem  offenen  Streite  zwischen  beiden  (Sz.  6).  —  Beatrice  ist 
empört  über  die  Impertinenz  der  «castalda»  (Sz.  7).  —  Florindo 
erzählt  Rosaura,  daß  er  nunmehr  seinen  Prozeß  gewonnen  habe 
und  jetzt  um  ihre  Hand  anhalten  dürfe;  sie  fordert  ihn  auf, 
gleich  mit  ilirera  Onkel  zu  reden  (Sz.  8).  —  Aber  Lelio  kommt 
ihm  zuvor:  auf  seine  zeremoniöse  Weise  bittet  er  ihn  um  die 


Sonstige  Quellenvdhältni.sse  bei  Bohomolec.  197 

Ikmd  soinctT  Nichte,  deren  Einwilligiuig  er  schon  erhalten  habe», 
aiif  eine  Mitgift  rechne  er  nicht.  Pantalone  hat  unter  solchen 
Umständen  ni<-hts  einzuwenden  (Sz.  9).  —  Rosaura,  die  keine 
Almoiig  davon  hat,  daß  ilir  Onkel  Lelio  meinen  konnte,  spricht 
ihm  ihre  Dankbarkeit  dafür  aus,  daß  er  sie  mit  dem  Geliebten 
vcrljeiraten  wolle  (Sz.  10).  —  Als  aber  Florindo  Ihm  auch  danken 
will,  klärt  sich  das  Mißverständnis  auf  zu  der  beiden  Liebenden 
peinlichster  ('berraschung  (Sz.  11).  —  Corallina  kommt  da- 
zwischen luid  verlangt,  mit  Pantalone  unter  vier  Augen  zvt 
sprecheji  (Sz.  12).  —  Sie  fordert  ihren  Abschied,  weim  Panta- 
lone sich  wirklich  wie-der  verheiraten  will,  da  läßt  er  sie  ver- 
stehen, daß  sie  seine  Auserkorene  sei  (Sz.  13).  —  Corallina  fühlt 
sich  als  HeiTin  des  Hauses   (14).  — 

(Akt  III)  Corallina,  die  nun  ihr  Schäfchen  im  Trockenen 
hat,  gibt  d'^ni  erstaunten  F'rajigiotto  den  Laufpaß  (Sz.  1).  — • 
Ottavio  tritt  mit  seinem  Diener  Arlecchino  auf,  er  möchte  bei 
Pantalone  vq>ranzare»,  Corallina  solle  dafür  sorgen,  daß  /da.s 
Mittagessen  beschleunigt  werde,  sie  aber  will  als  Herrin  des 
Hauses  'den  Besuchen  des  Schmarotzers  ein  Ende  setzen  (Sz.  2). 

—  Ottavio  imd  Arlecchino  freuen  sich  auf  das  opulente  Mittags- 
mahl (Sz.  3).  —  Aber  Corallina  kommt  aus  der  Küche  mit  dem 
Bescheide  zurück,  daß  das  Essen  ganz  venmglückt  sei,  und  daß 
sie  lieber  verschwinden  sollten.  Ottavio  antwortet  mit  einer 
großartigen  Geste:  er  sendet  Arlecchino  nach  Hause,  damit  er 
dort  ein  reiches  Mahl  arrangiere,  und  bittet  Corallina,  Pantalone 
und  die  ganze  Gesellschaft  zu  ihm  einzuladen  (Sz.  4).  —  Ro- 
saura fleht  Corallina  um  ihre  Hilfe  an,  die  ihr  versprochen  wird 
(Sz.  5).  —  Beatrice  nähert  sich  Pantalone  und  sucht,  ihn  gegen 
die  «castalda»  zu  stimmen,  um  ihm  selbst  einen  Heiratsantrag 
zu  machen,  Pantalone  hört  ihr  nicht  ohne  Interesse  zu  (Sz.  6). 

—  Da  erscheint  Corallina,  es  entspinnt  sich  eine  amüsante  Kon- 
kurrenz zwischen  den  beiden,  die  damit  schließt,  daß  Pantalone 
sich  endgültig  für  Corallina  entscheidet  (Sz.  7).  —  Lelio  trifft 
nun  mit  der  Corallina  m  Pantalones  Gegenwart  zusammen,  und 
da  er  sie  als  dessen  Tochter  behandelt,  löst  sich  das  Quiproquo 
auf  (Sz.  8).  —  Rosaura,  ^ie  echte,  tritt  auf,  und  Lelio,  der  auf 
die  «castalda»  keine  Ansprüche  erheben  kann,  bittet  (Um  die 
Hand  Rosauras,  aber  Corallina  läßt  sich  von  Piantalone  za 
seiner  Gemahlin  erklären  und  schlägt  in  dieser  Eigenschaft 
Lelios  Freite  ab  (Sz.  9).  —  Statt  dessen  erhält  Florindo  die 
Hand  der  Geliebten  (Sz.   10). 

Ein  vergleichender  Blick  auf  die  Analyse  der  Goldoni- 
schen  Komödie  und  auf  die  im  Anhang  gegebene*  Reka- 

*  Vgl.  die  Analyse  der  polnischen  Komödie  S.  413  ff.  im  Anhang. 


198  Kapitel  IV. 

pitulation  der  polnischen  Komödie  überzeugt  uns  davon, 
daß  wir  es  liier  faktisch  mit  einer  Bearbeitung  oiler 
—  besser  —  Benutzung  der  erstgenannten  durch  Bohü> 
molec  zu  tun  haben.  Die  Titelheldin,  die  «castalda» 
Corallina  ist  natürlich  eliminiert,  aber  ihre,  bei  Bohomolec 
bedeutend  verkürzte  Rolle  spielt  in  der  pohii^chen  Bear- 
beitung der  alle  Diener  Wilhelm  resp.  seine  nicht  auf  der 
Szene  erscheinende  Tochter.  Pantalone  und  Anzelm, 
Ottavio  und  Rudolf,  Lelio  und  Dorant  sind  miteinander 
identisch,  ebenso  Florindo  und  Leander,  Arlecchino  und 
Johnn.  Rosaura  erkennen  wir  im  Leopold  Avieder,  während 
Beatrice  ausgeschieden  und  teilweise  durch  Leopold  ersetzt 
wird,  der  auch  Corallina  ein  paarmal  vertritt.  Halten 
wir  uns  die.-?  alles  vor  Augen,  so  fällt  es  uns  nicht  schwer, 
in  der  polnischen  Komödie  eine  Bearbeitung  der  italie- 
nischen zu  erkennen. 

Eine  Übersetzung  des  Originals  ist  sie  vor  allen  Dingen 
nicht.  Bohomolec  hat  eigentlich  nur  das  Kanevas,  die  all- 
gemeine Situation  bei  Goldoni  genommen,  diese  Situation 
in  gewissen  Punkten  nach  eigenem  Gutdünken  veriuidert 
und  nur  die  Goldunischcn  Szenen  wörtlich  übernommen, 
die  mit  dem  so  veränderten  Schema  einigermaßen  har- 
monierten. Ausgeschieden  war  das  zentrale  Motiv  der 
Goldonischen  Komödie,  nämlich  Corallinas  Kampf  um  die 
Gunst  dos  alten  Pantalone;  ins  Zentrum  unserer  Aufmerk- 
samkeit schob  aber  Bohomolec  die  Frage  der  Verheiratung 
der  (bei  ihm  abwesenden)  Uoriaura,  der  Nichte  Pantalones 
resp.  der  Tochter  Anzelms,  und  den  aus  der  Goldoni- 
schen Komödie  entnommenen  beiden  Freiern  Florindo- 
Leander  und  Lelio-Dorant  wurde  auch  noch  der  «povero 
e  Euperbo»  («Ubogi  hardy»)  Ottavio-Rudolf  an  die  Seite 
gestellt  und  durch  den  Titel  in  den  Vordergrund  des  In- 
teresses geschoben.  Diese  Veränderungen  bringen  es  natürlich 
mit  sich,  daß  de  facto  nur  zwischen  den  beiden  ersten  Akten 
eine  gewisse  Analogie  herrscht,  die  darauf  beruht,  daß  Co- 
rallinas Wünsche  und  Ziele  in  Goldonis  erstem  Akte  noch 
nicht    den    Raum  einnehmen,    wie    in    seinen    folgenden. 


j 


Sonstige  Quellen rerhällnisse  hei  Bohomolec.  190 

Vergleichen   ^Yi^    tue  Szenen    (Gold.   I,   1  —  5,    I,    11, 
II,  2—4,  III,  2,  III,  8  =  Boh.  1, 2  ~  4, 1,  5, 1, 6,  II,  3.  III,  4), 

die  bei  unsern  Dichtern  einander  parallel  laufen,  so  können 
wir  zuweilen  eine  wörtliche  i'bereinstimnuing  fe.>5tstellen. 
Nachdem  die  Handlung  mit  einer  —  wie  wir  gesellen 
haben  —  Moliereschen  Szene ^  zwischen  Vater  und  Sohn, 
die  über  die  Verheiratung  der  Tochter  des  Hauses  ver- 
handehi,  eröffnet  worden  ist,  wobei  der  Vater  wie  Pan- 
talone  (1,10),  nur  niit  größerem  Nachdrucke,  die  Ver- 
mählung des  Mädchens  mit  einem  Ungeliebten  wünscht, 
beginnen  mit  dem  zweiten  Auftritte  die  faktischen  Über- 
einstimmungen. Da  wie  dort  erscheint  zuerst  der  Diener 
des  hochmütigen  Hungerleiders,  um  einen  Bissen  für 
seinen  hungrigen  Magen  zu  ergattern,  da  wie  dort  wird  er 
von  seinem  dazwischenkommenden  Herrn  nach  Hause  gejagt : 
G  0 1  d  o  n  i  I,  2 :  :    B  o  h  o  m  o  1  e  c  I,  3 : 

OTT:   Presto,  va  al  mio  Palazzo   i    RLD:  Idz   mi   zaraz    do    Paincu 


a  spazzar  le  camere! 
ARL:  Oh,  che  fumol 

OTT:    ComeV 


iiiego! 
LEO:    Do    Palacu?     Ach,    iakie 

wialry  w  ^rlowie! 
RU.i:   Jak? 

ARL:  -t^on  la  sente?  El  bugado.    ;    LEO:   M6\vi^,  ze  wiatr  na  glow^ 

I  zawiewa. 

Mit  denselben  Worten  klagt  dann  Rudolf  wie  der  <conte^, 
daß  es  lange  dauern  werde,  bis  sein  Morgentrank  bereitet 
sein  wird.  Wir  verstehen  nunmehr,  warum  Leopold  ihm 
gegenüber  so  unterwürfig  ist:  seine  Vergangenheit  bei 
Goldoni  zwingt  ihn  dazu,  dem  ursprünglichen  italienischen 
Grafen  dieselbe  Unterwürfigkeit  zu  zeigen,  die  Corallina 
als  einfacher  «castalda>  ganz  natürlich  fallen  mußte. 
Bohomolec  motiviert  nachträglich  diesen  unerwarteten  Zug 
damit,  daß  der  artige  Sohn  seinen  Vater  nicht  durch 
schrofie  Behandlung  seines  Proteges  erzürnen  will: 
OTT:  .  .  .  S'alza,  se  ne  va,  e  nii  \  RUD:  ...  Co  za  bieda!  Oto  y 
pjanta  senza  darmi  neni-  i  dzisiay   ieszcze   mi    dotad 


meno  la  cioccolata. 
COR :   La  farä ;  e  ancora  presto. 

^  V-l.  oben  S.  183. 


kawy  nie  zgotowaL  a  bez 
kawy  zyc-  nie  mog^. 


3U0 


Kapitel  IV. 


OTT:  Qucsta  6  Tora^  chio  la 
preivJo.  La  sera  non  ceno; 
se  tardo  a  prenderla,  mi 
si  illanguidisce  lo  stomaco. 

GOR:   Se  coüianda,  che  la  servo   j    LEO 
io.  la  servo  subito. 

OTT:   Bricrone!  Non  averä  nem-   j   RUD: 
nieno  acceso  il  fuoco.  Non 
sarä  a  tempo  la  cioccolata 
nemmeno  da  qui   ad  una 
ora  .  .  . 

COR:  Via,  Signore,  che  serve; 
se  la  vuole,  la  cioccolat- 
tiera  ä  al  fuoco;  presto, 
presto  si   fa. 

OTT:    Via;  giacche  e  pronta,  la   i   RUD; 
bererö  qui.  i 


To  ia  kaz^  dia  Waszmoöc 
Pana  daö  kawy. 
Teraz  ie.^zcze  poszedl   do 
Patacu.   Nim  i^  zgoluie  . . . 


LEO:   Ale  na  co  on  nia  gotowaö, 
kiedy  u  mnie  iest  gotowa? 


Kiedy  iest  gotowa,  to  siQ 
mog^  tu  iey  napic. 

Rudolf  prahlt  im  folgenden  auf  eine  Weise,  die  Goldoni 

nicht  kennt:  er  behauptet,  nur  türkischen  Kaffee  zu  trinken, 

sogar  sein  Pferd  werde  damit  getränkt;  Schokolade  dagegen 

trinke  er  nur  zweimal  täglich,  weil  sie  ihn  erhitze.    Darauf 

behauptet   er   wie  Ottavio    («.  .  .  Quando   dico    io,    che   e 

buona,  posßono  star  sicuri,  che  e  tale>),  daß  er  ein  Kenner 

von  Kaffee  sei: 

«2aden  na  niey  (kawie)  znaö  siq  lepiey  ^ade  mnie  nie 
moze.    Kiedy  ia  pochwal^,  rausi  byc  dobra.» 

Wie  Ottavio  kritisiert  er  dann  den  Kaffee,  der  ihm  ge- 
reicht wnrd,  obgleich  Leopold  ihn  versichert,  daß  er  von 
der  besten  Qualität  sei;  durch  ein  Wort  Leopolds  gekränkt, 
verläßt  ihn  Rudolf  mit  diesen,  von  Ottavio  stammenden 
stolzen  Worten : 

«Trzeba  wiedziec,  iak  godnych  ludzi  szanowaö  y  poznad 
lepiey,  kto  ia  ieste m.» 

(Vgl.  «Ck)lle  persone  delLa  mia  condizione  si  parla  cou 
rispotfo    .  .  .     Finalmente    son    chi    sono.») 

Mit  Überspringung  der  letzten  Szenen  des  ersten  Aktes 
bei  Goldoni  hat  Bohomolec  schon  gleich  im  ersten  Akte 
den  bei  jenem  erst  11,2  auftretenden,  lächerlichen  Dorant- 
Lelio  erscheinen  lassen.  Dieser  Goldonischen  Gestalt  hat 
Bohomolec  einige  Züge  des  Molierischen  Thomas  Diafoirus 


Sonstii,'e  QuellenverhJiltnisse  hei  Bohoinoloc.  201 

verliehen,    indem  er  ilui   mit  el)enso  langen  Tinwlen   uiid 

mit  ähnliclien  Pedantenmanieren  auf  die  Bildfliiehe   treten 

ließ.     Bei  Goldoni  ist  er  nur  ein    corieinale  ridioolo»,  bei 

l-5ohomolec    daget^en     wird     er    als     al)st)lut    dumm,     al» 

«bogaty  w  pienii^dze,  ale  w  rozum  ubogi»  charakterisiert. 

Der  Umstand,  der  Bohomolec  die  Idee  eiiiL^fgehen  haben 

kann,  aus  dem  närrischen  Lelio  einen  Pedanten  zu  machen 

—    welcher    Umstand    übrigens    merkwürdig    von    seinem 

nicht- «gelehrten»  Stande  absticht  (er  ist   «kawaler>,   nicht 

etwa  «gu Werner 5)  — ,  ist  wahrscheinlich  der  gewesen,  daß 

Lelio  bei  Goldoni  wirklich  in   einem    preziösen,    nicht   so 

sohr   rhetorischen,   als  vielmehr  poetischen  Stile   spricht. 

Wenn  er  ferner   bei  Bohomolec   sagt,    er    habe    zwar    die 

Tochter  Anzelms  nicht  selbst  gesehen,  aber  sei  von  einem 

ausgesandten  Spion  über  ihre  Reize  unterrichtet  worden; 

«Jcszczo   nie  oczy  iiie   delineowaly   fignry   tey  damy,   iod- 

nakze  triangut  serca  moicgo  ina  sobie  za  centruni  iey  pi^knosO. 

Z   oycowskiey  pi^knoäci    s^dzQ  o  piQknosci   cörki.    ,Non  proctil 

a  proprio  J)oma  stipite  cadunt.*    A  do  tego  —  sit  fas   mihi  di- 

cere  verum  —  ia  pienvey,  nim  siQ  sam  reyterowalem   w  progi 

Waszmosö  Pana,  posytalem  szpiega,  ktöry  mi  ucz^mil  relacvQ  o 

(loskonalosci    tey    damy.     Inaczey    nicrdyhym    si(?    nie   odwazyt 

attakowac   iey   serca   bombami   mych   affektow,   gdybym  siQ   od 

szpiega   mego  iiie   dowiedzial   o  situacyi   iey   wdzi^köw.» 

so  ist  das  nur  ein  unglücklich  gewählter  Ersatz  für  die 
Motivierung,  die  Goldoni  gibt:  bei  ihm  ist  Lelio  nämlich 
einer  jener  ewig  aufs  neue  verliebten  Charaktere,  die  den 
Gegenstand  ihrer  Adoration  gar  nicht  gesehen  zu  haben 
brauchen  («Sente  discorrere  di  una  funciulla,  sente  le  lodi, 
che  fi  lei  si  danno,  e  tanto  basta,  perche  s'innamori  senza 
vederla>).  Dorant  wendet  bei  Bohomolec  eine  Unzahl 
lateinischer  Ausdrücke  («in  porta  desideriorum>,  *in  hypo- 
thesi  conjugali»,  «concessis  praenjissis»,  <concedenti  con^ 
clu3ione>  usw.)  an,  was  übrigens  auch  Lelio  bei  Goldoni, 
wenigstens  an  einer  Stelle,  tut  (II,  9).  Es  ergibt  sich  von 
selbst,  daß  jene  Szene,  wo  Dorant  erscheint  und  in  Wil- 
helm Anzelm  zu  sehen  glaubt  (1,6),  aus  jener  Goldonischen 
Szene  (II,  5)  entstanden    ist,    wo  Lelio    die  Corallina   al& 


iO:2  Kapitel  IV. 

Rosaura  ben:riißt.  Wenn  Dorant  dabei  folgendermaßen 
seine  Liebe  erklärt: 

DÖR:  Czy  wie  Waszmosc  Pan,  co  lo  iesl  —  serce? 

WIL:   Wiaii. 

DOR :  A  czv  wie  Waszmosc  Pan,  co  to  iest  —  milosc? 

WIL:   Wiorn. 

DOR:  Czv  wie  Waszmosc  Pan,  co  to  iest  hik  y  strzala? 

WIL:   Wiom. 

DC>R :  Czy  wie  Waszmosc  Pan,  co  to  iest  —  cataplcLsma? 

WIL:   Co   tego  to  nie   wiem. 

DOR :  Teraz  tedy  cliciey  Waszmosc  Pan  posluchac  ordinem 
grammaticalem  zj^dz  moich,  Milosc  do  mnie  strzelila  ^ 
luku  swoiego,  strzelila  y  w  serce  rai^  postrzelila.  Na 
tey  rany  uleczenie  potrzebne  mi  iest  cataplasma  laski 
Waszmosc   Pana   Dobrodzieia. 

60  iöt  dieses  «Kompliment»  vielleicht  ein  vergröberter  Nach- 
klang jenes  «verblümten»  Gespräches  zwischen  Corallina 
und  Lelio,  wo  der  letztere  jene  mit  einer  «rosa  vermiglia» 
vergleicht,  «che  mi  ha  fitta  nel  cuore  una  dolce  spina». 
Der  zweite  und  dritte  Akt  des  Bohomolecschen  Stückes 
i?t  im  großen  und  ganzen  selbständig  durchgeführt.  Natür- 
lich können  wir  auch  hier  gewisse  Analogien  zwischen  der 
«Castalda»  und  der  Bearbeitung  konstatieren  —  die  be- 
treffenden Szenen  sind  oben  genannt  — ,  sie  sind  aber 
nicht  so  konkreter  Art  wie  diejenigen  zwischen  den  ersten 
Akten  und  gelten  mehr  dem  allgemeinen  Gange  der  Hand- 
lung: in  beiden  Komödien  entstehen  gewisse  Quiproquos 
infolge  des  von  den  anderen  geschickt  benutzten  Irrtums 
Dorants,  in  beiden  muß  dieser  seine  Ansprüche  zugunsten 
Florindo-Leanders  aufgeben;  wenn  er  aber  bei  Goldoni  mit 
B-;atrices  PLmd  getröstet  wird,  so  muß  er  bei  Bohomolec 
ohne  Trost  davonziehen.  Bei  dieser  Gelegenheit  zeigt  er 
<'inen  von  Lelio  abweichenden  Charakter,  indem  er  auf  die 
Tochter  Wilhelms  verzichtet,  als  er  erfährt,  daß  sie  keine 
Mitgift  mit  in  die  Ehe  bringt,  während  Lelio  von  solchen 
materiellen  Rücksichten  ganz  frei  ist,  kümmert  er  sieh 
doch  in  seiner  Unterhaltung  mit  Pantalone  bezüglich 
seiner  Verbindung  mit  dessen  Tochter  (11,9)  durchaus 
nicht  um   diese  Frage.     Bei  Bohomolec  geht  er  mit  einer 


Sonsti^'e  Quelleriverlulltnisse  bei  BoUomoIec.  '202 

Tirade  über  die  Unvenuinit  der  J.eiitf,  die  iiui  nicht  hahun 

wollen,  ab: 

«Id^,  alo  upewiiiain.  iz  bodziecio  tego  zalowac-,  zc  nie 
uniiocie  dyst\Tig\vo\vac  ludzi  mudrych.  ,Po3t  factum  pcnitet 
actum.*    Alo  to   bc^dzie   ,post   tempus'.    ,Sci\)  sapiunt  Plirygos!*> 

Seinem  Prinzipo  fi^etreu  hat  Bohomolec  es  versucht, 
die  Komödie  seines  italieniselion  Meisters,  der  dersell^en 
mehr  den  allgemeinen  Fond  der  spezifischen  Verhält- 
nisse in  einer  italienisch-bürgerlichen  Villa  («la  scena  si 
rappresenta  in  una  villa  di  Pantalone,  suUa  Brenta, 
villeggiatura  notissima  de'  Veneziani»)  und  die  Gestalt 
der  tüchtigen  Haushälterin  zugrundegelegt  hatte,  seinen 
pädagogischen  Zielen  dienstbar  zu  machen.  Seine  Komödie 
ist  eine  typische  «mlodzian»-Komödie  geworden,  indem  er 
einen  der  episodischen  Männert3'pen  zu  seinem  Titelhelden 
wählte.  Nun  ist  die  Intrige  der  italienischen  Komödie 
—  wenn  wir  hier  überhaupt  von  einer  durchgeführten 
Intrige  sprechen  dürfen^  —  g^o^'"^  Lelio,  den  närrischen 
Begleiter  der  siora  Beatrice,  gerichtet,  während  der  stolze 
«conte»  Ottavio,  eine  echt  Goldonische  heruntergekommene 
Aristokratengestalt,  in  noch  höherem  Grade  als  Lelio 
Nebenfigur  ist.  Er  hat  bei  Goldoni  eigentlich  nichts 
mit  der  Handlung  zu  schaffen  und  erscheint  nur  zweimal: 
im  ersten  Akte  in  den  Szenen  2 — 5  und  im  zweiten  Akte 
in  den  Szenen  2 — 4.  Diese  mehr  als  episodische  Gestalt 
hat  nun  Bohomolec  zu  seinem  Hauptcharakter  und  Titel- 
helden gewählt,  und  ihr  den  Namen  Rudolf  gegeben.  Sollte 
aber  der  verarmte  und  aristokratische  Lebemann  und  gräf- 
liche Schmarotzer  den  pädagogischen  Forderungen  der  Je- 
suitenbühne Genüge  leisten,  so  mußte  er  natürlich  in  einen 
jugendlichen  Charakter  verwandelt  werden.  Wie  Bohomolec 
diesen  Charakter  gebildet  hat,  werden  wir  an  einer  anderen 
Stelle  sehen;  hier  interessiert  uns  der  Gang  der  Handlung, 
der    durch    die    Hervorhebung    Rudolfs    notwendigerweise 

•^  C  h.  Rabany,  Carlo  Goldoni.  Lo  theatre  et  la  vio  eii 
Italic  au  XVIIF  siecle  (Paris-Xaiicy  1896),  S.  337,  sagt:  <cL-in- 
triguo  est  presque  liulle». 


2<>4  •  Kapitel  IV. 

modifiziert  werden  miiPte.  Diese  Modifizierung  aber  be- 
fteht  darin,  daß  dem  stolzen  Armen  eine  Falle  g^'graben 
wird,  in  die  er  olnie  weiteres  fällt.  Ikthomolec  l)enutzt 
djizu  das  aus  der  Komödie  seiner  Zeit  zur  Genüge  bekannte 
Motiv,  daß  ein  corpus  delicti  den  wnliren  Charakter  oder 
die  wahre  Lebensweise  des  Schuldigen  v«Trät.  In  diesem 
Falle  ist  das  corpus  delicti  eine  Tabatiere,  die  der  Diener 
versetzen  soll,  um  den  verpfändeten  Degen  seines  Herrn 
zurückzukaufen,  die  er  aber  dumm  genug  ist,  bei  dem  er- 
hofften Schwiegervater  seines  Herrn  versetzen  zu  wollen, 
wodurch  dieser  gleich  hinter  die  Wahrheit  kommt,  die 
der  Diener  ihm   bereitwillig  erzählt: 

<  Straril  wszystko  na  karty,  na  zbytki,  na  piiaiistwo.  Ale 
lo  wszysrko  —  pod  sckretem!  Teraz  nie  nie  ma  —  pod  se- 
krcteni !  —  tylko  t?  par^  sukien,  ktörq,  nosi  na  grzbiecie  —  pod 
sckretem !  —  ale  y  tych  ledwie  z  grzbietu  nie  zedra  kredy- 
toröwie  —  pod  sekretcm!» 

Wenn  auch  die  Durchführung  der  Komödie  im  all- 
pcraeinen  selbständig  ist,  so  ist  es  unbezweifelbar,  daß 
Bohomolec  die  Gestalten  derselben  hauptsächlich  aus  der 
Goldonischen  Komödie  her  hat,  daß  sein  Ausgangspunkt 
bei  Goldoni  zu  suchen  ist,  daß  der  «Anschlag»  der  ganzen 
Komödie  aus  dem  Goldonischen  Stücke  stammt. 

Dassell^e  Resultat  gewinnen  wir  bei  der  Untersuchung 
des  «Cheipliwiec»,  wenn  wir  auch  hier  von  vornherein 
darauf  vorbereitet  sind,  die  Goldonischen  Gestalten  und 
Motive  in  den  verschiedenartigsten  Umgruppierungen  und 
Transmutationen  wiederzufinden.  Der  bekannte  Kenner 
der  polnischen  Theatergeschichte  Windakiewicz'  soll  seiner- 
zeit eine  gewisse  Analogie  zwischen  Bohomolec'  Komödie 
und  Dancourls  «Les  Bourgeoises  ä  la  mode»  gesehen  haben, 
und  Kielski  hat  flüchtig  (ohne  doch  eine  «Quelle»  an- 
geben zu  wollen)  auf  Destouches  «Le  Glorieux»  hingewiesen, 
den  er  nur  aus  Krasickis  «0  rymotwörstwiev  dem  pol- 
nischen Titel  nach  kannte.  Aber  weder  diese  noch  jene 
Komödie  hat  auch  nur  das  geringste  mit  derBohoraolecschen 

■  Vgl.    ^x:'i    Kielski,   a.   a.    0.,    S.  141. 


Sonstige  Quellenverliältiiisse  bei  Bohomolec.  •05 

ZU  schaffen.  Der  einzige  Ahnliclikcitsjmrikt  ist  der,  daß 
der  Titelheld  der  Dentouche^schen  Koiiiöiiie  seine  faktische 
Armut  durch  ein  übertrieben  hoft'iirtiges  Wesen  zu  ver- 
bergen aucht  —  also  wie  Bohomolec'  Held  ohne  Grund 
wichtig  tut  — ,  und  daß  Dancourts  Chevalier  unter  diesem 
falschen  Titel  eine  niedrige  Abstammung  verbirgt  —  also 
ebensowenig  Clievalier  ist  wie  Bohomolec'  Hold;  sowohl 
Destouches'  wie  Dancourts  Held  werden  entlarvt,  jener 
vom  Vater,  dieser  von  der  Mutter.  Sonst  liegt  nicht  die 
geringste  Ähnlichkeit  vor,  weder  im  Detail  noch  im  ganzen 
Gange  der  Handlung,  und  ein  Beweis  für  eine  littrarische 
Verbindung  zwischen  der  p(^Inischen  Komödie  und  jenen 
französischen  kann  nicht  erbracht  werden.  Als  eigentliche 
Quelle  der  Bohomolecschen  Komödie  hat  indessen  im 
wesentlichen  richtig  Strusiiiski^  eine  Komödie  von  üoldoni 
hervorgehoben,  die  ihrerseits  die  Frucht  einer  längeren 
literarhistorischen  Entwicklung  gewesen  ist.  Der  Stoff 
der  Komödie  ist  spanischen  Ursprungs  und  geht  auf  die 
«Verdad  sospechosa»  des  Juan  Ruiz  de  Alarcön  y  Mendoza 
zurück,  den  man^  «den  Vater  des  modernen  Charakter- 
lustspiels» nennt.  Im  Jahie  1643  machte  Pierre  Corneille 
daraus  seinen  berühmten  «Menteur»,  ohne  den  Namen 
des  Dichters  recht  zu  kennen;  er  glaubte  eine  Komödie 
Lope  de  Vegas  unigparbeitet  zu  haben.  Guld(jni  schließlich 
benutzte  —  wie  schon  Voltaire  bemerkt  hat  —  Corneillefl 
Komödie,  die  er  in  Florenz  zu  sehen  Gelegenheit  gehabt 
hattc^^,  als  Vorbild  zu  seinem  «Bugiardo»,  der  1748  ent- 
Btanden  oder  aufgeführt  worden  ist.^^    Und  diese  Komödie 

8  Strusinski,  a.  a.  0.,  S.  257. 

*  Bruno  Busse,  Das  Drama  (Leipzig-Berlin  1018),  Bd.I,  S.  95. 

10  Ludwig  M  a  i  h  a  r,  Carlo  Goldoni  auf  dem  deutschen 
Theater  des   18.  Jahrhunderts  (Montjoije   MCMX),   S.  85. 

11  C  h  a  r  1  e  s  R  a  ba  n  y  ,  a.  a.  0.,  S.  277  ff.,  327.  —  V  i  - 
q  u  i  e  r  s ,  Parallele  de  la  Verdad  Sospechosa  d'Alarcon  et  du 
Menteur  de  Corneille  (Bd.  IV,  S.  241  ff.  der  Atisgabe  der  Werke 
Comeilles  von  Ch.  Marty-Laveaux,  1862),  bezweifelte  mit  Unreclit 
Goldonis  Abhängigkeit  von  Corneille.  —  Vgl.  Hans  Aage  Pa- 
ludan,  Studier  over  Comeilles  Forhold  til  det  spanske  Drama 
(Edda,    Bd.    XVIII,    1922),    S.  231. 


206  Kapitel  IV. 

ist  nun,    uie  Strnsinski  bcliauptct,    die  Quelle  der  Boho- 
molecschen. 

Der  Inhalt  der  Goldoni«cbon  Komödie    ist   kurz  fol- 
gender: 

(Akt  I) :  Florindo,  der  der  «amante  timido»  der  Rosaura, 
derToch'er  seines  Lehrers,  ist,  befindet  sich  in  Gesellschaft  seiies 
Dieners  Brighella  auf  der  Terrasse  vor  dem  Hause  des  «dolbore» 
und  läßt  eine  Serenade  zu  Rosauras  Preis  singen,  ohne  sich  zu 
erkennen  zu  geben,  und  verschwindet  dann  (Sz.  1).  —  Lelio^ 
der  eben  aus  Rom  angekommen  ist,  tritt  mit  seinem  Diener 
Arlecchino  in  demselben  Augenblicke  auf,  als  Rosaura  und  ihre 
Schwester  Beatricc  aus  dem  Hause  treten;  er  sendet  Arlecchino 
ins  Haus,  um  zu  erfahren,  wer  die  beiden  Damen  sind  (Sz.  2). 

—  Er  selbst  tritt  an  sie  heran,  nennt  sich  «Don  Asdrubale 
de'  marchesi  di  Castel  d'Oro»  aus  Neapel,  einen  Freund  ihres 
Vaters,  und  behauptet,  der  Dichter,  Komponist  und  Sänger 
der  Serenade  zu  sein,  da  er  eine  von  ihnen  liebe  (Sz.  3).  — 
Den  Diener  versichert  er,  das  seien  keine  «bugie»,  sondern 
«spiritose  invenzioni»  (Sz.  4).  —  Arlecchino  versucht  Colom- 
bina  gegenüber  das  Grebaren  seines  Herrn  nachzuahmen  (Sz.  5). 

—  Tags  darauf  will  Florindo  Rosaura  ein  «fornimento  di  trine 
di  seta»  senden  (Sz.  6).  —  Ottavio,  ein  «cavaliere  Radovane», 
der  Beatrice  liebt,  möchte  von  Florindo  erfahren,  ob  dieser  eine 
yon  den  Töchtern  liebe,  aber  dieser  antwortet  Ausweichend 
(Sz.  7).  —  Ix^lio,  der  Ottavio  kennt,  erzählt  diesem,  daß  beide 
Schwestern  in  ihn  verliebt  seien,  und  daß  er  die  Nacht  mit 
ihnen  zugebracht  habe  (Sz.  8).  —  Arlecchino  b3stätigL  die 
Angaben  seines  Herrn,  und  Lelio  bittet  Otavio,  die  Damen  n-cht^ 
davon  merken  zu  lassen,  daß  er  von  ihrem  Al>enteuer  wisse 
(Sz.  9).  —  Arlecchino  bittet  seinen  Heim,  ihm  immer  ein 
/Seichen  zu  geben,  sobald  er  lügen  wolle  (Sz.  10).  —  Als  Ro- 
saura maskiert  aus  dem  Hause  tritt,  versichert  er  sie,  daß  er 
sie  liebe  (Sz.  11).  —  Als  ein  Ladenbote  ihr  Florindos  Geschenk 
bringt,  sagt  Lelio,  es  sei  von  ihm  (Sz.  12).  —  Als  Rosaura  geht, 
bittet  Lelio  sie,  der  Beatrice  noch  nichts  v^on  seiner  Liebes- 
erklärung zu  erzählen  (Sz.  13).  —  Arlecchino  prahlt  wieder  vor 
der  Colombina,  aber  erfolglos  (Sz.  14).  —  Lelio  erklärt  ihm, 
wie  man  zu  schwadronieren  halx;  (Sz.  15).  —  Lelios  Vater  Pan- 
talone  und  der  <'dottore»,  der  Vater  der  Mädchen,  kommen  mit; 
einer  Gendole  aus  Mira  zurück;  Panlalone  erwartet  seinen  Sohn 
(Sz.  16).  —  Lelio  gibt  sich  ihm  nicht  zu  erkennen  (Sz.  18).  — 
Als  aber  Ottavio  ihn  zu  der  Ankunft  des  Sohnes  beglück- 
wünscht, wendet  Lelio  alles  ins  Spaßhafte;  zugleich  lügt  er, 
daß  er  mit  den  Mädchen  sich  amüsiert  habe  (Sz.   19).  —  Ottavio 


Sonstige  Quellenverhiiltnisse  bei  Bohomoler.  HO! 

nimmt  (k'iu  "dolore»  jjegonübor  sein  Wort  zurück:  er  \vu!l»'  sich 
nicht  mehr  mit  Beatrice  vcrhoiraton,  woWi  or  Lclios  B<^haup- 
liingen  wiedergibt  (Sz.  20).  —  Der  «dotti^re»  will  das  Übel  mit  der 
Wurzel  liorausreißeu  (Sz.  21). 

(Akt  II):   Florindo  beruhigt  den  «dottore»:  niemand   sei   in 
das   Haus  eingedrungen,   Ottavio   müsse  j^elogen  haben  (Sz.   1). 

—  Rosaura,  die  mit  dem  Vater  einf  aufgeregte  Szene  gehabt  hat, 
ist  krank  geworden,  Coiombina  bittet  Florindo  zu  helfen  (Sz.  2), 

—  "Rosaura  ist  ohnmächtig,  kommt  aber  wieder  zu  .sich  (Sz.  3).  — 
Rosaura  will  liichls  von  Lelio  wissen,  sie  erzählt,  daß  ein 
«marchese»  Asdrul^ale  isie  zur  Frau  begehre  (Sz.  4).  —  Beatrico 
behauptet,  der  «marchese»  liebe  s  i  e  (Sz.  5).  —  Die  Schwestern 
streiten  heftig  (Sz.  6).  —  Ottavio  wird  von  beiden  und  von 
Coiombina  der  Lügenhaftigkeit  bescliuldigt  (Sz.  7 — 8).  —  Ottavio 
erzählt  dem  Vater,  daß  Leho  ihm  die  Geschichte  von  den 
Rendezvous  aufgetischt  habe;  der  «dottore»  will  Lelio  nicht  mehr 
seine  Tochter  Rosaura  geben  (Sz,  9).  —  Lelio  ist  ernstlich  ver- 
liebt und  denkt  nicht  mehr  an  seine  alte  Flamme,  die  Donna 
Cleonice  (Sz.  10).  —  Als  ihm  sein  Vater  eröffnet,  daß  er  ihn 
geni  mit  einer  «ragazza  da  casa»  verheiraten  wolle,  sucht  Lelio 
sich  gegen  alle  HeiratspläJie  durch  die  Erfindung  zu  versichern, 
daß  er  schon  verheiratet  sei,  und  zwar  mit  der  Tochter  eines 
Don  Policarpio  d'Albacava,  den  er  aber  gleich  darauf  Don  Poli- 
carpio  Carciofoli  nennt  (Sz.  11 — 12).  —  Lelio  will  unbedingt 
Rosaura  heiraten  (Sz.  13).  —  Florindo  ist  unglücklich,  daß  Ro- 
saura mit  einem  «marchese»  verheiratet  werden  soll:  er  will 
sich  "mittels  eines  anonymen  Sonetts  zu  erkennen  geben  (Sz.  14). 

—  Rosaura  findet  das  Sonelt  (Sz.  15).  —  Aber  Lelio  kommt' 
dazwischen  und  erklärt,  daß  er  der  Dichter  des  Sonetts  sei ; 
damit  es  auf  ihn  passe,  sagt  er,  daß  er  eigentlich  lluggiero 
Pandolfi  heiße,  und  andere  Lügen  (Sz.  16).  —  Lelio  bittet  den 
«dottore»  um  die  Hand  Rosauras  (Sz.  17).  —  Da  kommt  Ottavio 
und  demaskiert  Lelio,  den  sie  mit  Schimpfwörtern  regalicren 
(Sz.  18).  —  Dem  Arlecchino  lügt  Lelio  vor,  er  habe  Ottavio  im 
Duell  getötet  (Sz.  19).  —  Da  geht  Ottavio  vorbei  und  fordert 
Lelio  (Sz.  20).  —  Lelio  ist  mit  seinen  Abenteuern  nicht  unzu- 
frieden  (Sz.  21). 

(Akt  III):  Brighella  hat  inzwischen  von  Arlecchino  von  den 
Schwindeleien  des  «marchese»  erfahren,  was  er  Florindo  wieder- 
erzählt (Sz.  1).  —  Pantalone  will  einen  Brief  an  den  Signor 
Policarpio  senden  (Sz.  2).  —  Ein  Briefträger  überreicht  Pan- 
talone zwei  Briefe  an  dessen  Sohn  (Sz.  3).  —  Der  eine  enthält 
eine   Bescheinigung  über  Lelios  «stato  libero»,   die  sein  Freund 


208  Kapitel  IV. 

Masaniello  Capozzati  ihm  sendet  (Sz.  4).  —  Große  Auseinander- 
setzun*]:  zwischen  Vater  und  Sohn:  der  zweite  Brief  ist  von  einer 
Cieonicc  Anselmi,  «vostra  fodelissima  sposa»,  Lelio  verwickelt 
sich  mehr  und  mehr  in  seinen  Lügen,  so  daß  Pantalone  ihn 
wülend  wogjagt  (Sz.  5).  —  Rosaura  erfährt  von  ihrem  Vater, 
daß  Ruggiero  Pandolfi  resp.  «marchese»  Asdrubale  Lelio  und 
daß  dieser  verheiratet  sei  (Sz.  6).  —  Ottavio  bittet  um  die 
Hand  Beatrices  (Sz.  7).  —  Colombina  meldet  Lelio  (Sz.  8).  — 
Li?lio  beweist,  daß  er  Junggeselle  sei,  und  beschwatzt  den 
«dottore»,  so  daß  dieser  ihm  eventuell  seine  Rosaura  zu  geben 
geneigt  ist  (Sz.  9).  —  Rosaura  hat  auch  nichts  dagegen  (Sz.  10). 
—  Als  Pantalone  mit  dem  Briefe  der  Cleonice  erscheint,  be- 
hauptet Lelio,  das  sei  «una  trista  femmina»  und  nichts  weiter 
(Sz.  11).  —  Florindo  offenbart  sich  als  der  Autor  der  Serenade 
und  des  Sonetts  und  gesteht  seine  geheime  Liebe;  nun  will 
Rosaura  nichts  von  Lelio  wissen  (Sz.  12).  —  Arlecchino  bringt 
Lelio  die  Nachricht,  daß  die  «Romana  e  venuta  a  Venezia» 
(Sz.  13).  —  Als  Rosaura  Lelio  die  Spitzen  zurückgeben  will, 
teilt  Florindo  mit,  daß  sie  von  ihm  stammen.  Lelio  will  aber 
nie  mehr  lügen;  er  wird  vom  «bargello»  auf  Forderung  der  «Ro- 
mana» ins   Gefängnis   geholt  (Sz.   14). 

Die  Goldonischen  Figuren  haben  bei  Bohomolec  alle 
ihre  Seitenstücke.  Lelio,  der  «bugiardo>,  hat  bei 
diesem  f^igfmtlich  keinen  Namen,  denn  Samochwai,  wie 
er  ßich  hier  nennt,  ist  nichts  anderes  als  ein  Appella- 
tivum,  das  eben  «Prahler»  bedeutet;  sein  Vater,  der  Gol- 
donii«che  Pantalone,  heißt  Anzelra,  sein  Diener  Arlecchino 
Leopold ;  den  beiden  Kavalieren  Ottavio  und  Florindo  ent- 
sprechen zum  Teil  die  beiden  Freunde  Alkander  und  Dorant, 
die  zugleich  zum  Teil  die  beiden,  sonst  eliminierten 
Schwestern  Rosaura  und  Beatrice  repräsentieren.  Ottavio- 
Alkanders  Diener  Johan  ist  aus  Goldonis  Colombina  ent- 
standen. 

Vergleichen  wir  nun  die  beiden  Analysen,  die  des 
«Bugiardo»  mit  der  des  «Cheipliwiec»,  so  ergibt  sich 
wie  gewöhnlich  zunächst  das  Resultat,  daß  Bohomolec  sich 
anfänglich  möglichst  nahe  an  die  Vorlage  hält,  allmählich 
aber  mehr  und  mehr  von  ihr  abweicht  und  die  ganze 
Handlung  so  m^odifiziert,  daß  wiederum  von  einer  eigent- 
lichen Bearbeitung  nicht  die  Rede  sein  kann,  sondern  nur 


Sonstige  Quellenverhältnisse  bei  Hohomolec.  209 

davon,  daß  der  Ausgangspunkt  der  polnischen  Komödie 
wirklich  in  der  Vorlage  gefunden  werden  kann.  Weiter 
stellen  wir  fest,  daß  besonders  der  lange  erste  Akt  der 
Goldonischen  Komödie  Bohomolec'  «Quelle»  gewesen  ist 
(Boh.  I,  1—2  =  Gold.  I,  2—3,  Boh.  I,  3  =  Gold.  L  5, 
Boh.  II,  2—3=  Gold.  I,  11  —  14,  Boh.  111,  3  =Gold.I, 
IG — 18),  während  wir,  was  die  übrigen  Akte  anbetriÜ'r, 
nur  eine  gewisse  entfernte  Analogie  zwischen  den  Schluß- 
szenen der  Bohomolecschen  uutl  den  Schlußszenen  der 
Goldonischen  Komödie  zu  konstatieren  imstande  sind  (etwa 
Boh.  V,  2  —  4  =  Gold.  111,11-14).  Der  vierte  Akt  der 
Bohomolecschen  Komödie  geht  durchaus  eigene  Wege. 

Die  Vorgeschichte  oder  die  Antecedentia  des  polnischen 
Helden,  wie  sie  uns  in  der  Exposition  der  Komödie  mit- 
geteilt werden  (I,  1),  stimmen  aufs  beste  mit  denjenigen 
Lelios  überein  (1,2).  Dieser  ist  nämlich  von  seinem  Vater, 
dem  venezianischen  Kaufmanne  Pantalone,  vor  20  Jahren 
nach  Rom  zu  einem  dort  ansässigen  Onkel  in  die  Kauf- 
mannslehre geschickt  worden  («sono  vent'  anni,  che  manco 
dalla  mia  cara  patria»)  und  ist  nun  gerade  beimgek'hrt. 
Auch  Samochwal  ist  der  Sohn  eines  (Lemberger)  Kaufmannes 
Anzelm,  der  ihn  vor  15  Jahren  in  die  Kaufmannslehre 
nach  Danzig  geschickt,  kürzlich  aber  ihm  geschrieben  hat: 
«Przyiczdzay  zaraz  do  Warszawy.  Tarn  alix)  nuiie  zuay- 
dziosz  albo  kilka  diii   zaczekasz,   nini  nadiad?  ze   L\vowa.:> 

Weder  Lelio  noch  Samochwal  finden  aber  den  Vater  in 
Venedig  resp.  Warschau  vor,  was  um  so  peinlicher  ist, 
als  beide  verschuldet  sind.  Diese  Abwesenheit  wollen  nun 
beide  benutzen,  um  Abenteuer  zu  erleben:  während  den 
Lelio  erst  die  Gelegenheit  dazu  verführt,  sich  für  mehr 
auszugeben  als  er  wirklich  ist,  beschließt  Samochwal  gleich 
aus  eigenem  Antriebe:  «Ja  wole,  zeby  miQ  miano  za  ka- 
walera  niz  kupczykal»  Die  Art  und  Weise,  wie  er  nun 
seinen  Wunsch  durchführt,  erinnert  uns  in  der  äußeren 
Form  ganz  an  Lelios  Bravaden  vor  den  beiden  fremden 
Damen,  an  deren  Stelle  freilich  bei  Bohomolec  die  beiden 
Kavaliere  Alkander  und  Dorant,  die  selbst  fremd  in  der 

Stender-Petersen,  Die  Schulkomödien.  14 


210  Kapitel  IV. 

Stadt  sind,  zu  treten  haben.  Inhaltlich  weicht  aber  die 
betreffende  Szene,  die  ich  der  Anschaulichkeit  halber  hier 
anführen  muß,  stark  von  der  entsprechenden  Goldoni- 
schen  ab. 

ALKANDER    z    DOIIANTEM    rozmawiain,    nie    widz^c    SA- 
MOCHWALA  y  LEOPOLÜA. 

ALK :  Na  ktöreyze  to  ulicy  ? 

DOR:  Na   Piwnoy,    Wlasnie   kolo   godziny  wtörey  do  pölnocy. 

ALK:  Sam  jeden  dwunastu? 

DOR :  Nie  inaczey.  Sam  temi  oczyma  cal^  rzecz  widzialem, 
Szto  dwunastu  godnych  iakichsci  kawaleröw.  Spotykai^ 
wlasnie  pod  moiin  oknem  iakiegos  kawalera,  pigkiiie 
uslroionego,  y  iemu  co§  przemawiai^.  Ten  do  broni,  tamci 
takze  do  broni !  Natarli  zrazu  dose  zwawie  do  niego, 
ale  gdy  sie  tarnten  zaczq,!  üwiiac,  ci  Ichmosciowie  lubo 
siQ  mocno  bronili,  nakoniec  iednak  placu  mu  nie  dotrzy- 
mali  y  poszli  w  rozsypk^.  A  öw  kawaler  bez  zadnego 
pomieszania   konczyl    drogQ    przedsiQwzi^t^. 

ALK:  Trzeba  mu  przyznac,  ze  dobry  gracz  z  niego I  Y  nie 
wiem,  CO  godnieyszego  w  nim  podziwienia:  czy  to, 
zo  dwunastu  zwyciQzyf,  czy  to,  zo  na  dwunastu  natrzec 
odwazyl   si(j? 

DOR:  Ale  z  iak^  przytomnosciJi  umysla  im  stawil  si^!  Y 
slöwka  do  iiich  nie  przemöwil,  iakby  zadnego  w  t'yra 
niel)ezpieczenstwa  nie  -widzial. 

ALK:  Y  nie  moglze  Waszmo§6  Pan  poznac,  co  to  za  ieden? 

DOR:  Y  ia  tez  raz  pierwszy  w  Warszawie  (ak  iako  y  Waszmosc 
Pan.  Z  zadnym  tu  nie  mam  znaiomosci,  A  do  tego  — 
noc  do  widzenia  twarzy  iego  byla  mi  przeszkodq.. 

ALK:  Radbym  ia  z  takim  znaiomo^c   y  przyiazn  zabrall 

DOR :  Pewnie !    Y  iabym  tego  sobie  zyczyl  I 

SAM  (zblizai^ic  si^  do  tych  kawaleröw,  mowi):  Klaniam  Wasz- 
mosc  Panom   unizenie. 

ALK:  Wzaiemny  uklon  oddaiemy. 

SAM:  Czy  nie  przeszkadzam  Waszmosc  Panom  t^  moiq,  §mia- 
losc'ia  iakiey  pilney  rozmowy? 

DOR :  Bynaymnioy.  Rozmawiamy  o  wxzorayszey  nocney  po- 
tycce. 

SAM:  Pewnie  o  tev,  ktöra  byla  na  Piwney . ulicy ? 

DOR:  Tak  lest. 

SAM:  W  nocy?  o  godzinie  wtörey? 

DOR:  Tak  wlasnio. 

SAM:  Co  to  ieden  kawaler  mial  sprawQ  z  dwunastu? 


Sonstige  Quellcnverhiillnisse  bei  Bohomolec.  211 

DOR:  0  tey  saincy. 

SAM:  Waszmosr  Paii  widzial  (q  jMtyrzkt,'  czyüs  o  niey  slyszal? 

1)011:  Widzialcm  tcmi  oczynia  rzecz  caK-i. 

SAM:  Co  siQ  zda  Waszmosö  Panom  teti  kawaler? 

DOR:  Ton  kawaler  godzien  slawy  niesmiertelnoy ! 

SAM:  Y   \Vaszmo6c  Fan  go  nie  znasz?     . 

DOR:  Nie  znam,  boämy  obydwa  onegday   tu  przybyli  do  Wur- 

szawy.     A   przedtym   nigdysmy   tu   nie   byli  y  znaiomych 

nie   mamy. 
SAM:  Mnie  si^  zda,  ze  Waszmosc  Panowie  znacie  go,  cho6  nie 

]»ardzo. 
ALK:  Zyczylibysniy    go    jwznar,    aU;    dr)U\d    tego    szczQscia   nie 

mielismy. 
SA^I:  Ja   mowi^,   ze  go   Waszmosc   Panowie  znacie,   y  on   miai 

lionor   rozmawiaö   z  Waszmosc  Panami,   choö   krötko. 
ALK:  Prawdziwie  nie  wiemy.    Ale  .  .  . 
DOR:  Pewnie?  czy  nie  Waszmoäö  Pana  to  dzielo? 
SAM:  Cha  cha  cha! 
DOR:  Juz  sie  dorozuraiewaniy ! 
SAM:  Ja  lubo  chclpliwosci  z  natury  cierpioc  nie  mog?,  iednakze 

|K)niewaz  iuz  o  tym  polowa  prawie  Warszawy  dowiedziaJa 

si?,  nie  mani  przyczyny  z  tym  siQ  taic  przed  Waszmo§6 

Panami.    Oni  chcieli  ze  mnie   zart  sobie  uczynic,  ale  od- 

zartowalem  Ichmosciom. 
LEO    (bierze  pana  na  stron^  y  do  ucha  mu  powiada) :  Co  Wasz- 
mosc   Pan   möwisz  ?    Mysmy   calc^   noc   spali !     Chyba   to 

przez  sen? 
SAM    (do  slugi) :  Milcz  I    Boday  ci^   .  .  .  I 

LEO:  Ale,   Mospanie,   ia  przysi^dz   gotowem,   ze  to  niepravvdal 
SAM:  Cicho !    Nie  gaday!    (Potym  powraca  si^  do  kawalerow  y 

möwi) :  Tamci  Ichmosciowie  teraz  sIq  na  ninie  gniewai^, 

ale    nie    slusznie.      Prawo    przyrodzone    kazdemu     sobie 

bronic  pozwala. 
ALK :  To  lest  rzecz  pewna.    Raczey  na  swoi^  plochosc  uskarzac 

siQ   powinni,    ze  si?    }>ez   przyczyny   na   Waszmosc    Pana 

porwali, 
SAM:  Ja   Waszmosc   Panom  rzecz   cal?^   powiem    .  .  . 

Wenn  wir  diese  Szene  mit  der  entsprechenden  Goldonischen 
(I,  3)  vergleichen,  so  finden  wir  tatsächlich  eine  ;iuf- 
fallende  Analogie,  obgleich  das  Gespräch  in  beiden  Fällen 
ganz  verschiedenen  Sachen  gilt.  In  beiden  Fällen  schreibt 
der  Held  sich  selbst  Taten  zu,  die  andere  Urheber  haben, 
in  beiden  Fällen   glauben  ihm  die  Betrogenen  ohne  wei- 

14* 


!21^J  Kapitel  IV. 

teros,  in  beiden  Fällen  macht  der  Diener  seine  Zwischen- 
bemerkungen anläßlich  der  Lügen  seines  Herrn,  in  beiden 
Fällen  schließlich  nennt  dieser  sich  mit  einem  falschen 
Namen:  Lelio  nennt  sich  Don  Asdrubale  de'  marchesi  di 
Castel  d'Oro,  Samochwal  aber  «markwis  de  Kuraz»  (Mar- 
quis de  Courage). 

Was  uns  ganz  besonders  davon  überzeugen  muß, 
daß  Bohomolec  Goldonis  Komödie  vor  Augen  gehabt 
hat,  als  er  die  seinige  schrieb,  ist  das  komische  Motiv 
der  Parallelität  zwischen  dem  Gebaren  des  Herrn 
und  dem  des  Dieners.  Zweimal  ahmt  Arlecchino  bei 
Goldoni  seinen  Herrn  nach  (I,  5  und  I,  13),  zwei- 
mal tut  es  auch  Bohomolec'  Leopold  (I,  3  und  H,  3), 
präsentiert  sich  jener  der  Colombina  als  Don  Piccaro  di 
Catalogna,  so  nennt  sich  dieser,  mit  einer  komischen 
Entstellung  des  Namens,  den  Samochwal  sich  gibt,  Marek 
de  Furaz. 

Wichtig  ist  in  dieser  Beziehung  auch  der  Umstand, 
daß  die  Szene  des  Zusammentreffens  zwischen  Vater  und 
Sohn,  wobei  der  letztere  leugnet,  der  Gesuchte  zu  sein, 
von  Bohomolec  fast  in  derselben  Form  wiederholt  wird, 
wie  sie  bei  Goldoni  vorkommt.  Es  ist  das  die  Szene 
I,  18  bei  Goldoni: 

FAN:  .  .  .   Lustrissimo,   la  perdona  l'ardir,   vienla  da   Naix)li? 

LEL:  Si,  Signore. 

PAN:  A  Napoli  gh'ho  de  i  Patroni,  e  de  i  amici  assae,  car- 
teggio  coli  molti  Cavalieri,  se  mai  Vusustrissima  fasse  üii 
de  quelli,  sarave  mia  fortuna  el  poderla  servir. 

LEL:  lo  sono  il  Conte  d'Ancona  per  servirvi. 

PAN :  (Cancarazzo !    Nol  xe   mio  Fio.    M'avveva  ingannä)  .  .  . 

Ebenso    tritt   Anzelm    an    seinen    Sohn,    der    mitten    im 

Prahlen  ist,  mit  der  direkten  Frage  heran,   ob  er   es  sei: 

ANZ :  Przepraszam  Waszmosc  Panöw,  ze  si§  odwazam  im  mow§ 

przerywac. 
SAM:  Coz  nam  powiesz? 
ANZ:  Z  podobieiistwa,  ktöre  sIq  na  twarzy  wydaie,  zda  mi  sIq, 

ze   Waszmosc    Fan   Samochwal    iestes. 
SAM:  Ja  Samocbwal?    Co  gadasz?    Co  to  iest  za  czlek  ten  Sa- 
mochwal ? 


Sonstige  Quellen  Verhältnisse  bei  Hohoniolcc  213 

ANZ:  Jest  to  kiipczyk  z  Gdauska  ... 

SAM:  Mnie   Icdy   niasz   za  kupczyka?     Slucliayzc    ...   gdybym 

na  Ichriiosciöw  nie  uwazal  .  .  .    Ale  smialoäc  .  .  . 
ANZ:  Mozc  si<;  mylQ,  ale  .  .  . 
ALK :  Idz,  niöwi^,  a  wiedz,  ze  ten  kawaler  iest  Markis  de  Kuniz, 

klön'  zc  Francyi  nicdawno  tu  ])rzyby}. 
ANZ:  I'rawda,  ze  siQ  czlck  wczleka  uda,  tylkoz  ini  s'ni  zdaic . .  . 
SAM:  Idz  nü  zt^d  zaraz,  bo  ci^  kazQ  ...    Co  to  za  plocho§61 
AXZ:  Przepraszain  Waszniosc  Panow,  omylilem  sii;.  Jednakze  .  .. 
.SAM :  Idz,   muwiQ,  zaraz,  bo  [^  szpad;\  .  .  . 
ANZ:  Przepraszam,   Mo§ci   Dobrodziciu.     (Odchodzi.) 

Wie  Lelio  bei  jeder  Gelegenheit  beteuert,  daß  er  nicht 
zu  lügen  wisse,  so  tut  es  auch  Samochwal,  und  zwar 
einmal  rait  denselben   Worten  wie  sein  Prototyp: 


Goldoni  I,  11: 

LELiO :  Guardimi  il  Cielo,  che 
io  dica  una  falsitä;  non  sono 
capace  di  alterare  in  una  mi- 
nima paite  l;i  veritä.  Do  che 
ho  l'uso  della  ragione,  non  vi 
e  persona,  che  possa  rimpro- 
verarmi  di  una  lepraieia  bugia. 


Bohoraolec  V,  2 : 
SAMOC.HWAL:  Upewniam,  zem 
nie  iest  tego  ^'aiunku  czlowiek, 
zebym  si^  mial  w  klam.stvvie 
kocbad.  Pozwolilbym  sobie  w 
leb  strzelic,  gdyl)y  mi  kto  do- 
wiödl  cho(^  iednego  w  raym 
zyciu  klamstvva,  nawet  nieroz- 
j  myshiei^G  .  .  .  Klanistwo  od 
wziQcia  rozumu  nie  postalo  v/ 
niych  usciech  nigdy. 

DaÜ  Bohomolec  seine  Komödie  nicht  ohne  starke 
Beeinflussung  seitens  des  Goldonischen  Stückes  verfaßt 
liat,  dürfte  auf  Grund  des  oben  Angeführten  als  fest- 
stehend angesehen  werden.  Strusinskis  Hinweis  auf  den 
«Bngiardo»  ist  somit  gerechtfertigt.  Es  fragt  sich  nun 
aber,  ob  Bohomolec  nur  Goldonis  und  nicht  auch  Cor- 
neilles  Komödie,  die  Vorlage  jener,  den  «Menteur»,  vor 
Augen  gehabt  hat,  als  er  seinen  «Chelpliwiec»  schrieb.  Und 
ich  glaube  diese  Frage  auf  Grund  einiger  auffallender  Detail- 
analogien in  bejahendem  Sinne  beantworten  zu  müssen. 
Dafür  könnte  eventuell  die  rein  äußere  Tatsache  sprechen, 
daß  Corneilles  Komödie  einige  Jahre  vor  dem  Erscheinen 
des  Bohomolecschen  «Chelpliwiec»  (1754)  von  einem  ge- 
wissen Leon  Moszynski  (einem  «starosta  Inowroclawski») 
mit  dem  Titel  «Lgarz»  ins  Polnische  übertragen  und  ver- 


5U  Kapitel  IV. 

öffentlicht  worden  war.  Wenn  nicht  in  der  Original- 
spracho,  so  doch  in  dieser  Übersetzung  mußte  die  Komödie 
Corneilles  Eohomolec  bekannt  sein.  Al)er  auch  gewisse 
innere  Kriterien,  gewisse  Stellen  im  «Chelpliwiec»  5=cheinen 
mir  sehr  stark  für  die  Annahme  zu  sprechen,  daß  Boho- 
molec,  neben  Goldonis  auch  die  Corneillesohe  Komödie  vor 
sich  liegen  hatte,  als  er  mit  der  Abfassung  seines  Stückes 
beschäftigt  war.  Diese  Stellen,  die  bei  Corneille  ihre  deut- 
lichen Analogien  haben,  spielen  zwar  im  großen  und 
ganzen  eine  nur  nebensächliche  Rolle,  dennoch  aber 
6i)richt  dieses  in  Verbindung  mit  der  Tatsache,  daß 
die  betreffenden  Stellen  nicht  bei  Goldoni  vorkommen, 
besonders  stark  für  meine  Hypothese.  Ich  sehe  so- 
mit ganz  davon  ab,  daß  auch  solche  Stellen  in  der 
französischen  Komödie  belegt  werden  können,  die  sowohl 
bei  Goldoni  als  auch  bei  Bohomolec  vorkommen,  in  wel- 
chen Fällen  ebenso  gut  Corneille  wie  Goldoni  Bohomolec' 
Quelle  gewesen  sein  kann. 

Im  zweiteii  Akte  trifft  bei  Bohomolec  der  Held  seme 
neuerworbenen  Freunde  wieder  und  setzt  nach  den  ersten 
Begrüßungsworten  seine  Prahlereien  fort,  wobei  der  Aus- 
gangspunkt derselben  nicht  bei  Goldoni,  wohl  aber  bei 
Corneille ^^  zu  finden  ist:  in  beiden  Fällen  ist  nämlich  von 
einem  Konzert  die  Rede,  das  die  beiden  Freunde 
gehört  hätten,  und  als  dessen  Urheber  nun  in  beiden 
Komödien  Dorante-Samochwai  sich  selber  bezeichnet: 

Goru  e  i  Ue  1,  5:  Bo  h  o  in  o  le  c  II,  ii: 

DOR:  Mais  de  quoi  parliez-vous?  SAM:  Czyinze     sIq      Waszmosc 

Panowie    tey    nocy    zaba 

wiali? 

ALG:  On  dit  qu'on  a  donn^  mu-  ALK:  Szukalisrny    iiaypizöd    pa- 

sique  H  quelque  dame.  laciku    Waszmosc     Pana. 

A  potym  go   nie  ziialazl- 

szy,  uslyszalismy  w  iakim- 

sei  pabicu    muzyk^   j)rzc- 

dziwiif). 

^2  Ich   zitiere  nach   M  a  r  t  y  -  L  a  v  e  a  u  x  '   Ausgabe :   (Eiivres 
de  P.  Corneille  (Paris  18G2). 


Sonstige  Quellen  Verhältnisse  hei  r{r>homo!ec. 


i>15 


DOR: 

ALC: 
DOR: 


DOR :  Et    la    mu.si([ue    (eile    est 

helle)? 
ALC:   As.^ez  pour  n'on    rien  cli- 
»hiij^'ner  .  .  . 
Kt    vüus    no   savez    point 

colui  (jni  l'a  ilonn6e? 
Vous  en  rlez  ? 

Je  ris  de  vous  voir 
ctonne 
Dun    divertissenient    que 
je  me  suis  donne. 

J'avois  pris  cinq  bateaux  . . 
Au    Premier    violons;    en 

l'aulre  lutLs  et  voix; 
Des  flüles   au    troisieme : 

au   dernier    des   hau'.- 

hois. 


SAÄ! :  Cha  cha  rlia!  A  pi^kna 
liyla  niuzykaV 

IKJII:  Rardzo  doskonala. 

.SAM  :  Dyly  lani  bkizypce,  wiole, 
liohoieV 

DOR:  Hyly.' 

SAM:  A   tiahy,  wallornie? 

DOR :  V  te  hyly.  Sloweni  prze- 
dziwiia  hyhi  niuzykal 

SAM  :  Clia  cha  '  cha !  Y  Wai,z- 
niosd  Ranowie  nie  wiecie, 
czyia  to  muzyka  ? 

DOR:  Nie  uieni. 

SAM:  3loia  Iü  wlasna,  inoia  !  Ja 
si^  w  tyin  bardzo  kocham 
y  przyznam  sie  Waszmost* 
Fanom,  ze  w  tym  mnie 
/aden  nie  przt'sadzi. 
!  ALK:  A  u .  koi,'oz  ta  muzyka 
^rala  ? 

SAM:  U     kogo  zaä?    U  mniel 

Bei  Corneille  ist  die  c^anze  Zeit  die  Rede  davon,  daß  dieses 
Musi kiest  zu  Ehreu  einer  gewissen  Dame,  um  deren  Gunst 
sich  der  Held  beworben  haben  soll,  gegeben  worden  sei. 
Nach  der  «collation»  habe  man  getanzt,  «apres  ce  passe- 
temps  on  dansa.  jusqu'au  jour».  In  der  hier  zitierten 
Bohomolecschen  Szene  ist  von  einem  solchen  Festmotiv 
nicht  die  Rede,  statt  dessen  erzählt  der  Held  aber  schon 
früher,  im  ersten  Akte  (Sz.  2)  von  einer  anderen  ckolla- 
cya»,  bei  der  auch  getanzt  worden  ist,  und  bei  der  auch 
eine  Dame  zugegen  gewesen  zu  sein  scheint  (Bohomolec 
kann  es  nicht  ganz  deutlich  sagen),  um  deren  Gunst 
Samochwal  sich  wahrsclieinlich  besonders  beworben  hat; 
er  erzählt  seinen  Freunden : 

«Mialem  vvczora  u  siebie  \v  Palacu  ochotQ.  Bylo  to  tarn 
dosyc  dam  y  kawalorow  pierwszego  gatunku,  IJawilisi^u  mnie 
do  wtörey  prawie  w  nacy  godziny.  Pewnq.  z  tych  dam  od- 
wiözleni  w  swoiey  karecie  do  iey  palacu. > 

Wenn  er  bleich  darauf  hinzufügt,  daß  er  aus  dem  Hause 
dieser  Dame  <jsam  ieden  do  domu  incognito»  heim- 
gekehrt sei,  so  ist  auch  dieses  vielleicht  eine  Reminiszenz 


210  Kapitel  IV. 

an  jene  Szene  l)ei  Corneille,  "vvo  Dorante  gleichfalls  von 
seinen  nächtlichen   «incognito» -Visiten  spricht. 

Eine  andere  Analogie  zwischen  einer  Corneilleschen 
und  einer  Bohomolecschen  Stelle  ist  folgende.  Dorante 
erzählt  bei  Corneille  (IV,  3)  seinem  Diener  Cliton  von 
seinem  Zweikampfe  mit  Alcippe,  den  er  getütet  habe, 
und  als  der  Diener,  entrüstet  darüber,  daß  sein  Herr  auch 
ihn  belügt,  behauptet,  daß  Alcippe  lebe,  antwortet  ihm 
Dorante,  daß  er  ihn  mit  einem  Geheim  mittel  wieder 
zum  Leben  zurückgerufen  habe: 

DOR:  Alcippe  te  siirprend,  sa  guerison  t'etonne? 
I/etat  oü  je  le  mis  etoit  fort  perilleux; 
mais  il  est  ä  present  des  secrets  merveilleux  : 
ne  t'a-t-on.  point  parle  d'une  source  de  vie 
que  noinment  iios  guerders  «poudre  de  Sympathie)? 

Cliton,  j'en  sais  une 

qiii   rapiK^lle  sitöt  des  portes   du   trepas. 

Als  bei  Bohomolec  Alkander  und  Dorant  ihr  Erstaunen 
darüber  ausdrücken,  daß  der  Held  trotz  seiner  tollkühnen 
Tapferkeit  niemals  verwundet  worden  sei,  kann  auch 
dieser  von  einem  geheimen   «Svmpathiepulver»  berichten 

(11,1): 

SAM :  Ja  siQ  przyznam  Waszmosc  Panom,  zem  siQ  nauczyl 
pewnego  sekretu,  ktory  umiei^c  w  naywi^kszym  gminie 
iiieprzycicjl  zginj^c  niepodobna.  Prawda,  ze  temu,  ktöry 
go  ninie  nauczyl,  dalem  5000  czerwonych  zlotych.  Ale 
wart  on  togo,  poniewaz  tyle  razy  zycie  moie  ten  sekret 
ratowal. 

Hier  sei  im  Vorljeigehen  bemerkt,  daß  ein  ähnliches  Motiv 
in  der  Komödie  «Urazai^cy  si^  nieslusznie  o  przymowki» 
vorkommt.  Hier  ist  der  Held  Namens  Glupski  von  einem, 
gewissen  Frantocki  arg  verprügelt  worden,  als  aber  sein 
Diener  auf  seine  Hilferufe  herbeieilt,  schwindelt  ihm 
Glupski  vor,  daß  e  r  den  anderen  ä  la  parisienne  im  Duell 
.«chlimm  zugerichtet  habe,  ohne  ihm  doch  das  Leben  zu 
rauben.  Nun  hat  aber  der  Diener  eben  den  anderen  frisch 
und  unverletzt  gesehen,  und  es  entspinnt  sich  daher  folgen- 
des Gespräch  zwischen  den  beiden  (HI,  2): 


Sonstige  QuellenverliüUnisse  hei  Bohomolec.  i\l 

CHL:  .K*».  t\i  biegiic  du  Waszmos»-  l'ana,  sjxilkalem  pana  Fr;ui 
tockiogo  a  zacliicy  na  iego  twarzy  ani  na  gtowie  iego 
rany    nie   witlzialem. 

GLU:  Ja  si(j  teniu  sam  dziwowalein,  zc  ]x>  tak  straszliwyin 
ci<jciu  zadncgo  nie  zostalo  znaku.  Ale  mi  si(j  przyznal 
zlodzioy,  iz  nia  i  n  k  1  u  z  (^ ,  (IIa  ktörcy  go  zatliie  nie 
l)ierze  zolazo.  Oy.  gJyby  nie  inkliiza,  zbioralby  po 
/iemi  z^by  I  Jodnakze  dobry,  zlodzicy,  na  palasza ! 
Tylko    trafil   na   lepszcgol 

Diese  Stelle  steht  der  Corneilleschen  sogar  noch  näher 
als  die  oben  aus  dem  «Chelpliwiec»  zitierte,  sie  .steht  ge- 
wissermaßen als  Vermittlerin  zwischen  dem  «Menteur» 
und  dem  «Chelpliwiec» :  bei  Corneille  hat  der  Held,  der 
das  Duell  erfindet,  das  Zaubermittel,  mit  dem  er  den 
Gegner  wieder  herstellt;  bei  Bohomolec  im  «Urazai^cy 
sie»  hat  nicht  der  Held,  der  das  Duell  erfindet,  sondern 
der  von  ihm  angeblich  besiegte  Gegner  das  Mittel,  mit 
dem  er  sich  selbst  wieder  heilt;  im  «Chelpliwiec»  schließ- 
lich hat  der  Held,  der  seine  Duelle  erfindet,  das  ^liitel, 
mit  dem  er  sich  selber  gesund  macht,  während  vom  Gegner 
oder  von  den  Gegnern  in  diesem  Zusammenhange  gar 
nicht  die  Rede  ist.  Jedenfalls  ist  das  hier  Vorgebrachte 
ein  neuer  Beweis  dafür,  daß  Bohomolec  auch  Corneilles 
Komödie  berücksichtigt  hat. 

Einen    andern  Beweis    erhalten   wir   weiterhin   durch 
die   Tatsache,    daß    öamochwal    wie    Dorante   unerwartete 
Sprach  kenn  t  n  isse  besitzt,   mit  denen  er  prahlt.     Bei 
Corneille  lesen  wir  folgende  Stelle  (IV,  3): 
CLI:    Vous    savcz   donc   l'hebrcu? 

DOR:  L'hebreu?   Parfaiteinont. 

.l'ai    dix   langucs,    Cliton,   ä  nion    commaiidenient ! 

Etwas  sehr  Ähnliches  sagt  auch  Samochwal  (1,  1): 

SAM:  Ja  pi^tnascie  i^zyköw  umicm,  a  kazdy  doskonalc.  Ca 
siQ  zas  tyczy  polskicgo  i^zyka,  ton  lepiey  nad  iniie 
umiem,  bo  matka  moia  byla  polka  rodowita. 

Diese  Reihe  der  Zusammenstellungen  sei  endlich  n.dt 
noch  einer  letzten  Parallele  abgeschlossen.  Bohomolec' 
Held  prahlt  folgendermaßen  von  seinen  kriegerischen 
Heldentaten  (I,  2): 


21S  Kapitel  IV. 

SAM:  Y  po  dzis  dzien  m  e  i  m  i  (j  tarn  (auf  Miiiorca)  wspo- 
minni;\  z  honorem.  Waszmosc  Panov. ie  miewacie  ga- 
zety   paryskie? 

Ebenso  behiuiptetDorante  als  Kriegsmann  so  berühmt  7A1  sein, 
daß  die  Zeitungen  oft  seinen  Namen  genannt  haben  (1,3): 
DOR:  Et  durant  ces  quatre  ans 

il   nc  s'est   fait   combats   ni   Sieges  importants, 
nos    armes   n'ont   jamais    remporte    de    victoire, 
Oll   ceUe   mala  n'ait  eu   Ijonne   part  ä  la   gloire: 
et  meme  la   gazette   a  souvcnt  diviilgues   .  .  . 
Moii  n  o  m  daiis  nos  succes  s'etoit  mis  assez  haut 
poiir   faire   qiielcfue    bruit   sans    beaucoup   d'injustice. 

Daniit  tretcni  wir  an  eine  neue  Frage  heran :  welcher 
Art  sind  die  Prahlereien  des  Bohomolecschen  Helden? 
Es  erweist  sich  da  zunächst,  daß  der  Samochwat,  als 
Charakter  betrachtet,  dem  Corneilleschen  Helden  näher 
steht  als  dem  Goldonischen,  und  zwar  ist  die  eben  zitierte 
Stelle  gerade  das  entscheidende  tertium  comparationis. 
Lelio  ist  nicht  bloß  lügenhaft,  sondern  zugleich  auch  mit 
ausgeprägten  Don  Juan-Zügen  ausgestattet;  diese  letzteren 
sind  auch  eigentlich  die  Quelle  seiner  Lügen. ^^  Freilich 
ist  auch  Dorante  lÄigner,  weil  er  Don  Juan  ist,  aber  außer- 
dem finden  wir  in  der  Zeichnung  seines  Charakters  deut- 
lich akzentuierte  Züge  eines  bramarbasierenden  Soldaten, 
—  davon  zeugen  z.  B.  seine  Prahlereien  mit  seinen  ver- 
meintlichen Heldentaten  in  Deutschland,  obgleich  er 
niemals  Soldat  gewesen  ist,  sondern  eben  erst  den  Stand 
eines  Scholaren  verlassen  hat.  Die  Notwendigkeit,  die 
teilweise  erfundenen  galanten  Abenteuer  des  französischen 
oder  italienischen  Helden  durch  andere  zu  ersetzen,  seinen 
Erfindungen  eine  andere  Richtung  zu  geben,  hat  Bohomolec 
dazu  gezwungen,  den  Charakter  des  Goldonischen  Lügners 
in  den  eines  Prahlers  umzubilden.  Und  nun  scheint  es 
mir  nicht  ausgeschlossen,  daß  es  gerade  jene  Bramarbas- 

1'^  Richard  S  c  h  m  i  d  b  a  u  e  r ,  Das  Komische  bei  Grol 
doni  (München  1906),  S.  67.  —  Comeilles  Dorante  steht  in  dieser 
Beziehung  dem  Alarconschen  Helden  Don  Garcia,  einer  Art  Fan 
farron- Variation,  näher  als  Groldonis  Lelia.  Vgl.  H.  A.  Palu- 
dan,  a.  a.  0.,  S.  229,  Bohomolec'  Held  nähert  sich  somit  wieder 
dem   Urbilde   der  ganzen   Reihe. 


Sonstige  Quellen  Verhältnisse  bei  Holinniolcc.  :21') 

ziige    im    Charakter    des    Corncillpscheii    Dorante   gewesen 
sind,    die    ihm   die  Idee    eingaben,    diese    Seite"    in    der 
Persönliclikeit    des    neuen  Helden    besonders   zu    betonen. 
Eine    Handlung    hat   die    polnische    Komödie    nicht. 
Das  einzige  aktive  Element  derselben  besteht  darin,   daß 
Samochwal  seine  Freunde  zweimal  zu  sich  in  sein  nicht- 
existierendes  Palais    einlädt,    und    daß   der  Dienen   beide- 
mal etwas    erfinden  muß,    um    sie  davon  abzuhalten,   der 
Einladung  Folge  zu  leisten.     Beidemal  wendet  dieser  eine 
List  an,  die  nicht  Bohoraolec'  Eigentum  zu  sein  scheint: 
das  erste  Mal  erfindet  er  die  Geschichte  von  dem  bevor- 
stehenden  Überfalle  auf  Samochwals  Palais,   den  die  von 
ihm  l.)esiegten  Kavaliere   zu  verüben   beabsichtigen  (f,  4). 
LKO:  Ostrzegl    miQ    iedeii   przyiaciel,    ze    tanici   kawalerowie  w 
nocy  od'niego  porc^bani  maijv  napa§c  na  niego  w  palacu 
podczas   samey   kollacyi.    Ma  ich   byc   wi^cey   niz   dwie- 
scie   .  .  .    Juz  sIq  prawio  wszyscy  od   tcy   kollacyi  wy- 
möwili,     skoro    siQ    o  tym    z\vij\zku     leg)    nioprzyiaciöl 
dowifKlzieli.      Ci    strasznie    sIq     zcstroiU:     z    sfrzolbami, 
pistoletami,     muszkietami.       Mai^i    napasc    na    palac     y 
wszystkich    tak   domowych    iego   iako    y  przyiacidl    maiii 
zabiiac.     Kto  takioy    liczbie   mozc    si?   oprzec  ? 

Das    ist   dasselbe  Motiv,    das   auch    im   «Ubogi    pokorny» 
vorkommt,  und  das  ich  oben  aus  einer  Poreeschen  Komödie 

i-i  ^Vcnll  Samochwal  unter  anderem  (I,  2)  damit  prahlt,  daß 
er  Minorca  erobert  habe  an  der  Spitze  von  «pi^c  regimentow 
francuzkich  naydzielnicyszych»,  und  dann  später  näher  erklärt: 
«bo  trzcba  o  tym  wiedziec,  zem  ia  naypierw  wpadl  na  koniu 
do  Minorki,  gdysmy  iey  dobywali»,  trotzdem  es  eine  Seeschlacht 
war,  denn  sein  indisches  Roß  hätte  ihn  schwimmend  zum 
Schiffe  des  Königs  von  England  getragen,  der  vor  ihm  fliehon 
mußte  (III,  2),  so  ist  das  deutlich  eine  Reminiszenz  aus  der 
Fatouvilleschen  Komödie  «Arlequin  Jason»,  die  wir  in  der  Sam!n- 
lung  der  Gherardi  (Bd.  I,  S.  176)  finden;  hier  erzählt  Arlequin 
gleichfalls  von  einer  Seeschlacht : 

ARL:  ...  Je  detachay  qnatrc  Fregattes  qui  monterent  teste 
baisseo  dans  le  Fort,  &  s'en  rendiren^  los  maistres.  Le 
Signal  de  la  l>ataille  estant  donni'-,  1  a  C  a  v  a  l  e  r  i  e 
comnionra  ä  escarmoucher. 
T.A  REINE:  Come  la  Cavalleria  sopra  il  Marc? 
ARL:  Ouy,  Madame,  c'estoit  des  Chevaux  marins  qxie  j'avcis 
mis    sur   les   alles    ... 


2i>0  Kiipitel  ly. 

herzuleiten  versucht  habe  (S.  CA)).  Das  zw-eite  Mal  (ill,  4) 
orlindet  Leopold  eine  andere  Geschichte,  um  die  Gäste 
von  dem  Hause  seines  Herrn  fernzuhalten,  nämlich  die 
Fabel  von  einer  plötzlich  ausgebrochenen  Seuche: 

LEO:   Ach,  Mospaiiie,  inkie  nieszez^scie! 

SAM:    Co  tnkiego? 

LEO:  Idz  Waszmosc  Pan  pr^dzey  do  palacu  swego.  Obacz, 
CO  tarn  trupöw  lezy! 

SAM:   A  to  iak? 

LEO:  Nie  tylko  dworscy  Waszmosc  Paiia,  ale  y  goscie,  ktörzy 
Pio  na  obiad  ziechnli,  mi^dzy  temi  tnipami  znayduia  si^. 

SAM:  Ale  coz  to  przecie?  Möw  mi  prqdzey,  z  iakiey  to 
przyczyny  V 

LEO:  Te  dywany,  ktöre  Waszmosc  Paiiu  z  Turek  przywie- 
ziono,  skorosmy  rozpakowali,  zaraz  ludzie  uniierad 
zacz^li  y  iako   muchy  popadali. 

ALK:   Musiaty  byö  z  apo  wi  etrz  oneV 

LEO:  Tak  tez  inniemaia. 
Wir  erkennen  hier  unschwer  ein  Motiv,  das  Bohomolec 
schon  in  einer  anderen  Komödie  benutzt  hat,  besser  — 
das  wir  schon  in  einer  anderen  Komödie  konstatiert 
haben.  Bei  der  Abfassung  der  «Przj^'aciele  stolowi»  er- 
setzte, wie  bekannt,  Bohomolec  die  Erzählung  von  den 
«mostella»,  die  der  Diener  bei  Plautus  seinem  heim- 
kehrenden Herrn  auftischt,  durch  eine  Geschichte  von 
der  plötzlich  ausgebrochenen  Seuche,  ^^  und  da  die  Situation 
im  «Chelpliwiec»  derjenigen  in  den  «Przyiaciele  stolowi» 
auffallend  ähnelt,  können  wir  ruhig  annehmen,  daß  das 
Motiv  aus  dieser  Komödie  in  jene    hinübergewandert  ist. 

Die  «Handlung»  schließt  damit,  daß  Samochvval  sich 
in  seine  eigenen  Lügen  verstrickt  und  in  die  Falle  geht, 
die  die  beiden  mißtrauisch  gewordenen  Kavaliere  ihm 
absichtlich  stellen. 

Dieser  Schluß  ist  in  ganz  auffallendem  Grade  iden- 
tisch mit  dem  Schluß  einer  anderen  Komödie  unseres 
Paters,  die  auch  hier  behandelt  werden  muß,  weil  der 
Held  derselben  nichts  anderes  ist  als  eine  Variation  des 
Helden  des  «Bugiardo»,  des  «Menteur»,  des  «Chelpliwiec», 

JS  Vgl.  oben  S.  118  f. 


Sonstiyre  Quellenvcrlulllnisse  bei  Hohomolec. 


2^21 


und  weil  die  f^anze  KomixJie  in  ungefälu-  demselben  Ver- 
hiiltnis  zur  Guldonischen  und  zur  Corneillesclien  Komödie 
steht  wie  der  «Chelpliwiec».  Ich  führe  hier  zum  Beweise 
dieser  Behauptung  zunächst  den  Schluß  heider  polnischen 
Komödien  an,  indem  icli  vorausschicke,  daß  der  Held 
des  «Junak»  —  denn  so  heißt  der  Titel  dieser  an- 
deren Komödie  —  genau  wie  Samochwal  einige  Kavaliere 
durch  seine  Lügen  in  Harnisch  gebracht  hat,  und  daß 
er  in  die  von  ihnen  gestellte  Falle  geht. 


C  h  e  1  p  1  i  \v  i  e  c : 


ALK: 


SAM: 
ALK 

SAM: 

ALK 

SAM: 


.  .  .  Mam   tyle    Hinialosci, 

ze   tak  zatnej^'o   kawalera 

mam  wyzwac   na  poiedy- 

nek. 

Na  poiedynek? 

Tak  iest.     Prosz^  y  wyzy- 

waui. 

^V'aszmosc  Pan  chcesz  ze 

mna  poiedynkowac? 

Nie  inaczev. 


to' 


ze    mna 


V 


ze 


SAM 
ALK 
SAM 


Jakby 
mnaV 

ALK:  Z  Waszmosc  Paneiii,  z 
Waszmosc  Paiieml 
Waszmosc  Pan  ze  miifi? 
Ja  z  Waszmosc  Panem  I . . 
Dia  przyiazni  to  czyni^ 
"Waszmosc  Panu,  ze  mu 
dai^  czas  do  uwazenia, 
iakie  zl^d  dla  niego  moze 
wyniknac  niebezpieezen- 
stwo. 

Dzi^kuig  za  t^  lask^  iak 
naypokorniey  y  oznaymui^, 
ze  ia  nie  uwazain  na  zad- 
ne  niebepieczeiistwo , 

gdzie  chodzi  o  möy  .  .  . 
honor.  Nie  bawmy  si^ 
teJy,     Czekam ! 

SAM:  Ale  .  .  .  Tylkoz  .  .  .  Przy- 
pomnij  .  .  .  Wszak  Wasz- 
mosc Pan  slyszal^  co  ia 
umiem? 

ALK:   Jawszystkiegozapominam, 


ALK: 


J  u  n  n  k : 

ROB:  Przepraszim  Waszmosc 
Pana,  ze  nie  mogq  tu 
dluzey  bawic.  Dalem 
pewnemu  kawalerowi  pa- 
rol,  ze  mam  z  nim  expery- 
mentowac.  Muszq  po- 
spieszyc-,  bo  iuz  ta  i^'odzina 
przyszla. 

Pizepraszam,  ze  niepier- 
wey  .  .  . 

Chcesz  Waszmosc  Pan, 
zebym  ia  honor  slracil, 
niestawiqc  si^puiiktuabiie 
na  placu? 

Pierwey  Waszmosc  Pan 
niasz  si^  ze  mna  rozpra- 
wic  .  .  . 

Ja  tu  nie  mogQ  sluzyö 
Waszmosc  Panu,  bom  ia 
ieden,  a  Waszmosc  Panow 
dwöch.  Sita  zlego  dwöch 
na  iednego. 

KLE:  Ja  sIq  nie  mieszam  do 
tego  poiedynku,  tylko  si^ 
dziwuit;,  ze  Waszmosc 
Pan  .  .  .  dwöch  l^kasz  si§. 
Ja  si^  l^kam?  JaV  Ach, 
gdybym  miid  czas,  tobym 
to  wnet  .  .  .  Nie  chc^  wi(j- 
cey  möwic. 

Mosvze,  CO  mialos  möwic. 
To  mialem  möwic,  zew  net 
dobylbym  p  liasza  y  sJuzyl- 
bym  Waszmosc  Panu. 


DOR 
ROB: 

DOR; 
ROB: 


ROB; 


DOR 
ROB 


i22 


Kapitel  IV 


SAM: 


ALK: 


SAM; 

ALK: 


SAM; 


ALK; 
SAM: 


ALK: 

SAM: 
ALK: 


SAM; 
ALK: 
SAM; 


ALK; 
SAM: 
ALK; 


SAM: 
ALK; 


pdy  mam  Iiouor  w  pami^j- 

ci. 

Olöz   in   Waszmo^ö    Panu 

przypomn^.    Wiesz  Wasz- 

mosc  Fan,  ze  ia  .  .  . 

Wiem,  wieni,    zes   Wasz- 

mosc  Pan  baidzo  dzielny 

kawaler 

A  przeciez? 

A  przeciez  mam  lyle  smia- 
tosci,  ze  si^  chcQ  spotkac 
z  Waszmosö  Paiiem.  Pro- 
sz^  tedy  nie  bawid.  Tu 
na  tym  mieyscu  zelaza 
sprobuiemy! 

Ja  znam  na  AV7lot,  czego 
chces-z  Waszmo8C  Pan. 
Dia  lego  chcesz  ze  mn^ 
spotkad  f-i^,  zebys  si^  m6gl 
potym  pzczycic,  zeö  ze 
mn^.  takim  kawalerem, 
miat  spraw^.  [kam. 

Prawdii,  tego  honoru  szu» 
Olöz  pizepraszam,  nie  b§- 
dziesz  go  Waszmosc  pan 
mial. 

Ale  proszQ  mi  lego  szczq- 
ßcia  nie  zayrzec. 
Nie  b^dzie  nie  z  lego! 
Kiedy     prozba    tey    laski 
ziednac  mi   nie   moze,   to 
palasz   ziedna.      Dobyway 
broni,  hultaiu! 
Jakto? 

Oto  tak,  iak  ia  dobylem. 
Ale  iakoby  to  mnie  Wasz- 
mosc Pan  bultaiem  nazy- 
wasz  V 

Ciebie,  ciebie,  filucie! 
Co  ieszczeV  y  «filucie»? 
Ciebie,      möwi(?,      ciebie! 
Dobyway     zaraz,     bo     ia 
zaczynam  poiedynek. 
Jakto? 

Oto  tak!  Zuczynaml  (Chee 
go  r^bac:-; 


DOP^:  WiQC  dobyway! 

ROB:  Juz  rnowi^,  ze  czasu  nie 
mam. 

DOR:  Nie  na  czasie  ci  zbywa, 
ale  na  sercu! 

ROB:  Mnie  na  sercu  zbywa? 
mnie?  MospaniC;  pierwey 
zgin^ö  potrafi^  niz  si§ 
przelQkn^ö  kogo. 

DOR:  A  czegoz  Ia  r^ka  drzy 
Waszmosc  Panu? 
j  ROB:  Przepraszam,  nie  drzy, 
ale  od  radosci  skacze,  ze 
si^  iey  podaie  plac  do 
pokazania  tego,  co  umie. 
Y  iuzby  si^  ona  dawno  we 
krwi  pienila,  gdyby  nie 
pewne  okolicznosci. 

DOR:  Niechze  sIq  pieni!  Dobf^dz- 
I  my  palaszöw! 

i   ROB:  A  dobyd? 
'    DOR:  Czekam! 

ROB:  Kiedy  tak  —  dobywaymy! 
Ale  .  .  .  wszak  to  ia  zapo- 
mnialem,    ze  lest  exkom- 
!  munikacya   na    poiedynkit 

i   DOR:  Dobrze,     ze    masz    czym 
j  pokryc  tvvoie  tchörzostwo. 

ROB:  Dziwna  rzecZ;  ze  u  Ichmos- 
ciöwdelikatnosdsumnienia 
lest  tchörzostwem.  Otöz 
na  dowöd,  zem  nie  tchörz, 
we^  Waszmosö  Pan  dys- 
pens^,  zehym  mögl  z  do- 
brym  sumnieniem  poiedyn- 
kowad,  a  obaczysz,  iak 
delikat  nie  usluz^  Wasz- 
mosc Panu. 

DOR:  Sluchay,  schoway  si§  z 
temi  zartami!  Widz^,  zes 
tciiörz,  y  zawsze  ci^  b^d^ 
miat  za  ostatnieKO. 


Sonstige  Qiiellenverhä'.tnisse  bei  Bohomolec. 


4-23 


In  beiden  Komödien  wird  hier  ilic  iiandlun;;  durch  das 
Dazwit^chenkonimen  einer  dritten  Person  iintcri)rochen.  Im 
«Chelpliwiec»  kommt  Alkanders  Freund  Dorant,  im  «Junak» 
Dorants  Freund  Leander,  beide  mit  Polizei.  In  der  erst- 
genannten Komödie  kommt  zugleich  der  alte  Anzelm,  um 
Samochwal  nach  seinem  Sohne  auszufragen. 
ANZ:   Moöci  Dobrodzieiu,  sly:;Za-   !    LEA:   Nie  l>au"iny  si^  ledy.    zol- 


leni,  ze  Waszmosd  Pan 
znaszSamochwala.  Chciey- 
mi  z  iaski  swey  oznay- 
inic  gdzie  si§  oii  obraca. . . 

SAM :  Wiem  ia  o  nim.  Powiein 
Waszmosö  Pauu,  ale  se- 
kretnie.  i 

ALK:   Nie  pozwalamy  lu  zadnych    • 

sekretöw.  M6w  Waszmoßc   i   LEA 
I'an  iawuie,  itsü  masz  co   i 


nierze,  wzac    \v   kaydany 

Je^'on.oKcia! 
ROB:  Jeszcze  y  w  kaydany? 
LEA:    Ale  iakzeV  Mani  taki  roz- 

kaz. 

Ale     Mosci     Dobrodzieiu, 

przynaymniey  trochq    po- 

czekp.d. 

Radbyrn    ns-    lym    stuzyc, 

ale  nie  mog^. 


ROB; 


möwic.  

SAM:   JesL   taki    sekrel,   klörego  j  ROB:  Ja  to   dla    zarlu    tylko    y 

wydac  nie  mog^.  '  rozrywki  mowilem. 

ALK:   Jesli  nie  mozesz,  nie  przy-  ;  KLE:    Jakto?     Wi^c    Waszmosö 


muszamy.    ^ohiierze,   za- 

raz  go  okowac! 
SAM:   Ale  zaraz,  zaraz !  Tylko  sIq 

rozmöwi^  z  Jegomosö  Pa- 

nem  Anzelmem. 
ANZ:    A    Waszmosö  Pan    wiesz 

Dioie  imi^. 
SAM:   AViem,  wiem,  ale  .  .  . 
DOR:  Ale  my  siq  bawimy.    Wez- 

cie  go,  okuycie! 
SAM:   Zaraz,  zaraz!  Otöz  powieni 

W^aszmoscPanomszczerze, 

ze  nie  ia  to  z   owemi  ka- 

walerowrimi  poiedynkowa- 

lem.    Y  na  to  przysi^gam. 

ALK:  Jakto?  Alboz  to  Wasz- 
mosc  Pan  klamal,  gdys 
nam  ten  poiedvnek  opisy- 
wal? 


SAM 


Mosci     Panowie.    wyznai^ 
szczeize,     cokolwiek    mö- 


Pan  ze  mnie  zarlowales? 

LEA:  .  .  .  Wezcie  go  zaraz  w 
kaydany I 

RFß:  Ale  Mosel  Dobrodzieiu, 
slöwko  tylko,  sJöwko! 

LEA:    Slucliam. 

ROB:  Ale  Waszmosö  Panu  tylko- 
samemu  powiem,  y  to  pod 
sekretem. 

LEA:  Pizepraszam.  Ja  w  tych 
okolicznosciach  nie  niog^ 
z  Waszmcsc  Panem  ga- 
dac  sekretnie,  zebym  nie 
wpacU  w  iakie.  podeyrzenie. 

ROB:  Jc-dnakze  .  .  . 

LEA:  Ale  darmo!  Zohiierze, 
wnet  go  wzif^c  w  kaydany f 

ROB:  Olöz  powiem  publicznie  y 
przysi^gara  na  niebo  y 
ziemi^,  ze  nigdy  w  zyciu 
mym  nie  poiedynkowalem. 
Cokolwiek  mowilem,  tom 


±21 


Kapitel  IV. 


wilem  WaszjHOtir'  i'anom 
dia  /.artu  lylko  niöwilem . . . 

ALK :  Wi^c  wszystko  to  kiamslwo 
In'lo,  cos  nam  prawil.  .  .V 

SAM:  Wszystko  to  tylko  chlubiac 
si^  inövvileni.  Ale  daruy- 
cie  mi  dla  Hoga! 

ALK:  Poiiievvaz  iuz  wyziialei^, 
kto  iestes,  my  tez  wyzna- 
iemy,  ze  nam  zaden  ani 
krenny  ani  przyiaciel  nie 
tylko  nie  zginal,  ale  ani 
tez  lest  raniony.  Udali- 
smy  Iq  rzecz  przed  loha, 
zebysiny  tey  prawdy  dociek- 
11,  klöra  sitj  teraz  wyda- 
Ya.  Smieici  ani  kaydanow 
nie  l^kay  si^.  Do  kozy 
iednak  pöydziesz  y  b^- 
«Iziesz  si^  tarn  wyplacaj 
za  te  cliluby.  ktöremi  na^ 
uvvodziles.  Wezcie  go, 
zolnierze,  y  zaprowadzcie 
go  de  kozy. 

SAM :    Ach,  Mosel  Dobrodzieiu . . . 

DOR:  Ktaniamy,  Mosel  Panle 
markizie  de  Kuraz! 

ALK:  Klaniamy,  Mosel  Panle 
komendaneie     austi7acki ! 

ANZ:  Klaniam  y  ia,  Mcspanie 
francuzie! 

SAM:  Ach,  oycze  möy  y  dobro- 
dziey,  pizynaymniey  Wasz- 
mosc  Pan  .  ,  . 

ANZ:  Nie  poznaJes  mi^  za  oyca, 
nie  znam  ci§  za  syna. 
Dobrze  tak  na  ci^!  Nie 
wynos  si^  \N7zey,  niz  ei 
stan  pozwala, 

SAM:  Nie  odst^puy  ty  mnie  przy- 
naymniey,  Leopoldzie. 

LEO :  Przepraszam,  Mospanie, 
Boi^  si§  tani  ii^c,  gdzie 
Waszmosd  Pana  prowadz^, 
bo    to    mieysce    zapowie- 


mövvil  dla  zartu  y  chluby. 
Jezeli  inacxey  iesl,  boday- 
by  initj  ... 

LEA:  Stöy,  stöy!  Nie  przeklinay 
si§!  Wierzymy  bez  tego,  ze 
Waszmosö  Pan  nie  wielki 
kawaler.  Ta  sama  chelpli- 
wosc  Waszmosc  Pana, 
pizez  klörj^  chciales  si^ 
udad  za  kawalera  dobrego, 
vvyperswadowala  nam,  ze 
Waszmosc  Pana  r^ka  nie 
z^'adza  s\q  z  iQzykiem.  Im 
kto  lepszy  kawaler,  tyni 
mniey  porywczy  lest  do 
poiedynköw  y  naymniey 
0  nich  gada.  Podiego  to 
serca  zwyczay  zalecac  sie- 
bie  samego  y  to  sobie 
przypisywac,  do  czego  sIq 
nie  poczuwa. 

'Wszak  prözna  beezka 
szumi,  a  wiatr  iq,  obali; 
pelna  stoi,  choc  milczy, 
chociaz  si^  nie  chwali', 
napisal  autor  'Argenldy 
Polskley'.  Wledz  tedy 
Waszmoöc  Pan,  ze  to 
wszystko,  cosmy  czynili, 
iest  zart,  na  odkrycie  y 
zawstydzenie  chelpliwosci 
Waszmosc"  Pana  ulozony, 
y  ei  zohiierze  s^  zotnierze 
zmysleni.  Wi^c  zosta- 
wuiemy  Waszmosc  Pana 
na  wolnosci  y  —  klaniamy. 

DOR :  Y  ia  za  moie  krzywdy  sIq 
tym  kontentui^  ukara- 
niem. 

KLE:  Wez  Wäszmosö  Pan  ten 
kawalek  bohaterskiey  sza- 
bli  y  nam  za  t(j  nauczk^ 
b^dz  wdziQczen!  (Odcho- 
dz^). 

ROB:  Frontynie,  cosi^  to  dzieie? 


Sonsliije  Quellcnverhältnisso  bei  liohomolec.  225 

trzone  dywanami  tureckie-  .    FRO:  Zazartowali  z  nos,  Mospa- 

mi.  )               nie.     Dobrze  to  möwiii,  iz 

SAM :  Ale  nieba\vi:ic    .  .  .  '^^hi^znie  teil    traci   sbiA\\\ 

LEO:   Dzic^kuiij.     Mosci     Üobro-  kto  iey  nie-ki>ziiym  szuka 

dzieiu.   Jam  chudy  pacho-  sposobem'. 

lek,  nie  —  ka waler! 

Eine  besondere  Beziehung,  sei  es  zur  Goldonischen  oder 
Corneillesclien  Komödie,  liegt  hier  offenbar  weder  im 
Schlüsse  des  «Chelpliwiec»  noch  in  dem  des  «Junak»  vor, 
wenn  wir  auch  einräumen  müssen,  daß  das  traditionelle 
Motiv,  wonach  der  lügnerische  Held  sich  in  seinen  eigenen 
Lügen  zu  verstricken  hat,  auch  dem  Schlüsse  der  franzö- 
sischen und  italienischen  Komödie  zugrunde  liegt.  Dagegen 
ist  die  Übereinstimmung  zwischen  den  letzten  Szenen  der 
beiden  Bohomolecschen  Komödien  ganz  auffallend.  Die 
beiden  Komödien  gehören  unbedingt  zusammen,  und  ist 
der  «Chelpliwiec»  auf  Grund  der  obenbezeichneten  Quellen 
entstanden,  so  haben  wir  natürlich  recht  zu  vermuten,  daß 
<liese  eine  ähnliche  Rolle  auch  bei  der  Entstehung  des 
« Junak  >   gespielt  haben  müssen. 

Wir   können    das    auch    direkt    beweisen.     Ich    habe 
schon    oben    Gelegenheit    gehabt,    eine    Stelle    aus     dem 
«Urazaiqcy  si^»   anzuführen,  wo  der  Held  prahlerisch  be- 
hauptet,  eben    einen  Gegner  im  Duell    besiegt  zu  haben. 
Das  geheinmisvolle  Mittel,  das  Immunität  gegen  Wunden 
zu  verleihen  vermag,    war  dort  aus   einer  analogen  Stelle 
in  der  Corneilleschen  Komödie  genetisch  erklärt  worden. 
Erfindung  eines  siegreichen  Duells  aber  finden  wir  sowohl 
bei  Corneille  wie  auch  bei  Goldoni  wieder.     Bei  Corneille 
wird  der  Lügner  Dorante  von  dem  Kavaliere  Alcippe  zum 
Zweikampfe    herausgefordert,    dem    er    sich    aber    zu   ent- 
ziehen weiß  (III,  1).    Darauf  erzählt  er  aber  gleich  seinem 
Cliton,  wie  er  Alcippe  getötet  habe  (IV,  1): 
DOR:  Nous  vidons  sur  le  pre  l'affaire  sans  t^moins; 
et  le  percj^ant  ä  jour  de  deux  oups  d'estocade 
je   le   mets   hors   d'etat   d'etre   jamais  malade: 
il  tombe  dans  son  sansj. 
CLI:  A  ce  compte  il  est  raort? 

Siender*Petersen,  Die  Schulkomödien.  15 


'2'2i'y  Kapitel  IV. 

DOR:  Jo   le  laissai  pour  tel. 

CLI:  Ortes,   je   plaius  soii   sort: 

il   etoit  honnete   homme;  et  le   ciel  ne  deplaie   .  .  . 

Da  erscheint  Alcippe  plötzlich  lebend  auf  der  Bühne 
(IV,  2),  und  Cliton  flüstert  Dorante  ironisch  zu: 

Ijes    gens   que   vous   tuez   se   portent  assez   bien. 

Ebenso  fordert  bei  Goldoni  Ottavio  den  vermeintlichen 
Nebenbuhler  Lelio  heraus  (II,  18): 

Se  siete  uomo  d'onore,  ponete  mano  alla  spada. 

Das  Duell  kommt  zwar  nicht  sofort  zustande,  aber  auch 
Lelio  weiß  seinem  Diener  Arlecchino  ein  Märchen  aufzu- 
tischen (II,  19): 

ARL:  Sior  Padron,   cossa  feu   colla  spada  alla   man? 

LEL:   Fui    sfidato   a  duello   da   Ottavio. 

ARL:  Avi  combatlü? 

LEL:    Ci   battemmo  tre  quarti   d'ora. 

ARL:  Come  ela  andada? 

LEL:   Cön  una  stoccala  ho  passato  il  nemico  da  parte  aparte. 

ARL:  El  sarä  morto. 

LEL:   Senz'altxo. 

ARL:  Dov'e  il  cadavcre? 

L?X:   L'hanno   portale   via. 

Da  tritt  plötzlich  Ottavio  auf  (11,20): 

ARL    (fa    degli    atti    di    ammirazione,    vedendo    Ottavio)    .  .  . : 

Sior  Padron,  el  morto  camina  (ridendo). 
LEL:  La  collera  mi   ha  acciecato.    Ho  ucciso  un'altro  in  vece 

di    lui. 

Mit  ganz  geringen  Veränderungen  wiederholt  sich  dieses 
Motiv  bei  Bohomolec.  Der  tapfere  Kavalier  Dorant,  der 
Roberts  Prahlereien  nicht  rnohr  aushalten  kann,  fordert 
diesen  heraus;  nur  mit  Hilfe  schlechter  Ausflüchte  gelingt 
83  die.=em,  dem  drohenden  Duell  zu  entgehen  (II,  4).  Den 
beiden  anderen  Kavalieren  (Kleon  und  Leander)  aber  er- 
zäldt  er,  er  habe  eben  Dorant  getötet,  während  diese  ihn 
doch  eben  lebend  und  unversehrt  haben  vorbeigehen  sehen 
(11,6): 

LEA:  A   dawno   to   nieszcz^6cie   spolkalo   Doranta? 

ROß:  Ledwie   pölgodziny   b^dzie. 

LEA:  Pölgodziny   zas?    To   byc   nie   moze,   bo6my  go   dopieru- 
tenko  zt^d  id^cego  spotkali. 


Sonstige  QiiellenverhäUnisse  bei  Holiomolcc.  227 

I\()B:  Doranta   zas? 

KLE:  Doranta.    Y  iani  go  temi  oczami  widzal  dopiero  /ywego 

y   zdrowego. 
KU15:  Cha  cha  cha!    Nie  on  to  byl,  nie! 
LRA:  Czyz   niy   iogo   nie   znaniy? 
HOB:  Ale  nie  on,  zapevMiel 
KLE:  Ale   co   Waszmoäi:   Pan   möwisz?! 
\U)B :  Nie    on    (o,    nie I     To    iego    dusza    iiieborarzka, 

ktöni   polecam   swi^tym   modlitwom   Waszmos6   ParisUva, 

y    sam    id^    dawac    za    iiir^    ialmuzny.      Klauiani    moirn 

Dobrodzieioin !      (Odchodzi.) 

Zu  Anfang  des  dritten  Aktes  kommt  aber  der  «tote» 
Dorant  auf  die  Szene,  gerade  in  dem  Augenblicke,  da 
Kleon  mit  dem   Prahler  redet  (III,  1): 

KLE :  .  .  .     }?o    ia    Doranta    niedawno    widzialem    zdrowiuten- 

kicgo. 
HOB :  JuzoMi  möwil,  ze  to  dusza  iego  byc  nuisiala.    Ona  teraz, 

nieboraczka,     tula    si?    y  nawet    y  mnie     si^    pokazala. 

Jam    i^    ])rzcpraszal,    a  ona    \vesiclm:\\vszy    uciekla    ode 

ninie.     Tak  to  dalem  si^  iey  we  znaki,  ze  si^  nawet  po 

smierci   mi?   l^ka. 
KLE    (postrzeglszy    Doranta   tarn    idacego,    möwi):    Otöz   znown 

dusza    Doranta   tu  idzie. 
ROB:  Acb,    prawdziwie    ona.     Klaniam    Waszniosc    Panu!      Ja 

umarlych  cierpiec  nie  mogQ  1 
KLE :  Zaczekay  Waszniosc  Pan,  moze  ma  iaki  interes. 
P«.UB :  Nie    niog^,    nie    mdg^ !     Ja    z  umarlymi    nie    chcQ    miec 

sprawy.      WoIq    pöysc     y  za    niq.     iatmuzny    rozdäwac. 

(Chce  odcliodzic.    Kleon  go  ^a  r^kg  utrzymuie.) 
KLE:  Ale    zaczekay    Waszniosc    PanI      Trzeba    t?    «duszQ    nie- 
boraczka» ratowac. 
ROB:  Dayze  mi  Waszniosc  Pan  poköy! 
KLE :  Otoz   y    dUsza   Doranta! 

Diese  Zusammenstellung  macht  es  somit  wahrscheinlich, 
daß  Bohomolec  bei  der  Abfassung  des  <Junak»  noch 
unter  dem  frischen  Eindruck  der  beiden  Quellen  des 
«Chelpliwiec»  stand.  Freilich  bietet  der  Charakter  des 
«Junak»,  wie  er  in  dieser  Komödie  vor  uns  steht,  ganz 
bedeutsame  Abweichungen  vom  «Bugiardo»  resp.  «Men- 
teur»,  aber  auch  das  läßt  sich  genetisch  leicht  erklären. 
Denn   schon  der  «Chelpliwiec»   ist   kein   lügenhafter  Don 

15* 


258  Kapitel  IV. 

.Tiinn,  wie  der  Held  der  beulen  Quellen,  Pondern  zeigt 
deutlich  die  akzentuierte  Tendenz,  in  den  Typus  des 
«miles  gloriosus»  überzugehen,  was  um  so  begreiflicher 
ist,  als  schon  der  Held  des  «Menteur»  eine  ausgesprochene 
Neigung  zum  Bramarbasieren  hat.  War  aber  der  «krie- 
gerische» Zug  in  der  Physiognomie  des  Samochwal  nur 
ein  Zug  unter  vielen  und  verschiedenartigen  anderen,  so 
lag  der  Gedanke  nicht  allzu  fern,  denselben  Typus  um 
einen  einzigen  charakteristischen  Kern  zu  konzentrieren: 
i'in  solcher  ist  hier  das  militärische  Element  oder  —  etwas 
modifiziert  —  das  Duell. 

Können  wir  somit  den  «Chclpliwiec»,  den  «Junak», 
den  «Ubogi  hardy»  auf  gewisse  Goldonische  Komödien 
zurückführen,  so  fragt  es  sich,  ob  damit  das  Goldonische 
resp.  überhaupt  italienische  Element,  was  die  Quellen- 
frage anbetrifft,  erschöpft  ist.  Bohomolec  ist  ja  zu  einer 
Zeit  in  Italien  gewesen,  da  die  Commedia  dell'arte  zwar 
stark  verblaßt,  aber  noch  keineswegs  ganz  verschwunden 
war,  da  Goldoni  eben  sein  Reformwerk  begonnen  hatte; 
Bohomolec  wird  somit  sicher  selbst  die  Gelegenheit  gehabt 
haben,  die  beiden  Strömungen  zu  beobachten,  ohne  viel- 
leicht über  die  Bedeutung  des  literarischen  Konfliktes  zwi- 
schen dem  Neuen  und  dem  Alten  bewußt  im  klaren  zu 
sein;  vielleicht  hat  Bohomolec  auch  noch  Comraedie  al- 
l'improvviso  von  Goldonis  eigener,  früherer  Komposition 
gesehen;  jedenfalls  ist  es  ein  Ding  der  Unmöglichkeit,  jetzt 
noch  ganz  konkret  das  in  Bohomolec*  Produktion  rein- 
lich herauszuschälen,  was  einerseits  Goldoni,  andererseits 
der  Commedia  dell'arte  sein  Dasein  verdankt. 

So  haben  wir  zum  Beispiel  die  erste  Komödie  mit 
dem  Titel  «Figlacki  polityk  teraznieyszey  mody». 
Die  Quelle  der  Handlung,  die  dieser  Komödie  zugrunde 
liegt,  —  wir  müssen  auch  hier  wie  bei  der  Besprechung 
des  zweiten  Teiles  die  Gestalt  des  Titelhelden  von  dtm 
Gange  der  «Intrige»  absondern  —  ist  bisher  niclit  ent- 
deckt. Sie  ist  auch  mir  unbekannt  geblieben.  Dennoch 
sind  gewisse  Vermutungen  über  den  wahrscheinlichen  Ur- 


Sonstige  Quellenverhältiiisse  hei  Hohomolcr.  229 

Sprung  cKr  vorliegenden  Komödien  zulässig  uiul  niö^ilich. 
Kielski  ^*^  hat  die  Überzeugung  ausgesprochen,  daÜ  aucli 
dieser  erste  Teil,  ähnlich  wie  der  zweite,  unter  dem  Einfluß 
der  «Fourheries  de  Scaj^in»  entstanden  sei.  Bewiiso  da- 
für gibt  er  nicht,  und  ich  lind»}  auch,  daß  diese  Behaup- 
tung sehr  unwalirsclu'inlifh  ist.  Slrusinski '"  steht  meiner 
Meinung  nach  auf  einem  Standpunkte,  der  der  vermut- 
lich wahren  Sachlage  bedeutend  näher  liegt:  er  glaubt, 
d.iß  Figlacki  zugleich  italienischen  und  Molierischen  Ur- 
sprungs ist.  Doch  hat  Strusinski  dal)ei  den  Fehler  be- 
gangen, die  Gestalt  des  Figlacki  —  also  nicht  nur  seine 
]v'>lle  in  der  Intrige,  sondern  auch  seinen  Charakter  und 
seine,  von  Bohomolec  bekämpfte  Weltanschauung  —  aus 
derselben  Quelle  erklären  zu  wollen,  ohne  zu  bemerken, 
daß  diese  Gestalt  mit  der  Rolle  des  Figlacki  in  der  Ko- 
mödie eigentlich  nichts  zu  tun  hat. 

Es  sei  gleich  bemerkt,  daß  die  Szene  II 1,  2,  wo  die 
beiden  von  Figlacki  genasführten  Alten,  von  denen  jeder 
glaubt,  der  andre  sei  taub,  zusammentreffen  und  feststellen, 
daß  sie  ein  Opfer  gemeinster  Betrügereien  geworden  sind, 
einerseits  den  Höhepunkt  der  ganzen  Komödie  darstellt, 
dessentwegen  vielleicht  die  ganze  Komödie  entstanden  ist, 
und  um  den  sich  der  Rest  der  Handlung  eigentlich  grup- 
piert, andrerseits  aber  ihre  Quelle  nicht  etwa  in  irgend- 
einer französischen  oder  italienischen  Komödie,  sondern 
wnhrscheinlich  —  und  zwar  wohl  zum  ersten  und 
einzigen  Male  —  in  einer  alten  polnischen  Farce 
oder  xVnckdote  hat.  Schon  I^ukasz  Görnicki  (1527 — 
1603)  erzählt  in  seinem  bekannten  Werke  «Dworzanin 
Polski»  (1566)  im  Kapitel  «0  zartachx',  wie  ein  gewisser 
pan  Gizycki  seinem  Gaste,  dem  Kiakauer  Kastellan 
Szydlowski,  weisgemacht  hatte,  daß  seine  (Gizyckis) 
Frau  halbtaub  sei,  und  daß  man  daher  im  Gespräch 
mit     ihr     sehr     laut    schreien    müsse;     der    Frau    aber 


IC  Kioiski.   n.   a.    0.,   S.  444. 

1'   S  t  r  u  s  i  11  s  k  i ,   a.   a.    0.,   S.  248. 


2.'?()  Kapitel  IV. 

erzählt  er  .<^enau  dasselbe  vom  pan  Szydlowski.  Als  dann 
die  beiden  im  Hause  des  pan  Gizycki  zusammentreffen, 
schreien  sie  beide,  als  wenn's  ums  Leben  ginge,  so  daß 
die  ganze  Gesellschaft  in  homerisches  Gelächter  ausbricht. 
Bei  ßohomolec  hat  diese  Anekdote  in  der  obengenannten 
Szeiie  folgende  Gestalt  angentHnmen : 

TOW:  Olüz    podlug    umoAvy    idzie    y  Zarobski.      Muszq    z  lyni 

gluchym    krzyczec,    iako    möwil   pan    Figlacki. 
ZAR     (möwi  do  siebic  na  stronie):   Owöz  ten  gtuszec.    Trzeba 

z    nim    wTzcszczec    na    cat<%    glowQ,    iak   mi    möwil   pan 

Szczyrccki. 
TOW    (hardzo    krzyczac   möwi) :   Kianiam   Waszmosc   Pami. 
ZAR     (lakzo  krzyczac  möwi):  Shigam  unizony! 
TOW    (krzycz^ic) :    Dawno    chcialem    si^    widziec    z  Waszmosc 

Panem ! 
ZAR     (takze  krzyczac):  Y  ia  tego   dawno  pragnf\lem! 
TOW    (krzyczy):   Cheialbym  wiedziei;  przyczyn^  nielaski  Wasz- 
mosc  Pana? 
ZAR     (krzyczy) :    Y    ia    pragnc?    tegoz    sie    dowiedziec !     Tvlko 

Waszmosc    Pan   nie   chciey    tak    bardzo    krzyczec,    bom 

ia   nie   gluchyl 
TOW    (krzyczy):   Y  ia  z  laski   Bozoy   mam  dobry  slncli! 
ZAR     (krzyczy):   Mnie   möwiono,   ze   Waszmosc   Pan  nie   dosly- 

szysz  ? 
TOW    (krzyczy):     Owszem,    to    ia    o  Waszmosc    Panii    slysza- 

lem !    A  ia  si?   do   tego  nie  poczuwam ! 
ZAZ     (möwi    ciszey) :    A   slyszyszze   Waszmosc    Pan   mnie    tak 

möwiiicego  ? 
TOW    (krzyczy) :    SlyszQ ! 
ZAR:    Ale   nie  halasuy  Waszmosc   Pan:   ia  y  cicho   möwi<icego 

poslyszQ. 
TOW:  Witjc   rozmawiamy  ciszey. 
ZAR:    Przede    mn^   möy  przyaciel    möwil,    ze   Waszmosc   Pan 

masz   bardzo   t^py  slucb,   y  ze  möwi^cemu  z  Waszmosc 

Panem  trzeba  bardzo  krzyczec? 
TOW:  Toz    samo    ia  od    mego    przyiaciela   o  Waszmosc    Panu 

slyszalem. 
ZAR:    Jakie    to   plotki!     Ale    chwala    Bogii,    zesmy  ozdrowieli. 

Wi^c   cheialbym   wiedziec,   co    Waszmosc    Pan   masz   do 

mnie,    ze   nawet   do   tego   miasta   przyiechawszy,   honor 

möy   szarjjales,   pogrözki  na  mnie  czyniles  y  zycia   mi^ 

l>ozbawic   chciales? 
TOW  :  Rardzoby   siq    mi   uskarzac   nalezalo,    ze   Waszmosc   Pan 


Sonstij^e  Quellenverhältnisse  bt'l  liuhouiolec.  '2M 

to    wszystko,   CO   nii   zadaicsz,    sam   czyiiiles;  nadto   na 
padlszy     w    pi(,'t'dzie3ii\t    szabel    na     niogo     przyiaciela, 
ktüry   za  mnie   slowko   zarzucil,   okrutnie   go  |X)ri\l)ales  ? 
ZAR:    Dziwne   mi  rzeczy  Waszmosc   Pan   möwisz!    0   sobie   to 
nalczalo    powiadac,    ktöry    mego    przyiaciela,    ze    si^   za 
mnie   iiii^l,    wii^cey   niz    sto    szabel    zabrawszy,   srogiemi 
ranami    skaleczyles.      A    ia    upewniam    y  przysij\dz    go 
towem,    zem    dzis    y  iedjiey    szabli    goley    nie    widzial, 
anini    slyszal    zadnego    za    Wasznioäc    Panem    uyniuiii- 
cego   si?. 
TOW :  Ale   iak   si^  Waszmosc   Pan  mozesz   tego   zaprzec,   kiedy 

ia  widzialem  go  pora.banego,  mego  przyiaciela? 
Z.Mi:    .lani    tez    widzial    pon^banego    mego    przyiaciela,    procz 
ktörego    z  zadnym  o  Waszmosc  Panu   y  iedncgo   slowka 
nie   möwilem. 

TOW:  Y  ia  sie  sunmieniem  ^wiadcz?,  ze  pröcz  tego  porj^ba- 
nego  przed  zadnym  o  Waszmosc  Panu  ani  wspomnia- 
lem. 

ZAPi:    Jakicyze    postury    len    czlou'ick? 

TOW  :Wzrostu  iest  wysokiego,  w:\sik  mu  si(^ 
niedawno  sypac  poczal,  pod  nosem  ma  dwic 
v.argi,  pod  wargami  broda  ieszcze  nie  za- 
rosta,    twarz    mila    ywesola    ... 

ZAR:  Dia  Boga!  tenze  to  iest,  ktory  czynit  mi  relacye  o  nie- 
lasce  \\  aszmosc  Pana,  y  ktorcgos  Waszino§c  Pan  por.i- 
bal !  On  mi  möwil,  ze  Waszmosc  Pan  mnie  szkalo- 
Avalos,  a  on  si?  za  mnie  ui:il.  za  cj  potym  Waszmo§c 
na  niego  z  gromada,  napadles  y  na  mnie  przegrazales 
si^. 

TOW :  Stowo  w  slowo  toz  samo  przede  mna  möwil  o  Wasz- 
iiiosc  Panu !  Y  gdym  siQ  przed  nim  oswiadczyl,  ze 
chcQ  sam  z  Waszmosc  Panera  rczmöwic,  on  mi  odra- 
dzal,  twierdza.c,  ze  Waszmosc  Pan  mi  cbcesz  zabic  y 
ze   gluchy   iestes. 

ZAR :  Wszystko  co  y  przede  mna  möwil,  prawie  slowa  iednego 
nie  odmieniwszy,  y  przydal,  ze  z  Waszmosc  Panem 
trzeba   glosno    bardzo   möwic,   poniewaz   nie   doslyszysz. 

TOW :  Ach.  CO  sie  dzieie !    Jakze  on  si?  zowie  ? 

ZAR:    Szczyrecki. 

TOW :  A   przede    mna,   si^    nazywal    Figlackim. 

ZAR:    Podobnieysza   rzecz,   ze  iest   Fig'ackim   niz   Szczyreckim. 

TOW :  Ale  Waszmosc   Pan  ieszcze  mi   iego  opisz. 

ZAR :  Jest  m  l  o  d  z  i  a  n  r  a  z  n  y ,  w  y  s  m  u  k  l  y  ,  p  e  1  e  n 
kor  w  et  6  V.',    glosu   grubego,   oka   bystrego. 

TOW:  Ton  to  s^-im  czlowiek  iest,   iakbys  go  Waszmosc  Pan  od- 


I>3i2  Kapitel  IV. 

iualo\s  al  I     Dalom   niu   nayprzod   tabakierkc.    a  poiym   ]K) 

[Ktriibaniu  30  czcnvonych  zlotych.  , 
/.All:    A   ia   iini   dalem   zcgarck,   a  potym  na  cyrulika   15  czer- 

wonych   zlotych. 
TOW :  0  niecnota !    Trzeba  go  iednak  iak  sprowadzic,  zoljysmy 

si^   razeni  obydwa  z  nim  oko  w  oko  obaczyli. 
/AU:    Trzeba  iednemu  z  nas  skryc  si?  tu  gdzie  z  boku,  bj  on 

nas  obudwu  widz^c  nie  poydzie.    Ale  prosz-j  do  siebie^ 

naradziiny  sIq  tarn  Icpiey.     (OdchodZii,.) 

Aber  wenn  die  hier  angeführte  Szene,  die  in  bezug  auf 
Komik  das  Zentrum  der  Komödie  bildet,  auch  aus  einer 
polnischen  Anekdote  entstanden  ist,  so  möchte  ich  dennoch 
die  Vermutung  aussprechen,  daß  die  Ausformung  und  Ge- 
staltung der  ganzen  Intrige  und  die  Auffassung  gewisser 
Personen  nicht  ohne  starken  Einfluß  seitens  der  italieni- 
schen Commedia  dell'arte  geblieben  ist.  Ich  lasse  mich 
dabei  von  folgenden  Gesichtspunkten  leiten. 

Was  zunächst  die  Rolle  und  die  äußere  Figur  des 
Figlacki  angeht,  so  wird  man  sofort  durch  die  Ähnlichkeit 
desselben  mit  dem  wohlbekannten  Arlecchino  veranlaßt, 
ihn  —  genetisch  —  mit  diesem  zu  identifizieren.  In  der 
Tat  wird  man  in  der  schlanken,  beweglichen,  fröhlichen, 
scharfäugigen,  an  Bücklingen  und  Gebärden  nicht  sparen- 
den, tänzelnden  und  kapriolierenden,  unter  verschiedenen 
Namen  auftretenden  und  sich  immer  wieder  verkleidenden 
Spitzbubengcstalt  desselben,  wie  sie  das  Gespräch  der 
beiden  Alten  schildert,  und  wie  sie  auch  sonst  in  der 
Handlung  auftritt,  —  trotzdem  das  t^^pische  Gewand 
und  der  charakterisische  Bart  fehlen  —  einen  direkten 
Nachkommen  des  italienischen  Arlecchino  wiedererkennen 
dürfen,  —  freilich  nicht  den  alten,  dummen  Einfalts- 
pinsel aus  dem  unteren  Bergamo,  den  wir  aus  der 
Frülizeit  der  Commedia  dell'arte  kennen,  sondern  den 
späteren  verschmitzten  und  pfiffigen  Arlecchino,  wie  ihn 
besonders  Domenico  Biancolelli  gegen  Schluß  des  17.  Jahr- 
hunderts  umgewandelt  hatte. -"^    Und   ist  Figlacki  ein  Ar- 

^®  Vgl.   Oskar  Klingler,  Die  Coiriedie-Italienne  in  Paris 
(Straßburg    1902j,   .S.  137. 


Sonstig«  (^uellenverhältnisse  bei  Boliomolec.  :233 

Ic'cchino,  so  fällt  es  uns  nicht  scliwtT,  im  Pumocki  einen 
Brighella  oder  Pedrolino,  in  den  beiden  Kautleuten  Zarubski 
und  Towarski  etwa  den  «>niercatoro»  Pantalone  und  den 
«dottore»   Baloardo  wiederzuerkennen. 

Auch  die  Ilaudlunt^,  wie  sie  in  Bohoniolec'  Komödie 
vorliegt,  dürfte  einige  Anhaltspunkte  für  eine  Bestim- 
mung der  eventuellen  Quelle  bieten.  \\'ir  können  hier 
verschiedene  Wege  einschlagen.  Wir  können  zum  Beispiel 
unsere  Aufmerksamkeit  auf  Fighickis  Betrügereien  richten 
und  uns  fragen,  warum  d»'nn  Figlacki- Arlecchino  den 
Zarohöki-dottore  mit  dem  Towarski -Pantalone  in  Streit 
bringen  wilP?  Natürlich  um  Geld  zu  ergattern,  das  sagt 
uns  schon  Bohomolec  selbst.  Zwar  will  er  es  bei  Boho- 
niolec für  sich  selbst  ergattern,  während  seine  Molivt;  bei 
den  Italienern  weniger  «eigennützig»  sind,  aber  wir  wissen 
schon  aus  unsrer  Analyse  der  anderen,  gleichnamigen 
Figlacki-Komödie,  daß  Bohomolec  gern  die  uneigennützigen 
Zwecke,  die  in  seinen  Vorlagen  (in  diesem  Falle  den 
«Fourberies  de  Scapin»)  dem  treuen  Diener  der  jungen 
liorren  zugeschrieben  Averden,  durch  eigennützige,  auf 
eigene  Bereicherung  gerichtete  Ziele  ersetzt.  Wir  kön- 
nen daher  sicher  auch  hier  annehmen,  daß  Figlacki- 
Arlecchino  in  seiner  hypothetischen  Quelle  nicht  für  sich 
selber,  sondern  für  einen  jungen  Herrn  «arbeitete»,  der 
—  wie  immer  —  Geld  für  irgendeine  Liebschaft  benötigte, 
weswegen  —  wie  immer  —  die  «vecchi»  geschröpft  wer- 
den sollten.  Der  mutmaßliclu^  Lelio  oder  Ottavio  aber 
war  natürlich  der  Sohn  eines  der  beiden  Alten,  der  andre 
Alte  aber  der  Vater  einer  geliebten  Tochter  oder  vielleicht 
Besitzer  einer  schönen  Sklavin. 

Andrerseits  erlauben  uns  auch  Figlackls  und  Pomockis 
Verbrüderung  und  ihre  diebischen  Manipulationen  gewisse 
Reflexionen  über  die  Intrige  der  mutmaßlichen  «Quelle», 
Die  Idee  von  Arlecchino  und  Scapino  als  Dieben  ist  näm- 
lich der  CommeJia  dell'arte  keineswegs  fremd.  Um  die 
Miite  des  18.  Jahrhunderts  wurden  zum  Beispiel  im 
Theätre  Italien  zu  Paris  zwei  italienische  «canevaggi»  auf- 


i>3i  tapitel  IV. 

geführt,  von  denen  der  eine  den  Titel  « Arlequin  et  Sca- 
pin  voleurs»  (1741),  der  andre,  der  von  Favart  herrührte, 
den  Titel  *  Arlequin  et  Scapin  voleurs  par  amour»  (1751) 
trug.  Noch  älter  als  diese  beiden  war  die  1717  auf- 
geführte Komödie  «[^es  voleurs  ä  la  Foire»^®,  die  davon 
handelte,  wie  Scapin,  «fameux  filoux-,  mit  {«einem  Freunde 
Trivelin  einen  Betrug  nach  dem  anderen  beging  und 
schließlich  mit  dem  gestohlenen  Gute  das  Weite  suchte. 
Wir  könnten  sogar  diese  Vermutung,  daß  Bohomolec  die 
letztgenannte  Komödie  oder  jedenfalls  in  einem  anderen 
Zu.-ammenhange  ihren  Ingreß  und  Schluß  gekannt  hat, 
anderweitig  erhärten.  So  beginnt  der  ßohomolecsche 
«Pan  do  czasu»,  der  eigentlich  eine  Bearbeitung  des 
Molierischen  «Bourgeois-gentilhomme»  ist,  genau  so  wie 
die  «Voleurs  ii  la  Foire»:  wie  hier  Scapin  seinen  Freund 
Trivelin  dazu  auffordert,  an  einem  verlockenden  Betrüge, 
den  er  plant,  teilzunehmen,  und  zu  dem  Zwecke  mit 
diesem  die  Abmachung  trifft,  daß  er,  Scapin,  als  feiner 
Herr,  Trivelin  dagegen  als  sein  Diener  in  entsprechender 
Verkleidung  auftreten  sollen,  so  teilt  bei  Bohomolec,  bei 
dem  die  Exposition  neu  ist,  der  eine  «filut»  Doreni  dem 
anderen  Furboni  seinen  Plan  mit  (1,  1)  imd  trifft  mit  ihm 
die  Abmachung,  daß  er,  Doreni.  den  Herrn,  und  Furboni 
den  Diener  spielen  sollen,  und  wie  bei  Bohomolec  Hernar 
nicht  davon  zu  überzeugen  ist,  daß  die  beiden  ihn  be- 
trogen haben  und  längst  über  alle  Berge  sind,  so  sehen 
wir  schon  in  der  italienischen  Komödie,  daß  auch  dort 
die  Betrogenen  gar  nicht  verstehen  wollen,  daß  Scapin  und 
Trivelin  nichts  anderes  als  Diebe  und  Betrüger  sind  und 
längst  d.is  Weite    gesucht   haben. ^'^     Was   nun  den  «Fig- 

13  Desboulmiers,  Histoire  anecdotique  et  raisonnee  du 
Theätre  Italien  (Paris  1769),  Bd.  VII,  S.  254—255;  Bd.  I,  S.  191  ff. 

2ö  Vgl,  oben  S.  162.  —  Nachträglich  sei  hier  noch  eine  Be- 
merkung an  einen  Passus  im  «Argumente»  zum  «Pan  "do  czasip^ 
geknüpft,  der  für  die  genaue  Bestimmung  der  Entstehung  dieser 
Komödie  Bedeutung  haben  könnte.  Bohomolec  sagt  dort  näm- 
lich gleich  im  ersten  Satze:  <^Ta  komedya  iest  ulozona  z  owey' 
historyiki,    ktora    sie    naszych    czasöw    we    WI^d-- 


Sonstige  Quellenverhüllnisse  bei  Boliomolec.  2:jr> 

hicki  p()lityk>  angeht,  so  kann  zum  Schkili  noch  darauf 
hingewiesen  werden,  daß  unser  Held  sclion  hei  jenem  Tri- 
velin  hätte  lernen  können  (und  vielleicht  auch  gelernt 
hat),  wie  man  mit  falschen  oder  bestochenen  Polizeidienern 
(Sbirren)  einen  Betrug  durciiführen  kann:  denn  auch 
Trivelin  hiklet  dem  alten  Tantalon  ein,  daß  man  ihn, 
Trivelin,  ganz  grund-  und  sinnlos  verhaften  wolle,  wo- 
durch es  ihm  natürlich  wie  in  unserem  Falle  glückt, 
den  Alten  gründlich  zu  düpieren. 

Wenn  wir  das  hier  Gesagte  erwägen,  werden  wir 
jedenfalls  zu  einem  positiven  Schlüsse  gelangen.  Zwar 
werden  wir  nicht  sagen  dürfen,  Bohoraolec  habe  seine 
Komödie  aus  einer  ganz  bestimmten  italienischen  Vor- 
lage umgearbeitet  —  dazu  fehlen  uns  die  Beweise. 
Wohl  aber  werden  wir  behaupten  dürfen,  daß  in  unserem 
Falle  ein  ncht  deutlicher  Pjinfluß  der  Commedia  del- 
l'arte  vorliegt,  ein  Einfluß,  der  es  wahrscheinlich  macht, 
daß  Bohomolec  bei  der  Konzipierung  seiner  Komödie  ent- 
weder an  eine  bestimmte,  improvisierte  Komödie  mit  einer 


s  z  e  c  h  p  r  z  y  t  r  a  f  i  1  a-\,  worauf  er  die  Geschichte  vom  Hemar 
kurz  wiedererzählt.  Bohomolec  scheint  damit  den  unbozweifel- 
baren  Molierisclien  Ursprung  seiner  Komödie  zwar  nicht  verneinen, 
aber  doch  verschleiern  und  als  seine  eigentliche  Quelle  eino 
anscheinend  allgemein  bekannte  Geschichte,  die  einem  Kut- 
sch e  r  ( !)  in  Italien  pass^iert  sein  soll,  l>ezeichnen  zu  wollen. 
Nun  steckt  sicher  etwas  Wahres  hinter  dieser  Notiz.  Ich  habe 
schon  oben  (S.  22)  darauf  hingewiesen,  daß  die  Handlung  der 
Komödie  nach  Neapel  verlegt  wird;  ^Molieres  <<bourg."ois) 
wird  nicht  ganz  ohne  Grund  zu  einem  Kutscher  geworden  sein; 
Heniar,  ein  Aus-änder  aus  Deutschland  oder  Holland  (sein  Name 
ist  vrohl  dculsch  wie  der  des  anderen  Ausländers  Droynar),  hat 
das  große  Los  (15  000  «scudi»)  in  italienischer  Münze 
gezogen ;  sein  Diener  und  die  beiden  Spitzbuben  haben  italie- 
nische (oder  italienisch  klingende)  Namen :  Serwoni,  Doreiii, 
Furboni;  er  ist  ein  miles  gloriosus  (vgl.  S.  316)  nach  der  Art  eines 
Spezzafer.  Halten  wir  das  mit  dem  hier  oben  Gesagten  zu- 
sammen, so  liegt  der  Verdaclit  nahe,  daß  Bohomolec  mit  der 
«bistoryika)  eine  italienische  Komödie,  die  er  sogar  in  Neapel 
selbst  gesehen  haben  kann,  gemeint  hat.    Vgl.  auch  oben  S.  60  ff. 


üaü  Kapitel  IV. 

Handlung,  deren  Spuren  noch  einigermaßen  bei  ihm  zu 
sehen  Find,  oder  an  eine  Reihe  von  solchen  Komödien 
gedacht  hat,  aus  denen  dann  Einzelheiten  in  seine  eigene 
Komödie  eingeflossen  sind. 

Auch  bei  der  Analyse  des  «Ubogi  pokorny»  kom- 
men wir  leider  nicht  über  das  Gebiet  mehr  oder  weniger 
trefibnder  Hypotiiesen  hinaus.  Verschiedene  Eigentüm- 
lichkeiten scheinen  mir  deutlich  darauf  hinzuweisen,  daß 
wir  auch  hier  keine  ganz  originale  Komödie  vor  uns  haben. 
So  spielt  die  Handlung  nach  Bohomolec'  eigener  Notiz 
«w  Lonniedy».  Ein  geographischer  Ort,  der  diesen  Namen 
trägt,  existiert  meines  Wissens  nicht ;  auch  verrät  die 
Form  des  Wortes,  die  trotz  des  erwarteten  Lokativs  nicht 
die  Endung  dieses  Kasus  hat,  daß  es  eine  eigene  Bewandt- 
nis mit  ihm  haben  muß,  und  da  wir  andrerseits  hier 
keinen  Druckfehler  voraussetzen  können  —  findet  sich  doch 
dieselbe  Ortsbezeichnung  in  allen  anderen  Ausgaben  der 
Komödie  — ,  so  wäre  es  verlockend  anzunehmen,  daß  wir 
hier  in  der  Form  «w  Lon-nie-dy»  eine  willkürliche  Um- 
stellung der  Ortsangabe  «w  Lon-dy-nie»  («in  London») 
zu  lesen  haben.  Damit  ist  uns  aber  wiederum  nur  sehr 
wenig  geholfen,  denn  wie  kommt  Bohomolec  dazu,  die- 
sen Ortsnamen,  wenn  er  wirklich  London  gemeint  hat, 
so  in  mystisches  Dunkel  zu  hüllen?  Anzunehmen,  daß 
Bohomolec  eine  zeitgenössische  englische  Komödie  als  Vor- 
lage benutzt  hat,  dazu  liegt,  meiner  Meinung  nach,  kein 
Grund  vor,  da  wir  sonst  keine  englischen  Vorbilder  bei 
Bohomolec  finden. 

Viel  eher  können  wir  vermuten,  daß  auch  der  «Ubogi 
pokorny >  wie  der  «Ubogi  hardy»  italienischen  Ursprungs 
ist.  Darauf  deuten  vor  allen  Dingen  die  bei  französicchen 
Komödiendichtern  so  seltenen  szenischen  Verände- 
rungen: der  erste  Akt  geht  in  dem  Hause  des  jungen, 
sympathischen  Verschwenders  Kleander  vor  sich,  eben- 
so der  dritt^i  Akt  («Theatrum  pokazuie  dorn  naiety 
Jvleandra»),  der  dazwischenliegende  zweito  Akt  dagegen 
Ist   nacli    Anz-lms,    dea    ei hofften    Schwiegervaters    Haus 


Sonstige  Quellenverliällnisse  bei  Bohomoleo.  237 

verlegt.  Weiterhin  treten  im  zweiten  Akte  die  iKuulrln- 
den  Personen  als  Masken  verkleidet  iiiif,  was  gleichfalls 
auf  ein  italienisches  Milieu  deuten  könnte.  Analysieren 
wir  die  Intrige  der  Komödie  genauer,  so  fällt  ims  unter 
anderem  eine  Inkonsequenz  auf,  die  uns  vielleicht  den 
Schlüssel  zur  Auffindung  des  genetischen  Verhältnisses 
geben  könnte.  Der  ganze  zweite  Akt  scheint  über- 
flüssig zu  sein  :  denn  wozu  läßt  eigentlich  der  Dichter 
oder  Bearbeiter  den  Sbrigani  den  Gang  zu  Anzelm  tun, 
wenn  sein  Plan,  ihn  von  dem  in  Aussicht  gestellten  Be- 
suche abzuhalten,  zwar  anfänglich  zu  gelingen  scheint, 
dann  aber  vollständig  fehlschlägt?  Denn  Anzelm  er- 
scheint mit  der  ganzen  Gesellschaft  dennoch  im  dritten 
Akte  bei  Kleander.  Der  Kern  der  ganzen  Handlung  scheint 
mir  an  den  Anfang  des  ersten  Aktes  und  in  den  dritten 
Akt  verlegt,  und  lassen  wir  einmal  den  zweiten  Akt  ganz 
außer  acht,  so  ergibt  sich  uns  folgende  Handlung:  Der 
alte  kluge  Anzelm  läßt  durch  seinen  Diener  Johan  dem 
zukünftigen  Schwiegersohn  Kleander  seinen  heute  bevor- 
stehenden  Besuch  anmelden : 

JOH:  .  .  .  Ale  bcz  wielkich  zachodöwl  Jego  kompania,  z 
ktöra  tu  przyidzio,  nie  b^zie  wi^ksza  nad  dwudziestu, 
y  przed  wieczerzji  chc^  w  maszkach  taiicowac  .  .  , 
Dwaiiascie  pölmisköw  na  pierwsze  noszenie  dose  b(;dzie. 
A   dnigie  z  röznych  owocöw,   ciast   &c,» 

In  der  zweiten  Szene  des  dritten  Aktes  wiederholt  Johan 
(aus  Gründen,  die  wir  aus  dem  eingeschobenen  zweiten 
Akte  erfahren)  diese  Selbsteinladung,  mit  der  Zufügung, 
daß  zwar  nicht  der  alte  Anzelm  selbst,  wohl  aber  seine 
Freunde  sofort  eintreffen  werden.  Während  nun  Kleander 
in  der  größten  Verlegenheit  schwebt,  wie  er  die  wirklich 
hereinströmenden  Gäste  bewirten  solle,  hat  Anzelm  selbst 
ein  Abendessen  bestellt,  das  von  einem  scheinbar  betrun 
kenen  «garkuchmistrz»  und  seinen  Gehilfen  hereingebracht 
wird.  Dieser  fordert  nun  von  Kleander  und  seinem 
Diener  Sbrigani  sofortige  Bezahlung,  die  sie  ihm  nicht 
leisten    können.      Es    erweist    sich     dann,    daß     Anzelm 


23S  Kapitel  IV. 


I 


sich  maskiert  unter  den  Gästen  befindet.  Er  demaskiert 
sich  (etwa  das  csi  smasjhera»  der  Commedia  delTarte) 
und  läßt  Kleander  verstehen,  daß  das  ganze  Arrangement 
von  ihm  voranstaltet  worden  ist,  um  Kleander  vi^egen 
der  Verheimlichung  seiner  wahren  Vcrmögensverhällnisse. 
zu  bestrafen.  Im  zweiten  Akte,  der  zwischen  der  ersten 
und  zweiten  Selbsteinladung  des  alten  Anzelm  liegt,  sehen 
wir,  wie  Sbrigani  den  bevorstehenden  Besuch  durch  ver- 
schiedene Vorwände  (hauptsächlich  durch  die  erfundene 
Geschichte  vom  vorbereiteten  Überfalle  auf  Kleanders 
Haus,  also  eine  Erfindung,  wie  wir  sie  schon  im  «Chelp- 
liwiec»  fanden)  abzuwenden  sucht.  Wir  könnten  uns 
eventuell  denken,  daß  sich  der  alte  Pantalone  der  Com- 
media dell'arte  hinler  Anzelms  Gestalt  verbirgt,  daß  sein 
Diener  Johan,  der  Sbrigani  immer  mißtraut,  früher  etwa 
Trivellino,  Sbrigani  selbst  vielleicht  Arlecchino  geheißen  | 
hat,  und  daß  der  vermeintliche  «garkuchmistrz»,  der  un- 
erwartet mit  einem  vollständigen  Abendessen  erscheint, 
ursprünglich  ein  wirklicher  gewesen  ist,  nicht,  wie  es 
sich  hier  selir  romantisch  erweist,  der  treue  Diener  de» 
Vaters  von  Kleander.  Eine  Diamantina  oder  Corallina 
hat  wohl  ursprünglich  auch  eine  Rolle  zu  spielen  gehabt. 
Der  entscheidende  Punkt  der  Handlung  ist  aber  der,  wo 
Kleander  resp.  Sbrigani  zu  ihrer  Überraschung  vor  die 
Notwendigkeit  gestellt  werden,  eine  Mahlzeit  zu  bezahlen, 
die  nicht  sie  bestellt  haben,  die  aber  gewissermaßen  ein 
Rachemittel  des  abgewiesenen  Anzelm-Pantalone  resp.  des 
Johan-Trivellino  ist. 

Eine  vollständig  adäquate  Quelle  für  die  Handlung 
unserer  Komödie  aus  dem  reichen  Repertoire  der  italie- 
nischen Commedia  dell'arte  vorzubringen,  bin  ich  leider, 
vielleicht  aus  mangelnder  Kenntnis  dieses  Repertoires,  nicht 
imstande.  Dagegen  kann  ich  auf  ein  «soggetto»  hinweisen, 
das  einige  Berührungspunkte  mit  der  oben  analysierten 
Intrige  hat,  und,  was  sehr  wichtig  ist,  zu  den  lebens- 
kräftigsten «soggetti^  der  Commedia  delFarte  gehört.  Ent- 
standen   zur    Z'dt    des    alten    Theätre    Italien    zu     Paris 


Sonstige  Ouelleiiveihältnisse  bei  Bohnmolec.  ;239 

(16C)2 — 1671),  al-  I.ocatelli  (Trivellino)  uikI  J^onieniro 
(Arlecchino)  die  Bülin*'  beherrschten,  luit  es  noch  gj)äter 
fortleben  können  und  ist  etwa  100  Jahre  nach  Beinnm 
Entstehen  von  Goldoni  benutzt  worden,  der  den  «a  sog- 
geto»  dramatisierten  Stoff  am  11.  Mai  1764  im  Thcätre 
Italien  zu  Paris,  freilich  nur  «avcc  peu  de  succes»**,  auf- 
führen ließ.  Die  Komö  He  erhielt  bei  ihm  den  alten  Namen 
«L'inganno  vendicato»  oder  «La  dupe  vengee».  Die  Hand- 
lung des  ursprünglichen  Kanevas  besteht  darin,  daß  Pan- 
lalone  seinen  Diener  Trivellino  zu  seinem  Schwiegersohne 
Arlecchino  schickt,  um  ihm  mitzuteilen,  daß  er  heute 
abend  —  um  Molands  R"kapitulation^^  zu  zitieren  — 
«suivi  de  toute  ea  famille»  bei  ihm  eintreffen  werde  «pour 
lui  den:iander  sa  soupe».  Das  paßt  Arlecchino  selir  wenig, 
zwar  nicht  deshalb,  weil  er  kein  Geld  hat,  sondern  weil 
er  geizig  ist:  «(il)  s'excuse  en  disant  qu'il  est  invite  ail- 
leurs».  Trivellino  glaubt  ihm  ebensowenig  wie  Johan 
dem  Sbrigani  bei  Bohomolec,  und  er  beschließt,  Arlec- 
chino einen  Streich  zu  spielen.  Er  benutzt  die  Abwesen- 
heit Arlecchinos  und  seiner  Frau  Diamantina  und  «envoie 
chercher  un  rötisseur,  ordonne  un  repas  magnifique  au 
nom  du  maitre  de  la  maison,  et,  lorsque  Pantalon  arrive 
avec   sa   compagnie,    il    lui    dit  qu'Arlequin  et   sa  femme 

Tont  Charge  de  faire  les  honneur.-^  pour  eux.     On 

mange  beaucoup;  on  boit  encore  mieux  ti  la  sante  d'Ar^ 
lequin  et  de  sa  femme,  et  l'on  se  retire».  Am  nächsten 
Morgen  erscheint  der  «rötisseur»,  «pour  lui  demander  ea- 
pratique  et  surtout  h  payement  du  repas  qu'il  a  fait  ser- 
vir  chez  lui  ä  douze  francs  par  tete».  Wie  sich  Arlecchino 
nachher  rächt,  interessiert  uns  hier  nicht,  da  für  uns  das 
wichtigste  ist,  daß  wir  im  italienischen  «scenario»  erstens 


-1  D  e  s  bo  u  1  m  i  e  r  s  ,  Histoire  anecdotitpio  et  raisonnee 
du  Theätre  Italien  .  .  .  (Paris  1769),  Bd.  VII,  S.  312;  —  Ra- 
bany,  a.  a.  0.,  S.  381.  —  Im  «Dictioiinaire  des  Theätres  de 
Paris»  (Paris  1756)  habe  ich  das  Motiv  nicht  gefunden. 

"  Louis  Moland,  Moliere  et  la  comedie  italienne  (Paris 
1867),    S.  274  ff. 


t>i(»  Kapitel  IV. 

dnp  einleitende  Motiv:  daß  Pantalonc  sich  und  seine  Ge- 
sellschaft hei  Arlecchino  durch  den  Diener  Trivellino  ein- 
laden läßt,  aber  unter  Vorschützung  falscher  Tatsachen 
von  jenem  abgewiesen  wird,  und  zweitens  das  andre  Motiv: 
daß  in  Arlecchinos  Haus  ein  Gastmahl  aufgetragen  wird, 
das  er  nicht  selbst  bestellt  hat,  wohl  aber  l)ezahlen  muß, 
somit  die  zwei  Motive,  auf  denen  bei  Bohomolec  die  ganze 
Komödie  aufgebaut  ist,  wiederfinden,  wenn  auch  in  an- 
derem Zusammenhange.  Ich  w^age  natürlich  keineswegs 
zu  behaupten,  daß  wir  im  « Enganno  vendicato»  wirklich 
die  eventuelle  Quelle  des  «Ubogi  pokorny»  zu  sehen 
haben;  zu  einer  solchen  J3ebauptung  ist  die  Analogie  bei 
weitem  nicht  zureichend;  was  ich  bier  mit  der  Anführung 
des  Commedia  dell'arte-Motivs  beabsichtigt  habe,  ist  nur 
das,  nachzuweisen,  wie  einige  fundamentale  Grundzüge 
des  cCJbogi  pokorny»  mit  gewissen  «canevaggio»- Zügen 
parallel  gehen  und  einen  italienischen  Ursprung  der 
polnischen  Komödie  einigermaßen  wahrscheinlich  machen. 
Damit  scheint  also  die  Möglichkeit,  sogar  die  Wahr- 
scheinlichkeit naheliegend,  daß  auch  andere,  vermutlich 
auch  italienische  Motive  dazu  beigetragen  haben,  dem 
«Ubogi  pokorny»  die  Form  zu  geben,  die  er  hat: 
vor  allen  Dingen  möchte  ich  die  Aufmerksamkeit  darauf 
lenken,  daß  Kleander  seine  Gäste  in  den  Räumen  eines 
«kapitan»  (Sbrigani  rät  Kleander,  die  Gäste  «do  pokoiow 
kapitana,  ktöry  w  tym  domu  z  nami  ma  stancye»  zu 
führen)  empfängt,  —  vielleicht  ein  rudimentärer  Rest 
einer  Vorlage,  wo  ein  Capitano  Spezzaferro  oder  Capitano 
Matamoros  eine  Rolle  zu  spielen  hatte.  Gleichfalls  ist  es 
nicht  unmöglich,  daß  Anzelm  in  einer  eventuellen  Vor- 
lage nichts  von  dem  armen  Liebhaber  Kleander  wissen 
wollte,  worauf  der  Umstand  weisen  könnle,  daß  Sbrigani 
nach  seiner  Rückkunft  von  dem  Alten  seinem  Herrn,  frei- 
lich nur  des  Scherzes  halber,  erzählt,  daß  Anzelm  ihm 
verboten  habe,  sich  seiner  Tochter  zu  nähern.  Auffällig 
ist  es  auch,  daß  Anzelm  in  Gesellschaft  mit  den  Kava- 
lieren  Wilhelm,    Robert    und    Dorant    auftritt,    ohne    daß 


Sonstige  QuellenverhiÜtnis'-e  hei  Bohomolec.  241 

diese  bei  Bohomolec  eine  irgendwie  bedeutsame  Holle  zu 
spielen  liaben;  man  fragt  sich  unwillkürlich  bei  der  Lek- 
türe, ob  diese  Herren  nicht  vielleicht  früher  im  (iang  der 
Handhmg  etwas  zu  besagen  hatten.  Der  lirief,  der  zum 
Sclduß  verlesen  wird: 

«Jcslem  oyciec  owego  hieszcz^Sliwego  Klean<lri,  kiory 
liyv.a  Ti  \Vaszmo66  Pana.  Jeden  z  mych  przyiaciöj,  klör>'  Se- 
kretine na  iego  postQpki  uwazal,  oznaymil  mi,  ze  zyczy  on 
sobic  poiiic  cörkQ  Waszmosc  Pana.  Jesli  on  bijdzie  w  tych 
zamyslach  szcze^liwy,  uznam  go  znowu  za  syna  moiego  y 
zaponni(^>  wszolkie  przykrosci,  ktorych  mif,^  swyrn  marnolraw- 
slwcni  nabau'iJ,   y  sam  wkrötce  przyb^dQ   do  Waszmosc   Pana.\ 

erlaubt  uns  aucli  einige  Vermutungen  auszusprechen  :  Kle- 
ander  hat  einen  Vater,  wie  wir  erst  zum  Schluß  erfahren, 
der  ihn  wegen  seines  verschwenderischen  Lebens  enterbt 
hat;  war  es  ursprünglich  gar  der  Vater  selbst,  der  als  deus 
ex  niachina  auftrat,  sich  für  den  Bruder  Roberts  aus- 
gebend und  hinter  einer  Maske  seine  wahre  Per.-^öniichkeit 
verheimlichend,  um  den  verschwenderischen  Sohn  wegen 
seines  falschen  Verhaltens  zu  bestrafen?  Dergleichen 
Motive  sind  in  der  Geschichte  der  Komödie  nicht  unbe- 
kannt; ich  brauche  bloß  an  Destouches'  «Glorieux»  zu 
erinnern,  wo  auch  ein  Vater  gegen  Schluß  der  Handlung 
erscheint,  um  seinen  Sohn  öffentlich  zu  desavouieren. 

Aber  wie  dem  auch  sei,  eines  ergibt  sich  ohne  Zweifel 
aus  dies'^r  Diskussion  unseres  Problems,  nämlich,  daß  der 
«Ubogi  pokorny»  ebensowenig  original  ist  wie  der  «Ubogi 
hardy»,  wenn  wir  auch,  was  die  eigentliche  Quelle 
dieser  Komödie  angeht,  nicht  aus  dem  Bereiche  der  un- 
bewiesenen .  und  unbeweisbaren  Vermutungen  heraus- 
gelangen können. 

Versuchen  wir  nun  die  eventuelle  Quelle  des«Figlacki 
kawaler  z  ksiezyca»  zu  ergründen,  so  führen  uns  die 
wenigen  Anhaltspunkte,  die  wir  haben,  wieder  auf  Goldonis 
Namen  zurück,  ohne  daß  wir  freilich  auch  hier  aus  dem 
Gebiete  der  Vermutungen  zu  irgendwie  feststehenden,  tat- 
:sächlichen  Resultaten  zu  gelangen  vermögen. 

Stender-Petersen,  Die  Schulkomödien.  iß 


ti2  Kapital  IV. 

Goldoni  erzählt  uns  nämlich  in  seinen  französisch 
geschriebenen  «Memoires^^,  augenscheinlich  in  Erinnerung 
an  seinen  Aufenthalt  zu  Rimini  im  Jahre  1741,  folgendes: 
«Tout  le  mojide  me  demaiidc  dos  pieces;  chacun  aitrait 
vouhi  en  Otre  l'acteur  principal :  ä  qui  doimor  la  preference? 
M.  Ic  conile  de  Grosberg  protegcait  particulierement  J'Arlequin; 
11  me  pria  de  travai^llcr  pour  ce  personnage,  et  je  le  fis  avec 
d'autaiit  plus  de  plaisir,  que  l'acteur  etait  bon,  et  que  le 
protccteur  etait  geiiereux.  L'Arlequin  etait  M.  Bigottini,  boiv 
acteur  pour  les  röles  de  son  emploi,  mais  surprenant  pour 
les  metamoq)lioses  et  pour  les  transforinations.  M.  de  G»ös- 
berg  se  souvenait  d'une  piece  de  rancienne  foire  de  Paris,  in- 
tilulee  «A  r  1  e  q  u  i  n  e  m  p  e  r  e  u  r  d  a  n  s  1  a  1  u  n  e».  II  croyait 
que  ce  sujet  aurait  pu  faire  briller  soa  protege;  il  n'avait  pas 
tort.  Je  travaillai  la  ,piece  ä  ma  fantaisie  d'apres  le 
titre:  eile  eut  beaucoup  de  succes.  Tout  le  monde  fut  content, 
et   moi   aussi.» 

Wir  wissen  somit  bloß,  daß  Goldoni  eine  Komödie  verfaßt 
hat,  deren  Titel  uns  unwillkürlich  an  die  Bohomolecsche 
erinnert.  Wir  wissen  aber  nicht  einmal,  welchen  Inhaltes 
diese  Komödie  gewesen  ist,  denn  sie  ist  nicht  überliefert 
und  wird  nur  selten  von  den  Goldoniforschern  genannt.^* 
Uns  sind  nur  einige  Anhaltspunkte  gegeben,  die  uns  aber 
auch  nur  weniges  zu  erschließen  gestatten.  Goldoni  gibt 
nämlich  selbst  die  indirekte  Quelle  seines  Stoffes  an:  er 
nennt  eine  gleichnamige  Komödie  des  alten  «Foire  »-Theaters 
zu  Paris.  Nun  ist  tatsächlich  im  Theätre  de  la  Foire 
S.  Germain  im  Jahre  1712  eine  nichtgedruckte  Komödie 
mit  dem  obigen  Titel  («Arlequin  empereur  dans  la  lune») 
gespielt  worden,  als  deren  Verfasser  Remy  und  Chaillot 
genannt  werden.  Was  wir  von  diesen  beiden  erfahren, 
beschränkt  sich  darauf,  daß  «les  titres  &  le  detail  des 
pieces  des  Sieurs  Chaillot  &  Remy    ne   sont  plus  connus 


23  Memoires  de  Goldoni  pour  sen'ir  ä  l'histoire  de  sa 
vio  .  .  .,  precedes  d'une  notice  .  .  .  par  M.  Moreau  (Paris  1822), 
Bd.  I,   S.  204—205. 

-*  R  a  b  a  n  y ,  a.  a.  0.,  nennt  sie  nicht,  dagegen  erwähnt  sie 
G.  Guerzoni,  II  teatro  Italiano  nel  secolo  XVIII  (Milano  1876), 
S.  172. 


Sonslipe  Quellenverhällnisse  bei  Roliomoler.  24o 

que  leur  vie».^'^  Eiiiijre  AiifHchlüsso  ühor  den  Inhalt  der 
uns  interessierenden  Komödie  erhalten  wir  jedoch  aus  dem 
cDictionnaire  des  Theatres   de  Paris»  *^: 

«Cette  pi6ce  est  pour  Je  fond  la  meme  qu'i  avoit  616  rc- 
presentee  par  Ics  anciens  Comedioas  Italiens,  le  5  Mars  ICSI 
&  qui  est  iniprimee  tome  I  du  Theätrc  Italien  de  Ghcrardi. 
Los  Auteurs  forains  la  jnircnt  en  couplets,  y  ajoutörent 
lilusieiirs  scencs  nou  volles  &  fircnt  les  chan- 
g  c  m  e  n  s  convenables  aus  Theätre  pour  letfucl  ils  travail- 
loient.    Cette  pi^co  eut  un  tres  grand  succes.» 

Dieselbe  Quelle*'  teilt  uns  weiterhin  mit,  daß  eine  gleich- 
namige Komödie  1729  von  den  italienischen  Schauspielern 
zu  Paris  aufgeführt  worden  ist,  wobei  Angelo  Constantini 
als  Mezzetin  eine  Betrügerrolle  zu  spielen  hatte  und  u.  a. 
in  einer  «scene  nocturne»  mit  Arlequin  das  Publikum 
begeisterte,  daß  ferner  dieselbe  Komödie  schon  zehn 
Jahre  zuvor  auf  derselben  Bühne  über  die  Bretter  ging 
und  später  (1752)  in  Favarts  Bearbeitung  ganz  durchfiel. 
Ich  kann  hier  noch  hinzufügen,  daß  andere  Bearbeitungen 
aus  Deutschland  bekannt  sind:  so  sollte  an  König 
Friedrichs  II.  Hof  von  seinen  französischen  Schauspielern 
ein  «Arlequin  Empereur  de  la  lune»  1743  aufgeführt 
werden-^,  so  wissen  wir  von  einer  Schulbearbeitung  des- 
selben Themas,  die  der  Benediktinermönch  Heinrich  Braun 
1760  in  Freising  mit  dem  Titel  «Die  Reise  nach  dem 
Mond»  aufführen  ließ*^;  so  wissen  wir  schließlich  auch 
noch  von  einer  Aufführung  von  Ungers  «Der  ^londkjjiser» 
zu  Lauchstädt  im  Jahre  1791   und  später.  ^'■' 

2^  (P  a  r  f  a  i  c  t),  Dictionnaire  des  theatres  de  Paris  (Paris 
MDCCLVI),  Bd.  II,  S.  70.  —  Vgl.  auch  Bd.   IV,  S.  417. 

26  Dictionnaire,   Bd.   I,   S.  229. 

27  Dictionnaire,    Bd.    11,    S.   152;   Bd.    VII,    S.  361. 

28  J.-J.  Olivier,  Les  Comediens  Fran^ais  .  .  .  (Paris 
MCMII),  S.  100. 

29  K.  V.  Reinhardstoettner,  Zur  Geschichte  des  Je- 
suitendramas in  München  (Jahrbuch  für  Münchener  Geschichte, 
3.  Jahrg.,   Bamberg  1889),   S.  64. 

30  C.  A.  H.  Burckhardt,  Das  Repertoire  des  Weimari- 
schen Theaters  (Theatergeschichtliche  Forschungen,  hrsg.  von 
B.  Litzmann,  Bd.  I),  Hamburg  und  Leipzig   1891. 

lo* 


244  Kapitel  IV. 

Die  Urquelle  aller  dieser  Bearbpitungen  ist  ohne 
Zweifel  jener  «Arleqiün  Empereur  dans  la  lune»,  den  wir 
in  Gherardis  bekannter  Sammlung ^^  wiederfinden,  und 
der  —  am  o.  März  1684  zum  ersten  Male  aufgeführt  — 
Nolant  de  Fatouville^^  zum  Autor  hatte.  Die  Komödie 
W'ar  schon  früh  auch  in  Deutschland  bekannt  geworden, 
enthielt  doch  der  1696  zu  Nürnberg  erschienene  vierte 
Teil  des  «Histrio  Gallieus  Comico-Satyricus  sine  exemplo» 
auch  noch  einen  «Anhang  aus  dem  Arlequin»,  der  den 
Titel  trug:   «Der  Kaiser  im  Mond».^^ 

Die  Fatouvillesche  Komödie  hatte  seinerzeit  in  Paris 
großen  Erfolg,  war  sie  doch  eine  scherzhafte  Antwort  auf 
die  vieldiskutierte  Frage,  ob  andere  Welten  außer  der  Erde 
bewohnt  wären. ^^  Aus  den  einzelnen  französischen  Szenen, 
die  Gherardi  in  seiner  Sammlung  wiedergibt,  den  ursprüng- 
lichen Verlauf  der  Handlung  genau  zu  rekonstruieren,  ist 
leidrr  nicht  mehr  möglich.  Aus  den  verschiedenen  «scene 
de  la  protase»,  <scene  du  desespoir»  (die  unmittelbar  mit 
der  vorhergehenden  zusammenhängt),  «scene  de  la  fiUe  de 
chambre»,  < scene  de  l'Isabelle  et  Colombine»,  die  wahr- 
echeinlich  den  ersten  Akt  bildeten  und  im  Hause  des 
alten  dottore  spielten,  aus  den  «scene  du  fermier»  und 
€  scene  de  l'ambassade  et  du  voyage  d' Arlequin  dans 
l'empire  de  la  lune»   (die  wahrscheinlich  den  dritten  Akt 


^^  Gherardi,  Le  theätre  italien  .  .  .  (Amsterdam  1701), 
Bd.  I,   S.  113  ff. 

32  Oskar  Klingler,  Die  Com^die-Italienne  (Straßburg 
1902),   S.  209—210. 

33  A.  Ehrhard,  Les  comedies  de  Moliere  en  AUemagne 
(Paris  1888),  S.  91,  nennt  den  Titel  der  Kemödie  nicht.  Ich 
kenne  ihn  aus  P.  Morozovs  Arbeit  «Oöerki  iz  istorii  russkoj 
dramy»  («Zurnal  Ministerstva  Narodnatjo  Prosvf  sCenija»,  Teil  CCLVIII, 
Juliheft  1888,  S.  86—87).  Er  zitiert  den  Titel  nach  der  im  Jahre 
1710  zu  Nürnberg  erschienenen  neuen  Ausgabe  des  vierten  Bandes. 

3*  Vgl.  den  «Mercure  Galant»  vom  Jahre  1684:  «(Gelte  co- 
m6die)  qni  pendant  15  jours  cpie  l'on  l'a  joue  saus  interromption  a 
fait  icy  un  fracas  qui  va  audela  de  tout  ce  qn'on  peut  s'en  ima- 
giner.  Töut  Paris  y  a  couru,  et  ä  chaque  representation  le  lieu 
s'est  toujours  trouve  trop  petit.» 


Sonstige  Quelleuverhältnisse  bei  Bohomolei*.  ;245 

bildeten  und  aut*  der  Straße  spielten)  und  ecblioß- 
lich  aus  der  «scene  de  raputieaire»  und  der  «scene  d'Ar- 
lequin  en  empereur  de  Li  lune»,  die  wieder  in  einem 
Zimmer  stattfanden  und  den  dritten  Akt  ausmachten  ^^ 
erkennen  wir  nur  so  viel,  daß  Arlequin  sich  zuerst  als 
Gesandter  des  Mondkaisers,  darauf  als  der  Mundkaiser 
selbst  verkleidet  und  sich  statt  der  anderen  Freier,  eines 
<fermier»  und  eines  «apotbicaire»,  im  Hause  des  docteur 
Balouard  alias  dottorc  Graziano  ßaloardo  einfindet,  um 
aus  den  astrologischen  Vorurteilen  und  der  Leiclitglaubig- 
keit  des  letzteren  Nutzen  zu  ziehen:  sein  Plan  scheint 
darauf  auszugehen,  entweder  seine  Magd  Colombine  oder 
sogar  seine  Tochter  Isabelle  resp.  seine  Nichte  Eularia  zu 
heiraten.  Drei  «Chevaliers  du  soleil»,  wahrscheinlich  ver- 
kleidete Liebhaber  der  drei  Mcädchen  (einer  von  ihnen 
eventuell  Liebhaber  der  auch  heiratsfähigen  Magd 
Olivette),  zwingen  ihn  aber  zum  Schluß,  jedenfalls  von 
der  Lsabelle  und  der  Eularia,  auf  die  sie  selbst  Ansprüche 
erheben,  abzustehen,  dagegen  erhält  er  wahrscheinlich  seine 
ursprüngliche  Geliebte  Colombine. 

Nun  hat  Strusinski,  der  freilich  die  anderen  Redak- 
tionen des  Motivs  nicht  gekannt  oder  von  der  Existenz 
derselben  und  ihrem  gegenseitigen  Verhältnisse  nichts  ge- 
wußt hat,  gemeint,  daß  Bohomolec  den  Inhalt  seiner 
Komödie  aus  der  Fatouvill eschen  Komödie  geschö})ft  habe.^^ 
Das  erscheint  mir  mehr  als  zweifelhaft.  Freilich  können 
wir  ein  gewisses  tertium  comparationis  aufstellen:  das  sind 
die  Erzählungen  Arlequins  einerseits,  des  Figlacki  anderer- 


3^  Diese  Verteilung,  die  nur  vermutlich  richtig  ist,  wird 
übrigens  dadurch  bestätigt,  daß  die  Dokorationsanwcisungcn,  die 
am.  Hofe  Friedrichs  IL  der  obengenannten  Aufführung  zugrunde  ge- 
logt wurden,  und  die  erhalten  sind,  eine  ähnliche  Akteinteilung 
und  Lokalisierung  der  Akte  voraussetzen  -wie  die  oben  v-on  mir 
vermutete.  Hier  finden  wir  für  den  ersten  Akt  die  Notiz  «de- 
coration:  chambre~>,  für  den  zweiten  «decoration:  la  Ville»,  für 
den  dritten  «decoration:  la  Chambre  dont  le  fond  est  une  Tapis- 
serie peinte»  usw.    Vgl.   Olivier,   a.   a.  0.,  S.   lOL 

^G  Strusinski,    a.   a.    0.,   S.  258. 


246  Kapitel  IV. 

seits  vom  Leben  im  Monde,  —  ich  meine  die  Tatsache, 
daß  Figlacki  ebensowohl  wie  Arlequin  sich  für  einen  vom 
Monde  auf  die  Erde  herabgestiegenen  Kavalier  ausgibt  und 
eine  Schilderung  des  Mondlebens  gibt.  Wir  finden  sogar 
eine  wörtliche  Übereinstimmung: 


Arlequin  em  per  cur: 

DOC  :   ...  Et  cominont  vit-on  en 

cepays-lii?    Y  mapge-t'oii 

de  meme  qu'icy? 

ARL:  Ouy  &:  non  .  .  .  Ouy  pour 
les  vivres  —  on  y  mange 
de  tout  ce  que  Ton  iTiange 
icy.  Et  non  pour  la  ma- 
niere  de  manger  qui  est 
toutc  differente  de  la  nö- 
tre  .  .  . 


Bohomolec  I,  3: 

LUN:  Co  .  .  .  iadaij^  ludzie  na 
ksiQ/.ycu?  Czy  takie  u 
nich  iako  y  u  nas  obiady 
y  wieczerzy? 

FIG :  Fotrawy  ich  maiq,  nieiakiei^ 
podobieiistwo  (lo  tutey- 
szycb,  ale  sposöb  iedzenia 
daleko  lest  inszy. 


Dagegen  ist  die  Beschreibung  der  Art  zu  essen  eine  sehr 
von  der  der  «italienischen»  Komödie  abweichende,  freilich 
ebenso  phantastische,  aber  —  ich  möchte  sagen  —  weniger 
geschin^cklose  als  bei  Fatouville: 
FIG :    Tarn  nigdy  g^bj^  nie  iedzt-t. 
LUN:  A   to  iak? 

FIG :  Tarn  kiedy  przyidzie  czas  pbiadu  lub  wieczerzy,  nics:\ 
jKDtrawy  gorace  do  takiego  .pokoiu,  ktöry  y  okna  y  drzwi 
tak  mocno  ma  opatrzone,  zeby  exhalacya  albo  para  tych 
potraw  ztamt^d.  nie  wychodzila.  Gdy  tedy  tarn  potrawy 
zanios^,  ida.  wszyscy  y  w  tym  pokoiu  zabavviaij^  si?  lub 
muzyk^  lub  kartami  lub  inn^i  gr^  iakq,.  Tymczasem  para, 
z  tych  potraw  wychodz^ca,  wchodzi  do  nich  przez  usta, 
przez  nos  y  przez  ciala.  Y  tak  gdy  w  tym  pokoiu  z 
godzink^  lub  wi^cey  posiedz^,  wychodz^  posileni,  lubo 
nie  nie  iedli  .  .  .  Zti^d  to  idzie,  ze  tam  zadney  nie- 
strawnoici    nie  znaia    ... 

Auch  Verhältnisse,  die  in  der  von  uns  angenommenen 
Vorlage  nicht  besprochen  werden,  macht  Figlacki  zum 
Gegenstand  seiner  Schwindeleien: 

LUN:  .  .  .    Ale   ieszcze   mialem   siq    spyla6:    iakie  na  ksi^zycu 

pieni^dze    id^  ? 
FIG:    Ve\   tam  zadnych  pieniQdzy  nie  znai^t.    Dlatego   y  ia  siq 
iemi   mocno  brzydzQ. 


Sonsti^je  (Quellen Verhältnisse  hei  Bohomolec.  247 

LUi\:  A   iakiinze  sjMDSobcm  rzeczy  kupui^? 

FIG :  Olo  tak :  pyoetowio  tarn  s^  naylx)gatsi,  nie  t  a  k  i  a  k  tu. 
gtizio  oni  pos|X)Iicio  \v  iibostwie  iimi«'rai;\.  Tum  a'.bowi'Mii 
za  wierszc  wszystkiego  dostaiti  y  im  kto  wjtMoy  tyc  h 
vvierszöw  ma  u  siebie,  tym  lest  bogatszy   .  .  . 

An  (iner  anderen  Stelle  erzählt  Ficjlacki  Lunacki  von 

d^r 'höchst  wunderbaren  Art,  wie  man   im  Monde  spricht: 

LUN:  Mowmy    co    o  ksi^zycu    .  .  .     Chcialbym    slyszeci    i^zyk 

ludzi  ksiQzycowych. 
FUi :  Daloko  lani  inszy  sposöb  iest  möwiciiia  iak  tu.  Tarn 
zadnych  slow  nio  nazywai^,  ale  spiewaij^c  möwi^  —  to 
io3t:  podniesicnie  lub  spuszczonie  glosu  pewnym  Sfio- 
sol>em  ziiaczy  innq  co  raz  a  inn;\  mowQ.  Z  klawiszöw 
tedy  y  z  tonow  röziiych  trzoba  siQ  dorozumiewac  sensu. 

Wenn  somit  Figlacki  wie  Arlequin  das  Leben  im  Monde 
schildern,  so  hört  damit  doch  eine  direkte  Übereinstim- 
mung auf:  was  Figlacki  zu  erzählen  weiß,  ist  ganz  etwas 
anderes  als  das,  was  Arlequin  zum  besten  gibt,  und  be- 
sonders interessant  ist  in  diesem  Zusammenhange  die  Tat- 
sache, daß  die  Zuhörer  bei  Fatouville  immer  wieder  «C'est 
tout  comme  icy ! »  ausrufen,  während  bei  Bohomolec  Figlacki 
immer  wieder  unterstreicht,  daß  im  Monde  alles  «nie  tak 
iak  tu»  sei.  Aus  dem  Bereiche  der  Satire  sind  die  Er- 
zählungen Arlequins  ins  Bereicli  gewöhnlicher  Lügen 
hinabgeglitten. 

Inwieweit  die  Veränderungen,  die  wir  bei  einem  Ver- 
gleiche zwischen  Bohomolec'  geschlossener  Komödie  und 
den  losen,  von  keiner  festen  Intrige  verbundenen  Szenen 
Fatouvilles  konstatieren,  Bohomolec  persönlich  zuzu- 
schreiben sind  —  wie  Strusiiiski  es  tut  —  ist  mir  sehr 
fraglich.  Schon  Chaillot  und  Remy  hatten  Veränderungen 
eingeführt,  in  der  1729  aufgeführten  Komödie  kam  eine 
nächtliche  Szene  zwischen  Arlequin  und  Mezzetin  vor, 
Goldoni  verfaßte  sein  «soggetto»  auf  Grund  des  Titels  und 
—  so  können  wir  vermuten  —  auch  auf  Grund  einer 
allgemeinen  Inhaltsangabe  des  von  Chaillot-Remy  bear- 
t)eiteten  alten  Stückes  und  folgte  dabei  seiner  Phantasie. 
Wenn    Bohomolec    die    italienische    Fassung    kannte,    so 


i24S  Kapitel  IV. 

kannte  er  sie  wahrscheinlich  in  der  Goldonischen ; 
da  uns  aber  diese  Fassung  vollständig  unbekannt  ist, 
können  wir  auch  nicht  mit  wünschenswerter  Genauigkeit 
feststellen,  inwiefern  die  durchgreifenden  Veränderungen 
des  Stoffes,  die  wir  schon  in  der  eventuellen  Vorlage 
Bohomolec'  voraussetzen  müßten,  eben  Goldoni  zum  Ur- 
heber haben. 

Dagegen  kann  eine  Abhängigkeit  des  polnischen 
Dichters  oder  Bearbeiters  von  einer  anderen  Goldonischen 
Komödie  an  einem  Einzelmotive  bewiesen  werden.  Die 
wesentlichste  Veränderung,  die  wir  bei  Bohomolec  kon- 
statieren können,  besteht  nämlich  darin,  daß  Figiacki- 
Arlecchino  bei  Bohomolec  als  eine  Art  Tartuffe  erscheint, 
was  Kielski  den  Verdacht  eingegeben  hat,  Bohomolec' 
Komödie  sei  unter  dem  Einflüsse  der  bekannten  Moliere- 
schen  Komödie  entstanden. ^^  Eine  solche  Annahme  ist 
schon  rein  methodisch  wenig  wahrscheinlich,  da  eine 
allgemeine  Ähnlichkeit  ohne  konkrete  Übereinstimmungen 
nicht  als  überzeugendes  Beweismittel  gelten  kann,  und 
konkrete  Übereinstimmungen  zwischen  dem  «Tartuffe»  und 
dem  «Figlacki  ka waler  z  ksi(^zyca»  liegen  faktisch  nicht 
vor.  Wenden  wir  uns  aber  zur  Goldonischen  Komödie 
«L'Adulatore»,  so  finden  wir  hier  nicht  nur  schon  den 
T3"pus  des  schmeichelnden  Intriganten  vorgezeichnet,  son- 
dern auch  Einzelheiten,  die  Bohomolec  nur  hier  gefunden 
haben  kann,  Ü^bereinstimmungen,  die  fast  wörtlich  sind. 
Ich  denke  hier  vor  allen  Dingen  an  den  Kampf  zwischen 
dem  «segretario»  Don  Sigismondo  und  dem  «decano 
della  famiglia  bassa»  Brighella  bei  Goldoni  und  den 
entsprechenden  Kampf  zwischen  dem  «podstarosci»  Gos- 
podarski  und  dem  «kawaler»  Figlacki:  die  betreffenden 
Szenen  sind  bei  Goldoni  die  Szenen  I,  9  (wo  Brighella 
der  Donna  Luigia  erzählt,  daß  «la  persona,  che  tende  alla 
rovina  de  sta  Famf^ja  l'e  el  Sior  D.  Sigismondo»,  und  daß 
er  der  Dienerschaft  mehrere  Monate   hindurch  den  Lohn 


3-  K  i  e  1  s  k  i ,  a.  a.  0.,  S.  147. 


Sonstige  Quellt  nverhältnisse  bei  Bohomolcc.  24^ 

voronlhalton  habe),  weiter  II,  2  (wo  Bri<:h('lla  von  Don 
Sigisniondo  Cleld  für  die  Dienerscliaft  fordert  und  nich 
weigert,  persönlich  von  ihm  Geld  anzunehiuen),  dann 
III,  2  (wo  Brighella  seinen  eigentlichen  Herrn,  den  «go- 
vernatore»  Don  Sancio,  auf  Sigismondos  Geldunterschleife 
aufmerksam  macht),  III,  3  (wo  Sigismondo,  von  Don 
Sancio  zur  Rede  gestellt,  sofortige  Konfrontation  mit 
Brighella  verlangt)  und  III,  4  (wo  Brighella  einräunit, 
Sigismondo  habe  ihm  Geld  angeboten,  und  ohne  viel 
Federlesens  mit  einem  «Va  via,  bugiardo»  von  Sancio  zur 
Türe  hinausgeworfen  wird);  bei  Bohomolec  entsprechen 
ihnen  die  Szenen  I,  4,  II,  3,  II,  4,  II,  5.  Figlackis  Be- 
tragen Gospodarski  gegenüber  ist  genau  ebenso  schmeich- 
lerisch und  doppelzüngig  wie  das  Sigismondos  Brighella 
gegenüber:  wie  Figlacki  jenem  als  dem  besten  Menschen 
und  Verwalter  auf  der  Erde  zu  umschmeicheln  sucht,  so 
nennt  schon  Sigismondo  den  Brighella  «decano  mio  gentilis- 
simo»,  «caro  Brighella  mio  amatissimo»  usw. ;  wie  jener  ihm 
seine  «tabakierka»  als  persönliches  Geschenk  überreichen 
will,  so  bietet  Sigismondo  ihm  seine  «ßcatola  di  tai)acco» 
an;  wie  Figlacki  dem  Gospodarski  sagt,  daß  Lunacki  kein 
Geld  habe,  er  möchte  ihm  aber  gern  zu  Diensten  sein,  so 
versucht  auch  Sigismondo  Brighella  in  die  Falle  zu  locken. 
Vielleicht  könnte  auch  noch  ein  anderer  Zug  der  Boho- 
molecschen  Komödie,  daß  nämlich  Figlacki  dem  Robert 
hinterlistig  zur  Flucht  rät,  jener  Goidonischen  Szene  nach- 
gebildet sein,  in  der  Sigismondo  dem  conte  Ercole  dazu  rät, 
•die  Tochter  des  Don  Sancio  zu  entführen:  beide  unterlassen 
es.  Auch  bei  Goldoni  schließt  die  Komödie  mit  einer 
Entlarvung  des  Intriganten;  während  dieser  aber  von  dem 
Koche  vergiftet  wird  und  seine  Sünden  bereut,  geschieht 
bei  Bohomolec  die  Entlarvung  mittels  eines  kompromit- 
tierenden Briefes,  den  der  angebliche  Mondkavalier  an 
seinen  Bruder  schickt: 

«Mnie  wielce  serdeczny  y  kochany  Bracie !  0  moich 
obrotach  krötko  Ci  namieniam,  bo  si?  o  nich  zupe^iey  dowiesz 
od  Pana  Pomockiego  Sc^siada  naszego.    Posylam  Ci  teraz  przez. 


250  Kai)itel  1\'. 

iiicgo  5000  czenv.  zlotych,  ktörych  polityk^  teraznieyszey  mody 
iiabylom.  Ja  tu  mam  wiclki  kredyt  ii  Pana  Limackiego,  a  to 
z  tey  przyczyny,  ze  dowicKlziawszy  siq,  iz  oii  nia  ciekawosc 
poznania  kogo  z  ludzi  ksiQzycowych,  ttcz^milem  si?  kawalerem 
z  ksit^zyca.  Jcdnakze  ia  tu  d^ugo  bawic  nie  raogQ,  bo  syi\ 
iego  niebardzo  mi  sprzyia.  Prawda,  zcm  go  z  oycem  poklö- 
ciK  chcac  mu  kredyt  u  niego  zepsuc,  przeciez  boi?  siq,  zeby 
milosc,  ktora  wielka  iest  mi^dzy  synem  y  oycem,  nie  odkryla 
kiedykolwiek  moiey  polityki.  Rcszt^  nieba\vi£|.c  ustnie  opo'- 
Miein.^> 

Inwieweit  dieser  Abschluß  wie  auch  überhaupt  schon  die 
Übereinstimmungen  zwischen  den  « Ad ulatore» -Szenen  und 
den  entsprechenden  Bohomolecschen  auf  jener  Goldonischen 
oder  einer  anderen  italienischen  Komödie  vom  Mondkaiser 
und  Mondkavalier  beruhen,  und  wo  unter  dieser  Bedingung 
die^  Quelle  zu  den  «Adulatore» -Szenen  gesucht  werden 
müßte,  wage  ich  freilich  nicht  zu  entscheiden. 

Ich  wage  es  um  so  weniger,  als  ^vir  uns  erst  noch 
die  Frage  vorlegen  müssen,  ob  nicht  etw^a  die  Bohomolec- 
sche  Redaktion  des  «Iraperatore  della  luna» -Motivs  eine 
freie  Kontamination  verschiedener  Motive  sein  könnte.  Ich 
habe  schon  oben^^,  als  von  dem  jesuitischen  Einflüsse  auf 
Bohomolecdie  Rede  war,  die  Möglichkeit  eines  umgestalten- 
den Einflusses  der  Poreeschen  «Liberi  in  deligendo  vitae.in- 
stituto  coacti»  auf  den  ursprünglichen  Stoff  des  «Figlacki 
kawaler»  gestreift.  Auch  da  haben  wir  schon  einen 
«Tartuffe»  artigen  «adulator»  und  Intriganten,  den  schein- 
heiligen Theobulus,  der  die  ganze  Macht  im  Hause  des 
leichtgläubigen  Themistus  an  sich  gerissen  hat;  wie  Figlacki 
seinem  Freunde  Pomocki  (I,  1)  stolz  erzählt: 

«Ja  tu  iestem  marszalkjem,  koniuszym,  sekretarzem,  kom- 

missarzem,    podskarbim,    podczaszym,    slowem    mowi^ie :    teraz 

pan   Figlacki   iest   tu  Totumfacki/), 

SO  wird  auch  schon  bei  Poree  gleich  im  Anfang  (Szene  1) 
—  dagegen  nicht  bei  Goldoni  —  vom  Intriganten  fast 
wörtlich  dasselbe  behauptet: 

«Patris   occupavit  animum,    illum  regit,   quo  vult,  impollit. 
unde  vult,  deducit,  et  arbitrio  ac  prope  imperio  moderatur  suo.» 

38  Vgl.  ol)en  S.  81. 


Sonstige  QuellenvcrliüUnisse  bei  Bohomolec  251 

Auch  Theobiilus  sucht  (k*n  Diener  (Diaphunci')  durch 
Sclimeicheleien  («servorum  inininie  mahis,  rnardmo  ßin- 
cerus  et  vere  pelkicitlus»)  und  durch  die  Vorlialiung  des- 
selben Köders,  einer  <tabacotheca»,  für  pich  zu  gewinnen. 
Audi  dort  wird  der  treue  Diener,  wie  im  «Adulatore» 
(<Va  via,  bugiardo!»)  und  im  «Fighicki  kawaler»  («Prccz 
mi  z  oczu,  klanico!»  11,5),  mit  einem  «Apage  sip,  homo 
mendax  k  perjure!»  vom  erblindeten  Herrn  weggejagt. 
Isft  dagegen  Don  Sigismondo  nur  Intrigant,  so  sind 
Figlacki  und  Theobulus  beide  auch  noch  scheinheilig; 
ruft  Theobulus  gern  aus:  «0,  quam  tarda  est  virtutem 
sequi  humana  voluntas!  0,  quam  flecti  nescia,  cum  illam 
regit  victrix  et  invicta  cupiditas!»  (Szene  9),  so  folgt  ihm 
Figlacki  gern  mit  scheinheiligen  Klagen  ü})er  die  Schlechtig- 
keit der  Welt  und  der  Menschen:  «Ach,  i^zyki  ludzkie, 
iezyki!»  .  .  .  «Ale  czego  zlcsc  ludzka  nie  dokaze!»  (1,2). 
Ihre  Insinuationen  wagen  weder  Figlacki  noch  Theobulus 
klar  und  deutlich  an  die  rechte  Adresse  zu  richten:  wenn 
Theobulus  den  Freund  des  jungen  Agathocles  bei  Themistus 
anschwärzen  will,  und  dieser  fragt,  ob  er  den  Theophilus 
meine,  so  versteckt  er  sich  gleich  hinter  der  vielsagenden 
Ausrede:  «Aliquis  —  inquam  —  quisquis  ille  est, 
filium  tibi  a  recta  retrahit  via»  (Szene  9);  so  läßt  auch 
Figlacki  ein  Hintertürchen  offen,  wenn  er  den  Verwalter 
anschwärzt,  und  Lunacki  klar  und  deutlich  Bescheid 
wissen  will:  «Ach,  co  ia  powiedzialem!  Moze  si^ 
myleU  (1,3). 

Wenn  wir  also  das  hier  über  die  mutmaßliche  Ent- 
stehungsart des  «Figlacki  kawaler  z  ksi(^zyca»  Gesagte  zu- 
sammenfassen, können  wir  zunächst  sagen,  daß  Bohomolec 
die  zentrale  Idee  vom  Mondkavalier  ohne  Zweifel  aus  der 
italienischen  Commedia  dell'arte,  sei  es  aus  dem  Gherardi- 
sehen  Auszuge,  oder  sei  es  aus  der  verschollenen 
Goldonischen  Bearbeitung,  kannte.  Dann  müssen  wir 
aber  auch  hinzufügen,  daß  Motive,  die  wir  einerseits  aus 
einer  anderen  Goldonischen,  andererseits  aus  einer  jesui- 
tischen Komödie  kennen,  bestimmenden  Einfluß  auf  die 


252  '  Kapitel  iV. 

Formiinp:    des    so    kontaminierten    Stoffes    geübt    haben, 
Molierescher  Einfluß  läßt  sich  dagegen  nicht   feststellen. 

Fast  ausschließlich  ^italienischer  Herkunft,  wobei 
Bohomolec  nicht  nur  wie  im  «Figlacki»  die  komische  Idee 
eines  Commedia  deH'arte-Stoffes  benutzt,  sondern  auch  die 
Form  resp.  Formlosigkeit  einer  St^greifkomödio  bewußt 
nachgeahmt  hat,  ist  jene  Komödie,  der  Bohomolec  den 
Titel  cArlekin  na  swiat  urazony»  gegeben  hat,  und 
bei  der  er  ausdrücklich  unterstreicht,  daß  «ta  komedya 
na  wzor  wloskich  robiona»   sei. 

Dementsprechend  erhalten  alle  }> pendelnden  Personen 
Namen,  die  wir  zum  Teil  aus  der  italienischen  Komödie 
so  gut  kennen.  Der  Titelheld  hat  den  Namen  Arlecchino 
(Arlequin  =  Arlekin)  belialten,  sein  Freund  und  Genosse 
nennt  sich  Pantalone  (Pantalon),  was  uns  übrigens  etwas 
wundern  muß,  da  hier  keineswegs  der  alte  komische  Pan- 
talone der  italienischen  Komödie  vorgeführt  wird,  sondern 
viel  eher  ein  Pedrolino,  jedenfalls  ein  typischer  Zanni;  der 
Name  Pierrot,  den  eino  der  handelnden  Personen  erhält, 
läßt  uns  einerseits  vermuten,  daß  Bohomolec  an  die  fran- 
zösierten Italiener  gedacht  hat,  kommt  uns  aber  anderer- 
seits auch  etwas  unerwartet,  da  wir  uns  unter  einem  Pierrot 
etwas  anderes  vorzustellen  pflegen,  als  hier  unter  ihm 
verstanden  wird  ;  hier  ist  er  ein  junger  Kavalier,  der 
etwa  hätte  Mario  oder  Lelio  oder  Ottavio  heißen  können. 
Den  Namen  Leander  können  wir  als  einen  Namen  aus 
der  Comedie  Italienne  akzeptieren,  ebenso  den  Dämon, 
während  der  Jodelet  augenscheinlich  aus  der  französischen 
Komödie  eingedrungen  ist.  Der  Nan:ie  Polion  lautet 
gleichfalls  etwas  ungewöhnlich.  Wir  haben  somit  den 
deutlichen  P^indruck,  daß  Bohomolec  nicht  ganz  über  die 
wirkliche  Nomenklatur  der  Commedia  dell'arte,  sei  es  in 
ihrer   italienischen    oder  Pariser    Form,    unterrichtet   war. 

Die  äußere  Entwicklung  der  Handlung  besteht  darin, 
daß  Arlequin,  der,  erbost  über  die  üble  Behandlung, 
die  er  in  Warschau  erfahren,  in  den  \Vald  geflohen  ist, 
um  als  weiser  Eremit  zu  leben,  von  einigen  jungen  Kava- 


Sonstige  Quellonveihältnisse  hei  Hohomolcc.  Soii 

lieren  nach  Warschau  ziirückgelockt  worden  foH.  Leander 
erscheint  unter  anderem  ab  Gesandter  der  Stadt  mit  der 
in  ihrem  Namen  vorgetraprenen  Bitte,  Arlequin  möge  sie 
mit  seiner  Rückkehr  beehren: 

LEA :  Warszawa  po  utlalcniu  siQ  Twoini  w  gru})cy  zostaio  za 
lobie,  oplakuiac  utratQ  wielkicgo  w  Tobie  czlowieka,  z 
ktorogo  nicnmiey  sohle  zaszczytu  iako  y  uciochy  niio- 
wala.  Przctoz  przozo  mnic  u  nög  Twoicli  sklada  swe 
gora.ce  z<idze  .  .  .  Chce  y  uprasza  Ciehie  o  Iq  {ask^, 
ahys  iey  raczyl  przyuTociö  daun:\  ozdoh^  Twoiin  do  niey 
iaiiioswietnym  przybyciem, 

Arlequin  schläft  aber  die  Bitte  kurzerhand  ah: 

ARL :  Niechay  sobie  przypomiii  p:iima  Warszawa,  iak  mi^i  przed- 
tym  nazywahi:  <Arickin  glupi!  Adekin  ])iiak!  Adekin 
hultay!    Trzeba  mu  dac  sto  bizunow!» 

Mir  scheint  dieser  Passus  eine  wertvolle  Andeutung  über 
den  äußeren  Anlnß  zur  Entstehung  der  vorliegenden 
Komödie  zu  enthalten.  Leanders  Bitte,  Arlekin  möchte 
nach  Warschau  zurückkehren,  wo  man  seinen  Fortgang 
nicht  verschmerzen  könne,  enthält  allem  Anscheine  nach 
einen  aktuellen  Kern.  Boliomolec'  Komödie  erschien  im 
zweit'-'U  Pfände,  im  Jahre  1756.  Nun  hatte  aber  Warschau 
dank  der  Theaterliebe  des  Königs  August  IlL  noch  kurz 
vorher  (bis  ungefähr  1750)  die  Kunst  italienischer  Schau- 
spieler genießen  können:  es  war  das  bekanntlich  die  Truppe 
des  Andrea  Bertoldi,  die  wahrscheinlich  kurz  nach  der 
Thronbesteigung  des  Königs  in  Venedig  engagiert  worden 
war,  und  abwechselnd  in  Dresden  und  Warschau,  wo  der 
König  1748  das  frühere  Opernhaus  zu  einem  regelrechten 
Theater  hatte  umbauen  lassen,  vor  dem  Hofe  Augusts  III. 
zu  spielen  hatte.  Unter  den  Schauspielern  zeichneten  sich 
besonders  aus:  Antonio  Bertoldi  als  Arlecchino;  der  aus 
Wien^^  und  besonders  aus  dem  Theater  San  Luca  in  Vene- 
■dig^^  bekannte  Giovanni  Cammillo  Ganzaghi,  der  sonst  den 


29  Adolfo  Bar  toll,  Scenari  inediti   della  commedia  del- 
Parte  (Firenze  1880),  S.  CXLYIII. 

40  Ders.,  a.  a.  0.,  S.  CLIIL 


20*  Kapitel  IV. 

dottoro  und  den  neuen  T^'pus  des  Francese  Italianato'*^ 
zu  spielen  hatte,  als  Tabari-ino"*^;  der  vielleicht  mit  dem 
im  Teatro  San  Samuele  in  Venedig  auftretenden  Francesco 
CoUinetti"*'^  verwandte  oder  gar  identische  Fernando  Colli- 
netti  als  Pantalone;  schließlich  die  zu  einer  bekannten 
Schauspielerfamilie  gehörende  berühmte**  Primadonna 
Giovanna  Casanova,  die  auch  in  Rußland  auftrat,  und  die 
wir  auch  im  Teatro  San  Samuele  wiederfinden*^,  als 
Rosaura.  Warschau  kannte  somit  zu  jener  Zeit,  da  Bohomo- 
lec  seine  Schulkomüdien  schrieb,  sehr  wohl  die  Kunstart 
der  italienischen  comici,  deren  Warschauer  Repertoire  uns 
aber  leider  nicht  näher  bekannt  ist.  Es  erscheint  mir 
sehr  verlockend,  die  Entstehung  des  «Arlekin  na  swiat 
urazony»  mit  dem  Verschwinden  derltaliener  in  Zusammen- 
hang zu  bringen.  Boliomolec,  der  dieselben  zwar  kaum 
von  Warscliau  her  kannte,  in  Italien  aber  sicher  die  beste 
Gelegenheit  gehabt  hatte,  die  Commedia  dell'arte  näher 
kennen  zu  lernen,  hat  nun  aller  Wahrscheinlichkeit  nach 
in  der  allgemeinen  Erinnerung  der  Warschauer  Bürger  an 
die  italienischen  Schauspieler  und  ihre  Bühnenkunst  und 
in  dem  ohne  Zweifel  oft  ausgesproclienen  Wunsche,  War- 
schau möchte  nochmals  von  ihnen  besucht  werden,  den 
äußeren  Anlaß  dazu  gefunden,  eine  Nachahmung  der  all- 
bekannten Commedia  dell'arte  über  die  Bretter  seiner 
Schulbühne  gehen  zu  lassen.  Als  willkommenes  Motiv 
wird  ihm  dann  die  Fiktion,  Arlecchino  sei  vor  Warschaus 
Bürgern  in  die  Einöde  geflohen,  erschienen  sein.  Nun 
holt  Bohomolec  ihn  durch  seine  Komödie  zurück. 

Wenn  wir  diese  Komödie  rein  quellenmäßig  unter- 
suchen, stellt  es  sich  für  den  vorsichtigen  Forscher  sehr  bald 

41  Ders.,   a.  a.   0.,   S.  CLXVII. 

42  S  t.  \V  i  n  d  a  k  i  e  w  i  c  z ,  Teatr  polski  przed  powstaniem 
scony  narodowej  (Krakow  1921),  S.  66,  zitiert  seinen  Namen 
Conzachi. 

43  B  a  r  t  o  1  i ,  a.  a.  0.,  S.  CLVIII.  —  Francesco  war  gerade 
als  Pantalone  bekannt.     Ders.,  a.  a.  0-,  S.  CLXV. 

44  Ders.,  a.  a.   0.,  S.  CXLVIII. 

45  Ders.,  a.  a.  0.,  S.  CLVIII.     . 


Sonstige  QuellenverhAltnissc  bei  Bohomolec.  2o5 

heraus,  daß  der  «Arlekin  na  swiul  urazoiiy»  ein  Monaik- 
gebilde  aus  zahlreichen  Coniniedia  dell'arte- 
Motiven  ist  und  somit  schon  in  seiner  Form  die  hunte 
Traclit  des  italienischen  Hanswurst  verrät.  Die  einzelnen 
Motive  herauszuschälen,  die  bei  Bohomolec  sehr  wenig 
miteinander  zu  tun  haheji,  ist  hier  nun  zunächst  meine 
Aufgabe. 

Der  Titel,  den  Bohomolec'  Komödie  trägt,  liat  eigent- 
lich nur  JJerechtigung  für  die  beiden  ersten  Akte  der 
Komödie,  wo  Arlequin  wirklich  «na  svviat  urazony»  ist. 
Einer  der  auftretenden  Kavaliere  läßt  uns  wissen,  daß 
Arlequin  «bardzo  si^  na  swiat  rozgniewal  y  poprzysii^gl, 
ze  siQ  do  niego  nie  wröci»  (1,1).  Arlequin  ersclieint  so- 
mit als  Misanthrop,  als  weltverachtender  Eremit.  Das  ist 
eine  aus  der  Geschichte  der  Pariser  Commedia  dell'arte 
wohlbekannte  komische  Idee,  und  Strusiiiski  hat  mit  Recht 
auf  jenen  «Arlequin  Misantrope»  verwiesen*^,  den  wir  in 
der  Gherardischen  Sammlung  (Band  VI)  wiederfinden,  und 
der  im  Dezember  1696  im  Hotel  de  Bourgogne  aufgeführt 
wurde.  Diese  dreiaktige  Komödie,  die  nach  Gherardis 
Notiz  «(est)  mise  au  Theätre  par  Monsieur  de  B***>,  ist 
allem  Anschein  nach  von  Brugicre  de  Barante  verfaßt 
worden.'*^  Der  Verfasser  teilt  uns  in  der  Vorrede  zu  der 
1697  erschienenen  Separatausgabe  seiner  Komödie  folgendes 
über  den  Charakter  seiner  Komödie ^^  mit: 

«On  a  lie  le  moins  grossierement  qu'on  a  pü  plusieurs 
sceiies  toutes  detachees  les  unes  des  autres,  et  qui  n'ont  que 
peil  ou  point  de  rapport  au  fond  du  sujet.  II  auroit  et6  bieu 
aise  de  meiiager  des  incidents  et  de  faire  une  piece  pour  le 
moins  aussi  reguliere  que  la  plupart  de  celles  qu'on  donne 
aujourd'hui  pour  tolles.  ]\Iais  on  a  negiige  un  soin  qu'il  eüt 
ete  inuiile  de  se  doiiner.» 

Zuletzt  wurde  die  Komödie  im  neuen  Theätre  Iiidien  im 
Jahre  1726  aufgeführt. 


*^  S  {  r  u  s  i  n  s  k  i ,   a.   a.    0.,   S.  253. 

*<   Dictionnaire,   Bd.  VII,   S.  378. 

*^  Zitiert  von  0.   Klingler,  a.   a.   0.,  S.  192. 


^56  Kapitel  IV. 

So,  wie  die  Komödie  mit  Auslassung  aller  rein  italie- 
nipchen  Szenen  bei  Gherardi  vorliegt,  spielt  sie  «dans  un 
bois>.  Arlequin  lebt  hier  «parmi  des  animaux»,  die  er 
als  seine  besten  Freunde  betrachtet.  Er  haßt  Paris  (I,  1). 
Nun  wird  er  aber  fortw.ährend  von  Personen  beunruhigt, 
die  entweder  aus  Paris  kommen  oder  nach  Paris  zielien, 
und  bei  ihm,  dem  bekannten  Asketen  und  Einsiedler, 
Rat  suchen:  Colombine  sucht  ihren  Geliebten,  «un  jeune 
prince  AUemand»  (1,2),  der  in  Wirklichkeit  Schauspieler 
ist  und  Octave  heißt,  und  aus  Furcht,  Colombine  möchte 
ihm  ihre  Liebe  entziehen,  wenn  sie  erfährt,  wer  und  was 
er  eigentlich  ist,  in  den  Wald  geflohen  ist  (I,  3);  der 
Philosoph  Disanvray  besucht  gleichfalls  Arlequin  und  gibt 
ihm  ein  satirisches  Bild  der  Zustände  in  Paris  (1,4);  ein 
docteur  kommt  auch  in  den  Wald  mit  seinem  Sohne  und 
meiner  Tochter,  die  in  Paris  vorwärts  zu  kommen  hoffen, 
was  Arlequin  ihnen  aus  dem  Kopfe  zu  schlagen  sucht  (I,  5); 
eine  «comtesse»,  die  von  ihrem  Manne  aus  Paris  verbannt 
worden  ist  und  in  Gesellschaft  eines  Anbeters  auftritt,  hofft 
durch  Arlequins  Vermittlung  wieder  nach  Paris  zu 
gelangen  (11,1);  ein  Greis  und  seine  junge  Frau  klagen 
Arlequin  ihr  Leid:  sie  hätten  keine  Kinder  (II,  6);  zwei 
Mädchen  aus  der  Gascogne  reisen  nach  Paris  in  der  Hoff- 
nung, dort  eine  gute  Partie  machen  zu  können  (II,  7); 
ein  Monsieur  de  Colafon,  «maitre  ä  danser»,  führt  Arlequin 
seine  Kunst  vor  und  raubt  ihm  dabei  seine  Börse  (11,8); 
eine  Madame  de  l'Architrave  möchte  im  Walde  «une  ville 
pour  les  meconten3>  erbauen  (II,  9);  weiter  wird  er  von 
einem  anderen  «maitre  ä  danser»  Monsieur  de  la  Cabriole 
und  einem  «maitre  ä  chanter»  Monsieur  de  Geresol  (111,2), 
einem  Buchhändler  (III,  4),  einem  Maler  (III,  5),  einem 
bäurischen  Liebespaar  (111,8)  besucht.  Alle  diese  Besuche 
geben  die  reichste  Gelegenheit  zu  satirischen  Ausfällen 
gegen  die  bestehenden  moralischen  und  gesellschaftlichen 
Verhältnisse  in  Paris.  Zuguterletzt  erweist  es  sich,  daß 
Octave  der  älteste  Sohn  des  docteur  ist;  Colombine  ver- 
leiht ihm  seine  Schwindeleien,  und  er  erhält  die  Erlaub- 


Sonstige  Quelleuverhällnisse  bei  Bohomolec.  257 

nie,  sie  zu  heiraten;  mit  diesem  Au^gan^ije  gibt  sich  auch 
Arlcquin  zufrieden,  obgleich  er  anfänglich  selbst  der 
Colombine  nachgestellt  hat. 

Es   ist   von   vornherein    klar,   daß    Bohomolec    außer 
der   Idee   von   dem    misantbropisch   gewordenen   Arlequin 
nur    sehr    weniges    der    Brugiereschen    Komödie    zu    ver- 
danken  hat.     Der  «Arlequin  Misantrope»   hat   Bohomolec 
deutlich  nur  als  Sprungbrett,  als  Ausgangspunkt  gedient. 
Ich    führe    gleich    die    wenigen    Analogien    an,    die    ich 
aufzufinden    vermochte.     So   ist    der   Monolog,    mit   dem 
Arlekin    bei  Bohomolec   auf   der   Bühne   zum   erstenmal 
auftritt,  deutlich  nach  jenem  Monologe  gearbeitet,  mit  dem 
auch   bei  Brugiere    die   Komödie    beginnt,    wenn    die   Be- 
trachtungen bei  Bohomolec  auch  nicht  so  ausführlich  sind 
(I,  3).    Wie  in  der  Vorlage  stellt  auch  bei  Bohomolec  der 
Arlekin  einen  Vergleich  an  zwischen  den  Tieren  des  Waldes 
und    den  Menschen    in    der   Großstadt   und   kommt   zum 
Resultat,  daß  die  Tiere  viel  besser  sind  als  die  Menschen : 
ARL:  Czy  slyszalos  tu  ktörego  zwierzQcia  albo  o  nas  albo  dni- 
gich   zle   gadair^cego  ?    A  w   Warszawie,   gdzie  ieno  pöy- 
dziesz,  wsz^dzie  uslyszysz   szkodÜwe  culzemu  honorowi 
mowy.    Niema  tego  zebrania,  niema  tego  domii,  gdzieby 
cuflzoy    slawy  nie    nicowano.     Czy    styszales    tu  ktörego 
zwierzQcia   möu-ir^cego :   «Arlekin  piiak !    Panfalon  hultay! 
Trzeba  im  dac   sto  bizunöw!»    A  \v  Warszawie  wiele  to 
razy  mowiono? 

Bekannt  ist  die  Stelle  im  «Arlequin  Misantrope»  (I,  5), 
wo  Scaramouche  zu  weinen  anfängt,  aus  Furcht,  es  werde 
ihm,  «qui  ne  fait  que  de  la  bagatelle,  qui  ne  syait  que 
la  bagatelle,  k  qui  ne  suis  moy-merae  qu'une  bagatelle», 
schlecht  in  Paris  ergehen,  worauf  Arlequin  ihm  in  die 
Rede  fährt: 

ARL:  Tu  sgais  la  bagatelle? 

SCA:  Ouy. 

ARL:  Tu'fais  la  bagatelle? 

SCA :  Helas    ouy. 

ARL:  Et  tu  es  la  bagatelle?  Ab,  mon  eher,  viens  que  je 
t'embrasse !  Tu  es  ne  pour  Paris,  tu  es  ne  pour  une 
grande  fortune!    Avec  une  si   belle  disposilion,  tu  peux 

Stender-Petersen,  Die  Schulkomödieu.  17 


25S  Kapitel  1\". 

asj)irtM'  a  tont.  La  bagatelle?  Ah,  mon  aniy,  si  j'avois 
eu  IUI  noble  penchant  pour  la  bagatelle,  je  ne  seix)is  pas 
icy,  je  serois  ä  Paris  dans  une  fortune  6clatante. 

Eine  der  Form  nach  ähnliche  Replik  finden  wir  in  der 
polnischen  Komödie,  wo  Pierrot,  der  sich  «zywy  konter- 
fekt  czleka  nieszcz^sliwego»  nennt,  den  «zlodziey  y  zböyca» 
seines  Bruders  zu  suchen  vorgibt  (I,  4),  worauf  er  von 
Arlekin  folgenden  Rat  erhält: 

ARL:  Co?  zlodzieia?  Do  Warszav.-y,  do  Warszawy,  panie  kon- 
fekcie,  uday  sie,  iesli  szukasz  zlodzieiöw  y  zböycowf 
Tarn  sie  oiii  naybardziey  garnq.  Tu  tyiko  ludzie  poczciwi 
mieszkai^.  • 

Einen  gewissen  Parallelismus  können  wir  auch  darin  er- 
kennen, daß  Bohomolec'  Arlekin  ebensowenig  vor  der 
Macht  des  Weines  stand  halten  kann,  wie  der  Arlequin 
der  Vorlage  vor  der  Macht  des  Weibes.  Der  Letztere  er- 
klärt gleich  zu  Anfang  der  Komödie,  daß  er  ganz  beson- 
ders die  Weiber  hasse: 

ARL:  ...   Je  hais  les   hommes,   je  les   detesLe,   ils   sant  faux, 
doubles,   hipocrites,  meprisables. 
Bien   entendu,    qii'en.    ceci, 
La  femme  est  comprise  aussi. 
Ouy,  si  j'en  trouvois  quelqu'une,  je  me  ferois  iin  plaisir 
de  la  traiter  comrae  eile  merite.    Je  la  ,  .  .  (II  apperpoit 
Colombine.)     Hoime ! 
COL:  Ah,  Monsieur,  qne  je  suis  heureuse  de  trouver  une  figure 

d'homme  dans  un  lieu  oü  je  ne  vois  que  des  Bestes ! 
ARL    (ä  part) :   Figure   d'homme  ?    Elle   est   toute   jolie.    Je  me 

defie  furieusement  de  moy-mesme. 
COL:  Monsieur,   ne  pourriez-vous  point  me  dire  des  nouvelles 

de  ce  qne  je  cherche? 
ARL    (ä  part) :  Tenons  bon. 

COL:  II  me  toume  le  dos.    Que  je  suis  malheureuse! 
ARL    (ä  part) :    La   charmante   pleureuse !     Que    je   crains  pour 

la  Misantropie! 
COL:  Monsieur,  ne  me  rebuttez  pas,  je  vous  en  conjure. 
ARL  J^allant    &  revenant):    Non    .  .  .    Ce    sexe    est   fait    pour 

tromper  tout  le  monde. 
COL:  Ah,   craignez-vous  qnekpie   chose   d'une   malheureuse  qui 

implore  votre  secours? 
ARL:  Vous    cstes    plus    ä  craindre    pour    moy    que   toutes    les 
bestes  de  ces  Bois  .  .  . 


Sonstige  Quellenverhältnisse  bei  Bohomolcc.  2j9 

Es  dauert  auch  gar  nicht  lange  und  Arlequin  läßt  eich 
dazu  verleiten,  der  Colombine  eine  Liebeserklärung  zu 
machen  und  damit  ganz  aus  der  Rolle  eines  weltscheuen 
Kremiten  zu  fallen. 

Bei  Bohomolec,  der,  seinem  Prinzipe  getreu,  keine 
weibliche  Rolle  in  seiner  «Commedia  dcll'arte»  zuläßt,  hat 
statt  dessen  der  Wein  eine  ebenso  unwiderstehlich«'  Macht 
auf  Arlekin,  der  seinetwegen  bald  ganz  seine  Eremiten- 
rulle  vergißt.  Sein  Freund  Pantalon,  der  von  dem  listigen 
Pierrot  die  falsche  Neuigkeit  erfahren  hat,  daß  man  jetzt 
in  Warschau  gratis  Wein  trinken  könne,  versucht  als 
erster,  Arlekin  zum  alten  Leben  umzuwenden.  Arlekin 
ist  zwar  anfangs  sehr  standhaft,  kann  aber  seinen  Wider- 
stand auf  die  Länge  nicht  aufrechterhalten. 

FAN:  Ale  si§  Warszawa  teraz  .  .  . 

ARL :  Ale  Warszawa  nie  do  rzeczy. 

FAN :  Ja   möwiQ   ,  ,  . 

ARL:  A  ia  möwi?,  ze  Warszawa  nas  nie  godna. 

FAN :  Ale  tcraz  Warszawa  .  .  . 

ARL :  Al€  y  teraz  y  przedtym  Warszawa  nie  do  rzeczy. 

FAN:  Ale  posluchay  przynaymniey ! 

ARL:  Ale  nie  mozesz  dobrym  sumnieniem  chwalic  Warszawy! 

FAN:  Ale  niech  powiem  przynaymniey   .  .  . 

ARL:  Möw  co  chcesz,   Warszawa  iednak  nie  do  rzeczy! 

FAN:  Ale  teraz  inaczey  .  .  . 

ARL :  Ale    inaczey   Warszawy   nie   nazyway   iak   stolicq  Zlego. 

FAN:  Teraz   w  Warszawie   dla   wszystkich   wino   .  .  . 

ARL:  Wino?    Ach,  bracie,  na  co  to  wspominasz?    Wino?  .  .  . 

Wino?  ...  Fe!   turpia  verba!   .  .  .    Ale  cos  mowil? 
FAN:  Möwilem,   ze  w  Warszawie  wino   .  .  . 
ARL :  Acb,   bracie,  smiesz  tak  brzydkie  slowo  wspomLnac  ?  . . . 

Wino  1   .  .  .    Idz  precz  ode  mnie,  pokuso  I    Wszak  wiesz, 

ze  wino  nie  iednego  zgubilo? 
FAN :  Ale  nie  wszystkich   .  .  . 
ARL:  Fe,     fe!     Ja    y  wzraianki    cierpiec     o  winie    nie    mogQl 

Odst^p!    Odstap  zaraz  ode  mnie,  kusicielu! 

Aber  wie  sein  Genosse  in  der  Vorlage  kann  x\rlekin  bald 
nicht  mehr  vom  Gedanken  an  den  kostenlosen  Wein  los- 
kommen. Bohomolec  hat  die  Gelegenheit  wahrgenommen, 
den  inneren  Kampf,   der  Arlekins  Seele   von  nun   au  be- 


2f)0  Kapitel  IV. 

herrscht,    in    dem  Monologe   hervortreten    zu   lassen,    mit 

dem  der  zweite  Akt  beginnt: 

ARL:  Czy  go  kaci  nadali  z  lym  winem?  Trzebaby  skasziowa<^, 
czy  prawda  to,  ze  tak  iest  dobre,  iak  on  möwi.  Ale  .  .  . 
Ale  slawa  w  co  poydzie?  Ja  swiatem  möglem  pogardzi6, 
a  winem  nie  mögJem  ?  Fe !  Pokusa !  Fe !  fa !  fi !  f  o !  f u ! 
Nie  che?,  nie  che?,  pokuso,  nie  uwiedziesz  mi? !  na 
wiclkiego  trafilas  czlowieka!  Tylko  .  .  .  Ale  ...  A 
ia  y  zapomnialem  I  wszakto  nii  zol;\deczek  möy  kochany 
strasznie  boli.*^  Oy,  oy,  oyl  Jakie  rzni?cie!  Oy,  oy,  oy! 
Trzebaby  koniecznie  wina,  inaezey  zapewne  böl  nie 
ustanie.  Wszak  dla  zdrowia  wolno.  Ale  ...  Y  lo 
pi^knie!  Czy  ich  kaci  nadali,  ze  teraz  po  moim  odeysciu 
w  Warszawie  zacz?li  darmo  \vino  dawac !  Poki  tarn  by- 
lem,  to:  «Kupl  day  pieni^dze,  iesli  chcesz  wina!»  A 
teraz  wlasnie  na  zlosc  .  .  . 

Sobald  man  ihm  Wein  anbietet,  stürzt  er  sich  auch  gierig 
über  die  Flasche. ^^  Damit  ist  es  aber  aus  mit  seiner 
ganzen  Misanthropie:  es  gelingt  Dämon,  Arlekin  davon 
zu  überzeugen,  daß  sein  Verdienst  bedeutend  größer  wäre, 
wenn  er,  mitten  in  Warschau  und  in  der  Welt  lebend,  War- 
schau und  die  Welt  verachten  könnte  (II,  6).  Arlekin 
beschließt  nach  Warschau  zurückzukehren,  und  damit 
schließt  auch  der  Teil  der  Komödie,  der  dem  ganzen  Stücke 
den  Namen  gegeben  hat,  und  eine  vollständig  unab- 
hängige Handlung  nimmt  im  dritten  Akte  ihren  Anfang. 
Es  steht  ohne  Zweifel  fest,  daß  die  italienisch-fran- 
zösische Komödie  des  Arlequin",  der  Misanthrop  geworden 
ist  und  sich  mit  seinem  Diener  in  die  Einöde  zurück- 
gezogen hat,  letzten  Endes  mit  dem  bekannten  Motiv  von 


4^  Arlekins  Magenschmerzen  sind  ein  typischer  Commedia 
deH'arte-Zug.  «J'ay  une  cours  de  venire  comme  vous  s^avez,  qui 
ne  me  permet  pas  d'etre  long-temps  en  place»,  sagt  er  selbst  in 
den  «Filles  errantes»   in  Gherardis   Sammlmig,   Bd.  III,  S.  36. 

^0  Pan(alon  hilft  ihm  dabei,  es  kommt  zu  typischen  «lazzi», 
indem  sie  einander  die  Flasche  v^or  dem  Munde  wegreißen  und 
den  Wein  verfluchen,  als  wäre  es  ein  lebender  Mensch  (II,  4). 
«Lazzi»  mit  der  Weinflasche  kommen  bekanntlich  häufig  in  der 
Commedia  dell'arte  vor;  vgl.  z.  B.  die  zweite  Szene  im  <'Tombea'Ui 
de  Maistre  Andre»,  Gherardis  Sammlung,  Bd.  V,  S.  370. 


Sonstige  Quellenvcrhältnisse  bei  Bohomolec.  1201 

Ti  m  o  n ,  dem  M  e  n  p  c  h  e  n  h  a  r  s  e  r  .1  u  y  Athen,  in 
Verbindung  gebracht  werden  muß.  Inwieweit  auch  der 
«Scaramouche  Ermite»,  von  dessen  Aufführung  im  Jahre 
16G4,  eine  Woche  nach  der  ersten  Aufführung  von  Molieres 
< Tartuffe»,  uns  berichtet  wird,^^  ohne  daß  wir  bestin)mte 
Kenntnis  vom  Inhalte  des  Stückes,  in  dem  sicli  der  be- 
rühmte Schöpfer  des  Scararnuccia  Tiberio  Fioiilli  aus- 
zeichnete, erhalten,  mit  dem  altbekannten  Motive  vom 
Misanthropen  Timon  in  genetischer  Verbindung  steht, 
können  wir  leider  nicht  mehr  feststtdlen.  Das  hat  für 
uns  auch  nur  sekundäre  Bedeutung.  Dagegen  sind  wir  sehr 
gut  über  das  Verhältnis,  in  welchem  Delisles  berühmter 
«Timon  le  Misantrope»  (1722)  zu  der  klassischen  Er- 
zählung des  Lukian  steht,  unterrichtet.^^  Diese  Komödie 
wurde  bekanntUch  durch  die  Aufführung  der  Italiener 
in  Paris  berühmt ^^  und  zeichnet  sich  durch  die  Einführung 
des  neuen  Motivs  von  der  Bekehrung  des  Menschenhassers 
durch  ein  anmutiges  Mädchen  aus.°*  Nun  könnten  wir 
uns  mit  Recht  fragen,  ob  nicht  Bohomolec  bei  der  Aus- 
arbeitung seiner  Komödie  gewisse  Motive  aus  dem  Delisle- 
Bchen  Stücke  entlehnt  haben  kann.  In  dem  letzteren  ^^ 
tritt  Timon  in  Begleitung  seines  Dieners  Arlequin  auf, 
der  seiner  Rolle  nach  ungefähr  in  demselben  Ver- 
hältnis zu  Timon  steht,  wie  bei  Bohomolec  Pantalon  zu 
Arlekin.  Er  wird  nämlich  von  der  Eucharis  und  der 
Aspasie,  die  Timon  und  Arlequin  vom  Eremitenleben  ab- 
ziehen wollen,  als  Werkzeug  gegen  Timons  Hartnäckigkeit 
benutzt.  Timon  wird  schließlich  in  einen  heftigen  see- 
lischen Kampf   gestürzt,    da    er   ebensowenig   den   Reizen 


^1  M  o  1  a  n  d ,  Moli^re  et  la  wmedie  italieiiiie  (Paris  1867), 
S.  290. 

52  KJ  in  gier,    a.   a.    Q.,    S.  47. 

53  Desboulniier,   a.  a.    0.,   Bd.  II,   S.  40. 

5*  Wilhelm  C  r  e  i  z  e  n  a  c  h  ,  Geschichte  des  neiieren  Dra- 
mas (Halle   1916),   Bd.  V,  Teil   II,   S.  452. 

55  Ich  zitiere  nach  Desboulmiers  Resume  (Bd.  II, 
S.  40  ff.),  da  mir  Delisles  Komödie  leider  nicht  zugänglich  ist. 


262  Kapitel  IV. 

der  Eucliaris  Widerstand  IciFten  kann,  wie  Arleqnin  bei 
Brugiüre  denen  der  Colombine  und  Arlekin  bei  Bohomolec 
denen  des  Weines.  Wie  dem  auch  sei,  wir  haben 
jedenfalls  im  «Timon  le  Misantrope»  eine  regelmäßige 
Intrige,  die  damit  Fchließt,  daß  Timon  zur  verach- 
teten Welt  zurückkehrt,  —  ein  dramatisches  Motiv, 
das  in  der  Brugiereschen  Komödie  fehlt,  bei  Bolioraolec 
ftber  wiederkehrt.  Es  muß  als  durchaus  möglich  angesehen 
•werden,  daß  Bohomolec  eine  ungefähre  Kenntnis  von  der 
Delisleschen  Komödie  gehabt  hat,  als  er  seine  eigene  schrieb. 
Was  nun  die  Fortsetzung  des  «Arlekin  na  swiat  ura- 
zonv»  betrißt,  so  hat  sie,  wie  gesagt,  nichts  mit  dem 
Motiv  des  misanthropischen  Arlequin  zu  tun.  Der 
Übergang  von  dem  einen  Motiv  zum  anderen  geschieht 
am  Schlüsse  des  zweiten  Aktes  jnit  einigen  typischen 
«luoghi  topici»  der  Commedia  dell'arte.  Im  Anschluß  an 
Arlekins  Beschluß,  in  die  verlassene  W^elt  zurückzukehren, 
handelt  eine  Szene  von  der  Berufswahl,  denn  er  will  nicht 
mehr  Arlekin  sein: 

ARL:  .  .  .    Ale   iuz   nie   chc^    byc   wiQcey  Arlekinem.    Juz    mi 

si^  ten  chleb  przyiadh    Chcialbym  w  inszym  stanie  kla- 

niac. 

Man  fragt  ihn,  was  er  clenn  am  liebsten  sein  wollte: 
ARL:  .  .  .  Chcialbym  byc  takim  rzemie§nikiem,  ktory  nayniniey 
ma  pracy. 

Man   schlägt  ihm   vor,   Schneider  («krawiec»)  zu  werden: 

ARL:  Krawcem?    Fe!    Nie  che?!    Ja  siedzenia  z  natury  n'e  lu- 

bi^,  y  krew  si?  od  tego  psuie.    Co  witjksza  to  rzemioslo 

lest  niebczpieczne :  möglbym  z  przypadku  paluszek  sobie 

igl^  zaklöc. 

Man  schlägt  ihm  der  Reihe  nach  vor  Schmied  («kowal»), 
Tischler  («stolarz»)  und  Fleischer  («rzeznik»)  zu  werden. 
Arlekin  kritisiert  alle  diese  Berufe.  Schließlich  findet  er 
selbst  einen  passenden  Beruf: 

ARL:  .Ta  chcialbym  by6  panem.    To  rzemioslo  naylepsze:  miec 
sobie    palacc,    shigi,    konie,    pienia^dze,    wino    .  .  . 

Dieser  Replikenwechsel,  mit  dem  dem  Schauspieler  oder 
Verfa.'-Fer  die  Gelegenheit  gegeben  wird,  verschiedene  Be- 


SonsJige  Quellenverhriltnisse  hei  Bohomolec.  203 

rufe  einer  satirischen  Kritik  zu  unt-^W'-rfen,  vorriit  deullioli 
seinen  Ursprung  aus  der  Comraodia  dellarte,  in  der,  wie 
bekannt,  die  zanni  immer  die  Gelegenheit  zu  satirischen 
Ausfäll<»n,  die  in  jeden  Zusammenhang  passen  konnten, 
wahrnalimen.  Als  Beispiel  und  Beweis  möchte  icli  hit  r 
eine  »Szene  aus  Goldonis  «La  hanca  rotta  o  sia  Mercanle 
fallito>  anführen,  die  von  Saclikundijren  ^'^  als  ein  typischer 
«luogo  topico»  betrachtet  wird.  Truflaldino,  Pantalones 
Diener,  der  gnr  nicht  so  unzufrieden  ist,  seinem  Herrn  als 
«mezzano»  (Kuppler)  in  seinen  Liebesgeschäften  zu  dienen, 
trifTt  seinen  «caro  paesan»  ßrighella,  den  Diener  des 
Grafen  Sdvio  (1,2).  Dieser  rät .  ihm,  doch  lieber  einen 
anderen,  seinem  Ehrgefühl  mehr  entsprechenden  Beruf  zu 
wählen : 

RRI:  .  .  .  K  fo  conseggio  anca  ti  de  far  qualche  altro  mistior, 
che  sia  mestier  onorato,  clove  el  galant'omo  se  jwssa 
mantegnir,    seiiza   pericolo  della   reputazion. 

TRü:  Che  mistier  poderavo  far,  senza  pericolo  dell  reputazion? 

BRI:  Ghe  ne  troveremo  cento  iin  mesgio  dell'altro.  Per  eseni- 
•     pio   l'Orese. 

TRU:  Si  ben  l'orese  l'e  ua  mistier  onara'.>.  Ma  quella  como- 
ditä  de  poder  metter  el  rame  in  vezze  de  oro,  1*6  una 
gran  tentazion  per  un  galantomo. 

BRI:    L'e  vero,  no  ti  disi  mal.    ^le  par  piü  sicuro  el  spezial. 

TRU:  No,  camerada,  me  par  che  el  sia  pezo.  H;)  sentido  a 
dir,  che  i  speziaÜ  per  sparagnar  qualche  lira  nel  com- 
prar  le  Droghe  no  i  varda  a  rovinar  i  auialadi,  a  far 
disonor  a  i  Medici,  e  par  che  i  sia  d'accordo  co  i  Becca- 
morti. 

Brighella  schlägt  ihm  dann  noch  vor,  ein  «librer»  (Buch- 
händler, oder  ein  Händler  mit  einer  «botteghetta  da  n)ar- 
zaretto»  zu  werden,  aber  auch  dagegen  findet  Truffaldino 
immer  wieder  etwas  einzuwenden;  da  geht  Brighella  gleich- 
sam ein  Licht  auf: 


56  Ch.  Rabany,  a.  a.  0.,  S.  62.  —  Dasselbe  Motiv,  bloß 
als  Monolog  behandelt,  finden  wir  im  Biancolellischen  «Arleqain 
gentilhomme  par  hazard»  wieder.  Vgl.  ;;Nouvoau  Theätre  Italien» 
(Anvei-s   1713),  S.  17G. 


264  Kapitel  IV. 

r>]\\:  Vuslu,  che  te  la  diga?  Ti  disi  mal  de  sto  mistier  de 
inczan,  e  ho  paura,  che  el  te  piasa  assae  piü  dei  altii. 

TRU :  Ccrlo,  che  a  considerarlo  bcii,  l'e  un  mistier  de  p o  c  a 
f  a  d  i  g  a. 

Die  Analogie  ist  natürlich  augenfällig.  Freilich  können 
wir  nicht  entscheiden,  inwieweit  hier  das  Motiv  unmittel- 
bar aus  der  Goldonischen  Komödie  oder  aus  einer  Com- 
media  delFarte,  die  Bohomolec  selbst  in  Italien  gesehen 
haben  kann,  entlehnt  ist. 

Mit  dem  dritten  Akte  beginnt  bei  Bohomolec  nun 
die  neue  Handlung.  Ihr  Zentralpunkt  ist  Arlekin 
als  «Graff  de  Barba»,  als  fingierter  Graf  und  Ka- 
valier. Diese  Handlung  verrät  auch  recht  deutlich  ihren 
Zusammenhang  mit  italienischen  oder  italianisierenden 
Komödienstoffen,  und  mit  Recht  dürften  wir  ihr  den 
italienischen  Namen  «Arlecchino  finto  conte»  geben.  Es 
ist  ja  zur  Genüge  bekannt,  wie  beliebt  der  Kreis  von 
^Motiven  mit  ähnlichem  Titel  in  der  Commedia  dell'arte 
gewesen  ist,  wie  zahlreich  die  verschiedenen  «soggetti»,  die 
aus  der  Idee  vom  Arlecchino  als  falschem  Grafen,  Barone, 
Prinzen,  Könige  usw.  entstanden  sind.  Wir  brauchen  bloß 
die  von  Bartoli  aufgezählten  Komödien  und  Titel  von 
Komödien  durchzumustern,  um  eine  Vorstellung  davon 
zu  erhalten. 

Wir  finden,  da  einen.  «Arlecchino  creduto  principe»,  der  vor 
1668  entstanden  ist,  und  dem  Domenico  Biancolelli  zugeschrieben 
wird.^7  Er  tritt  später  mit  den  Namen  «Arlecchino  finto  principe» 
resp.  «Arlequin  cm  prince»  in  Paris  (1716)  auf.^^  Von  demselben 
iJomenico  stammt  ein  «Arleq^uin  gentilhomme  par  hazard»,  der  im 
<'Nouvcau  Theätre  Italien»  abgedruckt  ist^^;  die  Stoffe  sind  wenn 
nicht  identisch,  so  doch  jedenfalls   verwandt  gewesen.    Im  Jahre 


5'  Bartoli,  a.  a.  0.,  S.  XXXVII.  —  Moland,  a.  a.  0., 
S.  369. 

^8  Bartoli,  a.  a.   0.,  S.  XXXIX.   —  De  s  bo  ul  m  i  c  rs  , 
Bd.    VII,   S.  250.    —   Dictionnaire,   Bd.    I,  S.  222. 

^3  Nouveau    Theätre    Ilalien,    compose    par    Dominique 
Biancolelli   (Anvers   1713). 


Sonstige  Quellenverhältiiisse  bei  bohomolec.  265 

1741  wurde  in  Paris  ein  ^cArlecchino  principe  per  caso)  <'0  aufge 
fülirt,  der  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  mit  dem  später  (17-19)  auf- 
{ijeführten  vArleipiin  roy  par  hazard»  ^i  verwandt  gewesen  ist:  beide 
jiingen  wohl  auf  das  alte  italienische  «S'^ggetto)  vom  '^Arlecchino 
re  per  caso»,  das  1672  zum  erstenmal  dramalisiert  und  aufgeführt 
wurde  ^-,  zurück.  Caldorons  «El  alcaido  de  si  mismo»,  wo  da» 
Motiv  von  Oenitos  falschem  Grafentum  schon  angewandt  war,  ist 
später  bekanntlich  von  Corneille  im  «Jodelet  prince  ou  le  geolier 
de  soi-meme»  (1655)  und  von  Scanron  im  «Gardien  de  soi-meme»- 
verarljoitet  worden,  und  jener  «Arlecchino  cavaliere  per  accidente», 
den  Moland  analysiert  hat^-^,  steht  in  genetischer  Verbindung  mit 
den  ebengenannten  Komödien.  In  allen  diesen  Komödien  und 
Szenaren  ist  eines  der  Grundmotive  jenes  von  dem  freiwillig  oder 
unfreiwillig   falschen    Range    des   Arlecchino. ß* 

Besonders  naheliegend  aber  scheint  mir  ein  Vergleich 
des  von  Bohomolec  angewandten  Motivs  von  Arlekin  als 
falschem  Grafen  n:it  jenem  Stoße  zu  sein,  der  der  ano- 
nymen Komödie  «Arlequin  prince  et  paysan»,**^  aufgeführt 
im  Jahre  1713  auf  einem  Pariser  Foire-Theater,  zugrunde 
liegt,  —  nicht  etwa,  weil  Bohomolec  sie  unmittelbar  ge- 
kannt haben  könnte,  sondern  vielmehr,  weil  sowohl  da» 
ähnliche  Grundmotiv  wie   auch«  gewisse  Ähnlichkeiten  in 


60  Bartoli,  a.  a.  0.,  S.  XL.  —  D  i  c  t  i  o  n  n  a  i  r  e,  Bd.  l, 
S.  277.   —  Desboulmiers,   Bd.   VII,   S.  2G7. 

61  Dictionnaire,  Bd.  I,  S.  282.  —  Desboulmiers^ 
Bd.  VII,  S.  269. 

62  Bartoli,  a.  a.  0,,  S.  XXXVIII.  —  Moland,  a.  a.  0.^ 
S.  370,  nennt  es    Arlecchino  creato  re  per  Ventura:^. 

63  Moland,  a.  a.  0.,  S.  269  ff.  —  Vgl.  M  o  r  o  z  o  v  s  Aus- 
fühnmgen  a.  a,   0.,  Bd.  CCLVII,  S.  358. 

64  Auch  andere  «zanni>  werden  als  Helden  ähnlicher  Szenare 
genannt,  z.  B.  Pulcinella  im  Szenare  ;<Pulcinella  finto  prencipe»- 
(vgl.  C  r  o  c  e  s  Mitteilung  im  Giornale  storico  della  letteratura  Ita- 
liana,  Bd.  XXXI,  S.  458  ff.)  oder  Truffaldino  im  Szenare  xTruffal- 
dino  finto  principe?)  (vgl.  Res  Artikel  im  Giornale  storico, 
Bd.  LVIII,  S.  371,  and  Ricci,  Teatri  di  Bologna,  Bologna  1888^ 
S.  273).  In  dem  bei  Bartoli,  a.  a.  0.,  S.  179  ff.  abgedmckteu 
Szenare  «II  finto  Principe»  ist  der  «lavandaro»  Cola  Träger  der 
Titelrolle.  Auch  G^ldoni  hat  einen  «Finto  principe»  (eine  komische 
Oper)   verfaßt;  vgl.   Rabany,  a.   a.   0.,  S.  398. 

65  De  Brueys"  ^La  Force  du  sang  ou  le  sot  toujoiirs  sot»  hat 
ein  ähnliches  Motiv. 


t2«)t>  Kapitel  IV. 

der  äußeren  Durchführung  stark  (infür  sprechen,  daß 
BohonK)lec  nicht  selhstiindig  bei  der  Abfassung  seiner 
•«italianisieren(len>  Komödie  vorging.  Die  im  «Dictionnaire» 
der  Brüder  Parfaict^^  abgedruckte  Inhaltswiedergabe  jener 
Komödie  erlaubt  uns,  bestimmte  Schlüsse  zu  ziehen. 
Wie  Arlequin  liier  Fürst  wird,  braucht  uns  nicht  weiter 
zu  interessieren:  nur  soviel  sei  gesagt,  daß  sein  Vater 
Scaramouche  ihn  statt  des  echten  Prinzen  als  Sohn  des 
Königs  bezeichnet,  was  den  Anlaß  zu  verschiedenen  Ver- 
wickelungen gibt  (Akt  I).  Im  zweiten  Akte  soll  nun 
Arlequin  als  Landesfürst  gekrönt  werden,  was  natürlich 
nicht  ohne  spezifisch  Arlequinische  «lazzi»  abgeht;  der 
neue  Fürst  ernennt  seinen  alten  Freund  Pierrot  zu  seinem 
«Substitut»  und,  sobald  er  seiner  komischen  Rolle  gemäß 
den  traditionellen  Hunger  verspürt,  auch  zu  seinem  «cui- 
fiinier>  ;  den  «docteur»,  der  ihm  augenscheinlich  eine  fürst- 
liche Lebensweise  und  die  für  einen  König  geziemende, 
rechte  Regierungskunst  beibringen  soll,  jagt  er  weg.  Im  drit- 
ten Akte  wird  er  von  dem  Prinzen  Ramire  zum  Duell 
herausgefordert,  aber  «Arlequin  repond  qu'il  ne  peut  accepter 
la  proposition,  parceque  la  mort  d'un  Prince  apporte  trop 
de  prejudice  ä  l'Etat».  Als  es  aber  dennoch  zum  Duell 
kommt,  verrät  Arlequin  seine  ganze  Feigheit:  «Ramire 
impatient  arrive;  apres  beaucoup  de  lazzi,  Arlequin  s'en- 
fuit».  Das  gibt  dann  Anlaß  zur  Entlarvung  Arlequins. 
Sein  Pflegebruder  Leandre,  der  der  richtige  Prinz  ist,  er- 
hält statt  seiner  die  Hand  der  Prinzessin. 

Etwas  ganz  Analoges  haben  wir  nun  bei  Bohomolec. 
Arlekin  ist  Graf  geworden  und  muß  daher  lernen,  sich 
als  solcher  zu  benehmen ;  Leander  übernimmt  die  Auf- 
gabe, Arlekin,  der  im  dritten  Akte  «pi^knie  ubrany»  auf- 
tritt, die  äußeren  Formen  eines  gräflichen  Benehmens 
beizubringen,  was  nicht  ohne  «lazzi»  seitens  Arlekins  ge- 
schieht: «Leander  uczy  go  chodzic;  Arlekin  go  nasladuie, 
ale   potrafic   nie   moze»,    eine   Szene,    die   natürlich   niclu 


6^  Dictionnaire,   Bd.   I,   S.  27-1—277. 


Sonstige  Quellenverliültnisse  bei  Bohoinolec.  2<)7 

ans   Molieres    «Le  Bourgeois -gentilh<niime>    zu    Ptainmen 
braucht/'^    Auch  un?er  Arlekin  verspürt  sehr  V^ald  Hunger 
und    «kreiert»    daher   Leander    ohn-i    weiteres    zu    seinem 
«kuchmistrz,    kucharz,    kuchcik»    und    jagt    ihn    >Yeg,    als 
er  ihm  langweihg  wird.     Ich  hahe  schon  oben  darauf  liin- 
gewiesen,    daß    gewisse   Analogien    zwischen    du  Cerceaus 
«Gregoire»    und    unserer   Komödie   vorliegen^**    und    u.  a. 
gerade  Arlekins  ewigen  Hunger  als  ein  gewichtiges  tertium 
comparationis   angeführt.     Ich  glaube  nun,    daß  auch  der 
«Arlequin  prince  et  paysan»   in  gewisser  Verbindung  mit 
den  Motiven  von    dem  Bauern,    der  Fürst    geworden   i.-t, 
steht.    Dieses  ist  um  so  eher  möglich,  al-^  die  Italiener  in  Paris 
das  allbekannte  Motiv  selbst  auf  ihre  Weise  in  ein  Arlcquin- 
Motiv  verwandelt  haben:   ich  brauche  bloß   an  Domenico 
Biancolellis,  Riccobonis  und  Romagnesis  gemeinsame  Be- 
arbeitung mit    dem   Titel   «Arlequin  toujours  Arlequin»^^ 
zu  erinnern,  wo  wir  wiederum  einen  falschen  Fürsten  vor 
uns  haben.     Ein  anderes  Verbindungsglied  ist  das  Duell, 
zu   dem  Arlequin    gezwungen    werden    soll,    und    dem    er 
eich    unter   verschiedenen,    mehr    oder   weniger    komiscli 
motivierten  Vorwänden   zu  entziehen   sucht.     Genau  das- 
selbe   haben    wir    auch    bei    Bohomolec    im    dritten   Akte 
(Szene  4),    wo   der   augenscheinlich   als  eine  Art   Capitan 
Spezzafer  gedachte  Jodelet  sich  vor  Arlekin  repräsentiert: 
JOD:    Ja,   Mosci   Dobrodzieiu,  y  iestem   y  bylem  obronca  zycia 
ludzkiego,    strach   nieprzyiaciöl,    zguba    zlych    ludzi,    za- 
bawka  kawalerska,  ozdoba  rycerzow,  wzör  ludzi   wa'e'z- 
nych. 
Als  Arlekin   ihn   ins  Gefängnis   bringen  lassen  will,    weil 
er  als  Fechtmeister  Menschen  morden  lehre,  fordert  Jodelet 
ihn  heraus : 


67  Analogien  konnten  in  großer  Menge  aus  <italienischen> 
Komödien  angeführt  werden.  Icli  begnüge  mich  damit,  auf  den 
schon  herangezogenen  «Timon  le  MisantiV)pe»  hinzuweisen,  wo 
Arlequin  tanzen,  sinken,  fechten  lernt.  Vgl.  Desboulmiers, 
a.  a.  0,,  Bd.  II,  S.  64. 

^s  Vgl,  oben  S.  65. 

69  Vgl.  meine  Schrift :  Ett  bidrag  tili  «Jeppe^:-motivets 
historia  (Edda.  Krisriania  1922),  S.  97. 


•6S  Kapitel  IV. 

T'M^:    Slucliayzp!     ^'ic    musisz    ty    byc    graffem!     Podobnieyszy 

ty   iestes  do   Arickina,  ale   ktozkolwiok  iesteä,  wiodz,"  ze 

ci  (ey  zniewagi  nie  daniiQ.    Przetoz  iezeliä  graff,  wychodz 

ze  ninq  na  poiedynck! 
ARI.:  Co?   Jeszcze  poiedynck?    Zapomniales,  ze  iestem  panem? 

Slndzy  moi,  wezcic  go  zaraz  pod  wartQ ! 
r>AM :  Ale  iak  go  braö  raozemy  pod  wart^,  kiedy  on  do  naszey 

wladzy  nie  nalezy? 
JOD:    Y  ieszcze  b^dziesz  .  .  .?    Dobyway  broni,  ieslis  nie  hul- 

tay,  iesliä  nie  Arlekin! 
ARL:  Slyszycie,  co  ta  bcstya  gada? 
LEA:   Slyszymy.    Trzeba  Waszmosc  Panu  koniecznie  z  nim  sie 

wybic.     Inaczey  honoru   swego  nie   powetuiesz. 
ARL :  Ja  —  bic  si^  ? !    Kto  mi^  przymuai,  kicdy  nie  chcQ  ?  . . . 

.  .  .   Idz,  möwiQ,  precz  I 
JOD:    Nie  cbcesz?    Tos  nie   graff,   ale  Arlekin! 
LEA:  Ach,  dla  Boga,  iaka  zniewaga! 

ARL    (do   Leandra):   Cöz?   y  koniecznie   trzeba   z  nim  bic  siQ? 
LEA :   Koniecznie,    iesli   Waszmosc   Panii   honor   mily. 
ARL:  Kiedy  inaczey  byc  nie  moze,  to  sie  wybÜQ.    Ale  schoway 

bron. 
JOD:    Jakze?    Bez  broni   bic   si^? 
ARL:  Bez    broni,     Pöydziemy    z  sobci,   w    czubki. 
JOD:    Albo   to  ia  ciura  tak   siQ  bic? 
ARL:  A,   kiedy  nie   chcesz,   to   zgoda. 
JOD:    Co?     Zgoda?    Wtenczas    b^dzic    zgoda,    gdy    ci^   trupem 

poloz?  I 
ARL:  Co    za    besLya    zwawal     Ale    czy    wiesz    co?     Slucliay! 

Jesu  chcesz  koniecznie  bic  siQ  ze  mnq,,  to  tak  uczynmy: 

Ty    mnie    dasz    piQsciei    w  gebe,    a  ia    tobie,    y  bQdzie 

kwila.. 
JOD:    Co?    2ebys   mial   mi?   bic   po  g^bie?!    Ty   Arlekin,   hul- 

tay!     Gin,   plugavvy   tchorzul    giii!     (üi^^dza   sie  za  Arle- 

kinem  z  dobyt^  broni^.) 
ARL    (u  c  i  e  k  a  i  ^  c) :  Gwalt !  gwah !    (P o  t  y  m  k  1  q  k  a  y  p  1  a  • 

c  z  ^  c   m  6  w  i) :   Zmiluy   siQ,   daruy  mi   zycie !    Nicdawno 

panem    zostalem :    chcialbym    w  tym    stanie    dhizey    za- 

bawic ! 

JOD :    Nie    z  tego    nie    b^dzie    —    gii\ !     (Przymicrza    mn    do 

piersi.) 
ARL:  Ach,    poczekay!     Tylko    sJöwko!    .  .  .      Czy    wiesz    oo? 

Kaz    mi   dac    sto    bizunow,    tylko    zycie  daruy ! 
LEA:  Ach,    iaka   hanbal 
DAM:  Ach,   sromota! 


Sonstige  Quellcnverhältnisse  bei  Bohoinolec.  !2H9 

AlU.:  Tak !     eHanba!>;     'Sroniota!»     Alboz    lepsza    sinier«^    ni/. 

hanba? 
]J!A:   Pcwnic,    ze    lepsza! 

Als  «r  dann  von  seinen  Dienern  wegen  seines  feigen  Ver- 
haltens getadelt  wird,  findet  auch  er  wie  jener  französische 
Arlequin  ein  Argument  für  seine  Furcht  vor  dem  Duelle: 
<.  .  .    WJQkszy   lionor   zyc   njz   giiia.(i.    Lepsza  iest   niucha 
zyi;\ca    iiiz    Alexander    Wiclki    w    grobie    .  .  .     Otöz    ia    cIq 
nauczQ.       Probo    minorem:      Czlck    w     gniowie    nie    iest    czle- 
kieni   ale   besfyq,    1)0   \v  tey   passyi   i  zapoinina  y  pr/estaie  byc 
czlowiekiem.     Czlek   zas    w   boiazni    az   nadto  pami«jta,   ze   iest 
czlowiekiem,    y  dla    tego,    ze    pami^ta    byc    siebic   czlowiekiem 
jjodlcglym    smierci,    slusznie    si?    obawia.     Ergo    .  .  . 

W^enden  wir  uns  nun  dem  vierten  und  fünften  Akte 
zu,  PO  finden  wir  auch  hier  wieder  dasselhe  Verhältnis : 
gewisse  Commedia  deH'arte-Züge,  die  als  solche  festgestellt 
werden  können,   kehren  wieder. 

Zunächst  hahen  wir  da  eine  Audienzszene,  die  mit 
dem  vorhergehenden  Motive  von  Arlequin  als  falschem 
Fürsten  oder,  wenn  wir  uns  allgemeiner  ausdrücken  wol- 
len, mit  dem  «rusticus  rex» -Motive  in  mehr  oder  weniger 
direkter  Verbindung  stehen  dürfte.  Ein  Gesandter  vom 
angeblichen  Grafen  de  Socha  erscheint  mit  einer  hochtra- 
benden Rede  vor  Arlekin,  dem  Grafen  de  Barba: 

«Zacnosc   urodzenia,   wysokosc   umyslu,    bystrosc   dowcipu 
y  cnot  rozmaitych  doskonalosc  tak  zalecily  swiatuosobQ  Waszey 
Graffowskiey  Mosel,  ze  ich  poglotkci  zacliQcony  wielki  g:aft  de 
Socha  zyczy  swöy  dorn  z  domem  Waszmosc  Pana  przez  zwia- 
zek    pokreAvienstwa    ziednoczyc    .  .  .     Jakoz    z  tey    przycz\Tiy 
chcc  sw^  cörk^,  wie'kiemi  zalecon^  przymio'.ami  Waszey  Graf- 
fowskiey  Mosci  za  zon^  ofiarowac.» 
Dieses  Motiv    von   Polions  Freierbotschaft   dient   als  Ver- 
bindungsglied zwischen  den  analysierten  Motiven  und  dem 
nun  folgenden  von  Arlekins  erzwungener  Vermählung. 
Nun  ist  aber  unser  Arlekin  zunächst  sehr  wenig  geneigt, 
das  Anerbieten  anzunehmen,  da  die  Braut  ihm  nur  wenig 
gefällt.    Vor  allen  Dingen  will  er  nichts  von  einer  reichen 
Braut  wissen : 

«Oy,  wiem,  iak  wielu  m^zöw  te  bogate  zony  zgubily,  chc^c 
si^    rz^dzic   same   y  m§zöw    swoicli    iak   shig  zazyw'ait\c.» 


270  Kapitel  IV. 

Auch  ihre  Bildung,  besonders  ihre  Anlage  für  Philosophie 
gefällt  ihm  nicht: 

«Wiesz,  zc  Icraz  ten  naylepszy  filozof,  ktöry  naybardziey 

w   swym   zdajiiu    lest   uparty,    a  do    tego  ia   zony   filozofki   nie 

luluQ    ...» 

Auch  ihre  Schrei! )fertigkeit  und  Beredsamkeit  weckt  sein 
Mißtrauen,  und  nachdem  er  sich  selbst  noch  mit  prah- 
lerischen Worten  charakterisiert  hat,  jagt  er  den  Gesandten 
einfach  hinaus:  er  wolle  gar  nichts  von  Heiraten  hören. 
Man  will  ihn  zum  Schluß  zur  Heirat  zwingen:  er  wird 
vor  die  Wahl  gestellt,  entweder  zu  sterben  oder  die  Dame 
zu  heiraten;  er  macht  immer  noch  Einwände:  sie  sei  ihm 
zu  klein  (vergebens  sucht  man  ihm  klarzumachen,  daß 
nur  ihr  Bild  klein  sei,  sie  selber  sei  groß),  zu  häßlich, 
ihre  Nase  zu  komisch,  ihre  Augen  zu  spatzenhaft,  ihr 
Gesicht  atme  ein  höllisches  Feuer  und  sei  voll  von 
schwarzen  Flecken  ;  als  man  ihm  erklärt,  das  seien  nur 
Schönheitspflästerchen  (tmuszki»),  antwortet  er  ironisch: 
«Jesli  ona  na  twarzy  ma  tyle  much,  to  musi  raiec  ich 
daleko  wi^cey  w  glowie !   .  .  .» 

Der  Galgen  ist  ihm  lieber  als  eine  solche  Frau: 

ARLEKIN  przypatruie  siq  dlugo  (portrötowi),  a  potym. 
oddaw'szy  portret,  idzie  do  LEANDRA  y  klaniai^c  si^  iemu 
möwi : 

Möy  dobrodzieiu,  zmihiy  sIq:   kaz   mlQ  i  a  k  n  a  y  pr^dz  ey 
prowadzic   na   szubienic^I 

Ich  habe  für  diese  Lösung  der  Heiratsfrage  kein  Analogen 
in  der  Commedia  dell'arte-Literatur  gefunden,  doch  ist 
dieses  Motiv  sicher  Bohomolec  von  irgendwoher  bekannt 
gewesen.'^ 

Mit  diesem  Motive  von  Arlequins  Zwangsheirat  ist 
nun  ein  andres  Motiv  verflochten,  dem  wir  den  aus  der 
Commedia  dell'arte  her  so  wohlbekannten'^  Titel  «Arlec- 

''0  Es  sei  hier  notiert,  daß  ein  ähnliches  Motiv  Mickiewicz' 
Ballade  «Pani  T\vardo\vska)>  inigrunde  liegt,  wa  Pan  TwaxJowski 
dem  Teufel  als  Bedingung  für  seine  Höllenfahrt  seine  eigene  Frau 
auf  ein  Jalir  abtreten  will,  wofür  sich  der  Teufel  aber  bedankt. 

'1  B  a  r  t  o  1  i ,  a.  a.  0.,  S.  XXXIX.  —  Desboulmiers, 
Bd.  VIL    S.  247. 


S*)nslige  Quelfen Verhältnisse  })ei  Hohomolec.  271 

chino  coiulanniito  a  moite»  g-rjben  dürfen.  Dem  Pierrot 
ist  nämlich  angeblich  ein  Bru'ior  ermordet  und  geplündert 
worden,  und  als  er  Arlekin  in  gräflichen  Kleidern  stol- 
zieren sieht,  behauptet  er,  es  wären  die  Kleider  Beines 
ermordeten  Bruders,  Arlekin  also  dessen  Mörder;  dieser 
wird  nun  trotz  seiner  verzweifelten  Fragen:  «Co?  Jak? 
Kogo?  Dokf^dV  KtörQdy?  Kto?  KieJy?  Jako?>  ins  Gefäng- 
nis abgeführt.  Damit  schließt  bei  Boliomolec  der  vierte 
Akt;  den  fünften  müssen  wir  uns,  aller  Wahrscheinlich- 
keit nach,  in  ein  Gefängnis  verlegt  denken,  jedenfalls 
macht  Bohomolec  gleich  in  der  ersten  Szene  die  Anmer- 
kung: «Arlekin  w  sukniach  arlekiüskich  pod  warti^»  Nach- 
dem er  anfänglich  vergeblich  versucht  hat,  die  Fiktion 
aufrecht  zu  erhalten,  daß  er  nicht  Arlekin,  sondern  «z 
dziadöw,  pradziadöw»  Graf  de  Barba  heiße,  wird  er  von 
den  Kavalieren  durch  traditionelle  Ohrfeigen  dazu  g-^- 
zwungen  zu  bek  :nncn,  claß  er  gar  nicht  der  sei,  für  den 
er  sich  ausgegeben  habe,  und  daß  er  somit  wirklich  iler 
schuldige  Dieb  und  Mörder  sei.  In  einer  folgenden,  auch 
in  der  Commedia  dell'arte  so  beliebten  Gerichtsszene 
(V,  3)  wird  er  zum  Strange  verurteilt.  Auf  Polions  Für- 
bitte wird  aber  das  Todesurteil  dahin  gemildert,  daß  er 
das  Leben  behalten  solle,  wenn  er  die  verschmähte  Tochter 
des  Grafen  de  Socha  heiraten  wolle.  Vor  eine  ähnliche 
Wahl  zwischen  Tod  und  Heirat  wird  Arlecchino  in  dem 
obengenannten  Szenaro ''^  «Arlecchino  cavaliere  per  ac- 
cid'^nte»  gestellt:  Aurelias  Bruder  ist  hier  von  einem  Un- 
bekaimten  im  Duell  gefährlich  verwundet  worden,  und  da 
Arlecchino  die  Kleider  des  Mörders  an  hat  (er  hat  sie  im 
Walde  gefunden),  wird  er  für  diesen  genommen.  Auch 
er  kommt  ins  Gefängnis  und  bestätigt,  daß  er  der  gesuchte 
cavaliere  sei.  Schließlich  wird  auch  er  in  einer  Gerich ta- 
szene  von  dem  dottore  und  Pantalone  durch  Androhung 
einer  halten  Strafe  dazu  gezwungen,  sich  zur  Heirat  mit 
Aurclia  zu  bequemen.  Freilich  sind  die  äußeren  Umstände,. 


72  YiTi.   oben  S.  265. 


^72  Kapitel  IV. 

unter  denen  dieser  Arlecchino  im  Einvernehmen  mit  dem 
eigentlich  schuldigen  Valerio  sich  für  den  verfolgten  ca- 
valiere  ausgibt,  andre,  freilich  liegt  hier  der  große  Unter- 
schied vor,  daß  Arlecchino  mit  Freuden  ja  sagt,  als  ihm 
die  Heirat  vorgeschlagen  wird,  während  unser  Arlekin 
mit  Entsetzen  den  Tod  wählt;  dennoch  meine  ich,  daß  die 
Tatsache,  daß  Arlecchino  sich  für  einen  anderen,  und  zwar 
einen  feinen  Kavalier  ausgibt,  des  Mordversuches  angeklagt 
und  vor  die  Wahl  einer  Strafe  oder  einer  Heirat  mit 
einer  ihm  unbekannten  Dame  gestellt  wird,  ein  über- 
zeugendes tertium  comparationis  zwischen  Bohomolec' 
Szenen  und  gewissen  Arlecchino-Motiven  ist. 

Bei  Bohomolec  schließt  die  Komödie  damit,  daß 
Pierrot  zurückkommt  und  mitteilt,  daß  der  wahre  Ver- 
brecher gefunden  sei;-  man  entschuldigt  sich  vor  dem 
iirmen  Arlekin  und  fragt  ihn  —  sehr  wenig  motiviert, 
offenbar  um  die  verschiedenen  Elemente  der  Handlung 
wenigstens  äußerlich  zu  verknüpfen,  —  ob  er  wirklich 
nicht  nach  Warschau  zurückkehren  wolle.  Da  antwortet 
Arlekin  erbost  und  nicht  ohne  treffende  Ironie,  die  ihn 
überhaupt  bei  Bohomolec  auszeichnet: 

«Do  Vv'arszawy?  Was  tylko  kilkii  tu  iest  z  Warszawy,  a 
tylem  biedy  ucierpial,  a  cöz  z  tak  wielu?  Nie  che?!  Niech 
zginie  Warszawa  I  Niech  zginie  swiat !  Nie  chcQ  I  WoIq  ia 
na  puslyni  byc  z  zwierzQtami  niz  z  takiemi  ludzmi  1  Idzcie 
sobie  do  swoiey  Warszawy!» 

Daran   knüpft  er   eine    Betrachtung,    die   den   sens  moral 

der  Komödie  ausmacht: 

<:Och,  panstwo!  Pahstwo  napozör  iest  pi^kne, 
ale-  wewn^trz  nie  do  rzeczy!  Ma  wi^cey  bied 
niz  u  b  ö  s  t  w  o.  Niech  tedy  ginie  panstwo,  äwiat,  War- 
szawa!   Uciekayrny  daley  od  niey!    Idzmy  gl^biey  na  pustyniQl» 

Das  abschließende  Ballett,  an  dem  maskierte  Tänzer  teil- 
nehmen, 

«(Konczy    sIq    komedya 
tancem   Arlekina   z  Pantalo- 
nem,   do  ktörych   y  in- 
ni  w  maszkach 
przychodz^)» 


I 


Sonslij,'e  Quellenvorhältnissc  bei  Bohomolec.  273 

ist  sicher  auch  ein  der  Coinmcdia  dolTartc  entlehnter 
Zuff.'3 

Man  kann  darüber  streiten,  wieweit  das  Material,  das 
ich  hier  angeführt  habe,  im  einzelnen  als  faktische 
Quelle  der  Bohomolecschen  Komödien  angesehen  werden 
darf;  es  ist  ohne  Zweifel  sicher,  daß  vieles  von  dem  An- 
geführten nur  eine  mittelbare  Ähnlichkeit  und  ('berein- 
stimmung  beweist.  Wenn  es  sich  aber  darum  handelt, 
eine  Coramcdia  dell'arte  als  faktische  Quelle  für  gegebene 
Komödien  heranzuziehen,  so  müssen  wir  bekanntlich 
immer  die  Tatsache  vor  Augen  haben,  daß  wir  es  hier 
mit  Stegreif komödien  zu  tun  haben,  von  deren  In- 
halt und  Intrigen  verlauf  wir  niemals  eine  ganz  detaillierte 
Kenntnis  erlangen  können.  Uns  fehlt  ja  immer  noch 
eine  mehr  oder  weniger  erschöpfende  Definition  des  Be- 
griffes «Commedia  dell'arte»,  und  m.ehr  als  eine  allgemeine 
Vorstellung  von  den  Masken,  Intrigen  und  der  Spielweise 
besitzen  wir  nicht.  Stehen  wir  nun  aber  vor  der  Auf- 
gabe, festzustellen,  was  Bohomolec  der  italienischen  und 
Pariser  Commedia  dell'arte  verdanken  kann,  so  sind  wir 
natürlich  auf  mehr  oder  weniger  treffende  Vermutungen 
und  Kombinationen  angewiesen,  ohne  einen  wirklichen, 
sich  auf  das  Detail  stützenden  Beweis  liefern  zu  können. 
Uns  fehlen  dazu  ganz  einfach  die  speziellen  Vorarbeiten. 
So  wird  es  denn  verständlich,  daß  ich  im  obigen  mich 
darauf  habe  beschränken  müssen,  die  mir  als  höchst- 
wahrscheinlich erscheinenden  Zusammenhänge  nur  in  ge- 
nereller Weise  anzudeuten.  Ich  bin  mir  bewußt,  mit 
Hypothesen  gearbeitet  zu  haben,  glaube  aber,  daß  das 
Gesagte  dartut,  daß  der  von  mir  eingeschlagene  Weg  der 
richtige  gewesen  ist. 

Was  die  Commedia  dell'arte,  sowohl  in  ihrer  genuin- 
italienischen Form,  als  auch  in  der  französierten  Abart 
derselben  anbetrifft,  so  glaube  ich  berechtigt  zu  sein,  mit 
einer  Diskussion  über   die    fragliche    Quelle   des    «Par}— 

'3  So   schließt   auch    der   «Arlequiii   prince   et  paysan»:    «La 
piece  finit  par  itne  danse».    Vgl.  Dictionnaire,  Bd.  I,  S.  277. 
Stender-Petersen,  Die  Schulkomödien.  18 


274  Kapitel  IV. 

zanin  polski»  hier  einzusetzen.  Es  scheint  mir  näm- 
lich nicht  ganz  ausgeschlossen,  daß  diese  Komödie  auch 
auf  eine  italienische  Vorlage  zurückgehen  könnte.  Ich 
habe  schon  oben  Üüchlig  die  Gelegenheit  gehabt  zu  er- 
wähnen, daß  derselbe  Giovanni  Camillo  Ganzaghi,  der 
eine  Zeitlang  in  Dresden  und  in  Warschau  auftrat,  in  der 
Geschichte  der  Commedia  dell'arte-Typen  eine  Rolle  ge- 
spielt hat  als  «introduttore  dello  spiritoso  carattere  di 
Francese  Italianato,  che  fui  poi  da  altri  comici  imitato 
6  seguito».  Eine  Komödie,  in  der  dicker  Typus  eine 
Hauptrolle  gespielt  haben  könnte,  scheint  nicht  existiert 
zu  haben.  Von  bedeutend  größerem  Interesse  ist  für  uns 
jenes  Riccobonische  Kanevas,  das  im  Jahre  1717  zum 
erstenmale  in  Paris  aufgeführt  worden  ist,  und  das  den 
Titel  «L' Italien  Francise»  trug.  Vom  Inhalte  erfahren 
wir  aus  dem  gedruckten  «sujet»  der  fünf  aktigen  Komödie 
folgendes : 

«Lelio,  jeune  Gentilhomme  fort  riche,  ayant  eü  occasioii 
de  frequenter  ä  Milan,  plusieurs  Fran^ois,  a  pris  un  goüt  ex- 
treme pour  toutes  les  manieres  Fran^oises.  Cette  inclinationj 
s'est  tellement  fortifiee,  qne  ce  qu'il  ne  regardoit  auparavant 
cpie  comme  un  plaisir  fort  leger,  est  devenu  en  lui  une  passion 
dominante;  il  n'a  d'autres  agrements  dans  la  vie,  qne  de  tacher 
ä  imiter  cette  Nation  galante,  dont  il  est  l'adorateur  perp^tiiel; 
il  estime  peu  tout  ce  qxii  n'a  point  rapport  ä  la  France,  &  me- 
prise  ce  qne  l'Italie  a  de  plus  charmant. 

Pantalon,  pere  de  Lelio^  ayant  intention  de  le  marier,  lui 
destine  pour  epouse  une  jeune  personne  tres-belle  et  de  bonne 
condition,  nomme  Silvia,  mais  prevenu  que  les  Italiennes  sont 
reraplies  de  mille  defauts,  &  qn'il  s'en  faut  de  beaucoup  qu'elles 
ayent  les  graces  des  Dames  Franpoises,  il  ne  veut  pas  absolu- 
ment  entendre  parier  de  ce  mariage,  par  la  seUile  raison  que 
Silvia  n'est  pas  de  cette  nation,  —  Flaminia,  qui  sur  ces  entre- 
laites  arrive  ä  Milan,  chez  le  Docteur  son  oncle,  pere  de  Silvia, 
apprend  le  peu  d'estime  que  Lelio  fait  des  Dames  d'Italie,  & 
l'extreme  pr6vention  dans  laquelle  il  est  pour  les  Franpoises; 
eile  en  est  tres  choquee,  &  defondant  la  cause  commune  de  son 
sexe  &  de  sa  patrie,  eile  se  fait  prescnter  ä  Lelio,  sous  le  iiom 
d'ujie  Fran9oise,  qui  vient  demeurer  pour  quelque  tcmps  chez 
le  Docteur;  cela  donne  l'occasion  ä  Lelio,  qui  en  devient  amou- 
reux,  de  raarquer  par  de  iiouveaux  transports  l'attache  qu'il  a 


I 


Sonstige  Quellenverhültnisse  bei  Bohoniolec.  275 

pour    les    Franroises,   dont   il    exagere   aularit    le    inorile,    quil 
aliaisso    coliii   des    Italiennos.     ArlcNiiiin,    qui    dopuis  longlemps 
airaoit  Violette,  entcndant  ä  tous  momcns  parier  son  Maitro  des 
Dames   Franroises,   dans   des   tennes   si   pleins  de   louanges.   so 
repent  de  la  promesse  qu'il  a  doniK'O  ä  cette  fille,  &  prend  la 
rcsolution,  ä  riraitation  de  Lelio,  de  n'6pouser  qii'ime  Franc^oise ; 
Violette  au  desesp^ir  de  cette  infidelite,  &  piqiiöo  au  vif  de  ses 
MH'pris,   implore   le  secours  de   Flarainia,   qui  dans   le   nioment 
iieme,  fait  habiller  en  femme  un  valet  qii'elle  a  ä  son  Service, 
»ic  l'introduii    avec    eile    eile    chez    Lölio;    Arlequin   la    croyanfc 
FraiiQoise,    fait    raillo    extravagances    pour    eile,     Cette   double 
txomperie  est  le  sujet  de  cette  Cora6die,  dont  eile  fait  tout  le 
iioDud   et   le   denouement,   par   le   mariage  de   Lelio   avec   Fla- 
minia,   &c.;>  "* 
Man  fragt  sich  ganz   unwillkürlich,   wenn  man   diese  In- 
haltswiedergabe liest,    ob  nicht  hier  die  Quelle  zu  Boho- 
molec'  Komödie  versteckt  sei.    Hier  wie  dort  ist  der  Titel- 
held ein  junger  Mensch,  der  mit  der  Tochter  eines  guten 
Bürgers  oder  Freundes  des  Vaters  verheiratet  werden  soll. 
Hier    wie    dort    zeichnet    sich   dieser   junge   Mann   durch 
eine    extreme   und    durch   nichts   gerechtfertigte  Vorliebe 
für  Frankreich  und  alles,  was  aus  Frankreich  stammt,  aus. 
Hier    wie    dort    hat   er   einen  Diener,    der    sein  Gebaren 
nachahmt.     Welche  Eolle    die  im  Resume  nicht  genann- 
ten Personen  (nämlich  ein  gewisser  Mario,  der  wahrschein- 
lich an  Lelios  Statt  die  Silvia  erhält,   sein  Diener  Scara- 
mouche   und   der   Diener    des    Doktors,    Scapin)   gespielt 
haben,  ist  mir  natürlich  nicht  bekannt.     Übrigens  liegen 
auch  bedeutende  Unterschiede  vor  zwischen  der  Handlung  im 
Riccobonischen  Stücke  und  derjenigen  in  Bohomolec'  Ko- 
mödie :  vor  allen  Dingen  scheint  der  Held  des  ersteren  nicht 
als  absolut  negative  Gestalt  aufgefaßt  zu  sein,  schließt  doch 
die  Handlung  mit  einer  für  Lelio  günstigen  Lösung,  indem 
er  die    Hand  der  Flaminia    erobert,    nachdem    er   seinen 
Fehler  eingesehen  hat;  weiterhin  hat  er  sich  seine  Gallo- 
manie  nicht  auf  einer  Reise  nach  Paris,  sondern  in  seiner 
Vaterstadt  angeeignet,  was  insofern  Interesse  für  uns  be- 
sitzt,   als  Lelio  dadurch  keineswegs    als    Importeur   einer 


'*  Hier  zitiert  nach  Dictionnaire,  Bd.  III,  S.  223 ff. 

18» 


o7<i  Kapitel  IV. 

schädlichen  Weltanschauung,  sondern  ausschließlich  als 
individuelle,  zufällige  Erscheinung  auftritt.  Ganz  fehlt 
auch  hei  Bohoniolec  das  Verkleidungsmotiv,  auf  dem  die 
eigentliche  Handlung  bei  Riccohoni  zu  beruhen  scheint, 
^vorüber  uns  freilich  keine  näheren  Nachrichten  vor- 
liegen. Alles  das  macht  es  wahrscheinlich,  daß  nicht  die 
Komödie  Riccobonis,  sondern  die  eines  anderen  Komödien- 
dichters der  Bohomolecschen  zugrunde  liegt.  Das  ist  um 
KO  wahrscheinlicher,  als  wir  keine  INIitt eilung  darüber 
besitzen,  ob  der  «Italien  Francise»  außerhalb  Frankreich.^, 
speziell  also  in  Italien  gespielt  worden  ist,  was  natürlich 
durchaus  nicht  ausgeschlossen  zu  sein  braucht. 

Ebenso  unsicher  ist,  ob  du  Cerceaus  Komödie 
«L'Ecole  des  peres>,  deren  Handlung  in  gewissen  Einzel- 
punkten eine  auffallende  Analogie  zu  der  Handlung  der 
Bohomolecschen  bildet^  wirklich  irgendeinen  Einfluß  auf 
den  «Paryzanin  polski»  ausgeübt  hat.  ^^  Zunächst  sei 
bemerkt,  daß  natürlich  in  du  Cerceaus  Komödie  keine 
Rede  von  Gallomanie  sein  kann.  Die  Situation  ist  hier 
t;ine  ähnliche  wie  in  Molieres  «L'Ecole  des  maris»,  indem 
ein  «pere  indulgent  ä  Texces»  namens  Oronte  einem 
«pere  plus  attentif  *  namens  Ariste  gegenübergestellt  wird 
und  dieser  im  Gegensatz  zu  der  Molierischen  Tendenz  recht 
behält.  Die  Analogien  bestehen  nun  darin,  daß  Oronte.<^ 
Sohn,  demjenigen  Starskis  ähnlich,  «tourne  mal,  fait  des 
dettes  chez  le  traiteur,  passe  ses  nuits  dans  les  cafes» 
usw.,  daß  er  die  Tociiter  eines  guten  Freundes  seines 
Vaters  heiraten  soll,  und  daß  er  endlich,  ohne  zu  wns- 
sen,  wen  er  vor  sich  hat,  seinen  zukünftigen  Schwie- 
gervater so  erzürnt,  daß  dann  keine  Rede  mehr  von  einer 
Verbindung  zwischen  ihm  und  seiner  Tochter  sein  kann. 
Das  letztangeführte  Motiv  hat  natürlich  eine  ganz  auffal- 
lende Ähnlichkeit  mit  jener  Szene  im  «Paryzanin  Polski >/, 
wo  Robert,  gleichfalls  ohne  eine  Ahnung  davon  zu  haben, 
wen  er  vor  sich  hat,    seinem  Schwiegervater   seine   ganze 

'5  Leider  kenne  ich  die   Komödie  nicht  direkt,  sondern  nur 
nach  den  Mitteilungen,  die  B  o  y  s  s  e ,  a.  a.  0.,  S.  355  f.  ^ibt. 


Sonstige  Quellenverhältnisse  hei  Hohoniolec.  277 

Weltanschauung  auskramt  und  seinen  Aussichten  auf  die 
Hand  der  Eraut  ein  schniähliches  Knde  bereitet.  Es  ist 
somit  sehr  möglich,  daß  Bohomolec  in  gewissem  Grade  an 
diese  Komödie  —  die  er  sicher  gekannt  hat  —  oder  an  dir» 
bestimmte  Szene  gedacht  hat,  als  er  seine  Komödie  schrieb. 
Die  eigentliche  Quelle  dieser  Bohomolecschen  Ko- 
mödie, deren  Vorbild  sicher  nicht,  wie  KieUki  es  tut,"^  bei 
Moliere  gesucht  werden  kann,  möchte  ich  in  einer  bisher 
ganz  unbeachteten  Richtung  suchen:  nämlich  bei  Hol  her  g, 
dessen  berühmte  ijnd,  was  den  Haupttypus  betrifft,  klas- 
sische Komödie,  der  «Jean  de  France»,  B<^homolec  wahr- 
scheinlich bekannt  gewesen  ist.  «Der  deutsche  Franzose», 
wie  der  Titel  der  Komödie  in  deutscher  Übersetzung  '^ 
lautete,  war  bekanntlich  in  Deutschland  seit  Gottsched 
sehr  gut  bekannt  und  viel  gespielt,"^  und  für  den,  der 
weiß,  welch  eminente  Bedeutung  Holbergs  Komödien,  und 
vornehmlich  gerade  der  «Jean  de  France»,  für  die  geschicht- 
liche Entwicklung  der  Komödie  bei  den  östlichen  Nach- 
barn der  Polen,  den  Rassen,  um  die  Mitte  des  18.  Jahr- 
hunderts gehabt  haben, ''^  kann  meine  Behauptung,  Boho- 
molec'  Quelle  sei  bei  Holberg  zu  suchen,  grundsätzlich  nichts 
Überraschendes  bieten.  Zudem  ist  es  bekannt,  daß  der 
deutsche  Schauspieler  Ackermann  mit  seiner  Frau  (Sophie 

'6  Kielski  meint  (a.  a.  0.,  S.  151 — 155),  daß  unsere  Komörlie 
eine  «Transjxjsition»  aus  den  drei  Molierischen  Komödien  «Les  Pre- 
cieuses  ridicnles»,  «La  Comtesse  d'Escarbagnas;>  und  «Le  Bourgpois- 
gentilhomme>  darstelle.  Die  Argumente,  die  er  anführt,  sind  nicht 
überzeugend. 

''''  Dethardings  Übersetzmig  in  Gottscheds  «Deutsclier 
.Schaubühne;)  (Leipzig  1741),  Bd.  II,  S.  427  ff.  —  Ich  zitiere  im 
folgenden  nach  der  von  Carl  S.  Petersen  besorgten  Gesamt- 
ausgabe von  Ludvig  Holbergs  'Samlede  Skrifter>  (Köbenhavn 
iMCMXVII)  und  nach  Holbergs  ;Danske  Skue-Plads»  vom  Jahre 
1731,  den  «Don  Ranudo»  nach  der  Ausgabe  vom  Jahre  1745. 

'^  Vgl.  Carl  Roos,  Det  18.  Aarhundredes  tyske  0\'T!rs8et- 
telser  av  Holbergs  Komedier.    (Kjobenhavn  1922.) 

'9  Diese  Frage  habe  ich  zum  Gegenstand  einer  Untersuchung^ 
gemacht,  die  im  Holberg-Aarbog  (Kopenhagen)  demnächst  er- 
scheinen wird.  Vgl.  meine  Abhandlung  (daselbst,  Bd.  1920, 
S.   174  ff.):  En  russisk  efterligning  av  ;<.Jean  de  France»  (1783). 


27S  Kapitel  IV. 

Charlotte  Schröder)  im  Jahre  1754  bei  dem  privilegierten 
sächsischen  Schauspielleitur  Leppert   in  Warschau  auftrat 
und  wahrscheinlich  auch  die  Holbergstücke^  die  zu  seinem 
Repertoire    gehörten    («Barselstuen»,    «Jean    de   France», 
«Jacob  von  Tvboe»,    «Den   politiske  Kandest0ber»    u.  a.). 
daselbst  aufführte.     Frau  Ackermanns  Sohn,   der  spätere 
«groß':»  Schröder,  damals  ein  Knabe,   wurde   unterdessen 
sogar   in    der  Warschauer  Jesuitenschule  untergebracht.^^ 
Alles  das  macht  es  somit  wahrscheinlich,  daß  Bohomolec 
Holbergs  Komödien    zunächst   durch  Vermittelung   dieser 
Sf^hauspiclergesell&chaft  kennen   gelernt  hat.^^    Wenn  die 
polnische  Literaturforschung  sich  dennoch  nicht  die  Frage 
ü'ijer  Holbergs  möglichen   Einfluß  auf  Bohomolec'  Komö- 
dien vorgelegt  hat,  so  kann  sie  zum  Teil  dadurch  entschul- 
digt   werden,    daß    von    einer    Übersetzung    Holbergscher 
Komödien  weder  vor  noch  auch  nach  Eröffnung  des  stän- 
digen Theaters   (im  Gegensatz   zu   den    zalilreichen  russi- 
schen Aufführungen  und  Übersetzungen)  irgendeine  Spur 
vorhanden  ist.^^ 


ö°  Vgl.  ß  e  r  t  h  o  1  (I  L  i  f  z  m  an n ,  Friedrich  Ludwig  Schrö- 
der, 1.  Teil  (Hamburg  und  Leipzig  1890),  S.  70  f.  —  C  a  r  1  R  o  o  s  , 
a.  a.  0..,  S.  116  ff.,  S.  266. 

81  Ich    habe  neulich   im   IIolberg-Aarbog   (Bd.    1922,  S.   202j 
in   einem  Aufsatz  über   Aufführungen   Holbergscher   Komödien  in 
den    süddeutschen    Ordensschulen    («Holberg    i  sydtyske    ordcns- 
skoler    i    det    18.    arhundrede»)     die     Vermutung     ausgesprochen, 
daß    Bohomolec    vielleicht    auf    dem    Wege    über   die    deutsclien 
.lesuitenbühnen   mit   Holbergs   Lustspielen   bekannt   geworden   sei. 
Mir  scheint  nun  die  Erklärung,  die  ich  hier  oben  gegeben  habe,  bei 
weitem  plausibler  zu  sein.     Immerhin  hat  die  Tatsache,  daß  nicht 
nur  der  polnische  Jesuit,  sondern  zugleich  auch  deutsche  Jesuiten 
auf  Holbergs  Komödien  aufmerksam  geworden  sind,  psychologische 
Bfdeutung,    indem    sie    meiner    Zusammenstellung    eines    Jesuiten 
mit  einem  dänischen  Komödiendichter  die  beim  ersten  Blick  viel- 
leicht etwas   befremdende  Wirkung   benimmt. 

82  Soweit  ich  weiß,  existiert  nur  eine,  vom  Piaristen  J(jdrzey 
Paczynski  1774  verfertigte  Übersetzung  von  Holbergs  Weltge- 
sfl.ichle  mit  dem  Titel:  «Historya  powszechna  dzieie  polityczne 
da>\Tiych  y  nowych  panstvv  w  sohle  zawieruictca.  Dia  szlachetney 
mlodzi  uh>äÄna>'. 


Sonstige  Ouellenverhaltnisse  bei  Hohomolcc. 


:i7'.> 


Mir  kommt  es  mm  so  vor,  als  ob  mohrcro  Komödien 
im  Repertoire  iinsres  Dichters  mehr  oder  weniger  deutliche 
Spuren  einer  Nachwirkung  der  vorauszusetzenden  Bekannt- 
schaft Bohomolec'  mit  llolbcrgs  Komödien  aufweisen:  wie 
inmier  in  solchen  Fällen,  wo  es  sich  um  Einzelheiten,  die 
aus  ihrem  Zusammenhange  gelöst  sind,  handelt,  kann 
freilich  ein  wirkliclior  Beweis  nicht  mit  voller  Evidenz 
geführt  werden.  Was  ich  hier  anführe,  sind  somit  nur 
Möglichkeiten,  die  mehr  Wahrscheinlichkeit  für  sich 
haben  als  andre  Möglichkeiten.  k>o  kommt  in  der  Komödie 
«Chelpliwiec»  eine  Situation  vor,  die  wie  eine  Reminiszens 
aus  dem  «Don  Ranudo  de  C'olibrados»  wirkt.  Ich  zitiere 
beide  Stellen  nebeneinander: 
Bohomolec: 


.  .  .  SAMOCHWAL  tymczasem 
chustki  dobywa,  y  wypada  mu 
iiawal  chleba  grubego  z  kie- 
szcni. 

ALK  (podiawszy  teil  ciileb  möwi): 
Cöz  toV  Kawat  chleba 
wypadt  z  kieszeni. 

SAM  (odbiera  mu  ten  chleb  y 
möwi) :  Cha  cha  cha !  Y 
Waszmosö  Pan  rozumiesz, 
ze  to  iest  chleb? 

ALK:   Tak  mi  si§  zda. 


SAM:  Prawda,  ze  iest  podobien- 
stwo  do  chleba,  ale  to  iest  ! 
massn,  ziobiona  z  röznych  [ 
ziöl  Indyiskich,  ktöra  ma  l 
ten  skutek,  ze  zazyta  w  j 
wodzie  wszystkie  a  wszyst-  ! 
kie  choroby  leczy.  Mnie  j 
to  ua  wyiezdzie  Kröl  Fran- 
cuzki  zu  ■\vic4ki  dar  dal 
iey  kawaiek. 


H  o  1  b  e  r  ij : 

.  .  .  PEDRO  tnukker  et  j,'am- 
melt  Törkl.-ede  op  af  Loramen, 
hvorved  folger  et  turt  Stykke 
skimlel  Brod,  som  falder  paa  Gul- 
vet. 
ISA:     Ha  ha  ha!     Der  tabte  du 

et  Stykke  af  diu  Riig»lom 

paa  Gulvet. 
PED:   Det  er  et  Stykke  Choco- 

lade,  Madame. 


ISA"  (tager  det  op  for  ham) :  Nej, 
det  er  jo  groft  skimlet  Brod. 
See,  er  det  Cliocolade? 

PED:  Nej,  Madame,  det  er  sandt, 
det  er  ikke  Choko'ade;  det 
er  et  Stykke  Brod,  som 
■  jeg  tog  med  mig  for  en 
vis  Aarsags  Skyld  :  thi  hver 
gang  jeg  skal  gaae  ^-Erinde 
til  Fyrsten  af  Mendez, 
maa  jeg  tage  et  Stykke 
Brod  raeg  mig  for  at  give 
Port-Hunden,  at  band  ikke 
skal  bilde  mig. 


i»8()  Kapitel  IV. 

Bohomolec  Motiv  scheint  mir  dem  Holbergschen  mehr 
7A1  ähneln  als  der  bekannten  Stelle  (111,2)  im  Moliorischen 
«M^decin  malgre  lui»,  wo  ein  Stück  Käse  eine  ähnliche 
Rolle  spielt. 

Im  «Junak»  kommen  bei  der  Charakteristik  des  Helden 
einige  Züge  vor,  für  die  wir  die  Quelle  vielleicht  bei  Hol- 
berg im  <  Jacob  von  Tyboe»  zu  suchen  haben.  Eine  deut- 
liche Verwandtschaft  verraten  z.B.  folgende  zwei  Repliken: 
ROBERT  (bei  Bohomolec) :  Wiedz  TVBOE  (bei  Holberg):  .  .  .  Thi 
tedy  Waszmosc  Paii,  Pauie  ^  jeg  tor  sige,  nt  man  skulde 
Kleonie,   ze   ten  caly  materac  kunne  meublere    ti  Hospitaler 

iest  napchany  samemi  w.isami  |  med  Fruentimmer,  som  ere  cre- 
lych  tylko  ludzi,  ktörych  mia-  \  peret  og  har  faaet  Gullsool  over 
lern  honor    na   tarnten    swiat  min  Koldsindighed  .  .  . 

wypraAviö  ...  ' 

Bohomolec  Held  konnte  ja  nicht  gut  als  Don  Jur^n  auf- 
treten, daher  der  Unterschied. '"^^  —  Wenn  Robert  weiter 
behauptet,  daß  er  pflege  «cale  trzody  mych  nieprzyiaciöl 
gromic  y  przez  ich  trupy  do  domu  powracac»,  und  ver- 
spricht, «na  pierwszey  potyczce  tyle  nieprzyiaciöl  poraz^, 
ze  z  ich  trupöw  . . .  wielkq  görf?  usypi^  (1,3,  H,  1),  so  hat 
bekanntlich  schon  Tyboe  erzählt,  daß  er  bei  der  Belagerung 
von  Brabant  «som  en  Skantze  om  mig  af  lutter  dode 
Kropper»   (11,1)  gehabt  habe,  und  wie  Robert  prahlt: 

«Razu  iednego  nastroilem  na  twarzy  mey  tego  Marsa, 
ktörego  w  potyczkach  znacznieyszych  zwyklem  pokazywac,  y  z 
trefunku,  gdym  zayrzal  av  zwierciadlo,  samem  siQ  go  przelaikl, 
chociaz  tak  smialy  iestem», 

so  versteht  anch  Jacob  von  Tyboe  ein  Gesicht  aufzusetzen, 
daß  Jesper  Oldfux  glaubt,  er  sähe  den  grimmigsten  Eber 
im  Walde  (V,  8).  —  Die  ganze  Erzählung  von  dem 
«Turczyn,  pötkownik  pierwszy  Janczarski  y  wielki  faworyt 

83  Freilich  ist  es  iiicht  ausgeschlossen,  daß  sowohl  P>oho- 
molec  wie  Holberg  aus  derselben  Quelle  geschöpft  haben,  nämlich 
(was  Hans  Brix:  Holberg  og  Theätrc  Italien,  «Edda»,  Kristiania 
1910,  S.  127  ff.,  nicht  bemerkt  hat)  aus  Monlchenays  «La  Cause  des 
femrnes^^  ("scene  du  harom;')  in  Gherardis  Sanmilung  (II,  S.  30), 
wo  Arlequin  («deguise  en  baron»)  fast  Avörtlich  dasselbe  sagt  wie 
Tyboe. 


I 


Sonstige  (JuellenveihäUnisse  bei  i3ohoiuolec.  '281 

Suhana,  nazwaiiy  Talabandara»,  mit  dem  Robert  in  Kon- 
etantinopel  einen  blutigen,  aber  siegreiclien  Zusammenstoß 
gehabt  haben  soll,  ist  möglicherweise  aus  einer  Stelle 
in  Holborgs  «Iloinuttcr  Ambiti«)n>  (III,  ö)  erwachsen,  wo 
der  Betrüger  Dobre  Podojsky  etwas  xVhnliches  von  sr-in»'m 
Herrn,  dem  vermeintlichen  Baron,  erzählt: 

Doli:  .  .  .   Hove<ls(a(lpii  udi  Hoclcnskal>ot  hodcr  Consta nlino|>cl, 
og  KciseroM,  soin  nu  rcfjieror.  hodor  Mcphi.stofehis.    Dot  er 
eil   brav   Kt.'isor,  !!v>'>-''   l'tM   '•'•  iU.-..   min    II.'i.(<^   ''cii. 
JKR:    Hvi   saa? 

r)()B:  Jog  vi!  nok  sigo  Hr.  .Jeiuiiiinus  det,  ii\  ib  h;iii  vil  oeiiolde 
dct  hos  sig  selv.  Min  Herrc  liavdc  d(Mi  Xaado  at  spise 
on  gang  lios  Kpisercn.  Ovcr'Bordet  koni  hau  i  Dispyt 
mod  den  störe  Vizir  Holophcmos,  hvilken  Dispyl  gik  saa 
vit,  at  min  IIoitc  udi  Hidsighcd  gav  harn  et  örefigen  saa 
at  Keiseren  siden  den  Tid  saao  ham  an  med  sk<:'<^le  0yen. 
MLW:  Men  tog  den  störe  Vizir  dctte  Drefigon  saa  til  Takke? 
DOD :  Hvad  vilde  hangiore?  IIvo  som  kiender  min  Herre.  hinder 
ikke  let  an  med  ham.  Ilan  svor  alleene  vod  sin  Talmud, 
som  er  Iledningemes  Ritual,  at  lian  skulde  ha^vne  det. 
Det  or  u-endeligt  at  forta-llf  alle  do  Action?r,  min  Florr? 
har    haft. 

EtwasÄhnliches  finden  wir  in  der Bohomolecschen Komödie: 

ROB :  ...   Co  tarn  za  pi^kna  byla  scena  —  trudno  wymöwic! 

Dose  lego  zo  caly  Konstaiitynopol  geb^  otworzywszy  teinn 

si?   widokowi  przypatrzywah    Trwala   la  naszn   potyczka 

poltora   kwadransu   y  pi^ö  minut   .  .  . 

KLE:  A    Sultan    Turccki    nie    uia.t    siQ    za    owego    i)ö}k.)\vnika. 

swego  faworyta? 
ROB:  Jakze  sie  nie  uiqll  Sluchay  Waszmosc  Pan!  .f\k  sie 
dowiodzial  Snttan  o  !ey  akcyi.  tak  zaraz  kazai  wszystkie 
bramy  w  Konstantynopolu  pozamykar  y  do  moiey  stancyi 
mocna  warte  przystawic  ...  Ja  zrozumiawszy,  ze 
mi  sie  iesc  chce,  a  nie  maii\c  iak  dostac,  iak  sie  rzuce 
z  mym  palaszem  po  desperacku  mi^dzy  puJki  Tureckie, 
iak  zaraz  ludzie  iak  snopy  padac  na  ziemi^  pocz^ly.  A 
ia  przez  nich  tmmifabiym  kiokieiu  iJ0Stepui;\c  pizy- 
szedlem  do  porlu,  wpadlem  na  moy  okrot  y  z  Konstanty- 
nopolem  pozegnalem  si^   ,  .  . 

Ich  bin  mir,  wie  gesagt,  vollständig  bewußt,  daß  die  hier 
angeführten  Analogien  nicht  als  bewiesene  Tatsachen  an- 
gesehen werden  dürfen,    denn    wir   müssen   immer  damit 


282  Kapitel  IV. 

rechnen,  daÜ  wir  es,  besonders  bei  Typen,  die  den  Plautini- 
schen  miles  gloriosus  variieren,  mit  Gemeinplätzen  der 
Komödie  zu  tun  haben  können.  Da  ich  aber  die  oben  auf- 
gezählten Züge  weder  bei  Plautus  noch  in  den  sonstigen 
nnr  zugänglichen  Komödien,  in  denen  bramarbasierende 
Soldaten  vorgeführt  werden,  angetroffen  habe,  glaube  ich 
das  Recht  zu  haben,  die  betreffenden  Stellen  —  sine  con- 
sequentia   —  zusammenzustellen. 

V^on  sonstigen  Analogien  seien  hier  nur  noch  einige 
angeführt.  Wenn  wir  im  «Janak»  (I,  4)  folgende  Frage 
und  Antwort  lesen  —  es  handelt  sich  hier  um  ein  Ge- 
spräch zwischen  dem  Duellanten  Robert  und  seinem  naiven 
Diener  — : 

ROB:  Zk?td  lobie  u  kata  ta  filozoila? 

FRO:  Ja   y  nie   znam,  Mospanie,    co   to   iest   «filozofia»,    ale   to 

möwi^,    CO   rozum   hawet   prosty    poznac    y  chwalic  po- 

winien, 
so  dürfen  wir  vielleicht  an  einen  ähnlichen  Repliken  Wechsel 
im   «Erasmus  Montanus»  erinnern  (IV,  4): 

ERA:  .  .  .    Jeg    har    aldrig    tsenkt    min    Livstid,   at    der   kuride 

ligge  slige  Ord  i  en  Bondedrengs  Mund;   thi  hvorvel  alt 

det,  du  har   talt,  er  falskt  og  ugudeligt,   saa  er  det  dog 

en  u-gemoen  Tale  for  ec«!  af  din  IStand.    Siig  mig  fort,  af 

hvem   du  har  lajrt  saadan   Snak? 
.lAK:    Jpg   har   ikke   studeret,    Monsor,    men   Folk   siger,    at   jeg 

har  et  got  Hoved. 

Eine  andere  Analogie  zwischen  einer  Stelle  in  den 
«^Medrkowie»  und  dem  «Erasmus»  habe  ich  schon  oben^* 
notiert. 

Im  «Pan  do  czasu»  (II,  2)  kommt  eine  aus  Molieres 
«Bourgeois-gentilhomme»  entlehnte  Stelle  vor,  wo  der 
Lehrer  der  Philosophie  den  Streit  zwischen  dem  Fecht- 
meister, dem  Tanzlehrer  und  dem  Musiki nfonnator  zu 
schlichten  hat,  wobei  er  Seneca  zitiert: 

Ach,  Mosel  Panowie,  czy  to  pi^kna  ?  Czy  przystoyna  gnie- 
wowi  swemu  tyle  pozwalac?  Wszak  ci  to  «ira  est  brevis 
furoF/)!  Czy  czytaliscie  Waszmosc  Panow'ie  kiedy  Seneki  trak- 
lat  «De  ira»? 


8*  Vgl.  ol>en  S.  165. 


Sonstige  Qnpl!enverh.^ltni<??p  bei  Hnhomol^r.  283 

B'.'i  MolicTt'  koiiiini  zwar  der  liimvci-s  aui  rr^ciicca  vor 
(«n'avezYous  point  lii  le  rJocto  traitc  que  Seneque  a  com- 
posc  de  la  colcre?»),  aber  nicht  das  Zitat.  BohomoIfC 
hätte  natürlich  selbst  in  seinem  Seneca  die  Stelle  nach- 
schlagen können.  Nun  lautet  aber  diese  Stelle  bei  ihm 
folgendermaßen:  «Quidam  itaque  c  sapientibus  viri  iram 
dixerunt  brevem  insaniam.»^^  Es  könnte  daher 
möglich  sein,  daß  ßohomolec  den  Satz  nicht  direkt  aus 
Senecas  Schrift,  sondern  aus  Holbergs  Komödie  «Philosophus 
ndi  ogen  Indbildning»  erhalten  hat,  wo  an  einer  der 
Molierischen  deutlich  nachgebildeten  Stelle  Cosmoligoreus 
Senecas  Ausspruch  genau  wie  Bohomolec  falsch  zitiert: 
«Vrede,  siger  Seneka,  er  ikke  andet  end  en  stakket  Af- 
sindighed.  'Ira  est  furor  brevis*»  (II,  3).  Tatsächlich 
zitieren  beide,  wahrscheinlich  ohne  sich  dessen  bewußt 
zu  sein,  Horaz,  der  in  seiner  «epistola»  (I,  2)  an  den 
jungen  Lollius  (Vers  62)  schreibt: 

ira  furor  brevis  est:  aniinum  coge,  cfiii,  nisi  paref, 
Imperat   .... 

Nichts  kann  näher  liegen  als  die  Annahme,  daß  Bohomolec 
Holbergs  Komödie  gekannt  hat.  Hat  er  a])er  den  «Don 
Ranudo»,  den  «Erasmus  Montanus»,  den  «Jacob  von  Ty- 
boe»,  die  «Honnette  Ambition»,  den  «Philosophus  udi  egen 
Indbildning»  gekannt,  so  konnte  er  sich  auch  nicht  ganz 
einem  tieferen  Einflüsse  seitens  des  großen  dänischen 
Komödiendichters  entziehen,  der  zu  jener  Zeit  Deutsch- 
land für  sein  Lustspiel  erobert  hatte.  Er  fand  ira  «Jean 
de  France»  ein  Vorbild,  das  der  Nachahmung,  wert  war. 
Was  nun  zunächst  die  Personenverhältnisse  angeht, 
so  fällt  es  uns  nicht  schwer,  sofort  eine  gewisse  Konkordanz 
zwischen  den  Hauptagierenden  des  «Paryzanin  Polski»  und 
denjenigen  des  «Jean  de  France»  festzustellen.  Robert  Starski 
ist  ein  Nachkomme  Jeans,  sein  Vater  der  des  alten  Franz, 
Bogacki,  der  Freund  des  alten  Starski,  ist  mit  dem  Bürger 

ö^  L.   xViinaei  Senecae   De   ira  ad  Xovatum,  lib.   I,  cap.  I 
(A.  Barrieras  ed.,  Turin,  Corpus  Scriptorum  Latinonim  Paravianiun, 

Nr.  21). 


2.S4  Kapitel  IV. 

Jeroniiuus  zu  identifizieren.  In  RoImmIh  Bruder  und  dem 
glücklicheren  Freier  des  Fräulein  Bogacka,  Wilhelm,  er- 
kennen wir  gleich  auch  Antonius  wieder,  den  Liebhaber 
der  Jungfrau  Elsebet,  und  wenn  wir  Leopold  als  eine  Art 
Kopie  des  Holbergschen  Espen  (oder  Peter  nach  der  deut 
sehen  Übersetzung)  ansehen,  kann  Marcin,  der  Diener  deR 
jungen  Starski,  niemand  anders  sein  als  Jeans  Diener 
Pierre.  Die  Frauenrollen  (die  Jungfrau  Elsebet,  die  alte 
Mutter  Magdelone  oder  Margaretha,  die  Magd  Marthe)  sind 
natürlich  eliminiert,  wae  übrigens  auch  der  Hausknecht 
Arv  resp.  Hans.  Trotz  der  Ausmerzung  aller  weiblichen 
Rollen  hat  ßohomolec  aber  dennoch  aus  der  Vorlage  das 
Liebes-  oder  besser  Heiratsmotiv  beibehalten:  der  Boho- 
molecsche  Herr  Antonius  (Wilhelm)  liebt  wie  bei  Holberg 
die  hier  nicht  auftretende  Jungfrau  Elsebet.  Dagegen 
fiel  die  ganze  Intrige  der  Marthe  wog:  wir  sehen  keine 
Madame  La  Flecho  bei  Bohomolec  auftreten,  und  das  be- 
deutet zugleich,  daß  der  eigentliche  dramatische  Nerv  (der 
gewissermaßen  schon  im  «Italien  Francise»  —  vermutlich 
Holbergs  Quelle?  —  vorhanden  war)  aus  dem  Stoffe 
herausgeschnitten  wurde. 

Die  Exposition  des  polnischen  Stückes  wird  gleich  in 
der  ersten  Szene,  die  ich  hier  anführe,  gegeben: 

STARSKI  y  LEOPOLD. 

STA :  Leopoldzie !  liey !  Leopoldzie !  A  pöki  ly  u  kata  spac 
b^dziesz?  Ja  poiq^c'nic  mog?,  co  si(j  ci  to  stalo?  Przed- 
tym  nie  mialern  nad  ciebie  shigi  rzezwieyszego  y  pihiiey- 
szego,  a  teraz,  iak  syn  möy  z  Paryza  powrocit,  tak  dhigo 
sypia«:   zaczt^les. 

LEO:  Ja  dlugo  sj'j^iam?  Bodayby  Turczyn  tak  dtugo  sypial! 
Acli.  Mospaiiie,  trzeba  y  dla  nas,  slug  biedaycb,  mie6 
Avzgljid  iakizkohviek.  Nie  iestesmy  bestye.  Y  my  tcz  snu 
potrzelmiemy. 

STA :  A  ktüz  ri  spac  zabramia  ?  Miales  noc  caU  —  mogles  si? 
w^spac. 

LEO:  Xoc  calci '^  A  wszakci  lo  o  Irzeciey  z  p61nocy  ukladiem 
si^l 

STA:  Czemuz   to? 


SorsUge  Qupllenv-^rhriltnisse  hei  Hohomolec.  ?^5 

LLU:  lio    y  ]>iu\   U<»l»ort,   syii    \>asznio.N.     Pana,    i»  ti/.niüx    >j)i.. 

poszedt. 
STA:  A  czcmuz  oii  to  lak  pözno  spac  idzieV 
LF.O:  Toc  on  teraz,  iak  z  Paryza  jx)wröcil,  iii<;'iv    i)ifrw»\    sj>a6 

nio  idzie.    U  iias  kazda  noc  w  ten  czas  slt;  porzyra,  '^dy 

siQ   koiiczy  u  Waszmoi^  Pana. 
.STA:  Co  to  za  biedal    Wielc  mi  on  swiec  p^jpali! 
LEO:  "Waszmosc    Paii    swiec   bardziey    iiiz    zdrowia   moiego    za- 

hiiesz?    Shizywszy  poczciwio  tak  dlugo  Wasznio^<i  Panil, 

doczekalem    sig  nakoniec   pi^taioy   wyt;:ody! 
S'!  \  :  Prawda,    masz    shisznii    przyczyng    uskarziir    si^.     Ja   to 

zawsze   wyznai?,  ze  nad  ciebie   wieraieyszego   slugi  nie 

mialem.     Jednakze   y  swiec    szkoda.     Ale   coz   on  u  kata 

tak  dhigo  w  noc  robi? 
LKO:  Robi  «le  grand  monde». 
STA:  Co?   CO? 
LKO :  «Le   grand  monde.» 
STA:  C6z  to  u  kata  ten  «grand  monde;>? 
LEO:  «Le  grand  monde»  znaczy  to  po  polsku  «6wiat  wielki  . 
"^TA:  On  tedy  ^wiat  wielki  robi?    Albo  mu  f^u  swiat  iest  nialy? 

Powiedz  mi,  co  to  za  robofa? 
LEO :  Jest  to  robota  paryska,  ktörcy  si§  pan  Robert  w  Pa;y/.u 

nauczyh      Pytalem    si?   iego    lokaia,    Monsieur    de    Mar- 

tiniere    .  .  , 
STA:  Jaki    to   lokay?    Albo   on   ma   innego  lokaia  proez   Mar- 

cina? 
LEO:  Ten  to  sara  iest  Monsieur  de  Martinierc. 
STA:  Jaki    to   Marlini^re?    Wszak   on   Marcin! 
LEO :  Ach,   nie   möw  Waszmosc   Pan  «Marcin»  I 
STA:  Czerau   nie   mam   möwic? 
LEO:  On   si?   za  to   urazi.     Muie,    zem  go  nazwal   Marcinem, 

zlaial    iak   psa    starego    y  na   pistolety    wyz^'waL 
STA:  Ale   co   möwisz?    Wszak  on   iest  Marcin,  möy   poddany. 

Wzi^lem    go    z  wioski    swoiey    y  da  lern    Robertowi    do 

uslug    iadi\cemu   do   Paryza. 
LEO:  Wszystko    to    prawda,    ze    on    byt    Marcinera,    ze    pod- 
dany   .  .  .    Ale   si§   w   Paryzu   nobilitowat  y  iest   teraz 

Monsieur  de  Martiniere. 
STA:  Otüz    jjozytek    z  Paryza!     Jakze    tedy?      C6z   to  znacKy, 

cos  möwit?    Chcialbym  poznac  tQ  robot^,  ktör^  si?  syn 

bawi. 
LEO:  Monsieur    de    Martiniere    powiedziai    mi,    ze     de   grand 

monde»,    ktöre   iest  ustaAvnie    w   usciech   pana   Roberta, 

graffa  de  Starseufeld  ... 
STA:  Jakiego   Ro]:>erta  graffa? 


2S6  Kapitel  IV. 

LEO:  Syna  Waszmo^c  l^aiia,  klöry  z  Pai-yza  pouiöcil. 

STA:  Jaklo?  nie  nazywa  siQ  on   Starski? 

l^EO:  Fe!  Uclioway  Panie!  On  mowi,  ze  Starski  iest  to  slowo 
grübe,  nicpolilycznc.  Przoloz  go  cicrpiec  nie  moze. 
Dlalcgo  miasto  Starski  nazywa  siQ  polityczniey  Starsen- 
fold. 

STA:  Co   ia  slyszQ?!    Co   to   za  pJocliosc! 

LEO:  Möwil  ledy  Monsieur  de  MartLniere,  ze  «le  grand  monde» 
podlug  ich  nazywaia  si?  wielcy  ludzie,  to  iest  pauowie. 
2yc  tedy  jwdhig  «le  grand  monde»  iest:  zy6  zwyczaiem 
wielkich  y  zacnych  ludzi.  Tego  zycia  iest  wiele  re^uJ, 
alc  kat  si?  ich  napami^la!  Tey  iednak  zapomniec  nie 
niog^,  zo  podlug  «le  grand  monde»  nie  wolno  piervvey 
wieczerzar  az  o  pierwszey  godzinie  po  pölnocy,  a  spac 
sie  nie  godzi  przed  trzoci<'\  zrana. 

STA :  Bodayby  kat  wzial  t§  mod?,  ktora  wywraca  porz^dek 
czasu  od  natury  rozlozony.  Ale  przecie  czym  si?  on  w 
nocy   bawi  ? 

LEO:  Mezym.  Chodzi  po  pokoiu,  gwizdze,  spiewa,  nogi  co  raz 
inaczey  stawia  .  .  .  Wczora  w  v\ieczör  sen  go  okruUiie 
morzyl.  Möwilem  mti,  czemu  sIq  nie  ktadnie?  Odpowie- 
dzial  mi :  «Mamli  ia  dla  snu  mod^  przestapiö  ?»  Y  nie 
poszedl  spac  pöty,  az  przyszla  godzina  trecia  od  «le 
grand    monde»   iemu   przepisana. 

STA:  Ja   nie   wiem,   co   si?   z  nim   dzieie? 

LEO:  Wczora,  dowicdziawszy  siQ,  ze  Waszmosc  Pan  o  dzie- 
siqtey  spa6  poszedles,  w  takf^  wpadi  choler?,  ze  malo 
nie  oszalal,  y  obröciwszy  siQ  do  mnie,  zawolal:  «Panie 
brori,  zeby  to  w  Payzu  wiedziano,  ze  möy  oyciec  tak 
wszeänie  spaö  poszedl!    Panie  bronl    Panie  broh!» 

STA:  Bo^layby  go!  .  .  .  Albo  to  wystQpek  iaki?  To  wstyd, 
zem  spac  poszedl  w  ten  czas,  kiedy  mi  si?  spac  chcialo? 

LEO:  Siucliay  Waszmosc  Pan  daley.  «Gdyby^>  —  rzecze  — 
«wiedziano  to  w  Paryzu,  jx)wiedzianoby,  ze  ia  iestera 
synem  iakiego  podlego  grubianal  Panie  bron!  Panie 
bron  1» 

STA:  Grubiana?  To  u  niego  grubianstwo  spac  o  dziesi^tey? 
Jaki    mi   polityk! 

Wie  Jean  ist  Robert  ein  Modenarr,  der  den  Gesetzen  des 
Pariser  Geschmacks  oder  der  Geschmacklosigkeit  blind 
folgt;  wie  Jean  seinen  Diener  mit  einem  französischen 
Namen  (Pierre)  nennt,  so  tauft  auch  Robert  seinen  Martin 
zu  einem  de  Martiniere  um;  wie  jener  seinen  eigenen  Namen 


Sonstige  Quellenverhältnisse  bei  Bohomolec.  287 

«nobilitiert»,  tut  es  auch  der  CJraf  von  eigener  Gnadi-; 
bloß  mit  dem  Unterschiede,  daß  er  einen  deutschen  Namen 
wählt;  wie  der  dänische  Französling  selber  sagt:  «Vi  Pa- 
risiens  kand  ikke  va^re  lanige  paa  et  Sted».  so  klagt  Leo- 
pold auch  über  Roberts  ewige  Beweglichkeit  («chodzi  ])0 
pokoiu,  .  .  .  nogi  coraz  inaczey  stawia»),  und  wie  jen^T 
mit  einem  «La  la  la  la  la>  auftritt,  so  heißt  es  auch  von 
Robert,  daß  er  immer  pfeift  und  singt  («gwizdzc,  spiewa»).*^ 
Wenn  Leopold  dann  ausführlich  von  der  Lebensweise  seines 
jungen  Herrn  erzählt,  so  ist  dieses  Motiv  auch  schon  bei 
Holberg  angedeutet,  indem  Jeronimus  dort  eine  Schilderung 
Jener  Lebensweise  gibt,  die  die  jungen  Kavaliere  führen, 
wenn  sie  wieder  heimgekommen  sind. 

Die  kleinen  Züge,  aus  denen  die  Charakteristik  des 
dänischen  Plelden  besteht,  mehren  sich  im  folgenden-  bei 
Bohomolec.  Er  tritt  1,3  in  eigener  Person  auf  «w  szlaf- 
roku»,  welches  wahrscheinlich  eine  Reminiszenz  an  jen<  n 
«rod  Kliedes  Slaabrok»  ist,  von  dem  Arv  bei  Holberg 
spricht  (1,2).  Er  schildert  im  Gespräch  mit  seinem  Bruder 
Wilhelm,  den  er  mit  einem  «Bon  jour,  mon  frere»  fran- 
zösisch anredet  (vergleiche  Jeans  Gruß:  «Bon  matin.  mes- 
sieurs»,  I,  3),  sein  Leben  in  Paris: 

ROB:  Zebys  '»viedzial,  iak  w  Par>'^;'ru  z  Polakow  zarluia  .  .  , 
DIatego  ia,  tarn  l>^(lj^c,  wstydzilem  sie  nazywac  Pola- 
kiem,  przetoz  wzic'\lcm  to  imiQ  niemieckie  na  siebie: 
Graff  de  Starseiifeld.  Y  mialoin  ztad  wielka  n  Fraii- 
cuzöw  powagQ.  W  iakiey  ze  nin.'\  zyl  przyiazni  Mar- 
quis de  Kl  ein  vi  11  e!  A  Xi^ze  de  Petitgrand 
fak  mi^  kochal  iak  brata  rodzonego!  Ach,  zacnyz  to  byl 
kawaler,  darmo  to  möwic.  Jak  on  mile  kichal,  ach!  Y 
na  dowöd  swoiey  przyiazni  nauczyl  ninie  tegoz  kichania. 

AVIL:  Powinienes  mii  Waszmoäc  Pan  byc  za  to  wdzi^czen. 


^ß  Starski  klagt  z.  B.  in  seinem  Gespräch  mit  Leopold: 
•^sCzy  uwazates,  iak  on  na  iednem  mieyscu  nigdy  nie  ustoi,  iako 
CO  raz  ^naczey  swe  nogi  uklada,  iako  podczas  rozmowy  spiewa, 
gwizdze,  fechtuie  r^k^,  a  po  francuzku  y  do  tych  nawet  gada, 
ktörzy  tego  i^zyka  nie  rozumieia..  Nieszcz^sliwa  ta  godzina, 
ktörey   go   z  Polskiey   wyslaleml»     (I,  1.) 


•:v«i  Kapil'l  IV. 

\\i)ß:  Prawda.  Y  do  smicrci  loi:  go  nie  z:i]>ünmo.  A  Marquis  de 
Klciiiville  tak  mile  poziowal,  ze  dainy  na  to  patrz;\c  az 
si?  rozplywaly.  Patrz  WasznioAd^Paii:  choc  byl  tak  wielki 
möy  przyiaciel,  przociez  zrazu  nie  chcial  nii  pokazac  sc- 
krctu  tcgo  poziewania.  Potym  iednak,  gdym  niu  darowal 
pierscicn  dyamentov>y,  j)okazal  mi  l)cz  zazdro§ci  t? 
sztuk?.  Jakoz  upewTiiain  Waszniosö  Pana,  ze  w  caley 
Polszcze  nienia  zadnego  kawalera,  ktöryby  gladziey  za 
mnie  lub  kichal  lub  poziewal.  Y  nikomu  tego  sekretu 
nie  ix)kaz?  precz  panny  Bogackiey  —  y  to  w  len  czas, 
gdy  iuz  b^dzic  Graffowji  de  StarseJifeld. 

WIL:  Mnie    Waszmosc   Pan  ])rzynayniniey   naucz. 

ROB:  Pardonnez-raoi,  nie  mog^.  Ale  ...  A  ta  iwzylura  vr 
staniii  iak  si?  podoba?    Regardez! 

WIL:  Bardzo  pi^kna. 

ROB:  A  to  ia  sam  i^  A\ymysli}em  y  nauczylem  iey  Monsieur 
le  Comte  de  B  r  i  n  d  i  s.  A  on  miQ  za  to  nauczyl  tego 
gwizdania.   Posluchay  Waszmo^c  Pan !   (Gu'izdze.)   A?'co? 

Auch  die  Technik  dieser  Repliken  ist  ganz  dem  Vorbilde 
der  Holbergschen  Cliarakterisierungsweise  abgelauscht: 
Bohomolec  läßt  seinen  Heiden  die  Künste  vorführen,  die 
er  in  Paris  gelernt  hat.  Ganz  ähnlich  demonstrierte  ja 
schon  Jean  seinen  Eltern  seine  «bougres  de  pagrad»  und 
«menuets»;  sein  Lehrer  war  der  Monsieur  Blondis,  dessen 
Name  bei  I^ohoraolec  oben  in  veränderter  Form  wieder- 
kehrte; auch  er  vermutete,  daß  niemand  seinen  «contre- 
temps>  nachahmen  könnte: 

JEAN:  Hvad  siunes  Madamme  om  den  Contre-temps,  som  jeg 
laerdfe  nylig,  forend  jeg  reiste  fra  Paris.  Den  troer  jeg 
parrli    il-l-o  nogen  kand   giore   her  i  Landet    .  .  . 

Wie  kam  nun  Robert  Starski  zu  seiner  Galiomanie? 
Genau  wie  Hans  Frandsen  durch  seine  .Reise  nach  Paris. 
Bei  Holberg  trägt  einerseits  der  Vater,  andererseits  die 
^lutter  Jeans  die  Schuld  an  seiner  unseligen  Reise  nach 
Paris;  Jeronimus,  der  cRaisouneur»  der  Komödie,  war  von 
vornherein  dagegen.  Bei  Bohomolec  ist  aber  umgekehrt 
gerade  der  Vertreter  des  letzteren,  der  alte  Bogacki,  schuld 
an  Roberts  ReLse,  wie  uns  Starski  gleich  am  Anfang  der 
Komödie  erzählt: 


Sonstige  Quellen vuiliulliüs^e  bei  Hulioniülec.  i^'J 

STA:  Ten  tedy  kochaiiy  Bogacki  rzccze  mi  razu  Jednego : 
«Przyiatielu,  wicsz,  ze  mani  cörkQ  iedynaczk^,  wi«*lkicli 
bogactvv  dzi(xiziczke.  Ty  iestest  iniienia  i)i(,'knogo,  al«'  pod- 
upadlego.  ('Iit\'  te<ly  dla  iiaszey  przyiazni  to  uczynic, 
zeby  nie  dobra  razera  y  z  cörk.i  dostaly  sio  twenm  do 
mowi.  Rol>ert,  twoy  svii,  wieIce  mi  sio  pcnloba;  iego 
za  zi^cia  obierani.  Alo  trzoba  mu  dat';  dobro  wycho- 
wanie.  Ja  moim  kosztcm  wyölcj  go  do  Wiednia  na  nauki.» 
Cöz  niialem  na  to  odpowiedziec  ?  l'adlem  nm  do  n6g  y 
podzi^kowalem  za  tak  dobre  sorce.  Krotko  ntü\vi;\c  poie- 
chal  Robort  do  Wiednia.  Tarn  gdy  pi(;6  lat  zabawil, 
pan  Bogacki  na  dnigio  piQd;  lat  wyslal  go  swoim  kosztem 
do  Paryza.  Teraz  zas  pisal  do  niego,  zeby  tu  z  Paryza 
powröcil  y  cörkQ  wzijil  iego.  Robert  powröcil,  y  pan 
Dogacki  skoro  tu  z  Rusi  przyiedzie,  wnet  ma  sprawic 
wcsele.    Co  godzina  na  iego  tu  przybycio  wygla.damy  .  .  . 

Der  alte  Starski  hat  allen  Grund,  mit  dem  Erfolge  der 
Reise  unzufrieden  zu  sein,  denn  wie  Jean  de  France  im 
Laufe  von  15  Wochen  «har  forla^ret  femten  hundrede 
Rigsdaler  i  Frankrig^,  so  hat  Robert  Starski  unter  .seinem 
fünfjährigen  Aufenthalte  in  Paris  5000  polnische  Dukaten 
verbraucht,  bloß  um  Pariser  Manieren  und  Sentiments  zu 
erwerben  (III,  5).  Holberg  läßt  von  seinem  Helden  be- 
haupten, daß  er  «efter  Moden  har  glemt  bort  sm  Kristendom 
indtil  Katekismum»;  diesen  Zug  hat  Bohomolcc  besonders 
herausgegriffen,  da  er  ihm,  dem  jesuitischen  Schulmanne, 
als  wichtigster  Zug  in  der  schädlichen  Geistesfurm  der 
polnischen  Französliuge  erscheinen  mußte.  Das  Problem, 
das  ihn  interessierte  —  wenn  wir  von  Problemen  reden 
dürfen  — ,  l^estand  im  Gegensatze  zwischen  der  her- 
gebrachten, altpolnischen  Frömmigkeit  und  dem  modernen 
Unglauben  der  Parisfahrer: 

HOB:  Cöz  robic,  mon  frere,  kiedy  taka  nio<la?  Kto  chce  miet 
estymacyQ   u  ludzi,   trzeba   si?   do    niody   akkomodowac. 

WIL:  Ja  zas  trzymam,  ze  pierAviey  zyc  trzeba  podhig  wiary 
niz   podhig   mody. 

Auf  diesem  Gegensatze  ist  bei  Bohomolec  der  ganze,  sehr 
wenig  dramatische  Konflikt  und  die  schließliche  Konflikt- 
lösung erbaut.  Gibt  Jean  bei  Holberg  seinen  Aussichten 
auf  die  Hand  der  Jungfrau  Elsebet  in  Jeronimus'  Aug'-^n 

Stender-Peterseo  .  Die  Schulkomödien.  19 


290  Kapitel  IV. 

den  Todesstoß  dadurch,  daß  er  diesen  mit  Gewalt  zur 
Annahme  der  neuesten  Pariser  Mode  zwingt,  so  erreicht 
Robert  bei  Bohomolec  dasselbe  durch  seinen  Konflikt 
mit  seinem  Bruder  Wilhelm,  der  ebenso  bereit  ist,  die 
Ehre  seines  Vaters  zu  verteidigen,  Avie  Monsieur  Antonius 
die  des  alten  Jeronimus: 

ROB:  Ach,  mon  frere,  iuz  masz  rozuni;  czasby  si?  ci  postrzedz 
a   zacz^6   zyc   iak   iiczciwi    zyi^   kawalerowie.    Przynay- 
liiniey  nie  wydaway  siQ  z  tak  podlemi  sentynientami,  bo 
ia   tego   cierpiec   nie    möge.     Nie    dose,   ze   oyciec   nasz 
hai'ibi  nas  podlemi   swemi  akcyami   ,  .  . 
WIL :  JMosci  Panie  Robercie,  na  mnie  Waszmosc  Pan  gaday,  co 
si?  podoba:  wszystko  zniosQ  cierpliwie.    Ale  honoru  oy- 
cowskiego    .  .  . 
ROB :  Co  ?   Za  oyca  si^  uymuiesz  ?   Trzymay  si^z  iego :  b^dziesz 
si^  do  mnie  uciekal  w  twych  potrzebach,  ale  nie  uznam 
ci^  za  bratal 
WIL:  Wolno  —  möwi?   —  mnie  y  za  brata  nie  uznawac,  ale 

oyca  mego  haiibic  nie  dopuszcz^l 
ROB:  A    cöz    to   ty    iestes    za    ieden,    Panie    domatorze,    ktory 
mnie  ,  .  .    Ach,  zeby  mi  to  kto  röwny  möwi},  tobym  go 
t^  szpad^  na  wylot  przeszyl. 
WIL :  Mam  y  ia  szpad^  a  inney  zadney  nie  l^kam  siQ ! 
ROB:  Co?     Idz   mi    z  oczn,    haribo,    obelgo   domu  moiego!     A 
wara,  zebys  siQ  nie  wazyl  nigdy  mym  bratem  nazvwac! 
(11,  3.) 

CTleich  darauf  kommt  es  zu  einem  ähnlichen  Zusammen- 
stoß zwischen  Vater  und  Sohn,  worauf  Robert,  ohne  den 
eben  eingetroffenen  Rogacki  zu  erkennen,  vor 
diesem  seine  französische  Weltanschauung  auskramt,  ein 
Zug,  der  eventuell  aus  jener  oben  genannten  Komödie 
des  Paters  du  Cerceau  stammen  dürfte: 

BOG:  Klaniam   Waszmosc   Panu. 

ROB:  Votre   seniteur,   Monsieur. 

BOG:  A   iest   w  domu   Jegomosc   Pan   Starski? 

ROB:  Ktöz   to   ten   Starski? 

BOG:  Kt6?  zas?    Pan  tego  domu. 

ROß:  Nie  wiedziaJem,  ze  on  tak  siQ  nazywa,  bom  niedawno 
tu  przybyl.    Ale  on  wyszedl  gdzies  z  domu. 

BOG;  A  SVaszmosc   Pana  iak  mam  honor  nazywac? 

ROB:  Jestem  Graff  de   Starsenfeid,  pour  vous  servir. 


Sonstige  Quellenverlüiltnisse  bei  Bohoinolec.  201 

IjOG    (möwi    do   siebio) :   To  nie    musi    byc   iiioy    Rubt-rl,    ciiOJ 

podobiiy    do   iiiego.     (Polyin    inuwi):     A    Wasznioäc    Paii 

Polak    ieste^? 
UOR :  Panlonnez-nioi,   iestom   cudzozieniiec.     Peregryiiui^c   zaie- 

chalem    tu   do    Polskiey. 
BOG:  Jakzo  AVaszmo^^c  Panu  nasz  narud  si^  podoba? 
ROB :  Jakzo  Waszraosc  Paa  chccsz :  czy  zebym  polilycznie,  czy 

tcz    prawdziwie   na   to   odpowiedzial  ? 
BOG:  Jam  czlok  rzetelny,  bardziey  lubJQ  prawd«;^,  fIio<'  przykrq, 

niz  politykQ  podchlebnr\. 
ROB:  AViQC    tedy   odpowiadam    rzetebiie,    ze    grubszego   narodu 

nad   polski   nie   widzialem. 
BOG:  AV    czymze   to   przecie? 
ROB:  Prawie   vre   vrszystkiem    ... 

Aus  diesem  Gespräche,    das    ebenso  beginnt  wie  das  Zu- 
sammentreffen   zwischen    Vater    und    Sohn    in    Goldonis 
«Bugiardo»  und  Bohomolec'  «Chelpliwiec»,  erfährt  Bogacki, 
mit  welchen  Anschauungen  Robert  Starski  aus  Paris  zu- 
rückgekommen ist,  und  damit  ist  es  Schluß  mit  der  Ver- 
lobung zwischen  Robert  und  der  Jungfrau  Bogacka.    Wir 
erfahren  nur  andeutungsweise,  daß  sie  und  Wilhelm  Starski 
einander  lieben  (I,  3:  W^IL:    Prawda,    ze  gdyby  ta  dama 
nie  byla  obiecana  bratu,  miaibym  czego  zyczj6.    Posag  iey 
uczynilby   roczney   intraty    na    kilka   tysi<^cy    czerwonych 
zlotych.    Ale  iey  przymioty  ieszcze  si^  drozsze  nad  posag; 
II,  2),   jedenfalls   motiviert  Bogacki  in  der  letzten  Szene 
der    Komödie    seine    Absage    damit,    daß    seine  Tochter . 
.  .  .   dowiedziawszy   si^  o  "Waszmosc   Pana  post^pkach   y, 
sentymentach,    za    oOOO    czerwonych    zlotych    w    Pars'zu    ku- 
pionych,   stracila  cale  serce   do   Waszmosc  Pajia  y  rzckla  mi : 
«Wol^    triipem    pasd    nagle    niz    pöyäc    za   pana 
R  0  b  e  r  t  a.» 

Die  von  mir  gesperrten  Worte,  die  nicht  die  Elsebet 
selber  spricht,  sondern  von  ihrem  Vater  wiedergegeben 
werden,  sind  deutlich  eine  Reminiszenz  an  die  Versiche- 
rung, die  Elsebet  bei  Holberg  ihrem  geliebten  Antonius 
gibt,  sich  eher  selbst  zu  töten,  als  Jean  gutwillig  ihre 
Hand  zu  geben  (11,  1  und  H,  5). 

19* 


29i2  Kapitel  IV. 

Als  dramatisches  Werk  steht  natürlich  der  «Paryzanin 
polski»  weit  hinter  Holbergs  «Jean  de  France»  zurück. 
Das  läßt  sich  einerseits  dadurch  erklären,  daß  Bohomolec 
die  Intrige  der  Marthe,  die  der  ganzen  Handlung  bei  Hol- 
berg Leben  verleiht,  hat  auslassen  müssen,  andererseits 
aber  auch  dadurch,  daß  er  si^h  nicht  mit  der  Charakte- 
risierungsweise Holbergs,  der  seinen  Jean  wesentlich  durch 
äußere  Mittel  darstellt,  und  uns  nur  weniges  über  seine 
Weltanschauung,  die  frivol-atheistische  Weltanschauung 
eines  Parisfahrers,  mitteilt,  begnügen  wollte,  sondern  es 
sich  zur  Aufgabe  machte,  Roberts  neu  erworbene  Irreligio- 
eität  und  vollständige  Grundsatzlosigkeit  darzutun.  Diese 
Aufgabe  vermochte  er  aber  nicht  anders  zu  lösen  als  durch 
höchst  langweilige  Diskussionen  zwischen  den  Brüdern  oder 
zwischen  Robert  und  Rogacki,  Diskussionen,  die  deutlich 
eine  Verteidigung  'des  Jesuiten  pro  domo  sua  bedeuten. 
Dazu  konnte  ihm  Holberg  keine  helfende  Hand  reichen, 
und  so  erklärt  es  sich,  daß  die  Komödie  wirklich  komisch 
ist,  solange  sie  mit  den  Mitteln  Holbergscher  Komik  ge- 
führt wird,  sofort  aber  zu  einem  gleichgültigen  Diskussions- 
stück wird,  wenn  Bohomolec  die  Technik  seines  Meisters 
verläßt  und  an  Aufgaben  herantritt,  denen  seine  eigenen 
Kräfte  augenscheinlich  nicht  gewachsen  sind. 

In  einer  Komödie,  die  zeitlich  wahrscheinlich  dem 
«Paryzanin  polski»  vorausgeht,  und  die  gewöhnlich  als 
eine  selbständige  Komödie  des  Bohomolec  angesehen  wird, 
nämlich  in  dem  «Urazai^cy  sie  niesiusznte  o  przy- 
möwki»,  hat  unser  Verfasser  wahrscheinlich  auch  Jean 
de  France  als  Typus  vor  Augen  gehabt.  Wir  haben  im 
wesentlichen  das  Recht  dazu,  anzunehmen,  daß  diese  Komö- 
die mehr  oder  weniger  originellen  Ursprungs  ist,  denn  Boho- 
molec versichert  uns  ausdrücklich  selbst  —  was  er  sonst 
nie  tut  — ,  daß  die  «Materie»  seiner  eigenen  Erfindung 
entstamme  (auch  ein  indirekter  Beweis  dafür,  daß  seine 
übrigen  Komödien  fremde  Quellen  haben): 

Gdy   po   wyprawieniu    wyzey   polozonych    KOMEDYJ   (ge- 
meint  sind:   <(FigIacki    polityk   teraznieyszey   mody»,    I  und  II, 


Sonstige  Quellenverbältnisse  bei  Bohomolec.  293 

«Nieroztropiiosc  swym  zaniysloni  szkodz^cav)  znalazio  sig  nie- 
malo  takicli,  klörzy  sobie  z  nicii  przymöwki  nieslusznie  ukla- 
(lali,  podali  mi  now.-^  yod  zadnego,  iakomi  si?  zda, 
])isarza  komicznego  nie  dotkni^ta  matery?  na 
KOMEDYE  nastQpuiac^  .  .  . 

Der  Charakter  des  ^lißtrauischen,  keineswegs  eine  Er- 
tindung  Bohomolec',  interessiert  uns  hier  nicht,  dagegen 
hat  gerade  hier  ein  anderer  Charakter  aus  derselben 
Komödie  Interesse  für  uns,  da  er  ein  Reflex  des  Holberg- 
schen  «Jean  de  France»  zu  sein  scheint,  der  Charakter 
des  Bywalski.  Vor  allen  Dingen  benutzte  Bohomolec  bei 
der  Charakteristik  des  Bywalski  einen  Zug,  den  er  bei 
Holl)erg  finden  mußte,  und  den  er  nicht  bei  der  Darstellung 
des  Robert  Starski  anwandte:  das  Mißverhältnis  zwischen 
der  gallophilen  Überzeugungstreue  des  Helden  und  der 
kttrzen  Dauer  seines  Aufenthaltes  in  Paris;  wie  Jean  bloß 
einige  Wochen  in  Paris  zugebracht  hat,  dennoch  aber  als 
vollständiger  Französling  zurückkommt,  so  hat  auch 
Bywalski  nicht  mehr  als  drei  bis  vier  Monate  in  Paris 
zugebracht,  und  ist  auch  als  vollendeter  Gallomane  heim- 
gekehrt (1,3).  Bei  Holberg  hatte  Bohomolec  Elsebet  seufzen 
hören,  daß  Jean,  der  schon  immer  dumm  gewesen  sei,  nach 
seiner  Parisreise  nur  noch  mehr  verdummt  sei: 

ELS:  .  .  Jeg  havde  Afskye  for  bans  Person,  forend  band  reisede, 
saasom  jeg  merckede,  at  band  var  en  forfaengelig  og 
vanskabt  Natur,  og  let  künde  spaae,  at  band  vilde  blive 
reent  forstyrret.  naar  band  kom  i  fremmede  Lande  .  .  . 
(11,  1); 

er  ließ  Frantocki,  Bywalskis  mehr  oder  weniger  gesund 
raisonnierenden  Freund,  diesen  Seufzer  gleich  nach  der 
ersten  Begegnung  wiederholen: 

FRA:  Mily  Boze,  möy  pan  Bywalski   byl  Irocbe  glupi,  nim  do 

cudzych   kraiöw  udal   siQ,   a  teraz   zda   sie.  ze 

glupszy  powröcil   .  .  . 

Wie  Jean  hat  er  in  Paris  alles  «Bemerkenswerte»  eifrig 
studiert  und  glaubt  nun,  er  sei  vollkommen  «we  wszyst- 
kich  generalnie  sciencyach,  ktöre  moga  condecorare  czleka 
bien    urodzonego».      Diese   Kenntnisse   hat    er    aus    ver- 


ii9i  Kapitel  IV. 

schiedenon  gelehrten  Werken  geschöpft,  deren  Titel  er 
selber  anführt;  es  sind  das  «L' Information  pour  nettoyer 
les  dents»,  «L'Art  de  plaire  aux  Dam  es»  und  «De  la  ma- 
niore  ...»  («to  lest:  'O  sposobie,  ktör^^mby  mozna  twarz 
naturalnie  szpetnf^  przez  rözne  artyficyalne  wodki  y  farby 
poprawic  y  ozdobic'»),  Titel,  die  nicht  unbedingt  irgend- 
wo entlehnt  zu  sein  lirauchen.^^  Selbst  sagt  er  von  diesen 
Büchern : 

BYW:  Pour  vous  dire  la  verite,  mogQ  ich  nazwac  extraktem 
madrosci,  przedystyllowaney  w  alembiku  glöw  ma.- 
drych    .  .  . 

Das  letztgenannte  Buch  aber  scheint  ihm  der  Gipfelpunkt 

aller  Weisheit  zu  sein: 

BYW:  Ta  ksiq,zka  moze  siq  nazwac  glow?i  wszystkich  ksi^g, 
ktöre   byly,   s^  y  b^d^  na  swieeie   .  .  . 

Sein  Kopf  ist  so  von  seinen  Pariser  Eindrücken  gespickt, 
daß  er  seine  alten  Freunde  nicht  mehr  wiedererkennt. 
Als  Frantocki  ihn  an  ihre  frühere  Freundschaft  erinnert, 
antwortet  er: 

BYW:  Ach,  cos  mi  blysn^lo  —  przypominam  sobie.  Pardonnez- 

moi,  Monsieur!    Mam  pami^c  paryskierai  objektami  ain- 

harassowana.    ,  .  . 

Paris  ist  ihm  in  allen  Fragen  die  höchste  Instanz,  an 
deren  Autorität  nicht  gezweifelt  werden  kann.  Als  Giupski, 
um  sein  übertriebenes  Mißtrauen  zu  rechtfertigen,  erzählt, 
seine  Mutter  habe  ihm  geraten,  immer  auf  die  Worte 
anderer  achtzugeben,  fräst  Bvwalski  ihn  hochmütig,  ob 
seine  Mutter  in  Paris  gewesen  sei: 

GLU:    Ale   mnie  moia  matka  zawsze  to  w  glowf;  wbiiala  .  .  . 
BYW:  ficoutez!    A  bylaz  matka  Waszmosc  Pana  w  Paryzu? 
GLU:    Nie  byla. 
FJYW:  Ja  bvlem  —  mnie  tedv   Waszmosc  Pan  wierzi 


8'  S  trus  i  n  s  k  i ,  a.  a,  0.,  S.  253,  meint,  daß  diese  Titel 
nur  eine  Nachbildung  jener  seien,  die  der  Philosoph  Disanvray 
im  <<Arlequin  Misantrope»  nennt:  '^Topographie  exacte  du  visage 
d'une  femrne  ou  lArt  d'y  placer  les  mouches  .  .  .>,  «L'Art  d'aimer», 
«Projet  d'u?i    Dictionnaire   de   Mincs    .  .  .'>. 


Sonätiife  nuelleuverliiillnisse  hei  Hohomolec.  295 

Wie  Jean  in  Paris  alles  Dänische  zu  verachten  gelernt  hat, 
so  hat  auch  Bywalski  die  Erfahrung  gemacht,  daß  alles, 
was  polnisch  ist,  der  Geringschätzung  wert  sei: 

BVW :  .  .  .  Y  to  toz  do  iial)ycia  slawy  wiele  ix>mo?.e,  kicdy 
Waszmosc-  Paii  zacliiey  rzeczy  nio  bfMJziesz  chwalil, 
ktora  Sit,'  w  Polszcze  rcxizila.  Ökoro  siQ  Waszmosc  Pari 
dowiesz,  ze  albo  ksi.-^zka  iaka  od  Polaka  wydajia  albo 
rzecz  iaka  od  rzeiniesLnika  jxilskiego  zrobiona,  zaraz  14 
gaii,  möwinc,  ze  w  Paryzii  sii  dalcko  lepsze.  Zt^d 
inni  b^da.  rozuniieli,  ze  Waszmosc  Paii  lepsze  rzeczy 
nidziales,    y  zo   umiesz    o  nich    sa.dzi(^. 

Wenn  die  Komödie,  von  der  hier  die  Rede  ist,  mit 
ihrer  Figur  Bywalskis   in   einem  gewissen  Ahhängigkeits- 
verhältnisse  zu  Holbergs   «Jean  de  France»    sieht,    so   ist 
sie  auch  sonst   nicht  ganz   selbständig,   was   die   Technik 
der    Komik    betrifft.     Wie    ich    schon    im    Kapitel    über 
Eohomolec'  Verhältnis   zu  Moliero   (S.  181)   gezeigt  habe, 
stammen  einzelne  Züge  au.>^  Molierescheu  Komödien,  und 
auch  ein  Corneillesclies  Motiv  ist  oben  (S.  216)  notiert  worden. 
Eine  Handlung  gibt  es  eigentlich  nicht,  von  einer  Entleh- 
nung derselben  kann  somit  füglich  nicht  gut  die  Rede  sein. 
Dagegen  ist    der    komische   Schluß    augenscheinlich  nach 
einem   bestimmten   Vorbilde  gearbeitet,  wird   er  doch  auf 
dem  bekannten  Pathelinmotiv  ba=?iert.  Natürlich  hat  Eoho- 
molec nicht  die  alte  Farce  gekannt,  wohl  aber  eine  moderne 
Bearbeitung    derselben,    de    Brueys'    dreiaktige    Komödie 
«Pathelin».    Hierläßt  de  Brueys  in  Übereinstimmung  mit 
der  Farce   den  diebischen  Schäfer  Agnelet  seinem  Advo- 
katen Pathelin  gegenüber  genau  dasselbe  Mittel  anwenden, 
das  Pathelin  ihn  selbst  gelehrt  hat.    Dieser  hatte  ihm  n,6 
eingeschärft,  wie  er  sich  vor  Gericht  zu  benehmen  habe: 
PAT:  A   toutes   interrogations   qn'on   te  fera,   soit  le  Juge,   soit 
l'Avocat  de  ton  Maitre,  soit  moi-meme,  ne  reponds  autre 
chose   que   ce   qua   tu   entens   dire  tous   les   jours   ä  tes 
betes    a  laine;   tu   s^aunis    bien   parier   leur  langage,    & 
faire   le  mouton? 
AGX:  Cela  n'est  pas  difficile. 

Genau  ebenso  scbärii  Bywalski  seinem  Klienten  Glupski 


2y()  ,  Kapitel  IV. 

ein,  wie  er  sich  zu  verhalten  habe,  wenn  jemand  von  ihm 
verächtHoh  spricht : 

BYAV :  .  .  .  Przotoz  nigdy  AVaszmosc  Pan  sIüav  cudzych  do  sic- 
bie  nie  applikuy,  bö  to  przyniesc  moze  iak^  sercu  irry- 
tacya.. 
GLU:  Juzci  ia  to  znam,  ze  to  zle.  Nieraz  mialem  zt^d  klötnie, 
ambarassy  y  serca  irrytacy^.  Frzetoz  w  oczach  Wasz- 
mosc  Pana  shib  uczyrÜQ:  zadiiey  sobie  rzeczy,  chocby 
siQ  do  mnie  oczywiscie  stosowala,  nie  nie  przypisywac. 

Als  aber  Pathelin  von  dem  Schäfer  Bezahlung  verlangt  für 
die  erfolgreiche  Durchführung  des  Prozesses,  wendet  dieser 
den  Spieß  um  und  führt  Pathelin  genau  so  an  der  Nase, 
wie  dieser  es  ihn  gelehrt  hat: 

PAT:  Oh!  ^ä,  par  mon  adresse  je  t'ai  tire  dune  affaire  oü  il 
y  avoit  de  quoi  te  faire  pendre:  c'est  ä  toi  maintenant 
ä  me  bien  payer,  comme  tu  m'as  promis. 

AGN:  Bee   .  .  . 

PAT:  Oui,  tu  as  fort  bien  joue  ton  röle;  mais  ä  present  il  me 
faut  de  l'argent:  entens-tu? 

AGN:  Bee  .  .  . 

PAT:  Eh!  laisse  lä  ton  bee.  II  n'est  plus  cpiestion  de  cela:  il 
n'y  a  ici  que  toi  &  moi,  veux-tu  me  tenir  ce  que  tu  m'as 
promis,  &  me  bien  payer? 

AGN:  Bee  .  .  . 

PAT:  Comment,  coquin,  je  serois  la  dupe  d'un  mouton  vetu? 
Tete-bleu,  tu  me  payeras,  ou  .  .  .     (III,  3.) 

Ebenso  wird  auch  Bywalski  von  Glupski  um  sein  Geld 
geprellt : 

GLU:  .  .  .  Szcz^sliwey  drogi  Waszmösc  Panu  zycz^.  Chce 
odeysc.) 

BYW :  AVaszmosc  Panie,  a  obielnica  ? 

GLU:    Jaka? 

BYW:  Tak  wiele  mi  Waszmösc  Pan  obiecales  za  instrukcya. 

GLU:    Do   mnie   Waszmösc  Pan   mcjwisz? 

BYW:  Tak   iest. 

GLU:  Waszmösc  Pan  zartuiesz.  Ja  sobie  tego  nie  przypisui?, 
boby  to  moglo  sercu  memu  przyniesc  irrytacyji   .  .  . 

BYW :  Y  nie  dasz  mi  Waszmösc  Pan  nie  ?  - 

GLU:  Nie  dam,  nie  dam,  bo  to  nie  do  mnie  nalezy  dawac  co 
Waszmösc  Panu. 

BYW:  Sluchayze,    huUaiu ! 

GLU:    Do   kojro  to  Waszmösc  Pan  möwisz? 


Söiistigo  Quellenverliällnisse  bei  Bohomolec.  297 

BYW:  Do  cicbic,  huUaiul 

GLU :    Ja    sobie   tego   nie    przypisuic,    boby    to  przynioslo    iny- 

tacyr\  sercu  memu. 
BYW:  WicJz  o  tyni,  zo  iestes  filutl 
GLU:    To   nie   do   ninic. 
BYW:  Jestes  oszust,  nie  dobregol  ' 

GLU:    Y  to  nie  do  mnie. 
BYW:  Jestes    klamca,    szall>ioi'z! 
GLU:    To  nie  do  mnie!  nie  do  mnio! 
BYW    (biie   go  ni6wi.'\c) :   To   do   cicbie!    To  do   ciebiel     Maszl 

Masz  1 
GLU     (IvFzyczy):  Nie  do  mniel    Nie  do  mnie!   Ja  togo  sobie  nie 

przypisui?!     Votum   uczynitem!     (Ucieka.) 
BYW :  Co  za  niecnota !    Gfupi  iak  stadlo,  a  mnie,  takiego  czleka, 

odrwil!    0,  fe,  do  kata!    Nie  iest  to  ä  la  Parisienne!   Nie 

tak  maniera  francuskal 

Es  liegt  hier  um  so  näher,  einen  direkten  Einfluß 
seitens  der  Brueysschen  Komödie  anzunehmen,  als  wir 
einen  konkreten  Beweis  dafür  zu  erbringen  vermögen,  daß 
Bohomolec  de  Brueys'  Komödien  wirklich  gekannt  hat. 
Eine  seiner  Komödien  ist  nämlich  nichts  anderes  als  eine 
leichte  Umarbeitung  des  «L'Important»,  auch  «L'Impor- 
tant  de  la  Cour»  zitiert.  Ich  meine  den  «Statysta 
mniemany».  Man  ist  bisher  sehr  im  unklaren  gewesen, 
wo  man  die  Quelle  Bohomolec'  zu  suchen  habe,^^  und 
versuchte  vergeblich,  einen  Zusammenhang  zwischen  dieser 
wenig  Moliereschen  Komödie  und  Moliere  zu  konstruieren. "'^^ 
Ein  flüchtiger  Vergleich  des  «Statysta  mniemany»  mit 
dem  «Important»  überzeugt  uns,  daß  de  Brueys'  Komö- 
die die  einzige  und  direkte  Quelle  der  polnischen  ist. 
Der  falsche  Graf  de  Petiteville  heißt  im  Originale 
Comte  de  Clincan,  sein  Onkel  Argant  ist  mit  M.  de  Cor- 
nichon  identisch ;  Dorant,  der  Freier,  den  der  falsche  Graf 
aus  dem  Felde  schlagen  will,  hat  seinen  Namen  bei  Bo- 
homolec behalten  dürfen,  sein  Vater  de  Vieusancour  mußte 
sich  aber  in  Anzelm  umtaufen  lassen.  Der  Diener  des 
Grafen  la  Branche  nennt  sich   bei  Bohomolec  Martinier. 


88  Kielski,   a.  a.   0.,   S.  141. 

^9  S  t  r  u  s  i  li  s  k  i ,  a.  a.  0.,  S.  258. 


t>98  Kapitel  IV. 

Der  bei  de  Brueys  namenlose  Bankier  bleibt  auch  bei 
Bohomolec  namenlos.  Die  weiblichen  Rollen  sind  teil- 
weise von  der  Bühne  verbannt,  —  so  treffen  wir  weder 
Mariane,  die  Geliebte  Dorantes,  noch  ihre  Schwester  Ninon 
an,  —  teilweise  durch  entsprechende  männliche  Rollen 
ersetzt  —  so  erscheint  die  Marquise  de  Brueys'  als  Erast 
und  ihre  Zofe  Marton  als  Diener  Dromon. 

Zunächst  sei  als  Beweis  meiner  Behauptung,  daß  wir 
es  hier  mit  einer  leichten  Bearbeitung  zu  tun  haben,  eine 
zufällig  gewählte  Parallele  aus  beiden  Komödien  angeführt. 
Der  alte  Onkel  Argant  (M.  de  Cornichon),  der  seit  zehn 
Jahren  nicht  in  Paris  gewesen  ist  (Boh.:  «dziesiec  lat 
iakesmy  go  w  Paryzu  nie  widzieli»  =  Brue^^s:  «il  y  a  dix 
ans  que  nou?  n'avons  pas  vu  ce  bonhomme  ä  Paris»), 
erscheint  plötzlich  im  Hause  des  reichen  Provinzialen  Erast 
(resp.  der  Marquise),  um  seinen  Neffen  zu  besuchen.  Der 
Diener,  auf  den  er  zuerst  stößt,  will  sich  zunächst  nicht 
zu  erkennen  geben,  da  er  die  Strafe  des  alten  Herrn 
fürchtet,  läßt  aber  schließlich  die  Maske  fallen,  als  er  hört, 
daß  seine  Tante  gestorben  sei  und  ihn  zu  ihrem  Erben 
eingesetzt  habe  (Boh.;  <'ciotka,  o  ktörey  Waszmosc  Pan 
mowisz,  byla  praczka  w  Newers;  imi^  iey  bylo  Nicole>  = 
Brueys:  «la  tante  dont  vous  me  parlez,  etait  une  blan- 
chisseuse  de  Nevers,  qu'on  appelloit  la  grande  Nicole»). 
Er  erzählt  dann,  daß  sein  Herr  Graf  geworden  sei  und 
sich  mit  einer  reichen  Dame  verheiraten  wolle: 
D  e  B  r  u  e  y  s  1,  2 :  j   B  o  h  o  m  o  1  e  c  I,  1 : 

LA  BRANCHE:  .   .  .   Les    gens   ■   MARTINIER:  ...  Teinz  y  naya- 
des    plus    petits,     soi-disans  bozszy  szlachcic    w    Paryzu 

Geiitilshommes^  sont  aujour-   |  iesttakg-alonowanyiakprzed- 

d'liui  plus  dores  que  les  Ducs   |  tym  sanii  Xi^zeta 


&  Pairs  du  tenips  passe  ....  Jeslesmy  teraz  w  domu  nieia- 

■^^ous  sornmes  ici  dans  l'ap-  kiegos    pana    Erasta,    ktöry 

parteinent    d'une  -Marquise,  tu  dla  wielkiey  sprawy  przyie- 

qui    est    ;i    Paris    pour    un  '           chai.     Je.^l  to   czJek   prosty, 

grand     pioces.      G'est     une  i           niebywaly,  ale  okrutnie  bo- 

veuve,unebon!ieProvinciale,  i           gaty.     Ma   f:örk^  z   wieikitn 

un  peu  fülle,   changeante  &  '           pooagiein,obiecaria  Jegomos- 

glorieuse.     Elle   a   ime   fille  '           ci  -panu  Dorantov/i,  zacnemu 


Sonstiprc  Oiipllenverhaltnisse  hei  Bohomolec. 


299 


fort  belle  et"  tres-riche,  qu'on 
appelle  Mariane:  on  parle 
de  la  iiiarier  av<:;c  un  Gen- 
'ilhomme  noiiime  Dorante. 
11s  s'aiment  fort;  mais  nion 
Maltre  songe  ä  la  croquer 
jjour  lui   ä   cause   de  sa   ri- 

oliesse 

Depuis  quelques  mois  il  a 
eiige  de  sa  propre  autorite 
la  Terre  de  Clincan  en  com- 
le.  &  il  est  Monsieur  le  Com- 
te  tout  court.  Pour  moi,  je 
suis  ä  l'auberge  son  Valet 
de  Chambre,  ä  Versailles  son 
Secretaire,     &     ceaiis     son 

Efuyer 

Tenez,  Monsieur,  il  y  a  dans 
ce  pays-ci  une  espece  de 
^ens,  qui  voyant  qu'on  ne 
leur  fait  pis  l'honneur  de 
les  elever  dans  les  Charges 
S:  dans  les  emplois  de  dis- 
tinction,  trouvent  le  moyen 
par  leur  propre  Industrie  de 
^e  faire  valoir  eux-memes  . .  . 
Ils  vont  k  la  Cour,  chez  les 
Prince?,  chez  les  Ministres; 
ils  s'iiiiriguent  dans  les  Bu- 
reaux;  ils  n'y  ont  pas  verita- 
l)lement un  grand  credit ;  mais 
ils  trouvent  des  gens  ä  qui 
ils  persuadent  qu'ils  en  ont 


Kawalerowi.  Ale  ir.oy  pan 
mysli  go  odsadzio  y  tarn  .sIq 
wsrubowac 


Niedawno  on  swoi^  wiosktj 
w  hrabstwo  przerobil  —  sam 
swi^  wlasnii  powag^  —  y 
ztad  nazywa  si«j  iuz  Giafieui. 
Ja  zas  w  domu  iestem  stugf^, 
w  Wersalu  sekretarzem.  a 
tu  iego  koniuszvm 


Oto  tak:  iest  tu  piewny  rod- 
zay  ludzi,  ktörzy  nie  mognc 
siQ  wsrubowac  do  Dworu, 
zeby  tarn  byli  przyi^ci,  sami 
przez  swoi^  promocya  czynia 
siQ  ludzmi   dv/orskiemi  .... 


Bywai^  u  Dworu,  Panom 
nadskakuiti,  wdaia  si^  w 
cudze  sprawy,  choc  niepro- 
szeni;  y  lubo  uie  maiq  tarn 
zachowania  wielkiego,  przed 
drugiemi  iednak  udain,  iakby 
oni    tarn    mogli    naywi^cey 


beaucoup :  

Wir  Laben  in  diesem  Falle  eine  fast  wortgetreue  Über- 
setzung der  französischen  Vorlage,  und  ebenso  verfährt 
Bohomolec  auch  im  weiteren  Verlaufe  der  Komödie.  Wenn 
wir  aber  dennoch  nur  von  einer  Umarbeitung,  nicht  einer 
Übersetzung  reden  dürfen,  so  beruht  das  darauf,  daß  eine 
ganze  Reihe  von  Szenen  dank  der  konsequenten  Elirainie- 
rung  einiger  Frauenrollen  aus  der  Komödie  ausgeschieden 
sind.  Zunächst  fehlen  die  Szenen,  in  denen  bei  de  Brueys  die 
kleine  Spionin  Ninon  auftritt  (I,  5 — 6,  8 — 9,  II,  10 — 11), 


300  -  Kapitel  IV. 

dann  alle  die,  wo  Mariaue  selbst  auf  die  Bühne  kommt 
(11,  8,  IV,  9,  V,  4),  —  wobei  die  Szene  11,  9,  wo  Dorante 
Mariane  von  der  bevorstehenden  Ankunft  seines  Vaters 
erzählt,  durch  eine  andere  ersetzt  ist  (11,  7),  in  der  Dorant 
dasselbe  Dromon  mitteilt,  —  und  vor  alle'h  Dingen  alle 
jene  Szenen,  in  denen  das  von  ^larton  herbeigeführte 
Mißverständnis  zwischen  Mariane  und  Dorante  in  die  Er- 
scheinung tritt  (III,  8 — 16).  Außerdem  fehlen  noch  die 
Szenen  11, 2,  III,  7,  und  IV,  7,  Szenen,  in  denen  Marton  auf- 
tritt, und  werden  die  beiden  ersten  Szenen  der  Brueysschen 
Komödie  zu  einer  einzigen  zusammengezogen.  Bohomolec' 
Komödie  ist  somit  um  23  Szenen  ärmer  als  de  Brueys 
Komödie,  wobei  besonders  der  dritte  Akt  (mit  9  fehlenden 
Szenen)  stark  zu  leiden  hat.  Statt  der  11  Szenen  des 
ersten  Aktes,  der  13  des  zweiten,  der  16  des  dritten, 
der  9  des  vierten  und  der  10  des  letzten,  fünften  (=  59 
Szenen)  erhalten  wir  eine  kurze  Komödie  mit  je  6  Szenen 
im  ersten  und  dritten,  8  Szenen  im  zweiten,  7  im  vierten 
und  9  im  fünften  Akte  (=  36  Szenen). 

Ganz  ohne  Mißhelligkeiten  gelang  Bohomolec  diese 
Operation  freilich  nicht.  De  Brueys  setzt  nämlich  voraus, 
daß  Mariane  schon  vor  ihrer  Verlobung  mit  Dorante  gegen 
ihren  Willen  mit  einem  anderen  verlobt  gewesen  ist, 
einem  gewissen  Cleonte,  und  daß  ihre  Tante  endlich  diese 
Verlobung  aufgehoben  hat.  Weiter  wird  die  Marton 
von  dem  Grafen  bestochen,  zu  seinem  Vorteil  auf  die  alte 
Marquise  einzuwirken.  Sie  verspricht  es  und  will  die 
nächste  Gelegenheit  l)enutzen,  um  zwischen  den  beiden 
Liebenden  Streit  zu  säen  (de  Brueys  II,  13  =  Boh.  II,  8). 
Das  tut  sie  auch  in  der  Weise,  daß  sie  den  nichtadres- 
sierten  Absagebrief  Marianes,  der  Cleonte  übergeben  werden 
soll,  Dorante  gibt,  als  wäre  er  an  ihn  gerichtet,  wo- 
durch der  Bruch  zwischen  den  beiden  Liebenden  herbei- 
geführt wird.  Dieser  Bruch  fehlt  ganz  bei  Bohomolec, 
ebenso  das  Motiv  vom  Briefe;  nichtsdestoweniger 
aber  läßt  Bohomolec  die  von  de  Brueys  nur  zu  diesem 
Zwecke  vorbereiteten  Prämissen,   nämlich  die  Bestechung 


Sonstige  Quellenverhältiiisse  bei  Bohoniolec.  301 

des  Dieners,  die  Existenz  eines  ganz  überflüssigen  früheren 
Freiers  und  den  Beschluß  des  Dieners  Dromon,  die  Lieben- 
den zu  entzweien,  weiterbestehen,  ohne  sie  irgendwie  zu 
verwerten.  Auch  das  wieder  ein  Zeichen,  welche  Schwierig- 
keiten die  Bearbeitung  fremder  Originale  Bohümolec  bot, 
und  wie  unvorsichtig  und  nachlässig  er  dabei  verfuhr. 

Wir  haben  nur  noch  die  Quelle  einer  einzigen  und 
letzten  Komödie  zu  bestimmen,  die  des  «Dziwak».  Lei- 
der ist  es  mir  nicht  gelungen,  eine  ganz  zufriedenstellende 
Lösung  dieser  Frage  zu  finden.  Daß  die  Komödie  selb- 
ständig sein  könnte,  scheint  mir  ziemlich  unwahrschein- 
lich, denn  die  Handlung  verrät  deutlich  ihren  fremden 
Ursprung,  vor  allen  Dingen  schimmert  die  Liebesintrige 
stark  durch  die  von  jeder  weiblichen  Rolle  befreite  Hand- 
lung hindurch.  Äußerst  zweifelhaft  ist  Strusinskis  V^ermu- 
tung/^*^  daß  Bohomolec  sich  hier  von  Molieres  «Tartufife» 
habe  beinflussen  lassen,  und  auch  er  selbst  meint,  daß  das 
eine  «analogja  na  pierwszy  rzut  oka  nieco  dziwna»  sei. 
Wenn  Kielski  ^^  eine  Verwandtschaft  mit  Marivaux'  Ko- 
mödie «Le  Legs»  andeuten  zu  können  glaubt,  so  ist  es 
nicht  einzusehen,  wie  eine  solche  Annahme  erhärtet  wer- 
den könnte.     Die  Quelle  ist  bisher  nicht  gefunden. 

Wir  können  aber  dennoch  einen  Versuch  machen. 
Zuüächst  fällt  es  uns  in  die  Augen,  daß  die  eigentliche 
Handlung  sich  genau  genommen  wiederholt.  Um  seinen 
Herrn,  den  jungen  Robert,  den  der  Onkel  Anzelm  zu- 
gunsten eines  anderen  Neffen,  den  er  nie  gesehen  hat, 
enterben  will,  in  seinen  Bestrebungen  zu  unterstützen, 
verkleidet  sich  Figlacki  im  dritten  Akte  als  dieser  un- 
bekannte Neffe  («przestroiony  y  siestrzenca  udaiqcy>)  und 
ruft  durch  sein  Betragen  Anzelms  Erstaunen,  Zorn  und 
Schreck  hervor.  Vor  allen  Dingen  verlangt  er,  daß  der 
Onkel  ihm  sofort  einen  Teil  seines  Erbes  ausliefern  solle,  _ 
da  er  einen  eben  gekauften  Hund   damit  bezahlen  wolle. 


90  Strusinski,   a.   a.    0.,   S.  256. 

91  K  i  e  1  s  k  i ,   a.  a.    0.,   S.  142. 


30-2  Kapitel  IV. 

Dann  läßt  er  ihn  verstehen,  daß  er  seine  Mutter  hilflos 
habe  sterben  lassen.  Schließlich  fordert  er,  daß  Anzelna 
innerhalb  dreier  Tage  sterben  solle,  damit  er  desto  schneller 
in  den  Besitz  seines  Erbes  gelangen  könne,  und  verspricht, 
ihm  beim  Sterben  behilflich  zu  sein.  Er  macht  sogar 
den  Versuch,-  ihn  gleich  ins  Jenseits  zu  befördern,  wird 
aber  von  Robert,  der  bloß  auf  diesen  Augenblick  lauert, 
davongejagt.  Man  sollte  glauben,  daß  das  den  alten  Anzeim 
genügend  von  dem  guten  Charakter  des  treuen  Neffen 
überzeugen  müßte,  daß  Anzeim  ihn  sofort  ohne  Wider- 
rede als  seinen  Universalerben  anerkennen  würde.  Aber 
unsere  Erwartung  wird  getäuscht.  Im  vierten  Akte 
wiederholt  sich  dasselbe  Motiv,  bloß  in  der  Form 
etwas  verändert.  Anzeim  hat  nämlich  beschlossen,  Fig- 
lacki  zu  seinem  Erben  zu  machen.  Dieser  gebärdet  sich 
nun  in  der  zweiten  Szene  des  vierten  Aktes  genau  wie 
im  dritten  Akte: 

AKZELM,    WILHELM    (ein   Nachbar)    y  FIGLACKI. 
ANZ:  Cöz  tarn,  kochany  Figlasiu? 

FIG:    Chcialbym,  Mosci  Dobrodzieiu,  mysl  moi^  iedn^  wyiawic, 
tylko  si^  obawiam,  zebym  nie  umartwil  cokolwiek  serca 
laskawego  Waszmosc  Pana. 
ANZ    (do    "Wilhelma) :   Widzisz,    iak    mnie    kocha?     (Pötym   do 

Figlackiego) :  Möw,  kochany  Figlasiu,  nie  böy  sIq  .  .  . 
FIG :    ^Mosci    Dobrodzieiu,   naypierwsze   starania   moie,   po   ode- 
braney  z  laski  Jego  tych  döbr  dzierzawie,  byc  powinno  o 
dobre  gospodarstwo  y  porz^'dek  domowy. 
ANZ    (do    Wilhelma):    Widzisz,    iak    m^drze    poczyna?       (Do 
Figlackiego) :   Prawda,  y  ia  tego  porz^dku  iuz  dawno  za- 
dam,  ale  nie  mialem  czleka  do  tego  sposobnego. 
FIG:    A  ze  porza.dek  w  tym  domu  byc  nie  moze,  gdzie  dwoch 

iest   panöw   .  .  . 
ANZ:  Rozumnie  möwil 

FIG:    .  .  .    przetoz    upraszam.    Waszmosc     Pana     Dobrodzieia, 
poniewaz  iuz  mnie  tu  panem  uczyniles,  abys  si§  nie  wa- 
zyl  nie  wdawac  w  rz^dy  domu  moiego! 
WIL:  Rozumnie  möwi! 

ANZ:  Jakto?    To  mnie  zabronisz  w  mym  domu  .  .  . 
FIG:    Juz   z  tego   domu  Waszmosc   Pan  wyzujes   si^,   gdys   go 

mnie   odst^pih 
WIL:  M^drze  poczjTial 


Sonstige  Quellenverhältniise  bei  Bohomolec.  303 

ANZ:  To  piQknic!    A  ia  co  b^dQ  robil? 

FIG:    ZnavclQ  ia  dla  Wasznios«'-  Pana  zahawke  pi^kna.  yuczciwa.. 

ANZ:  Jakci  zabawk^? 

FIG:  Wiem  ia,  zc  Waszmos«-  Vnn  przy  starosci  ni»'  ma.sz  sil 
zdoinych  do  prac  ci^zkich,  przetoz  prosz(?,  abys  Wasz- 
mosc  Pan,  darmo  czasu  nie  trawiac,  rax^zyl  drzec  pierze, 
ktörem  iiiz  kazal  nagotowaö. 

ANZ:  To   ty   ninie   b^^dziesz  TH)boty  naznaczal? 

FIG:  A  iakze?  Dobry  gospodarz  nie  powinien  nikomujK)zwalac 
pröznowania  w  swym  domii. 

ANZ :  Ty    mnie   pierze    drzec   rozkazuiesz  ? 

FIG :  Nie  rozkazuie,  ale  pozwalani  z  tego  dwoyga  iedno  obrac : 
albo  pierze  drzec  albo  z  tego  domu  ustapic. 

WIL:  To   prawdziwe  kochanie! 

ANZ :  Dok^id  ia  mam  nstcipic  ? 

FIG :    Do   klasztoru   zyczylbym,   poniewaz   .  .  . 

ANZ:  Ja  do  klasztoru?    Po  co? 

FIG:    Po    CO?     Zostaniesz   Waszmosc    Pan    zakonnikiem    .  .  .  . 

Przetoz    ze  Avszelka,    pokor^    y  niiloscia 

muszQ   odwiezc   Waszmosc  Pana. 

ANZ :  Doka.d   masz  mie   odwozic  ? 

FIG :    Do   klasztoru. 

ANZ:  Ale  wybiy  sobie  te  cbimer\'  z  glowy.  Juz  möwie  rze- 
telnie,  ze  ia  nie  mysle  byc  zakonnikiem. 

FIG:  Poniewaz  tedy  "Waszmosc  Pan  ani  z  pierzem  cbcesz  sie 
zabawic  ani  zostac  zakonnikiem,  przetoz  na  dowöd  moiey 
wdziecznosci  y  pov\-oInosci  icszcze  dwie  rzeczy  Wasz- 
mosc Panu  zostawuiQ  do  obtania. 

ANZ:  Jakie? 

FIG:    Umrzec  iak  naypiQdzey  albo  sie  ztq,d  wyniesc  zaraz! 

ANZ:  Ale  iak  ia  mam  umierac,  kiedy  .  .  . 

FIG:  Jesli  Waszmosc  Pan  Dobrodziey  czuiesz  iaka  trudnosc  w 
umieraniu  tedy  ia  iako  zyczliwy  sluga  Waszmosc  Pana 
"SV  tym  mu  usluz^  y  wszelkie  trudnosci  uprzjitn?. 

ANZ:  Ale    .  .  . 

FIG:  Ja  siQ  znam  na  takich  ziölkach,  ktöre  bez  trudnosci  w 
momencie  smierc  przynosza. 

ANZ :  Ale  uwazay  .  .  .  Dayze  mi  poköy  I  Juz  mowi^  wyraznie, 
rzetelnie,  ze  ia  nie  chc^  !    Ani  mysl?  umierac  I 

FIG:    Wiec   trzeba  zt^d  wyniesc   siQ   zaraz I   iak  naypredzeyl 

ANZ:  Ale  dok^d.  ia  siQ  wyniose? 

FIG:  Y  to  ieszcze  na  dowöd  moiey  powolnosci  czyniQ  dla 
Waszmosc  Pana,  ze  mu  pozwalam  obrac  sobie  mieszkanie, 
gdzie  zechcesz :  czy  to  w  Europie  czy  w  Szlc^sku  czy 
gdzieindziey.   Swiat  caly  niecb  shizy  .  .  .   (Widzisz  Wasz- 


304  Kapitel  IV. 

mosc  Pan,  iakiey  iesteni  kii  nienui  hoyno^ci?)  .  ,  .  Swiat 
caly  niech  sluzy  Waszmosc  Panu  procz  tcgo  domu.  Co 
w  tym  domu  —  wyraznie  y  rzetelnie  mövn^  —  Wasz- 
mosc  Pan  mioszkac  nie  b^dziesz. 

ANZ:  Otöz   b<^d?!    Obacz?,   co   mi  zrobisz! 

FIG:    Prosz^  o  r^k?. 

ANZ:  Na   co? 

FIG:    ProszQ  —  möwi^  —  o  r^k?. 

ANZ:  Ale  czego  chcesz  ode  mnie? 

FIG:    ProszQ  o  iQkQ  bez  cereraonii ! 

ANZ:  Ale  powiedz  mi,  na  co? 

FIG:    Na  to,   zebym  Waszmosc   Panu  ostalni^  przysluge   uczy- 
nil   y  wyprowadzil   z  tego   domu. 

ANZ:  Ale  iakto  mi^  wyprowadzic  z    mego  domu? 

FIG:    Juz   to  dom  nie  Waszmosc  Pana. 

ANZ:  Ale   möy  od  dziadöw,   pradziadöw   .  .  . 

FIG:  Ach,  my  czas  na  ceremoniach  trawimy,  a  tym  czasem 
w  domu  nieporzcidek.    Mospanie,  albo   r^ka  albo  zyciel 

ANZ:  Cöz  to  znaczy? 

FIG :  To  znaczy,  ze  kiedy  Waszmosc  Pan  nie  pozwalasz,  zebym 
mu  shizyi  w  prowadzeniu,  to  zaraz  tß,  szpadj^  na  wylot .  .  . 

ANZ:  Stöy,  stöyl  Id^  zaraz!  Bodayby  ci§  choroba  .  .  .  Bo- 
dayby  ci^  sto  gor^czek  .  .  .    Bodayby  .  .  . 

FIG:    Dose  tego  Wagoslawieiistwa I    Precz  mi  zaraz! 

ANZ:  IdQ,  id^l    Bodayby  ...    0  nieba!     (Odchodzi.) 

FIG :  Juz  si§  skonczyly  ceremonie.  Tak  trzeba  dziwaköw  uczy6 
rozumu.  Z  niemi  im  lagodniey  czlek  post^puie,  tym  oni 
s^  gorsi! 

Im  letzten  Akte  ist  es  dann  natürlich  wieder  Robert,  der 
als  «Retter  in  der  Not»  erscheint  und  dem  Figlacki  die 
Erburkunden  abgejagt  zu  haben  vorgibt.  Die  Handlung 
scheint  sich  somit  zu  wiederholen :  der  einzige  Unterschied 
zwischen  dem  Konflikt  mit  dem  als  Neffe  verkleideten 
Figlacki  und  dem  Konflikt  mit  Figlacki  selbst  ist  der,  daß 
Figlacki  im  letzteren  Falle  in  den  Besitz  der  Papiere  kommt, 
wodurch  er  faktische  Macht  über  Anzelm  erhält.  Wenn 
dieser  nach  dem  zweiten  Konflikt  Robert  zu  seinem  Uni- 
versalerben w^ählt,  so  hätte  er  es  ebensogut  gleich  nach 
dem  ersten  tun  können,  da  die  äußeren  Umstände, 
die  dafür  sprachen,  Robert  zu  Gnaden  anzunehmen,  schon 
da    genau   dieselben  waren.     Das    ganze   Motiv   mit  Fig- 


Sonstige  Quellenvcrhällnisse  bei  Hohomolec.  305 

lacki,  dem  Diener,  als  Erben  scheint  etwas  lose  an  die 
Handlung  angefügt,  und  wenn  wir  eine  Komödie  finden 
konnten,  die  n  u  r  den  ersten  Zusammenstoß  benutzt,  so 
könnte  der  zweite,  meiner  Meinung  nach,  als  willkürliche 
Verdoppelung  einer  ursprünglich  einfachen  Handlung  ange- 
sehen w^erden,  wobei  der  Zug  der  plötzlichen  Demaskierung 
des  frechen  Dieners  wirklich  durch  einen  leichten  Ein- 
fluß nicht  nur  seitens  des  Moliereschen  «Tartuffe»  erklärt 
werden  könnte.  Nun  fragt  es  sich,  ob  die  doppelte  Hand- 
lung schon  in  der  gesuchten  Vorlage  vorhanden  war, 
oder  ob  Bohomolec  sie  selbst  durchgeführt  hat? 

Ich  neige  zur  letzteren  Annahme.  Und  wenn  wir 
uns  weiter  die  Möglichkeit  vorFtellen,  daß  das  Erbschafts- 
motiv ein  schwacher  Ersatz  für  eine  ursprüngliche  Liebes- 
intrige ist,  so  läßt  ein  kleines  Detail  in  der  polnischen 
Komödie  uns  vermuten,  daß  Figlacki  in  der  eventuellen 
Vorlage  nicht  ein  Valet,  sondern  eher  eine  Soubrette  ge- 
wesen ist.  Wir  vermuten  das  nicht  so  sehr  aus  dem 
Monologe,  den  Anzelm  am  Eingange  des  zv/eiten  Aktes  hält, 
imd  ■  der  eine  gewisse  Verliebtheit  des  alten  «dziwak» 
ahnen  lassen  könnte: 

ANZ:  Zeby  tu  wszystkich  shig  swiata  calego  do  kupy  kto  ze- 
bra^,  upewniam,  ze  poczci^A^szego  nad  mego  Figlasia  nie 
znalazlbym,  nie !  Y  m  {^  d  r  y  ,  bo  siq  zna  na  ziölkach, 
zycie  przedluzaia.cych,  bo  umie  löine  iQzyki  &c.  Y 
w  i  €  rn  y ,  bo  panskiego  dobra  nie  pragnie,  swoim  3iQ 
obchodzi.  Y  niedre  gi  bo  zadney  nie  chcQ  zaplaty. 
Y  zyczliwy,  bo  mnic  kocha  y  z  kochania  mi 
sluzy.  Y  zacny,  bo  ...  slowem  zacny!  Ale  to 
fraszka.  To  s^k,  ze  mi  przypadl  do  mysli,  y  ze  iednego 
wo  wszystkim  ze  nina  lest  zdania.  Inni  siudzy,  gdy  im. 
CO  möwisz,  to  si^  marszcza,  krzywici,  burczt'\,  ßprzeci- 
wiäia..  A  ten  zawsze  wesoly,  to  chwali,  co  ia  chwal^, 
to  gani,  CO  ia  ganiQ,  y  to  cz^ni  z  ochotj^,  co  mi  sIq  po- 
doba.    ]\Iusia}  siQ  on  rodzic  pod  iednq.  ze  mnq.  gAviazd^i, 

sondern  vielmehr,  weil  Anzelm  im  dritten  Akte,  als  er  be- 
schlossen hat,  Figlacki  zu  seinem  Universalerben  zu  machen, 
Robert  auffordert,  sich  in  ein  Kloster  zurückzuziehen. 
Bohomolec   motiviert   diese  Aufforderung   damit,    daß    er 

Steuder-Peterseu,  Die  Schulkomödion.  20 


306  Kapitel  IV. 

Anzelm  befürchten  läßt,  Robert  könnte  Figlacki  irgendwie 
nachstellen  und  sich  an  ihm  rächen.  Es  liegt  nahe  an- 
zunehmen, daß  in  der  Vorlage  der  ursprüngliche  Anzelm 
(oder  wie  er  geheißen  haben  mag)  nicht  seinen  Neffen, 
sondern  seine  Tochter  in  ein  Kloster  hat  schicken  wollen, 
damit  sie  seiner  eventuellen  Verbindung  mit  dem  weib- 
lichen Prototype  des  Figlacki  nicht  im  Wege  stände. 

Teilweise  könnte  vielleicht  eine  Komödie  des  fran- 
zösischen Dichters  Pierre  -  Frangois  -  Godart  de  B  e  a  u  - 
champs  als  Quelle  in  Betracht  kommen,  nämlich  die 
1721  im  Theätre  Italien  aufgeführte  dreiaktige  Prosa- 
komödie «La  Soubrette ».^^^  Hier  hat  der  alte  docteur  eine 
Tochter  Silvia,  die  von  Lelio  geliebt  wird,  die  er  aber  mit 
dem  ihm  gänzlich  unbekannten  Mario  verheiraten  möchte. 
Dieses  sucht  nun  die  «Soubrette»  des  docteur,  namens 
Colombine,  zu  verhindern;  sie  verkleidet  sich,  gibt  sich  für 
den  unbekannten  Mario  aus  und  «affecte  quantite  de  dis- 
cours  capables  de  le  degouter,  &  ajoute  qu'il  ne  prend  sa  fille 
que  pour  le  bien  qu'elle  a,  &  dans  l'esperance  de  se  voir 
bientot  delivre  de  son  pere  &  de  son  beau-pere  futur, 
pour  pouvoir  ensuite  manger  leurs  biens  plus  ä  son  aise  &c». 
Der  docteur  ist  so  über  die  Unverschämtheit  des  angeb- 
lichen Freiers  empört,  daß  Lelio  sich  bloß  zu  zeigen 
braucht,  um  von  ihm  ohne  Widerrede  die  Hand  seiner 
Tochter  zu  erhalten.^ ^  Nun  scheinen  im  französischen  Stücke 


92  Vgl.  Dictiounaire,  Bd.  V,  S.  219;  Desboul- 
miers,  Bd.  VII,  S.  437.  —  Beauchamps'  «Amans  reuiiis»  ist 
später  von  Fr.  Zablocki  übersetzt  worden  («Kochankovvie  ziedno- 
czen'v^,  1779).  Vgl.  Bernaclti,  2;rödla  liiektörj^cb  komedyj  Za- 
blockiego  (Lwöw  1908). 

93  Daß  sich  der  Diener  des  vom  Vater  der  Geliebten  abge- 
wiesenen jungen  Mannes  als  der  vom  Vater  zwar  bevorzugte,  von 
der  Tochter  aber  gehaßte  Rival  verkleidet,  um  in  dieser  Verklei- 
dung sich  dem  zukünftigen  Schwiegervater  verhaßt  zu  machen, 
wodurch  dann  der  eigentliche  Geliebte  die  Möglichkeit  erhält,  die 
Hand  der  Tochter  zu  gewinnen,  ist  natürlich  ein  sehr  gewöhn- 
liches Motiv  in  der  französischen  Komödie  des  18.   Jahrhunderts 


Sonstige  Quellenverhiiltnisse  bei  Bohomolec.  307 

sonst  noch  andere  Motive  vorzuliegen,  die  wir  bei  Bo- 
homolec  nicht  wiederfinden,  und  andererseits  fehlen  in 
jenem  die  Motive  von  Figlacld  als  Erben  Beines  Herrn 
resp.  von  der  Liebe  des  Letzteren  zur  mutmaßlichen 
«Soubrette».  Wie  es  sich  also  eigentlich  mit  der  Quellen- 
frage des  «Dziwak»  verhält,  wird  nicht  ganz  klar,  und 
wir  können  nur  noch  supplementär  darauf  verweisen,  daß 
die  in  der  französischen  Komödie  fehlenden  Motive  von 
der  Umstrickung  des  Alten  durch  die  intrigante  Soubrette 
und  von  der  an  die  Tochter  gerichteten  Forderung  des 
Vaters,  sie  möchte  ins  Kloster  gehen,  um  sein  Verhältnis 
mit  der  Intrigantin  nicht  zu  stören,  —  d.  h.  die  zwei 
Motive,  die  wir  mit  einigem  guten  Willen  und  Phantasie 
aus  dem  «Dziwak»  herauszulesen  vermögen,  —  recht  häufig 
bei  Goldoni  (z.  B.  in  der  «Donna  Vendicativa»)  vorkommen. 
Damit  will  ich  aber  keineswegs  behauptet  haben,  daß  ich 
eine  Verbindung  zwischen  der  Komödie  des  Bohomolec  und 
irgend  einer  Goldonischen  Komödie  postulieren  möchte, 
sondern  nur,  daß  das  Schema  des  «Dziwak»,  wenn  wir  es 
näher  analysieren,  einen  fremden  Ursprung  verrät.  Wel- 
cher Art  dieser  gewesen  ist,  ob  irgend  eine  italienische 
oder  ii'gend  eine  französische  Quelle  Bohomolec  vorgelegen 
haben,  sind  Fragen,  die  ich  offen  lassen  muß. 


und  stammt  wohl  zunächst  aus  Scarrons  bekannter  Komödie  «Jo- 
delet ou  le  Maitre  valet»,  um  da,nn  besonders  von  le  Sage  im 
<'Crispin  rival  de  son  maitre»  verwertet  zu  werden.  Freilich 
kommt  keine  von  diesen  Komödien  als  direkte  Quelle  in  Be- 
tracht. Crispins  Plan  ist  zudem  der,  in  der  Gestalt  des  erwar- 
teten Rivalen  die  Tochter  nicht  für  seinen  Herrn,  sondern  für  sich 
selber  zu  gewinnen.  Figlacki  arbeitet  aber  ausschließlich  für  seinen 
Herrn.  Dieser  Zug,  der  eine  für  ihn  im  Vergleich  mit  den  anderen 
«Figlacki»-Komödien  ganz  ungewöhnliche  Uneigennützigkeit  offen- 
bart, ist  ein  unzweideutiger  Beweis  dafür,  daß  der  «Dziwak»  erstens 
eine  fremde  Quelle  haben  muß,  zweitens,  daß  diese  nicht  le  Sages 
Komödie  ist,  denn  wäre  sie  es,  würde  Bohomolec  Crispins  Schur- 
kerei nicht  beschönigt  haben. 

20* 


308  Kapitel  IV. 

Fassen  wir  hier  nochmals  in  Kürze  zusammen,  was 
wir  bisher  über  Bohomolec'  Verhältnis  zu  fremden  Quellen 
in  Erfahrung  gebracht  haben.  Die  Komödien  seien  hier 
in  derselben  Reihenfolge  angeführt,  in  der  der  Dichter 
sie  veröffentlicht  hat,  zu  jeder  sei  die  gefundene  oder 
mutmaßliche  Quelle  zugleich  angegeben.  Wir  erhalten  so 
folgende  Daten. 

1.  «Figlacki  polityk  teraz'nieyszey  mody»,  Teil  I: 
gewisse  innere  Merkmale  erlauben  uns  die  Annahme,   daß 
die  Komödie  eine  Umformung   irgendeines  Commediadel- 
l'arte-Motivs  ist  (vgl.  S.  228  ff.).  " ' 

2.  «Figlacki  polityk  teraznieyszey  mody»,  Teil  II: 
wir   haben   eine    starke  Umformung   der    «Fourberies   de 
Scapin>  vor  uns,  mit  bedeutender  Reduktion  der  Personeu- 
zahl  (vgl.  S.  132  ff.). 

3.  «NieroztropnoBc  swym  zamyslom  szkodz^ca»: 
diese  Komödie   ist   eine  leichte  Bearbeitung  des  «Ktourdi» 
von  Moliere  mit  Zufügung  einiger  neuen  Szenen  (vgl.  S.  142). 

4.  «ürazaii^cy  sIq  nieslusznie  o  przymöwki»: 

die  Komödie  ist  selbständig  durchgeführt;  Anklänge  an 
Brueys,  Moliere,  Corneille  und  Holberg  können  festgestellt 
werden  (vgl.  S.  292  ff.). 

5.  «Oyciec  nieroztropny» : 

ist  eine  leichte  Bearbeitung  von  Porees  «Pater  amore  vel 
odio  erga  liberos  excaecatus»  (vgl.  S.  71  ff.). 

6.  «Arlekin  na  swiat  urazony»: 

die  Komödie  mufa  als  eine  Kontamination  verschiedener 
Commedia  dell'arte-Motive  unter  Beibehaltung  desCommedia 
deirarte-Stiles  betrachtet  werden  (vgl.  S.  252). 

7.  «Dziedzic  chytry»: 

die  Quelle  ist  Moli^res  «Monsieur  de  Pourceaugnac»,  wobei 
bedeutende  Verändemngen  vorgenommen  worden  sind 
(vgl.  S.  150  ff.). 

8.  «Natr^tnicy»: 

die  Quelle  ist  Moheres  «Les  Fächeux»,  wobei  eine  Reihe 
neuer  Typen  in  das  Schema  eingeschaltet  ist  (rgl. 
S.  loGß'.). 


Sonstige  Quellenverhältnisse  bei  Bohomolec.  300 

9.  «Pan  do  czasu»: 

wir  haben  hier  eine  starke  Umarbeitung  von  Molieres 
cBourgeois-gentilhomme*  (vgl.  S.  JGOfT.),  mit  «italienischem» 

Einflulj  (vgl.  S.  234,  Note). 

10.  «Filozof  panuificy»  : 

das  ist  eine  Übersetzung  von  le  Jays  «Damocles  sive  Philo- 
sophus  regnans»  mit  geringfügigen  Veränderungen  (vgl. 
S.  51-  ff.). 

11.  «Dziwak»: 

wahrscheinlich  eine  Bearbeitung  einer  französischen  oder 
italienischen  Komödie  von  der  Art  der  «Soubrette?)  des 
Beauchamps  (vgl.  S.  301  ff.). 

12.  «Chelpliwiec»: 

die  Quelle  ist  Goldonis  «Bugiardo»  und  Gorneilles  «Men- 
teur»,  mit  starker  Veränderung  der  Situationen  (vgl.  S.  204  f!".). 

13.  «Paryzanin  polski»: 

eine  relativ  selbständige  Nachahmung  von  Holbergs  «Jean 
de  France»;  vielleicht  beeinflußt  durch  die  «ßcole  des 
peres»  du  Cerceaus  (vgl.  S.  273  fr.). 

14.  «Figlacki  kawaler  z  ksi^zvca» : 

als  Quelle  sind  gewisse  Commedia  dell'arte-Motive  anzu- 
nehmen, wobei  ein  Einfluß  seitens  Goldonis  «L'Adula- 
tore»  und  Porees  «Liberi  coacti)  wahrscheinlich  ist  (vgl. 
SV^ifff.). 

15.  «Rada  skuteczna»: 

die  Quelle  ist  Molieres  cLe  Mariage  force»  mit  Einschiebung 
einiger  neuen  Szenen  (vgl.  S.  168  ff.). 

16.  «Statysta  mniemany»: 

die  Quelle  ist  de  Brueys'  «Important  de  Clour»  mit  leichten 
Veränderungen  (vgl.  S.  297f!.). 

17.  «Medrkowie»: 

die  Quelle  ist  Moheres  Komödie  «Les  Femmes  savanles» 
mit  einer  leichten  Umarbeitung  der  Vorlage  (vgl.  S.  163 ff.). 

18.  «Junak»  : 

diese  Komödie  ist  eine  Variation  des  «Chelpliwiec»  und  so- 
mit von  Goldonis  « Bugiardo »  und  Gorneilles  «Menteur»  be- 
einflußt (vgl.  S.  221  ff.). 

19.  «Ubogi  hardy»: 

die  Quelle  ist  Goldonis  «La  Castalda*,  bei  sehr  stark  ab- 
weichender Intrige  (vgl.  S.  194  ff.), 


310  Kapitel  IV. 

20.  «Ubogi  pokorny»  : 

die  Quelle  ist  wahrscheinlich  italienischen  Ursprungs,  doch 
nicht  genau  feststellbar  (vgl.'B."23^f?.). 

21.  «Mysliwy»: 

die  Quelle  ist  Plautus'  «Pseudolus»  in  leichter  Bearbeitung 
(vgl.  S.  HO  ff.). 

22.  «Bliznieta»: 

die  Quelle  ist  Plautus'  «Menaechmi»  mit  Einschiebung 
eines  Motivs  aus  Goldonis  «I  due  gemelli  Veneziani»  (vgl. 
S.  91  ff.). 

23.  «Klopoty  panöw»: 

wir  haben  hier  eine  Übersetzung  von  du  Cerceaus  «Gre- 
goire  ou  le  Faux  duc  de  Bourgogne»  (vgl.  S.  57  ff.). 

24.  «Przyiaciele  stolowi»: 

die  Komödie  muß  als  Kontamination  zweier  Komödien  des 
Plautus  erklärt  werden,  nämlich  der  «Mostellaria»  und 
des  «Trinuramus»  (vgl.  S.  105  ff.). 

25.  «Kawalerowie  modni»: 

diese  Komödie  ist  aus  Molieres  «Les  Precieuses  ridicules» 
entstanden,  wobei  Intrige  und  Milieu  stark  polonisiert 
wurden  (vgl.  JS.  166 ff.). 

Von  den  25  Schulkomödien,  die  Bohomolec  geschrieben 
hat,  sind  somit  8  als  Bearbeitungen  Molierischer  Komödien 
(Nr.  2,  3,  7,  8,  9,  15,  17  und  25),  3  als  Bearbeitungen  jesu- 
itischer V^orlagen  (Nr.  5,  10  und  23),  3  als  Bearbeitungen 
Plaulinischer  Komödien  (Nr.  21,  22  und  24),  3  als  Um- 
arbeitungen Goldonischer  Komödien  (Nr.  12,  18  und  19), 
eine  als  Nachahmung  einer  Holbergschen  Komödie  (Nr.  13), 
eine  als  Bearbeitung  einer  Bruej^sschen  Komödie  (Nr.  16), 
eine  als  relativ  selbständige  Komödie  (Nr.  4),  4  als  wahr- 
scheinlich auf  italienische  Muster  zurückgehende  Komödien 
(Nr.  1,  6,  14  und  20)  und  schließlich  eine  als  Bearbeitung 
einer  unbekannten  französischen  oder  italienischen  Vor- 
lage (Nr.  11)  zu  erklären.  Und  was  die  einzige  selbständige 
Komödie  angeht,  d.h.  den  «Urazaiacy  si^»,  den  Bohomolec 
selbst  ausdrücklich  als  eine  Originalkomödie  bezeichnet, 
eo  haben  wir  auch  hier  konstatieren  können,  daß  sie 
jedenfalls  von  entlehnten  Motiven  wimmelt. 


Sonstige  Quellenverhaltnisse  bei  Bohomolec.  311 

Den  Schluß,  den  ^Yir  somit  nun  zu  ziehen  berechtigt 
sind,  werden  wir  zunächst  so  zu  formulieren  haben,  daß 
Bohomolec  in  der  Invention  der  Handlungen  und  In- 
trigen seiner  Schul komödien  durchaus  unselbständig 
ist.  Ganz  imponierend  ist  aber  doch  der  Umkreis  seines 
Wissens:  die  lateinische,  die  Molierische,  die  jesuitische 
Komödie,  die  Komödie  des  alten  und  modernen  Italiens, 
die  französische  Komödie  des  17.  und  IS.  Jahrhunderts, 
die  Komödie  Holbergs  sind  in  diesem  Umkreis  ver- 
treten. Bohomolec  hat  augenscheinlich  studiert,  und  zwar 
sehr  fleißig  studiert,  um  seine  Schulkomödien  verfassen 
zu  können,  und  hat  mit  MoUeres  berühmtem  Ausspruche 
vor  Augen  skrupellos  sein  Gut  genommen,  wo  er  es  fand. 

Aber  er  hat  es  nicht  wie  Möllere  veredelt.  Im  Gegen- 
teil, was  schon  von  seinem  Verhältnis  zu  den  Komödien 
Molieres  gesagt  worden  ist,  das  gilt  von  seinem  Verhältnis 
zum  ganzen  Kreise  seiner  Stoffe:  er  lieh  bloß,  um 
komische  Stoffe  zu  haben,  die  ihm  für  seine  pädagogischen 
Ziele  nützlich  oder  nutzbar  erschienen  oder  es  bei  ge- 
höriger Umformung  werden  konnten.  Er  wählte  seine 
Stoffe  und  Vorlagen  nicht  nach  dem  Grade  ihrer  künst- 
lerischen Vollkommenheit  oder  künstlerischen  Vervoll- 
kommnungsfähigkeit, um  aus  ihnen  die  höchste  Summe 
an  künstlerischem  Werte  zu  gewinnen,  sondern  nahm  sie 
fast  wahllos,  wie  sie  ihm  in  die  Hände  flössen,  nahm  sie, 
wenn  sie  zu  einer  «Jesuitisierung»  geeignet  erschienen, 
wenn  sie  als  lustiger  Beweis  seiner  moralischen  Thesen 
dienen  konnten,  und  wenn  sie  mit  einem  dick  unter- 
strichenen «quod  erat  demonstrandum»  abgeschlossen  wer- 
den konnten. 

Worin  dieses  «demonstrandum»  in  den  einzelnen 
Fällen  bestand,  das  lehre  uns  eine  besondere  Untersuchung 
im  nächsten  Kapitel. 


312 


Kapitel  V. 

Die  Tendenz  der  Schulkomödien. 

Wenn  Corneille  in  seinem  «Discours  de  l'utilite  et 
des  parties  du  poeme  dramatique»  noch  behauptete,  daß 
«la  poesie  dramatique  a  pour  seul  but  le  plaisir  des  spec- 
tateurs»  ^,  und  wenn  er  in  jenem  Briefe,  den  er  der  «Suite 
du  Menteur»  vorausschickte^,  unterstrich,  daß  die  Komödie 
keine  moraHsche  oder  pädagogische  Aufgabe  hätte: 

«Pour  moi,  j'estime  extremement  ceux  qiii  melent  l'utile 
au  delectable,  et  d'autant  plus  qu'ils  u'y  sont  pa,s  obliges  par 
les  regles  de  la  poesie;  je  suis  bien  aise  de  dire  d'eux  avec 
iiotre  docteur: 

jOmiie  tulit  punctum,   qui  miscuit  utile   dulci'; 
mais  je  denie  qu'ils  faillent  contre  ces  regles,  lorsqu'ils  n  e  1 '  y 
melent   p  a  s   .  ,  .» 

wenn  weiter  Racine  gleichfalls  meinte,  daß  «la  prlncipale 
regle  est  de  plaire  et  de  toucher,  toutes  les  autres  ne  sont 
faites  que  pour  parvenir  ä  cette  premiere»'",  und  wennMoliere 
in  der  «Critique»  behauptete,  daß  «la  grande  regle  de  toutes 
les  regles  est  de  plaire».  so  standen  sie  alle  auf  dem 
Standpunkte,  daß  die  Moral  einer  Komödie  eine  Neben- 
sache sei,  die  sich  von  selbst  ergibt,  sobald  die  Komödie 
ihr  Ziel  erreicht  hat:  nämlich  den  Zuschauer  zur  Ver- 
lachung eines  komischen  Charakters  zu  bewegen.  Anders 
war  die  Anschauung  der  nachmolierischen  Komödien- 
dichter: für  sie  war  die  Moral  schon  eines  der  Ziele. 
die    eich   der  Dichter  zu    setzen    hatte,    und    bezeichnend 

1  Zitiert  von  Rigal,   a,   a.   0.,   S.  313. 

2  (Euvres  de  P.  Corneille.    Nouv.  ed.  par  M.  Cb.  Marty- 
Laveaux,  Tome  IV  (Paris   1862),   S.  281. 

3  Zitiert  von  Rigal,  a.   a.   0.,   S.  313. 


Die  Tendenz  der  Scliulkoraödien.  ol3 

für  den  Gegensatz  zwischen  der  Anschauung  eines  Cor- 
neille und  der  des  18.  Jahrhunderts  ist  die  Theorie  Des- 
touches',  die  er  im  Vorwort  zum  «Glorieux»  mit  An- 
wendung desselben  horazischen   Zitats  so  formuliert: 

<^0n  sait  qiie  j'ai   toujours  devant  Ics  youx  co  grand  prin- 
cipe dicte  par  Horace, 

,Omne  tulit  punctum,  qui  miscuit  utile  diilci', 
i>:   que  je  crois  cpio   l'Art  drainatiqno  n'est  eslimablo,  qu'autant 
qii'il    a  pour    \m\    d'insiruire    oii    divortissant.) 

Destouches  sprach  hier  einen  Satz  aus,  der  in  seinem 
Zeitalter  zu  einem  Axiom  geworden  war.  Zugleich  aber 
wa]'  das  keineswegs  ein  Bekenntnis  zur  Anschauung,  daß 
die  Komödie  vor  allen  Dingen  eine  moralpädagogische 
Aufgabe  hatte.  Es  war  das  nur  eine  Forderung,  daß  die 
Komödie  Bedeutung  haben,  die  Zeit  widerspiegeln 
und  durch  das  Lachen,  daß  sie  auslöste,  mittelbar 
zur  Bekämpfung  sittlicher  und  vor  allen  Dingen  gesell- 
schaftlicher Mängel  beitragen  sollte.  Es  war  das  keine 
Sanktionierung  der  augenfälligen  Tendenz,  sondern 
die  Forderung  nach  einer  höherstrebenden  Wahl  der 
Komödienstoffe. 

Das  Streben  danach,  auf  die  Gesellschaft  veredelnd 
einzuwirken,  war  aber  immerhin  vorhanden,  vvar  ein 
Grundpfeiler  der  Lustspieldichtung  geworden,  und  nichts 
konnte  der  jesuitischen  Komödie  gelegener  kommen.  Denn 
für  sie  war  das  eine  Sanktionierung  der  Moraltendenz, 
für  sie  war  das  die  Rechtfertigung  dafür,  daß  sie  selbst 
bewußt  danach  strebte,  nicht  «miscere  utile  dulci»,  sondern 
umgekehrt:  «miscere  utili  dulce».  Für  sie  war  das  ein 
Sprungbrett  zur  praktisch  befolgten  Überzeugung,  daß  die 
Komik  der  Lehre  zum  Siege  verhelfen,  nicht  der  Ernst 
der  Komik  Bedeutung  verldhen  müsse.  Und  so  wird 
es  uns  nicht  Wunder  nehmen,  wenn  wir  auch  Bohomcdec 
diese  Theorie  verwirklichen  sehen,  vrenn  wir  sehen,  wie 
bei  ihm  alle  Mittel  dem  belehrenden  Ziele  dienen,  und 
wie  das  belehrende  Ziel  alles  beherrscht. 


31  i  Kapitel  V. 

Bohomolec  standen  mehrere  Wege  offen  für  die  Er- 
ziclung  einer  heilsamen  und  ad  majorem  Dei  gloriam 
dienenden  Lehre.  Für  ihn,  den  Nichtkünstler  und  Jesuiten, 
war  das,  was  weltlichen  Komödiendichtern  der  Haupt- 
zweck und  das  Hauptziel  einer  Komödie  war,  nämlich 
die  Charakteristik,  nur  eines  von  jenen  Mitteln. 

Soweit  es  Bohomolec  innerhalb  seiner  •  freiwillig  eng 
gezogenen  Entfaltungsgrenzen  vermochte,  hat  er  eifrig 
danach  gestrebt,  ins  Zentrum  der  (fast  immer  entlehnten) 
Handlung  einen  bestimmten  Charakter  zu  stellen.  Und  zwar 
vor  allen  Dingen  einen  solchen  Charakter,  der  auf  die 
zu  erziehende  Jugend  einen  möglichst  unmittelbaren  Be- 
zug hatte  oder  jedenfalls  haben  sollte.  Nebenbei  erlaubte 
er  es  sich  auch,  Charaktere  vorzuführen,  die  nicht  (oder 
nicht  nur)  auf  die  auftretenden  jungen  Schauspieler,  son- 
dern auch  auf  die  im  Zuschauersaale  versammelte  ältere 
Generation  bezogen  werden  konnten  und  sollten,  aus  der 
Einsicht  heraus,  daß  auch  ihr  eine  kulturell  -  moralisch 
erzieherische  Lehre  zuweilen  nicht  weniger  nützlich  sein 
konnte  als  den  Kindern  und  Jünglingen.  Es  fragt  sich 
somit :  welche  Charaktere  hat  Bohomolec  zu  schaffen  ge- 
sucht, wie  hat  er  es  versucht,  und  was  hat  er  mit  ihnen 
demonstrieren  wollen? 

Folgen  wir  der  von  mir  oben^  gegebenen  Einteilung 
der  Schulkomödien  in  «juvenis»-  bezw.  «mlodzian»-Kom()- 
dien  einerseits  und  «pater»-  bezw.  «starzec» -Komödien 
andererseits,  so  haben  wir  in  der  erstgenannten  Klasse 
das  vom  pädagogischen  Standpunkte  interessanteste  Ma- 
terial für  unsere  Untersuchung.  Was  schon  le  Jay  mit 
seinem  «Damocles»  und  du  Cerceau  mit  seinem  «Gre- 
goire»  bewußt  erstrebten,  nämlich  den  Gegensatz  zwischen 
Sein  und  Schein  zu  illustrieren,  das  hat  auch  Boho- 
molec als  Ziel  betrachtet,  d.  h.  er  hat  auch  gesucht,  zu 
demonstrieren,  wie  verwerflich  es  ist,  wenn  Jünglinge, 
wie  es   so   oft   bei   ihrem   Mangel  an  Lebenserfahrung  zu 


*  Vgl.  oben  S.  78  ff. 


Die  Tendenz  der  Schulkomödieth  31.') 

gej^chehoii  ptlo^'t,  den  Icnvn  Schein  auf  Kohlen  des  weniger 
lockenden,  aber  wahren  Seins  wählon.  Er  njaclile  aber 
die.se  Lehre  augenfiilliger,  als  es  vor  ihm  du  Cerceau  und 
le  Jay  getan  hatten,  indem  er  es  nicht  dem  Zufall  über- 
ließ, die  Helden  in  scheinbar  glänzende  Lagen  zu  ver- 
setzen, sondern  den  Helden  selbst  als  Urheber  hinstellte. 
Er  machte  den  philosophischen  Satz  vom  traumhuften 
Charnkter  unseres  Lebens  zu  einem  praktischen  Satz  von 
der  Hohlheit  der  Lüge.  Er  wollte  jugendliche  Lügner- 
typen Schiffbruch  leiden  lassen  und  dementsprechend 
jugendliche  Charaktere  zeichnen.  Die  Lüge  konnte  dann 
die  verschiedensten  Formen  bei  ihm  erhalten;  sie  konnte 
einfach  als  Verheimlichung  der  Wahrheit  auftreten  wie 
im  «Ubogi  pokorny»,  wo  Bohomolec  der  Versuch,  einen 
leichtsinnigen,  aber  nicht  unedlen  Jüngling  zu  zeichnen, 
nicht  geglückt  ist;  sie  konnte  zu  unberechtigten  und  un- 
wahren Prahlereien  werden,  die  über  kurz  oder  lang  ihr 
Sul\jekt  zu  Falle  bringen  wie  im  «Chelpliwiec»,  wie  im 
Junak» ;  sie  konnte  in  grenzenloser  Eitelkeit  bestehen, 
die  den  Jüngling  dazu  verleitet,  etwas  anderes  sein  zu 
wollen,  als  er  tatsächlich  ist,  wie  im  «Pan  do  czasu»; 
ßie  konnte  endlich  in  regelrechten  Größenwahn  ausarten, 
Vvie  wir  es  im    «Ubogi  hardy»   sehen. 

Nun  will  ich  freilich  nicht  behaupten,  daß  Bohomolec 
die  bewußte  theoretische  Anschauung  hatte,  daß  Hand- 
lung und  Charakter  nicht  in  unmittelbarem  Abhängigkeits- 
verhältnis zueinander  zu  stehen  brauchen.  Dagegen  gilt 
■es  mir  als  zweifellos,  daß  er  die  künstlerische  Notwendig- 
keit eines  solchen  Verhältnisses  nicht  einsah  oder  jeden- 
falls übersah.  Statt  dessen  fügte  er  willkürlich  seine 
Gestalten  in  eine  anderweitig  entlehnte  Handlung  ein 
oder  modelte  sie  willkürlich  nach  Gutdünken  um.  Die 
ursprüngliche  Handlung  dagegen  wurde  nur  notdürftig 
an  den  neuen  Charakter  angepaßt.  So  sind  Bohomolec* 
Gestalten  nur  Figuren,  die  verhältnismäßig  lose  in 
den  Kontext  der  Komödie  eingefügt  er- 
scheinen. 


ül<i  Kapitel  V. 

Was  nun  die  PrahlerU^pen  angeht,  so  bestand  die 
Charakteristik  ^yesewtlicb  darin,  daß  das  Objekt  ihrer 
Prahlereien  umständlich  herausgestrichen  wurde;  das  Sub- 
jekt aber  wurde  vernachlässigt. 

Sehr  illustrativ  in  dieser  Beziehung  ist  gleich  die 
Gestalt  des  Helden  aus  dem  «Fan  do  czasu».  Ich  habe 
schon  oben^  die  Veränderung,  die  der  Charakter  des 
Monsieur  Jourdain  im  Hernar  erlitten  hat,  näher  dargelegt. 
Der  psycl^.ologißche  Kernpunkt  der  Gestalt  ist  nicht  mehr 
die  Natur  des  geistigen  Emporkömmlings,  sondern  die 
Jugendsünde  der  Eitelkeit.  Nur  zufällig  ist  der  Held 
Kutscher,  nur  zufällig  gewinnt  er  das  große  Los,  nur 
zufällig  gerät  er  in  das  Garn  zweier  Betrüger:  diese  Ele- 
mente, die  zur  allseitigen  psychologischen  Bestimmung 
des  Helden  hätten  dienen  können,  interessieren  Bohomolec 
bezeichnend  genug  nicht.  Statt  dessen  wird  kurzerhand 
vorausgesetzt,  daß  Hernar  «strasznie  ucieszny  y  chel- 
pliwyr  sei,  und  das  äußere  Benehmen  Jourdains,  seine 
Lehrer  usw.,  das  Diplommotiv,  alles  das,  was  Bohomolec 
in  der  Handlung  Molieres  vorfand,  damit  in  lose  Ver- 
bindung gebracht.  Sein  ganzes  Interesse  r.chtet  Boho- 
molec aber  auf  den  Gegenstand  der  Prahlereien,  der 
<chelpliwo.sc>^ 

Worin  konnte  nun  aber  dieser  Gegenstand  der  lächer- 
lichen Prahlsucht  bestehen?  Das  erotische  Gebiet  war 
a  priori  ausgeschaltet,  und  am  nächsten  lag  somit  wohl 
das  Gebiet  der  kriegerischen  Prahlereien.  Um  solche 
Prahlereien  im  Munde  des  Kutschers  einigermaßen  wahr- 
gcheinlich  zu  maclien,  verwandelte  Bohomolec  das  Mo- 
lierische  Motiv  vom  «mamamouchl>  zur  Fabel  vom  hohen 
Ursprünge  Hernars,  und  machte  den  Parvenü  seiner  Vor- 
lage zu  einem  gewöhnlichen  «miles  gloriosus»,  der 
zwar  nicht  mit  wirklichen  oder  (in  der  Vergangenheit) 
erfundenen  Heldentaten  großtun,  wohl  aber  über  seine 
künftige    Herrlichkeit    und    Tapferkeit    prahlen    konnte: 


Vgl.  oben  S.  160  f. 


Die  Teudenz  der  Schulkoniödlen.  317 

«Uszykowawszy  woysko  wyid^  9  a  ili  na  i>lac  y  \vyzv\  q  iia 
oiedynck  krola  Perskiego.  On.  do  szpady,  ia  do  szpady  .  .  . 
•  n  do  mnie.  ia  do  nieg»>.  On  zechce  mnie  pchna/-  Ijerccni,  a 
I  mu  odbiwszy  szpady,  pchng  go  quartom.  ün  odbiio  mego 
aarta  (bo  trzeba  o  tym  wiodzie<^,  ze  on  lepski  do  szpady)... 
Ml  —  möwi^  —  mi  odbiie  cfiiarfa,  a  ia  go  tiercem  chop  w  «ame 
Tce!  On  hrym  o  ziemitj!  A  ia  go  za  \c\i:  ,Tus  nii,  bulUiia!' 
'otyni  iak  krzykuQ  na  ^voysko:  ,Day  ognial'  Moio  woysko 
irararararamramra !  A  harmaty  pupupupnpu!  A  w  Persarli 
uz  niema  y  duszy.  Ja  daley  do  nich,  oni  w  nogi,  ia  za  niemi, 
:ioie  woysko  po  nich,  oni  w  nogi,  alc  widzric,  ze  wyiäc  nie 
nogq,  broü  mi  swoi^  o<:ldadza,  a  ia  kazQ  ich  wszyslkich  iak 
aranow  powi^izac  y  wlozywszy  na  bryk^,  przywiozQ  i^-^'  ^  'o 
'jwi   Hollenderskiemu.» 

Saiiiochwai  im  «Chelpliwiec»  und  in  noch  höherem  Grade 
Robert  im  «Junak»  zeichnen  sich  auch  durcli  dic-ren 
militärischen  Zug  aus,  bloß  mit  dem  Unterschiede,  daß 
sie  sich  nicht  wie  Hernar  auszuführender,  sondern  schon 
angeblich  ausgeführter  Heldentaten  rühmen.  Zugleich 
sind  ihre  Prahlereien  inhaltlich  modifiziert.  Saniochwal 
behauptet  fi'eilich  auch,  wie  Hernar,  daß  er  ungewöhnlich 
tapfer  sei,  wobei  er  sich  ungefähr  derselben  Ausdrücke 
bedient  wie  jener: 

SAM:  Ale  czy  wiesz,  com  ia  teraz  zrobil?  IdQ  ia  sobie  y 
zbyv^'szy  moich  gosci  powracam,  —  alic  spotykani  czte- 
rech  nieznaiomych  kawaieröw.  Oni  sobie  idq,  y  ia  idp. 
Oni  patrza  na  mnie,  y  ia  patrzQ  na  nich.  Potym  möwin 
do  siebte:  ,Co  to  za  ieden?'  Ja  tez  mowi^  do  siebie:  ,Co 
to  za  cztery?'  Oni  do  szabel,  ia  do  szpady.  Tyiko 
cosmy  si?  zen\-ali,  iak  pchn^  szpadci,  tak  ie<Inym  pchni?- 
ciera  dwöch  na  wylot  przebilem  y  trzeciego  ieszcze 
koncem  szpady  w  r^kQ  trafilem.  Czwarty  widzqc,  ze 
zle  z  Ichmosciami,  w  nogi.  A  ia  z  tryumfem  szpadQ  do 
pochew  schowalem.  Ach,  zebys  widzial,  iak  sie  ludzie 
y  damy  z  okien  patrzaia.cy  dziwowalil  A  ia  sobie  ka- 
pelusz  na  bakier  wlozywszy  tu  powrocilem.     (II,  4.) 

Den  Hauptton  aber  legt  Bohoraolec  doch  nicht  auf  die  mili- 
tärischen Bravaden  seines  Helden,  sondern  auf  seine 
pohtisch-diplomatischen,  «internationalen»  Prahlereien,  was 
wahrscheinlich  durch  den  Einfluß  erklärt  werden  muß, 
den  de  Brueys'  «Llraportant»   auf  die  Charakteristik  des 


318  Kapitel  V.- 

Samochwal  ausp^eübt  bat.  So  sagt  dieser,  daß  er  sehr  wichtige 
Verbindungen  mit  dem  Wiener  Hofe  unterhalte,  der  ibn 
<<zaprasza  do  siebie  y  daie  pod  körnend^  20  tysiecy  woy- 
ska  swoiego  na  teraznieyszq.  woynQ»,  daß  ihn  dieses  An- 
gebot nicht  besonders  locke,  da  er  zweimal  soviel  Ein- 
künfte von  seinen  Gütern  erhalte,  als  Wien  ihm  vor- 
Bchlagen  könne,  er  selber  liebe  aber  ein  großes  Haus  zu 
führen  («bo  lubi^  zyö  uczciwie»).  Seine  Lebensführung, 
die  fürstlich  ist,  wird  auch  zu  einem  Gegenstande  seiner 
Schwindeleien:  er  lobt  seine  Küche,  seine  zahlreichen 
<ikucharze>)  und  «kuchmistrze»  und  gibt  eine  üppige 
Schilderung  j^eines  ungewöhnlichen  Tischgerätes.  Seine 
Bravurszftue  ist  die  vierte  Szene  des  vierten  Aktes,  ^vo 
er  erzählt,  wie  der  Wiener  Hof,  durch  seine  lange  Ab- 
wesenheit beunruhigt,  den  einen  Kurier  nach  dem  anderen 
schicke,  wie  er  die  500  Meilen  von  Warschau  nach  Wien 
in  nur  drei  Tagen  zurückzulegen  pflege,  bedient  er  sich 
doch  der  «cugi  cesarskie»  (freilich  seien  die  deutschen 
Meilen  etwas  kürzer  als  die  polnischen),  wie  der  Weg  von 
W^arschau  über  Danzig  nach  Minorca,  wo  er  ja  die  Schlacht 
gewonnen  "habe,  nur  200  Meilen  lang,  von  Paris  nach 
Minorca  aber  (freilich  «morzem»,  denn  «It^dem»  sei  e& 
weiter)  gar  nur  12  Meilen  lang  sei,  wie  er  einen  Kanal 
von  Paris  bis  zur  Küste  habe  graben  lassen,  wie  die 
Pariser  Kaufleute  zum  Danke  dafür  ihm  im  Hafen  ein 
Monument  haben  errichten  lassen,  das  ihn  selber  mit 
Minorca  und  Paris  in  jeder  Hand  darstelle  und  mit  den 
Inschriften  «FORTITUDINE»  und  «CONSILIO»  versehen 
Bei,  wie  schließlich  Paris  am  Flusse  Versailles  liege,  und 
wie  das  königliche  Schloß  seinen  Namen  eben  nach  diesem, 
Flusse  erhalten  habe.  Als  er  aber  merkt,  daß  er  etwas 
zu  eingehend  ausgeforscht  wird,  verabschiedet  er  eich  mit 
den  Worten: 

Ale  przyznam  si^  \Vaszmos6  Paiiom,  ze  müszQ  teraz  is<! 
tu  niedaleko  w  pilnym  interesie  Dwoni  Francuzkiego.  Obaczymi 
si^  wkxötce.    Klaniam  WaszmoSc  Panom. 

Diesen    Charakter    finden   wir    in    einer    Komödie,    derei 


Die  Tendenz  der  Schulkomödien.  310 

Skelett  Bohomolec,  wie  wir  sahen,  bei  Goldoni  entlehnt 
hatte.  Was  Goldonis  Komödie  an  dramatischer  Hand- 
lung besaß,  das  war  bei  Bohomolec  verloren  gegangen, 
so  daß  der  Charakter,  den  er  seinen  Schülern  vorführen 
wollte,  natürlich  nicht  durch  Handlung  zur  Entfaltung 
gelangen  konnte.  Bohomolec  versuchte  es,  ihn  durch 
«Selbstbekenntnisse»,  d.  h.  durch  eine  jede  Gelegenheit 
wahrnehmende  Anhäufung  von  Lügen  und  Erfindungen, 
sei  es  in  Selbstgesprächen  oder  in  Dialogen,  anschaulich 
zu  machen,  ein  Zug,  der  den  Grundfehler  der  Bohomolec- 
schen  Technik  bedeutet,  der  aber  andrerseits  unvermeid- 
lich war  bei  der  mehrfach  betonten  Eigenart  unseres 
Paters,  mehr  oder  weniger  selbständig  erfaßte  Charak- 
tere in  eine  unselbständig  durchgeführte  Komüdienhand- 
lung  einzuflicken. 

Roberts  Prahlereien  sind  ausschließlich  kriegerische 
ßravaden,  wenngleich  sein  ganzer  Charakter  wie  auch 
die  ganze  Komödie  «Junak»  nur  Variationen  des  «Chel- 
pliwiec»  und  des  Samochwai  sind.  Seine  Lügen  drehen 
sich  hauptsächlich  um  seine  angebliche  Unbezwingbarkeit 
im  Duell  (<experymentowanie»,  w4e  der  damalige  Aus- 
druck lautet).  Bohomolec  sucht  seinen  Helden  auf  die  Weise 
zu  charakterisieren,  daß  er  ihn  einerseits  wie  Samochwai 
Heldentaten  erfinden  läßt,  andererseits  —  und  vor  allen 
Dingen  —  in  Zwiegespräche  mit  seinem  Diener  Frontin 
verwickelt.  Diese  Zwiegespräche  sind  nichts  anderes  als 
schulmäßige  Disputationen  über  die  problematische  Be- 
rechtigung des  Duells,  und  wir  können  mit  Recht  ver- 
muten, daß  Bohomolec  den  «Chelpliwiec»  nur  deswegen 
in  seinem  «Junak»  hat  variieren  wollen,  um  einen  ge- 
wissen Standpunkt  zu  verfechten,  der  dort  nicht  scharf 
genug  zur  Geltung  gekommen  war. 

Im  «Ubogi  hardy»  treffen  wir  wieder  einen  Prahler, 
dessen  Selbstgefühl  schon  die  Stufe  des  Größenwahns  er- 
reicht hat.  Auch  er  —  übrigens  ein  Charakter,  der  aus 
einem  Goldonischen  Grafen  und  Hungerleider  entstanden 
ist  —  wird  von  Bohomolec  vermittels  unfreiwilliger  Selbst- 


3-20  Kapilfl  V. 

Charakteristik  g(.^zeichnet.  Seine  Bravurszene  findet  sicli 
im  zweiten  Akte,  wo  er  um  die  Hand  der  Tochter  des 
alten  Anzehn  anhält  nnd  sich  dabei  selber  in  dritter 
Person   schildert : 

RUD:  Ten  kawalcr  lest  jeden  z  naypierwszych  y  —  mozna 
prawic  —  iost  picrwszy  mi^dzy  naypierwszymi  tegoPanstwa 
kawalerami.  Ten  kavvaler  na  przesziey  woynie  tyle  do,- 
kazywat  swoic\  dzielnosci^i,  ze  swiat,  zadziwiony  iego 
in^stwem,  stawi  go  na  przyklad  wiekoin  potomnym.  Juz 
kilku  liistorykuv,'  poci  si^  nad  opisaniem  dziel  heroicznych 
tego  kawalera.  Ten  ka waler  pröcz  döbr  dziedzicznych 
swoich,  l)ardzo  obszemych,  niezrnieme  z  sobj^  przywiözl 
do  donm  z  woyny  dobyczy.  Temu  kawalerowi  dai^ 
teraz  generalnri  kommend^  nad  v/oyskiem,  zapraszai^c 
go  usilnie  do  obozu  swego.  On  nie  iest  od  tego,  alo 
boi^c  si?,  zeby  w  niebytnosci  iego  kommissarze  döbr 
mu  nie  zruynowali,  chce  wzi^sc  matzonk^,  ktöreyby  swe 
dobra  iKDruczyl,  a  sam  iechal  na  woyn?.  Vv'iele  dam 
godnych  nabiia  si?  y  ofianii^  sIq  temu  kawalerowi.  ale 
on,  opusciwszy  zacnieysze  y  bogatsze,  woli  miec  cörk^ 
Waszmosc  Pana,  poniewaz  ma  do  niey  serce  lepsze 
niz    do    innych. 

Er  setzt  dann  in  der  Ich-Form  fort: 

RUD:  .  .  .  Wi(jc  bior(^  cörkQ  "Waszmosc  Pana,  to  tylko  wy- 
mawiam,  zeby  nikt  o  tym  nie  wiedziat,  ze  to  iest  corka 
"VVaszmosc  Pana,  ktora  poymuie.  Zaczym  y  Waszmosc 
Pan  siQ  z  tym  nie  wydaway.  Ja  udam  przed  ludzmi,  ze 
to  iest  graffowna,  cudzoziemska  dama.  Inaczey  nie 
uszedlbym  censury.  Cöz  albowiem  Öwiat  powiedzialby, 
gdyby  si?  dowiedzial,  zem  si^  znizyl  tak  bardzo  az  do 
cörki  Waszmosc  Pana?  Zaczym  trzeba  miiczec  o  iey 
urodzeniu.  Egdzie  to  z  lionorem  iey  samey,  gdy  i^  h^ds^ 
miec  za  graffown^. 

Wir  sehen,  die  Elemente,  aus  denen  diese  Selbst- 
charakteristik besteht,  sind  dieselben,  die  wir  schon  aus 
dem  «Chelpliwiec»  (Oberkommando  über  eine  imaginäre 
Armee,  zahlreiche  nichtexistierende  Güter),  dem  «Junak» 
(militärische  Prahlereien),  dem  «Statysta  mniemany»  (Be- 
tonung des  nichtadligen  Standes  der  Braut)  kennen.  Dasj 
Neue  in  dieser  Charakteristik  ist  nur  der  Ton,  in  dem] 
die   eigenen    angeblichen  Verdienste   vorgetragen   werden. 


Die  Tendenz  der  Schulkomödien.  3-Jl 

Alle  Prahler  werden  schließlich  entlarvt  und  ent- 
weder in  den  Augen  der  Zuschauer  reltung^loa  liicherlich 
gemacht  oder  zur  Einkehr  und  zur  Buße  gezwungen. 
Darin  bestand  dann  auch  die  nachdrücklich  unterstrichene 
Lehre.  Wie  Arlekin  erkennt,  daß  man  dem  schönen 
Scheine  nicht  nachjagen  dürfe,  wenn  er  nicht  durch  eine 
Realität  berechtigt  ist,  wie  Damocles  seinen  Fehler  ein- 
sieht, wie  Grzegorz,  der  Bauernkönig,  froh  ist,  wieder  der 
frühere  Bauer  geworden  zu  sein,  so  bekennt  auch  Hernar: 

Ghipstwo  to  moie  czyniJo:  chcialeiii  byc  panem  y  w 
biedQ  ■w'padtem.  Pöki  bylem  ubogi,  p6ty  y  szczQsli\v\Tn.  X 
od  tego  czasu,  iako  mi  si$  zechciato  zyc  pK)  paiisku,  ustawicz- 
nio  mialem  klopoty,  frasunki  y  utrapienia  .  .  .  Czyü  Wasz- 
mosc  Pan  Dobrodziey,  co  si^  podoba,  bylebym  ia  raögl  do 
dawnego    stanu   y  sluzby   dawiiieyszey   powrücic. 

So  wird  auch  Samochwal  schließlich  zur  Reue  gezwungen, 
ßo  muß  auch  Robert  einsehen,  daß  «slusznie  ten  traci 
slaw^,  kto  iey  nieslusznym  szuka  sposobem»,  so  muß  auch 
Rudolf  endlich  sich  gefallen  lassen,  die  ungeschminkte 
Wahrheit  zu  hören. 

Eine  andere  Kategorie  in  der  Galerie  der  Bohomolec- 
schen  «mlodzian» -Typen  bilden  die  jugendlichen  Hitz- 
köpfe, die  sich  von  ihren  Leidenschaften,  Liebhabereien 
oder  verkehrten  Ideen  zu  Dummheiten  verleiten  lassen. 
Solche  Typen  sind  der  Kartenspieler  Jan  aus  dem  «Fig- 
Licki  polityk  teraznieyszey  mody»  II,  eine  Gestalt,  die 
freilich  ganz  unausgeführt  geblieben  ist,  der  Musikfreund 
Leliusz  aus  der  «Nieroztropnosc  swym  zamyslom  szko- 
dz^ca»,  der  leichtgekränkte  und  immer  mißtrauische  Dumm- 
kopf Giupski  aus  dem  «Urazaiacy  si^  nieslusznie  o  przy- 
möwki»,  der  unglückliche  Jagdfanatiker  Robert  aus  dem 
«Mysliwy»,  der  von  falschen  Freundschaftsideen  erfüllte 
Verseh Wender  Robert  aus  den  «Przyiaciele  stolowi».  Mit 
Ausnahme  des  Glupski,  der  der  Held  der  einzigen  ver- 
hältnismäßig selbständigen  Komödie  des  Bohomolec  ist,  gilt 
von  ihnen  allen,  was  ich  sclion  von  der  zuerst  besprochenen 
Kategorie   junger  Helden   gesagt    habe:    sie   sind   nach- 

Siender-Peterseo,  Die  Schulkomödien.  21 


352  Kapitel  V. 

triigl  i  c  h  in  einen  fremden  Zusammenbang  gesetzt  worden, 

sind  ganz  unabhängig   von    der  Handlung   charakterisiert. 

Zugleich    sind    sie    nichts    anderes    als    Personifikationen 

gewisser  Jugendsün<len  oder  Jugendfehler. 

Glupski  wird  sofort  am  Eingange  der  Komödie  von 

seinem  Diener -folgendermaßen  porträtiert: 

CHL :  Rlöy  pan  wielki  iest  klötnik :  z  kazdego  slöwka  wnosi 
sobie  przymöwki.  Chocbys  Waszmosc  Pan  o  potopie 
swiata  gadal,  to  on  powie,  ze  ta  mowa  do  niego  si$ 
scic\ga  y  iemu  przymawia. 

Die  ganze  Charakteristik  dieses  etwas  unwahrscheinlichen 
Charakters  besteht  nun  einfach  darin,  daß  immer  wieder 
Exempel  für  dieses  Mißtrauen  vorgebracht  werden.  Aus 
so  unschuldigen  Ausdrücken  wie  « üpadam  do  stöp  Wasz- 
mosc Pana»  oder  «Z  dziecinnych  lat  z  nim  sIq  razem 
chowalem»  weiß  er  gewisse  unvorteilhafte  Andeutungen 
herauszuhören.  Kaum  hat  Frantocki  ihn  begrüßt  und 
dabei  zufällig  auf  ein  Spalier  gesehen,  so  kombiniert 
Glupski  sofort  eine  Beleidigung  daraus: 

GLU:  Spoyrzales  na  mnie  y  na  szpalery,  pFzypominaic-vc  mi, 
ze  wczoray  w  tym  mieyscu  wzi^^lem  w  g^bQ.  ,Upadam 
do  nög'  znaczy,  ze  wziawszy  w  pysk,  upadlem  pod  nogi 
mego  nieprzyiaciela  ... 

Kaum  zitiert  Frantocki  Horaz'  Worte  aus  der  «Ars  poe- 

tica:^   (Vers  161 -168)^: 

Inrberbus   juvenis  tandem   custode   remoto 

gaudet    eqvis    canibusqve    (et   aprici    gramine    campi), 

cereus  in  vitium  flecti,  monitoribus  asper 

so  glaubt  Glupski  auch  schon  gleich,  Horaz  habe  ihn  be- 
leidigen wollen  und  macht  sich  auf  den  Weg,  um  die 
elysischen  Gefilde,  in  denen  er  sich  befinden  soll,  auf- 
zusuchen und  ihn  zu  zwingen,  die  beleidigenden  Worte 
zurückzunehmen. 


6  Bohomolec  zitiert  die  Stelle  ganz  falsch :  «Imberbis  juvenis, 
tandem  custodo  ( !)  remoto,  gaudet  eqvis  canibusqve :  cereus  in 
Vitium  flecti  monitoribus  asper/>.  Ein  Druckfehler  ist  es  kaum, 
da  die  anderen  Ausgaben  ebenso  zitieren.  Kaum  annehmbar  ist 
es  auch,  daß  das  falsche  Zitat  komisch  wirken  soll. 


Die  Tendenz  der  Schulkomödien.  323 

Konnte  Bohomolec  hier,  d.  h.  im  cUrazai^'^cy  si^», 
einer  selbständigen  Komödie,  schalten  und  walten,  wie  es 
ihm  beliebte,  hatte  er  hier  die  Möglichkeit,  einen  Charakter 
so  ausgiebig  darzustellen,  wie  er  es  vermochte,  so  war  die 
Sachlage  eine  wesentlich  andere,  wenn  es  galt,  neue 
Charaktere  in  einen  entlehnten  Kontext  hineinzustellen. 
So  wollte  er  in  der  «Nieroztropnosc»  (cL'Etourdi»)  die 
übertriebene  Musikleidenschaft  verspotten,  bemerkte  aber 
nicht,  daß  sein  musikbegeisterter  Jüngling  Leliusz  zum 
Schluß  doch  ans  Ziel  seiner  Wünsche  gelangt  und  auf 
diese  Weise  gewissermaßen  recht  behält.  Der  «etourdi» 
der  Moliereschen  Komödie  ist  zwar  auch  bei  Bohomolec 
ein  solcher  («nieroztropny»),  ist  aber  zugleich  akzidenziell 
ein  «mlodzian  zbytecznie  w  muzyce  kochai^cy  si^>.  Dem- 
entsprechend wird  die  Liebe,  die  den  französischen  Lelie 
an  die  schöne  Sklavin  fesselt: 

L£L:  Pour   moi   dans   ses   discours   comme   dans  son   visage 
je   vois   pour   sa   naissanco   un   noble   temoignage, 

in  ein  Gefühl  verwandelt,  das  den  musikbegeisterten  Jüng- 
ling an  den  mit  einer  schönen  Stimme  begabten  Sklaven 
binden  kann: 

L£L:  Mnie  siq  zda,  ze  glosu  wdziQCznieyszego  na  swiecie  nie 
znaydzie  siq  calym.  Y  sam  chtopczynä  miluchny  tak  mi 
serce    do    siebie    przyciqgnql,    ze    go   oderwac   nie    mogQ. 

(I,   1.) 
Um  Leliusz'  Musikleidenschaft  besser  zu  veranschaulichen, 
legt  Bohomolec  Figlacki  folgende  Worte  in  den  ^lund: 
FIG:    Wiesz    Waszmosc    Pan,   ze   on    (oyciec   Waszmosc    Pana) 
tey   zbyteczney   Waszmosc  Pana   do   muzyki   ochoty   nie 
lubi.      U   Waszmosc   Pana   nie    wi^cey   niema    w    glowid 
iako    spiewanie,    tance,    menwety,    marsze, 
arye,  symfonie,  a  rzeczy  mlodemu  kawalerowi  po 
trzebnieysze  —  ani  w  mysli !     (I,  !•) 

Aus  demselben  Grunde  erzählt  Leliusz  dem  in  Nachdenken 
versunkenen  Figlacki  (1,4)  bald  von  einigen  «symfoniyki», 
die  er  erhalten  habe,  bald  von  jenen  «sliczne  dwa  tanczyki», 
die  man  ihn  lehren  wolle,  bald  von  einer  «aryika  wioska», 
bald  davon,    daß    «iuz   mi  zrobiono  podstawek  do  owych 

21* 


3i>i  Kapitel  V. 

zöltych  skrzypcöw»:  «Jaka  teraz  wdziQcznosö  glosu,  zebys 
wiedzial!»  An  einer  Stelle  sendet  er  Figlacki  zu  seinem 
«metr»,  um  zu  erfahren,  «czy  przepisal  mi  moie  aryiki». 
Auf  derartige  vereinzelte  Striche  beschränkt  sich  die  ganze 
Charakteristik  des  Musikliebhabers,  so  daß  wir  schließlich 
durchaus  keine  abgerundete  Gestalt  erhalten. 

Etwas  besser  ist  Bohomolec  die  Gestalt  des  jungen 
Jagdtanatikers  im  «Mysliwy»  gelungen,  was  am  deutlich- 
sten daraus  erhellt,  daß  gerade  die  in  eine  Kontamination 
Plautinischer  Komödien  willkürlich  eingeschobene  Gestalt 
des  Titelhelden  die  Forscher  bisher  an  der  Feststellung 
der  eigentlichen  Quelle  verhindert  hat.  Bohomolec  begnügt 
sich  hier  nicht  damit,  au  einzelnen  Stellen  einzelne 
charakteristische  Züge  zu  interpolieren,  sondern  erlaubt 
sich,  neue  Szenen  einzuführen,  die  ausschließlich  dem 
Hauptcharakter  gewidmet  sind.  Solche  Szenen  sind  die 
Szenen  I,  1—3,  II,  5—6,  III,  1,  9.  Robert  wird  hier 
vor  die  Wahl  gestellt,  entweder  auf  den  erstrebten  Jagd- 
hund oder  auf  eine  reiche  Erbschaft  zu  verzichten.  Er 
wählt  natürlich  den  Hund  und  wird  vom  sterbenden  Onkel 
zugunsten  seines  jüngeren  Bruders  übergangen.  Sein 
geistiges  Porträt  wird  gleich  am  Anfang  der  Komödie 
vom  Diener  Tomasz  in  einem  Monologe  folgendermaßen 
entworfen : 

TOM:  Mlodemu  panu  sluzyc  y  zle  y  dobrze.  Dobrze,  bo 
p  r  i  m  o  mtody  bywa  hoynieyszy  niz  stary,  s  o  c  u  n  d  o 
mlody  wiQcey  pozwala  wolnosci  czlekowi  niz  stary  y 
mniey  miewa  szkrupulow.  2le  zas,  bo  cokolwiek  mu  si? 
w  gtowie  zamarzy  czy  zlego  czy  dobrego,  trzeba,  zeby 
"WTiet  bylo.  Powiedziec  mu :  ,Mospanie,  to  byc  nie  moze', 
az  tu  zaraz  y  ,haltay'  y  ,chtystek'  leci  do  uszu  slugi 
wiernego,  a  czasem  y  pi^c  palcöw  ziawi  siQ  na  g^bie. 
Oto  y  teraz  musz<j  takiey  rzeczy  szukac  dla  pana  moiego, 
ktöra  sie  na  calym  swiecie  znaJeäc  nie  moze.  Za- 
nurzony  w  mysliwstwie  a  nie  na  nim  nie 
znai^icy  si<j  sJyszal  od  iakiegos  trzpiota,  iz  straelcy 
taki  sekret  miewai^,  ze  skoro  w  pole  wynidsi,  wnet  sama 
zwierzyna  ich  spotyka.  Tego  sekretu  zebym  si?  dovvie- 
dzial,    zaklql    mi^    na    wszystkie    przyiazni    naszey   obo- 


Die  Tendenz  der  SchulkomOdien.  325 

wiiizki.  Naiit«»  /»'  nie  aniioi.icy  dohrze  strzelac,  czQsto 
z  w  y  k  J  i>  u  d  Iowa  «'•.  Kazal  nii  na  to  sckretu  szuka^, 
zeby  mögt  zawsze,  gdzie  zmiorzy,  trafiaö.  Obioßleni 
wszystkich  lutoyszych  slrzclcow,  lecz  u  zadnego  z  nich 
sekrolu  ani  uprosir  ani  kupic  nio  nioglcni.  Mnic  sK*  zda, 
iz  gdyby  klo  iirnial  sokret  takowy,  nie  chodzi6  w  \)o\o, 
ale   z  brykami  po   zwierzynQ   ie/dziö   powinionby. 

Vergebens  erinnert  Tonaasz  seinen  Herrn  daran,  welchen 
Schaden  ihm  seine  unvernünftige  Jagdh^idenbchaft  schon 
ßo  oft  zugefügt  habe,  wie  er  noch  unlängst,  vom  Vater 
«po  przywiley  na  starostwo»  geschickt,  vorn  unglücklichen 
Jagdeifer  hingerissen,  die  rechte  Gelegenheit  versäumt 
habe:  cA  tym  czasem  kto  inny  to  starostwo  chwycil». 
Vergebens  versucht  auch  sein  Freund  Dorant,  ihn  an 
w^ichtigere  Geschäfte  zu  mahnen,  vergebens  hält  ihm  auch 
Alkander,  der  Freund  seines  Vaters,  die  Unvernunft  seiner 
Leidenschaft  vor.  Er  denkt  nur  an  den  Hund,  den  Tomasz 
ihm  schaffen  soll,  und  als  er  erfährt,  daß  der  Onke!  ihn 
enterbt  habe,  schenkt  er  dieser  Mitteilung  keinen  Gedanken, 
hat  er  doch  endlich  den  Hund,  der  ihm  bei  der  bevor- 
stehenden Fuchsjagd  unschätzbare  Dienste  leisten  wird. 
Dorant  zieht  aber  in  einer  Schlußreplik  die  Moral  der 
Geschichte,  deretwegen  die  Gestalt  des  Robert  vorgeführt 
worden  ist: 

DOR:  Y  naylepsza   rzecz   bywa  szkodliwa,   gdy   do  niey   mainy 
zbyteczne   przywi.^zanie. 

Die  Methode,  die  Bohomolec  nur  ganz  vorsichtig  in  der 
«Nieroztropnosc»  angewandt  hntte,  erscheint  im  «Mysliwy» 
bewußt  durchgeführt,  aber  ein  direkter  Zusammenhang 
zwischen  der  Handlung  und  dem  Charakter  ist  auch  hier 
nicht  erreicht.  Robert  soll  der  Held  der  Komödie  sein, 
faktisch  ist  es  aber  der  Diener  Tomasz,  dessen  Rolle 
Bohomolec  nicht  zu  reduzieren  vermocht  hat. 

Den  Versuch,  den  gewandten  Diener  möglichst  in  den 
Hintergrund  der  Handlung  zu  schieben,  jedenfalls  seine 
Rolle  wesentlich  zu  verringern,  hat  Bohomolec  in  einer 
anderen,  auf  Plautus  zurückgehenden  Komödie  unter- 
nommen,   den     «Przyiaciele    stolowi».      Auch    in    dieser 


326  Kapitel  V. 

Komödie  wollte  Bohomolec  eine  praktisch-moralische  Lehre 
geben,  und  zu  diesem  Zwecke  einen  Verschwender  zeich- 
nen, der  eigentlich  von  edlen  Motiven  getrieben,  aber  von 
schlechten  Freunden  ins  Verderben  gezogen  wird.  Der  zu 
illustrierende  Satz  war  etwa  der,  daß  man  seine  Freunde 
mit  großer  Vorsicht  wählen  müsse.  Robert  sollte  nun 
gerade  umgekehrt  wegen  seiner  Unvorsichtigkeit  und 
falschen  Auffassung  des  Begriffes  «Freundschaft»  ein  Opfer 
schlechter  Freunde  werden.  Wie  er  die  Freundschaft  ver- 
steht, wird  uns  im  ersten  Akte  aufs  nachdrücklichste 
mitgeteilt: 

AVIL:  Na   coz  on   przecie  tyle   wydaie  pieni^dzy? 

FRO:  jSkarb'   kupuic. 

WIL:  Jaki  skarb,  u  kata? 

?^R0 :  Przyiazh     z    Alkandrem    y    Klearchem.      On    möwi,      ze 

przyiazn  iest  skarb  naywi^kszy. 
\\'1L :  Juzem  to  dawno  postrzegt,  ze  go  ta  przyiazn  z  Alkandrem 
y  Klearchem  gubi.  Ostrzeglem  go,  ale  on  bardziey  ich 
slucha  niz  mnie. 
FRO :  Oni  co  chc^  to  z  nim  robi^i.  Oni  obiady  rozporz^dzai^, 
oni  wina  mu  odbieraici  y  wypiiaia,  oni  gf>  w  kai1y  ogry- 
wai^,  oni  codziennie  od  niego  biorjv  podarunki,  oni  na- 
koniec  z  niego  szydzri  y  zartui;\.     (I,   1.) 

Diese  Charakteristik  wird  dann  von  Robert  selbst  bei  seinem 
ersten  Auftreten  unterstrichen,  als  der  Diener  ihm  Vorstel- 
lungen wegen  seiner  verschwenderischen  Lebensweise  macht: 
PiOB:  Sk^pstwo   przez   ciebie   movvi.    Dia   przyiaciöl   nie  trzeba 
zalowac.    Wiesz,  co  napisano ?    ,Ktoznalazlprzy- 
iaciela,    skarb   znalazH' 

Seine  kritiklose  Freundschaft  hat  ihm  schon  empfindliche 
Schulden  auf  den  Hals  geladen,  und  obgleich  er,  durch 
die  Intrigen  seiner  Freunde  überzeugt,  daß  sein  Vater  schon 
seit  zwei  Monaten  tot  ist,  sein  eigenes  Vermögen  zu  ver- 
prassen glaubt,  wagt  er  es  dennoch  nicht,  den  letzten  Schritt 
zu  tun,  nämlich  sein  Haus  zu  verkaufen,  bevor  er  sichere 
Nachrichten  vom  Tode  seines  Vaters  erhalten  hat.  So, 
gehorcht  er  noch  der  Stimme  seines  Gewissens.  Von  einem 
Mitwissen  um  die  Intrige,  die  Frontin  auf  den  Wunsch! 
der  falschen  Freunde    in    die  Wege  leitet,   um  den  Vater] 


Die  Tendenz  der  Schulkomödien.  327 

vom  Betreten  des  HaiiFea  abzulialten,  ist  von  Huberts  Seite 
keine  Rede.  Zwar  spielt  er  die  Komödie  mit,  aln  er  hört, 
<liiß  sein  Vater  angekommen  sei,  aber  nur,  weil  seine 
Freunde  ihn  dazu  überreden  und  ihm  verKicbern,  daß  sie 
yeine  Schulden  bezahlen  werden.  Er  beprüßt  schließlich 
herzlich  und  ruhig  seinen  Vater,  weil  er  auf  die  Freundschaft 
der  beiden  Zechgenossen  baut,  und  erst  ganz  am  Schluß 
der  Komödie  entdeckt  er  die  Gemeinheit  derselben,  als  sie 
sich  kalt  weigern,  seine  Schulden  zu  bezahlen.  Auch  dieser 
Charakter  schwebt  lose  in  der  lAift,  ohne  organische  Ver- 
bindung mit  dem  Ganzen;  auch  hier  ist  es  Bohomolec 
sehr  wenig  gelungen,  einen  wirklichen  Charakter  vorzu- 
führen, auch  hier  bleibt  der  Diener,  trotz  des  Versuches, 
seine   Rolle  einzuschränken,  der  Hauptheld  der  Komödie. 

Das  Mißverhältnis  zwischen  Handlung  und  Charakter 
ist  gerade  der  bezeichnendste  Zug  an  Bohomolec' 
«mlodzian- »Komödien:  er  halte  einerseits  in  den  Ko- 
mödien, die  er  bei  fremden  Dichtern  vorfand,  ein  rohes 
Material,  andererseits  eine  bestimmte  moralische  Tendenz 
oder  Lehre,  die  nicht  in  jenem  Material  vorlag,  die  erst 
in  jenes  Material  hineingearbeitet  werden  sollte;  als  Mittel 
zum  Zwecke  betrachtete  er  die  Typen  oder  Charaktere, 
durch  deren  Vermittlung  er  das  lehrhafte  Element  in  den 
gegebenen  Stoff  hineindeuten  wollte. 

Bei  weitem  weniger  sorgfältig  ging  Bohomolec  bei  der 
Charakteristik  der  alten  Generation  in  seinen  «starzec»- 
Komödien  vor.  Zunächst  fiel  es  ihm  schwer,  solche  Stoffe 
zu  finden,  aus  denen  sich  eine  praktische  Moral  ziehen 
oder  in  die  sie  sich  hineindeuten  ließ.  Als  Komödien 
dieser  Art  habe  ich  schon  oben  (S.  80 ff.)  vorgeschlagen,  den 
«Dziedzic  chytry»,  die  «NatrQtnicy»,  den  «Dziwak>  und 
die  «Rada  skuteczna»,  zum  Teil  auch  den  «Figlacki  ka- 
^aler  z  ksiezyca>  zu  betrachten:  in  allen  diesen  Komödien 
spielt  ein  unvernünftiger  Onkel  resp.  (in  der  letztgenannten 
Komödie)  ein  Vater  eine  mehr  oder  weniger  zentrale  Rolle, 
Einen  wirklichen  altpolnischen  Typus  negativer  Art,  einen 


328  Kapitel  V. 

«Sarmatcn>,  hat  Bobomolec  zwar  nicht  gezeichnet,  wcilil 
aber  Ansätze  dazu  gemacht.  Mit  Ausnahme  des  Lunacki 
im  «Figlacki  kawaler  z  ksi^zyca»,  der  nur  ein  leicht- 
gläubiger, aber  sonst  gutmütiger  alter  Herr  ist,  dabei  aber 
steif  und  fest  an  ein  Leben  auf  dem  Monde  glaubt,  sind 
alle  die  genannten  «starzec» -Typen  mit  einem  gemeinsamen 
Zug  ausgestattet,  dem  der  Hartnäckigkeit  und  des  Besser- 
wissens, das  keinen  Widerspruch  verträgt.  Sie  gehören 
alle  mehr  oder  weniger  zur  Kategorie  der  «dziwak» -Typen, 
sind  Grillenfänger,  Sonderlinge,  wunderliche  Käuze, 
launische,  mürrische,  dabei  rechthaberische  Herren.  Den 
Oront  im  «Dziedzic  chytry»,  den  Pandolf  in  den  «NatrQ- 
tnicy»  konnte-  er  in  dieser  Gestalt  unverändert  aus  den 
Vorlagen  herübernehmen,  den  beiden  Anzelm  aus  der 
«Rada  skuteczna»  und  aus  dem  «Dziwak»  gab  er  aber 
noch  einige  Züge,  die  auf  sein  eigenes  Konto  geschrieben 
werden  dürfen.  Der  erstere  zeichnet  sich  nämlich  durch 
einen  Aberglauben  aus,  den  freilich  schon  sein  Prototyp 
im  «Mariage  force»  besitzt,  der  aber  durch  zwei  neue 
Szenen  mit  dem  Chiromanten  Pandolf  bzw.  dem  Astro- 
logen Lunacki  unterstrichen  worden  ist.  Anzelm  ist  nichts 
anderes  als  ein  Vorläufer  des  Staruszkiewicz  aus  der 
«Theaterkomödie»  «Malzenstwo  z  kalendarza»,  bloß  mit 
dem  Unterschiede,  daß  der  letztere  an  den  Unsinn  glaubt, 
den  er  aus  seinen  Almanachen  herausliest,  während  Anzelm 
seinen  Aberglauben  durch  Konsultierung  berufsmäßiger 
Sterndeuter  zufriedenstellt.  Sein  Namensvetter  aus  dem 
cDziwak*  ist  gleichfalls  ein  Vorläufer  der  Staruszkiewicz- 
Typen.  Ein  alter,  reicher  «Sarraat»,  der  auf  seinen  Gütern 
lebt,  der  so  dumm  ist,  daß  er  offenbaren  Betrug  nicht 
sieht,  wenn  bloß  der  Betrüger  ihm  nach  dem  Munde  zu 
schwatzen  weiß,  glaubt  er  alles  besser  zu  wissen  als  andere 
Leute  («nie  nie  umie,  ale  o  kazdey  nauce  rad  s^dzi»);  so 
bestreitet  er  z.  B.,  daß  Breslau  in  Kuropa  lif^ge,  liegt  es 
doch  in  Schlesien,  was  ganz  was  anderes  sei;  so  behauptet 
er,  daß  das  Fundament  der  Architektur  die  Geldbeschaffung 
sei,    daß  Figlacki    viel    besser   französisch    und   lateinisch 


Die  Tendenz  der  Schulkoniöüen.  329 

.spreche  al.s  sein  Neffo,  während  jener  tatsächlicli  ein 
litauisch-russisches  Kauderwelsch  («Monsieur,  Iwan  zore 
repu,  ar  nioki  letuwiszkay»)  oder  ein  fürchterliches  fintein 
zum  hesten  giht  (« Virgavit  siqvidem  neqvissimus  petulantus 
templarum»),  und  ist  davon  ül)erzeugt,  daß  Alexander  der 
Große  gegen  Türken  gekämpft  und  sich  in  einer  Glaskiste 
auf  den  Boden  des  Meeres  habe  senken  lassen,  um  später 
mit  Greifen  gen  Himmel  zu  fliegen  (II,  3).  Genau  so 
versteift  eich  später  auch  Staruszkiewicz  auf  seine  speziellen 
Ideen  ül)er  den  Nutzen  resp. Schaden  der  Fremdeninvasion. 
Wenn  Bohomolec  dergleichen  Komödien  auf  sein  Schul- 
theater brachte,  wird  er,  der  Forces  «Pater  excaecatus» 
kannte  und  übersetzte,  sicher  den  Gedanken  gehabt  haben, 
auf  die  alten  Herren  im  Schulsaale  erzieherisch  zu  wirken. 
Zugleich  belehrt  uns  ein  Vergleich  zwischen  den  «mlodzian»- 
Komödien  und  den  hier  besprochenen  darüber,  wie  vor- 
sichtig Bohomolec  vorging,  wenn  die  Tendenz  gegen  die 
ältere  Generation  gerichtet  wurde,  erlaubte  er  sich  doch 
nur  ganz  ausnahmsweise  die  Moral  der  gegebenen  Komödie 
nachdrücklich  herauszustreichen. 

Ein  Typus  für  sich  in  der  Reihe  der  Bohomolecschen 
Gestalten  ist  der  des  Figlacki.  Dieser  Name  kommt 
vor  allen  Dingen  in  den  beiden  Komödien  mit  dem  Titel 
«Figlacki  polityk  teraznieyszey  mody»,  weiter  in  der 
«Nieroztropnosc  swym  zamyslom  6zkodzf|ca»,  im  «Dziwak» 
und  schließlich  im  «Figlacki  kawaler  z  ksifjzyca»  vor. 
Dennoch  dürfen  diese  verschiedenen  Figlacki  keineswegs 
als  ein  einheitlicher  oder  gar  von  Komödie  zu  Komödie 
evolutionierender  Typus  angesehen  werden.  In  der  zweiten 
«Figlacki  polityk > -Komödie  spielt  er  die  Rolle  des 
Moliereschen  Scapin,  in  der  «Nieroztro})nosc>  ist  er  mit 
Mascarille  identisch,  im  «Figlacki  kawaler»  ist  sein  Ur- 
sprung von  dem  italienischen  Arlecchino  (und  vom  Gol- 
doniscben  Don  Sigismondo)  unbezweifelbar,  und  im 
«Dziwak»  vertritt  er  vielleicht  eine  ursprüngliche  «Sou- 
brette». In  der  ersten  «Figlacki  polityk  »-Komödie  dürfen 
wir  gleichfalls  italienischen  Ursprung  für    die   Rolle,    die 


330  Kapitel  V. 

Figlacki  in  der  Handlung  zu  spielen  hat,  vermuten.  Das 
hat  nun  Kieiski  dazAi  verleitet,  zu  behaupten,  daß  die 
Figur  des  Figlacki  eine  selbständig  durchgeführte  Poloni- 
«jerung  des  witzigen  «Valet»  der  französischen  Konciödie 
sei^,  und  Strusiiiski  zu  der  Annahme  verlockt,  daß  die 
f}:anze  Gestalt  eine  originale  Entwicklung  des  italienischen 
Arlecchino  mit  französischer  Stilisierung  sei.^  Schon  oben 
(S.  228)  habe  ich  Gelegenheit  gehabt,  zu  unterstreichen, 
daß  wir  zwar  das  Recht  dazu  haben,  die  Rolle  des  Figlacki, 
die  er  in  den  verschiedenen  Komödien  spielt,  mit  jener 
Rolle  zu  vergleichen,  die  die  italienischen  Arlecchini  und 
französischen  Scapins  und  Mascarilles  in  den  jeweiligen 
Vorlagen  spielen,  nicht  aber  immer  die  geistige  Physio- 
gnomie und  die  Weltanschauung,  die  in  gewissen  Komödien 
mit  der  Gestalt  des  Figlacki  verbunden  ist.  In  der 
«Nieroztropnosc»,  im  «Dziwak»  ist  Figlacki  nur  Diener, 
im  «Figlacki  ka waler»  hauptsächlich  Arlecchino,  auf  diese 
Funktion  beschränkt  sich  sein  Anteil  an  der  Handlung; 
in  den  beiden  «Figlacki  polityk »-Komödien  dagegen  hat 
er  einerseits  eine  Funktion  zu  erfüllen,  die  sich  in  nichts 
wesentlichem  von  jener  unterscheidet,  andererseits  aber  ist 
er  als  Charakter  aufgefaßt  und  propagiert  eine  bestimmte 
Weltanschauung:  weder  sein  Charakter  noch  seine 
W^el tausch auung  stehen  in  organischem  Zusammenhange 
mit  seiner  Funktion  in  der  komischen  Handlung  resp. 
Intrige;  auch  muß  der  Charakter  von  der  Weltanschauung 
scharf  geschieden  werden,  ist  doch  jener  entlehntes  Gut, 
während  diese  ein  rein -polnisches  Element  bedeutet. 

Der  Charakter  des  Figlacki,  wie  er  uns  im  «Figlacki 
polityk»  I  geschildert  wird  oder  sich  selber  schildert,  hat 
nichts  Arlecchinisches  oder  Scapinisches  an  sich,  er  ist  im 
Gegenteil  klassischen  Ursprungs,  er  ist  der  Charakter  des 
Parasiten  aus  der  römischen  Komödie,  genauer  bestimmt 
der  Gnatho  parasitus  aus  Terenz'  « Eunuch us».^  Aus  dessen 

7  Kielski,    a.    a.    0.,    S.  148. 

8  Strusiiiski,    a.   a.    0.,   S.  249. 
3  Vgl  oben  S.  90. 


Die  Tendenz  der  Schulkomödien.  331 

Monologe  II,  2  ist  der  ganze  Charakter  des  Figlacki  ent- 
standen. Das  geistige  Bild  des  letzteren  wird  folgender- 
maßen von  Pomocki  skizziert: 

POM :  ^.adnego  prawie  w  zyciii  s\vi:ito\vvm  stanu  nioina,  ktörcgo 
byni  nio  doswiadczyl,  a  nigdzie  ini  si(^  nio  uJai'^  .  .  , 
Teraz  osobliwszym  moim  szcz^sciem  napadlein  na  czli> 
wieka,  ktory  przede  mnr\  odkryl  ieszcze  ieden  spo- 
s  ö  b  z  y  c  i  a  c  a  1  e  m  i  d  o  t  q  d  ii  i  e  z  n  a  n  y  (1).  Ten 
Jegomo^c  ani  sieie  ani  orze,  awszyslko 
m  u  s  i  ^  r  o  d  z  i .  I)  6  b  r  z  a  d  n  y  c  h  n  i  e  m  a  ,  a 
porzj^dek  ina  dobry  y  worck  nicprözny  (2). 
Kuchni  nio  raa,  a  iada  smaczno,  Wsz^- 
dzio  go  kochair\,  przyimuiji,  chwal^  (3;. 
Nazywa  siebie  politykiem  teraznieyszey  mo- 
d  y  (4).  Obiecal  miQ  niektör>'ch  politycznego  zycia  po- 
winnosci  n  a  u  c  z  y  (i  (5). 

Figlacki  präzisiert  dann  selbst  seine  Grundsätze,  die  ihn 

noch  mehr  als  Parasiten  qualifizieren: 

FIG :  Nayprzüd  z  kazdym  Waszmosc  Pan  posto- 
puy  w  oczy  cudnie,  a  za  oczy  wolno  bQ- 
dzie  y  obJudnie  (6).  Kiedy  kogo  ludzio 
chwala,  cliwal  y  Waszmosc  Pan,  akogo 
gani^,  y  Waszmosc  Pan  gan  (7);  ato  miey 
za  cel  wszystkich  swoich  post^pkow,  zebys  nikomu  nit' 
wicrzyh  Z  kazdym  Waszmosc  Pan  postepuy  mile,  kaz- 
demu  si^  w-  czym  mozesz  przysluguy,  podchlcbiay,  nad- 
skakuy,  a  naybardziey  temu,  u  ktorego  spodziowasz  sie 
swego  pozytku.  Gdy  si^  Waszmosc  Pan  dowiesz  o  do- 
brey  kuchni  y  postrzezesz,  ze  sie  z  niey  mocno  kurzy, 
idz  z  iakc-^  nowinkc-t  ciekawa  do  gospodarza  tego  domu; 
tylko  tak  trafiay,  zebys  tarn  przed  samym  obiadem  za- 
wital,   a  nie  odchodz,   az  obiad   wydadzq.     (f,  2.) 

Und  nun  vergleichen  wir  damit  den  Monolog  des  Gnatho^^: 
GNA:  Di  inmortales,  homini  homo  quid  praestat?  stulto  intelle- 
gen s 
quid  interest?  hoc  adeo  ex  haere  venit  in  menlem  mihi: 
conveni   hodie  adveniens    qpjendam   mei    loci    hinc  atque 
ordinis/ 


io  Ich  zitiere  nach  der  Oxford-Ausgabe  (Scriptorum  classi- 
i:x>i'um  bibliolheca  Oxoniensis) :  P.  Terenti  Afri  Comoediae. 
Rec.    ...   Robertus  Yel verton   Tyrell.     Oxmi   (MCilll). 


332 


Kapitel  V. 


hominom    hniul    in]mniin,   itidcni    patria    q\ii    abligun-icrat 

bona : 
Video    sentum    squaüdum   aegrum,    paiinis    annisque    ob- 

situm. 
,t[uid  istuc'  inquam  ,orriatist '?'  /{uoiiiaai  miscr  quod  habui 

perdidi,   em 
quo  redactus  sum.    omnes  noti  me  atque  amici  deserunt.* 
hie   ego  illum   contempsi   prae   me:   .quid  homo'   inquam 

jignavissume? 
itan  parasti  te  iit  spes  nulla  relicaa  in  te  sit  tibi? 
simul  consilium  cum  re  amisti?  viden  me  ex  eodem  or- 

tum    loco  ? 
qui  color,  nitor,  vestitus,  quae  habitudost  corporis ! 
o  m  11  i  a    h  a  })  e  o   n  e  q  u  e    q  u  i  c  q  u  a  in    h  a  b  e  o ;   n  i  1 

quem   est,  n  i  1   d  e  f  i  t  tarnen'   (2). 
,at  ego  infelix  neque  ridiculus  esse  neque  piagas  päti 
possum.'    ,quid?  tu  bis  rebus  credis  fieri?  tota  erras  via, 
olim    isti    fuit    generi    quondam    quaestus    apud   saeclum 

prius : 
li  o  c    n  o  V  o  m  s  t    a  u  c  u  p  i  u  m ;     ego    a  d  e  o     h  a  n  c 

priinus   inveni  viam   (1). 
est    genus    bominura    qui    esse    primos    se 

o  m  n  i  u  m   r  e  r  u  m  v  o  1  u  n  t 
nee    sunt:    bos    consector;    hisce    ego    non 

paro    me   ut   rideant, 
sed    eis    ultro    adrideo    et    eorum    ingeiiia 

ad  m  i  ro  r    simul    (6). 
quid  quid    dicunt    laudo;    id    rursum    si   ne- 

gant,   laudo  id   quoque; 
negat    quis:    nego;    ait:    aio;    postremo    im- 

peravi    egomet    mibi 
omnia  adsentari   (7).    is   quaestus  nunc   est  multo 

uberrimus.' 


dum    haec    locjuimur,  interea   loci   ad   macellum    ubi   ad- 

venlamus, 
concurrunt    laeti   mi   obviam    cuppedinarii   omnes, 
eetarii,   lanii,   coqui,   fartores,  piscatores, 
(■(uibus  et  re  salva  et  perdita  profueram  et  prosum  saepe: 
salutant,  ad  cenam  vocant,  adventum  gra- 

tulantur  (3). 
ille  ubi  miser  famelicus  videt  mi   esse  tantum  bonorcin, 
tarn    facile   victum    quaerere:   ibi    homo   coepit  me  obse- 

crare. 


Die  Tendenz  der  Schulkomudien.  333 

ut    sibi    liccret    discere    id    de    me:   soctari 

i  u  s  s  i   (5), 
si  potis  est,  taniquam  philosopliorum  habcnt  disciplmae 

ex  ipsis 
vocabula,  ut  p  a  r  a  s  i  t  i  item  Gnathonici  vocen- 

tur  (4). 

Die  Ziffern,  die  ich  in  den  polnischen  und  lateinischen 
Text  gesetzt  habe,  veranschaulichen  aufs  deutlichste,  wie 
fast  alle  Elemente,  aus  denrn  Gnathos  Monolog  besteht, 
bei  Bohomol»'C  wiederkehren.  Wir  könnten  sogar  Pomockis 
Schülerverhältnis  zu  Figlacki  aus  jenem  Monologe  erklären, 
ist  doch  jener  <homo  mei  loci  atque  ordinis»,  den  Gnatho 
trifft,  und  dem  er  die  Prinzipien  der  neumodischen 
Parasitenkunst  beibringt,  ebenso  ein  Schüler  Gnathos  wie 
Pomocki  derjenige  Figlackis,  ebenso  im  Leben  gescheitert 
wie  Pomocki.  Wenn  Figlacki  somit  ein  polonisierter 
Arlecchino  bzw.  Scapin  oder  Mascarille  ist,  so  ist  Pomocki 
in  noch  höherem  Grade,  seinem  Charakter  nach,  ein 
polonisierter  Gnatho  und  Parasit. 

Xun  war  aber  für  Bohomolec  in  den  beiden  *  Fig- 
lacki polityk» -Komödien  weder  der  Charakter  des  Figlacki 
noch  seine  Funktion  in  der  Komödie  die  Hauptsache: 
Figlacki  und  die  Intrige  sollten  nur  die  äußere  Form 
geben,  dazu  geeignet,  einen  bestimmten  gedanklichen 
Inhalt  aufzunehmen.  Dieser  gedankliche  Inhalt  war  eben 
♦  polityka  teraz'niejszey  mody»,  ihre  Ausformung 
und  Bekämpfung,  wobei  Bohomolec  sich  wenig  darum 
kümmerte,  ob  auch  die  Philosophie,  die  er  Figlacki  in 
den  Mund  legt,  mit  der  Rolle  übereinstimmt,  die  er  in 
den  -Komödien  zu  spielen  hatte,  ob  sie  darin  zum  ad- 
äquaten Ausdruck  gelangt,  was  Figlacki  sich  -s^^rnimmt, 
d.  h.  ob  eine  künstlerische  Einheitlichkeit  erzielt  wird 
oder  nicht. 

Damit  gelangen  wir  zu  einem  neuen  Charakteristikon 
der  Bohomolecschen  Schulkömödie,  das  derselben  am  schärf- 
sten den  Stempel  der  «Jesuitenkomödie»  aufdrückt.  Dieses 
Charakteristikon   besteht    in  der  <disputatio>,    die   Boho- 


334  Kapitel  V. 

ruolcc  immer  wieder  als  polemisches  Mittel,  als  didak- 
tische Tendenz-  und  Propagandaform  anwendet,  «Kein 
Stück,  welches  nicht  auch  direkt  Predigten  und  'dispu- 
tationes'  oder  'altercationes'  enthielte»,  so  urteilt  der 
Kenner  der  älteren  Jesuitenkomödie  Jakob  Zeidler,^^  und 
Joseph  Ehret ^*  nennt  sie  einfach  einen  «Kanzeldienst» 
und  meint,  daß  sie  «sich  ....  in  sehr  vielen  Fällen 
in  nichts  vom  Katechismusunterricht  und  der  Predigt 
unterschied».  Diesen  alten  Zug  hat  auch  Bohomolec  in 
seiner  modernisierten  Komödie  beibehalten,  indem  er  ge- 
wisse, ihm,  dem  Mann  der  Kirche,  besonders  am  Herzen 
liegende  aktuelle  Probleme  von  zwei  Widersachern  mit 
denkbar  erschöpfendster  Argumentation  pro  und  contra 
in  einem  Dialoge  oder  einer  «disputatio»  allseitig  und 
gründlich  abhandeln  ließ.  Solche  Disputationen  nehmen 
bei  ihm  gewöhnlich  die  Form  von  Frage  und  Antwort 
an,  konnten  sich  aber  zuweilen  auch  als  polemische 
Bekämpfung  und  Verteidigung  gegensätzlicher  Standpunkte 
gestalten.  Es  versteht  sich  von  selbst,  daß  dabei  der 
kirchliche  Standpunkt  immer  den  endgültigen  Sieg  da- 
vonträgt.^^ 

Im  «Figlacki  polityk»  ist  das  Objekt  der  verschie- 
denen «disputationes»  natürlich  die  sogenannte  «polityka 
teraznieyszey  mody».     In    der  ersten   «Figlacki  polityk »- 

11  Jakob  Zeidler,  Studien  und  Beiträge  .  .  .,  S.  24, 

12  Joseph  Ehret,  Das  Jesuitenthealer  zu  Freiburg  .  .  . 
(Freiburg  i.  B.   1921),  S.  49,  36. 

12  Eine  Sammlung  solcher  «disputationes»  können  wir  in 
jenen  «Zabawki  Oratorskie»  wiederfinden,  die  Bohomolec  im  Jahre 
1755  herausgegeben  hat.  Es  sind  das  nichts  anderes  als  Rede- 
übungen seiner  Schüler  über  bestimmte  aufgegebene  Themata,  unter 
anderen  auch  Themata,  die  von  iBohomolec  gleichzeitig  und  später 
dramatisch  behandelt  wurden.  Wir  finden  hier  z.B.  eine  Rede  «Zay 
przeciw  cudzoziemcom  \v  kraiu»  (vgl.  «Malzehstwo  z  kalendarza» 
und  «Staruszkiewicz»,  wo  dasselbe  Thema  abgehandelt  wird),  eine 
Rede  «0  rozkrzewianie  nauk»,  eine  andere  «Za  y  przeciw  zydom», 
eine  vierte  «0-  honorach»;  in  einer  späteren  Ausgabe  (1759)  finden 
"wir  eine  von  Ign.  Choloniewski  gehaltene  Rede  «Przeciw  poiedyn- 
kom»  (vgl.  den  «Junak»)  usw. 


Die  Tendenz  der  Schulkomc'^dien.  33» 

KomüJie  linden  wir  die  große  Disputationsszene  im  vier- 
ten Auftritte  des  dritten  Aktn.-j,  wo  Pomocki  den  Figlacki 
nm  nälieni  Bestimmung  des  Begriffes  «polityka  terazniey 
szey  mody»   bittet. 

FIG :  .  .  .  taz  sama  polityka,  ktora  inio  dotad  lioncsto 
utrzyinuie   y  dalsze  nioio   obroty   ki'TOwac   bQdzif. 

POM:  Dobrze,  ze§  mi  WaszmoSt  Pan  namic.nil  o  polityce. 
Chcialljym  teraz  icy  repul  {Kisluchac,  a  ii.iybanlzicy  o 
lyni,  iak  to  sobie  ziednac  u  ludzi  i)0\vag(;  y  dobrc  IiüIq? 

FIG :  To  iest  rzecz  naytrudnieysza  na  swiecic,  iednakze  y  togo 
dokazuie    polityka    teraznieyszey    mody. 

POM :  Cbcioyze,  Dobrodzieiu,  ix'z  zazdrosci  innie  tego  nauczyö» 
OdshizQ,  upewmiam,  za  lask^. 

FIG :  Jabym  to  ch^tnie  dla  Waszmosc  Pana  uczynij,  alc  Wasz- 
niosc    Pan    b^dziesz   szkriipulizouaj. 

POM :  Fe,    bynaymniey  I    Nie   taki   ia  czlek  iestem ! 

FIG :  Shicbayze  Waszmosc  Pan :  nayprzöd,  cbciic  u  ludzi  miec 
jx)\vagQ,  nie  trzeba  siQ  z  jx)dlemi  pospolitowac,  bo  kto 
z  kirn  przestaic,  takim  si^  sam  staie.  Rozumiesz  to  Wasz- 
mosc Pan? 

POM:  Ilozumiem. 

FIG :  Dlatego  do  kosciola  bardzo  rzadko  trzeba 
chodzic.  Zostawmy  pospolst  wu  nabo- 
zenstwo,  a  naszego  stanu  ludziom  tym 
siQ  bawic  nie  przystoi. 

POM:  A  mszy  swi^tey  przynaymniey  \ve  dni  swic^te  niewolno 
shichac  ? 

FIG :  Jesli  Waszmosc  Pan  b^dziesz  mial  kiedy  kompaniji  röwn^ 
sobie,    mozesz   przyisc   na   mszQ   dla   zwyczaiu. 

POM:  To   pi^kna   iest   regula! 

FIG :  Na  kazaniu  zas  ucboway  Boze  bywac!  Wid- 
kie  ztf^d  wyplywaia  na  czleka  uczciwego  censury  od  ludzi 
naszego  stanu.  Pospolicie  }x)wiem  takiego,  co  na  ket- 
zaniach  bywa,  nazywai^  naboznisiem,  lizio- 
brazkiem,    prozniakiem. 

POM:  Prawda. 

FIG:  A  dla  tego  co  Waszmosc  Pan  na  kazaniu  ciekawego 
uslyszysz?  Uslyszysz  Waszmosc  Pan  o  smierri.  o  piekle, 
0  rzeczach  bardzo  milych!  Zkad  potym  melancliolia, 
smutek,  troskliwosc  y  boiazh  nieiakas  serce  choc  nay- 
odwaznieysze   ogami. 

POM :  ^Inie  siQ  zda,  ze  o  tym  nayczQsciey  nam  sluchacby  na- 
lezalo,  CO  nas  nieuchronnie  czeka.  Od  sadu  zas,  od 
smierci,  od  piekla  lub  nieba  zaden  siQ  z  nas  nie  uwolni- 


336  Kapitel  V. 

FIG:  Mospaiiie,  iesli  Waszmosc  Paii  z  takiemi  przede  mnij, 
sojitynieiitanü  b^dziesz  sIq  odzywal,  to  ia  y  od  Waszmosc 
Paiia  tak  iako  od  kazaiiia  üciekac  b^d^  musial. 

rOM:  Nie  b?d?,  nie  b^dQ !  Tylkoz  to  kaznodzieiöw  Kosciöl 
J^wi^ty   dla  ludzi   postanowil. 

PIG:  Jakbyni  ia  tego  nie  wiedzial!  Dia  ludzi?  Pozwalam  — 
alo  nie  dla  wszystkichl  Dia  prostoty  to  tylko,  Mosci 
Panie,  dla  prostoty  s^  kazania,  nie  zas  dla  ludzi  naszego 
stanu!  Cöz  bowiem  Waszmosc  Pan  uslyszysz?  Oto  to 
(möwi  tonem  kaznodzieia) :  ,Jesli  zgrzeszysz,  iesli  obhi- 
dnie  zyc  b^dziesz,  iesli  ukrzywdzisz  blizniego,  b^dziesz 
w  pieklel'  Pi^kna  cerenionia!  A  przystoiz  to  uczciwemu 
czlowiekowi    slucbac  ? 

POM:  Zda   si^,   ze  Waszmosc   Pan  niezle  möwisz. 

FIG :  A  to  iak  mozna  znies6  na  kazaniach,  ze  kaznodzieie  z 
nami  tak  post^puiji  iak  podstarostowie  z  cblopami,  krzy- 
cz£\c  na  nas  iak  na  wilköw:  ,Nie  godzi  sIq!  Nie  godzi 
sIq!  B^dziesz  karany!'  A  to  co  za  polityka?  Zk^d  on 
ma  moc  innie  zakazywac  ?  Czy  to  z  parobkiem  swoim. 
ma   sprawQ  ? 

POM:  Wszystko    si?   mnie  podoba,    co   Waszmosc   Pan   möwisz. 

FIG:  Mnie  Waszmosc  Pan  wierz,  mnie  bardziey  niz  kazno- 
dzieioml    Ja  wiem,   iak  z  ludzmi  trzeba  zyc  na  swiecie! 

POM:  Juz  t^  regul^  rozumiem.  Zda  mi  sie  byc  tnidna  do 
^v^'konania.  A  o  spowiedziach  co  Waszmosc  Pan  mö- 
wisz ? 

FIG :  Toz  samo  co  y  o  kazaniach :  dla  utrzymania  pospolstwa 
w  swey  powinnosci  to  postanowienie  spowiedzi,  nie  zas 
dla    ludzi   uczciwych. 

POM:  To    sie   spowiadac   nie    trzeba? 

FIG :  Dla  uaiknienia  censury  swi^toszköw  raz  w  rok  wolno  siQ 
spowiadac.  Ale  si?  nie  trzeba  bardzo  przod  kaplanem  z 
szczeroscia  otwierac :  namienic  rzecz  icdnQ  y  drag^  Izey- 
sz^,  a  {>otym  zakoriczyc  möwi^c :  ,WiQcey  nie  pami^tam.* 

POM:  Y   to  nieszjyetna  regulka!    Wi^cey   co? 

FIG :  Przed  obiadem  y  po  obiedzie  nie  zegnac  si^  ani  si^ 
modlic,  bo  si^  z  tego  naszego  stanu  ludzie  smiei^.  ,Na 
Szatana',  möwi^,  ,na  Szatana  odp^dzenie  zegnanie  si^ 
zachowac !'  '^ 

POM:  Prawda.    A  wi^cey? 

FIG :  Z  duchownemi  tez  ludzmi  pospolitowac 
si^  nie  trzeba,  gdyz  ci  nie  tylko  Waszmosc  Panu 
dobrey  mysli  nie  pomagaia,  ale  tez  szkrupulami  glowQ 
nabiiai^. 


Die  Tendenz  der  Schulkomödien.  337 

VOM  :  A  iarn  to  slyszaJ,  zv  d  a  \v  ii  i  k  a  t  o  I  i  c  y  z  a  w  i  (,'  k  s  z  o 
sobie  szcz^scie  niieli,  kiedy  im  siQ  go* 
dzilo  z  duchownemi  j>rz  o  s  ta  wa(!-.  Xi^zt^ta, 
knMowie,  cesarzowio  pierwszc  im  mioysce  dawali. 

FKi :  Wiem  ia  o  tyin,  alo  teraz  inszy  swiat,  insza  moda,  insze 
ol)yC2:ai(\ 

PUiM:  A  wiara  czy   taz  sanua? 

FIG :    Wszystko  teraz  iruiczey. 

POM:  Jakaz  przccie? 

FIG:  Oto  taka:  —  (tylko  Waszm 's<-  l'aii  nie  szkni]  iilizuy!)  — 
,Z  kalolikanii  bt-idz  katolik,  z  kahviiiami  kahvin,  z  lu- 
trami  luter  y  tarn  daley.' 

PO]\I:  To   y  z   cyganami   cygan   y  z   zydami   zyd? 

FIG:    Fe,   chybaby  tego  pozytek  Waszinosc  Pana  wyciiigal. 

POM:  A  piekloz  za  to  nie  b^dzie? 

FIG:  Oho,  iuz  dawiio  piekia  niemasz!  Nie  te  teraz  czasy, 
Mosci  Panie,  kiedy  siQ  pogrozek  piekia  iQkaiio.  Odwaz- 
nieyszy  6wiat  teraz  niz  przedtym. 

PO!M:  A  dusza  w  teraznicyszych  ludziach  czy  iest? 

FIG:    A  iuzci  podobno  iest. 

POM:  Taz  dusza  czy  umiera  czy  nie  umiera? 

FIG:  Moze  umiera,  moze  y  nie  umiera.  A  do  tego,  iak  Wasz- 
mosc  Pan  chcesz.  Ja  przyznam  si?,  ze  ieszcze  duszy 
nie  widzialem. 

POM:  A  Pan  Bog  czy  iest? 

FIG:    Jak   siQ   zda  Waszmosc    Panu? 

POM:  ^Liie    sie   zda,    ze   iest. 

FIG:    A   widziales   go  Waszmosc  Pan? 

POM:  Widzieli  go  y  widzi-i  swiQci. 

FIG:    A  Waszmosc  Pan  z  temi  swiQtemi  gadal? 

POM:  Sama  natura  mi?  uczy,  ze  iest  Bog  y  koniecznie  byc 
niusi. 

FIG:  Waszmosc  Pan  nie  znasz  dobrze  swoiey  natur/  .  .  . 
Ale  daymy  poköy  tey  rozmowie.  Waszmosc  Pan,  widzQ, 
bardziey  rniQ  w  szkrupuly  wp^dzisz  niz  duchowni.  Y 
przyidzie  do  tego,  iesli  si?  Waszmosc  Pan  z  tak  ix)dlemi 
sentymenlarai  odzywac  bodziesz,  ze  iako  od  nich  uni- 
kam, tak  y  od  Waszmosc  Pana  unikac  b^d?  musial.  Y 
iuz  mam  pozytek  z  Waszmosc  Pana  szkrupulow,  ze  mi 
siQ   nieco   teraz    sumnienie   mieszac   poczQlo. 

In  der  zweiten  Komödie  mit  dem  Titel  <Figlacki  polityk 
teraznieyszey  mod}'»  kommt  eine  ähnliche  Szene  vor,  in 
-der  sich  zwischen  dem  Lehrer  und  seinem  Famulus  eiire 

Stender-Petersea,  Die  Schulkomödieu .  22 


338  Kapitel  V. 

neue  «disputatio»  entwickelt,  wobei  die  Fragen  über 
Existenz  oder  Nichtexistenz  der  Hölle  und  der  Seele, 
über  Notwendigkeit  oder  Überflüssigkeit  des  Fastens,  über 
Mode  und  Glauben  abgehandelt  werden  (11,  3).  Auf  diese 
Weise  gelingt  es  Bohomolec  ein  ganzes  philosophisch- 
moralisches System  negativer  Art  zu  skizzieren,  das  mit 
dem  Namen  «polit3'ka  teraznieysze}^  mod_y»  bezeichnet  wird. 
Religiöser  Indifferentismus,  sogar  Atheismus,  zynisches 
Verhalten  sittlichen  Fragen  gegenüber,  materialistische 
Weltanschauung,  Verachtung  der  Kirche  und  des  geist- 
lichen Standes,  Hochschätzung  der  Mode,  das  sind  die 
Elemente,  aus  denen  dieses  System  besteht,  ßohomolec 
hat  mit  seiner  «polityka»  den  jungen  Zeitgeist  gemeint, 
dessen  Symptome  sich  im  damaligen  Polen  zu  mehren 
begannen,  hat  als  Mann  des  Ordens  die  Gefährlichkeit 
des  aus  Frankreich  heranrückenden,  pietätlosen,  skep- 
tischen, rationalistischen  Voltaireanismus  gleich  bei  seinem 
ersten  Auftreten  begriffen  und  versucht,  ihm  seine  katho- 
lischen Argumente,  seine  ontologischen  Beweise  und  seine 
«reductiones  ad  absurdum»   entgegenzustellen. 

Daß  Bohomolec'  Angriff  gegen  die  «polit^'^ka  teraz- 
nieyszey  mody>  wirklich  einen  wunden  Punkt  im  kultu- 
rellen Leben  der  polnischen  Gesellschaft  getroffen  und 
somit  wirklich  eine  höchst  aktuelle  Bedeutung  hatte, 
erhellt  am  besten  daraus,  daß  er  in  einer  seiner  folgenden 
Komödien,  nämlich  dem  «Urazai^cy  si^  nieslusznie  o  przy- 
möwki>,  gezwungen  war,  sich  gegen  die  allgemeine  Auf- 
fassung, er  habe  bestimmte  Personen  gemeint,  zu  wehren. 
Er  wollte  eine  Gestalt  darstellen,  die  alles  auf  sich  bezieht, 
aus  allen  Bemerkungen  einen  persönlichen  Angriff  heraus- 
deutet, die  vergißt,  daß  der  Grundsatz  eines  wahren  Ko- 
mödiendichters und  Moralisten  jenes  Wort  des  großen 
Humanisten  aus  Rotterdam  ist,  das  Bohomolec  später  an 
die  Spitze  seines  fünften  Bandes  setzte: 

<'Mederi    volumus,    non    mordere,    perstringere    vitia,    non 
famam  lacerare.» 

Zugleich  ist  es  bezeichnend,  daß  eben  dieser  Repräsentant 


Die  Tendenz  der  Schulkomrullon.  339 

der  leichtgekränkten  Zuschauer  zum  Schüler  eines  T.ehrers 
wird,   der  im  CJ runde  genommen    nur  eine  Variation  des 
Philosophen    Figlacki    ist,    nämlich    Bywal^kis.     Bywalski 
ist    derselbe    Figlacki,    bloß    daß    er    in    Paris    gewesen 
ist,  und  nun  in  seinem  Vaterlande  außer  dem  Atheigmus 
auch   noch    französische    Manieren    und   Verachtung    aller 
polnischen  Sitten,  auch  der  polnischen  Sprache  lehrt.     Ks 
ist  sicher,    daß  Bohomolec  mit  jenem   «o  naukach  dis- 
kurs»,  den  B3'walski  und  Frantocki  im  zweiten  Akte  mit- 
einander  führen,    also    wieder    einer    «disputatio»,    einen 
Hieb  gegen  die  Lehrweise  der  Piaristen,  dieser  siegreichen 
Konkurrenten  und  Widersacher  der  Jesuiten  auf  dem  Ge- 
biete des  Unterrichtsw^esens,  hat  führen  wollen.     Bywalski 
ist  als  Vertreter  der  modernen,  stark  französierten  Schul- 
methode der  Piaristen,  Frantocki  dagegen  als  Verteidiger 
der    jesuitischen    Prinzipien    aufzufassen.     Das    Gespräch 
gilt  nämlich  der  Frage  über  den  Nutzen  der  lateinischen 
Sprache.     Während   Bywalski   die  Anschauung   verteidigt, 
daß   das  Latein   nunmehr   ganz  überflüssig  sei,    die  fran- 
zösische Sprache  vor  allen  Dingen  in  der  Schule  berück- 
sichtigt werden  müsse  und  somit  auf  eine  stark  karikierte 
Weise   für   den  von   dem    ordo   scholarum  piarum    einge- 
führten   neusprachlichen    Unterricht    plädiert,    stellt    sich 
Frantocki    auf   die  Seite  des  verachteten   Lateins,   dessen 
Verteidigung   er  übrigens   trotz  Bywalskis  Dummheit  nur 
sehr  schwach  zu  führen  vermag.     Bywalski  behauptet,  daß 
dobrze  to  teraz  n  nas  w  Polszcze  niektorzy  czyni^,  ze  mlodych 
nie  bardzo  do  taciny  forcuia.;  dose  iey  cobolwiek  powierzchow- 
nie  (iak  w  Paryzu  möwiq.)  liznq,c. 
Frantocki  behauptet  dagegen,  nachdem  Bywalski  noch  die 
Vermutung  ausgesprochen  hat,   daß  die   griechischen  und 
lateinischen  «oratorowie,  poetowie  y  historycy>  sicher  fran- 
zösisch  konnten,   weil   man   nur   weise   sein   kann,   wenn 
man  diese  Sprache  beherrsche,  mit  einem,  vom  Standpunkt 
der  Polemik  aus  sehr  gefährlichen  Eingeständnis,  daß 
ten   (fraJicuzki)   iezyk  teraz   potrzebiiy,   lecz   ganiQ   tych   zdanie, 
ktörzy  cat^  m^drosc  na  nim  pokladai^  y  maia.  tych  za  glupich, 
CO   go  nie  umieici. 

22* 


340  Kapitel  V. 

Bohomoloc  führte  die  Diskussion  auf  das  aktuelle  Gebiet 
des  Sprachstils  über.  Zwar  nahm  Bohomolec  von  Anfang 
an  in  dem  Streite  über  den  alten,  auf  den  sogenannten 
«Konzepten»  und  gekünstelten  Effekten  erbauten  Stil  und 
in  der  von  Konarski  verfochtenen,  auf  einem  natürlichen 
Gedankengange  zu  basierenden  «ars  dicendi»  einen  Stand- 
punkt ein,  der  nicht  mit  dem  allgemein-jesuitischen,  von 
Malczewski  ^^  und  Grodzicki  ^^  eifrig  verteidigten  Prinzipe 
von  der  Vortrefflichkeit  der  bisherigen  Beredsamkeit  über- 
einstimmte. Zwar  hatte  auch  er  schon  in  seiner  «Oratio 
pro  lingua  polonica»  für  eine  natürliche,  klare,  unmittel- 
bare Redeweise  gekämpft,  Kochanowski  als  Ideal  hin- 
gestellt und  den  sogenannten  «Macaronismus»  in  der  er- 
fundenen Gestalt  des  Pan  Makaronski  bloßgestellt.  Er 
war  somit  für  den  modernen  Stil  gewonnen.  Nichtsdesto- 
weniger konnte  er  sich  als  Jesuit  und  Anhänger  der  latei- 
nischen Unterrichtsmethode  nicht  mit  dem  französischen 
Einflüsse  zufriedengeben,  dem  die  Piaristen  zweifellos  alle 
Türen  geöffnet  hatten.  Er  machte  die  Beobachtung,  daß 
der  Sprachstil  dadurch  nur  aus  dem  Regen  in  die  Traufe 
gekommen  war,  denn  streute  man  früher  lateinische  Worte 
und  Phrasen  in  seine  Rede  ein,  und  trugen  die  Jesuiten 
daran  die  Hauptschuld,  so  schienen  ihm  die  Piaristen  die 
Urheber  des  modern  gewordenen  französischen  « Macaronis- 
mus» zu  sein.  Nicht  ohne  Grund  hatte  er  seineu  Pan 
Makaroüski  nach  Frankreich  reisen  lassen,  um  ihn  uns 
als  einen  vollkommenen  Gallomanen  zu  präsentieren: 

KOC:    Zkj^des  rodem  przyiacielu? 

MAK:  Z  Polskiey. 

KOC:  WiQC  iesteä  Polak  rodowity? 

MAK:  Et  quidem  in  ipso  meditullio  tego  paiiatwa  prognatus. 

KOC:    Czymzcs   si^   bawil  za  zycia? 

MAK:  .  .  .  Nayprzöd  secundum  morem  szkoly  frequentowalem, 


1*  Adam    AI  a  1  c  z  e  w  s  k  i ,    Umbra    ligalae    praecursio    ao- 
luLae   eloquentiae.    Posnaniae   MDCCXLVII. 

^^  Faustyn  Grodzicki,  Theatrum  eloquentiae  .  .  .  L6^o- 
poli  MDCCXLV.  —  Vgl.  Gra.bo  w  s  ki ,  a.  £(,.  0.,  S.   160 f. 


Die  Tendenz  der  Schulkomödien.  Sil 

potyni,  wzijiwszy  principia  roznych  sciencyi,  do  Nioiniec 

y  F  ra  n  c  y  i  woiazowaleni. 
KOC:   Czo<:ozes    sie   tani    przecio   nauczyl? 
AlAK:  W  wielu  rzoczach  z  lego  woiazowania  profitowalom :  nay 

przöd     iQzyka    francuzkicgo,     potyni    laiicowania, 

fechtowania  y  manezii  uczylem  si^. 

xVus  diesem  Grunde  verteidiget  auch  Bywalski,  dieser  Gegnor 
der  lateinischen  Schulmethode,  den  «macaronisierenden* 
Stil,  seien  doch  gerade  die  «Macaronismen»  «perelkic 
iakie,  ktöre  polszczyznie  dodaiq  splendoru».  Dement- 
sprechend durchmischt  er  seine  Rede  mit  unzähligen 
französischen  Lehnwörtern,  z.  ß.  als  er  von  Glupski  Ab- 
schied nehmen  will : 

RVW :  Z    wiclkini    mi    serca    cordoliuni    to    przychodzi,    ze 

b^dac   forcowany  od  pewney  awantury,   niusz«; 

siQ   przez    w  o  i  a  z   s  e  p  a  r  o  k  a  t'-    od   \Vasznio§6   Pana. 

GLU:    Albo   Waszmosc   Fan  chcesz  odiezdzac? 

BYAV :  Möy  k  u  z  y  n  e  k  In  przybyl  y  chce,  abym  go  a  k  k  o  m  - 

pa  n  i  0  w  a  1. 
GLU:    Cöz  robic,  kiedy  inaczey  byO  nie  nioze. 
BYW:  Gdybym  wiedziaj,  ze  Waszmosc  Pan  mozesz  awanta- 
z  o  w  a  c  z  mey  i  n  s  t  r  u  k  c  y  i ,  ch^tniehym  moic  p  r  y  - 
watne    affery    konsekrowal    ad    obsequia 
Waszmosc  Pana.    Ale  wldzt^c  go  iuz  doskonale  wypcr- 
fekcyonowanego    dans    la    nianiere    fran- 
ko i  s  e    nie    mam    r  a  c  y  i    tu    siq    dluzey   i  m  b  r  o  1  i  o  - 
wa  c. 
GLU:    Tnidno  mi  w  tyni  Waszmos«!^'  Panu  przykryr  si?. 
BYW  :Pour     la    derniere     information     ten    Wasz- 
mosc   Panu    m  e  m  o  r  i  a  1    ex    i  n  t  i  m  i  s    serca    mego 
praecordiis     ewiscerowany    zostawuiQ,    abys 
siQ  Waszmosc  Pan  nie  urazal,  formuit^c  sobie  przy- 
mowki   z  lada  b  a  g  a  t  e  1  i ,  bo  ztj\d   wiele  zlych  k  o  n  - 
sekwencyi   wytryska. 
GLU:    Juz    ia    sam    widzQ    y    upewniam    Waszmosc    Pana,    ze 

Aviecey  tego  nie  b^d^  czynil. 
Br\V:  Daymy   to.     Gdyby  y  w   samey   rzeczy   Waszmosc   Panu 
przymawiano,    ieclnakze    maniera    francuzka    nie 
pozwala    tego   sobie   a  p  p  1  i  k  o  w  a  c    ... 

Bywalski  mischt  keineswegs  unfreiwillig  die  lateinisch- 
französischen  Ausdrücke  in  seine  Rede,  im  Gegenteil,  er 
tut  es,  wie  aus  seiner  Behauptung,   «Macaronismen»  seien 


342  Kapitel  V. 

«Spracliperlen»,  hervorgeht,  ganz  bewußt,  weiß  er  doch, 
daß  er  nicht  der  Einzige  ist,  der  dadurch  die  pohlische 
Sprache  zu  verschönern  meint.  Als  Glupski  stolz  darüber 
tut,  daß  er  den  fremden  Ausdruck  «Je  vous  assuro»  in 
einem  pohlischen  Briefe  angewandt  habe,  versichert  By- 
walski  ihn,  daß  das  sehr  vernünftig  sei: 

nVW :  Dolirzc  Waszmosc  Paii  uczynit,  bo  teraz  w  iüocIq 
\voszlo  niieszac  francuszczyznQ  z  pol- 
s  z  c  z  y  z  n  a  ,  iak  niektörzy,  nie  umieicic  po  francuzku. 
niieszaia.  lacin?,  clic^c  pokazac,  zc  umieitT,  po  lacinie  .  .  . 

Bywalski  bildet  als  Zeittypus  einen  Übergang  von 
Figlacki  zum  polnischen  Jean  de  France,  wie  er  uns  in 
der  Gestalt  des  Robert  Graff  de  Starsenf eld  alias  Starski 
im  «Paryzanin  polski»  entgegentritt.  In  seiner  Figur  ist 
die  von  den  Piaristen  freiwillig  oder  unfreiwillig  inaugu- 
rierte Gallomanie  personifiziert,  wie  sie  zu  Bohomolec' 
Zeit  als  ein  Konglomerat  von  französischen  Ideen  und 
und  Sympathien  und  atheistisch-materialistischen  Welt- 
anschauungssätzen auftrat,  mit  allen  den  Fehlern  und 
Sünden  moralischer  und  intellektueller  Art,  die  an  ihr 
ohne  Schwierigkeit  von  den  Anhängern  der  altpolnischen 
Erziehungs-und  Anschauungsweise  entdeckt  werden  konnten. 
Daß  die  französische  Kultur  und  Bildung  wirklich  negative 
Resultate  ohne  Zahl  zeitigte,  steht  fest.  «Wiele  nauki 
samego  j^zyka»  —  meint  Tarnowski^^  —  <a  wszystkie 
pojecia,  caly  stan  umiejetnosci,  smak,  wszystko  stamtad 
zy  wcem  wziete,  odbilo  sie  szkodliwie  w  czasach  pözniejszych. 
Zaszczepienie  francuzkiego  smaku,  jego  slepe  wyznawanie 
i  nasladownictwo  .  .  .  pryjelo  si^  i  rozeszlo  glöwnie  przez 
mtodziez,  przesi^^k^  franzuskie  mi  poJQciarai  w  szkolach 
pijarskich.  Prawdopodobnie  poszlo  zatem  i  przeJQcie  tych 
filozoticznych  pojec  francuzkich,  ktorych  Pijarz}'  nie  uczyli. 
Byly  wiQC  zle  skutki  ...»  Die  Jesuiten,  die  deutlich 
Rahen,  wie  französische  Bildung  und  philosophischer  Atheis- 
mus   gleichzeitig    auftraten,     machten    die    Piaristen,    die 

1*  S  t  a  n  i  s  }  a  \s'  T  a  rii  o  w  s  k  i ,  Hibtorya  literatury  polskiej 
(Krakow   1904),  Bd.   lil,   S.  177—178. 


Die  Tendenz  der  Schulkom«^dieii.  '.H'^ 

Vertreter  der  ersteren,  zugleich  auch  tür  das  Auftreten  des 
letzteren  verantwortlich.^'  Und  so  wurde  die  Kulturfrago 
in  erster  Linie  zu  einer  Erziehungsfrage.  Dieser  Stand- 
punkt tritt  uns  mit  wünschenswerter  Deutlichkeit  in  jenen 
«dis|)Utatione3»  entgegen,  die  Bohomolec  in  seinen  «Pary- 
zanin  polski>  aufgenonmion  hat.  In  seinen  langen  Disputen 
mit  seinem  Uruder  Wilhelm  und  mit  seiuera  Schwieger- 
vater in  spe  betont  Robert  Starsenfeid  nachdrücklich,  daß 
die  Erzi eh ungs weise  der  zentrale  Kern  im  ganzen 
Problem  sei,  indem  er  der  altpolnischen  Lebensanschauung 
jener  beiden  seine  moderne  französische  Denkweise  ent- 
gegenstellt: 

PiOl^:  Cöz  robic,  inoii  frere,  kiedy  taka  moda?    Kto  chce  mied 

estymacvfv  u  ludzi,  trzeba  si^  do  mody  akkomodowac. 
WIL:  Ja  zas  trzyimun,  ze  picrwey  zyc  trzoba  ix)dlujj  wiary  niz 

podlug  mody. 
RülJ :  Wszakzc  y  wiara  ina  swoie  mody. 
WIL:  Y  taka  wiara  iest  wiara  modrui. 
ROB:  Prawda,  ale  wiara  im  modnieysza,   tym   lopsza. 
WIL:  A  kloz  le  mody  w  wierze  wprowadzac  powinien ? 
ROB:  My!    Le  graml  monde! 
WIL:  Wi(2C   le  grand   monde   moze  odmienic   te  obrzt-tdki,   ktöre 

sa.  postaiiowione  od  Apostolöw  y  Oycöw  Swi^tych  ? 
ROB:  A  czemii  nie?    Y  ktoby  si?  miat  tak  dlugo  trzymac  tey 
starey    mody !     Na   swiecie    rzecz    im    modnieysza,    tym 
lepsza. 
"WIL :  Widz>e,    braciszku,    zc    icstes    modiiey    wiary. 
ROB :  Prawda.    Y  tego  sobie  winszuic;.    C'est  mon  honneur.    Ale 
CO  z  WaszmosO  Pana  tom  si?  mocno  dnia  onegdayszego 
zgorszyl,  kiedysmy  byli  w  kosciele. 
WIL :  W  czymze  przecie  ? 

ROB:  Ach,   iak   mi(;j  Waszmosc  Pan  zawstydzil!    DrzQ   y   teraz, 
gdy   na  to   wspomnQ,    Takto   w  Polszcze  mlodz 
e  d  u  k  0  w  a  c  ! 
WIL:  Ale   cöz   takiego? 

ROB:  Pami^tasz  Waszmosc  Pan  ,  .  ,  Ach,  co  za  hanba!  Ja 
malo  ze  wstydu  nie  umarlem!  .  .  ,  Pami^tasz,  möwi^, 
mon  freie,  kiedy  z  ksi;\zki  publicznie  mcdliles  siQ  iako 
ieden  zaczek  albo  owa  babka  szpitalna?  Ach,  co  za 
wstyd  I  0,  iak  to  wiele  zalezy  na  d  obre  v  edu- 
k  a  c  y  il     (I,  3.) 

1'  Ct  r  a  ))  o  V.  s  k  i ,    a.   a.    0.,    S.  163. 


344  Kapitel  V. 

Im  zweiten  Akte  setzt  Robert  seine  «disputotio»  mit  dem 
Bruder  fort,  wobei  wieder  vom  Nutzen  bzw.  der  Über- 
flüssigkeit des  Lateins  die  Rede  ist. 

WIL :  .  .  .  mnio  dziwno,  zo  Waszmosc  Pan  przedtym  sain 
iiieraz  zarlowale^  z  tych  mod  paryskich,  a  teraz  si^  z. 
nicmi  popisuiesz. 

R0I3:  Mos])anie,  alii  tcmpores,  alii  mores.  Wszak  tak?  Czegoz 
siQ  Waszmos(!;  Paii  smieiesz  ? 

AVIL :  Pewnie  to  Jacina  par\^ska :   ,a!ii    tempores'  ? 

ROB:  Czcmuz  to? 

AVIL:  Bo  ü  nas   mowiq,  tcmpora,  nie  tempores, 

ROB:  Möwiti  y  tarn,  tempora,  ale  tylko  prosci  ludzie.  Podlug 
^  zas  laciny  du  grand  monde  mowi  si§  tempores.  Jakoz 
y  gladziey  daleko  tempores  niz  tempora. 

WIL :  Musial  sie;  WaszmoSc  Pan  w  lacinie  du  grand  monde  1am 
WT^doskonalic  nalezycie. 

ROB:  Pour  vous  dire  la  verite.  w  Par\'zn  godni  hidzie  nie 
bardzo  kochaia  si?  w  tacinie:  Prostym  iey  ludziom 
ustQpuia.  Jakoz  y  ksiazek  tam  iacinskich  teraz  nie  wy- 
dai^.  Francuszczyzna  tam  grünt.  Y  slusznie, 
bo  tez  trudniey  im  pisac  po  lacinie  niz  po  francuzku,  y 
■vs-ydawszy  ksiazk^  lacinskj^,  rzadki  ia  ktipi  do  czytania. 
A  CO  nay^vi^ksza :  lacinskie  ksi^gi  dla  daniby  siq  nie 
zdaly.  Tam  za§  te  ksi^gi  naybardziey  szacuia,  ktöre  damy 
naybardziey  czytaiq.  Przetoz  naywi^cey  tarn  ksiq^g  albo 
dla  dam  albo  o  darnach  wychodzi. 

AVIL:  Bardzo  chwalebny  to  zwyczay! 

ROB :Tam  wszystkie  zwyczaie  sa  chwalebnc; 
y  kto  chce  miec  estymacya,  povvinien  ich 
na^  lado  wac.      (II,  3.) 

Fragen  Avir  nun  aber,  was  des  Pudels  Kern  in  dieser 
Polemik  gegen  die  modernen  Anschauungen  war,  so  ist 
es  interessant'  und  für  Bohomolec  als  Jesuiten  besonders 
bedeutsam  zu  beobachten,  wie  es  ihm  letzten  Endes  nicht 
so  sehr  auf  die  Unterrichtsmethode  und  das  Bildungs- 
problem ankam,  als  vor  allen  Dingen  auf  die  Erhaltung 
jener  Macht,  die  der  Orden  der  Jesuiten  als  Leiter  des 
Volkes  erworben  hatte,  auf  die  soziale  und  kulturelle 
Stellung  des  geistlichen  Standes,  die  Wahrung  seiner 
Autorität,  die  mit  der  Autorität  der  Kirche  identifiziert 
wurde.     Der  nach  Polen  (dank  der  Methode  der  Piaristen) 


Die  Tendenz  der  SrhulkoiiH^lien.  HIT) 

durchsickernde  VoltaireHniMuus  bedeutete  eine  direkte  Ge- 
fahr für  den  ordo  eocietatis  Jesu  und  untergrub  langsam, 
aber  nur  um  so  Ficherer  seine  ganze  Maclitstellunp.  In 
der  dritten  cdisputatio»,  die  wir  im  «l'aryzanin  polski» 
vorfinden,  hatte  ßobomolec  es  versuclit,  in  der  Person  des 
alten  Bogacki  eine  ungeschminkte  Verteidigung  pro  domo 
sua  zu  führen.  Nachdem  Robert  Starski  sich  mit  größtor 
Verachtung  über  die  Sitte  des  Fastens  ausgesprochen  hat, 
entwickelt  sich  zwischen  ihm  und  Bohomolec'  Aiivdk.it 
Bogacki  folgender  Dialog: 

ÜDG:  A  coz  to  Mospanie  do  godnosci  nalezy?  Wszakci  to  przy 
kazania  tak  boskio  iako  y  kosrielno.  röwnie  do  p^möw  iak 
y  podlycli  ludzi  nalez;\.  Albo  to  p:ino\vie  nie  sa  podlesili 
wladzy  boskiey  y  koscielney?  U  Pana  Boga,  Mospajiie. 
w  rownyni  iest  szacunku  nayprostszy  kniiotek  z  monarcha. 
jiaywyzszym, 
ROB :  Pardonnez-moi !      Grodni    ludzie    wsz^dzie    powinni    mie«' 

swoi?  dyst>Tikcyq! 
BOG:  A  iakiey  Waszmosc  Pan  iestes  religii? 
ROB:  Jesteni   katolik   et   quidem   dobry. 

BOG :  Mnie  sie  zda,  ze  nie  t  y  1  k  o  h  c  r  e  t  y  k  a  1  e  y  b  i  - 
surnianin  tegoby  nie  möwih  co  \Vasznios<:  Pan,  ^dobry 
katolik»,  möwisz! 
HOB:  Ale  co  to  posty  di>  wiary  iialeza?  W  Paryzu  Xii\Z'^'  do 
Petitgraiid,  muy  wielki  przyiaciel,  iest  dobr^'in  eile  kato- 
likiem,  a  przeciez  zawsze  z  miesem  iada. 
BOG;  Moze    mu    zdrowie    ixjstöw    nie    pozwala    y    ma    na    to 

dyspensQ  ? 
ROB:  Co  zas?  dyspcns^?    Otöz  drugie  grubianstwo  \v  Polszcze 
nieznosnc !    Wi^c  ieszczc^  trzeba  s  i  e   y  d  u  c  h  o  w  n  y  ni 
klaniac  o  to,  aby  niozna  bylo  iesc,  co  mi  si?  pödoba? 
BOG :  A  do  kogoz  nalezy  \v  tyni  dyspensowac  ? 
ROB :  Do  kogo  ?   A  czemu  ia  sam  sobie  nie  mogQ  dysjx'nsowaO  ? 
Albo    to    duchowni    sn    iepsi    ode    niaie?    To! 
Wolaibyni   w   leb   sobie   strzelic   niz   si^  ktoremu  z   du- 
chowTiych   poklonic.    Ja   nawet   na   ulicy,    gdy  kt6rego   z 
ducho\Miych    hib   znaiomego    lub    krewnego    spotkam,    to 
wraz  nnikam,  zeby  si?  z  niin  nie   witac.    Czy  moze  Ix)- 
wiem   co  Ixirdziey   godnego  kawalera   szpecic   iak  z  du- 
chownyni   przestawanie?    Dieu   m'en   garde!    Dieu   m'eii 
garde! 
BOG:  Co  to  ma  szpecic  Waszmosc  Pana?    Po^iedz  mi  Wasz- 
mosc   Pan,    CO   to    iest    duchowTiy?     Czy    nie    iest    czlek 


346  Kapitel  V. 

taki  iako  Waszmosc  Pan?  Czy  przez  to  on  ma  byc  podly 
w  oczach  Waszmosc  Pana,  ze  si^  Panu  Bogu  oddal  na 
sluzb^?  Tylu  ich  iest  tak  dobrego  iako  y  Waszmosc  Pan 
urodzeiiia!  Sil  miedzy  niemi  nasi  bracia,  krewni,  przyia- 
ciele.  Äloze  ktory  y  z  Waszmosc  Pana  dzieci  lub  wnu- 
köw  swego  czasii  do  (ego  siq  stanu  udaö. 

ROB:  To   prawda,   iednakze   oni   —   ducliowni ! 

BOG :  Tym  samyni,  ze  s^  ducho\Mii,  p  o  w  i  n  n  i  o  d  n  a  s  b  y  6 
szanowani  bardziey  nad  innych,  ponie- 
waz  s^  namiestnicy  Chrystnsowi;  s^  sza- 
farze  Lask  Jego  w  Sakramentach  nam 
zostav.'ionych;  oni  nas  do  cnoty,  do  pocz- 
ciwosci,  do  zachowania  praw  oyczy- 
stych,  do  posluszenstwa  zwierzchnosei 
'pobudzaiq;  oni  nas  nauczairi  wiary  y  w 
n  i  e  y  u  t  r  z  y  m  u  i  a. ;  oni  nam  s  1  u  z  a.  \v  z  y  c  i  u  , 
sluza  przy  smierci,  sluza  y  po  smierci, 
r  a  t  u  i  4  c  nas  s  ^^•  e  m  i  m  o  d  1  i  t  w  a  m  i  y  o  f  i  a  - 
ra  m  i. 

ROB :  Gdyby  ten  paneg^^^'k  slyszeli  duchowni,  byiiby  Wasz- 
mosc Panu  Obligo wani.  Ale  ia  upewniam,  ze  z  nimi  nie 
chcQ  m.iec  sprawy  ani  w  zyciu  ani  przy  smierci  ani  po 
smierci  I  Milszy  mi  honor  niz  te  wszystkie  ich  ushigi!  .  .  . 
Nieszczesliwa  ta  kompania,  \v  ktörey  si?  duchowny  czlek 
znayduie:  ani  si^  tak  ^mialo  gada,  ani  si?  tak  §mialo 
post^puie,  iak  przystoi  na  kav/alera,  poniowaz  nioktörzy 
z  duchownych  tacy  sa.  natretnicy,  iz  gdy  postrzegfi  iak^ 
akcy^  lub  mow^  nie  podhig  ich  gustu,  zaraz  sie  marsz- 
czf\,  a  drudzy  maici  t?  nawet  zuchwalosc,  ze  czasem 
odwazai^  sIq  o  to  gödnych  kawaleröw  strofowac!    (II,  5.) 

Wir  haben  hier  faktisch,  wie  Robert  ganz  richtig  bemerkt, 
in    Bogackis   Rede   eine    heiße,    ijberzeugte  Panegyrik  d*^s 
geistlichen  Standes   als  Erziehers    des   polnischen  Volkes, 
als   seines    geistigen   und    seelischen    Leiters.      Darin    lag 
ihm  die  vrichtigste  Existenzberechtigung  desselben;   diese 
Stellung  im   Kulturleben   schien   ihm   untergraben  durch 
den    neuen  Zeitgeist,    an    dem   die    Piaristen    die    Haupt- 
schuld,   alle   übrigen    Lehrer,  d.  h.    alle  Privatlehrer,   diej 
um   die    Wende    der   fünfziger   Jahre   wie    Pilze    aus    dei 
Erde    zu   schießen    begannen,    eine  sehr  wesentliche  Mit- 
schuld   trugen.     War    die    wichtigste    Seite    an     diesen 
Kampfe   für   die  jesuitische  Schule   ein   nie  deutlich  voi 


Die  TiMidciiz  der  Si-hiilkomn-llon.  317 

Bohomolec  ausgesprochener  Kampf  gegen  die  wacliFcn  \e 
Autorität  der  piaristischen  Lclirweise,  .so  war  eine  andere, 
vielleiciit  noch  niciit  so  aktuelle,   aber  l)ald  immer  wich- 
tiger werdende  Aufgabe  der  Kampf  gegen  die  privaten 
Lehrer,    die   der  Schule   eine   nicht   unbedeutende   Kon- 
kurrenz  zu    bereiten    begannen.     Nicht  ohne   signifikante 
Bedeutung  ist  die  Tatsache,  daß  sowohl  Figlacki  wie  auch 
Bywal:?ki  als  Lehrer  auttreten,  wenngleich  sie  den  Unter- 
richt  noch  als  mehr  oder  weniger  freiwillige  Proj)ag:inda, 
nicht  schon  als  professionelles  Amt  betrachten.     Als  pro- 
fessioneller Lehrer  tritt  bei  Bohomolec  nur  einmal  der  in 
die    Handlung   der   «Kawalerowie    modni»    eingeschobene, 
als  Typus  frei  erfundene  Monsieur  de  Martinii're.     Daß  es 
Bohomolec  vor  allen  Dingen  darauf  ankam,  diesen  Privat- 
lehrer als  Gegenpol  der  schulmäßigen  Erzieliung  aufgefaßt 
zu  wissen,    geht    mit    wünschenswerter   Klarheit    aus   der 
Schlußreplik  hervor,  mit  der  der  alte  Anzelm  seine  beiden 
Junker  für  immer  aus  Warschau  aufs  Land  verbannt: 
AXZ:  Idzcie    mi    zaraz    do    stacyi !      Z    zadnym    nie    poz\vol»j 
wani  vvidziec  si?.    Od\vioz(;  do  domii,  oddamwas  do 
szkül,    zebyscie    siQ    tego    oduczyli,    czo- 
goscie    siQ   w   prywatney    edukacyi   od    gu- 
\\-  e  r  n  e  r  a  z  t  a  k  i  m  m  y  m  k  o  s  z  t  e  in  n  a  u  c  z  y  1  i  ... 
Xauczylem  si^  na  starosc,   z   iakc^  pilnoscii^  takich   ludzi 
])ozna\vac,   ktör^'^m   mlödz  w  dozor   daiorny ! 

Das  ist  direkt  eine  Warnung  vor  den  fahrenden  Erziehern 
und  «Gouverneuren»  mit  zweifelhaften  Antezedentien,  die 
Polen  und  besonders  die  polnische  Provinz  heimzusuchen 
begannen,  und  eine  offene  Empfehlung  der  Schule,  d.  h. 
mit  anderen  Worten  der  traditionellen  Jesuitenschule.  Um 
die  Wirksamkeit  dieser  dunklen  Herren  zu  beleuchten, 
hat  Bohomolec  mehrere  Szenen  in  die  Molierische  Vorlage 
(«Les  Precieuses  ridicules»)  eingefügt,  die  einer  unmittel- 
baren Charakteristik  des  Monsieur  de  Martiniere  dienen. 
Er  zeigt,  wie  er  dem  ahen  Anzelm  gegenüber  den  Un- 
schuldigen spielt,  den  beiden  Junkern  vom  Lande  aber 
die  Grundsätze  des  Atheismus,  der  Gallomanie  und  der 
Verachtung  der  pohlischen   Nation   beibringt.     Er   zeigt, 


34>S  Kapitel  V. 

wie   er  sich   als  französischer  Emigrant   iMit  romantischer 

Vergangenheit  im  Hause  des   «altpohiisch»   gesinnten  An- 

zelm  einzunisten  versteht: 

TOM:  Monsieur  Martiniere  byl  pienvszey  admissyi  u  pewnego 
Dwoni.  Krolewaa  Jeymojsc  ]iokazy\vala  mu  respokt  wi^k- 
szy  niz  irmym  y  sercc  bardzo  przychylne.  Zt^d  niena- 
wi§ö,  z  nienawisci  siispicya,  z  suspicyi  urosla  klötnia 
ini^dzy  pc^\iiym  Marqiiisem  y  Jegomoscifi.  Krötko  mö- 
wiac  do  tego  przyszlo,  ze  Jegomosc  musial  z  iym  Mar- 
quisem  experymentowaö.  Posluzylo  szczQScie  Jegoniosci 
a  Marquis  na  placu  zostal  bez  zycia.  To  ryccrskie  dzielo 
Jegoraoscine  przymusiio  go  do  reyterowania  si^  ztamta.d 
az  do  Polskiey.     (II,  5.) 

l^nd  er  entlarvt  ihn  mit  Vergnügen  als  einen  polnischen 
Schwindler,  der  früher  als  Stallknecht,  dann  als  Lakai  sein. 
Brot  verdient  hatte,  später  mit  der  Garderobe  seines  Herrn 
und  seiner  Geldkasse  nach  Frankreich  geflohen  war  und 
sich  jetzt,  nach  seiner  Rückkunft  nach  Polen,  als  französi- 
scher Emigrant  und  Privatgelehrter  aufspielt.  Im  dritten 
Akte  derselben  Komödie  führt  uns  Bohomolec  eine  ganze 
Szene  vor,  die  fast  wie  eine  Orgie  der  Gallomanie  anmutet 
und  die  schädliche  Tätigkeit  aller  französischen  Lehrer 
hervorheben  soll: 

TOM :    Ja  przyznam  siQ  Waszmosc  Panom,  ze  przed  cudzoziom- 

cami  wstydz^  siQ  nazywac  Polakiem. 
WOY:  Moieeli  iestes  Waszmosc  Pan  sentymentöw. 
ROB :    Ja  cokolwick  mialem  w  sobie  krwi  polskiey,  to  wszystko 

kazalem  ongi  cynilikowi  wypuscic  tarn  do  kata! 
JAN:     Jakoz   w  samey   rzeczy  nie   tu   dobrego  w  Polszcze   nie 

mamy.     Cokohviek   tu    lest   grzecznych    kawaleröw,   tych 

Avszystkich    Francyi   wimiismy.     My   y   saini   ieszcze  nie 

iestesmy  doskonali  ze  wszystkiin,  bosray  ieszcze  nie  byli 

w   Paryzu. 
WOY:  Na    to    nie    pozwalam :    y    to    iest   cud,    ze    Waszmosc 

Panowie,  nie  skosztowawszy  Paryza,   tak  dobrego  gustu 

iestescie. 
ROB:    A   Waszinosc   Panu  iak   si?   Polska  podoba?    Co   Wasz- 

mos6  Pan  naprzyklad  möwisz  o  naszey  Warszawie? 
MARTINIER :  Co  Warszawa  to  moglaby  z  biedy  uysc  za  wioske 

\\e   Francyi. 
Tr»M:    Prawda! 


Die  Tendenz  der  Scliulkomödien.  349 

ROB:    Dobrze  Jegomosö  möwi.    A  lud  nasz  iak  si«;  iKKloha? 
MAPtTINIP^Il:   Jest  nalK)iny.    Cz(;sto  si?   sjiowiada.    Zachowuie 

posty.    Piekhi  si<;   boi. 
WuV:  Wo  Frajicyi  \v  tym  dobrze,  ze  tain  pirkla  iiicrna. 
ROB:    To  prawda!    Tamto  zy(^-  y  umiorat  ! 
MARTINIFR:  Tu  w  Polszcze  tym  pieklem  y  iiaygrzecznieyszego 

kawalera  zepsuiii! 
ROB:    A    dla   tycli    postöu-   nieszcz^6liwych    nie    niozemy  niiec 

nigdy    cery   tak    pif.'kTicy    y    Iak    niifey   iak   \ve    Francyi. 

Ja  sam  daleko  tarn  hidiiioyszy  bylein. 
T«  >M :    Dia  tych  postövs'  y  nie  tak  dhigo  iak  wo  Francyi  iyiemy. 
JAN:     Dia   uich  y  dowcipow   tak  dobrych   nie  m'irny. 
\\<>V:  Mjiie  siQ  zda,  ze  to  te  posty  y  spowiedzi  s^  naywiqkszH 

y  tego  przycz^ii.-V,  ze  ani  woyska  ani  porz^idku 

tu  nieiiia, 
TOM:    Prawda. 
JAN  :     To  pevTia ! 

WOY :  Y   seyniy  diu   tego   tu   u  iias  nie  docliodz:\. 
MARTINIER:    Ja  zas   powiadam,   ze  pöki   ta  zabobonna 

bigoterya  trwac  w  Polszcze  b^dzie,  pöty 

t  e  n    11  a  r  6  d    z    s  w  e  g  o    g  r  u  b  i  a  i'i  3  t  w  a    nie    \v  y  - 

brn  i  e. 
TOM:    A    ia   raowi^,    ze   iesli    dtuzey   te  posty   y   spowiedzi   tu 

b^dc^  panowa'S  to  Poiska  zapewue  upadniel 

(III,  2.) 

Es  zeigt  sich  deutlich,  daß  für  Bohomolec  der  Gegensalz 
zwischen  der  alten  Kultur  und  der  neuen,  französischen 
Geistesströmung  ein  Gegensatz  zwischen  der  alten,  kritik- 
losen Frömmigkeit  und  dem  neuzeitlichen  Atheismus  war, 
und  daß  er  mit  seinen,  in  die  Schulkomüdien  einge- 
schobenen Disputationen  für  die  Autorität  der  gefährdeten 
Kirche  und  des  Ordens  gegen  die  rationalistische  und 
pietätlose  Kritik  der  neuen  Menschen  anzukämpfen  suchte. 
Vom  selben  Standpunkte  aus  setzte  er  seinen  Prediger- 
eifer ein  im  Kampfe  gegen  einen  anderen  Ausdruck  des 
neuen  Geistes,  den  er  im  Duell wesen  entdeckt  zu 
haben  glaubte.  Nachdem  er  seinen  «Chclpliwiec»  im  An- 
schluß an  die  im  obigen  besprochenen  Vorlagen  geschrieben 
hatte,  schien  e.^  ihm  angebracht,  die  ganze  Komödie  im 
«Junak»  zu  variieren,  bloß  um  seine  kirchlichen  Grund- 
sätze  zu   einem   schärfer   betonten  Ausdruck   gelangen  zu 


350  Kapitel  V. 

lassen,  als  es  ihm  im  «Cheipliwiec»  möglich  gewesen  war. 
Daß  das  der  eigentliche  Anlaß  für  die  Entstehung  des 
«Junak^  war  (wodurch  wieder  ein  neues  Argument  für 
meine  Behauptung  gewonnen  ist,  daß  Bohomolec'  Komödien 
psych ologi seh  nichts  anderes  sind,  als  ein  echt  jesu- 
itisches Mittel  in  der  Erziehung  und  Propaganda  der  kirch- 
lichen Grundsätze),  geht  vor  allen  Dingen  daraus  hervor, 
daß  Bohomolec  zwei  lange  «disputationes»  in  seine  an 
Handlung  so  arme  Komödie  einfügt,  eine  in  den  ersten 
Akt  (Sz.  4),  eine  zweite  in  den  zweiten  Akt  (Sz.  1),  und 
daß  die  ganze  Komödie  mit  einem  kürzeren  Gespräch 
zwischen  zwei  Kavalieren  beginnt,  worin  die  ganze  gegen 
das  Duell  gerichtete  Tendenz  als  Leitmotiv  der  Komödie 
in  den  Vordergrund  gestellt  wird.  Ich  will  hier  nur  einen 
Teil  der  ersten  Disputation  zwischen  dem  jungen  Prahler 
Robert  und  seinem  Diener  Frontin,  der  die  Interessen  der 
Kirche  vertritt,  anführen,  weil  ich  meine,  daß  gerade  in 
dieser  Disputation  der  alte  Charakter  der  schulmäßigen 
Verfechtung  entgegengesetzter  Grundsätze  mit  den  Mitteln 
der  syllogistischen  Kunst  gewahrt  erscheint,  und  weil  uns 
deutlich  von  dem  einen  der  Gegner  gesagt  wird,  daß  es 
sich  hier  eben  um  eine   «disputatio»   handelt: 

ROB :  .  .  .  Ale  powiedz  mi :  czemu  poiedynki  nie  maia  byc 
chwalebne  ? 

FRO:  Juzem  möwil,  Mospanie,  ze  tym  samym  poiedynki  nie 
rauszq,  byc  dobre,  poniewaz  ich  ludzie  m^drzy  y  sta- 
teczni  zakazuia.,  Nadto  —  czy  moze  to  byc  cbwalebne, 
przez  CO  sIq  prawa  przestQpuiq,?  Wszakci  poiedynki  s^ 
prawem  zakazane,  y  kto  ie  chwali,  chwali  praw  prze- 
st^pstwo. 

ROB :  Cöz  ?  Y  ia  mam  na  to  uwazac,  kiedy  mi  kto  glupi  co  za- 
kaze? 

FRO:  Mnie  si?  zda,  Mospanie,  ze  ci,  co  prawa  pisali,  nie  mu- 
sieli  byc  ghipi   .  .  . 

ROB:  Ale  kiedy  ty  prostak  iestes,  to  lepiey  milcz! 

FRO:  Prawda:  sludze  z  panem  tak  smialo  gadac  nie  nalezy, 
Przepraszam   Waszmosc   Pana. 

ROB :  Ale  mnieysza  o  to  —  ia  pozwalam  I  Gaday !  J  a  c  h  c  ^ 
z  tob^  racyami  certowac  y  pokazac,  ze  si§ 
w    tym   mylisz.     Ty   möwisz,    ze   poiedynki   s^ 


Die  Tendenz  der  Schulkomödien.  351 

z\  V  ,  i  a  z  a  s  in  ö  w  i  c  ,  z  c  t  a  r  z  c  c  z  z  I  a  1>  y  c  nie 
ni  o  z  e  ,  k  t  ö  r  a  h  u  n  o  r  c  z  y  n  i  k  a  nv  a  1  e  r  o  w  i .  Cöz 
na   to? 

FRO :  Ja  na  to  niowi^,  iz  to  czynic  honoru  nie  moze, 
za  CO  karzii  czaseni  y  szul)ienicq.  Pi^kny  to 
honor  —  prawa  przestqpic  y  stac  sip  godnym  ämierci 
fak   haniebney. 

ROB:  A  czymze  ia  mam  honoru  bronic,  iezeli  nie  poiedynkiem  ? 

FRO :  Waszmosc  Pan  za  swoy  honor  m^cic  si^  sam  nie  po- 
Avinienes,  bo  zaden  w  swoiey  sprawie  s^dzin.  byc  nie 
moze.  S^  na  to  Sc^dy.  A  do  tego  mnie  si^  zda,  ze  kto 
honoru  broni  piedynkami,  ten  wifjcey  traci  hononi  niz 
mu  uieto. 

ROB:  Jakto?' 

FFlO:  Oto  tak:  czy  nie  tracilby  teil  honoru,  ktoby  zlodzieystweni 
broni t    honoru  ? 

ROB :  To  CO  innego ! 

FRO :  Jak  zlodzieystwo  iest  wystepek  pTzeciw  sprawiedliwosci, 
tak  y  poiedynek.  Jak  za  zlodzieystwo  czasem  karza  szu- 
bienicq,  tak  w  niektörych  panstwach  y  za  poiedynek. 
A  ia  möwie,  ze  poiedynek  ieszcze  gorszy  niz  zlodzieystwo. 
Bo  ztödziey  rzecz  taka  chce  ukrasc,  ktöra  niozna  nad- 
grodzic,  poiedynkui^cy  zas  chce  wydrzec  rzecz  naydroz- 
sza.  y  nienadgrodzona,  to  iest :  zycie  lub  zdrowie ! 

ROB:  Tyc  niezie  podtug  siebie  möv>^i8z.  Ale  kawalerowi  godnie 
urodzonemu   bylby   vrstyd  z  tym   sie    w^'dawac. 

FRO :  Y\'iekszy  wstyd,  ^Mospanie,  prawa  przestapic  y  b  y  c  w  y  - 
klQtym  od  Koscioia  SwiQtego,  Bo  ia  slysza- 
lem,   ze  za  poiedynki  iest  kla.twa. 

ROB:  Day  go  katu  —  kla.twa I  Y  cöz?  Da  kla.twy  mam  honor 
utracic  ? 

FRO :  Prawda,  ze  honor  u  AVaszmosc  Panöw  iest  "rzecz  wielka, 
ale    ia   wolalbyni    honor  niz    dusz^   utracic. 

ROB :  A  kiedy  ia  si§  potym  wyspowiadam? 

FRO :  A  kiedy  ia  zgin?  w  poied\Tiku  ?  To  wtenczas  y  honor 
möy  y  dusz^  dyabei  wezmie!  Niewielki  to 
honor  dostac  siQ  dyablu!  Nie  wiem,  iak  kto  — 
ale  ia  tego  honoru  nie  chcialbym. 

ROB:  Ale  ia  dufam  w  tey  r^ce,  ze  nie  zginQ. 

FRO :  Ja  tez  nie  o  Waszmosc  Panu  möwi?,  ale  o  sobie. 

ROB:  Tak   möwisz,   bo  nie   znasz,    co   to  iest   honor. 

FRO :  Prawda,  ze  nie  znam.  To  wiem  iednak,  ze  bronic  honoru 
poiedynkiem,  niewielki  iest  honor.  Bo  czy  ia  zgin^  czy 
wygram   w  poiedynku,   zawsze  zle  na  möy  honor.    Jesli 


35ii  Kapitel  V. 

zabiie  rlnigiego,  iiiewielki  to  honor,  kiedy  pöyd?  w  r^ce 
katowskie.  A  iesli  mi§  zabii^,  tym  gorzey!  PiQkny  to 
honor  dla  mnie,  ze  mi^  zabito  y  na  m  i  e  y  s  c  u  p  o  - 
s  w  i  e  c  o  n  y  m   nie   p  o  o  h  o  \v  a  n  o ! 

Diese  «disputatio»  über  das  Duell wesea  resp.  -Unwesen 
war  sicher  nicht  weniger  aktuell  als  die  anderen  von 
Bohomolec  in  seinen  Schulkomödien  berührten  Prinzipien- 
fragen, denn  der  französische  point  d'honneur  mit  seinem 
Duellzwange  fiel  bei  den  Polen  in  fruchtbaren  Boden,  und 
man  braucht  bloß  zeitgenössische  Dokumente,  z.  B.  die 
Memoiren  des  Königs  Stanislaw  August  ^^,  zu  lesen,  um 
zu  erkennen,  daß  das  Duell  gerade  um  die  Mitte  des 
18.  Jahrhunderts  auch  in  Polen  florierte.  Besonders 
wichtig  ist  es  ^ber  für  uns  auch  hier  wieder  zu  sehen^  wie 
der  mönchisch-katholisch-jesuitische  Standpunkt  Bohomo- 
lec' Argumentation  beherrscht. 

So  dient  bei  unserem  Komödiendichter,  der  die 
Intrige  seiner  Komödien  als  etwas  nur  Sekundäres  ansah, 
das  berühmten  Vorbildern  entlehnt  werden  durfte,  so- 
wohl das  Mittel  der  Charakteristik  als  auch  das  der 
traditionellen  «disputatio»  dem  immer  wieder  deutlich 
her\^ortretenden  Zwecke,  gewisse  moralische,  kulturelle  oder 
religiöse  «Sätze»  zu  beweisen.  Das  ganze  Arsenal  der 
katholischen  Vorstellungen :  Hölle  und  Himmel,  ewige 
^^erdammnis  und  Seligkeit,  Kirche  und  Schule,  Gott  und 
Teufel,  Unterwerfung  unter  die  Gesetze  der  bestehenden 
gesellschaftlichen  Ordnung,  werden  ins  Treffen  geführt, 
um  «ad  majorem  dei  gloriam>,  wie  wir  so  oft  am  Schlüsse 
der  Bohomolecschen  Komödien  oder  auf  der  letzten  Seite 
der  Komödienbände  lesen,  die  Autorität  der  alleinselig- 
machenden Kirche  und  ihrer  treusten  Dienerin,  der  Socie- 
tas  Jesu,  zu  befestigen,  zu  schützen,  zu  verteidigen.     «Du 


i 


18  Die  Memoiren  des  letzten  Königs  Stanislaw  Au^st  Ponia- 
towski  (Polnische  Bibliothek,  hrsg.  von  Guttry,  Koscielski  II,  1), 
übers,  von  Powa,  Bd.  I,  S.  196.  (Schilderung  des  nächtlichen 
Duellwesens  während  der  litauischen  Tribunal  wählen  in  Wilna 
1755.) 


Die  Tendenz  der  Schulkomödien.  353 

sollst  nicht  lügen»,  «du  sollst  nicht  töten»,  «du  sollst 
nicht  fremdes  Gut  und  fremde  Macht  begehren»,  «du  sollst 
deine  Eltern  und  deine  Obrigkeit  ehren»,  «du  sollst  nicht 
dem  glitzernden  Scheine  nachlaufen >,  «du  sollst  dir  nicht 
schlechte  Freunde  wählen»,  «du  sollst  nicht  deinen  Lüsten 
und  Liebhabereien  frönen»,  «du  sollst  dein  Land  und  dein 
Volk  nicht  verachten»,  «du  sollst  nicht  prahlen»,  «du  sollst 
nicht  abergläubisch  sein»,  «du  sollst  das  irdische  Leben  hoch- 
halten», «du  sollst  nicht  eitel  sein  und  dir  einbilden, duseist 
klüger  als  die  Klugen»,  vor  allen  Dingen  aber:  «du  sollst 
Gott  und  Kirche  lieben,  schützen  und  ehren  und  —  den 
Jesuiten,  deinen  besten  Lehrmeistern,  willig  folgen»,  natür- 
lich «auf  daß  es  dir  wohl  gehe  und  du  lange  lebest  auf 
Erden»  —  das  ist  jener  Kreis  von  «Sätzen»  und  Lehren, 
mit  anderen  Worten  jener  Tendenzen,  die  ßohomolec 
mit  seinen  Schulkomödien  hat  veranschaulichen  und  illu- 
strieren wollen. 

Inwieweit  diese  «Sätze»  fortschrittlicher  oder  reak- 
tionärer Art  waren,  brauche  ich  in  dieser  Arbeit  nicht 
des  näheren  zu  untersuchen,  denn  ich  schreibe  nicht  die 
Geschichte  des  polnischen  Geistes  im  18.  Jahrhundert. 
Nur  soviel  möchte  ich  zur  Beleuchtung  des  geistigen 
Typus  der  Bohomolecschen  Schulkomödien  bemerken, 
daß  Bohomolec  eine  auffallende  Zurückhaltung  an  den 
Tag  legt,  wenn  er  mit  Repräsentanten  der  älteren  Genera- 
tion, der  «altpolnischen  Sarmaten»,  zu  tun  hat,  sich  da- 
gegen sehr  offen  und  nachdrücklich  ausspricht,  wenn  es 
gilt,  die  Fehler  der  jungen  Generation  zu  geißeln.  Ich 
glaube  kaum,  daß  diese  Tatsache  so  zu  deuten  wäre,  als 
wollte  er  als  «laudator  temporis  acti»  auftreten  und  dem 
Fortschritte  Feindschaft  erklären.  Aus  seinen  späteren 
«Theaterkomödien»  wissen  wir  ja  zur  Genüge,  daß  er 
k:eineswegs  besondere  Sympathien  für  die  sogenannte 
«cnota  staropolska»  nährte,  verspottete  er  doch  gründlich 
den  Typus  des  Staruszkiewicz  (in  den  Komödien  «Malzen- 
stwo  z  kalendarza»  und  «Staruszkiewicz»),  des  Ceremonski 
(im  «Ceremoniant»),  des  Drqgaylo  (in  den  «Czary»),  diese 

Stender-Petersen,  Die  Schulkomödien.  23 


3r)4  KRpilel  V. 

Repräsentanten  der  reaktioniiren  Provinzszlaclita  mit  ihrem 
Fremdenhasse,  ihrem  Aherglaubcn,  ihrem  «Macaronismus>, 
die  ganze  Garde  der  Trinker  aus  der  fröhlichen  Sachsen- 
zeit («Piiacy»)  und  geschworenen  Feinde  seiner  fort- 
schritthcheu  Zeitschrift  «Monitor»  (in  der  gleichnamigen 
Komödie).  Da  war  er  aber  einerseits  nicht  mehr  Pro- 
fessor am  jesuitischen  Gymnasium,  andererseits  konnte 
er  den  Ausweg  der  Anonymität  benutzen.  Wenn  er  in 
seinen  Schulkomödien  dagegen  als  Verleidiger  der  mehr 
oder  weniger  konservativen  Unterrichtsmethode  seines 
Ordens,  als  Feind  des  modernen  Rationalismus  und  der 
französischen  Bildung  (oder  jedenfalls  ihrer  negativen 
Seiten),  als  Kritiker  der  Jugend  auftritt,  so  ist  die  Er- 
klärung dieses  nur  scheinbaren  Gegensatzes  einfach  die, 
daß  er  an  die  Grundsätze  Feines  Ordens  gebunden  war, 
im  Interesse  dieses  Ordens  zu  sprechen  hatte  und 
für  die  Autorität  seiner  Schule  kämpfen  mußte.  Die 
Anschauungen,  die  er  verfocht,  die  Methode,  nach  der 
er  seine  «kastrierten»  Komödien  verfaßte,  waren  die  An- 
schauungen des  Ordens,  die  Methode  des  Ordens.  Ob 
sie  in  allen  Stücken  auch  die  seinigen  waren,  das  ist 
eine  andere  Frage,  die  nicht  ohne  weiteres  bejahend  be- 
antwortet werden  kann.  Denn  Bohomolec  war  in  seiner 
Eigenschaft  als  Komödienverfasser  nicht  der  freie  Dichter^ 
der  Persönliches  schafft,  sondern  ein  wesentlich  unpersön- 
liches Glied  der  Kongregation,  das  eine  ihm  gestellte  Auf- 
gabe nach  bestem  Wissen  und  Können  auszuführen  hatte. 
Die.se  Aufgabe  war  aber  von  vornherein  so  mit  Grund- 
sätzen und  Regeln  begrenzt,  daß  ein  freies  künstlerisches 
Schaffen  ausgeschlossen  war.  Seine  Schulkomödien  sind 
somit  vielleicht  nicht  so  sehr  der  Anfang  der  Geschichte 
der  polnischen  Komödie  im  modernen  Zeitalter,  als  viel- 
mehr der  Schluß  der  jesuitischen  Schuldramatik  in  Polen. 


355 


Kapitel  VI. 

Die  literarhistorische  Bedeutung 
der  Schulkomödien. 

Wenn  Bohomolec'  Schulkomödien  —  wie  oben 
gezeigt  ist  —  dem  Typus  und  der  Tendenz  nach  nur 
eine  (letzte)  Adaptation  der  modernen,  klassizistischen 
Komödie  an  die  in  der  Hauptsache  unwandelbaren  Prin- 
zipien jesuitischer  Schuldramatik  bedeuten,  kurz  bevor 
diese  Schuldramatik  in  Polen  mit  der  Aufhebung  des 
Ordens  eines  natürlichen  Todes  stirbt,  wenn  diese  Schul- 
kömödien  vorzugsweise,  wir  können  sogar  sagen,  fast 
ausschließlich  von  pädagogischen  Rücksichten  beherrscht 
werden,  und  ein  freies  poetisches  Schaffen  in  ihnen  keines- 
wegs hat  zum  Ausdruck  kommen  können,  so  will  icli 
doch  damit  bei  weitem  nicht  gesagt  haben,  daß  sie  keine 
weitere  literargeschichtliche  Bedeutung  für  den  folgen- 
den Entwickelungsgang  der  modernen  polnischen  Komödie 
gehabt  hätten. 

Ich  möchte  im  Gegenteil  behaupten,  daß  die  literatur- 
geschichtliche Bedeutung  eben  der  Schulkomödien  keines- 
wegs unterschätzt  werden  darf.  Ich  behaupte,  daß  eben 
in  den  Schulkomödien,  den  bescheidenen  Erzeugnissen 
unseres  Jesuiten  und  Pädagogen,  die  ersten  Keime 
zu  jener  Komödienliteratur  stecken,  die  für  das  von 
König  Stanislaw  August  Poniatowski  gegründete  öffentliche 
Theater  zu  Warschau  ein  oder  einige  Jahrzehnte  später 
entstand.  Ich  möchte  dabei  nicht  gerade  die  Tatsache 
allzu  sehr  betonen,  daß  einige  von  den  Schulkomödien 
(der    «Junak»   und   der  «Paryzanin   polski»)   auch   später 

23» 


356  Kapitel  VI. 

noch  mehrfacli  auf  der  Bühne  des  öffentlichen  Theaters 
aufgeführt  worden  zu  sein  scheinen  \  auch  nicht  jene 
andere  Tatsache,  daß  wir  «Schulkomödien»  unseres  Paters 
in  handschriftlichen  Sammlungen  von  Komödien,  die  viel 
später  (1777)  noch  auf  Privatbühnen  polnischer  Land- 
magnaten aufgeführt  wurden,  wiederfinden^,  woraus  wir 
auf  ihre  Beliebtheit  schließen  können;  ich  will  mich  auch 
nicht  —  wie  verlockend  es  auch  erscheinen  mag  — 
darauf  einlassen,  im  einzelnen  darzutun,  wie  der  «Junak» 
dem  «starosta»  Stanislaw  Mycielski  den  Anstoß  da- 
zu gegeben  hat,  einen  anderen,  sogar  in  zwei  Auflagen 
erschienenen  dreiaktigen  « Junak :^^  zu  verfassen;  wie  Jö- 
zef  Bielawskis  Komödie  «Natr^ci»,  mit  der  das  Theater 
am  19.  November  1765  eröffnet  wurde,  nicht  nur  eine 
freie  Bearbeitung  der  Molierischen  «Fächeux»  ist,  son- 
dern auch  deutlichen  Einfluß  seitens  der  Bohomolecschen 
«Natr^tnicy»  verrät,  indem  auch  Bielawski  einen  Dichter- 
ling und  einen  adelsstolzen  Nachkommen  des  Königs  Lech 
einführt,  und  dem  «Paryzanin  polski»  einige  Gestalten, 
vor  allen  Dingen  den  Französling  ( «paryzanin >)  Sapien- 
czykoweki  verdankt;  wie  Bielawskis  zweite  Komödie  (1766), 
der  <Dziwak>,  mit  ihrem  Haupthelden,  dem  barbarischen 
«Sarmaten»  Kokoszeweki,  jene  Typenart  weiter  entwickelt, 
die  Bohomolec  schon  in  seiner  gleichnamigen  Schul- 
komödie angedeutet,  später  in  seinen  «Theaterkomödien» 
mehrfach  aufs  neue  aufgenommen  hatte;  wie  Krasickis 
Komödie  «Lgarz»  den  von  Bohomolec  in  die  polnische 
Komödie  eingeführten  Typus  des  prahlerischen  Lügners, 
speziell  den  Samochwai  des  «Chelpliwiec»  und  den  Robert 
des  «Ubogi  hardy»,  in  der  Gestalt  des  «pan  Erast  Zyg- 
munt  Ferdynand  Maximilian,  hrabia  na  Trzmielnie,  Czem- 
brzyczach  y  Rataiowie  &c.,  &c.,  &c. >   variiert;  wie  derselbe 


1  Vgl.  S.  428  ff.  des  Anhangs. 

»  Vgl.  die  Noten  S.  193  und  369. 

'  Die  Komödie  erschien  ohne  Verfassernamen  (in  2.  Aufl.) 
mit  dem  Titel :  «Junak.  Komedya  we  trzech  aktach.  W  Warszawie 
1774.     Nakl.  Michala  Grölla». 


I 


\ 


Die  lilerarhislorische  Bedeutung  der  Schulkomödien.       357 

Krasioki  in  seiner  anderen  Komödie  «Statysta»  den  Bo- 
homolecschen  Projektenmacher  aus  den  «NatrQtnicy» 
wiederholt  und  den  Diener  Figlaeki  eine  Rolle  spielen 
läßt,  die  sein  Namensvetter  eo  oft  bei  Buhomolec  zu 
spielen  hat;  wie  der  «sqsiad»  Rubasiewicz  in  Krasickis 
«Krosienka»  ein  direkter  Nachkomme  des  Bohomolecschen 
Jagdfanalikers  in  den  «NatrQtnicy»  ist  und  Wiatrkowski, 
der  eben  aus  Paris  angekommen  ist,  die  Züge  eines  Boho- 
molecschen Starski  mit  denen  eines  Samochwal  verbindet; 
wie  Leander,  der  Titelheld  der  Krasickischen  Komödie 
<Solennizant»,  eigentlich  nichts  anderes  ist  als  eine  wohl 
durchgearbeitete  Wiederaufnahme  des  Bohomolec-chun 
Kleander,  des  Helden  der  Komödie  «Ubogi  pokorny», 
deren  Handlung  wohl  auch  die  Quelle  der  Intrige  der 
Krasickischen  Komödie  gewesen  ist;  wie  der  Typus  des 
intrigierenden  Heuchlers  Przemyslowski  in  der  Komödie 
«Frant»  nicht  ohne  die  Existenz  des  Figlacki  der  Schul- 
komödien, vor  allen  Dingen  des  «Dziwak>  und  des  «Fig- 
lacki kawaler  z  ksi^zyca»,  hat  entstehen  können;  wie  so- 
mit gerade  Krasicki  Bohomolec'  Schulkomödien  unendlich 
viel  zu  verdanken  hat."*  Alles  das  sind  aber  doch  nur 
stoffliche,  motivische  Einzelheiten,  Entlehnungen  von 
einzelnen  komischen  Figuren,  und  damit  wäre  die  Be- 
deutung der  Bohomolecschen  Schulkomödien  nur  als  eine 
rein  äußerliche  bezeichnet. 

Viel  wichtiger  scheint  mir  die  Tatsache  zu  sein,  daß 
Bohomolec  mit  seinen  Schulkomödien  jenem  Komödien- 
typus den  Weg  geebnet  hat,  zu  dem  seine  eigenen 
«Theaterkomödien»  gehören,  zu  dem  auch  die  Komödien 
Bielawskis,  Czartoryskis  und  Krasickis  gerechnet  werden 
müssen.  Bevor  ich  aber  die  Definition  dieses  Typus  gebe, 
muß  ich  mich  mit  einer  Theorie  des  mehrfach  genannten 
Kielski  auseinandersetzen,  der  die  Frage  nach  der  inneren 
Chronologie  der  Schulkomödien  mit  der  Frage  nach  ihrem 

*  Marjan  Szyjkowski,  Dziejc  komedji  polskiej  w  za- 
rysie  (Krakow  1921),  S.  22—23,  scheint  etwas  Ähnliches  andeuten 
zu  wollen. 


358  Kapitel  VI. 

Typus  verknüpft  und  beide  Fragen,  meiner  Meinung  nach, 
falsch  beantwortet  hat.^  Da  zudem  das  Problem  der 
Chronologie  der  Bohomolecschen  Schulkomödien  zugleich 
auch,  in  Anbetracht  der  äußeren  Rücksichten,  die  Bohomo- 
lec  immer  beachten  mußte,  zu  einem  Problem  der  inneren 
EntAvickelung  der  Bohomolecschen  Absichten  wird  und 
80  zur  Lösung  der  Frage  nach  Bohomolec  eigenen,  unter 
dem  Druck  jener  äußeren  Rücksichten  aber  stark  ver- 
kümmerten und  fast  unkenntlich  gewordenen  Inten- 
tionen beitragen  dürfte,  haben  wir  hier  allen  Anlaß, 
auf  Kielflkis  Hypothesen  einzugehen. 

Kielski  scheint  mir  von  einem  falschen  Kriterium  ausge- 
gangen zu  sein,  als  er  seinem  Versuche  einer  zeitlichen  Schich- 
timg und  Gruppierung  der  Schulkomödien  den  leitenden  Satz  von 
Bohomolec'  «Molierismus»  zugrunde  legte.  Anfänglich  glaubte  er 
einer  chronologischen  Gruppierung  aus  dem  Wege  gehen 
zu  dürfen  und  begnügte  sich  damit,  gewisse  typische  Schich- 
ten nachzuweisen;  da  ihm  aber  Molieres  souveräner  Einfluß  auf 
Bohomolec  so  gut  wie  ein  Axiom  geworden  war,  mußte  jene 
Einteilung  eben  nach  dem  jeweiligen  Grade  des  «Molierismus»  der 
einzelnen  Komödien  vorgenommen  werden.  Kielski  glaubte  dem- 
entsprechend  folgende   drei  Gruppen   konstatieren   zu   können: 

1,  die  Gruppe  der  «sklavischen»  Bearbeitungen  Molierischer 
Vorbilder  («pierwsza  warstwa  to  niewolnicze  przerobki 
z  Moliera,  miejscami  przechodzcT,ce  w  proste  tlömaczenia») ; 
zu  dieser  Gruppe  werden  gezählt: 

die   «Modrkowie», 

der  «Dziedzic   chytry», 

die  «Kawalerowie   mcdni», 

die   «Natr^tnicy», 

die  «Nieroztropno§c», 

der  «Fan   do    czasu»   und 

die  «Rada   skuteczna»; 

2.  die  Gruppe  der  selbständigen,  aber  nicht  ohne  Molierischen 
f^influß  entstandenen  Komödien  («warstwa  druga  zawiera 
komedje,  gdzie  Bohomolec  zrywa  sIq  na  samodzielnit 
kreacj^,  ci^gle  jednak  w  l^cznoäci  z  Molierem»);  zu 
dieser   Gruppe   gehören : 

der  «Figlacki   polityk»   I, 
der  «Figlacki   polityk»   II, 

^  Kiel  Ski,  a.  a.  0.,  S.  140,  156. 


Die  literarhistorische  Bedeutung  der  Schulkomödien.        359 

der  «Figlacki   kawaler  z  ksi^zycaj». 

der  «Urazaia.cy   si^», 

der  «Paryzanin  polski^  und 

der  «Mysliwy»; 

3.  die  Gnippc  der  nach  wahrscheinhehem  anderweitigem  Vor- 
bilde entst«indeTien  Komödien  («do  trzeciej  liczymy  takio, 
gdzie  zrodlcni  poinyshi  nie  byl  Molior,  ale  prawdopo- 
dobnie  jakis  inny  autor>);  hierher  gehören  seinor  Mei- 
nung   nach : 

die   <'Blizni^ta», 

die   <Przyiaciele  stolowi», 

der  «Arlekin  na  §\viat  urazony)^, 

die  «Kiopoty   panow», 

der  «Statysta    mnjemany», 

der  «Junak;>, 

der  «Ubogi    pokomy  \ 

der  «Ubogi   hardy», 

der  «Chelpliwiec»   mid 

der  «Dziwak». 

Die  beiden  Komödien,  deren  jesuitischen  Ursprung  Bohomolec 
selbst  eingeräumt  hatte,  \^iirden  von  Kielski  nicht  in  dieser  Grup- 
pierung beachtet. 

Wir  brauchten  nicht  viel  Worte  über  diese  Einteilung  zu 
verlieren,  wenn  sie  bloß  als  eine  Scheidung  der  Sclmlkomödien 
nach  Quellen  gemeint  gewesen  wäre,  trotzdem  die  Q^iellenfrage 
auch  nur  sehr  mangelhaft  gelöst  erscheint.  Nun  soll  aber  diese 
Scheidung  resp.  Schichtung  sicher  nach  Kielskis  Auffassung  als 
zeitliche  Gruppierung  aufgefaßt  werden.  Er  geht  dabei  von  einer 
dem  hervorragenden  Kenner  der  Geschichte  des  Dramas  in  Polen, 
Pix)f.  St.  Windakiewicz  zugeschriebenen  —  freilich  nur  mündlich 
geäußerten  —  Vermutung  aus,  Bohomolec  hätte  seine  Wirksam- 
keit als  Dichter  polnischer  Komödien  im  Anschluß  an  gewisse 
frühere,  einheimische  Versuche  begonnen,  sei  aber  dann  von  Mo- 
liere  in  andere  Bahnen  gelenkt  worden:  «Bohomolec  mial  rozpo- 
cza.c  od  spöinionych  popisöw  w  guscie  dawnieyszego 
teatru  polskiego  (n.  p.  «Arlekin  na  swiat  urazony»)  i  Mo- 
Her  dopiero  z  m  i  e  n  i  i  Charakter  jego  twörczosci».  Speziell  die 
zitierte  Komödie  soll  eine  «typowa  arlekinada  polska:)  gev.-esen 
sein.  Kielskis  resp.  Windakiewicz'  Hypothese  ist  durchaus  un- 
haltbar, denn  —  wie  aus  meinen  Quellenstudien  hervorgehen 
muß  —  von  irgendeinem  Einflüsse  einer  älteren,  zu  Bohomolec' 
Zeit  längst  verkümmerten,  komischen  Literatur,  sei  es  der  popu- 
lären   Intermedien    oder    der,    soWel    ich    weiß,    gänzlich    unbe- 


360  Kapitel  VI. 

kaiiuleii  -polnischen,  Harlekinaden»,  ist  bei  Bohonaolec  nichts  zii 
merken;  die  motivische  Berührung  einer  Szene  mit  einer  alt- 
polnischen Anekdote,  die  ich  oben  aufgedeckt  habe  ^,  berechtigt 
uns  keineswegs  zu  dergleichen  Schlüssen;  der  «Arlekin  urazony» 
hat  sich  als  ein  Konglomerat  durchaus  nicht-polnischer  Ele- 
mente enviesen,  und  sogar  in  jenem  einzigen  Falle,  wo  wir  mit 
einigem  Rechte  eine  Abhängigkeit  Bohomolec*  von  älteren  pol- 
nischen Komödien  hätten  erwarten  können,  nämlich  bei  den  ';Klo- 
poty  panöw»,  hat  sich  diese  Erwartung  als  trügerisch  erwiesen.' 

Molieres  Komödien  sollen  —  nach  Kielskis  (und  Winda- 
kiewicz")  Meinung  —  für  Bohomolec  ungefähr  dieselbe  revolu- 
tionierende Bedeutung  gehabt  haben,  die  sie  bekanntlich  viel  später 
für  Fredro  hatten:  wäre  dem  so,  so  müßten  die  Komödien,  die 
Molieres  Einfluß  verraten,  natürlich  jünger  sein  als  die  Komödien, 
die  keine  Spur  eines  solchen  Einflusses  verraten.  Somit  müßte 
die  von  Kielski  als  dritte  angenommene  Gruppe  die  zeitlich  erste 
gewesen  sein;  zugleich  oder  etwas  später  müssen  die  «sklavischen» 
Übersetzmigen  und  Bearbeitungen  Moliörischer  Komödien  begonnen 
haben:  also  wäre  die  oben  als  erste  angeführte  Schicht  zeitlich 
die  zweite,  schließlich  hat  Bohomolec  sich  mehr  und  mehr 
von  der  Vorlage  (Moliere)  emanzipiert,  d,  h.  zunächst  dieselbe 
polonisiert,  dann  nach  Molieres  Muster  auch  eigene  Charaktere  zu 
schaffen  versucht:  somit  w^ären  die  als  zweite  Schicht  zusammen- 
gefaßten Komödien  chronologisch  die  dritte  und  letzte  Gruppe. 
Kielski  drückt  es  auch  an  einer  Stelle  mit  klaren  Worten  aus:  «Z 
p  o  c  z  ^  t  k  u  niewolniczc  przeröbki  z  Moliera  lub  z  innych  auto- 
row,  p  o  t  e  m  przeröbki  samodzielniejsze,  przystosowane  do  miej- 
scowych  warunköw,  w  k  o  li  c  u  utwory  z  charakterem,  nakreslo- 
nym  wprost  z  natury.»  Man  sieht,  der  springende  Punkt  für 
Kielski  ist  immer  der  Grad  der  Abliängigkeit  tmseres  Dichters  von 
Moliere.  Ist  eine  Komödie  ganz  frei  von  allem  Einflüsse  Molieres, 
so  ist  sie  eine  der  ältesten  Komödien,  zu  einer  Zeit  entstanden,  da 
Bohomolec  Moliere  noch  nicht  näher  gekannt  hat;  ist  eine  Ko- 
mödie in  ihrer  Handlung  oder  in  ihrem  Charakter  frei  nach  Mo- 
lieres Exempel  verfaßt,  so  ist  sie  eine  der  jüngsten;  ist  sie  Mo- 
liere sklavisch  nachgeahmt,  so  steht  sie  gerade  in  der  Mitte 
zwischen  jenen. 

Sobald  wir  nun  aber  mit  dem  Rechte,  das  uns  meine  obigen 
^•ingehenden  Untersuchungen  zweifellos  gel>en,  Molieres  Einfluß 
auf  Bohomolec'  Schulkomödien  ganz  bedeutend  reduzieren  und 
—  um  von  den  anderen  Einflüssen  gar  nicht  zu  reden  —  die  Be- 


6  Vgl.  S.  229. 
'  Vgl.   S.  58. 


Die  literarhistorische  Bedeutung  der  Schullcomödien.        361 

deuluiig  dtT  jesuitischen  Komödienliteralur  und  der  Komödien 
Goldonis  her\-x)rheb€n,  fällt  "Kielskis  ganze  Tii€orie  vom  «Mo- 
lierismus)  der  Schulkomödien  und  seine  chronolojiischc  Grufpicrung 
zusammen.  Alle  fünf  Bände  enthalten  Komödien,  die  auf  Mo- 
lierische  Intrigen  und  Aktionsschemen  zurückgehen,  und  sie  irgend- 
wie im  Gegensatz  zu  den  übrigen  in  eine  Gruppe  zusammen- 
zufassen,  dazu  fehlt  uns  jede  Berechtigung. 

Nun  liegt  aber  andererseits  kein  Anlaß  vor  an- 
zunehmen, daß  die  Reihenfolge,  nach  der  die  einzelnen 
Komödien  in  den  fünf  Bänden  geordnet  sind,  zugleich 
auch  eine  zeitliche  Folge  wäre:  Bohomolec  ^vi^d  bei  der 
Zusammenstellung  jedes  Bandes  sicher  mehr  als  nur  die 
fünf  in  jeden  Band  aufgenommenen  Komödien  druckreif 
gehabt  oder  jedenfalls  schon  geschrieben  haben.  Darauf 
deuten  auch  einige  objektiv  feststellbare  Tatsachen.  So 
versprach  Bohomolec  schon  im  ersten  Bande  am  Schlüsse 
seines  an  den  Leser  gerichteten  Vorwortes: 

•Jesli    obaczQ,    ze    te    p  i  e  r  w  i  a  s  t  k  i    prac    moich   mile 
b^d^   przyi^te,   ix)mysl^   od  rüg  im   tych   komedyi   tomiku.» 

Das  bedeutet  wohl^  daß,  außer  den  ersten  fünf  Erzeug- 
nissen seiner  Feder,  schon  Material  für  einen  zweiten 
Band  vorhanden  war;  als  er  somit  1755  den  ersten  Band 
herausgab,  waren  schon  Komödien  zum  nächsten  Bande^ 
der  aber  erst  1756  erschien,  fertig.  —  Etwas  ähnliches 
können  wir  von  dem  Zeitpunkte,  da  der  dritte  Band 
gedruckt  wurde,  vermuten:  am  Schlüsse  dieses  Bandes 
finden  wir  nämlich  folgendes  Zitat: 

«Adhuc  supersunt  multa  quae  possum   locpii 

Et   copiosa   a  b  u  n  d  a  t    rerum   varietas. 

Sed » 

Das  kann  nicht  anders  gedeutet  werden  als  eine  Andeutung,, 
daß  schon  eine  <* copiosa  rerum  varietas»  für  den  nächsten, 
im  Jahre  darauf  erschienenen  Band  bereit  wäre.  Wir 
brauchen  somit  kaum  mit  der  Reihen folgti  der  Komödien 
in  den  fünf  Einzelbänden  zu  rechnen,  wenn  wir  die  eigent- 
liehe  Chronologie  derselben  bestimmen  wollen. 

Nun  scheint  mir  eine  zunächst  geringfügige  Tatsache 
ein   wertvolles    Hilfsmittel    bei    der  chronologischen    Ord- 


2('d  Kapitel  VI. 

luing  der  Komödien  abgeben   zu   können:   ich  meine  die 

Tatsache,    daß    gewisse    Komödien    konsequent   pohlische 

Namen  für  die  auftretenden  Personen  aufweisen,  während 

wir   in    den  übrigen    —    und    zwar   der  großen  Mehrzahl 

der    Komödien   —    konventionelle    Namen    französischen, 

italienischen,  schließlich  sogar  deutschen  Ursprungs  finden. 

Das  muß  sicher  mit  der  —  bewußt  erstrebten  —  Poloni- 

ßierung  gewisser  Komödien  zusammenhängen,  und  daraus 

ließe  sich  —  in  Verbindung  mit  anderen  Beobachtungen 

—  recht  Entscheidendes  auch  für  die  zeitliche  Folge  der 

Komödien  erschließen. 

Durchweg  polnische  Namen  haben  wir  in  den  beiden  «Fig- 
lacki  polityk»-Komödien,  im  «Figlacki  kawaler»,  im  «Urazai^cy  siQ», 
im  «Oyciec  nieroztropny»,  schließlich  auch  im  «Paryzanin  polski». 
Von  diesen  Komödien  gehören  sicher  der  «Figlacki  kawaler»  und 
dio  beiden  «Figlacki  polityk»-Komödien  auch  sonst  enger  zu- 
sammen, denn  in  allen  dreien  tritt  das  Freundespaar  Figlacki- 
Pomocki  auf.  Den  Towarski  aus  dem  «Figlacki  polityk»  I  treffen 
wir  im  ^Figlacki  kawaler»  wieder,  aber  schon  nicht  mehr  in  Be- 
gleitung Zarobskis.  Weiter  haben  wir  die  polnischen  Namen 
Lakomski  (im  «Figlacki  polityk»  II,  auch  genannt  im  «Paryzanin 
polski»),  Lunacki  (im  «Figlacki  kawaler»,  auch  in  der  «Rada  sku- 
teczna»),  Gospodarski  (im  «Figlacki  kawaleD>).  Figlacki  tritt  weiter 
Jioch  in  der  «Nieroztropnosc»  und  im  «Dziwak»  inmitten  nicht- 
polnischer Namen  auf.  Im  «Urazai^cy  si^»  dürfen  wir  im  Freundes- 
paar Bywalski-Frantocki  das  Paar  Figlacki-Pomocki  wiedererkennen. 
Der  hier  auftretende  Diener  M^drski,  dem  als  Gegensatz  der  Name 
tles  Helden  Ghipski  gegenübersteht,  hat  seinen  Namen  deutlich  aus 
dem  «Oyciec  nieroztropny»  (wo  freilich  der  Lehrer  so  heißt);  hier 
treffen  wir  außerdem  die  polnischen  Namen  Roztropski,  Wier- 
nicki  und  Synocki  (neben  den  polnischen  Vornamen  Patrycy,  Woy- 
tek,  Benedys).  Im  «Paryzanin  polski»  bemerken  wir  noch  die 
Namen  Starski  und  Bogacki. 

Während  nun  der  «Oyciec  nieroztropny»,  der  «Figlacki  po- 
lityk» I  und  II,  der  «UrazaiE^cy  siQ»  (vier  Komödien  des  ersten 
Bandes,  die  zusammen  mit  der  «Nieroztropnosc»  von  Bohomolec 
als  «pierAviastkiv  bezeichnet  wurden)  und  der  «Figlacki  kawaler» 
nur  polnische  Namen  haben,  weisen  die  anderen  schon  ge- 
nannten Komödien  auch  —  und  zum  Teil  überwiegend  —  koa- 
ventionelle  Theatemamen  oder  nicht-polnische  Namen  auf;  das  ver- 
bindet sie  mit  den  übrigen,  nicht  genannten  Komödien.  Tyjjische 
2famen  sind  hier  der  Name  Anzelm  für  die  Rolle  der  alten  Väter 


Die  literarhistorische  Bedeutung  der  Schulkomödien.        303 

oder  Oiikel  oder  betrogenen  Greise  (<(Nieix)ztropnosc^"',  «Dziedzic 
chytry»,  «Natr^tnicy»,  <Dziwak'>,  <;Chel])Iiwiec»,  «Statysta  mnie- 
many»,  «übogi  hardy»,  «Ubogi  pokomy»,  <Pi-zyiacicle  stolowi»,  «Ka* 
walerowio  inodni»)  neben  den  Namen  Pandolf,  Arysl,  Chryzant, 
Adrast,  weiter  der  Name  Robert  (resp.  Rudolf)  für  das  Fach  der 
jungen  Helden  («üzi\vak>^  «Paryzanin  [»olski*,  ^Junak»,  «Ulx^gi 
pokomy»,  «My^liwy>^,  «Przyiaciele  slolowi»,  «Kawalerowie  modni»), 
schließlich  der  Name  Dorajit  für  junge  Kavaliere,  die  nicht  im 
Zentrum  der  Handlung  stehen  ('.<Natr^lnicy»,  «Chelpiiwiec>,  «Junak>, 
«übogi  hardy;\  «Ubogi  pokomy»,  <^Statysta  mniemany»,  «Kawa- 
lerowie modni>\  «BlizniQta»,  «Przyiaciele  stolowi»,  cMysliwy»).  Dio 
Diener  lieißen  sehr  verscbieden:  Sbrigani,  B'urboni,  Doreni,  Ser- 
woni,  Frontin,  Marcin,  Woyciech,  Johan,  Tomasz,  Filip,  ohne  jeden 
Versuch  einer  konsequenten  Individualisiemng  eines  bestimmten 
Namens.  • 

Ich  glaube  nun,  daß  diese  verschiedene  Namengebung 
mit  einer  gewissen  Verschiedenheit  in  der  Art  der  Tendenz 
der  Schulkomödien  in  Verbindung  gebracht  werden  kann, 
woraus  sich  dann  eine  andere  Gruppierung  als  die  KieUki- 
sche  ergeben  könnte,  woraus  wir  eine  eigenartige  innere 
Geschichte  der  Schulkomödien  erschließen  könnten. 

Es  scheint  mir  zunächst  axiomatisch  festzustehen, 
daß  Bohomolec,  der  Jesuit,  als  er  ans  Werk  ging,  eich 
vor  allen  Dingen  auf  dem  ihm  am  nächsten  liegenden 
Gebiete  der  (französisch-)  jesuitischen  Schulkomödien- 
literatur hat  umsehen  müssen.  Darauf  deutet  die  von 
mir  im  ersten  Kapitel  näher  besprochene  Kongruenz 
zwischen  seinen  Stoffen  und  Zielen  und  denen  der  Jesuiten- 
komödien. Als  eine  der  allerersten  Komödien  muß  zweifel- 
los seine  in  den  ersten  Band  aufgenommene,  zu  den 
«pierwäastkit  gehörige  Übersetzung  des  Poreeschen  «Pater 
excaecatus»  entstanden  sein.  An  den  Anfang  seiner  Tätig- 
keit muß  wohl  auch  seine  Bekanntschaft  mit  den  le  Jay- 
schen  und  du  Cerceauschen  Komödien  verlegt  werden; 
doch  darf  es  als  fraglich  betrachtet  werden,  inwieweit  er 
diese  Komödien  auch  sofort  oder  vielmehr  erst  später  über- 
setzt hat.  Jedenfalls  verwandelte  er  die  lateinischen  Namen 
des  «Pater  excaecatus >  in  entsprechende  polnische,  während 
er   es    (wohl  vom  Stoffe  selbst  dazu  gezwungen)    bei  den 


^64  Kapitel  VI. 

niuleien  Koniödien  unterließ.  Wie  dem  auch  sei,  als 
Ausgangspunkt  der  Scbulkomödien  gelten  mir  die 
^^Jesuitischen». 

Zur  nächsten  Etappe  müssen  vor  allen  Dingen  die 
drei  Figlacki- Komödien  gezählt  werden:  die  beiden 
Komödien  «Figlacki  polityk»  und  der  —  erst  später  ver- 
öffentlichte —  «Figlacki  kawaler  z  ksi^zyca»,  jene  zwei» 
weil  sie  schon  im  ersten  Bande  abgedruckt  wurden,  diese, 
weil  sie  das  Spitzbubenpaar  Figlacki-Pomocki  mit  jenen 
gemein  hat.  Mit  dem  «Oyciec  nieroztropny»  verbindet 
sie  der  ganz  bewußte  Zug  der  Polonisierung  der  jeweiligen 
Vorlagen,  eine  Polonisierung,  die  hier  vor  allen  Dingen 
in  der  als  aktuell-polnischer  Typus  aufgefaßten  Gestalt 
des  Figlacki  zum  Ausdruck  kam.  Man  hatte  hier,  wie 
ich  nachgewiesen  habe,  einen  in  der  komischen  Handlung 
als  Parasit  und  Spitzbube  auftretenden,  die  Prinzipien  des 
allermodernsten  französischen  Rationalismus  und  Atheismus 
predigenden  Nachkommen  des  Arlecchino  oder  Scapin  oder 
Don  Sigismondo  oder  endlich  des  terenzischen  Gnatho  in 
der  Gestalt  eines  polnischen  «esprit  fort»  vor  sich.  Die 
Adresse  der  Ironie,  das  Objekt  der  Tendenz  war  leicht 
erkennbar,  und  Ironie  und  Tendenz  verfehlten  nicht  die 
erwünschte  Wirkung. 

Wir  sind  nämlich  dazu  berechtigt,  anzunehmen,  daß 
gewisse  Kreise,  die  der  französischen  Geistesrichtung  hul- 
digten, sich  nach  der  Aufführung  jener  Komödien  getroffen 
fühlten,  und  ihre  Erbitterung  nahm  vermutlich  die 
Form  eines  offenen  oder  geheimen  Protestes  gegen  die 
Bohomolecsche  Karikatur  der  «moda  teraznieysza»  und 
ihrer  Vertreter  in  der  polnischen  Gesellschaft  an.  Boho- 
molec  hat  sich  gegen  die  Beschuldigung  verteidigen  müssen, 
daß  er  bestimmte  Personen  oder  Kreise  im  Auge  gehabt 
habe,  und  diese  Selbstverteidigung  wurde,  wie  es  oft  in  der 
Geschichte  der  Komödie  zu  geschehen  pflegte  (Moliere, 
Goldoni,  Gogol),  zu  einer  neuen  Komödie,  dem  «Urazai^cy 
si^  niesiusznie  o  przymöwki».  Wir  wissen  das  alles  aus 
dem  Vorworte  «Do  czytelnika»,   das  Bohoraolec  statt  des 


Die  literarhistorische  Bedeutung  der  Schulkomödii  n.        3t)5 

gewöhnliclien   «Argumentes»   an    die  Spitze    der  Komödie 

setzte : 

«Gdy  p  o  w  y  p  r  a  w  i  o  n  i  u  wyzey  polozonych  KOMIüJV.T 
zaialazlo  siQ  nie  nialo  takich,  ktorzy  sobie  z  nich  p  r  z  y  - 
m  ö  w  k  i  nieslusznie  ukladali;  podali  ini  nowi^  matervc-i,  na 
KOMEDYA  nast^puiacji  ,  .  .» 

Tatsächlich  wiederholte  Bohomolec  nur  in  noch  schärferer, 
aber  verschleierter  Form  seinen  früheren  Angriff,  indem 
er  den  Vertreter  der  grundlos  Gekränkten,  den  dummen, 
aber  lernbegierigen  Gkipski  zu  einem  Schüler  eben  des- 
selben Figlacki  machte,  der  die  Erbitterung  geweckt  halte. 
Der  Vorsicht  halber  gab  er  ihm  einen  neuen  Namen,  näm- 
lich Bywalski.  Ihm  zur  Seite  stellte  er  denselben  Pomocki, 
den  wir  aus  den  angegriffenen  Komödien  her  kennen,  gab 
ihm  aber  den  neuen  Namen  Frantocki.  Durch  die  Be- 
hauptung, die  Leichtgekränkten  fühlten  sich  wie  Glupski 
ohne  Grund  gekränkt,  schützte  er  sich  gegen  neue  An- 
griffe; indem  er  aber  diese  Leichtgekränkten  zu  Schülern 
der  Propheten  der  «jetzigen  Mode»,  deren  französische 
Richtung  noch  unterstrichen  wurde,  machte,  gab  er  tat- 
sächlich seinen  Gegnern  recht.  Aus  dieser  Kontroverse 
ergibt  sich  jene  aktuelle,  kulturgeschichtliche  Bedeu- 
tung, die  die  Schulkomödien  auch  für  breitere  Kreise 
erworben  hatten. 

Bohomolec  mußte  freilich  einen  neuen  Weg  ein- 
schlagen, auf  dem  er  ungestört  seine  Wirksamkeit  fortsetzen 
konnte.  Dazu  bestimmte  ihn  vielleicht  auch  ein  Druck 
«von  oben».  Jedenfalls  ließ  er  den  «Figlacki  kawaler», 
dessen  eigentlicher  Platz  schon  im  ersten  Bande  war,  vor- 
läufig ungedruckt.  Er  gab  weiter  die  in  «Disputationen» 
verfochtene,  antimoderne  und  antifranzösi^che  Tendenz  auf 
und  ging  zum  Poreeschen  Vorbilde  moralisierender 
Einstellung  zurück,  wobei  er  jede  Polonisierung  beiseite 
ließ.  Diese  dritte  Etappe  war  die  der  eigentlichen 
«Juvenis-»  und  «Pater»-Komödien,  die  wohl  mit  der 
«Nieroztropnosc»,  einer  «miodzian »-Komödie,  und  dem 
«Dziwak»,    einer  «starzeo-Komödie,  begann.    Sie    können 


306  Kapitel  VI. 

nicht  weit  von  jener  Gruppe  abliegen,  da  wir  hier  den 
Namen  Figlacki  treffen,  mit  dem  aber  keineswegs  der 
frühere  Prophet,  sondern  einfach  eine  konventionelle 
Dienergestalt  bezeichnet  wird.  In  den  später  folgenden 
Komödien  verschwindet  auch  dieser  Name  zugunsten  ver- 
schiedener Sbrigani,  Frontin,  Doreni  usw.  Ungefähr  gleich- 
zeitig entstand  wohl  auch  die  «Rada  skuteczna»,  wo  wir 
noch  den  aus  dem  «Figlacki  kawaler»  bekannten  Namen 
Lunacki  finden:  auch  das  war  eine  cPater»-Komödie. 

Im  Anschluß  an  diese  «Pater» -Komödie,  deren 
zwar  schwache,  aber  doch  unverkennbare,  gegen  die 
ältere  Generation  gerichtete  Tendenz  noch  Spuren  und 
Nachklänge  jener  gesellschaftlichen  Satire  verrät  und  die 
spätere  anti-«sarmatische>  Richtung  der  « Theater komödien» 
vorbereitet,  müssen  wir  uns  die  übrigen  «Pater »-Komödien 
entstanden  denken,  nämlich  die  «Natr^tnicy»  und  den 
«Dziedzic  chytry»,  die  zudem  noch  mit  dem  «Dziwak» 
den  äußeren  Zug  der  die  ursprüngliche  Liebesintrige  er- 
setzenden Erbschaftsintrige  gemein  haben. 

In  rascher  Folge  werden  nun  auch  die  « Ju venia »- 
Komödien  entstanden  und  aufgeführt,  erst  allmählich  aber 
veröffentlicht  worden  sein.  Zugleich  mit  dem  «Dziedzic 
chytry»  entstand  sicher  der  «Pan  do  czasu»,  haben  doch 
in  beiden  lächerliche  Deutsche  mit  deutschen  Namen 
(Hernar,  Dreynar)  die  Hauptrollen.  Die  Bravaden  des 
Hernar  erfüllen  die  folgenden  Prahlerkomödien,  den  «Chel- 
pliwiec»,  den  «Junak»,  den  «Ubo^i  hardy».  Zugleich  läßt 
sich  in  den  Prahlereien  dieser  drei  Komödien  der  Einfluß 
der  Bruyesschen  Komödie  erkennen,  die  Bohomolec  pol- 
nisch cStatysta  mniemany»  genannt  hat.  Als  Pendant  zum 
«Ubogi  hardy»  müssen  wir  uns  wohl  gleichzeitig  den 
<fUbogi  pokorny»   entstanden  denken. 

Wie  sich  der  Diener  des  <Statysta  mniemany»  Mar- 
tiniere  nennt,  so^  tut  es  auch  der'  Diener  des  «Paryzanin 
polski»,  und  in  den  «Kawalerowie  modni»  versucht  Boho- 
molec sogar  diese  ihn  interessierende  Figur  eines  von  der 
neumodischen    Kultur    beleckten    Dieners    selbständig    in 


Die  literarhistorische  Bedeutung  der  Schulkomödien.         367 

der  neuerfundenen  GeFtalt  des  Monsieur  de  Martiniere 
auszubilden.  Diese  beiden  Komödien  stehen  im  engsten 
Zusammenhang  mit  den  cM(jdrkowie>,  die  wie  jene  als 
Bildungskomödie  betrachtet  werden  müssen.  In  allen  dreien 
erhebt  Bohomolec  seine  Stimme  wieder  stark  und  laut 
gegen  die  Afterweisheit  der  macaronisierenden,  nach  fran- 
zösischem Muster  Schöngeist  spielenden,  preziösen  und 
eitlen  Grünschnäbel,  gegen  die  Weltanschauung  der  «moda 
teraznieysza»,  der  er  die  kluge  praktische  Bildung Klitanders, 
der  freilich  nur  blaß  ausgefallen  ist,  in  den  «M^drkowie» 
entgegenstellt.  Diese  vierte  Etappe  oder  vierte  Gruppe 
greift  auf  die  Ideen  der  zweiten  zurück,  und  im  «Paryzanin 
polski»  erlaubt  sich  Bohomolec,  wie  es  bei  dem  Stoffe 
auch  nicht  gut  anders  möglich  war,  wieder  polnische 
Namen  anzuwenden. 

Der  fünfte  Band  der  Bohomolecschen  Komödien  hinkte 
merkwürdigerweise  mit  starker  Verspätung  nach  und  er- 
schien zudem  nicht  in  der  Druckerei  der  Jesuiten,  sondern 
in  einer  privaten  Typographie.^  Was  der  Grund  dieser 
Verspätung  gewesen  sein  kann,  wissen  wir  nicht  mehr,- 
doch  glaube  ich,  daß  uns  die  Vermutung  gestattet  ist,  daß 
wir  es  hier  mit  einer  Nachlese  zu  tun  haben,  die  nach- 
träglich noch  in  die  Welt  geschickt  wurde.  Die  «Kawa- 
lerowie  modni»,  die  in  diesen  Band  aufgenommen  sind, 
haben  wir  schon  oben  besprochen;  die  «Klopoty  panöw», 
eine  «jesuitische>  Komödie,  muß  gleichzeitig  mit  den 
anderen  Jesuitenkomödien  entstanden  sein,  und  da  die 
Idee  dieses  Stückes  und  einige  Motive  mit  der  Idee  und 
einigen  Motiven  des  noch  nicht  behandelten  «Arlekin  na 
swiat  urazony»  einerseits,  denen  des  «Filozof  panui^cy» 
andererseits  nahe  verwandt  sind,  dürfen  wir  wohl  auch 
den  « Arlekin >  nachträglich  in  zeitliche  Nähe  mit  dert 
«jesuitischen»  Komödien  bringen.  Nun  haben  wir  im 
fünften  Bande  noch  die  drei  <plautinischen»  Komödien,, 
deren  chronologischen  Platz  wir  zu  bestimmen  haben,  und 


Vgl.  S.  417  im  Anhang. 


368  Kapitel  VI. 

zwar  glaube  ich,  daß  diese  Komödien  die  Frucht  eines 
zusaramenhängenden  Plautusstudiums  sind  und  nicht  gut 
auseinandergerissen  werden  können:  der  «M^'sliwy»,  eine 
gegen  übertriebene  Jagdliebhaberei  gerichtete  Komödie,  und 
die  «Przyiaciele  stolowi»,  eine  gegen  übertriebenen  Freund- 
schaftskultus gerichtete  Komödie,  gehören  zur  selben  Art 
wie  die  teilweise  gegen  Kartenspiel  gerichtete  Komödie 
«Figlacki  polityk»  II,  die  gegen  übertriebene  jMusiklieb- 
haberei  gerichtete  «Nieroztropnosc»,  die  mit  Erbschafts- 
üngelegenheiten  operierenden  «Dziwak»,  «Natr^tnicy»  und 
cDziedzic  chytry»,  und  da  sie  beide  ausgesprochene 
^Juvenis »-Komödien  sind,  werden  wir  sie  wohl  mit  Recht 
zwischen  jenen  beiden  und  diesen  dreien  ansetzen  können. 
Dadurch  würde  es  sich  erklären,  wie  das  Motiv  von  der 
Seuche  aus  den  «Przyiaciele»  in  den  «Cbelpliwiec»,  der 
früher  gedruckt  wurde,  hinübergewandert  ist.^  In  un- 
mittelbarer Nähe  werden  wir  die  tendenzlosen  «Blizni^ta» 
plazieren  müssen.  Bei  einer  solchen  Anordnung  kann  auch 
der  oben^^  ausgesprochene  Grundsatz,  nach  dem  Komödien 
mit  beibehaltener  Liebesintrige  später  entstanden  sein 
müssen  als  Komödien  mit  Ersatzafifekten,  durchgeführt 
werden. 

Wenn  wir  unsere  Schulkomödien  auf  diese  Weise 
gruppieren  und  die  vier,  freilich  nicht  reinlich  auseinander 
zu  scheidenden  Etappen  einer  speziell  jesuitischen,  einer 
kulturpolemischen,  einer  moralisierenden  und  schließlich 
einer  gesellschaftlich -satirischen  Betrachtungsweise  an- 
nehmen, können  wir  —  trotz  jener  rein  äußeren  Bande, 
die  Bohomolec  fesselten,  —  eine  innere  Absicht  und 
Neigung  zur  Gesellschaftskritik  bei  ihm  wahrnehmen.  Da- 
mit ist  für  mich  auch  das  Urteil  über  Bohomolec'  angeblichen 
«Molierismus»  gefällt  und  ein  neuer  Gesichtspunkt  für 
die  Beurteilung  der  von  Bohomolec  ursprünglich  gewollten 
und  später  frei  verwirklichten  Komödienart  gewonnen. 
Moliere  ist  ihm  keine  plötzliche  Erleuchtung  gewesen  und 

9  Vgl.   oben   S.   118   und   220. 
10  Vgl.  S.  185. 


Die  literarhistorische  Bedeutung  der  Sohulkomftdien.        369 

hat  keinen  Durchhruch  in  eeiner  Schulkomödienproduktion 
gezeitigt.     Er  ist  ihm,  wie  Plautus,  wie  Goldoni,  nur  eine 
Quelle  gewesen,  die  reicher  floß  als  die  ührigen  von  ihm 
lienutzten,    eine   Quelle,    auf   die   er   im    Notfälle   immer 
wieder   zurückgreifen    konnte,   wenn    er    eines    komischen 
Stoffes  oder  eines  Schemas  bedurfte.     Er  hat  nicht  Moliere 
wieder  auferstehen  lassen  wollen  und  ist  an  den  von  ihm  ge- 
schaffenen ewig-menschlichen  Typen  gleichgültig  vorbeige- 
gangen. Er  hat  sich  von  Gokloni  fesseln  lassen,  von  liolberg, 
von  der  Commedia  delTarte,  von  anderen^ternen  geringerer 
Leuchtkraft.     Er  hat  im  Rahmen  der  jesuitischen  Schul- 
prinzipien immer  wieder  darnach  gestrebt,  auf  die  Gesell- 
schaft einzuwirken,    den  Zeitgeist    in    andere   Bahnen    zu 
lenken,    Bildung-ideale    zu    formulieren,    Schwächen    der 
Zeitkultur   anzugreifen,    wenn    auch    die  Pflicht    der    rein 
moralisierenden  Produktion  jenem  Streben  im  Wege  stand. 
Wir  werden  daher  auch  entschieden  die  Behauptung 
ablehnen    können,    die    späteren    <Theaterkomödien>    des 
Expädagogen  wären  eine  weitere  Emanation  des  mutmaß- 
lichen polnischen   «Molierismus»,  von  dem  man  die  ganze 
Entwicklung   der   polnischen  Komödie   beherrscht  glaubt. 
Denn  ebensowenig  wie  die  Schulkomödien  unseres  Paters 
«molieristische»   Komödien  sind,  ebensowenig  sind  es  die 
sogenannten   « Theaterk( ^mödien  » . 

Zuvörderst  sei  es  hier  festgestellt,  wie  oft  Bohomolec 
die  technischen  Mittel  und  motivischen  Stoff'e,  die  ihm 
bei  der  Abfa,«sung  der  Schulkomödien  von  selbst  er- 
wuchsen,   in   den   «Theaterkomödien»   wieder  anwendet.^^ 

11  Ich  ziehe  hier  folgende  «Theaterkomödien»  zum  Vergleiche 
heran:     1.    «Matzenstwo    z    kalendarza*,    aufgeführt    am 

4.  März  1766  in  Gegenwart  des  Königs,  erschienen  kurz  darauf 
(vgl.  «Wiadomosci  Warszawskie»,  Nr.   19  Suppl.  und  23  Suppl.  \'X)ra 

5.  und  19.  März  1766) ;  2.  «S  t  a  r  u  s  z  k  i  e  w  i  c  z»,  erschienen  im 
August  1766  (vgl.  ibid.  Nr.  69  Suppl.  vom  27/VIIl);  3.  «S  ta- 
rn szka  mtoda»,  erschienen  im  September  1766  (vgl.  ibid. 
Nr.  77  Suppl.  vom  24/IX) ;  4.  «C  e  r  e  m  o  n  i  a  n  t»,  erschienen  im 
April  oder  Mai  1767  (vgl.  ibid.  Nr.  27  Suppl.  vom  5/V);  5.  «P  i  i  a - 
c  y>\  erschienen  wahrscheinlich  nach  jener  und  vor  der  folgenden 

Slender- Petersen,  Die  Schulkomödien.  24 


.?70  Kapitel  VI. 

Ich  habe  im  vorigen  Kapitel  als  typisch-jesuitisches  Mittel 
die   «disputationeß»   hervorgehoben,  d.  h.  Dialoge  über  ein 

Komödie  im  Jahre  1767  (ich  fand  diese  Komödio,  die  Kielski 
nicht  zTiüän^lirli  gewesen  ist,  in  der  Bibliothek  des  Czartoryski- 
Musenms  zu  Krakau);  6.  "Pan  dobry>,  erschienet  im  Heibslc 
1767  (v{il.  ibid.  Nr.  81  vom  ll/X);  7.  «Monitor»,  erschienen 
zu  gleicher  Zeit  mit  jener  (vgl.  ibid.);  8.  «Czary»,  erschienen 
1775  (Hiegeb'ison  bez\v<'ifelt  die  Autorschaft  Bohomolec',  die  aber 
von  Malinowski,  0  j^zyku  komedyj  Fr.  Bohomolca,  S.  29,  auf 
Gnmd  sprachlicher  Be<ihachlun<Tnn  bekräftij^'t  worden  ist;  auch  rein- 
technische Gründe  sprechen  dafür).  Nach  Biej^eleisen  (S.  648j  soll 
Bohomolec  auch  eine  Komödie  mit  dem  Titel  «Nadgroda 
c  n  o  t  y  \  die  im  März  A]>ril  1767  erschienen  sei,  geschrieben 
haben;  nach  Sommen'ogei  (Vlil,  S.  475)  soll  diese  Komödie  schon 
1750  in  Warschau  gespielt  und  gleichzeitig  herausgejieben  worden 
sein:  Chmielowski  nennt  auch  den  Titel  in  der  Wielka  Encyklo- 
jcdja  Powszechna;  dagegen  wird  sie  weder  von  Eslreicher  noch 
den  anderen  Forschem  genaimt.  Mir  scheint  der  sentimentale  Titel 
gegen  Bohomolec'  Autorschaft  zu  sprechen,  und  da  die  Komödie 
verschollen  zu  sein  scheint,  ist  sie  auch  von  mir  nicht  berücksich- 
tigt worden.  Der  «M  a  rno  t  ra  wc  a»,  der^  im  Juni  1766  er 
schienen  (vgl,  '<Warsz.  Wiad.;>,  Nr.  50_yoni  21./VI),  nur  eine  Üljer- 
setzung  von  Destouches'  «Le  Dissipateur»  sein  soll  (vgl.  Estreicher: 
Bibl.  Polska,  Bd.  I,  S.  372,  Kasinowski  in  der  Vorrede,  S.  6,  zu 
seiner  Ausgabe  von  Zablockis  «ZalK>lxjnnik»  in  der  Serie  «Arcydziela 
polskich  i  obcych  pisarzy^^,  Brody,  Bd.  43 — 44),  ist  mir  leider 
v.'io  Kielski  (a.  a.  0.,  S.  139j  mid  Szyjkowski  (a.  a.  0.)  unbekannt 
geblieben,  trotz  eifrigsten  Nachsuchens  in  Warschaus  IJniversitits- 
bibliothek  und  allen  Bibliotheken  Krakaus.  Einige  von  den  oben- 
genannten Komödien  scheinen  in  Sammelausgaben  ersctiienen  zu 
sein.  Nach  Biegeleisen  (a.  a.  0.,  S.  648)  soll  eine  solche  Ausgabe 
vom  Jahre  1767  die  Komödien  «Staniszka  mloda»,  "Staruszkiewicz», 
«Ceremoniant;>  und  «Pan  dobry^>  enthalten  haben.  Esl reicher  nennt 
in  seiner  BibIiograj»hie  zwei  Sammelausgalxjn,  von  denen  die  eine 
die  Komödien  «Malzeristwo  z  kalendarza»,  «Stamszkiewicz),  «Mamo- 
t.rawca>'  und  «Staruszka  mloda»,  die  andere  dagegen  die  Komödien 
«Ceremoniant»,  «'Piiacy;>,  «Pan  dobry»  und  «Monitor-)  entlialten  soll. 
Schließlich  hat  Estreicher  im  «Dziennik  Literacki^)  vom  Jahre  1853 
(Nr.  41,  S.  322)  eine  dritte  Sammelausgabe  erwähnt,  die  die  Ko- 
mödien «Monitor»,  «Piiacy/>,  «Pan  dobry»  imd  die  sonst  unbekannte 
Komödie  «Wdowa»  enthalten  haben  soll.  Keine  von  diesen  Sammel- 
ausgaben habe  ich  in  Warschau  oder  Krakau  finden  können  und 
kann  somit  die  Angaben  nicht  kontrollieren.  Was  speziell  die 
«W  d  o  w  a^.  anbetrifft,  die  bisher  von  keinem  Forscher  analysiert 


I 


Die  literarhistorische  Bedeutung  der  Schulkoraßdien,         371 

beetimmtes  Problem  mit  Vorbringung  von  «für»-  und 
«gegen »-Argumenten  und  Unterstreichung  des  kirchlich- 
jesuitischen  Standpunktes,  (tenau  dasselbe  Mittel  finden 
wir  nun  in  den  meisten  «Theaterknmödien»  wieder.  Denn 
was  ist  das  lange  Gespräch  zwischen  Pan  Staruszkiewicz 
und  seiner  modern  denkenden  Schwester,  der  PaniBywalska, 
im  «Malzenstwo  z  kalendarza»  über  das  Problem  der 
Freradeneinwanderung  und  des  polnischen  «Indigenats», 
wenn  nicht  eben  eine  lehrhafte  «disfnitatio»  von  ähn- 
licher Art,  wie  wir  sie  so  oft  in  den  Schulkomödien 
tinden?  Was  ist  das  charakteristische  und  sehr  wohl- 
gelungene Gespräch  zwischen  der  Madame  Demariee  und 
dem  jungen  polnischen  Mädchen  Anna  irn  «Staruszkiewicz» 
(Iir,l),  wenn  nicht  auch  eine  solche  «disputatio»  ?  Und 
die  leidenschaftliche  Rede  des  jungen   «kapitan»   im   «Ce- 


worden  ist,  so  ist  sie  offenbar  niemals  einzeln  erschienen,  die 
Sammelausgabe  aber,  in  die  sie  aufganommen  gewesen  zu  sein 
scheint,  muß  sicher  als  verschollen  betrachtet  werden.  Nun  hat 
aber  ein  glücklicher  Zufall  mir  die  Komödie  in  einer  zeitgenös- 
sischen Abschrift  in  die  Hände  gespielt.  Wir  finden  nämlich  im 
cod.  ms.  250  der  Jagellonischen  Bibliothek  zu  Krakau,  dessen  ich 
schon  oben  im  Vorbeigehen  auf  Seite  193  in  einer  Fußnote  Er\säh- 
nuiig  getan  habe,  neben  den  dort  genaimten,  Groldonischen  Ko- 
mödien und  einer  Reihe  von  anderen  Übersetzungen,  bei  denen 
weder  Verfasser-  noch  Über.setzemame  genannt  werden  (Meliere: 
«Le  Medecin  malgre  lui»  —  «Doktor  przymuszony),  de  Brueys: 
♦L'Avocat  Patelin»  —  «Kommedya  Patelüi  patron»,  Marivaux:  «Le 
Jeu  de  l'amour  et  du  hazard»  —  «Igrzysko  milo^ci»,  Saint  Foix : 
«Arlequin  dans  le  S6rail:>  —  «Arlekin  w  Saraiu»),  sowie  zwei  pol- 
jiischen  Originalkomödien  (Czartoryski :  «Panna  na  wydaniu/>,  Bie- 
laAvski :  «Natreci»),  eine  Reihe  von  Bohomolecschen  Komödien,  näm- 
lich den  «Arlekin  na  swiat  urazony>,  die  «Rada  skuteczna»,  das 
«Malzenstwo  z  kalendarza;,  den  «Staruszkiewicz),  die  «Staruszka 
mtoda»  und  schließlich  die  «Wdowa».  Die  liier  auftretenden  Per- 
sonen sind  die  «wdowa»  Umizgalska,  eine  j angverwitwete,  uner- 
fahrene Provinzdame,  ihr  alter  ehrlicher  Diener  Rzetelnicki,  ihre 
kluge,  verschmitzte  «suivante»  Obrotnicka,  der  «Chevalier  d'indu- 
strie-)  "Wszedobylski,  der  der  Witwe  ihr  Geld  ablauem  will,  und 
seine  Helfershelferin  Modnicka,  «handlui^ca  kometami,  koron- 
kami  etc.»  Einige  Züge,  die  Bohomolec'  Verfasserschaft  verraten, 
kommen   im  folgenden   gelegentlich   zur   Sprache. 

24* 


372  Kapitel  VI. 

remoniant»,  der  peiner  Mutter  eine  richtigere  Auffassung 
des  Begriffes  «polityka  albo  obyczaynosö»  beibringen  will? 
Oder  die  Reflexionen  des  Milogost  in  den  «Czary»,  der 
seinem  alten  Regimentskameraden  nur  mit  Mühe  verständ- 
lich machen  kann,  daß  Ehe  ohne  Liebe  ein  Unding  sei? 
Oder  die  Gespräche  des  Pan  Dobrotliwski  mit  dem  Pan 
Hala^nicki  über  das  Verhältnis  zwischen  dem  Gutsherrn 
und  seinen  Bauern  im  «Pan  dobry»?  Oder  die  Betrach- 
tungen, die  Roztropski  und  Sobrecki  in  den  «Piiacy»  über 
den  Schaden  der  Trunksucht  anstellen?  Alles  das  sind 
nichts  anderes  als  «disputationes»,  die  uns  aus  den  Schul- 
komödien her  so  wohlbekannt  sind.  Aber  sie  sind  zu- 
gleich mehr  als  das.  Sie  sind  zunächst  nicht  mehr  so 
unkünstlerisch,  so  unmittelbar  dozierend  wie  in  jenen,  sie 
sind  schon  in  den  Dienst  einer  allseitigen  Charakteristik 
getreten  und  haben  keine  so  auffällige  absolute  Bedeutung, 
wie  seinerzeit  in  den  Schulkomödien,  sondern  sollen  zur 
ausführlicheren  Darstellung  gewisser  Personen  und  ihrer 
(jredankenkreise  beitragen;  sie  sind  vor  allen  Dingen  jener 
engkirchlichen  Tendenz  beraubt,  die  sie  in  den  Schul- 
komödien hatten:  wir  hören  keine  Predigten  mehr  über 
Hölle  und  .Teufel,  über  Beichte  und  Kommunion,  über 
Gott  und  seine  Diener,  die  Priester,  denen  wir  die  größte 
Achtung  schuldig  seien;  sie  nähern  sich  stark  wirklichen 
Gesprächen. 

Einen  augenfälligeren  Beweis  für  jene  intime  Ver- 
bindung, die  zwischen  den  früheren  Schulkomödien  und 
den  späteren  «Theaterkomödien»  besteht,  vielleicht  auch 
einen  überzeugenderen  Beweis,  als  den  in  dem  Vorkommen 
von  «dieputatio»-Reflexen  vorliegenden,  können  uns  die 
motivischen  Übereinstimmungen  und  Zusammenhänge 
zwischen  den  beiden  Komödienarten  liefern.  Solcher  gibt 
es  nämlich  zahlreiche. 

Staru-?zkiewicz'  große  Vorliebe  für  den  undankbaren 
Schwindler  und  Verschwender  Marnotrawski  im  «Maizen- 
Btwo  z  kalendarza»  ist  genau  nach  jener  albernen  Liebe 
kopiert,  die  der  Anzelm  im  «Dziwakt   für  seinen  Figlacki 


Die  lilerarhistorische  Bedeutung  dtr  Schulkomödien.        373 

nährt.  Marnotraw.-ki  prahlt  wiederum  genau  so  mit  seinen 
imaginären  Vt-rhindungen  bei  Hofe  wie  Pelileville  im 
«Statysta  mniemany»  oder  Rudolf  im  tUbogi  hardy»,  ge- 
nau so  mit  seinen  erfundenen  Reichtümern  wie  Hamochwal 
im  tChclpliwiec»,  verrät  sich  genau  so  mit  einem  unvor- 
sichtigen I^riefe  wie  Figlacki  im  «Figlacki  ka waler  z 
ksi^zyca»,  wird  genau  so  von  einem  aus  der  Fremde 
kommenden  Kaufmanne  entlarvt  wie  der  freilich  ganz  un- 
schuldige Dreynar  im  tPan  do  czasu»,  und  Stftruszkiewicz 
ist  mit  seinem  Kalenderglauben  g^nau  so  abergläubisch 
wie  Anzelm  in  der  «Rada  skuteczna«  niit  seinem  (Jlauben 
an  die  Astrologie. 

Es  ist  keineswegs  ein  Zufall,  wenn  der  Chevalier 
de  la  Corde  ^^  im  «Staruszkiewicz»  sich  auch  zur  Ablenkung 
jedes  Verdachtes  Marquis  de  Petiteville  nennt,  ist  er  doch 
wesensverwandt  mit  jenem  «Graff»  de  Petiteville,  der  im 
«Statysta  Djniemany»  die  Titelrolle  hat.  Seine  Biographie 
aber,  die  uns  im  ersten  Akte  gegeben  wird  (1,3),  siiramt 
ganz  mit  jener  Lebensgeschichte  überein,  deren  Held  der 
falsche  Monsieur  de  Martiniere  in  den  «Kawalerowie  modni> 
ist:  sogar  die  Geschichte  von  seinem  Duell  mit  einem 
französischen  Fürsten  wegen  einer  Comtesse  wird  uns  hier 
wiederholt.  Aber  auch  mit  anderen  Helden  aus  den 
Schulkomödien  hat  der  Chevalier  Berührungspunkte,  so 
mit  dem  Figlacki  im  «Dziwak»,  wenn  er  dem  alten,  eitlen 
iStaruszkiewicz  nach  Kräften  schmeichelt,  so  mit  dem 
Samochwal  aus  dem  «Chelpliwieo,  wenn  er  mit  seinen 
augeblichen  Verbindungen  mit  dem  Könige  von  Frankreich 
oder  mit  seinen  imaginären  Reichtümern  prahlt.  Sein  treuer 
Freund,  Pan  Dziwakiewicz,  aber  ist  wieder  eine  unmittel- 
bare Kopie  des  Robert  de  Starsenfeld  aus  dem  «Paryzanin 
polski»  und  des  Bywalski  aus  dem  «Urazaii^cy  si^ 
nieslusznie»:  wie  jener  protestiert  er  gegen  das  frühe  Zu- 


12  Ein  Name,  der  wohl  nur  zufallig  an  den  Namen  des  Pro- 
fessors der  französischen  Sprache  am  adligen  Konvikt  zu  Warschau, 
M.  de  la  Borde,  Bohomolec'  Kollege  und  Ordensbruder,  erinnert. 
Vgl.   Zat^ski,  a.  a.  0.,   Bd.  III,  2,  S.  1058. 


374  Kapitel  VI. 

bettegehen  und  das  frühe  Aufstehen  als  eine  Sünde  gegen 
die  Mode,  wie  dieser  hat  er  verschiedene  Bücher  über 
Schönheitspflege  zu  empfehlen. 

In  der  «Staruszka  mloda>  begegnen  wir  den  un8  s